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Billiger als Lap Coffee – diese chinesische Kette will Deutschland erobern
Die chinesische Kette Cotti Coffee expandiert rasant und ist jetzt mit mehreren Filialen in Deutschland vertreten.
Mit 99-Cent-Espresso und stark automatisiertem Konzept setzt das Unternehmen auf maximale Effizienz und Niedrigpreise.
Unser Reporter war in Berlin vor Ort und testete die China-Kette.
Vor dem Store hängen noch die rot-grauen Ballons von der Eröffnung, aus denen langsam die Luft entweicht. Im Laden sind die wenigen vorhandenen Tische alle belegt, jedoch nur von in Smartphones vertieften Einzelpersonen.
So sieht also die chinesische Revolution des Billig-Kaffees aus? Ich befinde mich in einer Berliner Filiale von Cotti Coffee, einer neuen Kaffeehaus-Kette aus China, die Starbucks, Lap Coffee und Co. Konkurrenz machen will. Mit aggressiven Niedrigpreisen drängt Cotti Coffee seit kurzer Zeit auch auf den deutschen Markt, nachdem das Unternehmen bereits seine Expansion in die USA begonnen hat.
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Hinter der Kaffee-Erfolgsgeschichte von Cotti stecken zwei ehemalige Führungskräfte des ebenfalls chinesischen Coffee-Shops Luckin Coffee. Sie machten Cotti innerhalb von nur vier Jahren zur globalen Nummer drei nach Starbucks und Luckin. Damit kommen derzeit zwei der drei weltweit größten Coffee-Shop-Ketten aus dem Reich der Mitte.
Mittlerweile betreibt Cotti Coffee nach eigenen Angaben etwa 18.000 Filialen in 28 Ländern – ein rasantes Wachstum in kürzester Zeit. Über 16.000 der Filialen befinden sich in China. Zum Vergleich: Die chinesische Nummer eins und globale Nummer zwei Luckin Coffee betreibt derzeit rund 30.000 Filialen, davon über 24.000 in China. Das US-Unternehmen Starbucks betreibt dort lediglich 8000 Filialen seiner weltweit über 40.000 Shops.
Seit Anfang des Jahres ist Cotti Coffee mit derzeit sieben Filialen in Deutschland vertreten, davon zwei in Berlin. Die anderen befinden sich in Köln, Düsseldorf und Hamburg.
Zeit für einen Besuch also.
Zur Bestellung muss ich einen QR-Code scannen und kann dann aus einer Karte wählen, die genügend Auswahl für die Geschmäcker moderner Großstadtbewohner bietet, aber niemanden überfordert.
Es finden sich Kaffeegetränke, Matchagetränke und Frappés, etwa mit Kokos, Mango oder Grapefruit, im Menü. Einen einfachen Espresso gibt es auch – zu einem reduzierten Preis von 99 Cent.
Die Bestellung läuft ausschließlich digital und ich muss meine Mailadresse oder Telefonnummer angeben, wobei offen bleibt, warum. Danach kann ich, wenn ich nicht online zahlen möchte, immerhin am Terminal mit Karte zahlen – anders als in vielen Berliner Cafés.
Ich bestelle einen „Matcha Kokos Latte“ (warm) und einen „Grapefruit Americano“ (kalt), beides ohne Zucker, warte auf die Bestellung – und schaue mich dabei im Laden um.
Auch wenn Schönheit bekanntlich im Auge des Betrachters liegt: Die Innenausstattung der Cotti-Filialen wirkte auf mich, vorsichtig formuliert, eher ausladend. Allerdings waren bei diesem Besuch beinahe alle Plätze belegt, meistens von Laptopnutzern – der Laden bietet kostenfreies WLAN.
Anders als die Billig-Kette Lap Coffee setzt Cotti auf künstliche Holzparkettoptik statt Aluminium unter dem Neonlicht, vielleicht um etwas Wärme auszustrahlen. Ich lasse mich von den braunen Kunstledersitzen zum Verweilen einladen.
Nach einigen Minuten, in denen ich meine Eindrücke notiere, kommt meine Bestellung – beide Getränke eine Premiere für mich. Für den eisgekühlten Grapefruit-Americano ist es draußen noch etwas zu kalt, aber er kann leichte Sommergefühle bei mir hervorrufen. Der Jahreszeit angemessener ist der warme Kokos-Matcha-Latte, der zwar zuckerfrei ist, aber überraschend süß schmeckt.
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Auffällig viele Chinesisch sprechende Kunden sind bei meinem Besuch in der Filiale: Drei Viertel der anwesenden Kunden sprechen miteinander oder am Telefon Chinesisch – und bestellen auf Chinesisch.
Auch die Mitarbeiterinnen sprechen ausschließlich Chinesisch und Englisch. Eine von ihnen erzählt mir, dass sie extra für den Job hinter dem Tresen des Coffee-Shops von China nach Deutschland gekommen sei.
Neben Geschmack und der Originalität der Getränke ist ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal von Cotti Coffee der Preis. Mit seinem günstigen Angebot hat Cotti Coffee auf den ersten Blick viel Ähnlichkeit mit der in Berlin gegründeten Kaffeekette Lap, die in den vergangenen Monaten viel Kritik für ihre Niedrigpreise auf sich gezogen hat.
Beide Unternehmen arbeiten nach dem Konzept minimalistischer Einrichtung, kleiner Ladenflächen und vollautomatisierter Bestell- und Zubereitungsvorgänge, die kein qualifiziertes Personal benötigen.
Welche Preise bietet Cotti Coffee an?
Der Espressopreis gilt allgemein als Aushängeschild des Preisniveaus vieler Cafés und Coffee-Shops. In dieser Disziplin schlägt Cotti die Berliner Konkurrenz von Lap tatsächlich deutlich mit einem Espresso für 99 Cent. Bei der Berliner Konkurrenz Lap Coffee sorgte bereits der 1,50-Euro-Espresso für einen medialen Shitstorm.
Zum Vergleich: Starbucks nimmt für einen einfachen Espresso circa 3,50 Euro, bei der traditionsreichen Berliner Kette Einstein liegt der Preis bei zwei Euro.
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Schaut man jedoch auf das übrige Angebot, kann Lap von Cotti nur minimal unterboten werden. Der Americano kostet dann 1,99 Euro statt der zwei Euro bei Lap. Der Café-Latte liegt ebenfalls bei jeweils 2,99 Euro (Cotti) beziehungsweise drei Euro (Lap).
Bei den Matchagetränken und allen weiteren Sonderformen ist der Preisunterschied minimal höher. Der Matcha Latte kostet bei Cotti 3,39 Euro gegenüber 3,50 Euro bei Lap. Ähnlich sieht es für Kaffee-Mischgetränke aus.
Allerdings macht Cotti eine Sache anders als Lap: das Spiel mit Rabatten. Bei meinem Besuch sind auf der Website von Cotti, über die ich die Bestellung tätigen muss, nur reduzierte Preise zu sehen. Daneben sind die Originalpreise zu sehen, die oft ein Viertel bis ein Drittel höher liegen. Allerdings kann ich nicht erkennen, ab welchem Zeitpunkt die Preise wieder angehoben werden sollen.
Für Neukunden gibt es außerdem noch weitere Lock-Angebote: Extra Vergünstigungen auf bestimmte Getränke für die ersten drei Käufe.
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Mein Fazit
Im Vergleich mit Cotti Coffee wirkt Starbucks beinahe wie das sympathische Indie-Café um die Ecke und Lap Coffee wie ein buntes Einrichtungsgeschäft. Wer außerdem bei Lap schon kapitalismuskritische Schnappatmungen bekam, der sollte Cotti Coffee meiden. Genau wie bei Lap gilt: Cotti wirkte bei meinem Besuch weder wie ein einladender Treffpunkt, noch bot es qualitativ großartigen Kaffee – wer jedoch einen schnellen, preisgünstigen Kaffee, vielleicht mit etwas Kokos- oder Mango-Aroma, sucht, wird hier fündig.
Die beiden Getränke, die ich gekauft und ausgetrunken habe, waren wie der Laden selbst: Sie haben gehalten, was sie versprochen haben. Ein wenig Bauchweh habe ich danach trotzdem.
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Interview nach Kritik: Finn-CEO versteht den „Unmut“ der Kunden
Finn zählt zu den Aufsteigern der deutschen Startup-Szene. Das Unternehmen setzt auf ein Auto-Abo: Kunden wählen ihr Fahrzeug online, zahlen eine monatliche Rate – und erhalten ein Paket, das Leistungen wie Zulassung, Versicherung, Wartung und Steuern bündelt. Ein Angebot, das auf hohe Nachfrage trifft – und rasant wächst. Der reine annualisierte Abo-Umsatz liegt inzwischen bei über 250 Millionen Euro, ein Wachstum von 60 Prozent im Jahr 2025. Zudem hat Finn erstmals ein positives operatives Ergebnis erreicht, wie CEO Maximilian Wühr im Gespräch mit Gründerszene verrät.
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+++ Voyager Ventures +++ Soonicorn +++ Black Semiconductor +++ Flinn +++
#StartupTicker
+++ #StartupTicker +++ STARTUPLAND: So sorgen Rückschläge für neuen Antrieb +++ Auf dem Weg zum Unicorn: Black Semiconductor +++ StartupsToWatch: Flinn +++ Elena Ballesteros bringt Voyager Ventures nach Deutschland +++

Was gibt’s Neues? In unserem #StartupTicker liefern wir eine kompakte Übersicht über die wichtigsten Startup-Nachrichten des Tages (Freitag, 27. Februar).
#STARTUPLAND: Noch 19 Tage!

STARTUPLAND – one day, unlimited opportunities.
+++ Am 18. März findet im RheinEnergieStadion in Köln unsere dritte STARTUPLAND Conference statt. Es erwartet Euch wieder eine faszinierende Reise in die Startup-Szene – mit Vorträgen von erfolgreichen Gründer:innen, lehrreichen Interviews und Pitches, die begeistern. Mehr über STARTUPLAND
Live im STARTUPLAND: Ulrich Schmidt und Lasse Diener (Aufinity Group, bezahl.de)

Ein starkes Team, namhafte Investoren und ein wachsender Markt – und trotzdem Momente, in denen plötzlich alles ins Wanken gerät. Im STARTUPLAND sprechen Ulrich Schmidt und Lasse Diener über den Aufbau der Aufinity Group, über unaufgeregtes Wachstum – und über die Phase, in der die Wirecard-Pleite als Black-Swan-Event das Unternehmen unerwartet traf. Im Fokus steht die Frage, wie Startups mit externen Schocks umgehen, was Stabilität in unsicheren Zeiten wirklich bedeutet – und wie Rückschläge zum Ausgangspunkt für neue Antriebe werden können. Ein ehrlicher Einblick in Resilienz, langfristiges Denken und den Aufbau eines FinTechs, das gelernt hat, aus Krisen gestärkt hervorzugehen. Ihr Thema im STARTUPLAND: So sorgen Rückschläge für neuen Antrieb.
#STARTUPTICKER
Soonicorn: Black Semiconductor
+++ Soonicorn: Zu den deutschen Startups, die bald zum Unicorn aufsteigen könnten (Bewertung: 1 Milliarde), gehört insbesondere Black Semiconductor. Das Unternehmen, 2020 von Daniel Schall und Sebastian Schall ins Leben gerufen, kümmert sich um optische Datenübertragung. „Die neue Chip-Generation überwindet bisherige Grenzen der Chip-Konnektivität, steigert Rechenleistung und Effizienz, und hat damit das Potential die Industrie zu transformieren“, teilt das Unternehmen mit. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) und das Bundesland Nordrhein-Westfalen förderten Black Semiconductor zuletzt mit 228,7 Millionen Euro. Zudem investieren Porsche Ventures, Project A Ventures, Scania Growth, Capnamic Ventures, Tech Vision Fonds, NRW.BANK sowie die Altinvestoren 25,7 Millionen Euro in das Unternehmen. Mehr über Black Semiconductor
Flinn
+++ StartupsToWatch: Flinn. Das Wiener Startup, 2022 von Bastian Krapinger-Rüther, Markus Müller und Hasib Samad gegründet, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Compliance-Prozesse für Hersteller von Medizintechnik und die Pharmabranche zu automatisieren. Zu den Investoren der Jungfirma gehören HV Capital, Cherry Ventures, Speedinvest, SquareOne und BHI – Bertelsmann Healthcare Investments aus den USA. In den vergangenen Jahren flossen bereits rund 30 Millionen US-Dollar in Flinn. Derzeit drängt das Thema in die USA. Da dürfte das Potenzial riesig sein. „We invested in Flinn because we are convinced that MedTech teams deserve a true user-first system of action, and Flinn is uniquely positioned to build it. There is a clear whitespace in the U.S. market, and we are eager to partner closely with the team to help them break through and scale in the U.S.“, sagt Tim Schneider, Partner bei BHI. Mehr über Flinn
Voyager Ventures
+++ Hier kommt das Valley nach München! Der 2021 gegründete amerikanische Frühphasen-Investor Voyager Ventures eröffnet – wie angekündigt – ein Büro in München. Um den Aufbau vor Ort kümmert sich Elena Ballesteros, zuletzt Hitachi Ventures. „Die Entscheidung von Voyager, einen Standort in München aufzubauen, spiegelt Deutschlands wachsende Rolle als Innovationszentrum für Industrie und Energie wider“, heißt es in einer Presseaussendung. Voyager Ventures (Sarah Sclarsic und Sierra Peterson) verkündete zuletzt das Final Closing seines zweiten Fonds (275 Millionen US-Dollar). In den vergangenen Jahren investierte der Geldgeber aus San Francisco bereits in die deutschen Startups Annea (digitale Zwillinge von Windturbinen und Solaranlagen) und Enapi (Transaktionsbroker für die EV-Ladeindustrie). Nun sollen hierzulande zügig weitere Investments folgen. Der Investor interessiert sich insbesondere für Themen wie „Energieerzeugung und -verteilung, fortschrittliche Fertigung in der Industrie, kritische Materialien, physische KI und Computing“. Voyager Ventures verwaltet derzeit in drei Fonds 475 Millionen US-Dollar. Mehr über Voyager Ventures
Marketing
+++ 2026 ist das Jahr, in dem Marketing-Stacks erwachsen werden. KI beschleunigt Kampagnen, gleichzeitig macht sie Austauschbarkeit wahrscheinlicher. Deshalb verschiebt sich der Schwerpunkt: weg von „mehr Output“ hin zu besseren Systemen, saubereren Daten und klaren Workflows. Mehr in unserem Gastbeitrag
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+++ SAP investiert in HealthTech Avelios Medical +++ HealthTech Oska sammelt 11 Millionen ein +++ KI-Startup foodforecast bekommt 8 Millionen +++ HealthTech YOU(th) erhält 4,5 Millionen +++ Finanzspritze für MedTech Clee Medical. Mehr im Deal-Monitor
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Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.
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