Digital Business & Startups
CES 2026: Die heimlichen Stars der Mobilität kommen aus Deutschland
Keine deutschen Autobauer auf den großen Bühnen der weltgrößten Elektronikmesse in Las Vegas? Panik! Nicht nötig, meint unser Mobility-Autor Don Dahlmann
Wenn man durch die Hallen der weltweit größten Elektronikmesse, der CES in Las Vegas, wandert, könnte man zu einem schnellen Urteil kommen: Deutschlands Autoindustrie spielt dort kaum noch eine Rolle. Keine großen Premieren, keine aufwendig inszenierten Markenwelten, kein demonstratives „Wir zeigen euch die Mobilität von morgen“. Während US-Techkonzerne und asiatische Anbieter die Bühnen besetzen, wirken deutsche Hersteller auffällig abwesend. Früher wäre das ein Alarmzeichen gewesen. Aber es lohnt ein zweiter Blick.
Die Autoindustrie ist abwesend
Denn die CES 2026 erzählt weniger von Produkten als von einer Machtverschiebung. Mobilität wird dort nicht mehr als Auto verhandelt, sondern als System. KI-Plattformen, Sensorik, Karten- und Dateninfrastruktur, Validierung oder Software-Stacks. Die CES ist in diesem Jahr ein Treffpunkt der unsichtbaren Ebenen hinter der Mobilität. Denn 2026 geht es vor allem darum, die in den vergangenen Jahren entwickelten Technologien zu skalieren, damit man auch endlich damit Geld verdienen kann.
Genau hier beginnt das Missverständnis über Deutschlands Rolle. Die Abwesenheit deutscher Autohersteller auf den großen Bühnen bedeutet nicht, dass Deutschland technologisch abgehängt wäre. Sie zeigt primär, wie wichtig der deutsche Mittelstand ist. Gerade auf einem Event, das Software-Ökosysteme und KI-Demonstratoren feiert. Dass Siemens und Bosch vor Ort sind, VW und Mercedes aber fehlen, ist also nur folgerichtig.
Könige der Skalierung
Denn die eigentliche Transformation findet unter der Oberfläche statt. Autonome Systeme entstehen nicht als Markenleistung, sondern als Zusammenspiel aus Sensorik, Software, Kartenmaterial, Datenverarbeitung und Absicherung. Genau dort liegen die klassischen Stärken deutscher Unternehmen: Systemintegration, Zuverlässigkeit, industrielle Skalierung. Das ist nicht spektakulär, aber es ist weltweit unverzichtbar.
Daher findet man deutsche Unternehmen in Las Vegas nicht in den Hallen mit den spektakulären großen Bühnen, sondern eher an kleinen Ständen. Das mag wenig spektakulär aussehen, ist aber effizient. Man ist hier, um Geschäftskunden Lösungen anzubieten, nicht für große Show. Die Revolution, die durch Startups aus Deutschland und Europa angetrieben wird, findet also in Las Vegas oft da statt, wo kaum jemand hinschaut.
Der deutsche Mittelstand war schon immer dann stark, wenn es darum ging, hochspezialisierte Lösungen für komplexe industrielle Systeme zu liefern. Nicht das große Ganze, sondern das entscheidende Teil darin. Diese Logik setzt sich in der Mobilität der Zukunft fort. Die Frage, wie man Kommunen dabei helfen kann, neue Technologien in alte IT-Systeme zu integrieren, mag langweilig erscheinen, aber sie ist entscheidend dafür, dass die neue Technik überhaupt zum Einsatz kommen kann.
Ohne Plattformen keine Gewinne
Ein Beispiel ist das Startup Pulsetrain, das keine Batteriezellen baut und keine Fahrzeuge zeigt, sondern ein hochpräzises Batterie- und Energiemanagement entwickelt. Unsichtbar für Endkunden, aber zentral für Effizienz, Lebensdauer und Sicherheit – genau die Faktoren, über die sich industrielle Skalierung entscheidet.
Ähnlich agiert der deutsche Kartenanbieter HERE. Während andere über autonome Fahrzeuge sprechen, arbeitet das Unternehmen an der Infrastruktur, ohne die Autonomie nicht funktioniert: hochpräzise Karten, Echtzeit-Daten und vor allem Plattform-Kooperationen. Die auf der CES verkündeten Partnerschaften sind kein Show-Element, sondern Ausdruck eines Geschäftsmodells, das auf Integration setzt. Karten, Daten und Plattformfähigkeit sind heute wichtiger als das sichtbare Produkt.
Auch bei Startups zeigt sich dieses Muster. Die deutsche Mobility-Startup-Szene produziert selten große Visionen vom radikal neuen Verkehrssystem. Stattdessen entstehen Lösungen für Batterie-Management, Simulation, Datenanalyse oder industrielle Integration. Weniger Moonshot, mehr Werkzeug. International ist das schwerer zu erklären, aber extrem gefragt. Deutsche Startups bauen die unsichtbaren Plattformen, die dafür sorgen, dass die Zukunft der Mobilität überhaupt in Gang kommt.
Mobilität ist heute keine Sache eines Unternehmens allein, sondern Infrastruktur. Sie wird nicht durch ein einzelnes Produkt entschieden, sondern durch Abhängigkeiten in komplexen Systemen. Wer diese Systeme baut, steht selten ganz vorne auf der Bühne. Aber die CES hat in diesem Jahr auch gezeigt: Der deutsche Innovationsmotor läuft gerade hoch und er besetzt Nischen, die für die Zukunft entscheidend sind.
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+++ Gründungsboom +++ Mercura++ Funding Landscape +++ United Manufacturing Hub +++
#StartupTicker
+++ #StartupTicker +++ Eine richtig gute Nachricht! Gründungsboom trotz Wirtschaftsflaute +++ KI-Startup Mercura ist nach einem Jahr profitabel +++ Funding Landscape: Der Markt wirkt vorsichtig, aber nicht verschlossen +++ Unbedingt merken: United Manufacturing Hub +++

Was gibt’s Neues? In unserem #StartupTicker liefern wir eine kompakte Übersicht über die wichtigsten Startup-Nachrichten des Tages (Freitag, 9. Januar).
#STARTUPLAND: SAVE THE DATE

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#STARTUPTICKER
Startup-Neugründungen
+++ Krisenzeiten sind definitiv Gründungszeiten! „2025 war ein Rekordjahr für Startup-Neugründungen in Deutschland: Mit 3.568 neu gegründeten Startups wurde ein neuer Höchststand erreicht – ein Plus von 29 % gegenüber 2024 und sogar mehr als im bisherigen Rekordjahr 2021“ – dies zeigt der neue Report „Next Generation – Startup-Neugründungen in Deutschland“, der vom Startup-Verband und startupdetector veröffentlicht wurde. Dabei sorgen vor allem Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen für eine besondere Neugründungsdynamik. „München liegt bei den Gründungen pro Kopf klar auf Platz 1 – in den Vorjahren waren die Unterschiede in der Spitzengruppe deutlich geringer als 2025“, heißt es im Report. Aber auch „forschungsnahe Standorte“ wie Aachen, Potsdam und Heidelberg sind weiter gut dabei. Die mit viel Abstand meisten Neugründungen gibt es im Segment Software, gefolgt von Medizin und Food. Gerade Food überrascht dann doch. Das Segment fiel zuletzt eher durch Insolvenzen auf. Aber auch die Zahl der Insolvenzen ging 2025 zurück. Am Ende des Tages bleibt die wichtige Erkenntnis: Die allgemeine Stimmung ist der deutschen Startup-Szene ist weiter sehr viel schlechter als die tatsächlichen Zahlen zeigen. (Next Generation, PDF) Mehr über Next Generation
Mercura
+++ Lesenswert! „Mercura AI ist gerade einmal ein Jahr alt, hat aber schon über 50 Kunden, einen Umsatz von über zwei Millionen Dollar und ist profitabel“ – berichtet das Handelsblatt. Ein ziemlich rasanter Aufstieg! Das Münchner Startup, 2024 von Lukas Bock, Stefan Zheng und Sean Sdahl gegründet, entwickelt ein „KI-basiertes Betriebssystem für Hersteller und Fachgroßhändler in Branchen wie Baustoffe, Elektrotechnik und Gebäudetechnik (HVAC)“. Der amerikanische Investor TQ Ventures, SignalFire, Y Combinator sowie Business Angels wie Bastian Nominacher, Tao Tao und Lukas Deutsch investieren 2,1 Millionen US-Dollar in Mercura. (Handesblatt) Mehr über Mercura
Funding Landscape
+++ In Gesprächen zwischen Startups und Investor:innen zeigt sich: Der Markt wirkt vorsichtig, aber nicht verschlossen. Kapital könnte 2026 selektiv fließen – in einem Ökosystem, in dem Technologie, Anwendung und Industrie miteinander verbunden sind. Mehr im Gastbeitrag von Kolja Heskamp
United Manufacturing Hub
+++ „Industrielle KI lässt sich nur dann skalieren, wenn Fabriken über eine verlässliche, universelle Datenbasis verfügen“, sagt Andreas Winter-Extra, Partner bei KOMPAS VC. Deswegen investierte der dänische Investor nun in das Kölner Startup United Manufacturing Hub (UMH). Mehr über UMH
Was ist zuletzt sonst passiert? Das steht immer im #StartupTicker
Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.
Foto (oben): Bing Image Creator – DALL·E 3
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Zufrieden sein und trotzdem mehr wollen
Bescheiden auftreten, aber ambitioniert handeln: Jason Modemann beschreibt, wie Gründer Erwartungen klar formulieren können, ohne arrogant zu wirken. Ein unterschätzter Erfolgsfaktor!
Bescheidenheit hat ein Imageproblem: Entweder gilt sie als Tugend – oder als Karrierebremse. Wer sie zu ernst nimmt und sich zurückhält, bleibt unsichtbar. Wer sie ablegt, wirkt schnell arrogant und überheblich. Als Gründer stellt sich daher die ehrliche Frage: Wie kombiniert man Bescheidenheit und Ambition?
Unnötig: Rolex und dickes Auto
Ich kann von mir selbst sagen: Ich brauche keinen großen Besitz, keine Statussymbole wie eine Rolex oder ein dickes Auto. Ich bin auch lieber mit ein paar Sachen im Gepäck beim Backpacking unterwegs als im Luxusurlaub.
Und genau diese Haltung prägt auch mein unternehmerisches Denken: Ich treffe Entscheidungen nicht aus Ego oder Status heraus. Ich muss niemandem etwas beweisen, kein Wachstum rechtfertigen, keine Erfolge nach außen inszenieren. Das nimmt enorm viel Druck raus.
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Aber trotzdem hungrig
Gleichzeitig heißt Bescheidenheit für mich nicht, klein zu denken oder still zu bleiben. Ich habe einen starken Drang, Dinge auszureizen und das Maximum herauszuholen. Ich bin jemand, der sich ungern einfach nur an die Vorschriften hält, weil man das eben so macht.
Für mich ist das oft spielerisch: Im Restaurant frage ich beispielsweise fast immer nach dem besseren Platz oder nach der größeren Portion. Nicht fordernd, nicht arrogant – einfach offen. Ich interagiere gern mit Menschen, stelle Fragen, schaue, was möglich ist.
Wer still und dankbar ist, verschenkt Möglichkeiten
Das Gleiche gilt im Business: Wenn ich eine Speaking-Anfrage bekomme, sage ich direkt, dass ich gern auf die Mainstage gehen würde. Nicht, weil ich denke, mir steht das automatisch zu. Sondern weil ich gelernt habe: Erwartungen klar zu formulieren ist kein Ego-Trip, sondern effiziente Kommunikation. Viele machen das nicht. Sie sind dankbar, still, zurückhaltend – verschenken damit aber auch Möglichkeiten. Wer sagt, was er will, verschafft sich oft einen echten Vorteil.
Für mich liegt genau hier die Antwort: Man bleibt bodenständig, indem man innerlich mit wenig zufrieden ist. Und man lässt keine Chancen liegen, indem man nach außen hin trotzdem sagt, was man will. Wichtig ist aber: Es darf nicht zwanghaft werden. Wer immer mehr erwartet, verliert schnell die Bodenhaftung. Wer aus jeder Situation einen Vorteil pressen will, wirkt anstrengend. Bescheidenheit muss das Fundament bleiben – nicht das Schweigen.
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In Deutschland hinkt die bAV krass hinterher
#Interview
Das Gingko-Team setzt auf betriebliche Altersvorsorge (bAV). „Wir wollen eine moderne bAV zum selbstverständlichen Teil moderner Vergütungspakete machen – als Beitrag von Unternehmen zum financial wellbeing ihrer Mitarbeitenden“, sagt Gründer Philip Liebenow.

Das junge Unternehmen Ginkgo aus Berlin, von Carl Meran und Philip Liebenow aus der Taufe gehoben, setzt auf betriebliche Altersvorsorge (bAV). „Ginkgo hilft Unternehmen, ihren Mitarbeitenden zur Ergänzung ihrer – viel zu niedrigen – gesetzlichen Rente eine betriebliche Altersvorsorge (bAV) anzubieten, die endlich ein attraktiver Teil von Vergütungspaketen wird: Ohne Vertriebsprovisionen, mit Kapitalanlage in ETFs, komplett digital – quasi Trade Republic für die bAV“, erklärt Gründer Liebenow das Konzept.
Im Interview mit deutsche-startups.de stellt der Ginkgo-Macher sein Unternehmen einmal ganz genau vor.
Wie würdest Du Deiner Großmutter Gingko erklären?
Ginkgo hilft Unternehmen, ihren Mitarbeitenden zur Ergänzung ihrer – viel zu niedrigen – gesetzlichen Rente eine betriebliche Altersvorsorge (bAV) anzubieten, die endlich ein attraktiver Teil von Vergütungspaketen wird: Ohne Vertriebsprovisionen, mit Kapitalanlage in ETFs, komplett digital – quasi Trade Republic für die bAV. Mit minimalem Verwaltungsaufwand für Unternehmen. Dazu kombinieren wir Technologie und effiziente Prozesse mit modernen Finanzprodukten. Während die Politik noch über die Rentenreform streitet, leisten wir damit einen ganz konkreten Beitrag zur Lösung von Deutschlands Rentenproblem.
Wie ist die Idee zu Gingko entstanden?
Aufhänger für die Idee von ginkgo war, dass betriebliche Altersvorsorge in vielen Ländern eine sehr große Rolle spielt. In Deutschland hinkt die bAV im Vergleich aber krass hinterher, trotz der massiven Rentenlücke hierzulande. Es klafft ein 50 % “white space” bei KMU und sogenannten Geringverdienern. Ein entscheidender Grund dafür sind die Defizite der bislang marktüblichen bAV: viel zu teure und intransparente Finanzprodukte und eine schlechte, nicht mehr zeitgemäße Nutzererfahrung. Hier haben wir – aufbauend auf bisherigen beruflichen Stationen in Software- und FinTech-Unternehmen – die konkrete Chance gesehen, die bAV mit Technologie, modernen Finanzprodukten und digitalen Prozessen insbesondere für KMU viel effizienter, attraktiver und zeitgemäßer zu machen.
Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?
Das Bewusstsein dafür zu schärfen, wie entscheidend Kosten in der bAV sind – wie auch in andere Finanzprodukten – weil durch zu hohe, meist nicht transparent gemachte Gebühren sehr viel Rente verloren geht, die jede/r dringend zum Ausgleich der Rentenlücke braucht. Schon ein Prozentpunkt mehr Kosten – also 2 % statt 1 % – macht langfristig einen massiven Unterschied, aufgrund des schwächeren Zinseszinseffekts. Im privaten Sparen und Investieren sind effiziente und transparente Finanzprodukte heute immer mehr “gesetzt” – ein Verdienst von Trade Republic, Scalable Capital & Co. Die bAV hinkt hier noch hinterher. On it!
Wie genau funktioniert euer Geschäftsmodell?
Klassischerweise wird in der bAV bei KMU über hohe Vertriebsprovisionen und hohe laufende Kosten Geld verdient. Wir machen es anders: Über die ginkgo-Plattform werden nur provisionsfreie sogenannte Nettotarife mit transparenten und niedrigen laufenden Kosten vermittelt. Dementsprechend funktioniert auch unser Geschäftsmodell anders: Wir finanzieren uns primär über eine Gebühr des Arbeitgebers für die Nutzung unserer ginkgo-Plattform und für Services in Launch, Implementierung und Employer Branding der bAV. Und für die digitale Unterstützung der Vertragsverwaltung erhalten wir ein Dienstleistungsentgelt von Versicherungsunternehmen, da die ginkgo-Plattform manuelle Verwaltungsaufwände massiv reduziert. Wir finden: Da eine bAV als Teil von Vergütungspaketen ein Win-Win für Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist, ist das ein zur bAV passendes und faires Vergütungsmodell.
Welches Projekt steht demnächst ganz oben auf eurer Agenda?
Wir wollen eine moderne bAV zum selbstverständlichen Teil moderner Vergütungspakete machen – als sehr konkreten Beitrag von Unternehmen zum financial wellbeing ihrer Mitarbeitenden. Dazu wollen wir das Thema Awareness & Education stark ausbauen.
Wo steht Gingko in einem Jahr?
Auf einem ganz anderen Level an Sichtbarkeit im Markt und Bewusstsein dafür, dass bAV ganz anders geht – und gehen muss – als bisher: kosteneffizienter, rentabler, digitaler – als endlich attraktiver Bestandteil von Vergütungspaketen.
Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.
Foto (oben): Gingko
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