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Digital Business & Startups

Der große Irrtum der deutschen Autoindustrie


Warum Open Source der Autoindustrie eine zweite Chance gibt und welche Startups schon heute profitieren.

Der große Irrtum der deutschen Autoindustrie

Ohne Software geht in der Autoindustrie auch in der Produktion nichts mehr.
Getty Images / Hans-Peter Merten

Die Autoindustrie hat sich lange eingeredet, sie könne den Software-Rückstand gegenüber Tesla und China mit ein paar tausend neuen Entwicklern aufholen. Man müsse nur genug Programmierer einstellen, ein paar neue Plattformen ausrollen – und schon werde aus dem Industriekonzern ein Tech-Champion. Diese Illusion ist mittlerweile kollabiert, doch die Industrie hat eine Lösung gefunden.

Mehr als 30 Hersteller, Zulieferer und Chipfirmen, darunter BMW, Daimler, VW und Stellantis, haben sich auf eine gemeinsame Open-Source-Basis für Fahrzeugsoftware verständigt. Dahinter stecken der Verband der deutschen Automobilhersteller (VDA) und die Eclipse Foundation, die daran arbeitet, Open-Source-Software in der Industrie zu verankern. Man hat endlich verstanden, dass die Autoindustrie nur überleben kann, wenn man sich vom Gedanken verabschiedet, alles alleine gestalten zu wollen.

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Chinesische Hersteller wie BYD, Nio oder Xiaomi entwickeln ihre Autos längst wie Smartphones. Eine zentrale Rechnerarchitektur, kontinuierliche Software-Updates, neue Funktionen per Download. Das Auto ist dort nicht mehr das Produkt – es ist die Plattform. Wer schnell iteriert, gewinnt.

Das alte Modell hat verloren

Europäische Hersteller dagegen schleppen Jahrzehnte proprietärer IT mit sich herum. Jeder baut seine eigene Middleware, seine eigenen Schnittstellen, seine eigenen Sicherheitsmodelle. Das macht Systeme teuer, träge und vor allem nicht skalierbar. Genau das ist im Plattformzeitalter tödlich. Am Ende bremsen die komplexen Systeme die Geschwindigkeit bei der Entwicklung aus. Und genaus das kann man sich nicht mehr erlauben.

Open Source ist deshalb keine Ideologie, sondern ein industriepolitisches Werkzeug. Wenn sich die Branche auf gemeinsame Grundlagen einigt, kann Innovation dort stattfinden, wo sie hingehört: oben auf der Plattform und tief in der Infrastruktur. Denn auf beiden Ebenen haben europäische Hersteller sehr viel Nachholbedarf.

Das sind auch gute Nachrichten für Startups aus der Mobility-Szene. Zum ersten Mal entsteht damit ein Markt, in dem junge Unternehmen realistisch mitspielen können. Solange jeder OEM seine eigene Softwarewelt pflegt, bleibt jede Zusammenarbeit ein teures Einzelprojekt. Eine offene Architektur macht aus Fahrzeugsoftware etwas, das sich wie Cloud-Dienste entwickeln und verkaufen lässt.

Startups verdienen schon jetzt

Firmen wie Apex.AI aus München zeigen, wie das aussieht. Sie bauen auf dem Open-Source-Robotik-Stack ROS2 eine zertifizierbare, automotive-taugliche Softwarebasis, die BMW, Bosch oder Volvo direkt einsetzen können. Auch Autoware, der offene Fahr-Stack für autonome Fahrzeuge, wird längst von europäischen Testflotten, Robotaxi-Projekten und Zulieferern genutzt – betrieben und industrialisiert von Unternehmen wie TIER IV. Und Anbieter wie TTTech Auto oder dSpace verdienen ihr Geld damit, diese offenen Architekturen so robust zu machen, dass sie in Serie funktionieren.

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Das ist kein Randphänomen. So entstehen Plattform-Ökosysteme: Einer liefert die Basis, viele andere schaffen darauf Wert. Genau dieses Modell hat die Tech-Industrie groß gemacht – und genau so haben chinesische Hersteller ihre Geschwindigkeit aufgebaut.

Für Europas Autobauer ist das unbequem. Es bedeutet, Kontrolle abzugeben. Aber die Alternative wäre, weiter in abgeschotteten Software-Silos gegen global skalierende Plattformen anzutreten. Dieses Rennen ist längst entschieden. Open Source garantiert keinen Erfolg. Aber es ist die letzte realistische Chance, wieder Teil des globalen Innovationssystems zu werden – statt nur noch dessen Kunde.





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So lief es für die Ankerkraut-Gründer als Gastlöwen bei DHDL


Die Ankerkraut-Gründer, Anne und Stefan Lemcke, sind als Gastlöwen zurück: Sie investieren gemeinsam mit Frank Thelen 500.000 Euro in das Startup Supernutural, das eine Nussmus-Maschine entwickelt hat.

Früher selbst gepitcht, jetzt die Chefsessel getestet – Anne und Stefan Lemcke auf der anderen Seite der Höhle.

Früher selbst gepitcht, jetzt die Chefsessel getestet – Anne und Stefan Lemcke auf der anderen Seite der Höhle.
RTL / Bernd-Michael Maurer

2016 standen sie selbst noch vor den Investoren, jetzt sitzen sie auf der anderen Seite: Anne und Stefan Lemcke, die Gründer von Ankerkraut, sind in der aktuellen Folge von „Die Höhle der Löwen“ erneut als Gastlöwen dabei. Für das Ehepaar ist es nicht der erste Auftritt auf den Sesseln der Investoren – schon 2021 waren sie als Gastlöwen eingeladen.

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Vom Gewürzregal in die Löwenstühle

Ihre eigene Geschichte in der Sendung begann vor rund zehn Jahren. Damals pitchten die Lemckes ihr Gewürz-Startup vor den Investoren und machten einen Deal mit Frank Thelen. Heute hat das Unternehmen rund 250 Mitarbeitende und erzielt nach eigenen Angaben etwa 50 Millionen Euro Jahresumsatz. Inzwischen haben die beiden selbst investiert, laut Stefan Lemcke in rund 30 Startups. Jetzt schauen sie sich also bei „Die Höhle der Löwen“ nach potentiellen Investments um. 

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Gastlöwe mit Eisbad-Erfahrung

Entspannt bleibt der Job als Gastlöwe allerdings nicht. Beim Pitch des Startups Pool.Down, das ein System für Kältetherapie in der Badewanne entwickelt hat, testet Anne Lemcke das Produkt direkt selbst und steigt in die Eiswanne: „Let’s do it. Dann mache ich das halt mit meinem Kleid, wenn ihr euch alle nicht traut.“ Damit hatte in der Show tatsächlich niemand gerechnet.

Das Startup fordert 200.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile. Einen Deal bekommt das Startup in der Show allerdings nicht. Die Investoren finden die Idee zwar gut, aber halten sie für noch zu unausgereift. Immerhin bleibt der Beweis, dass man für einen Pitch in der Höhle manchmal nicht nur einen kühlen Kopf bewahren muss, sondern gleich den ganzen Körper.

Teamwork im Eisbad: Stefan hält die Haare, Anne testet die Eiswanne.

Teamwork im Eisbad: Stefan hält die Haare, Anne testet die Eiswanne.
RTL / Bernd-Michael Maurer

Nusscreme statt Gewürz

Ein Investment für die Gastlöwen gibt es in der Folge trotzdem – und zwar gemeinsam mit Frank Thelen. Die drei investieren in das Startup Supernutural. Die Gründer Amelie und Timo Sperber präsentieren eine Maschine für zu Hause, mit der sich aus ganzen Nüssen frische Nusscreme herstellen lässt.

Eine größere Version der Maschine ist laut den Gründern bereits im B2B-Bereich im Einsatz, etwa in Hotels oder Unternehmen. In der Show geht es nun um die kleinere Variante für Endverbraucher. Die Sperbers bieten 6,25 Prozent ihrer Firma für 500.000 Euro. Stefan Lemke ist sofort begeistert: „Das ist ja wirklich außerordentlich lecker, das muss man wirklich sagen. Acht Prozent muss es aber mindestens sein.“ Weiter sagt er: „Ich finde das Produkt richtig toll. Ich glaube auch wirklich daran, dass man am Produkt noch was ändern kann, damit der Preis runtergeht.“

Gemeinsam am Start: Frank Thelen und die Lemckes machen das Angebot für Supernutural.

Gemeinsam am Start: Frank Thelen und die Lemckes machen das Angebot für Supernutural.
RTL / Bernd-Michael Maurer

Die drei Investoren bieten nach Absprache zusammen 500.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile, woraufhin die Gründer das Angebot annehmen. Damit geht die Folge für die Lemckes mit einem Deal zu Ende, aber diesmal als Teil der Investorenrunde. Auf Nachfrage von Gründerszene haben wir von Thelens Sprecher erfahren, dass der Deal mit Supernutural auch nach der Sendung zustande gekommen ist.





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Warum dieser Gründer einer Mitarbeiterin mehr zahlte als sich selbst


Lukas Flöer – sorgt dafür, dass Werbung nicht einschläft.

Lukas Flöer – sorgt dafür, dass Werbung nicht einschläft.
Lukas Flöer, Collage: Dominik Schmitt/ Gründerszene

In unserer Reihe zeigen Gründerinnen und Gründer, wann sie sich ihr erstes Gehalt ausgezahlt haben, wie hoch es war – und warum sie genau diesen Zeitpunkt ausgewählt haben. Hier erzählt: Lukas Flöer, Gründer von Met[ads], einem Startup, das sich auf 3D-Werbung und Digital-Out-of-Home-Kampagnen spezialisiert hat.





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Warum Gründer nach Kapstadt gehen


Kapstadt ist zum Winter-Hotspot deutscher Gründer geworden: morgens arbeiten, abends Dinner mit Investoren. Doch funktioniert das wirklich für jeden?

Warum Gründer nach Kapstadt gehen

Regelmäßig nimmt Cephas Gründerszene-Leser in die Lifestyle-Welt der Gründer und Investoren.
Cephas Ndubueze

Cephas Ndubueze ist Gründer der Newsletter- und Eventplattform FOMO, die sich in Berlin und München eine feste Community aus Gründern, Investoren und Unternehmern aufgebaut hat. In Kapstadt betreibt er auch die FOMO-Whatsappgruppe. Für Gründerszene schreibt er aus Kapstadt über das Leben, Arbeiten und Netzwerken zwischen Ozean, Open Tabs und Open Minds.

Morgens um sieben ist der Strand voll. Ein paar Gründer stehen mit Surfbrett im Wasser, andere laufen die Promenade entlang. Um zehn sitzen viele wieder am Laptop. Slack, Mails, Calls mit Deutschland. Um 19 Uhr beginnt das nächste Dinner. Kapstadt ist ein Ort, an dem sich Arbeit und Leben anders mischen.

Ich bekomme hier an guten Tagen sechs oder sieben Stunden konzentrierte Arbeit hin. In Berlin sind es eher zehn. Manchmal zwölf. Oft noch zwei Stunden nachts, wenn endlich Ruhe ist.

Kapstadt macht dich nicht produktiver, es macht aber dein Leben angenehmer. Die Frage ist nur: In welcher Phase deines Unternehmens bist du gerade?

Wann Kapstadt euch was bringt

Für mich hat Kapstadt konkret funktioniert. Bei einem kleinen Dinner habe ich den Reporter John Puthenpurackal kennengelernt, der bei Axel Springer arbeitet. Ein paar Gespräche später kam das Intro zur Gründerszene – und diese Kolumne entstand.

Bei einem anderen Dinner saß eine Marketingmanagerin eines Infrastruktur-Investors neben mir. Sie hatte noch nie von FOMO gehört. Zwei Gespräche später stand fest: Wir machen gemeinsam ein Event für ihre Zielgruppe.

Hier lässt es sich arbeiten.

Hier lässt es sich arbeiten.
picture alliance / robertharding | Michael Runkel

Und eine Kontaktperson, die ich in Berlin nur flüchtig kannte, traf ich hier zufällig auf einer Konferenz wieder. Zwei Tage später saßen wir beim Lunch – daraus entstand eine Kooperation für ein Event.

Kapstadt beschleunigt Beziehungen. Du siehst Menschen nicht einmal auf einem Networking-Event mit Nametag. Du siehst sie mehrmals. Beim Run. Beim Lunch. Beim Sundowner. Beim nächsten Dinner. Vertrauen entsteht schneller. Und Vertrauen ist Business.

Aber Kapstadt hat eine zweite Seite

Ich habe mit einer Gründerin gesprochen, die bewusst nicht kommuniziert, dass sie hier ist. Ihre Investoren wissen nicht, dass sie in Kapstadt arbeitet. Warum? Weil sie weiß, dass sie hier weniger arbeitet. Sie kitet. Sie surft. Sie genießt die Sonne. Für ihr Unternehmen ist es kein klarer Vorteil. Für ihre Lebensqualität schon.

Dehnen ist wichtig. Das Sport-Coworking-Space von Virgin Active in Kapstadt.

Dehnen ist wichtig. Das Sport-Coworking-Space von Virgin Active in Kapstadt.
Cephas Ndubueze

Und das ist eine ehrliche Antwort. Kapstadt ist ein Upgrade für dein Leben. Nicht automatisch für dein Growth-Modell. Eine Beobachtung fällt hier schnell auf. Ich treffe überproportional viele Gründer, die bereits Unternehmen verkauft haben oder mehrere Finanzierungsrunden hinter sich haben. Menschen, die Series-C- oder Series-D-Runden geraised haben. Menschen mit Teams und Operatoren. Warum? Weil sie es sich leisten können.

Im Jacuzzi die Deals closen

Wenn dein Unternehmen bereits läuft, dein Team operativ arbeitet und du strategische Beziehungen pflegst, kann Kapstadt ein unfairer Vorteil sein. Dann sitzt du sonntags im Jacuzzi eines Members-Clubs wie Wonderland, triffst zufällig einen Investor, den du seit zwei Jahren aus Berlin kennst, und verabredest dich zwei Tage später zum Gespräch. Solche Momente passieren hier häufiger.

Aber die Gründer, die gerade Product-Market-Fit suchen oder ihre erste Runde geraced haben, sieht man hier seltener. Die sitzen nicht beim Wine Tasting. Die sitzen zu Hause.

Und dann gibt es noch eine dritte Gruppe: Founder, die bewusst anders priorisieren. Bootstrapped-Businesses, Agenturen, E-Commerce-Brands. Unternehmen, die nicht von VC-Growth abhängig sind. Für sie ist Work-Life-Balance Teil der Strategie.

Wie oft saßen wir hier beim Dinner oder am Pool und haben uns angeschaut und gesagt: Life could be worse. Und das stimmt. Bei 25 Grad aufzustehen fühlt sich anders an als im Berliner Winter. Sonnenlicht verändert deinen Alltag. Dein Energielevel. Dein Rhythmus. Die eigentliche Frage ist also nicht: Ist Kapstadt gut oder schlecht für Gründer? Die Frage ist: Was willst du gerade maximieren? Dein Unternehmen – oder dein Leben?

Die Wann-Kapstadt-für-mich-sinnvoll-ist-Checkliste

Kapstadt kann für dich sinnvoll sein, wenn:

  1. Dein Business stark auf Beziehungen basiert und persönliche Kontakte dein Wachstum beschleunigen können.
  2. Du kurz vor einer Fundraising-Phase stehst und informelle Gespräche mit Investoren wertvoller sind als zusätzliche Stunden am Laptop.
  3. Dein operatives Team stabil arbeitet und du dich stärker auf Strategie und Partnerschaften konzentrieren kannst.
  4. Dein Unternehmen nicht von maximaler täglicher Execution abhängt und du dir erlauben kannst, etwas weniger Stunden zu arbeiten.
  5. Du bewusst auch dein Leben optimieren willst – und nicht nur dein Wachstum.

Kapstadt ist wahrscheinlich keine gute Idee, wenn:

  1. Du gerade Product-Market-Fit suchst und jede konzentrierte Stunde zählt.
  2. Du frisch eine Runde geraced hast und in wenigen Monaten harte Umsatz- oder Wachstumsziele erreichen musst.
  3. Dein Business stark execution-getrieben ist und Relationship-Management aktuell kaum eine Rolle spielt.
  4. Dein Runway knapp ist und Ablenkung dich teuer zu stehen kommen kann.
  5. Du hauptsächlich kommst, weil „alle da sind“ – und nicht genau sagen kannst, welchen strategischen Vorteil du hier nutzen willst.





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