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Ecovacs Deebot X11 Omni Cyclone im Test: Saugroboter mit Station ohne Beutel


Der Ecovacs X11 Omni Cyclone setzt auf beutellose Staubentsorgung und Kletterfunktion. Zudem bietet das Flaggschiff wieder eine selbstreinigende Wischwalze.

Ecovacs wirft mit dem Deebot X11 Omni Cyclone dieses Jahr bereits das dritte Flaggschiff-Modell auf den Markt – und löst damit schon nach wenigen Monaten das bisherige Topmodell ab. Der X11 will mit einer beutellosen Reinigungsstation einen neuen Trend setzen. Statt Wegwerf-Staubbeutel nutzt das Gerät einen herausnehmbaren Kunststoffbehälter, den man einfach entleeren und wieder einsetzen kann. Das führt zu einem eigenwilligen Design, das an einen auf dem Boden stehenden Kaffeevollautomaten erinnert. Die Station ist deutlich wuchtiger als bei den Vorgängern X9 und X8 Pro Omni und benötigt entsprechend mehr Stellplatz. Mit 19.500 Pa Saugleistung, ausfahrbarer Seitenbürste und der Tru-Pass-Kletterfunktion für Schwellen bis 2,4 cm ist der X11 klar ein Premium-Gerät. Ob der Saugroboter mit Wischwalze sein Geld wert ist, zeigt unser Test.

Das Testgerät hat uns Ecovacs zur Verfügung gestellt.

Ecovacs Deebot X11 Omni Cyclone – Sieht auf den ersten Blick aus wie ein Kaffeevollautomat.

Design: Wie gut ist die Verarbeitung des Ecovacs X11 Omni Cyclone?

Die Station des X11 Omni Cyclone fällt sofort durch ihre wuchtige Bauweise auf. Mit Abmessungen von 380 × 465 × 493 mm nimmt sie deutlich mehr Platz ein als die Stationen der Vorgänger X8 und X9 Pro Omni. Tatsächlich erinnert die Station an einen Kaffeevollautomaten, der auf dem Boden steht – ein ungewöhnlicher Anblick im Wohnzimmer. Der zentrale Staubbehälter mit 1,6 Liter Fassungsvermögen dominiert die Front. Sein silberglänzender Griff wirkt hochwertig und lässt sich gut greifen. Beim Entnehmen funktioniert alles problemlos, beim Wiedereinsetzen zeigt sich aber eine Schwäche: Der runde Behälter muss exakt ausgerichtet werden, der Griff muss präzise nach vorn zeigen. Ist er nur leicht verdreht, passt er nicht in die Aufnahme. Das hätte Ecovacs flexibler lösen können.

Die Wassertanks auf der Oberseite sind ungewöhnlich angeordnet: Schmutzwasser rechts mit 2,7 Litern, Frischwasser links mit 3,2 Litern – bei den meisten Konkurrenten und auch bei Ecovacs’ Vorgängern war das genau andersherum. Warum der Hersteller hier die eigene Logik ändert, bleibt unklar. Die zwei Reinigungsmittelbehälter an der Vorderseite sind clever positioniert und ermöglichen automatisches Wechseln zwischen verschiedenen Mitteln für unterschiedliche Bodentypen oder Verschmutzungsgrade.

Der Roboter selbst misst 353 mm im Durchmesser und 98 mm in der Höhe. Die Bauhöhe von knapp 10 cm ist keine Verbesserung zum Vorgänger: Viele moderne Sofas und Schränke haben eine Bodenfreiheit von 90 bis 95 mm. Mit seinen 98 mm passt der X11 hier nicht immer drunter, das sollte man vor dem Kauf prüfen. Flachere Konkurrenten mit unter 90 mm Höhe haben hier einen klaren Vorteil. Der graue oder schwarze Kunststoff (je nach Modellvariante) fühlt sich solide an, Spaltmaße sind gleichmäßig. Die Verarbeitung liegt auf gutem Niveau, ohne jedoch Premium-Feeling zu vermitteln. Schade: Der Kunststoffdeckel auf der Oberseite wird wieder nur lose aufgelegt, statt magnetisch fixiert. Dreht man den Roboter um, fällt der Deckel sofort herunter.

Die ausfahrbare Seitenbürste und die Omzo Roller 2.0 Wischwalze sind gut in die Unterseite integriert. Die Tru-Pass-Kletterhilfen – zwei Gummihebel neben den Antriebsrädern – fallen im eingeklappten Zustand kaum auf.

Einrichtung: Wie schnell ist der Ecovacs X11 Omni Cyclone betriebsbereit?

Die Einrichtung erfolgt über die Ecovacs Home App aus den bekannten App-Stores. Nach Erstellung eines Accounts fügt man den Roboter über den QR-Code hinzu, der sich unter dem Deckel auf der Oberseite befindet. Der X11 benötigt ein 2,4-GHz-WLAN. Nach erfolgreicher Verbindung startet die Kartierung und anstehende Updates werden ausgeführt.

Die App selbst wirkt übersichtlich und bietet alle wichtigen Funktionen. Die Hauptansicht zeigt ein Bild des Saugroboters und ermöglicht die Auswahl spezieller Reinigungsmodi. Kartenverwaltung, Raumaufteilung, virtuelle Wände und No-Go-Zonen – alles vorhanden. Ecovacs hat an Details geschraubt und bietet nun eine verbesserte Übersicht über aktuelle Reinigungsaufgaben, deren Reihenfolge und die Ergebnisse. Die Wischwassermenge lässt sich zwischen 0 und 50, die Saugleistung zwischen Leise, Standard, Hoch und Max einstellen. Auch eine Live-Videostream-Funktion ist integriert, über die man sich vom Smartphone auf die Kamera des Roboters schalten kann.

Allerdings hat die App noch Fehler, die verwirren: Kartenänderungen speichert man etwa durch „Abbrechen“ statt „Bestätigen“ – das ist kontraintuitiv und sollte längst behoben sein. Die Sprachansagen des Roboters sind teilweise eigenwillig formuliert und sehr ausführlich. Der X11 kommentiert jede Aktion mit einer detaillierten Erklärung – das nervt schnell. Immerhin bietet der Hersteller inzwischen einen Button zum Verkürzen der Ansagen auf das Wesentliche. Wahlweise lassen sie sich komplett deaktivieren, dann verpasst man aber wichtige Meldungen wie leere Wassertanks oder Fehlermeldungen ohne Blick auf die App.

Der integrierte Sprachassistent Yiko lässt sich mit „OK Yiko“ aktivieren und versteht Befehle wie „Reinige die Küche“ oder „Fahre zur Station zurück“. Das funktioniert zuverlässig, ist aber nicht zwingend notwendig, da die App-Steuerung komfortabler ist. Die Integration von Amazon Alexa, Google Assistant und Matter erweitert die Smart-Home-Möglichkeiten. Insgesamt dauert die Ersteinrichtung etwa 30 Minuten – das ist Standard und geht nicht schneller oder langsamer als bei der Konkurrenz.

Navigation: Wie gut erkennt der Ecovacs X11 Omni Cyclone Hindernisse?

Die Navigation des X11 Omni Cyclone funktioniert grundsätzlich zuverlässig, wirkt aber eigenartig und teilweise unlogisch. Der Roboter reinigt alle Bereiche und lässt nichts aus, die Wegplanung erscheint jedoch oft willkürlich. Wo andere Roboter systematisch den ausgewählten Bereich in gleichmäßigen, durchgehenden Bahnen abarbeiten, wählt der X11 manchmal überraschende Routen – springt zwischen Bereichen hin und her oder fährt Zickzack-Kurse, wo gerade Bahnen effizienter wären. Das Endergebnis stimmt, der Weg dorthin wirkt aber unnötig kompliziert.

Die Objekterkennung mit Kamera und Lidar arbeitet bei den meisten Hindernissen solide. Flache Gegenstände, Kabel und größere Objekte werden erkannt und umfahren. Problematisch wird es in unserem Standard-Testszenario mit mehreren unter einen Tisch geschobenen Stühlen. Hier zeigt der X11 echte Schwächen: Er navigiert sich zwischen die Stuhlbeine hinein und kommt dann nicht mehr elegant heraus. Stattdessen beginnt er, die Stühle mit seinem Frontschild durch die Gegend zu schieben und gegen Stuhlbeine anzufahren. Das ist kein komplettes Versagen – er befreit sich letztlich selbst – aber die Methode ist alles andere als intelligent und einem 2025er-Topmodell nicht angemessen.

Ecovacs Deebot X11 Omni Cyclone – Bilderstrecke

Gegen Glastüren zwischen Räumen stupst der Roboter gelegentlich, obwohl die Sensorkombination diese eigentlich erkennen sollte. Das passiert nicht durchgehend, aber häufiger als bei Premium-Konkurrenten. Die allgemeine Hinderniserkennung funktioniert bei normalen Möbeln, Wänden und größeren Gegenständen aber zuverlässig.

Sehr positiv ist die Kletterfunktion: Die zwei Gummihebel fahren bei Bedarf aus und drücken den Roboter nach oben. Schwellen bis 2,4 cm werden souverän überwunden, zusammenhängende Stufen sogar bis 4 cm. Das erweitert den Einsatzbereich erheblich – viele Konkurrenten scheitern schon an 2 cm hohen Türschwellen. Die ausfahrbare Seitenbürste verbessert die Kantenreinigung, auch wenn sie keine Wunder vollbringt.

Reinigung: Wie gut saugt und wischt der Ecovacs X11 Omni Cyclone?

Die Reinigungsleistung des X11 Omni Cyclone zeigt ein gespaltenes Bild. Auf Hartböden arbeitet das Gerät grundsätzlich zufriedenstellend. Mit 19.500 Pa Saugleistung und einem Luftdurchsatz von 18 Litern pro Sekunde sammelt der Roboter 85 bis 90 Prozent des ausgebrachten Testschmutzes ein. Krümel, Staub und leichte Verschmutzungen verschwinden meist im ersten Durchgang im 220 ml fassenden Staubbehälter. Die einzelne Bodenbürste arbeitet effektiv, könnte aber bei groben Verschmutzungen an ihre Grenzen stoßen – hier wären zwei Bürsten wie bei manchen Konkurrenten vorteilhaft.

Die Omzo Roller 2.0 Wischwalze wurde gegenüber dem Vorgänger verbessert und arbeitet nun mit höherem Anpressdruck. Sie rotiert während der Reinigung und wird regelmäßig in der Station mit 75 Grad heißem Wasser gewaschen. Das ist solide, aber nicht spitze – der Dreame Aqua Clean 10 Roller (Test folgt demnächst) reinigt seine Walze mit bis zu 100 Grad. Der 110 ml große interne Frischwassertank wird automatisch aus der Station nachgefüllt. Die Wischleistung auf Hartböden ist ordentlich, leichte Flecken werden überwiegend entfernt. Bei hartnäckigen, eingetrockneten Verschmutzungen muss der Roboter aber mehrfach darüberfahren.

Das große Problem zeigt sich bei Teppichen. Hier offenbart der X11 gleich mehrere Schwächen. Zunächst fehlt ihm eine automatische Abdeckhaube für die Wischwalze, wie sie etwa der Mova Z60 Ultra Roller (Testbericht) bietet. Zwar hebt der Roboter die Walze um 10 mm an und deaktiviert sie auf Teppichen, aber allein durch den Kontakt mit der feuchten Walze wird Feuchtigkeit auf den Teppich übertragen. Es ist nicht viel, aber es ist spürbar und bei empfindlichen Teppichen problematisch.

Die Saugleistung auf Teppichen enttäuscht ebenfalls. Bei unserem Test mit eingetretenem, feinem Schmutz (simuliert durch Mehl) bleibt selbst auf kurzflorigen Teppichen deutlich sichtbar Schmutz zurück. Wir mussten von Hand nacharbeiten. Auf längerflorigem Teppich weigert sich der X11 teilweise komplett zu fahren – erkennt er ihn, fährt er drumherum. Schafft er es doch darauf, ist die Saugleistung zu schwach, um Schmutz zwischen den längeren Fasern herauszuziehen. Insgesamt holt der Roboter aus Teppichen nur etwa 65 Prozent des ausgebrachten Testschmutzes – das ist deutlich unterdurchschnittlich.

Ecovacs Deebot X11 Omni Cyclone: Ergebnis auf kurzflorigem Teppich

Für unseren 60 m² großen Testraum benötigt der X11 etwa 75 Minuten bei maximaler Saug- und Wischleistung. Das ist schneller als der X9 mit 94 Minuten. Der Roboter fährt während dieser Zeit dreimal zur Station zurück, um die Wischwalze zu reinigen und nachzuladen. Die Station saugt den Staubbehälter automatisch ab und trocknet die Wischwalze nach der Reinigung mit Heißluft.

Positiv fällt die vergleichsweise niedrige Lautstärke von etwa 55 dB(A) auf. Allerdings stören wie schon bei den Vorgängern die ruckartigen Fahrgeräusche der Elektromotoren etwas. Statt gleichmäßig zu beschleunigen, steuert der X11 die Motoren in Schüben an – das klingt wie billiges Kinderspielzeug und nicht ganz so premium, ist am Ende des Tages aber Meckern auf hohem Niveau.

Der Hersteller bewirbt 150 Tage ohne Wartung, was unrealistisch ist. Nach unserer Erfahrung muss der kleine Schmutzwassertank auf der Rückseite des Roboters, wo das von der Kunststofflippe abgestreifte Schmutzwasser gesammelt wird, je nach Nutzung mindestens einmal pro Woche gereinigt werden. Auch der Abstreifer an der Wischwalze benötigt regelmäßige Reinigung, da sich hier durch die Feuchtigkeit sonst schnell unangenehme Gerüche bilden.

Akkulaufzeit: Wie lange arbeitet der Ecovacs X11 Omni Cyclone?

Bei maximaler Saugleistung und Wischwassermenge verbraucht er in unserem 60 m² großen Testraum knapp 60 Prozent der Akkuladung. Der Roboter fährt dreimal zur Station zurück und lädt währenddessen nach. Stellt man die Einstellungen herunter, verlängert sich die verfügbare Laufzeit.

Die Schnellladefunktion lädt den Akku in unter drei statt vier Stunden vollständig auf. Der Hersteller empfiehlt das Gerät für Räume bis 150 m². Für größere Wohnungen reicht das mit Zwischenladen aus. Die automatische Wiederaufnahme nach dem Laden funktioniert zuverlässig.

Preis: Was kostet der Ecovacs X11 Omni Cyclone?

Mit 1299 Euro UVP greift Ecovacs tief ins Regal. Zum Testzeitpunkt kostet der X11 bei Amazon 1201 Euro. Das ist viel Geld für einen Roboter, dessen größte Neuerungen der beutellose Staubbehälter und die Schnellladefunktion sind. Ja, die Omzo Roller wurde verbessert und bietet höheren Anpressdruck, zudem gibt es eine verbesserte Kletterfunktion. Im Alltag hat sich aber relativ wenig verändert. Zum gleichen Preis bekommt man bessere Modelle wie den Mova Z60 Ultra Roller (Testbericht) oder den Roborock Saros 10R (Testbericht). Letzterer glänzt mit hervorragender Navigation und einer der besten Apps am Markt. Das Vorgänger-Vorgängermodell X8 Pro Omni kostet aktuell nur 684 Euro – ein besserer Deal.

Fazit

Der Ecovacs X11 Omni Cyclone zeigt innovative Ansätze, kann aber nicht in allen Bereichen überzeugen. Die beutellose Staubentsorgung funktioniert einwandfrei und spart langfristig Folgekosten und Müll – ein echter Pluspunkt für umweltbewusste Nutzer. Die Kletterfunktion meistert Schwellen bis 2,4 cm und erweitert damit den Einsatzbereich erheblich. Zudem arbeitet der X11 angenehm leise, die Schnellladefunktion in unter drei Stunden ist praktisch im Alltag.

Die Navigation zeigt allerdings Schwächen. Wo Vorgänger und Konkurrenten eleganter um Hindernisse navigieren, schiebt der X11 manchmal Möbel durch die Gegend. Die Wegplanung wirkt mitunter ineffizient. Auf Hartböden reinigt der Roboter mit 85 bis 90 Prozent Schmutzaufnahme ordentlich, bei Teppichen schwächelt er aber deutlich und lässt einiges liegen. Die fehlende Walzenabdeckung führt zu leicht feuchten Teppichen – hier bieten andere Hersteller durchdachtere Lösungen. Die beworbenen 150 Tage ohne Wartung sind zu optimistisch, wöchentliche Reinigung einzelner Komponenten bleibt notwendig.

Für 1299 Euro UVP erwarten wir mehr Perfektion. Konkurrenten wie der Roborock Saros 10R oder der Mova Z60 Ultra Roller bieten zum gleichen Preis bessere Navigation und durchdachtere Details. Wer die bessere Kletterfunktion und Beutellosigkeit nicht benötigt, fährt mit dem X8 Pro Omni für nur 684 Euro deutlich günstiger. Der X11 Omni Cyclone ist kein schlechter Saugroboter, aber bei diesem Preis gibt es ausgefeiltere Alternativen. Für Nutzer, denen die beutellose Entsorgung und hohe Schwellen wichtig sind, kann er trotzdem die richtige Wahl sein.



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TNBT sagt Tschüss: Auf Wiedersehen, Vision Pro | TNBT-Podcast


Ein massiver Sprung bei der Bildqualität, ein ausgefleischtes Betriebssystem, funktionierende Augen- und Gestensteuerung sowie tiefe Integration in das Apple-Ökosystem: Die Vision Pro brachte viel frischen Wind in die Virtual-Reality-Welt und tritt trotzdem auf der Stelle. Die Probleme und Fehlstellen sind hinlänglich bekannt – zu teuer, zu unpraktisch, kaum alltagstauglich, wenige Apps.

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In Episode 59 – der letzten Folge – spricht Leo Becker noch einmal mit Mark Zimmermann, Leiter für mobile Lösungen bei EnBW. Wir tauschen uns über die vergangenen knapp zwei Jahre mit der Vision Pro aus, was wir über räumliches Computing gelernt haben – und wie KI der Vision Pro den Boden unter den Füßen weggezogen hat.

Seit Mitte 2023 – kurz vor der Enthüllung der Vision Pro – setzte sich TNBT mit den vielen offenen Fragen rund um VR-Headsets und Apples Rolle in diesem Segment auseinander. „The next big thing“ ist die Vision Pro nicht geworden. Offen bleibt, ob sich Apple damit in eine Sackgasse manövriert hat oder doch ganz langsam die Basis für etwas Neues schaffen kann. Wir sagen jedenfalls Danke fürs Zuhören und das Feedback.


(lbe)



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Glasfaser-Strategiewechsel der Telekom: Auf dem Land ist die Action


Die Deutsche Telekom steht in ihrem Heimatmarkt unter Druck: Lange Zeit hatten die Bonner den Glasfaser-Ausbau eher damit vorangetrieben, Bürgersteige statt Bürger mit Leitungen zu versorgen. Doch damit soll jetzt Schluss sein: Eine Million Glasfaseranschlüsse will die Deutsche Telekom 2027 mit ihren Partnern bis in die Haushalte legen. Und dafür sieht sie sich auf Kurs: 25 Millionen Glasfaseranschlüsse bis 2030 seien weiterhin das Ziel, setzt der seit März 2025 für Deutschland zuständige Vorstand Rodrigo Diehl die Marke fest.

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Damit sei nicht nur „Homes Passed“ gemeint, also Glasfaser am Bürgersteig, versichern gleich mehrere Vertreter des Konzerns. Und auch nicht einfach nur „Fibre to the building“ (FTTB), also Hausstich und Netzabschlusspunkt im Keller. Sondern wirklich bis zum Endkunden verfügbare Glasfaser – in Mehrfamilienhäusern also auch mit der notwendigen Verkabelung im Haus, die Netzebene 4 (NE4).

Aus 12,5 Millionen Haushalten, an denen 870.000 Kilometer Telekom-Glasfaser vorbeiführen, soll also absehbar mehr als die Hälfte aller deutschen Haushalte werden. Damit leitet der gebürtige Argentinier Diehl einen Strategiewechsel ein. Diehl will die verschiedenen Ziele, die sich die Telekom über die Jahre gesetzt hat, nun auch tatsächlich erreichen.

Rein freiwillig geschieht das nicht: Immer größer wird der Druck, dass das DSL-Netz in einem geordneten Prozess abgeschaltet werden soll. Die EU-Kommission will diese „Kupfer-Glas-Migration“ bis spätestens 2035 europaweit erreicht haben. Die Bundesnetzagentur hat als zuständige Regulierungsbehörde dazu in dieser Woche ein Konzept vorgestellt.

Die Festnetzanschlüsse sind für das Deutschlandgeschäft der Telekom mit zwei Dritteln der Umsätze das Brot-und-Butter-Geschäft. Sie hat ihre Infrastruktur in den vergangenen Jahren bereits deutlich ausgebaut, auch wenn in der Branche über die genaue Investitionshöhe sehr unterschiedliche Rechnungen existieren.

Die Kunden sehen bislang meist wenig Grund, auf Glasfaser zu wechseln: zu hohe Preise für Produkte, deren Leistungsfähigkeit den Bedarf vieler Nutzer übersteigt. Das ist ein Problem – wenn auch bislang weniger für die Telekom als für ihre Konkurrenten, die von der DSL-Nutzung nicht profitieren. Die sogenannte Take-Up-Rate, das Verhältnis zwischen vorhandenen und auch tatsächlich gebuchten Anschlüssen, war bislang ausgesprochen schlecht. Im vergangenen Jahr berichtete der Konzern von mageren 16 Prozent.

Doch auch die Telekom muss weg von der alten Technik. Während die Ausbaukosten in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen sind – laut Telekom seit 2020 um 46 Prozent – halten die Verbraucherpreise nicht Schritt. Doch der Anbieter steht vor dem Dilemma: Entweder baut er selbst aus und schließt an – oder er verliert Kunden dauerhaft an die Konkurrenz. Deshalb heißt das Ziel jetzt: Die Kunden sollen Glasfaser buchen und das am besten bei der Telekom selbst.

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Bei Einfamilienhäusern sei die Take-Up-Rate gut, schildert Diehl, bei Mehrfamilienhäusern jedoch weiterhin ausbaufähig. Das ist der derzeitige Haupt-Flaschenhals für schnelleren Glasfaserausbau: Deutschland ist Mieterland, von 39,3 Millionen Haushalten leben über die Hälfte zur Miete.

Dazu kommt ein starkes Stadt-Land-Gefälle: Gerade in den Ballungszentren, dort, wo die Telekom bereits viel Glasfaser im Straßenland liegen hat, ist die Zahl der Mietwohnungen hoch. Doch der Ausbau in den Häusern, die sogenannte Netzebene 4, ist technisch schwierig und organisatorisch aufwändig. „Mit 10 Prozent Auslastung fliegt kein Business Case“, sagt Diehl in Berlin. Die 90 Prozent ohne Vertrag seien aber immerhin die Chance auf ein gutes Geschäft.

Insbesondere die Abstimmung mit den Vermietern für den Ausbau ist neben veralteten Vorschriften für die Verlegung auf Netzeben 4 und 5 schwierig. Doch auch wenn Telekom und Konkurrenz immer wieder betonen, sie seien mit der Wohnungswirtschaft im Gespräch: Bislang passiert hier wenig.

Vermieter profitieren von den schnelleren Infrastrukturen nicht direkt. Ob es ein „Recht auf Vollausbau“ für die Glasfaseranbieter geben soll, ist derzeit Gegenstand der politischen Diskussion. Dann würde für alle Kunden ausgebaut, sobald ein einziger Anschluss gebucht wird.

Für Diehl ist das der Schlüssel: In der Vergangenheit sei die Telekom für jeden einzelnen Vertrag neu in die Mehrfamilienhäuser gegangen, um den Ausbau bis zum Endkunden vorzunehmen, sagt er. Das sei zu teuer, damit solle nun Schluss sein: Vollausbau sei der einzig sinnvolle Weg.

Der Telekom-Hauptgegner im Glasfaser-Häuserkampf bleibt aber eine eigentlich uralte Technologie. „TV-Kabelnetze sind auch Kupfernetze“, sagt Diehl. Es brauche Klarheit, dass nur Glasfasernetze die Zukunft seien, führt er aus. Und eben nicht Begriffe „gigabitfähige Netze“, mit denen die Kabelnetzbetreiber operieren. Keine ganz neue Forderung, aber eine, die für die Telekom entscheidend ist.

„Wir sind gegen eine Zwangsmigration“, sagt Diehl. Aber über Regeln für die DSL-Abschaltung zu sprechen, ist offenbar nicht mehr völlig tabu. Die Telekom will sich hier offener zeigen als in der Vergangenheit, als sie darauf beharrte, dass allein sie über ihr Kupfernetz entscheide. Sie spare auch keinen Cent an der Instandhaltung ihrer Kupfernetze, solange diese betrieben würden.

Und auch zu offeneren Zugangsmodellen für Wettbewerber zeigte sich Diehl durchaus bereit – wenn denn Open Access für alle am Markt verpflichtend würde. Das würde der Telekom auch aus anderen Gründen durchaus in die Karten spielen: Im Skalengeschäft Telekommunikation hat die Telekom eine gute Ausgangsposition.

Das wiederum hängt mit der vielleicht folgenreichsten Änderung an der Telekomstrategie zusammen: Während die Mehrfamilienhaus-Großstädte umkämpft bleiben, will Diehl die unmittelbare Konkurrenz nun dort angreifen, wo die bislang mit Glasfaser noch allein ist. „Unsere Wettbewerber haben hauptsächlich in ländlichen Gebieten ausgebaut“, sagt Diehl. Dort sei die Action. Das bedeute unter anderem: Einfamilienhäuser. Die buchen besonders häufig Glasfaseranschlüsse – auch, weil das den Wert der Immobilie steigert.

Doch während die Telekom bislang stark darum bemüht war, den Eindruck einer direkten Konkurrenz mit anderen Glasfaseranbietern zu vermeiden, klingt das nun deutlich anders: Gerade einmal drei Prozent der Gebiete wären in Deutschland Überbaugebiete. Spanien etwa habe 70 Prozent mehrfach ausgebaute Gebiete, das sei also kein Problem, schildert Diehl.

Man darf das als Kampfansage deuten – die von den Mitbewerbern aufmerksam verfolgt wird. Der kapitalgetriebene Glasfaserausbaumarkt steht derzeit gewaltig unter Druck, seitdem die Zinskosten angestiegen sind. Übernahmegerüchte gehören derzeit zum Tagesgeschäft.

„Wir werden viel mehr in ländlichen Gebieten bauen“, erläutert der Deutschland-Vorstand der Telekom. Und meint damit auch den Überbau: Künftig könnten mehrere Glasfaseranbieter mit ihren physischen Leitungen einem Kunden ihre Dienste anbieten.

Der Bonner Konzern hat neben dem DSL-Netz einen weiteren entscheidenden Vorteil: Das Unternehmen ist weniger stark von den Zinskosten abhängig, kann den Ausbau weitgehend aus Eigenmitteln stemmen. Viele der Glasfaseranbieter hätten ihre Geschäftsmodelle mit höheren Einnahmen pro Nutzer berechnet, rechnet Rodrigo Diehl vor.

Wenn nun auch noch die Deutsche Telekom in die bereits von der Konkurrenz erschlossenen Gebiete geht, dürfte das für manche den wirtschaftlichen Todesstoß bedeuten. Dass die Telekom andere Netze übernimmt, schließt Diehl nicht kategorisch aus, dämpft aber die Erwartungen: Nur wenn ein Netz auch technologisch dem Telekomstandard annähernd entspreche, käme eine Kooperation überhaupt infrage. Und natürlich würde auch das Kartellrecht eine wichtige Rolle spielen – und etwa eine Übernahme in der Größenordnung der „Deutsche Giganetz“ von vornherein unmöglich machen. Die Investoren werden es gehört haben.


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Top 10: Der beste Fitness-Tracker im Test – gute Pulsuhren schon unter 100 Euro


Whoop 4.0 im Test

Whoop 4.0 will als Fitness-Wearable helfen, die Gesundheit und Leistungsfähigkeit basierend auf wissenschaftlicher Grundlage zu optimieren. Für wen sich das Armband mit integriertem optischen Sensor lohnt, klären wir im Test.

VORTEILE

  • guter KI-Coach
  • integrierte Trainingsdatenbank für Kraftsport
  • guter Pulssensor

NACHTEILE

  • teuer
  • kein integriertes GPS
  • Stressmessung teilweise ungenau

Whoop 4.0 will als Fitness-Wearable helfen, die Gesundheit und Leistungsfähigkeit basierend auf wissenschaftlicher Grundlage zu optimieren. Für wen sich das Armband mit integriertem optischen Sensor lohnt, klären wir im Test.

Im Segment der Fitness-Tracker ist das Whoop 4.0 in gleich mehrerlei Hinsicht ein besonderes Produkt. Denn anders als die Geräte von Fitbit, Garmin, Huawei und Co. verzichtet der Hersteller des Whoop-Bands auf ein Display. Gemessene Daten lassen sich dementsprechend nur in der App ablesen. Ferner bekommen Anwender das Whoop 4.0 weitestgehend kostenlos, müssen für die Nutzung aber ein kostenpflichtiges Abo abschließen.

Wir haben uns das Whoop 4.0 mit seiner einzigartigen Funktionsweise genauer angeschaut und klären in unserem Test, für wen sich die Anschaffung des Wearables und das zugehörige Abonnement lohnt.

Design: Wie trägt man Whoop?

Wie bereits erwähnt, verzichtet der Hersteller beim Whoop 4.0 vollständig auf ein Display. Damit möchte das Unternehmen eine seiner Meinung nach unnötige Ablenkung eliminieren und den Fokus auf die reine Datenanalyse legen. Das Gerät besteht dementsprechend aus einem kleinen schwarzen Gehäuse, in dem der Akku und die Sensoren des Trackers eingebaut sind, bestehend aus fünf LEDs mit grünem und infrarotem Licht sowie vier Fotodioden, die Herzfrequenz, Hauttemperatur und Blutsauerstoff messen.

Whoop 4.0

Neben dem eigentlichen Gerät ist im Lieferumfang ein gewebtes Stoffarmband und ein drahtloses Akku-Ladepack enthalten. Das Armband lässt sich flexibel in der Größe anpassen und wird am Gehäuse des Whoop 4.0 eingeklemmt. Mit einem Bügelmechanismus kann man anschließend das Armband am Handgelenk fixieren. Was auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig wirkt, entpuppt sich in der Praxis als durchdachte und bequeme Lösung, die dazu führt, dass man das Whoop 4.0 im Alltag kaum spürt.

Whoop bietet zudem eine Vielzahl an Zubehör an, darunter neben verschiedenen Armbändern aus unterschiedlichen Materialien und Bizepsbändern für das Tragen am Oberarm auch Arm-Sleeves oder Unterwäsche, in der man das Wearable platzieren kann. Dadurch hat man die Möglichkeit, das Whoop 4.0 an verschiedenen Stellen am Körper zu tragen und es weitestgehend unter der eigenen Kleidung verschwinden zu lassen. Für bestimmte Sportarten, bei denen ein Armband am Handgelenk hinderlich oder sogar gefährlich sein kann, ist das definitiv ein Vorteil gegenüber anderen Fitness-Trackern.

Das Whoop 4.0 ist übrigens nach IP68-Standard zertifiziert und übersteht damit ein Eintauchen in zehn Metern Wassertiefe für maximal zwei Stunden. Der Tracker eignet sich dementsprechend auch für den Einsatz bei diversen Wassersportarten.

Einrichtung: Kann man Whoop auch ohne Mitgliedschaft nutzen?

Das Whoop 4.0 funktioniert nur im Rahmen eines Abo-Modells. Die Einrichtung erfolgt ein wenig anders als bei einem herkömmlichen Fitness-Tracker. Möchte man das Whoop 4.0 ausprobieren, erstellt man einen Account bei Whoop und lässt sich das Whoop 4.0 zuschicken. Für Neukunden ist eine 30-tägige kostenlose Testphase inklusive. Sobald der Test abgelaufen ist, wird man in der App aufgefordert, ein Abo abzuschließen, damit man weiter alle Funktionen von Whoop nutzen kann.

Die Einrichtung des Trackers an sich funktioniert aber denkbar einfach. Wir laden die Whoop-App auf unser Smartphone herunter, loggen uns mit unserem Account ein und koppeln das Wearable via Bluetooth über die Geräteeinstellungen mit dem Handy. Nach erfolgreicher Kopplung können wir uns durch ein Tutorial klicken, das uns die wichtigsten Funktionen des Whoop-Bands und der App erklärt.

Aktivität & Training: Was zeichnet Whoop auf?

Obwohl es sich beim Whoop 4.0 um ein Fitnessarmband handelt, gibt es im Vergleich zu klassischen Smartwatches (Bestenliste) und Fitness-Trackern (Bestenliste) einige wesentliche Unterschiede. Das wichtigste Detail vorweg: Das Whoop verzichtet auf ein Display, sodass die Bedienung nur in Verbindung mit dem Smartphone möglich ist. GPS-Features oder ein Schrittzähler fehlen komplett.

Stattdessen misst Whoop die tägliche Belastung, der unser Körper ausgesetzt ist, und bewertet sie auf einer Skala von null bis 21. Um die jeweilige Anstrengung eines Tages zu berechnen, berücksichtigt der Tracker verschiedene biometrische Daten wie Herzfrequenz, Blutsauerstoffsättigung und Hauttemperatur. Der gesamte Belastungswert basiert dann sowohl auf körperlicher Aktivität wie Sport oder Arbeit als auch auf Stress und Erholungsmaßnahmen.

Zusätzlich gibt es eine Anzeige für den täglichen Stresslevel, den sogenannten Stress-Monitor. Dieser zeigt an, wie viel Zeit wir mit wie viel Stress verbracht haben. Dabei unterscheidet Whoop zwischen Phasen mit niedrigem, mittlerem und hohem Stress sowie Stress innerhalb und außerhalb von Belastungsaktivitäten sowie beim Schlafen. Diese Werte vergleicht der Tracker mit anderen Tagen und zeigt langfristige Trends auf, von denen wir ableiten können, ob bestimmte Aktivitäten uns besonders viel Stress verursachen. In der Praxis funktionierte das größtenteils zuverlässig und nachvollziehbar. Allerdings kam es in einem Fall zu seltsamen Werten, als die Testerin entspannt auf dem Sofa lag, das Whoop-Band aber einen hohen Stresslevel attestierte.

In Kombination mit dem Stress-Monitor können wir anhand der Logbuch-Funktion prüfen, wie sich bestimmte Verhaltensweisen auf unsere physische und psychische Gesundheit sowie Erholung auswirken. Dazu legen wir in der App eine Auswahl verschiedener Verhaltensweisen fest, etwa „Dehnübungen gemacht“, „genug Wasser getrunken“ oder „Spät arbeiten“. Die Optionen zur Personalisierung des Logbuchs umfassen eine Vielzahl unterschiedlicher Aktivitäten und Gewohnheiten aus den Bereichen Erholung, Ernährung, Gesundheitszustand, Lifestyle, Medikamente, mentale Gesundheit, Schlaf und mehr. Wer regelmäßig die entsprechenden Daten im Logbuch einträgt und eine Gewohnheit variabel ausführt, erhält in der App konkrete Informationen über deren Auswirkungen. Dabei unterscheidet Whoop, in welchem Maß eine Gewohnheit der eigenen Erholung hilft oder schadet. Im Fall unserer Testerin berechnete der Fitness-Tracker, dass die Einnahme von entzündungshemmenden Medikamenten wie Ibuprofen die Erholung um sieben Prozent verschlechtert.

Ob diese Analysen tatsächlich realistische Werte ergeben, lässt sich subjektiv schwer einschätzen. Wer sich die Mühe macht und über mehrere Tage die entsprechenden Daten im Logbuch einträgt, kann aber zumindest gewisse Trends ausmachen und erhält Anregungen, welche Gewohnheiten die physische und psychische Erholung beeinflussen könnten.

Neben den Gesundheitsdaten im Alltag zeichnet Whoop auch konkrete Trainingseinheiten auf. Körperliche Belastung registriert das Armband automatisch, wer aber eine bestimmte Sportart tracken möchte, muss die Aufzeichnung zunächst manuell in der App aktivieren. Hat man ein paar Einheiten derselben Sportart abgeschlossen, erkennt das Armband mit der Zeit aber automatisch, wenn man eine entsprechende Trainingseinheit ausführt. Wir haben die automatische Trainingserkennung mit dem Laufen ausprobiert, was in unserem Fall auch reibungslos funktioniert hat.

Starten wir ein Ausdauertraining, etwa Laufen oder Radfahren, können wir die Strecke aufzeichnen. Allerdings muss dafür die App auf dem Smartphone aktiv sein und Zugriff auf unseren Standort erhalten, weil das Whoop 4.0 nicht über ein eigenes GPS-Modul verfügt. Anhand unserer aktuellen Belastungsdaten empfiehlt uns die App ein spezifisches Belastungsziel, das wir aktivieren oder deaktivieren können. Erreichen wir das Ziel, erhalten wir eine Benachrichtigung in der App. Das Ziel berücksichtigt unsere Trainings- und Erholungsziele, die wir wiederum in der App festlegen können.

Nutzer, die das Whoop 4.0 vorwiegend für Krafttraining verwenden möchten, können sich den Strength-Trainer zunutze machen. Dabei handelt es sich um eine Art Trainingsdatenbank in der App, die vorprogrammierte Workouts unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade beinhaltet. Außerdem können wir mithilfe des Strength-Trainers eigene Trainingseinheiten erstellen und dabei sowohl Übungen als auch Sätze und Wiederholungen definieren. Die App gibt dann an, welche Muskelgruppen wir mit dem jeweiligen Training konkret belastet haben.

Ferner haben wir die Möglichkeit, in der App konkrete Ziele für Training und Fitness festzulegen. Dazu stellt uns Whoop in der App einige Fragen, auf deren Basis wir dann Empfehlungen für unseren Trainingsalltag erhalten. Empfiehlt Whoop uns in der App dann etwa basierend auf unserer aktuellen Erholung eine bestimmte Trainingsbelastung, können wir direkt über die App eine entsprechende Aktivität starten, um das Belastungsziel zu erreichen. Das funktionierte im Test absolut intuitiv und problemlos.

Neben der Belastungsaufzeichnung bietet die Whoop-App noch einen separaten Reiter für die Erholung. Dabei berücksichtigt Whoop verschiedene Werte wie unseren Schlaf, unsere Ruheherzfrequenz und unsere Herzfrequenzvariabilität. Um unseren Erholungswert zu berechnen, vergleicht die App die aktuellen Daten mit früheren Messungen und gibt einen Prozentsatz aus. Je niedriger unser Ruhepuls und je höher unsere Herzfrequenzvariabilität bei guter Schlafleistung ausfallen, desto besser bewertet Whoop unsere Erholung. Die gemessenen Werte für Ruhepuls und HFV wichen in unserem Fall nur minimal von den Daten unseres Kontrollgeräts (Garmin Fenix 7) ab. Entsprechend lassen sich also glaubwürdige Rückschlüsse über den Grad unserer Erholung aus den Analysen der Whoop-App ziehen.

Insgesamt bietet das Whoop 4.0 eine Vielzahl an Möglichkeiten, das eigene Training aufzuzeichnen, allerdings liegt der Fokus des Wearables primär auf der erlittenen Belastung. Daten wie Schritt- und Trittfrequenz, Durchschnittstempo oder VO2 Max sucht man vergebens. Dass man zudem für praktisch jede Aktivität das Smartphone benötigt, weil das Armband über kein eigenes Display verfügt, schränkt den Nutzen des Wearables beim Training ein. Wer auf Daten wie Herzfrequenz oder das Lauftempo angewiesen ist, kommt also um den Einsatz einer zusätzlichen Smartwatch einschlägiger Hersteller nicht herum. Das führt wiederum die Intention von Whoop teilweise ad absurdum, ein ablenkungsfreies Armband anbieten zu wollen.

Schlaf: Was kann Whoop alles messen?

Das Schlaf-Tracking gehört zu den zentralen Funktionen des Whoop 4.0, weil unser Schlaf signifikante Auswirkungen auf unsere Erholung hat. Der Tracker berechnet unsere Schlafaktivität anhand von Daten wie Herzfrequenz, Hauttemperatur, Dauer und den einzelnen Schlafphasen. Die von Whoop in der App aufbereitete Statistik berücksichtigt unsere Zeit im Bett, die Beständigkeit unseres Schlafs (also die Variabilität unserer Schlaf- und Weckzeiten), das Maß an erholsamem Schlaf sowie unser Schlafdefizit. Unsere Schlafleistung gibt an, wie viel wir geschlafen haben im Vergleich mit der benötigten Menge an Schlaf.

Die App erklärt sämtliche Schlafparameter in ausführlichen Informationsboxen. Alle Daten werden zudem in einzelnen Tabellen aufbereitet und vorangegangenen Tagen, Wochen und Monaten gegenübergestellt, sodass wir langfristige Trends ablesen können. Einschlaf- und Aufwachzeitpunkt hat das Whoop 4.0 in unserem Test zuverlässig aufgezeichnet. Die Messungen der Schlafphasen entsprachen unserem subjektiven Empfinden und wichen nur geringfügig von den Daten unseres Kontrollgeräts ab.

Bei Bedarf kann man in der Whoop-App auch eine Weckfunktion aktivieren. Das Whoop 4.0 weckt seinen Nutzer dann entweder zu einer bestimmten Uhrzeit oder auf Wunsch im Rahmen eines Zeitfensters mit der intelligenten Weckfunktion. Das Band vibriert dann, wenn wir uns entsprechend der Messung unserer Schlafphasen gerade besonders nahe am Wachzustand befinden. Um die Vibration zu deaktivieren, müssen wir mit dem Finger auf die Oberseite des Whoop-Bands tippen. Das funktionierte im Test nicht immer zuverlässig.

Features: Welche Funktionen gibt es noch?

Neben den zahlreichen Analyse-Funktionen für Belastung, Erholung und Schlaf verfügt das Whoop 4.0 über einen integrierten K.I.-Bot. Dieser sogenannte Whoop-Coach befindet sich derzeit noch in der Beta-Phase, funktioniert aber in deutscher Sprache und beantwortet uns Fragen zu unseren Daten. Wir können beispielsweise nach konkreten Trainingsempfehlungen fragen oder um eine Einschätzung unserer Schlafdaten bitten. Dabei gilt: Je mehr Daten das Whoop-Band bereits über uns gesammelt hat, desto genauer und umfangreicher fallen die Antworten des Bots aus. In unserem Fall hat die K.I. durchaus nachvollziehbare Antworten auf unsere Fragen gegeben. Die Antwortzeit blieb mit wenigen Sekunden dabei jederzeit im annehmbaren Rahmen.

Für Frauen bietet das Whoop 4.0 übrigens noch die Möglichkeit, den eigenen Zyklus aufzuzeichnen. Dabei kann man Symptome wie einen aufgeblähten Bauch oder konkrete Schmerzen über das Logbuch notieren. Tragen wir den Beginn der Periode ein, informiert uns die App über die aktuelle Zyklusphase und berät uns zur Trainingsintensität. Außerdem macht Whoop konkrete Angaben zur Schlafeffizienz, abhängig von unseren Zyklusdaten. Die Empfehlungen in der App sind hilfreich für Frauen, die zyklusbasiert trainieren möchten. Leider verzichtet Whoop auf eine Option, mit deren Hilfe wir unsere Körpertemperatur und weitere Zyklusdaten notieren können. Für Methoden wie NFP ist das Zyklustracking von Whoop daher nicht geeignet.

Akku: Wie lange läuft das Whoop 4.0?

Whoop gibt die Akkulaufzeit des Whoop 4.0 mit rund fünf Tagen an. Diesen Wert konnten wir in unserem Test bestätigen: Nach drei Trainingseinheiten in fünf Tagen zu je etwa anderthalb Stunden war die Ladung des Akkus nach knapp fünf Tagen erschöpft. Der Hersteller liefert den Tracker aber mit einem kabellosen Akku-Pack aus, das ebenfalls wasserdicht ist. Dadurch kann man die Laufzeit des Wearables deutlich verlängern, ohne es ablegen zu müssen. Das Akku-Pack wird einfach über das Whoop-Band geschoben und lädt den Akku dann unterwegs wieder auf. Um das Akku-Pack selbst aufzuladen, ist im Lieferumfang ein USB-C-Ladekabel enthalten. Wer möchte, kann außerdem zusätzliche Akku-Packs im Online-Shop von Whoop zum Preis von 49 Euro (genauer gesagt 59 Euro für variable Farben) erwerben.

Preis: Wie viel kostet Whoop 4.0?

Anders als die meisten anderen Anbieter am Markt für Wearables verfolgt Whoop ein Preismodell, das nicht auf dem Modell „Buy to Use“ basiert. Anstatt also einmalig mehrere hundert Euro für das Whoop 4.0 zu investieren, müssen Nutzer ein Abonnement abschließen. Darin enthalten sind das Whoop 4.0 als Neugerät oder generalüberholtes Gebrauchtmodell inklusive Superknit-Armband und Akkupack. Neukunden können den Tracker für 30 Tage kostenlos testen. Am Ende der Testphase muss man dann ein kostenpflichtiges Abo abschließen, andernfalls wird das Whoop 4.0 nutzlos.

Für das Abonnement bietet Whoop verschiedene Bezahlpläne an. Ein Monatsabo kostet 30 Euro, allerdings liegt die Mindestlaufzeit bei 12 Monaten. Nach Ablauf der 12 Monate ist das Abo jeweils monatlich kündbar. Alternativ können wir auch direkt ein Jahresabo abschließen und auf einen Schlag 264 Euro zahlen. Die monatlichen Kosten belaufen sich dann auf 22 Euro. Die teuerste Version ist Whoop Pro. Hier zahlen wir einmalig 408 Euro (34 Euro pro Monat), erhalten dafür aber 20 Prozent Rabatt auf alle Artikel im Shop sowie einen Gratisartikel alle drei Monate.

Fazit: Für wen lohnt sich das Whoop?

Der Hersteller hat mit dem Whoop 4.0 eine klare Zielgruppe vor Augen, nämlich die der Daten-Nerds. Wer am liebsten jedes noch so kleine Detail tracken und den Körper minutiös überwachen möchte, kommt mit dem Whoop 4.0 definitiv auf seine Kosten. Der Umfang der Datenanalysen ist immens und erlaubt tiefgreifende Einblicke in die eigenen Gewohnheiten.

Am Ende muss sich Whoop aber die Frage gefallen lassen, wer dieses Wearable wirklich benötigt. Zwar bewirbt der Hersteller explizit damit, dass der Tracker ein ablenkungsfreies Training ermöglicht, aber diese Prämisse läuft ins Leere, wenn wir für viele Features eben zum Smartphone greifen oder auf andere, zusätzliche Tracker und Smartwatches ausweichen müssen.

Ja, das, was das Whoop 4.0 machen soll und will, macht es gut. Aber ob man dafür wirklich 22 Euro oder mehr im Monat zahlen muss, lässt sich nur sehr individuell beantworten. Denn alle Funktionen und Analysen, die Whoop bietet, liefern auch die Mitbewerber am Markt für smarte Wearables und Fitness-Tracker. Eine Garmin Fenix 7 zeichnet genauso den Schlaf, die Herzfrequenz und die Belastung auf wie das Whoop 4.0 und hat zudem noch viele weitere nützliche Features zu bieten, dank derer man wirklich auf ein Smartphone verzichten kann.

Möchte man zusätzlich noch Gewohnheiten tracken, die sich möglicherweise auf die eigene Erholung auswirken, kann man das auch ohne Whoop tun – nämlich ganz altmodisch mit Stift und Papier oder mit einer kostenlosen Smartphone-App wie Habitnow oder Daylio. Das Whoop 4.0 ist also letztlich nur für diejenigen Nutzer interessant, die typische Trackingfeatures für Schlaf, Belastung und Erholung nicht mit anderen Maßnahmen aufzeichnen können oder wollen.



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