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Er will nicht für Juden arbeiten: Student schickt antisemitische Job-Absage


Die Gründer eines Startups wollen einen Praktikanten einstellen. Die Antwort des Studenten ist schockierend. Jetzt prüft die Elite-Uni.

Er will nicht für Juden arbeiten: Student schickt antisemitische Job-Absage

Das New Yorker Startup VryfID geriet in die Schlagzeilen, nachdem ein Bewerber ein Praktikum mit einer antisemitischen Nachricht ablehnte.
picture alliance / Anadolu | Selcuk Acar

Eine Bewerbung, die in einem Skandal endet: Ein Student der US-Eliteuniversität Cornell hat ein Praktikum bei einem Startup offenbar aus einem einzigen Grund abgelehnt: Die Gründer sind Juden. Darüber hat die New York Post zuerst berichtet.

Betroffen ist das Startup VryfID der Brüder Gabe und Aiden Einhorn. Das Unternehmen vermittelt mit ihrer Plattform, Wohnungssuchende und Vermieter zusammen. Die Gründer hatten den Studenten Austin F. für ein mögliches Sommerpraktikum in Betracht gezogen und wollten ein Vorstellungsgespräch vereinbaren.

Judenhass als Begründung

Die Antwort fiel knapp aus. „Not interested in working for a Jew. Thanks.“ („Kein Interesse, für einen Juden zu arbeiten. Danke.“), schrieb der Bewerber laut einem später veröffentlichten Screenshot.

Gabe Einhorn veröffentlichte die Nachricht anschließend auf X. Er wolle damit zeigen, wie offen antisemitische Einstellungen mittlerweile geäußert würden, erklärte er später gegenüber US-Medien. „Er weiß wahrscheinlich nichts über Juden, außer dem, was man ihm an der Uni und in den sozialen Medien erzählt. Eine traurige Welt“, schreibt er auf X. Den Namen des Studenten hatte er geschwärzt.

Die Elite-Uni ermittelt

Die Cornell University bestätigte inzwischen, den Vorfall zu prüfen. Eine Sprecherin erklärte gegenüber der New York Post, die Universität verurteile Antisemitismus ebenso wie jede andere Form von Hass und Diskriminierung.

Der Fall trifft einen Nerv. Seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und dem Gaza-Krieg wird an zahlreichen Universitäten, sowohl in den USA als auch in Deutschland, über einen Anstieg antisemitischer Vorfälle diskutiert. Nun sorgt eine Praktikumsabsage für die nächste Debatte.





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Angeln: Wie Dustin Schöne aus einem Rentner-Hobby eine Millionenmarke baut


Angeln: Wie Dustin Schöne aus einem Rentner-Hobby eine Millionenmarke baut

Dustin Schöne macht aus einem vermeintlichen Rentnerhobby ein Lifestyle-Business.
Amelie Elisabeth Prusseit

Wer an Angeln denkt, denkt an Klappstuhl, Thermoskanne und Rentner. Dustin Schöne denkt an Markenaufbau, Community und einen Millionenumsatz. Mit seinem Berliner Startup Nays will er aus einem traditionellen Hobby eine moderne Lifestyle-Marke machen.

Gemeinsam mit Mitgründer Marcel Mandry haben die beiden 2019 das Berliner Angel-Startup Nays aufgebaut. Die Marke will ein neues Bild vom Angeln etablieren und erinnert an moderne Outdoor- und Lifestyle-Brands. Neben Ködern und Angelzubehör verkauft das Unternehmen inzwischen auch Bekleidung, von Caps und Hoodies bis hin zu Outdoor-Jacken. Gründerszene verbringt einen Tag mit dem Unternehmer am Wasser.

Produkttest von Gründerszene approved.

Produkttest von Gründerszene approved.
Amelie Elisabeth Prusseit

Während Schöne routiniert auswirft, spricht er über Markenaufbau, Produktentwicklung und die Vision hinter Nays. „Wir wollten etwas anders machen als das, was auf dem Markt schon gegeben war“, erzählt Schöne.

Vom Opa ans Wasser – und später ins Unternehmertum

Dass Schöne heute Unternehmer ist, war nicht geplant. Seine Verbindung zum Angeln begann lange vor Nays. „Ich angel eigentlich schon immer, seitdem ich denken kann“, erzählt er. Geprägt habe ihn vor allem sein Großvater. „Es war zwar nie jemand Angler in der Familie, aber mein Opa war sehr naturverbunden und hat mich immer mit ans Wasser genommen.“

Der eine wirft die Angel aus, der andere behält die Zahlen im Blick: Marcel Mandry und Dustin Schöne.

Der eine wirft die Angel aus, der andere behält die Zahlen im Blick: Marcel Mandry und Dustin Schöne.
Amelie Elisabeth Prusseit

Was zunächst als Kindheitsbeschäftigung begann, wurde schnell zu einer Leidenschaft. „Ich habe geboxt, ich habe Fußball gespielt, ich habe viel Sport gemacht. Aber das waren eher Hobbys. Angeln hat mich so sehr beeinflusst und geprägt, dass es eher eine Passion war.“ Schon in der Schule habe ihn das Hobby kaum losgelassen. „Ich konnte an nichts anderes denken“, erzählt er. „Ich war schon immer eher unruhig. Angeln war das Einzige, wo ich Ruhe gefunden habe, wo nicht so viel Input war und ich mich konzentrieren konnte.“

Später machte sich Schöne in der Angelszene einen Namen. Er gewann zahlreiche Wettbewerbe und baute sich über Turniere und Social Media eine Reichweite auf. „Ich habe Glück gehabt, viele Turniere gewinnen zu können“, sagt er. Die Erfolge verschafften ihm Glaubwürdigkeit in einer Szene, die später zur Grundlage für den Aufbau von Nays werden sollte.

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Vom Turniersieger zur Marke

Die Idee für Nays entstand aus einer Beobachtung: Obwohl Millionen Menschen angeln, wirkte die Branche auf Schöne altmodisch. „Das Image war Bierbauch, Bierkanne und dann sitzt du da am See und trinkst Bier“, sagt er. „Dabei war Angeln viel mehr.“

Gemeinsam mit Marcel Mandry wollte er deshalb eine Marke schaffen, mit der sich eine neue Generation von Anglern identifizieren kann. Schöne kennt die Mechanismen moderner Marken auch aus seinem privaten Umfeld: Seine Partnerin ist Unternehmerin und Model Lena Gercke. Mandry bringt dabei einen anderen Hintergrund mit als sein Mitgründer. Während Schöne aus der Angelszene kommt, sammelte er Erfahrungen in der Startup- und Fintech-Welt, unter anderem bei Solaris. Heute verantwortet er vor allem die strategischen und wirtschaftlichen Themen des Unternehmens.

Mit nur zwei Produkten gestartet

Statt anfangs große Summen in Marketing zu investieren, steckten sie ihr Geld in Produktentwicklung und Teamaufbau. Anfangs bestand das Sortiment aus gerade einmal zwei Ködern. Die Gründer vertrauten darauf, ihre Zielgruppe genau zu kennen. Im Vorverkauf kam die Bestätigung schneller als erwartet. „Da haben wir das erste Mal gesehen: Das, was wir machen, funktioniert und die Leute haben Bock darauf.“, sagt Schöne.

Sie sehen zum Anbeißen aus – jetzt nur noch hoffen, dass die Fische das auch so sehen.

Sie sehen zum Anbeißen aus – jetzt nur noch hoffen, dass die Fische das auch so sehen.
Amelie Elisabeth Prusseit

Heute umfasst das Sortiment weitaus mehr Produkte. Der bekannteste Köder der Marke ist bis heute der Gummifisch „Venom“. Schöne beschreibt ihn als klassischen Köder, „mit dem jeder etwas anfangen kann“. Statt auf große Werbekampagnen setzt Nays auf die eigene Community. Die Marke arbeitet bewusst mit Anglern zusammen, die bereits Teil der Szene sind und die Werte des Unternehmens teilen. „Für mich ist wichtig, dass jemand authentisch ist, guten Content macht und zu unserer Philosophie passt“, sagt er. Viele Inhalte entstehen deshalb nicht in Studios, sondern auf Angeltrips, Produkttests oder Touren mit der Community. Eine davon führte das Team mit dem Boot von Frankreich über Deutschland bis in die Niederlande Richtung Nordsee. „Wir haben dann immer Stopps gemacht und die Leute getroffen, die dort in der Region gewohnt haben.“

Keine Investoren, volle Kontrolle

Das Gründerteam entscheidet sich bewusst gegen Finanzierungsrunden und Investoren und sind stolz darauf, komplett bootstrapped zu agieren. „Wir haben alles, was wir verdient haben, in den Aufbau des Teams gesteckt“, sagt Mandry. Der Grund dafür: Die Marke soll authentisch bleiben und sich nicht nach kurzfristigen Wachstumszielen richten. Die Produkte sollen von Menschen entwickelt werden, die selbst angeln und ihre Zielgruppe verstehen, und nicht von Investoren, die auf möglichst schnelle Rendite aus sind.

Statt auf große Werbekampagnen setzt Nays außerdem auf die eigene Community. Die Marke arbeitet bewusst mit Anglern zusammen, die bereits Teil der Szene sind und die Werte des Unternehmens teilen. Viele Inhalte entstehen deshalb nicht in Studios, sondern auf Angeltrips, Produkttests oder Touren mit der Community. Eine davon führte das Team mit dem Boot von Frankreich über Deutschland bis in die Niederlande Richtung Nordsee. „Wir haben dann immer Stopps gemacht und die Leute getroffen, die dort in der Region gewohnt haben.“

Die nächste Wachstumsphase

Heute beschäftigt Nays mehr als 30 Mitarbeitende. Neben Deutschland wächst die Marke inzwischen auch in Frankreich. „Ein großes Ziel bei uns ist der amerikanische Markt“, sagt Mandry.

Selfie muss sein: Die beiden Gründerszene-Reporterinnen Amelie Prusseit und Lena Herold mit den Unternehmern auf einem Boot.

Selfie muss sein: Die beiden Gründerszene-Reporterinnen Amelie Prusseit und Lena Herold mit den Unternehmern auf einem Boot.
Gründerszene

Für Schöne ist das naheliegend. „In Deutschland gibt es ungefähr vier bis sechs Millionen aktive Angler. In den USA sind es rund 60 Millionen.“ Die Ambitionen der Gründer reichen dabei über klassische Angelprodukte hinaus.

Vorbild für viele junge Männer

Mit seinen Videos auf YouTube und Social Media hat Schöne über die Jahre eine große Reichweite aufgebaut. Als Influencer sieht er sich trotzdem nicht. „Influencer klingt immer so, als würde man Dinge machen, weil man dafür bezahlt wird“, sagt er.

„Bevor es die Firma gab, habe ich das schon gemacht. Da habe ich kein Geld dafür bekommen, sondern hatte einfach Spaß daran.“ Trotzdem weiß er, dass seine Inhalte Menschen beeinflussen. Für ihn sei das die schönste Form der Anerkennung. „Bei YouTube liest man oft: Wegen euch habe ich den Angelschein gemacht“, sagt er. „Das ist für mich das schönste Feedback.“

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Wenn die Passion zum Beruf wird

Für Schöne hat sich seine Beziehung zum Hobby durch das Unternehmertum verändert. Viele Angelausflüge sind heute gleichzeitig Drehs für YouTube-Videos, Produkttests oder Marketinginhalte. „Natürlich ist das viel Content“, sagt er. „Aber ich würde keine Sachen machen, auf die ich keinen Bock habe.“

Dustin Schöne auf Zandersuche.

Dustin Schöne auf Zandersuche.
Amelie Elisabeth Prusseit

Früher stand das Angeln allein im Mittelpunkt. Heute ist es oft Teil seiner Arbeit als Unternehmer. Die Leidenschaft sei jedoch geblieben. Und wie heißt es doch so schön: Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben.





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Internes Antler-Dokument geleakt: Anwalt hält Teile davon „rechtswidrig“


Internes Antler-Dokument geleakt: Anwalt hält Teile davon „rechtswidrig“

Die beiden Partner des Berliner Antler Büros (v.l.): Alan Poensgen und Christoph Klink.
Antler / Collage: Dominik Schmitt.

Wer Geld von VCs will, muss liefern. Lange Tage, kurze Nächte, schnelle Entscheidungen, ständiger Druck: In der Startup-Welt gehört das fast schon zum guten Ton. Doch wie sieht es eigentlich auf der anderen Seite des Tisches aus?

Ein internes Dokument aus dem Berliner Büro des Frühphasen-Investors Antler gibt darauf einen seltenen Einblick. Das Papier trägt den Titel „Berlin Office – How We Work“ und beschreibt auf mehreren Seiten, wie das Team zusammenarbeiten möchte. Es geht um Arbeitszeiten, Homeoffice, Krankheit und die Zusammenarbeit mit Gründern. Dort steht geschrieben, dass dieses Dokument als Richtlinie für alle neuen Mitarbeitenden dienen soll.

Besonders auffällig: Kernarbeitszeiten von 09:00 bis 19:30 Uhr, Homeoffice nur in Ausnahmefällen und ein internes Ampelsystem für Krankmeldungen. Mehrere Mitarbeitende bestätigten Gründerszene die Echtheit und Aktualität des Dokuments.

Antler weist allerdings die Darstellung zurück, es handle sich um offizielle oder verbindliche Vorgaben. Das Papier sei aus Notizen eines Meetings dreier Teammitglieder entstanden, frei editierbar gewesen und habe lediglich festgehalten, wie das Team zusammenarbeiten wolle. Es habe sich um ein „lebendes Dokument“ gehandelt, das inzwischen in dieser Form nicht mehr existiere.

Trotzdem zeigt das Papier detailliert, welche Erwartungen zumindest Teile des Teams an ihren Arbeitsalltag formuliert hatten.

Kernarbeitszeit: 09:00 bis 19:30 Uhr

Der erste Punkt im Dokument betrifft die Arbeitszeiten. „Core hours in the office: 09:00 – 19:30.“ Dazu heißt es: „In dieser Zeit versuchen wir, uns zeitlich zu überschneiden. Die Arbeit geht oft über diese Zeiten hinaus.“

Mit dieser Arbeitszeit ist das Arbeitszeitgesetz massiv überschritten. Selbst wenn Arbeitnehmer zugestimmt haben, wäre das rechtswidrig.

Pascal Croset

Anwalt für Arbeitsrecht

Für Pascal Croset ist eine solche Formulierung problematisch. Der Fachanwalt für Arbeitsrecht berät seit mehr als 20 Jahren Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Führungskräfte. „Mit dieser Arbeitszeit ist das Arbeitszeitgesetz massiv überschritten. Selbst wenn Arbeitnehmer zugestimmt haben, wäre das rechtswidrig“, sagt Croset zu Gründerszene. Arbeitszeiten von 09:00 bis 19:30 Uhr seien selbst bei ausdrücklicher Zustimmung der Beschäftigten rechtlich problematisch.

Hat sich zusammen mit Gründerszene das Antler-Dokument angeschaut: Arbeitsrechts-Experte Pascal Croset.

Hat sich zusammen mit Gründerszene das Antler-Dokument angeschaut: Arbeitsrechts-Experte Pascal Croset.
Croset

Antler sieht das anders. „Die genannten Zeitfenster beschreiben, wann das Team nach Möglichkeit gemeinsam im Büro sein will. Dies versteht sich brutto, also abzüglich Pausen, beschriebener persönlicher Termine etc.“, sagt Antler-Partner Christoph Klink auf Anfrage von Gründerszene.

Teilweise finde Arbeit – meist remote – auch zu anderen Tageszeiten statt. Nach seiner Kenntnis lägen die Arbeitszeiten „stets im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben“. Die Einschätzung des Arbeitsrechtlers teile man daher nicht.

Möglichst nah an den Gründern

Warum legt Antler überhaupt so viel Wert auf Präsenz? Eine Antwort liefert das Residency-Programm des Investors. Dabei können Gründer ohne bestehendes Team oder sogar ohne konkrete Geschäftsidee bei Antler starten. Innerhalb weniger Wochen sollen sie Mitgründer finden, ihre Idee validieren und einen ersten Prototypen entwickeln.

Am Ende entscheidet ein Investment-Komitee darüber, ob Antler investiert. Während dieser Phase sollen die Antler-Mitarbeiter laut Dokument möglichst viel Zeit mit den Gründern teilen. „Teammitglieder sollen bis zu 50 Prozent ihrer Zeit bei den Gründern verbringen“, heißt es dort. Das Ziel: Nähe schaffen, schneller helfen und ein sichtbares Signal an die Gründer senden.

Hat gerne Gründer bei sich im Büro: Der VC Antler.

Hat gerne Gründer bei sich im Büro: Der VC Antler.
Antler

Auch darüber hinaus wird deutlich, wie stark das Dokument auf persönliche Zusammenarbeit ausgerichtet ist. Wenn gerade kein Residency-Programm läuft, soll die Arbeit möglichst im gemeinsamen Teamraum stattfinden. Besprechungen sollen nach Möglichkeit in anderen Räumen abgehalten werden, um konzentriertes Arbeiten zu ermöglichen. Die Tür zum Teamraum soll grundsätzlich offen bleiben.

Es sind Details, die auf den ersten Blick banal wirken. Zusammen ergeben sie jedoch ein recht klares Bild: Präsenz gilt bei Antler nicht als notwendiges Übel, sondern als Teil der Kultur. Wie auch in vielen anderen Unternehmen.

Homeoffice nur in Ausnahmefällen

Besonders deutlich wird diese Haltung beim Thema Homeoffice. „Wir sind grundsätzlich im Büro, um möglichst viel Zeit als Team miteinander und mit den Gründern zu verbringen“, heißt es im Dokument.

Während der Residency-Phase sei Homeoffice grundsätzlich nicht vorgesehen. Ausnahmen gelten nur bei unvermeidbaren Gründen wie Krankheit oder „einem Wasserrohrbruch zuhause“, wie es im Dokument heißt.

Außerhalb dieser Phase sind maximal zwei Homeoffice-Tage pro Monat möglich. Und selbst diese dürfen laut Dokument nur freitags genommen werden. Besonders interessant ist dabei eine weitere Passage: „Private Wochenendausflüge finden vor oder nach der Arbeitszeit statt oder erfordern Freizeit.“

Wer freitags remote arbeitet, soll den Tag also nicht für die Anreise ins Wochenende nutzen. Eine Ausnahme gilt lediglich während der sogenannten „Quiet Season“ zwischen Mitte Juli und Mitte August. In dieser Zeit ist laut Dokument auch längeres Remote-Arbeiten möglich, teilweise sogar von einem anderen Ort aus.

Dazu komme: Kamera immer an bei Calls, außer bei 1:1-Gesprächen, Reisen oder Krankheit. Homeoffice-Tage müssten zudem im Voraus im Kalender eingetragen und im Team kommuniziert werden.

Wir arbeiten gerne und bewusst persönlich vor Ort mit Gründerinnen und Gründern zusammen.

Christoph Klink

Partner bei Antler

Antler verteidigt die starke Präsenzkultur. „Wir arbeiten gerne und bewusst persönlich vor Ort mit Gründerinnen und Gründern zusammen. Wir laden sie in unser Büro ein, um dort eng und intensiv zusammenzuarbeiten“, sagt Klink. Genau das werde von den Gründern geschätzt und regelmäßig positiv hervorgehoben. „Wir sind ein kleines Team von einer Handvoll Personen. Gemeinsame Zeit vor Ort macht einen enormen Unterschied und motiviert uns als Investoren sowie Gründerinnen und Gründer.“

Persönliche Verpflichtungen? Ja, aber nur bestimmte

Das Dokument sieht allerdings auch Ausnahmen vor. „Es gibt Spielraum, um persönlichen Einschränkungen Rechnung zu tragen, die wichtig sind und sich nur schwer umgehen lassen“, heißt es dort.

Als Beispiel nennt das Papier einen festen Sportkurs, der nur zu einer bestimmten Zeit stattfindet und deshalb zu einer späteren Ankunft im Büro führen kann. Anders sehe es bei Aktivitäten aus, die flexibel planbar seien. Ein allgemeiner Besuch im Fitnessstudio solle außerhalb der Kernarbeitszeiten stattfinden. Auch hier zeigt sich die Grundidee des Dokuments: Persönliche Termine sind möglich, solange sie nicht dauerhaft mit den gemeinsamen Bürozeiten kollidieren.

Das Ampelsystem für Krankheit

Besonders ungewöhnlich ist ein weiteres Kapitel des Dokuments: Unter der Überschrift Krankheit beschreibt Antler ein Ampelsystem.

Wer lediglich leichte Symptome wie etwas Schnupfen oder einen trockenen Hals habe, solle weiterhin ins Büro kommen und dabei auf Hygiene und Abstand achten. Wer stärker hustet oder sich erschöpft fühlt, solle von zuhause arbeiten und die eigene Situation täglich neu bewerten. Erst bei Fieber oder grippeähnlichen Symptomen lautet die Empfehlung eindeutig: zuhause bleiben.

Wenn Arbeitnehmer krank sind, dann sind sie krank.

Pascal Croset

Anwalt für Arbeitsrecht

Für Arbeitsrechtler Croset ist auch das problematisch. „Das ganze System mit krank, halb krank und nicht wirklich krank ist natürlich rechtswidrig und vom Gesetzgeber schon klar geregelt. Wenn Arbeitnehmer krank sind, dann sind sie krank“, sagt er. Ob jemand arbeitsfähig sei oder nicht, könne letztlich nicht durch ein internes Ampelsystem entschieden werden.

Antler weist die Kritik zurück. „Die Richtschnur ist entstanden aus der Frage nach der Pandemie – bei welchen leichten Symptomen man sich isolieren muss“, sagt Klink. „Es ist vollkommen klar, dass man nicht krank arbeitet, sich im Zweifel schont, zu Hause bleibt und auf andere Rücksicht nimmt.“

„Total ungewöhnlich“

Was Croset besonders überrascht: dass solche Regeln überhaupt schriftlich festgehalten werden. Das sei „total ungewöhnlich“, sagt der Fachanwalt.

Seiner Einschätzung nach könnte ein solches Dokument sogar arbeitsrechtliche Folgen haben. Sollte es etwa zu Streitigkeiten über Überstunden kommen, könnten Beschäftigte das Papier als Beleg dafür nutzen, dass Mehrarbeit im Unternehmen strukturell erwartet wurde.

Antler weist auch diese Einschätzung zurück und betont, selbstverständlich innerhalb der gesetzlichen Vorgaben zu arbeiten.

Fest steht: Das Dokument liefert einen seltenen Einblick in die Arbeitskultur eines der größten Frühphasen-Investoren Europas. Und es zeigt, wie eng manche VCs die Zusammenarbeit mit Gründern verstehen – selbst wenn daraus gelegentlich Konflikte mit arbeitsrechtlichen Fragen entstehen könnten. Doch manche Tode muss man für den Erfolg wohl sterben.





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Demografie – was viele Gründer:innen missverstehen


Der „demografische Wandel“. Ein Begriff, der bei Gründer:innen in Deutschland meist zu einem Augenrollen führt. Er steht sinnbildlich für Menschen in beigen Jacken, die still auf Parkbänken sitzen.

In Japan, Israel und besonders in den USA hat man hingegen längst verstanden, was dieser Wandel ist: Ein Blue Ocean für Gründer.

Eine alternde Gesellschaft führt zur Verlagerung von Kaufkraft, Konsum und Vermögen und eröffnet somit neue Möglichkeiten für Geschäftsmodelle.

Gerade in den USA fällt auf, welche wirtschaftliche Power diese gesellschaftliche Veränderung mit sich bringt und wie gezielt die Gründerszene sich dem Thema annimmt.

Laut den „Research Insights“ der AARP und Daten der Federal Reserve Bank verfügen Amerikaner ab 50 Jahren über mehr als 70 % des nationalen Vermögens und stehen für etwa 52 % aller Konsumausgaben in den USA. 

AARP ist eine Organisation mit rund 38 Millionen Mitgliedern, die sich auf Themen konzentriert, die Menschen ab 50 betreffen. Sie wurde 1958 von einer pensionierten Lehrerin ins Leben gerufen, um Armut und Isolation unter älteren Amerikanern zu bekämpfen.

40 Millionen Dollar waren nur der Anfang

AARP hat frühzeitig erkannt, dass sich die Bedürfnisse der Konsumentinnen und Konsumenten aufgrund der Alterung der Gesellschaft nachhaltig verändern und neue Märkte schaffen. Bereits 2015 wurde der „AARP Innovation Fund“ mit 40 Millionen Dollar aufgelegt. Ziel dieses Fonds ist es, in innovative Produkte und Dienstleistungen zu investieren und so die Gründerszene für die Thematik zu gewinnen.

Bis heute trägt AARP maßgeblich dazu bei, dass sich die US-amerikanische Start-up-Szene strategisch mit Lösungen für den veränderten Bedarf einer alternden Bevölkerung befasst. Das eigene Innovations-Netzwerk besteht aus rund 700 Akteuren, die Start-ups fördern, finanzieren und auszeichnen.

Auch auf der CES (Consumer Electronics Show) in Las Vegas, der weltweit größten und wichtigsten Fachmesse für Unterhaltungselektronik und Technologie, ist „Altern“ ein etabliertes Thema – sowohl in den Messehallen als auch im Konferenzprogramm.

Dieses Engagement zahlt sich aus. In den USA sind viele erfolgreiche Start-ups entstanden, und das nicht nur in den offensichtlichen Bereichen Health und Care, sondern auch in Bereichen wie Fintech oder Mobility.

In den USA und Kanada gibt es zudem mehrere speziell auf diesen Markt ausgerichtete VCs, die für die nötigen Finanzmittel sorgen. Regionale Netzwerke erzeugen durch die Vernetzung der Akteure Synergien und schaffen überall in den USA Ökosysteme. 

Aus diesem Ökosystemen entstehen neue Themen- und Produktbereiche wie „agetech“ und „longevity“ die Innovatoren und Investoren gleichermaßen begeistern.

Deutschland droht den Anschluss an einen Milliardenmarkt zu verlieren

Das Medianalter liegt in den USA bei 38,5 Jahren, in Deutschland bereits bei 45,5 Jahren. Die Gruppe der über 65-Jährigen macht in Deutschland 24 % und in den USA nur 18 % der Bevölkerung aus.

Eigentlich sollte Deutschland bei der „Silver Economy“ führend sein, denn die Alterung unserer Gesellschaft und somit auch die der Kunden ist weiter fortgeschritten als in den USA.

Dem ist nicht so.

2024 lag gemäß Bundesbank das Median-Nettovermögen bei Menschen unter 35 bei 17.500 EUR der Median bei der Altersgruppe 55 von 64 Jahre lag bei 171.200 EUR. 

Durch die Alterung der Gesellschaft verschiebt sich auch der private Konsum in Richtung älterer Menschen. Gerade bei Markenprodukten und kostspieligen Anschaffung dominieren die reifen Kundensegmente. 

So liegt das Durchschnittsalter von Neuwagenkäufern in Deutschland bei 53 Jahren. Ältere dominieren zudem die Nachfrage in vielen anderen Bereichen. Beispielsweise bei Reisen und „Personal Care“, den Produkten aus den Bereichen Kosmetik und Hygieneartikel. Wenig überraschend. Im Bereich Gaming bilden ältere Menschen die am stärksten wachsende Gruppe in Deutschland.

Aber immer noch stehen junge Kunden im Fokus von Werbung und Innovation.

Die Frage ist warum.

Ein wesentlicher Grund ist die Tatsache, dass in Deutschland negative Stereotype und fragwürdige Rollenklischees gegenüber älteren Menschen weit verbreitet sind.

Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Ageismus – Altersbilder und Altersdiskriminierung in Deutschland“ die im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes erstellt wurde. 

Diese Haltung und die unbewussten Vorurteile, die wir alle in uns tragen, führen auch dazu, dass „ältere Menschen“ von Gründer:innen kaum in Geschäftsmodellen berücksichtigt werden. 

Eine Kundengruppe, die vermeintlich nur von einer kleinen Rente lebt, konservative Werte pflegt und innovationsscheu sowie technikfern agiert, scheint nicht gerade vielversprechend.

50plus ist keine Lösung 

Diese, meist unbewussten, Vorurteile führen zu einem der größten Denkfehler, den Gründer und etablierte Unternehmen im Kontext des demografischen Wandels regelmäßig machen: Sie bilden Zielgruppen und Marktsegmente, die sich am Lebensalter orientieren. Wer kennt sie nicht: die Zielgruppe 50plus. 

Das Lebensalter ist jedoch ein denkbar schlechter Indikator für Bedürfnisse. Anstatt Personas mit Fokus auf die Lebensjahre zu entwickeln, gilt es Lösungen für Lebensphasen zu kreieren: Ruhestand, Menopause oder die Rollen als pflegende Angehörige und Großeltern gehen mit einer Veränderung von Bedürfnissen, Wissensdefiziten und oft auch finanziellen Herausforderungen einher. Hier liegt das Geschäftspotenzial für Gründer:Innen!

In Deutschland gibt es bereits zahlreiche Startups, die Lösungen für eine alternde Gesellschaft erfolgreich anbieten.

Deutsche Gründer haben Potential

Das Berliner Start-up voize entwickelt einen KI-gestützten Sprachassistenten für die Pflegedokumentation. 2025 hat es in einer Serie-A-Finanzierungsrunde 50 Millionen US-Dollar eingesammelt, um in Europa zu expandieren und in den US-Markt einzutreten, um damit seine Mission voranzutreiben, den Verwaltungsaufwand im Gesundheitswesen zu reduzieren.

Senior Connect ist die AI-first Plattform für berufliche Übergänge. Das 2024 in München gegründete Unternehmen begleitet Mitarbeiter im Übergang mit KI-gestützten Workflows, von der Jobsuche bis zur Vermittlung. Für Unternehmen digitalisiert das Team Outplacement-Prozesse. 

Veli aus Kassel analysiert den Strom- und Wasserverbrauch eines Haushalts in Echtzeit. Durch Abweichungen von typischen Verbrauchsmustern erkennt das System Notsituationen und organisiert automatische Hilfestellungen. Es ist eine smarte Alternative zum Hausnotruf.

Das Ökosystem wächst

Alle drei Teams wurden mit dem Gründerpreis „SENovation-Award” ausgezeichnet.

Das Programm unterstützt seit 2018 die deutschsprachige Gründerszene zu den Themen Alter, Agetech und Longevity. Unter der Schirmherrschaft des NRW-Wirtschaftsministeriums werden jedes Jahr zwei Teams mit Preisgeld und Coaching ausgezeichnet. Bewerbungen können noch bis zum 30. Juni 2026 online eingereicht werden.

Unterstützt wird das Programm von der SIGNAL IDUNA Gruppe, deren CEO Torsten Uhlig feststellt: „Wenn Deutschland jetzt nicht handelt, werden zentrale Lösungen für die alternde Gesellschaft künftig aus dem Ausland kommen.“

Auch aus dem öffentlichen Bereich wird das Thema adressiert. 

So verfolgt die Landesregierung von Niedersachsen mit den „LINGA Wochen“ das Ziel, Studierende frühzeitig für das Thema „Altern als Chance“ zu sensibilisieren und durch die Beteiligung von unterschiedlichen Fachbereichen Innovationen und Ideenfindung voranzutreiben. Geschäftsmodellentwicklung während des Studiums.

2025 ist AgeTechX in Berlin gestartet. Das Forum will Gründer, Investoren, Unternehmen und politische Entscheidungsträger zu den Themen Alterung, gesellschaftliche Herausforderungen und Technologie zusammenbringen. Am 5. und 6. Oktober 2026 findet die gleichnamige Konferenz in Berlin statt.

Mindset-Shift

Gründer:innen müssen ihre Perspektive ändern.

Sie sollten sich von der pauschalen Bewertung von Altersclustern und Generationen lösen und stattdessen eine bedarfsgetriebene Geschäftsmodellentwicklung verfolgen, die wachsende Marktsegmente adressiert. 

So wird aus dem demografischen Wandel eine Silver Economy, die Gründerstories wie die von Honor, Papa oder Rippl auch in Deutschland ermöglicht.

Der Markt ist da. Es ist ein globaler Markt der garantiert wächst.

Deutschland hat die besten Voraussetzung eine zentrale Rolle im globalen Mega-Trend 

„Aging“ zu spielen, wenn wir Alter als Chance und nicht als Problem verstehen.

Über den Autor
Frank Leyhausen berät seit 2000 Unternehmen, Behörden und gemeinnützige Organisationen zu den Chancen und Herausforderungen einer alternden Gesellschaft. Die Handlungsfelder sind Innovation und Kommunikation sowie die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): KI



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