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Europol legt VPN-Dienst lahm | heise online
Es war nach Angaben der Polizei der VPN-Dienst des Vertrauens für etliche Cyberkriminelle: First VPN war in den vergangenen Jahren Teil jeder größeren Cybercrime-Ermittlung der europäischen Polizeiorganisation Europol, nun gingen die Behörden aus mehreren europäischen Ländern gegen den Anbieter vor.
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Bei der Aktion unter dem Namen „Operation Saffron“ am 19. und 20. Mai gab es eine Hausdurchsuchung in der Ukraine, zudem schaltete Europol nach eigenen Angaben 33 Server des Anbieters ab und nahm weitere Infrastruktur außer Betrieb. Mehrere Domains im Clear Web und Deep Web gingen vom Netz. Der Administrator des Dienstes wurde festgenommen und vernommen, er befindet sich derzeit in Haft.
Laut Europol „erlangten Ermittler Zugriff auf den Dienst, sicherten dessen Nutzerdatenbank und identifizierten VPN-Verbindungen, die von Cyberkriminellen genutzt wurden, um ihre Aktivitäten zu verschleiern.“ Dabei unterstützte demnach auch das IT-Sicherheitsunternehmen Bit Defender.
Auf seiner Webseite warb First VPN laut der niederländischen Polizei, dass jegliche Zusammenarbeit mit den Justizbehörden abgelehnt würde, der Dienst keiner Gerichtsbarkeit unterliege und keine Nutzerdaten gespeichert würden.
Die Ermittler identifizierten letztlich doch 506 Nutzer des Dienstes, deren Informationen Europol nun international mit anderen Behörden teilt. Betroffene Nutzer würden jetzt darüber informiert, dass Europol sie demaskieren konnte, schreibt die Polizeiorganisation. Die französische Polizei schätzt die Gesamtnutzerzahl auf bis zu 5000.
Etliche Cybercrime-Gruppen waren Kunde
Die US-Bundespolizei Federal Bureau of Investigation (FBI) veröffentlichte als Reaktion auf die Europol-Aktion am Freitag eine Warnmeldung zu First VPN. Mindestens 25 Ransomware-Gruppen, darunter Avaddon Ransomware, haben die Infrastruktur von First VPN Service demnach genutzt, um Netzwerkaufklärung zu betreiben und in Systeme einzudringen. In diversen russischsprachigen Cybercrime-Foren wurde der Dienst von Nutzern empfohlen, berichten Europol und das FBI.
IP-Adressen von First VPN Service seien laut FBI für Scan-Aktivitäten, Botnetze, Denial-of-Service-Angriffe, Betrugsversuche und Hackerangriffe verwendet worden. Das FBI liefert auch eine Liste aller First-VPN-IPs, die im Mai 2026 und davor bekannt waren. Allerdings können solche bösartigen Infrastrukturen auch auf virtualisierten Plattformen oder Cloud-Plattformen gehostet werden, wodurch IP-Adressen dynamisch oder vorübergehend zugewiesen werden. Das FBI schränkt zudem ein: Eine Adresse, die in der Liste auftaucht, kann in der Vergangenheit, zum Zeitpunkt der Beobachtung durch Ermittler, für kriminelle Aktivitäten genutzt worden sein, aber gegenwärtig für nicht-bösartige Aktivitäten dienen. Für mehr Aufschluss sollten Interessierte demnach Netzwerktelemetriedaten und andere Informationsquellen hinzuziehen.
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Unterstützung auch aus Deutschland
Die Aktion fand in den Ländern Luxemburg, Schweiz, Rumänien, Ukraine und Großbritannien statt. Beteiligt an der Aktion waren Polizeikräfte aus den Ländern Frankreich, Niederlande, Luxemburg, Rumänien, Schweiz, Ukraine und Großbritannien. Unterstützt wurden die Ermittlungen zudem von Polizeibehörden in Kanada, Rumänien, USA und Deutschland. Die Federführung hatten laut einem Europol-Sprecher französische und niederländische Behörden.
(nen)
Künstliche Intelligenz
Schottisches Rechenzentrum: Zweifel an versprochener Versorgung mit Erneuerbaren
Das neue Rechenzentrum in Lanarkshire, Schottland, soll ein zentraler Baustein in Großbritanniens KI-Strategie sein. Um diesen Status zu erlangen, müssen Projekte einen realistischen Plan vorlegen, wie sie sich mit Energie versorgen wollen. Die Gründer des Zentrums in Lanarkshire, CoreWeave (USA) und DataVita (UK), versprachen, man wolle ausschließlich lokal generierte erneuerbare Energie nutzen. Laut einem Medienbericht haben die Betreiber diese Pläne jedoch nie wirklich verfolgt – mit Kenntnis der britischen Regierung.
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Das berichtet der Guardian nach Einsicht von Regierungsdokumenten. Man habe unter Regierungsvertretern bereits diskutiert, ob das Rechenzentrum sich mit eigenen Gaskraftwerken selbst versorgen soll. Auf Nachfrage des Guardian hieß es nun, man wolle den Komplex ans reguläre Netz anschließen. Hierauf wartet man in Großbritannien jedoch, egal ob als Klinik oder als Privatperson, wohl um die zehn Jahre. Ob das Datenzentrum also erst dann in Betrieb geht, oder beim Netzanschluss priorisiert wird, bleibt offen. Es solle jedoch nach wie vor zu einem „überwiegenden“ Anteil von Erneuerbaren versorgt werden, heißt es von Regierungsseiten.
Keine hinreichenden Bemühungen um erneuerbaren Strom erkennbar
Doch selbst daran gibt es Zweifel. DataVita gibt an, dass das Rechenzentrum mit mehr als 1 GW erneuerbarer Energie versorgt werden soll, darunter 400 MW Solarenergie und 800 MW Windenergie. Das ist mehr als das Eineinhalbfache der Windenergie, die von Whitelee, dem größten Onshore-Windpark Großbritanniens, erzeugt wird. Um das zu realisieren, würden je nach Technik für das Rechenzentrum schätzungsweise 40 bis 100 Quadratkilometer Land benötigt. Doch die derzeit vorliegenden Bauanträge von DataVita belaufen sich auf rund 2 km² in Lanarkshire. Auf seiner Website gibt DataVita an, über „mehr als 1.000 Acres“ an Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien zu verfügen, was 4 km² entspricht. Also bei Weitem nicht genug. Die HFD Group, die Muttergesellschaft von DataVita, plant laut veröffentlichten Konzepten bis zu neunzehn Windräder. Auch das würden nur etwa 5 Prozent von dem liefern, was DataVita produzieren will.
Ähnliche Diskrepanzen zwischen Ankündigung und Realität zeigen sich auch anderswo: Das britische KI-Prestigeprojekt Stargate UK entpuppte sich laut Guardian als PR-Stunt – ein Großteil der beworbenen 20-Milliarden-Pfund-Investition war nie als verbindliche Zusage hinterlegt. Es steht die Vermutung im Raum, dass auch hier vor allem Marketing betrieben wurde und das neue Rechenzentrum entgegen aller Ankündigungen also nicht ab 2030 voll mit erneuerbaren Energien betrieben wird – und das auch nie wirklich geplant war.
Zeitgleich drängt die Tech-Lobby die EU zur Aufweichung von Klimaregeln für Rechenzentren – die EU-Kommission erwägt, geplante Nachhaltigkeitsvorgaben für KI-Rechenzentren deutlich zu lockern.
(rie)
Künstliche Intelligenz
Nvidia verkauft KI-Beschleuniger jetzt gegen Umsatzbeteiligung
Nvidia stellt ein neues Geschäftsmodell für seine eigenen KI-Beschleuniger vor. Kleinere Betreiber von Cloud-Rechenzentren, sogenannte Neoclouds, kaufen Nvidias Hardware, die Start-ups und andere Endnutzer dann mieten können. Die Neuheit liegt bei einer „Kreditunterstützung“ (credit-support model): Nvidia verspricht, ungenutzte Rechenkapazität selbst zurückzumieten, wenn der Betreiber nicht genügend Kunden findet. Im Gegenzug beteiligen Betreiber Nvidia am Umsatz. Unklar ist, ob das Modell mit vergünstigten Kaufpreisen für die Hardware einhergeht.
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Neoclouds sollen so mit verringertem Finanzierungsrisiko an aktuelle Hardware kommen. Zu Beginn sind laut Ankündigung die beiden australischen Anbieter Sharon AI und Firmus Technologies dabei. Sharon baut nach eigenen Angaben ein Rechenzentrum mit einer Kapazität von bis zu 72 Megawatt und bis zu 40.000 GB300-Boards (Grace Blackwell). Firmus will in Indonesien einen Campus eröffnen, der bis hin zu 360 Megawatt und 170.000 Nvidia-GPUs skaliert.
Für Nvidia besonders lukrativ: Die KI-Rechenzentren innerhalb dieses Programms entstehen nach Nvidias Spezifikation. Neben KI-Beschleunigern verkauft die Firma also auch Prozessoren, Switches und weitere Komponenten.
Mehr kreative Finanzierungsvarianten
Finanzchefin Colette Kress sieht darin einen „wiederkehrenden, nutzungsabhängigen Einnahmestrom“. Das Programm ist derweil eine weitere Form, um die eigenen Auftragsbücher zu füllen. Schon vorher hat Nvidia Milliardenbeträge in KI-Unternehmen investiert, die davon wiederum Nvidia-Hardware kaufen oder mieten. Dieses Kreislaufmodell funktioniert allerdings nur mit großen Abnehmern wie OpenAI.
Das neue Modell mit Kreditunterstützung soll ohne solche Milliardeninvestitionen flexibler sein. Endnutzer sollen sich keine Gedanken um den Bau eines Rechenzentrums machen müssen und trotzdem an die nötige Rechenleistung kommen können.
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(mma)
Künstliche Intelligenz
Node.js kämpft mit Flut an automatisierten Sicherheitsreports
Das Node.js-Team diskutiert derzeit darüber, den Workflow für die Flut an eingereichten, LLM-generierten Sicherheitsmeldungen zu ändern. Ideen sind, die Meldungen öffentlich zu bearbeiten und mit künstlicher Intelligenz vorzusortieren.
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Das Team hat das Problem jetzt auf die Agenda des nächsten Treffens der Security Working Group am 7. Juli gesetzt. Der Initiator Rafael Gonzaga schreibt, dass alle bisherigen Maßnahmen nicht geholfen haben: „Wir sind nach wie vor überlastet.“
Daher schlägt er vor, die eingereichten Meldungen zu veröffentlichen und als Pull Requests (PR) abzuarbeiten. Bei den Einreichungen handelt es sich oft nur um Bugs, die auch gefixt gehören, aber weniger um wirkliche sicherheitsrelevante Lücken. Außerdem kommen so viele gleichartige Meldungen an, die quasi jeder mit LLM erzeugen kann: „Diese Funde sind praktisch eh schon öffentlich.“ Als PR kann sich die Community darum kümmern und das Kernteam ist entlastet.
Eine Vorsortierung durch KI könnte nur die wirklich ernsthaften Lücken erkennen und nicht öffentlich an das Sicherheitsteam zur Bearbeitung weiterleiten.
Gegenstimmen geben zu bedenken, dass der Vorschlag die Masse an Sicherheitsreports durch eine Masse an PRs ersetzt, die auch vom Kernteam geprüft werden müssen. Außerdem könnten die veröffentlichten Lücken Hacker anziehen, „als kostenlose Quelle für Ideen für automatisierte Attacken.“ Daher schlagen andere Maintainer vor, nicht die komplette Öffentlichkeit einzubeziehen, aber den Kreis auf alle Mitarbeitenden (collaborators) zu erweitern.
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Kampf gegen den AI-Slop
Wie viele andere Projekte kämpft Node.js mit AI Slop und hat im April bereits das Bug-Bounty-Programm zur Belohnung von Warnungen gestrichen. Auch zu solchen Maßnahmen waren andere Projekte bereits gezwungen. Das hat laut Gonzaga aber keine Erleichterung gebracht, da es den Einreichenden eher um den Ruhm als Autor auf einer offiziellen CVE-Warnmeldung zu erscheinen geht, als um Geld.
Auch andere Maßnahmen führten nicht zum Erfolg: höhere Hürden bei der Reporting-Plattform HackerOne, engere Relevanzkriterien und automatisiertes Schließen von Reports minderer Qualität. Letzteres hat sogar dazu geführt, dass mehr Meldungen bei der Mutter OpenJS landeten. „Bald wird auch dieses Team überlastet sein“, schließt Gonzaga.
(who)
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