Künstliche Intelligenz
Googles XR-Brillen auf der I/O: Project Aura & Prototyp ausprobiert
Weniger ist manchmal mehr: Diese Erfahrung hat Meta mit seinen Smart Glasses gemacht. Während das Großprojekt Metaverse viel Geld verschlang und wenig Anklang fand, verkaufte das US-Unternehmen alleine im Jahr 2025 über sieben Millionen Exemplare seiner KI-Brillen (Ray-Ban Meta und Oakley Meta). Wearables, die Nutzer nicht komplett von der Realität abschotten, treffen offenbar auf mehr Gegenliebe als rein virtuelle Welten. Apple soll für die Zukunft ebenfalls eine Brille im Köcher haben, nachdem auch das räumliche Computing mit der Vision Pro eine Nischenlösung geblieben ist. Und Google? Das Unternehmen stellte jüngst auf der Entwicklerkonferenz I/O neue Brillen in Zusammenarbeit mit Warby Parker, Gentle Monster und Samsung vor. Doch dabei soll es nicht bleiben.
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Wie sehr Google das Thema umtreibt, ist alleine daran zu sehen, wie stark das Unternehmen in letzter Zeit Android XR in den Fokus rückt. Schon auf dem Mobile World Congress in Barcelona konnte ein Prototyp in Augenschein genommen werden. Jetzt, auf der Entwicklerkonferenz I/O im kalifornischen Mountain View, gab es ebenfalls Demos: in der sogenannten AI Sandbox, einer großen Halle auf dem Veranstaltungsgelände. heise online konnte an zwei Demos vor Ort teilnehmen.
Google zeigte gleich zwei Geräte in Aktion: Neben dem namenlosen eigenen Prototyp mit KI-Sprachsteuerung, Kameras und eingebautem kleinem Display wurde auch Project Aura demonstriert, die XR-Brille von Xreal und Google.
Project Aura: Der Brückenschlag

Project Aura wirkt äußerlich wie eine einfache Display-Brille und basiert auf Android XR.
(Bild: Xreal)
Project Aura ist eine Art Brückenschlag zwischen den Mixed-Reality-Visionen der letzten Jahre und den Smart Glasses. Schon das Aussehen verbindet das klassische Design einer herkömmlichen Brille mit Headset-Technik. Project Aura verfügt über ein Display in jeder Linse, eingebaute Lautsprecher und mehrere Kameras, liefert also ein vollständiges XR-Erlebnis in einem Brillengehäuse.
Beim Aufsetzen fühlt sich das Gerät deutlich angenehmer an als klassische VR-Headsets, da die Abschirmung entfällt und die Brille leichter wirkt. Von innen sieht man allerdings die aufgesetzten Display-Komponenten – ein ungewohnter Anblick. Und Aura hat auch etwas von der Vision Pro kopiert: ein per Kabel angebundener Block, der hier aber nicht nur die Batterie in sich trägt, sondern auch die Recheneinheit.
Das Sichtfeld beträgt 70 Grad – deutlich mehr als die 57 Grad beim bisherigen Topmodell Xreal One Pro. Das ist breit genug, um drei App-Fenster nebeneinander anzuzeigen; bis zu fünf können gleichzeitig geöffnet sein. Die Displayhelligkeit ist gut, Texte und Grafiken wirken scharf. Über einen Knopf am rechten Bügel lässt sich die Abdunkelung der Gläser steuern – was praktisch ist, wenn man nicht gestört werden möchte.
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Niedrigere Hemmschwelle
Die Handsteuerung funktionierte im kurzen Test recht gut: Pinch-Gesten zum Auswählen und Verschieben von App-Fenstern sind intuitiv und erinnern an die Steuerung der Vision Pro oder der Meta Quest 3. Besonders Spaß gemacht hat eine Gaming-Demo: Im Rollenspiel Demeo ließ sich das Spielfeld mit beiden geballten Fäusten greifen, drehen und skalieren – einzelne Spielfiguren konnte man per Pinch aufnehmen und umsetzen. Das wirkt deutlich immersiver als klassische Controller-Steuerung.
Was aber vor allem den Unterschied macht: Je leichter so ein Gerät ist, desto niedriger dürfte auch die Hemmschwelle sein, es öfter mal aufzusetzen. Project Aura soll noch 2026 weltweit in den Handel kommen. Für Entwickler startet bereits jetzt das „Android XR Developer Catalyst Program“ mit frühem Hardware-Zugang. Den Preis und konkreten Termin kommuniziert der Hersteller bislang nicht. Zum Vergleich: Xreals aktuelles Topmodell One Pro kostet nach einer jüngsten Preissenkung 599 Euro.
Googles Prototyp-Brille
Das Google-Gerät kommt noch leichter daher, hat aber bei eingeschaltetem Display nur ein kleines Fensterchen im Sichtfeld im Angebot. Das reicht für viele Einsatzzwecke aber vollkommen aus: Richtungspfeile in der Navigation, Kartenausschnitte, Widgets, Live-Übersetzungen und Kurznachrichten passen hier spielend hinein und gleichzeitig bleibt die Realität weitgehend sichtbar. Die Demo zeigte im Vergleich zu früheren Präsentationen, welche Fortschritte Google macht.

Der Autor mit der Prototyp-Brille von Google
(Bild: heise medien / Malte Kirchner)
Die Brille ist leicht, lässt sich mit Korrekturgläsern ausstatten und bietet gute Sicht. Der Kunststoffrahmen wirkt noch nicht hochwertig, fällt aber als Technologiebrille durchaus auf. Dass es eine smarte Brille ist, sieht man ihr an.
Die Bedienung ist simpel: Ein langer Druck auf die Seite aktiviert Gemini, ein Knopf an der Unterseite schaltet das Display ein. Die Bedienung mit deutscher Sprache funktioniert problemlos. Lediglich bei den akustischen Ausgaben stellten wir im Test in der AI Sandbox fest, dass der Ton in belebten Umgebungen teilweise schlecht zu verstehen ist. Hier kann es helfen, die Hände über die Bügel zu halten.

Könnte zu Missverständnissen führen: Hier wird kein Vogel gezeigt, sondern die KI-Assistenz von Gemini aktiviert.
(Bild: heise medien / Malte Kirchner)
Und was kann man damit machen? Im Test erfassten wir mit der Kamera Gegenstände und fügten diese direkt zur Einkaufsliste hinzu. WM-Partien der deutschen Mannschaft konnten auf Zuruf herausgesucht und mit einem Sprachbefehl in den Google-Kalender eingetragen werden. Besonders überzeugend war die Live-Übersetzung: Ein spontanes Gespräch auf Portugiesisch – Thema: das legendäre 7:1 der Fußball-WM – übertrug die Brille in Echtzeit fehlerlos ins Deutsche.
Die Navigation ist durchdacht: Wer nach unten blickt, sieht eine Kartenansicht, an die sich per Swipe heranzoomen lässt – wer den Blick hebt, sieht stattdessen einen Richtungspfeil. In einer anderen Demo wurde auf Zuruf ein Brettspiel erkannt und eine Anleitung geliefert, wie die Partie zu gewinnen ist. Beim Blick auf ein Konzert-Poster spielte die Brille auf Nachfrage die Musik des Künstlers. Google setzt dabei auf eine Split-Compute-Architektur: Rechenintensive KI-Aufgaben werden ans Smartphone oder in die Cloud ausgelagert, damit die Brille selbst möglichst leicht bleibt.
Viele Fragen bleiben offen
So sehr die Erprobungen ein Gefühl dafür vermitteln können, ob man selbst einen Nutzwert in den smarten Brillen sieht, so wenig beantworten sie entscheidende Fragen, die sie umgeben: Wie lange hält der Akku durch? Und findet eine Brille mit sichtbaren Kameras gesellschaftliche Akzeptanz oder löst sie Unbehagen bei Menschen aus, die sich in ihrem Sichtfeld befinden? Mit seinem KI-Modell Gemini hat Google eine wichtige Grundvoraussetzung erfüllt. Dennoch stellt sich auch hier die Frage: Wollen Nutzer zum Beispiel in der Öffentlichkeit wirklich häufiger mit der KI reden? Oder würden sie das eher zu Hause tun? Aber brauchen sie dort dafür eine Brille? Oder tut es dann nicht auch das Smartphone?
(mki)
Künstliche Intelligenz
„Ein Horrorszenario“: MEDI-Chef Smetak warnt vor dem Aus der Telefon-AU und Co.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hält an den Plänen zur Abschaffung der telefonischen Krankschreibung fest. Zwar habe sich die Regelung während der Corona-Pandemie bewährt, zugleich seien dadurch aber die Hürden für eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gesunken. Eine Krankschreibung nach Videosprechstunde soll dagegen weiterhin möglich bleiben.
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Nach heftiger Kritik relativierte SPD-Chef und Vizekanzler Lars Klingbeil die Pläne am Sonntag teilweise. Im RTL-Interview sprach er von einem Kompromiss, der nun „vernünftig“ ausgestaltet werden müsse. Niemand, der krank sei, solle am Ende wirklich zum Arzt gehen müssen. Auch Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas kündigte an, die Regelungen im Gesetzgebungsverfahren genau zu prüfen. Ohnehin ist die Debatte um den Zeitpunkt der Nachweispflicht nicht ganz neu: Es liegt schon länger im Ermessen der Arbeitgeber, ab welchem Tag sie eine Krankschreibung verlangen.
Der Vorsitzende des MEDIVERBUNDS, einer freien, fachübergreifenden Organisation für niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten in Deutschland, Dr. Norbert Smetak, hält die Abschaffung der Telefon-AU dennoch für einen Fehler. Im Gespräch mit heise online erklärt er, warum er mehr Bürokratie, vollere Wartezimmer und einen Widerspruch zur Digitalisierungsstrategie der Bundesregierung sieht.
Am Wochenende wurde weiter stark diskutiert, die Bundesgesundheitsministerin hat sich geäußert, teilweise hat die SPD die Pläne relativiert und von einem Kompromiss gesprochen. Wie schätzen Sie das ein?
Norbert Smetak: Das zeigt für mich schon, dass man sich der praktischen Probleme bewusst ist. Genau deshalb verstehe ich nicht, warum man die Telefon-AU abschaffen will. Wenn niemand krank zum Arzt gehen soll, braucht es doch weiterhin niedrigschwellige Möglichkeiten. Für mich passt das nicht zusammen.
Wir sind weiterhin kritisch. Der bürokratische Aufwand wird erheblich sein. Allein der Umstand, dass die Praxen dann wieder überquellen von Patientinnen und Patienten, trägt dazu bei, Erreger zu verteilen. Für die Praxen bedeutet das eine immense Belastung, für die Medizinischen Fachangestellten (MFA) ebenso. Es wird mit Sicherheit auch Aggressionen bei Patientinnen und Patienten hervorrufen, wenn kranke Menschen wieder Schlange stehen müssen.
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Viele argumentieren allerdings, dass es die Telefon-AU vor Corona schließlich auch nicht gegeben hat.
Das Argument ist relativ leicht zu entkräften. Es gibt vieles, das sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt hat. Sehen wir es als eine evolutionäre Entwicklung: Durch die Digitalisierung haben wir heute Möglichkeiten, anders zu arbeiten. Wenn sich neue Lösungen wie die Telefon-AU bewährt haben, sollte man das sinnvoll nutzen und nicht wieder zurückdrehen.
Wenn die Telefon-AU wegfällt, bedeutet das zusätzliche Belastung für Ärztinnen und Ärzte und für die MFA. Gleichzeitig steigt das Risiko, dass infektiöse Patienten andere Menschen im Wartezimmer anstecken – gerade ältere und schwer kranke Patientinnen und Patienten.
Das Ministerium argumentiert, die Hürden für Krankschreibungen seien durch die Telefon-AU zu niedrig geworden.
Mich wundert das Vorgehen. Einerseits spricht man von Entbürokratisierung und Digitalisierung, von digitaler Ersteinschätzung und anderen Maßnahmen. Andererseits baut man plötzlich ein Misstrauen gegenüber Patientinnen und Patienten, aber auch gegenüber Ärztinnen und Ärzten auf. Denn genau das wird ja unterstellt: Dass telefonische Krankschreibungen nicht korrekt erfolgen. Das weisen wir entschieden zurück.
Hausärzte kennen ihre Patientinnen und Patienten. Sie wissen, wenn gerade eine Grippewelle läuft. Niemand stellt leichtfertig eine telefonische Arbeitsunfähigkeit aus. Und wenn sich zeigt, dass eine persönliche Untersuchung notwendig ist, kommt der Patient selbstverständlich in die Praxis.
Die Videosprechstunde bleibt dagegen bestehen. Konterkariert das die Entscheidung nicht ein Stück weit?
Genau das meinte ich. Wenn ich merke, dass sich etwas telefonisch nicht sicher einschätzen lässt, kann ich jederzeit zu einer Videosprechstunde wechseln. Dafür wurde sie eingeführt. Deshalb wundert mich das Vorgehen wirklich. Ich hätte mit vielem gerechnet, aber damit nicht.
Ich wäre eher Anhänger von Karenztagen gewesen. Wenn man tatsächlich unterstellt, dass sich Menschen unnötig krankschreiben lassen, hätte das aus meiner Sicht einen stärker steuernden Charakter gehabt. Ich glaube, damit hätte man diese Vermutung eher auffangen können.
Man sollte sich außerdem fragen, warum Deutschland bei den Krankschreibungen in Europa vorne liegt. Liegt das wirklich an der Niedrigschwelligkeit oder spielen die Bedingungen am Arbeitsplatz eine größere Rolle? Darüber sollte man sich Gedanken machen.
Bei uns im Forum haben einige Leser die Vermutung geäußert, die Debatte um die Telefon-AU sei ein Ablenkungsmanöver. Können Sie diese Einschätzung nachvollziehen?
Schwer zu sagen. Ich möchte da niemandem etwas unterstellen. Aber schauen wir uns doch mal an, was gerade passiert: Am kommenden Freitag wird voraussichtlich das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz im Bundestag verabschiedet. Die Folgen der geplanten Sparmaßnahmen sind gravierend für die gesamte ambulante Versorgung.
Patientinnen und Patienten können sich auf noch längere Wartezeiten, noch weniger Zeit für Beratung und sprechende Medizin sowie weniger wohnortnahe Versorgung einstellen. Wir haben schon jetzt einen akuten Hausarztmangel, immer weniger junge Medizinerinnen und Mediziner übernehmen eine Hausarzt- oder auch Facharztpraxis. Die Sparmaßnahmen werden die Niederlassung noch unattraktiver machen – auf Kosten der Patientinnen und Patienten.
In der Finanzkommission wurden die Stakeholder zwar gehört, aber offensichtlich drangen sie mit ihren Argumenten nicht durch. Da wird dann behauptet, diese Maßnahmen würden die Versorgung nicht beeinträchtigen. Dem sehen wir mit großem Zweifel entgegen.
Wie konkret ist das angekündigte Primärversorgungssystem, das für Einsparungen sorgen soll, überhaupt schon ausgearbeitet?
Aktuell weiß niemand genau, wie das Primärversorgungssystem tatsächlich umgesetzt werden soll. Das Ziel der Reform ist ja, das Gesundheitssystem effizienter zu machen und Geld zu sparen. Im Vordergrund steht eine digitale Ersteinschätzung. Danach soll entschieden werden, ob der Hausarzt tätig wird oder ob direkt ein Facharzttermin vermittelt werden muss. Das Ganze soll digital erfolgen und zusätzlich mit einer Termingarantie der Praxen verbunden werden. Wie man allerdings mit Blick auf das GKV-Spargesetz künftig eine Termingarantie umsetzen soll, weiß ich im Moment noch nicht.
Man darf vom Primärversorgungskonzept ohnehin nicht erwarten, dass es alle Probleme lösen wird. Es kann sicherlich einen Steuerungseffekt haben. Internationale Erfahrungen zeigen, dass sich die Versorgung dadurch besser organisieren lässt. Die großen Kosteneinsparungen, die man sich davon erhofft, wird es aber nicht bringen. Entscheidend ist die Verbindlichkeit. Wenn eine digitale Ersteinschätzung erfolgt, muss sie auch Konsequenzen haben. In skandinavischen Ländern funktioniert das bereits: Dort bekommen Patienten eine klare Empfehlung, und danach richtet sich die weitere Versorgung
Hinzu kommt, dass der Staat sich um seine Pflichten drückt – etwa bei den versicherungsfremden Leistungen, wo eigentlich 12 Milliarden Euro zu leisten wären. Zwar heißt es jetzt nach den letzten Korrekturen aus dem Ministerium, dass ab 2027 rund eine Milliarde und ab 2031 dauerhaft rund 2,75 Milliarden Euro dazukommen sollen. Aber das ist doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein und entspricht nicht dem, was wirklich notwendig ist.
Gerade in diesem Gesamtbild wundert mich die Diskussion um die Telefon-AU. Wenn wir auf digitale Steuerung und Digitalisierung setzen wollen, erschließt sich mir nicht, warum ausgerechnet dieses Instrument wieder abgeschafft werden soll. Und ich stelle es mir wirklich als Horrorszenario vor, wenn montagmorgens die Praxen wieder überquellen. Dort sitzen schwerstkranke, multimorbide ältere Patientinnen und Patienten. Die sollen möglichst keine Grippe oder Lungenentzündung zusätzlich mit nach Hause nehmen.
In die Digitalisierung setzen Sie ja große Hoffnung?
Ich glaube, wir müssen die Digitalisierung tatsächlich weiter vorantreiben. Die digitale Ersteinschätzung halte ich dabei für einen wichtigen Schritt. Langfristig erhoffe ich mir auch von KI-Verbesserungen. Aber wir dürfen nicht glauben, dass dadurch in zwei Jahren alle Probleme des Gesundheitswesens gelöst sind.
Die Krankenhausreform war aus meiner Sicht unzureichend. Die Notfallreform bringt in ihrer jetzigen Form eher zusätzliche Belastungen für die Ärzteschaft. Auch das Primärversorgungskonzept muss sich erst noch finden. Wir werden noch einige Jahre brauchen, bis wir tatsächlich eine bessere Versorgung erreicht haben.
(mack)
Künstliche Intelligenz
Ubuntu macht ARM64 zur Plattform erster Klasse
Canonical treibt den Ausbau von Ubuntu für ARM64 weiter voran. Mit Ubuntu 26.04 LTS hat ARM64 in vielen zentralen Bereichen zu AMD64 aufgeschlossen. Zu den wichtigsten Neuerungen zählen der Umzug der ARM64-Pakete in das reguläre Ubuntu-Paketarchiv, Live-Kernel-Patching ohne Neustart sowie Fortschritte bei Snapdragon-Laptops, Gaming und der Software-Unterstützung. Das geht aus einem aktuellen Statusbericht der Ubuntu-Entwickler hervor.
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Ubuntu unterstützt ARM-Prozessoren seit mehr als einem Jahrzehnt. Canonical konzentrierte sich mit seiner ARM64-Unterstützung zunächst vor allem auf Server, inzwischen ist die Architektur in Cloud-Rechenzentren, Entwicklerrechnern, Einplatinencomputern und zunehmend auch in Notebooks vertreten. Canonical verfolgt deshalb das Ziel, Ubuntu auf ARM64 nicht mehr als Sonderfall zu behandeln, sondern als vollwertige Hauptplattform.
ARM64-Pakete ziehen in das reguläre Ubuntu-Archiv um
Eine grundlegende Änderung betrifft die Paketinfrastruktur. Seit Ubuntu 26.04 LTS werden ARM64-Pakete nicht mehr über das bisherige Archiv ports.ubuntu.com ausgeliefert, sondern über archive.ubuntu.com. Damit nutzt ARM64 dieselbe Infrastruktur wie AMD64.
Der Wechsel sorgt dafür, dass Pakete automatisch über die weltweiten Ubuntu-Spiegelserver verteilt werden. Das soll Downloads beschleunigen und die Verfügbarkeit erhöhen. Für die Umstellung waren laut Canonical Anpassungen an mehreren Komponenten des Ubuntu-Build- und Release-Prozesses nötig. Die Änderungen sollen außerdem auf Ubuntu 24.04 LTS zurückportiert werden.
Livepatch schließt eine weitere Lücke
Seit Ende Juni unterstützt Ubuntu 26.04 LTS außerdem Livepatch auf ARM64. Sicherheitsupdates für den Linux-Kernel lassen sich damit einspielen, ohne das System neu starten zu müssen. Die Funktion stand bislang nur auf AMD64 zur Verfügung.
Nach Angaben von Canonical waren dafür unter anderem Erweiterungen im Linux-Kernel, der Toolchain sowie neue ARM64-spezifische Testverfahren erforderlich. Mit der Einführung erreicht der Livepatch-Dienst auf ARM64 denselben Funktionsumfang wie auf der x86-Plattform.
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Fortschritte bei ARM-Notebooks
Canonical baut außerdem die Unterstützung für ARM-Notebooks aus. Ubuntu 25.04 führte die Unterstützung für Qualcomms Snapdragon-X-Elite-Plattform über das generische ARM64-Desktop-Image ein. Mit Ubuntu 25.10 funktioniert dort erstmals Secure Boot. Ubuntu 26.04 LTS ist die erste LTS-Version mit dieser Funktion.
Die Besonderheit: Viele Snapdragon-Notebooks stellen Linux derzeit keine Device Trees über die Firmware bereit. Device Trees beschreiben die vorhandene Hardware und werden vor allem auf ARM-Systemen zur Initialisierung verwendet. Canonical löst das Problem mit einem neuen EFI-Stub namens „stubble“, der die benötigten Device Trees direkt in das signierte Kernel-Abbild integriert. Dadurch bleibt die bestehende Secure-Boot-Vertrauenskette erhalten.
Parallel arbeitet Canonical bereits an der Unterstützung der nächsten Snapdragon-X2-Elite-Generation. Darüber hinaus weitet das Unternehmen die Hardware-Unterstützung auf weitere ARM-Hersteller aus. Als erstes Beispiel nennt Canonical ein Entwickler-Abbild für das Notebook CIX P1. Anders als Snapdragon-Geräte nutzt dessen Firmware den von PCs bekannten ACPI-Startprozess und benötigt deshalb die neue EFI-Lösung nicht.
Mehr Software ohne Umwege
Auch das Software-Angebot wächst. Ein ARM64-Build des Steam-Snaps wurde Anfang Juni als stabile Version veröffentlicht. Da der Linux-Client von Steam weiterhin nur für x86 verfügbar ist, kombiniert Canonical ihn mit dem Userspace-Emulator FEX. Dadurch lassen sich AMD64-Spiele auf unterstützten ARM-Systemen ausführen. Canonical betont allerdings, dass es sich dabei nicht um ein von Valve unterstütztes Projekt handelt.
Ferner verweist Canonical auf weitere native ARM64-Versionen populärer Snap-Pakete wie OnlyOffice, FreeCAD und Teams for Linux. Ein weiterer wichtiger Baustein kommt allerdings von Google: Canonical verweist auf die angekündigte ARM64-Version von Google Chrome, die Widevine-Unterstützung auf Linux bringen soll. Die Verfügbarkeit von Widevine auf ARM64 ermöglicht es auch anderen Snap-Paketen, darunter Firefox und Spotify, Widevine nativ einzubinden.
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(fo)
Künstliche Intelligenz
Schottisches Rechenzentrum: Zweifel an versprochener Versorgung mit Erneuerbaren
Das neue Rechenzentrum in Lanarkshire, Schottland, soll ein zentraler Baustein in Großbritanniens KI-Strategie sein. Um diesen Status zu erlangen, müssen Projekte einen realistischen Plan vorlegen, wie sie sich mit Energie versorgen wollen. Die Gründer des Zentrums in Lanarkshire, CoreWeave (USA) und DataVita (UK), versprachen, man wolle ausschließlich lokal generierte erneuerbare Energie nutzen. Laut einem Medienbericht haben die Betreiber diese Pläne jedoch nie wirklich verfolgt – mit Kenntnis der britischen Regierung.
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Das berichtet der Guardian nach Einsicht von Regierungsdokumenten. Man habe unter Regierungsvertretern bereits diskutiert, ob das Rechenzentrum sich mit eigenen Gaskraftwerken selbst versorgen soll. Auf Nachfrage des Guardian hieß es nun, man wolle den Komplex ans reguläre Netz anschließen. Hierauf wartet man in Großbritannien jedoch, egal ob als Klinik oder als Privatperson, wohl um die zehn Jahre. Ob das Datenzentrum also erst dann in Betrieb geht, oder beim Netzanschluss priorisiert wird, bleibt offen. Es solle jedoch nach wie vor zu einem „überwiegenden“ Anteil von Erneuerbaren versorgt werden, heißt es von Regierungsseiten.
Keine hinreichenden Bemühungen um erneuerbaren Strom erkennbar
Doch selbst daran gibt es Zweifel. DataVita gibt an, dass das Rechenzentrum mit mehr als 1 GW erneuerbarer Energie versorgt werden soll, darunter 400 MW Solarenergie und 800 MW Windenergie. Das ist mehr als das Eineinhalbfache der Windenergie, die von Whitelee, dem größten Onshore-Windpark Großbritanniens, erzeugt wird. Um das zu realisieren, würden je nach Technik für das Rechenzentrum schätzungsweise 40 bis 100 Quadratkilometer Land benötigt. Doch die derzeit vorliegenden Bauanträge von DataVita belaufen sich auf rund 2 km² in Lanarkshire. Auf seiner Website gibt DataVita an, über „mehr als 1.000 Acres“ an Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien zu verfügen, was 4 km² entspricht. Also bei Weitem nicht genug. Die HFD Group, die Muttergesellschaft von DataVita, plant laut veröffentlichten Konzepten bis zu neunzehn Windräder. Auch das würden nur etwa 5 Prozent von dem liefern, was DataVita produzieren will.
Ähnliche Diskrepanzen zwischen Ankündigung und Realität zeigen sich auch anderswo: Das britische KI-Prestigeprojekt Stargate UK entpuppte sich laut Guardian als PR-Stunt – ein Großteil der beworbenen 20-Milliarden-Pfund-Investition war nie als verbindliche Zusage hinterlegt. Es steht die Vermutung im Raum, dass auch hier vor allem Marketing betrieben wurde und das neue Rechenzentrum entgegen aller Ankündigungen also nicht ab 2030 voll mit erneuerbaren Energien betrieben wird – und das auch nie wirklich geplant war.
Zeitgleich drängt die Tech-Lobby die EU zur Aufweichung von Klimaregeln für Rechenzentren – die EU-Kommission erwägt, geplante Nachhaltigkeitsvorgaben für KI-Rechenzentren deutlich zu lockern.
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