Digital Business & Startups
+++ Gründerzeit +++ Galvany +++ neoteq ventures +++ Empovver +++ Mats Hummels +++
#StartupTicker
+++ #StartupTicker +++ Startup-Elite fordert neue Gründerzeit +++ StartupsToWatch: Galvany +++ neoteq ventures: Jan Jeske wird Partner +++ Commerce-Startup Empovver gibt auf +++ So investiert Fußball-Weltmeister Mats Hummels in Startups +++

Was gibt’s Neues? In unserem #StartupTicker liefern wir eine kompakte Übersicht über die wichtigsten Startup-Nachrichten des Tages (Donnerstag, 18. Juni).
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+++ Die günstigste Ticketphase läuft! Wer bei unserer vierten STARTUPLAND Conference 2027 (10. März in Köln, RheinEnergieStadion) dabei sein möchte, sollte jetzt zugreifen. Die Super-Early-Bird-Tickets gibt es nur für kurze Zeit.
#STARTUPTICKER
Gründerzeit
+++ Gründer-Allianz macht Druck! Der Startup-Verband hat mehr als 100 Persönlichkeiten aus der deutschen Startup- und Scaleup-Szene hinter dem Appell „Für eine neue Gründerzeit, jetzt“ versammelt. Vor der nächsten Sitzung des Koalitionsausschusses (1. Juli) fordern die Unterzeichner eine „wirtschaftspolitische Wende“. Zu den Erstunterzeichnern zählen neben Verena Pausder (Startup-Verband) unter anderem Hanno Renner (Personio), Johannes Reck (GetYourGuide), David Reger (Neura Robotics), André Schwämmlein (Flix), Bastian Nominacher (Celonis), Christian Miele (Headline) und Florian Heinemann (Project A). Die Initiative fordert unter anderem mehr Wachstumskapital, weniger Bürokratie, bessere Bedingungen für Mitarbeiterkapitalbeteiligungen sowie mehr Investitionen in DeepTech und KI. Die jüngste US-Sperre für bestimmte KI-Technologien außerhalb der USA verleiht dem Appell zusätzliche Brisanz. Die Botschaft ist klar: Deutschland muss wieder ein Land werden, in dem die nächsten globalen Tech-Champions entstehen können. (PDF) Mehr über den Startup-Verband
Galvany
+++ StartupsToWatch! Das Berliner ClimateTech Galvany zeigt derzeit eindrucksvoll, dass sich Wachstum und Profitabilität nicht ausschließen müssen. Das Unternehmen, 2022 von Raik Belka gegründet, steigerte seinen Umsatz 2025 von 2,8 auf 20,1 Millionen Euro und erwirtschaftete dabei nach eigenen Angaben sogar ein positives EBIT. Für das laufende Jahr peilt das Team mit seinen rund 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bereits 60 Millionen Euro Umsatz an. Im Mittelpunkt des Geschäftsmodells stehen Installation, Betrieb und Optimierung von Wärmepumpen. Der niederländische EnergyTech-Investor SET Ventures und der Berliner ClimateTech-Geldgeber AENU investierten kürzlich 10 Millionen Euro in das Unternehmen. „Profitabilität in der Seed-Phase ist im ClimateTech-Markt eine Seltenheit“, sagt Philip Specht von AENU. Galvany ist damit eine erfrischende Ausnahme in einem ClimateTech-Markt, der zuletzt eher durch Pleiten, Fusionen und Übernahmen Schlagzeilen machte. Mehr über Galvany
neoteq ventures
+++ Aufstieg! Der Kölner Frühphasen-Investor neoteq ventures befördert Jan Jeske zum Partner. Der Investor war bislang als Principal für den Geldgeber tätig und steigt damit in die Führungsebene des Venture-Capital-Unternehmens auf. „Seit seinem Start bei uns hat Jan nicht nur ein super Gespür für bahnbrechende Technologien und visionäre Gründer-Teams bewiesen, sondern auch die Kultur unseres Fonds maßgeblich geprägt“, teilt der Geldgeber bei Linkedin mit. neoteq ventures, 2020 gestartet, legt zuletzt seinen zweiten Fonds (Zielgröße: 50 Millionen) auf. (Linkedin) Mehr über neoteq ventures
Empovver
+++ Aus für Empovver! Das Wiener E-Commerce-Startup Empovver stellt seinen Online-Marktplatz Ende Juni ein. Das Team rund um Sofia Surma, Marlene Frauscher und Clemens Otto zieht damit nach fast vier Jahren einen Schlussstrich. Trotz des besten ersten Quartals der Unternehmensgeschichte erwies sich das wertebasierte Marketplace-Modell langfristig als schwer skalierbar. Nach eigenen Angaben spielte Empovver in den vergangenen Jahren einen sechsstelligen Betrag an frauengeführte Unternehmen zurück. (Brutkasten) Mehr über Empovver
Mats Hummels
+++ Weltmeister setzt auf Padel-Hype! Mats Hummels beteiligt sich am Münchner Sport-Startup PadelCity und setzt damit auf eine Trendsportart, die derzeit immer mehr Gründerinnen, Gründer und Investoren anzieht. Das Unternehmen, das moderne Padel-Anlagen betreibt, sammelte bislang rund 15 Millionen Euro ein. Doch der frühere Nationalspieler investiert nicht nur in den boomenden Padel-Markt. Auch beim Ernährungs-Startup By Nahni, beim Weinunternehmen Herbstmeister Wein sowie bei PlayersTech, einer Plattform für Startup-Investitionen im Sportbereich, ist Hummels an Bord. Mehr über Startup-Investments von Fußball-Weltmeistern
Journalist:innen
+++ Auch in diesem Jahr stellt PIABO Communications in Zusammenarbeit mit deutsche-startups.de wieder Journalistinnen und Journalisten vor, die sich intensiv mit der Startup-, Tech- und Digitalszene beschäftigen. Die folgenden Journalist:innen sollten Startups auf dem Radar haben. Mehr in unserer Übersicht
Startup-Radar
+++ Es ist wieder Zeit für neue Startups! Hier einige ganz frische Firmen, die jeder kennen sollte. Heute stellen wir diese Jungunternehmen vor: baugenic, Qurie, Qorelo, IB-7, offgen. Mehr im Startup-Radar
#DEALMONITOR
Investments & Exits
+++ #DealMonitor +++ DeepL übernimmt Mixhalo +++ PropTech reltix erhält 3 Millionen +++ Neo-Carrier NexDash bekommt weitere 2,5 Millionen +++ toern sammelt 1 Million ein – unter anderem von Venture League. Mehr im Deal-Monitor
#JOBS
Häfft-Verlag
+++ Unser Job des Tages! Der Häfft-Verlag sucht einen Junior E-Commerce Manager (m/w/d) Schwerpunkt Amazon. Wir leben Papier! Unser kultiges Hausaufgaben-Häfft musste man einfach haben. Seit unseren Anfängen Mitte der 90er Jahre ist viel Zeit vergangen und wir haben uns zu einem designstarken und detailverliebten Verlag mit Sitz in München & Berlin weiterentwickelt
Was ist zuletzt sonst passiert? Das steht immer im #StartupTicker
Digital Business & Startups
Dieses deutsche Drohnen-Startup begeistert die US-Armee
Bei einem US-Militärtest gegen russische Störsender fällt eine US-Drohne aus. Die Drohne des Münchner Startups Helsing trifft dagegen fast immer.
Eine Drohne nach der anderen surrt über den Truppenübungsplatz Pabradė in Litauen, nur wenige Kilometer von der Grenze zu Belarus entfernt – viele stürzen über dem Gelände ab, nur wenige treffen direkt die Übungsziele. Amerikanische Elektronik-Kampf-Einheiten probten hier Mitte Mai bei der Übung „Flytrap 5“ die Abwehr der autonomen Roboterflieger, fluteten das Frequenzspektrum mit Störsignalen. Sie simulieren das Hightech-Schlachtfeld der Ukraine, auf dem viele westliche Präzisionswaffen aufgrund russischer Störsender versagen.
Rund 200 Drohnen testen die US-Truppen zusammen mit Drohnen-Experten aus Großbritannien. Ausgerechnet ein Produkt eines deutschen Herstellers zeigte sich laut Äußerungen von beteiligten US-Offizieren als besonders resistent gegen die Störangriffe.
Helsing überzeugt im Drohnen-Text
Bei den Tests bewies sich die HX-2-Angriffsdrohne des Münchner KI-Rüstungs-Startups Helsing trotz elektronischen Störfeuers als zielgenau. Auf Nachfrage bestätigt das Unternehmen: Bei 15 von 17 Flügen schlug die autonome „Kamikaze-Drohne“ bei „Flytrap 5“ ins Ziel ein. Mehr noch: Da eine Aufklärungsdrohne eines US-Herstellers im Test durch das elektronische Störfeuer versagte, improvisierten die US-Soldaten, setzten die HX-2 auch zur Suche nach Zielen ein.
„Ursprünglich wurde die HX-2 als System für Einwegangriffe eingesetzt“, sagte Alex Miller, CTO der US-Armee und Berater des US-Generalstabs, gegenüber der US-Nachrichtenseite „Axios“. „Unsere Nutzer berichteten aber, dass sie die HX-2 auch als Aufklärungsplattform verwendeten, da sie in der Lage war, Ziele mithilfe von KI selbst unter Störeinflüssen zu erfassen und zu verfolgen.“
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Was europäische Drohnenhersteller den USA voraushaben
Dass US-Streitkräfte bei autonomen Systemen neuerdings auf europäische Technologie zurückgreifen, bricht mit dem traditionellen Marktgefüge. Bislang ist die Beschaffung von fliegendem Kriegsgerät zwischen Europa und den USA eher eine Einbahnstraße, europäische Staaten importieren fast ausschließlich aus den USA. Doch im Bereich der unbemannten Systeme könnte sich der Markt zugunsten der Europäer entwickeln. Denn diverse europäische Rüstungsstartups kooperieren eng mit den ukrainischen Streitkräften. Die setzen die Flieger der Europäer bereits permanent unter realen Bedingungen gegen russische elektronische Störmittel ein und zwingen die Hersteller zu extrem kurzen Innovationszyklen.
Auf der Luftfahrtmesse ILA in Berlin berichten mehrere Vertreter von Herstellern, die allerdings anonym bleiben wollen, wie die Ukrainer Innovation fördern, dass sie ganz anders Waffen einkaufen als die schwerfälligen Beschaffungsämter der Nato-Staaten. Die Bedingung lautet stets: Tausch von Daten vom Schlachtfeld, von digitaler Kampferfahrung, gegen Technologietransfers.
Die westeuropäischen Startups müssen sich in der Ukraine engagieren und mit ukrainischen Firmen zusammenarbeiten. Im Gegenzug können sie ihre Innovationen direkt an der Front ausprobieren. Der Rhythmus der Software-Updates sei inzwischen auf zwei Wochen zusammengeschrumpft, so ein Startup-Entwickler gegenüber Gründerszene.
Vollautonome Systeme ohne Funkverbindung
Die Ergebnisse dieser erzwungenen technischen Evolution sind auf der Messe direkt sichtbar: Helsing zeigt die in Litauen erfolgreiche HX-2, deren Serienmodell inzwischen in der Ukraine regulär eingesetzt wird. Noch im vergangenen Jahr waren die Drohne aus München sowie ihr Vorgänger HF-1 in die Kritik geraten. Ukrainische Soldaten beschwerten sich, die ersten Prototypen der Flieger würden die Versprechungen des Herstellers nicht erfüllen. Inzwischen, so Helsing, ist die Software unter dem Druck des Fronteinsatzes wesentlich weiterentwickelt, die Serienversion der Flieger gehöre zu den erfolgreichsten Einweg-Drohnen an der Front.
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Dazu zeigte Helsing gemeinsam mit dem Elektronikspezialisten Hensoldt die autonome Jetdrohne „CA-1 Electronic Attack“. Der Flieger ist wesentlich größer als eine Einweg-Drohne, soll künftig bemannten Kampfjets vorausfliegen und mit Störsendern die Flugabwehr blockieren. Die westliche Funktechnik ist dank der Daten aus dem Ukrainekrieg angepasst, die Rüstungsfirmen kennen inzwischen Methoden und Frequenzen der russischen Elektronik-Kampfführung.
Da Russland das gestörte Spektrum mittlerweile flexibel von den üblichen Funkbändern bis auf 18 Gigahertz ausgeweitet hat, weichen die Hersteller auf vollautonome KI-gesteuerte Systeme aus, die bei gestörter Funkverbindung zur Basis weiter ihre Mission verfolgen.
Diese Abfangdrohne von Quantum Sytems soll Shaheds stoppen
Auch das deutsche Rüstungs-Startup Quantum Systems zeigte auf der ILA Drohnen, die direkt aus den Erfahrungen in der Ukraine entstanden sind: Der Münchner Drohnenhersteller hat als Antwort auf die russischen Shahed-Langstreckendrohnen die sehr kompakte und schnelle Abfangdrohne „Strila“ in sein Portfolio aufgenommen. Der Flieger ist wesentlich günstiger als eine konventionelle Flugabwehr-Lenkwaffe, wurde vom ukrainischen Start-up WIY-Drones entwickelt.
Die senkrecht startende Abfangdrohne erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von über 400 Kilometern pro Stunde und fliegt bis zu 6000 Meter hoch. Die nur gut fünf Kilogramm schwere Jagd-Drohne hat eine maximale Reichweite von 34 Kilometern. Quantum Systems will nun die industrielle Produktion übernehmen und gleich 15.000 Stück für die Ukraine bauen. Auch angesichts der Angriffe des Iran auf die Golfstaaten mit Shahed-Fliegern war die Abfangdrohne ein Star der Messe.
Um die „Strila“ künftig möglichst nah an die gegnerischen Shaheds heranzutragen, hat Quantum Systems zudem die Pulse P19 entwickelt. Der Propellerflieger erinnert ein wenig an ein Jagdflugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg, er fliegt wesentlich schneller und dynamischer als die bekannten bewaffneten US-Drohnen vom Typ „Reaper“. Er soll künftig autonom und stundenlang auf die Jagd nach Shahed-Drohnen gehen und bringt dafür eine Reichweite von bis zu 2200 Kilometern mit. Auf dem ILA-Messestand trug ein Modell des Fliegers unter den Flügeln an zwei von sechs Waffenstationen gleich 18 Strila-Abfangdrohnen, denkbar wären laut Hersteller noch wesentlich mehr.
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Airbus setzt auf unbemannte Kampfhubschrauber
Dritter Star der Messe war die „U760 Ravenstorm“ von Airbus Defence and Space. Das unbemannte Kampfflugzeug ist als schwerer Begleitjet („Loyal Wingman“) für bemannte Jets wie den Eurofighter konzipiert. Es soll künftig autonom operieren und ist flexibel für Angriffe in der Luft, am Boden sowie für die elektronische Kampfführung ausgelegt.
Damit ordnet Airbus sein gesamtes Militär-Portfolio neu und führt eine eigene „U“-Bezeichnung für unbemannte Flieger ein. Zusammen mit Quantum Systems zeigte Airbus zudem eine große Transportdrohne, die auf dem leichten Hubschrauber H145 basiert.
Der ist bei der Bundeswehr bereits als Kampfhubschrauber im Einsatz. Beim U145 hat Airbus nun das komplette Cockpit entfernt, dafür lässt sich der Helikopter nun von vorne öffnen und mit einem Palettensystem beladen. An Stummelflügeln trug auch die U145 auf der Messe wieder die Strila-Abfang-Drohnen aus dem Portfolio von Quantum Systems.
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Ziel sei es, „dass Besatzungen den Luftraum wirksam gegen unbemannte Bedrohungen kontrollieren können“, so Stefan Thomé, Executive Vice President Programmes bei Airbus Helicopters. Denn aktuell sind bemannte Helikopter über der Ukraine eher fliegende Ziele für Drohnen. Die leichten Abfangdrohnen an Bord als Abwehrmittel könnten künftig Standard-Ausstattung für alle Fluggeräte über den Schlachtfeldern der Zukunft werden.
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260 Millionen für Sebastian Kurz: Sein Cyber-Startup ist jetzt 3 Milliarden wert
Mit 31 war er der jüngste Bundeskanzler Europas, heute führt Sebastian Kurz eines der wertvollsten Cybersecurity-Startups der Welt.
Einst residierte Sebastian Kurz am Wiener Ballhausplatz im Kanzleramt, das einem barocken Stadtpalais ähnelt. Heute empfängt Kurz in einem modernen Glaspalast, der sich elegant in die Skyline von Tel Aviv einfügt. Die Wirkungsstätten und Arbeitswelten könnten unterschiedlicher nicht sein. Gleich geblieben ist das unfassbare Tempo.
Mit 27 Jahren wurde Kurz Außenminister, mit 31 Jahren österreichischer Bundeskanzler – der jüngste aller Zeiten. Heute, mit 39 Jahren, steigt er zu den bedeutendsten Startup-Gründern Europas und Israels auf. Sein Unternehmen Dream hat eine Finanzierungsrunde über 260 Millionen US-Dollar bekannt gegeben. Damit steigt die Unternehmensbewertung nach eigenen Angaben auf drei Milliarden US-Dollar.
Für das Unternehmen, das erst vor dreieinhalb Jahren gegründet wurde, markiert die neue Finanzierungsrunde einen wichtigen Meilenstein. Die Series-C-Runde wird von den Investmentfonds Bicycle Capital und Group 11 angeführt, gemeinsam mit Beteiligung von Bain Capital, Tru Arrow Partners mit Investor James Rothschild, Antler aus Norwegen und weiteren globalen Investoren.
Angesichts der klangvollen Namen der Investoren und der drei Milliarden hohen Bewertung würden manch andere Gründer über die Flure ihres Unternehmens schweben. Doch Sebastian Kurz und seinem israelischen Mitgründer Shalev Hulio ist keinerlei Triumphgebaren anzusehen. Konzentriert und schnellen Schrittes bewegen sie sich durch die stilvoll-modernen Büroräume in Tel Aviv. Fast demütig ist ihr Ton, als sie im Büro von Hulio Platz nehmen.
„Als wir vor dreieinhalb Jahren dieses Unternehmen aus dem Nichts aufgebaut haben, konnten wir überhaupt nicht wissen, ob es funktionieren würde. Jetzt sind wir sehr glücklich, dass wir weitermachen können”, sagt der Unternehmer Kurz, um dann doch einen kurzen Moment lang wieder wie ein Politiker zu klingen: „Aber wichtiger als unser persönlicher Erfolg sind uns die Werte, die wir für ganze Nationen schaffen können.“ Seine Überzeugung: „Der nächste Cyberkrieg wird von KI gegen KI geführt werden.“
Die größten Cyberbedrohungen kommen aus China, Russland, Iran und Nordkorea
Um Staaten, Militär, Sicherheitsbehörden, Gesundheitsdaten und kritische Infrastruktur vor Cyberangriffen zu schützen, entwickelten Kurz und Hulio die Idee, zwei bislang getrennte Welten zusammenzuführen: die Expertise der besten Hacker und die Leistungsfähigkeit Künstlicher Intelligenz. Auf dieser Grundlage entwickelte das Unternehmen ein speziell für Cybersicherheit ausgelegtes KI-Modell, das von international führenden Experten trainiert wurde. Daraus entstand eine Plattform, die staatlich gesteuerte Cyberangriffe frühzeitig erkennt und abwehrt – noch bevor sie kritische Infrastruktur oder staatliche Einrichtungen beschädigen können.
„Die meisten Angriffe, die wir verhindern konnten, kamen aus China, Russland, Iran und Nordkorea“, erklärt Hulio, der innerhalb des Unternehmens die Technologie verantwortet. Er bringt einen großen Erfahrungsschatz als Mitgründer und späterer Leiter der NSO Group mit, einem israelischen Tech-Unternehmen, das für seine Spyware Pegasus bekannt wurde. „Russland nutzt groß angelegte Phishing-Kampagnen. China baut KI-gestützte Angriffsstrukturen auf.“
Das Alleinstellungsmerkmal von Dream sei, dass es Staaten bei der Cyberabwehr unabhängig machen können. „Länder sollen nicht von den USA oder China abhängig sein. Wir entwickeln Lösungen, die Regierungen selbst besitzen, selbst betreiben und selbst kontrollieren können. Die Daten müssen nicht in eine Cloud hochgeladen werden und werden mit niemandem geteilt.“ Der Kundenkreis wachse rasant – in Europa, im Nahen Osten und in Südostasien. Der Umsatz belaufe sich bisher auf rund 300 Millionen US-Dollar. Seit diesem Jahr sei das Unternehmen mit seinen 350 Mitarbeitern profitabel, so Kurz.
Ob die Gründer von Dream angesichts des rasanten Wachstums schon von einem Börsengang träumen, wie ihn Elon Musk gerade mit SpaceX hingelegt hat? „Ein Börsengang ist eine Option, eine sehr realistische Option für ein wachsendes Unternehmen wir unseres“, sagt Kurz. Der nächste große operative Schritt sei aber zunächst die Expansion des Standortes in Abu Dabi. Auch die Entscheidung für ein Forschungs- und Entwicklungszentrum in Deutschland sei gefallen. Nur auf den Ort habe man sich noch nicht festgelegt, sagt Hulio. „Wichtig ist für uns eine direkte Flugverbindung nach Tel Aviv“.
Warum Kurz und Hulio so gut zusammenpassen
Die Kombination der israelischen und der westeuropäischen Mentalitäten und Fähigkeiten scheint eines der Erfolgsgeheimnisse von Dream zu sein. Allein modisch unterscheiden sich der Kanzler und der israelische Tech-Guru. Kurz ist glattrasiert und trägt ein weißes Hemd. Hulio trägt ein schwarzes T-Shirt, Bart und fällt durch ein lebensfrohes Lächeln auf. Am Anfang hätten sich die kulturellen Unterschiede zwischen den Gründen manchmal bemerkbar gemacht, erzählt Hulio. „Sebastian kann 20 Meetings in eine Stunde quetschen. Er ist sehr diszipliniert. Das muss ihm erstmal einer nachmachen. Und wer zu einem Meeting eine Minute zu spät kommt, gilt in Sebastians Augen schon als unpünktlich. Daran musste ich mich als Israeli erstmal gewöhnen“, sagt Hulio und lacht.
Er habe während seiner Laufbahn schon mit einigen guten Leuten zusammengearbeitet. Sebastian Kurz sei allerdings der beste Partner, den er je gehabt habe. „Was er innerhalb kürzester Zeit in der Politik erreicht hat, gelingt ihm nun in der Tech Welt. Sebastian ist ein brillanter Geist. Hätte er sich schon als junger Mensch für das Unternehmertum entschieden, stünde er heute schon in einer Reihe mit Elon Musk“, sagt Hulio sehr ernsthaft.
Der Altkanzler ist wiederum voll des Lobes für seinen Mitgründer, der schon vor Dream als Star der israelischen Tech-Branche galt. „Für mich ist Halev ein Genie. Wenn ihm jemand sagt, es gebe keine Lösung für ein technisches Problem, stachelt ihn das an und er pusht das Team bis ans Limit. Während seiner Laufbahn hat er immer wieder technologische Durchbrüche erreicht, die nicht für möglich gehalten wurden.“ Ein wenig gilt dieser Satz wohl auch für ihn selbst. Während andere Spitzenpolitiker oft vergeblich eine Rolle in der Wirtschaft suchen oder wie Altkanzler Gerhard Schröder ihr Geld als Gas-Lobbyisten für Diktatoren machen, ist Kurz der Durchbruch als Unternehmer eindrucksvoll gelungen.
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„Rechtswidrig“: Anwalt kritisiert geleaktes Antler-Dokument
Wer Geld von VCs will, muss liefern. Lange Tage, kurze Nächte, schnelle Entscheidungen, ständiger Druck: In der Startup-Welt gehört das fast schon zum guten Ton. Doch wie sieht es eigentlich auf der anderen Seite des Tisches aus?
Ein internes Dokument aus dem Berliner Büro des Frühphasen-Investors Antler gibt darauf einen seltenen Einblick. Das Papier trägt den Titel „Berlin Office – How We Work“ und beschreibt auf mehreren Seiten, wie das Team zusammenarbeiten möchte. Es geht um Arbeitszeiten, Homeoffice, Krankheit und die Zusammenarbeit mit Gründern. Dort steht geschrieben, dass dieses Dokument als Richtlinie für alle neuen Mitarbeitenden dienen soll.
Was sagt Antler-Partner Klink dazu?
Besonders auffällig: Kernarbeitszeiten von 09:00 bis 19:30 Uhr, Homeoffice nur in Ausnahmefällen und ein internes Ampelsystem für Krankmeldungen. Mehrere Mitarbeitende bestätigten Gründerszene die Echtheit und Aktualität des Dokuments.
Antler weist allerdings die Darstellung zurück, es handle sich um offizielle oder verbindliche Vorgaben. Das Papier sei aus Notizen eines Meetings dreier Teammitglieder entstanden, frei editierbar gewesen und habe lediglich festgehalten, wie das Team zusammenarbeiten wolle. Es habe sich um ein „lebendes Dokument“ gehandelt, das inzwischen in dieser Form nicht mehr existiere.
Trotzdem zeigt das Papier detailliert, welche Erwartungen zumindest Teile des Teams an ihren Arbeitsalltag formuliert hatten.
Kernarbeitszeit: 09:00 bis 19:30 Uhr
Der erste Punkt im Dokument betrifft die Arbeitszeiten. „Core hours in the office: 09:00 – 19:30.“ Dazu heißt es: „In dieser Zeit versuchen wir, uns zeitlich zu überschneiden. Die Arbeit geht oft über diese Zeiten hinaus.“
Für Pascal Croset ist eine solche Formulierung problematisch. Der Fachanwalt für Arbeitsrecht berät seit mehr als 20 Jahren Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Führungskräfte. „Mit dieser Arbeitszeit ist das Arbeitszeitgesetz massiv überschritten. Selbst wenn Arbeitnehmer zugestimmt haben, wäre das rechtswidrig“, sagt Croset zu Gründerszene. Arbeitszeiten von 09:00 bis 19:30 Uhr seien selbst bei ausdrücklicher Zustimmung der Beschäftigten rechtlich problematisch.
Antler sieht das anders. „Die genannten Zeitfenster beschreiben, wann das Team nach Möglichkeit gemeinsam im Büro sein will. Dies versteht sich brutto, also abzüglich Pausen, beschriebener persönlicher Termine etc.“, sagt Antler-Partner Christoph Klink auf Anfrage von Gründerszene.
Teilweise finde Arbeit – meist remote – auch zu anderen Tageszeiten statt. Nach seiner Kenntnis lägen die Arbeitszeiten „stets im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben“. Die Einschätzung des Arbeitsrechtlers teile man daher nicht.
Möglichst nah an den Gründern
Warum legt Antler überhaupt so viel Wert auf Präsenz? Eine Antwort liefert das Residency-Programm des Investors. Dabei können Gründer ohne bestehendes Team oder sogar ohne konkrete Geschäftsidee bei Antler starten. Innerhalb weniger Wochen sollen sie Mitgründer finden, ihre Idee validieren und einen ersten Prototypen entwickeln.
Am Ende entscheidet ein Investment-Komitee darüber, ob Antler investiert. Während dieser Phase sollen die Antler-Mitarbeiter laut Dokument möglichst viel Zeit mit den Gründern teilen. „Teammitglieder sollen bis zu 50 Prozent ihrer Zeit bei den Gründern verbringen“, heißt es dort. Das Ziel: Nähe schaffen, schneller helfen und ein sichtbares Signal an die Gründer senden.
Auch darüber hinaus wird deutlich, wie stark das Dokument auf persönliche Zusammenarbeit ausgerichtet ist. Wenn gerade kein Residency-Programm läuft, soll die Arbeit möglichst im gemeinsamen Teamraum stattfinden. Besprechungen sollen nach Möglichkeit in anderen Räumen abgehalten werden, um konzentriertes Arbeiten zu ermöglichen. Die Tür zum Teamraum soll grundsätzlich offen bleiben.
Es sind Details, die auf den ersten Blick banal wirken. Zusammen ergeben sie jedoch ein recht klares Bild: Präsenz gilt bei Antler nicht als notwendiges Übel, sondern als Teil der Kultur. Wie auch in vielen anderen Unternehmen.
Homeoffice nur in Ausnahmefällen
Besonders deutlich wird diese Haltung beim Thema Homeoffice. „Wir sind grundsätzlich im Büro, um möglichst viel Zeit als Team miteinander und mit den Gründern zu verbringen“, heißt es im Dokument.
Während der Residency-Phase sei Homeoffice grundsätzlich nicht vorgesehen. Ausnahmen gelten nur bei unvermeidbaren Gründen wie Krankheit oder „einem Wasserrohrbruch zuhause“, wie es im Dokument heißt.
Außerhalb dieser Phase sind maximal zwei Homeoffice-Tage pro Monat möglich. Und selbst diese dürfen laut Dokument nur freitags genommen werden. Besonders interessant ist dabei eine weitere Passage: „Private Wochenendausflüge finden vor oder nach der Arbeitszeit statt oder erfordern Freizeit.“
Wer freitags remote arbeitet, soll den Tag also nicht für die Anreise ins Wochenende nutzen. Eine Ausnahme gilt lediglich während der sogenannten „Quiet Season“ zwischen Mitte Juli und Mitte August. In dieser Zeit ist laut Dokument auch längeres Remote-Arbeiten möglich, teilweise sogar von einem anderen Ort aus.
Dazu komme: Kamera immer an bei Calls, außer bei 1:1-Gesprächen, Reisen oder Krankheit. Homeoffice-Tage müssten zudem im Voraus im Kalender eingetragen und im Team kommuniziert werden.
Antler verteidigt die starke Präsenzkultur. „Wir arbeiten gerne und bewusst persönlich vor Ort mit Gründerinnen und Gründern zusammen. Wir laden sie in unser Büro ein, um dort eng und intensiv zusammenzuarbeiten“, sagt Klink. Genau das werde von den Gründern geschätzt und regelmäßig positiv hervorgehoben. „Wir sind ein kleines Team von einer Handvoll Personen. Gemeinsame Zeit vor Ort macht einen enormen Unterschied und motiviert uns als Investoren sowie Gründerinnen und Gründer.“
Persönliche Verpflichtungen? Ja, aber nur bestimmte
Das Dokument sieht allerdings auch Ausnahmen vor. „Es gibt Spielraum, um persönlichen Einschränkungen Rechnung zu tragen, die wichtig sind und sich nur schwer umgehen lassen“, heißt es dort.
Als Beispiel nennt das Papier einen festen Sportkurs, der nur zu einer bestimmten Zeit stattfindet und deshalb zu einer späteren Ankunft im Büro führen kann. Anders sehe es bei Aktivitäten aus, die flexibel planbar seien. Ein allgemeiner Besuch im Fitnessstudio solle außerhalb der Kernarbeitszeiten stattfinden. Auch hier zeigt sich die Grundidee des Dokuments: Persönliche Termine sind möglich, solange sie nicht dauerhaft mit den gemeinsamen Bürozeiten kollidieren.
Das Ampelsystem für Krankheit
Besonders ungewöhnlich ist ein weiteres Kapitel des Dokuments: Unter der Überschrift Krankheit beschreibt Antler ein Ampelsystem.
Wer lediglich leichte Symptome wie etwas Schnupfen oder einen trockenen Hals habe, solle weiterhin ins Büro kommen und dabei auf Hygiene und Abstand achten. Wer stärker hustet oder sich erschöpft fühlt, solle von zuhause arbeiten und die eigene Situation täglich neu bewerten. Erst bei Fieber oder grippeähnlichen Symptomen lautet die Empfehlung eindeutig: zuhause bleiben.
Für Arbeitsrechtler Croset ist auch das problematisch. „Das ganze System mit krank, halb krank und nicht wirklich krank ist natürlich rechtswidrig und vom Gesetzgeber schon klar geregelt. Wenn Arbeitnehmer krank sind, dann sind sie krank“, sagt er. Ob jemand arbeitsfähig sei oder nicht, könne letztlich nicht durch ein internes Ampelsystem entschieden werden.
Antler weist die Kritik zurück. „Die Richtschnur ist entstanden aus der Frage nach der Pandemie – bei welchen leichten Symptomen man sich isolieren muss“, sagt Klink. „Es ist vollkommen klar, dass man nicht krank arbeitet, sich im Zweifel schont, zu Hause bleibt und auf andere Rücksicht nimmt.“
„Total ungewöhnlich“
Was Croset besonders überrascht: dass solche Regeln überhaupt schriftlich festgehalten werden. Das sei „total ungewöhnlich“, sagt der Fachanwalt.
Seiner Einschätzung nach könnte ein solches Dokument sogar arbeitsrechtliche Folgen haben. Sollte es etwa zu Streitigkeiten über Überstunden kommen, könnten Beschäftigte das Papier als Beleg dafür nutzen, dass Mehrarbeit im Unternehmen strukturell erwartet wurde.
Antler weist auch diese Einschätzung zurück und betont, selbstverständlich innerhalb der gesetzlichen Vorgaben zu arbeiten.
Fest steht: Das Dokument liefert einen seltenen Einblick in die Arbeitskultur eines der größten Frühphasen-Investoren Europas. Und es zeigt, wie eng manche VCs die Zusammenarbeit mit Gründern verstehen – selbst wenn daraus gelegentlich Konflikte mit arbeitsrechtlichen Fragen entstehen könnten. Doch manche Tode muss man für den Erfolg wohl sterben.
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