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Grüner Sport, weißes Kapital, indigene Symbolik – U.S. Open im Shinnecock Hills Golf Club – Design Tagebuch
Der Shinnecock Hills Golf Club im Bundesstaat New York, an diesem Wochenende zum sechsten Mal Austragungsort der U.S. Open Championship, steht auf Land, das der Shinnecock Indian Nation durch Landraub und gefälschte Dokumente entzogen wurde. So berichtet die Irish Times im Vorfeld der Sportveranstaltung. Das Logo des Golfclubs mit „Indianer“-Darstellung markiert die koloniale Landnahme.
Der Kurs auf den Shinnecock Hills wurde in den 1890ern über heilige Begräbnisstätten des Stammes gebaut; Knochen und Überreste wurden dabei ausgegraben und teilweise ins Museum of Natural History verbracht. 1859 wurde dem Bericht der Irish Times zufolge ein ursprünglich 1.000-jähriger Pachtvertrag einseitig aufgekündigt und der Stamm auf ein 900 Hektar großes Reservat zurückgedrängt. Rechtliche Klagen der Shinnecock blieben bislang erfolglos.
Auch an diesem Wochenende protestieren Angehörige der Shinnecock Nation im Umfeld der Golfanlage mit Transparenten und Schildern. Sie fordern unter anderen die Landrückgabe, die Rückführung der Überreste der Verstorbenen und die Anerkennung der Grabschändung durch den Golfclub.

Die offizielle Geschichtsseite des Clubs (Screenshot) beschränkt sich auf die Gründung im Jahr 1891, die Clubhaus-Architektur, die Kursgestaltung sowie die Austragungen der U.S. Open. Landraub, die Verdrängung der Shinnecock Indian Nation, die Überbauung von Begräbnisstätten oder die Herkunft des Namens werden mit keinem Wort erwähnt.
Das Logo des Shinnecock Hills Golf Club (Abb. ganz oben) zeigt im Profil einen männlichen Kopf mit Kriegsbemalung und traditionellem Federkopfschmuck (Warbonnet). Diagonal überkreuzt wird die Darstellung von einem Golfschläger und einem Pfeil – ein direktes Zusammenführen indigener Symbolik mit dem Golfsport. Die Linienführung ist stilisiert-reduktiv. Die Gestaltung ist weniger überladen als sie für viele Flaggen und Siegel von US-Bundessaaten üblich ist (siehe frühere Flaggendesigns von Utah und Minnesota).
Das Logo mit „Indianer“-Darstellung, das der Golfclub im Rahmen des Merchandisings auf Shirts, Pullovern, Taschen und anderen Produkten kommerziell verwendet, romantisiert und verklärt Geschichte. Die Nachfahren der Shinnecock Nation (shinnecock-nsn.gov) kämpfen seit Jahrzehnten um Anerkennung, Souveränität und ihr Recht auf das Land.
Der Fall ist exemplarisch für weiße Vorherrschaft (White Supremacy). Denn er macht sichtbar, wie Recht, Kapital, Institutionen, Kultur und Sport zusammenwirken, um strukturelle Ungleichheit unabhängig von individueller Intention zu reproduzieren. Genau darin liegt das Kernmerkmal systemischer weißer Vorherrschaft. Angesichts des konkreten historischen Unrechts gegenüber der Shinnecock Nation und dem Protest der ihr angehörenden Personen ist die Einordnung als kulturelle Aneignung (Cultural Appropriation) besonders offensichtlich.
Das Logo ist nicht etwa ein Zeichen der Anerkennung, sondern das visuelle Abzeichen einer kolonialen Landnahme. Es repräsentiert die Macht der dominanten Kultur, die ursprünglichen Einwohner zu vertreiben, ihre Gräber zu überbauen und ihre Identität gleichzeitig als ästhetisches Symbol zu konsumieren.
Fernsehsender, die das Golf-Event übertragen und in diesem Zusammenhang das Logo verwenden, tragen eine erhebliche gesellschaftliche und journalistische Verantwortung. Eine unkritische Übertragung, die den Ort lediglich als prestigeträchtige Kulisse einer „Golf-Elite“ inszeniert und das umstrittene Logo unkommentiert zeigt, wie es bei Sky/WOW geschieht, trägt dazu bei, die historische Verdrängung und die Aneignung indigener Symbole zu normalisieren.
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