Digital Business & Startups
High Performance wird in Startups oft falsch verstanden
Im Sport gilt eine einfache Regel: Ein gutes Rennen beweist wenig. Entscheidend ist, ob Leistung wiederholbar ist. Ob sie auch dann abrufbar bleibt, wenn Bedingungen sich ändern, Druck steigt oder Fehler passieren.
In Startups wird Leistung oft anders gelesen. Ein erfolgreicher Launch, eine Finanzierungsrunde oder ein starkes Quartal gelten schnell als Beweis für Leistungsfähigkeit. Doch nachhaltiger Erfolg entsteht nicht durch einzelne Spitzen, sondern durch Konstanz unter Unsicherheit. Gerade in Startups verändern sich Anforderungen, Rollen, Teamkonstellationen und Rahmenbedingungen kontinuierlich. Die Leistung einzelner Personen und ganzer Teams schwankt. Das ist normal. Entscheidend ist nicht die einzelne Bestleistung, sondern die Fähigkeit, immer wieder in einen leistungsfähigen Zustand zurückzufinden. High Performance ist daher kein Zustand, den man einmal erreicht und dauerhaft hält, sondern ein fortlaufender Prozess.
In der Arbeit mit Gründerteams zeigt sich, dass dieser Prozess gezielt unterstützt werden kann. Leistungsfähige Teams etablieren trainierbare Routinen, die Stabilität unter Druck ermöglichen. Dazu gehören häufige Feedbackschleifen, fest verankerte Reflexionsroutinen, Vertrauen und Respekt gegenüber der jeweiligen Fachkompetenz, klare Rollen und Entscheidungsprozesse, bewusste Pausen zur Regeneration sowie die Akzeptanz individueller Grenzen. All diese Elemente lassen sich besprechen und üben.
Am Anfang stehen viele bewusste Entscheidungen, um diese Routinen aufzubauen. Mit der Zeit werden sie so gut eingeübt, dass sie ohne großes Nachdenken ablaufen. Das spart Zeit und vor allem Energie. Praktisch heißt das: High Performer machen die grundlegenden Dinge öfter und konsequenter richtig.
Ein Blick in den Leistungssport verdeutlicht diese Logik. Anders als in den meisten Startups ist dort klar definiert, wer welche Rolle übernimmt und welche Fähigkeiten für diese Position erforderlich sind. Ebenso ist festgelegt, mit wem diese Rolle besonders eng zusammenarbeitet. Diese Klarheit lässt sich jedoch auf Startups übertragen, wenn Teams bereit sind, regelmäßig genau hinzusehen. Rollenklärung bedeutet, immer wieder konkrete Fragen zu klären: Wer ist wofür verantwortlich? Wer führt in welcher Situation? Wer unterstützt wen? Wer trifft welche Entscheidung? Diese Abstimmung ist kein einmaliger Schritt, sondern ein kontinuierlicher Prozess.
Dieselbe Klarheit braucht es in der Kommunikation. Erwartungen müssen eindeutig sein, Feedback bezieht sich auf Verhalten oder Aufgaben, nicht auf Personen. Im Arbeitsalltag bedeutet das, grundlegende Kommunikationsfragen früh und im Detail zu klären. Welche Kanäle werden wofür genutzt? Welche Antwortzeiten gelten? Wann ist ein Anruf sinnvoller als eine Nachricht? Was zunächst kleinteilig wirkt, beschleunigt Abläufe und reduziert Missverständnisse nachhaltig. Damit diese Klarheit nicht situativ bleibt, etablieren leistungsfähige Teams feste Reflexionsroutinen.
Nach wichtigen Entscheidungen oder Meetings wird gemeinsam geprüft: Keep – was hat gut funktioniert und soll beibehalten werden? Start – was wollen wir künftig anders machen oder ergänzen? Stop – was lassen wir beim nächsten Mal bewusst weg? Diese kurze Struktur sorgt dafür, dass Lernen systematisch wird und regelmäßig Raum entsteht, um am Team zu arbeiten, nicht nur im Team. Neben Struktur braucht es Beziehung. Bewusst Zeit für persönliches Kennenlernen jenseits des Arbeitskontexts zu investieren, stärkt die Zusammenarbeit nachhaltig.
Wer weiß, was andere antreibt, welche Werte ihnen wichtig sind und wo ihre Grenzen liegen, kann Verhalten besser einordnen und Vertrauen stabilisieren. Dieses Verständnis wirkt besonders dann, wenn Druck entsteht. Spannungen sind in solchen Phasen unvermeidlich. Sie sind jedoch kein Zeichen von Dysfunktion, sondern Ausdruck unterschiedlicher Perspektiven und ein wichtiger Bestandteil leistungsorientierter Zusammenarbeit. Problematisch werden sie erst dann, wenn keine etablierten Gesprächsroutinen vorhanden sind, um Spannungen frühzeitig und sachlich anzusprechen. Ohne diese stauen sich Probleme an, werden zunehmend schwerer benennbar und belasten Beziehungen.
High Performance Teams sorgen deshalb dafür, dass die richtigen Gesprächsräume vorhanden sind, bevor es kritisch wird. Wenn Rollen geklärt sind, Feedback regelmäßig stattfindet und Reflexion fest eingeplant ist, lassen sich auch schwierige Themen ansprechen, ohne die Zusammenarbeit zu beschädigen. Auf diese Weise wird Leistung planbarer: Verhalten wird wiederholbar, Spannungen handhabbar und Zusammenarbeit unter Druck stabiler.
Unter Unsicherheit zeigt sich, was Teams wirklich trägt. High Performance entsteht nicht aus Druck oder Durchhalten, sondern aus Routinen, die so gut eingeübt sind, dass Zusammenarbeit auch dann funktioniert, wenn nichts nach Plan läuft. Gerade in Startups, wo sich Bedingungen ständig ändern, wird aus dieser Art, Leistung zu organisieren, ein entscheidender Vorteil.
Über die Autorin
Tina Manker ist Olympionikin und Ruderweltmeisterin. Sie arbeitet als Team Coach für Startup & High Performance Teams am DEEP – Institute for Deep Tech Innovation an der ESMT Berlin. Im Programm DEEP Pioneers betreut sie Gründerteams aus der Wissenschaft. Ziel ist es, Forschende und ihr geistiges Eigentum früh mit erfahrenen Seriengründern und relevanten Netzwerken zusammenzuführen, um investitionsfähige Deep-Tech-Ausgründungen aufzubauen.
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Foto (oben): Tina Manker
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Warum Bielefeld Deutschlands heimliche Startup-Hauptstadt ist
Vier bis acht Wochen dauert eine Gründung in Deutschland normalerweise – eine Stadt in NRW will das auf 24 Stunden drücken. Wie der „Bielefelder Shortcut“ Bürokratie aushebeln will.
Ob München, Berlin oder auch Hamburg – was andere deutsche Startup-Metropolen noch nicht geschafft haben, will diese Stadt in Nordrhein-Westfalen möglich machen: Eine unkomplizierte Gründung eines Unternehmens in nur 24 Stunden und das ganz ohne Bürokratiechaos – ohne zahlreiche Formulare und lange Wartezeiten auf Rückmeldung.
Bereits seit Jahrzehnten verfolgt die Bundesrepublik das Ziel, Unternehmensgründungen zu erleichtern. Die Vision der 24-Stunden-Gründung taucht bereits in Koalitionsverträgen im Jahr 2021 und 2025 auf. Bundesweit umgesetzt wurde diese Vision bislang nicht, noch dauert die Gründung beispielsweise einer GmbH im Durchschnitt mindestens vier bis zu acht Wochen.
In Bielefeld wird die 24-Stunden-Gründung Realität
In Bielefeld will man nicht abwarten, bis sich etwas auf Bundesebene ändert. Partner des Bielefelder Startup-Ökosystems haben sich zusammengetan und den sogenannten Bielefelder Shortcut ins Leben gerufen.
Dieses Modell sei deutschlandweit einzigartig, heißt es in einer Mitteilung der Initiatoren. Innerhalb eines Tages sollen Gründerinnen und Gründer mit ihrem Startup operativ handlungsfähig sein. „Wir wollen jetzt eine Lösung und wir wollen eine praxisnahe Lösung“, sagt Hanna Drabon, Projektleiterin des Bielefelder Startup Pakets, gegenüber Gründerszene.
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Wie funktioniert dieser Bielefelder Shortcut?
Der Bielefelder Shortcut soll demnach den Gründungsprozess vereinfachen, indem mehrere Schritte der Unternehmensgründung in einem einzigen Prozess gebündelt werden. Er umfasst neben ausschließlich digitalen Prozessen einen einzigen Notartermin.
Gründerinnen und Gründer erhalten also innerhalb eines Arbeitstages eine einsatzbereite Unternehmensstruktur. Dazu gehören:
- eine operative Gesellschaft (UG oder GmbH)
- ein Geschäftskonto
- Haftungsschutz über eine geförderte Vorratsgesellschaft
In dem Bielefelder Modell sind so Steuernummer und Konto bereits ab Tag eins verfügbar. Außerdem wird eine Holdingstruktur eingerichtet sowie grundlegende Gesellschaftsverträge für Investments vorbereitet.
Startups im Shortcut werden im Anschluss mit einem Mietkostenzuschuss von bis zu 64.000 Euro auf die nächsten vier Jahre unterstützt und erhalten so eine langfristige Perspektive am Standort, versprechen die Initiatoren. So sparen Gründerinnen und Gründer Zeit und ebenso Gründungskosten. Das Bielefelder Shortcut-Modell soll voraussichtlich im Juli 2026 starten können, sagt Projektleiterin Hanna Drabon.
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Städtisches Startup-Ökosystem arbeitet Hand in Hand
Damit dieses Modell funktioniert, arbeiten fünf Akteure des städtischen Startup-Ökosystems zusammen: Die Volksbank in Ostwestfalen stellt die operative Gesellschaft, bezuschusst diese und eröffnet das kostenlose Geschäftskonto. Die Founders Foundation, ein gemeinnütziger Startup-Inkubator, unterstützt wiederum die Startups in den standardisierte Abläufen.
Wie aufwendig so ein Gründungsprozess ist, erlebt Dominik Gross, Mitgründer und CEO der Founders Foundation, regelmäßig. Über 180 Startups hat Gross in Bielefeld mit seinem Team von der ersten Idee über den Gründungs-Prozess begleitet und die Entwicklung des Modells aus diesem Know-how unterstützt.
„Ein guter Gründer will möglichst wenig Zeit für administrative und bürokratische Prozesse verwenden und möglichst viel Zeit dafür, ein gutes Produkt aufzubauen, Kunden zu finden und vielleicht auch Investoren zu finden“, betont er im Gespräch mit Gründerszene. Wenn das in Bielefeld schneller funktioniere als an anderen Standorten, wird der Standort attraktiv. Eine Win-win-Situation für beide Seiten also. „Weniger Bürokratie, einfache und schnelle Abläufe sowie echte Wertschätzung für unternehmerisches Engagement bringen einen Standort voran“, betont auch Oberbürgermeisterin Christiana Bauer.
Der Teuto Seed Club, eine Gemeinschaft von erfahrenen Business Angels, wirkt bei der Konzeption des Prozesses ebenfalls mit. Das Bielefelder Startup Paket der WEGE mbH fördert Kauf- und Mietkosten und die Agentur The Trailblazers unterstützt die Startups bei der Kommunikation und Sichtbarkeit.
Gründer, Manager und VCs fordern bundesweit Reformen
Zuletzt hatten sich mehr als 100 Gründer, VCs und Manager deutscher Tech-Unternehmen mit einem offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz gewandt. Ihre Botschaft: Deutschland verliere im internationalen Wettbewerb zunehmend an Boden und es brauche dringend Reformen, um wieder attraktiver für Gründer, Investoren und Talente zu werden. Darunter zählt auch: weniger Bürokratie, schnelleres Gründen. Das Bielefelder Modell setzt ein Zeichen, das genau das schon jetzt möglich ist.
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SAP investiert in Palantir-Mafia-Startup – Business Insider
Jede Änderung in großen Konzernen kann Wochen dauern. Conduct will das mit KI lösen, überzeugt damit SAP und bekommt 60 Millionen.
Drei ehemalige Palantir-Mitarbeiter wollen eines der größten Probleme von Unternehmen lösen: Software, die so komplex geworden ist, dass jede Veränderung ewig dauert. Mit ihrem Startup Conduct haben sie nun 60 Millionen US-Dollar eingesammelt.
Die Series-A-Finanzierungsrunde wird von Index Ventures und Iconiq angeführt. Auch der deutsche Softwarekonzern SAP beteiligt sich an der Runde. Weitere Investoren sind unter anderem Creandum, Lucid Capital und Booom.
SAP investiert nicht nur Geld
Für SAP geht es dabei um mehr als ein Finanzinvestment: Der Konzern aus Walldorf geht zugleich eine strategische Partnerschaft mit Conduct ein. Zur Erinnerung: SAP stellt Programme her, mit denen man Geschäftsprozesse erfassen kann. Gerade bei Konzernen mit jahrzehntelang gewachsenen Softwarelandschaften können selbst kleinere Anpassungen lange dauern, weil Prozesse und Programme eng miteinander verknüpft sind. Jetzt kommen die drei Gründer ins Spiel.
Conduct verspricht, diesen Aufwand mithilfe von KI drastisch zu reduzieren. Entscheidungen aus dem Business sollen schneller in technische Änderungen übersetzt werden können, ohne dass sich Entwickler wochenlang durch komplexe Systeme wie SAP oder Salesforce arbeiten müssen.
Was lernt man so bei Palantir?
Hinter Conduct stehen die Deutschen Jan Philipp „JP“ Haas und Philipp Höfer sowie der Brite Henry Thompson. Alle drei arbeiteten zuvor bei einem der geheimnisvollsten Software-Unternehmen unserer Zeit: Palantir mit dem CEO Alex Karp. Gehören also zu Palantir-Mafia, wie man das so nennt.
Haas war dort Manager für die DACH-Region, Höfer für die KI-Plattform-Strategie und Thompson in einer technischeren Rolle für den japanischen Markt.
Bei Palantir hätten die Gründer aus nächster Nähe erlebt, wie schwierig es für große Organisationen sei, komplexe Software zu verändern, sagt Haas im Gespräch mit Gründerszene. Ein wichtiges Learning von dort: „Das Chaos der Welt anzuerkennen“, sagt Haas. „Unternehmen sind inhärent komplex. Wir bringen Übersicht und Kontrolle in dieses Chaos.“
Mitarbeiterzahl soll verdreifacht werden
Es gehe nicht darum, die alte Software „rauszureißen und durch KI zu ersetzen. Wir nutzen KI um den Unterhalt und die Komplexität zu minimieren.“ Entscheidend sei dabei auch die Nähe zum Kunden. Zwar werde nicht für jeden von ihnen ein angepasstes Produkt gebaut wie bei Palantir. Aber: „Der große Durchbruch waren Partnerschaften mit BCG oder NTT Data.“ Weitere Kooperationen stünden in Kürze an.
Mit dem frischen Kapital soll das Team innerhalb der kommenden sechs Monate von derzeit 35 auf mehr als 100 Mitarbeiter fast verdreifachen. Derzeit werden etwa Leute für die Personalabteilung gesucht. Auch Produktdesigner und Rollen im Business Development sind ausgeschrieben (Vollzeit, vor Ort). Neben dem Hauptsitz in London eröffnet Conduct außerdem einen Standort in New York.
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Andreas Herb wird neuer Juror bei „Die Höhle der Löwen“
Aus Versehen kam heraus, dass es zwei neue Investoren für die Castingshow geben soll. Dagmar Wöhrl hatte sie in einer Insta-Story gezeigt.
Andreas W. Herb, MBG
Neue Löwen im Anmarsch: Das Gründer-Castingformat „Die Höhle der Löwen“ auf Vox bekommt zwei neue Juroren. Johannes Kliesch von der Sockenfirma Snocks und Getränkemacher Andreas Herb werden ab Herbst dabei sein.
Die News kamen dem Anschein nach aus Versehen raus. Die bisher schon involvierte Investorin Dagmar Wöhrl zeigte die beiden Neuen in einer Insta-Story. Die wurde schnell gelöscht, aber die Bild hatte bereits berichtet.
Mittlerweile bestätigte auch der Sender Vox, dass Kliesch und Herb dabei sein werden. Die kommende Staffel des Formats, kurz DHDL genannt, wird bereits die zwanzigste sein. Sie kommt im Herbst ins Fernsehen.
Andreas Herb ist im Getränkegeschäft und hat mit seiner Gruppe etwa Scavi & Ray und Salitos auf den Markt gebracht. Johannes Kliesch hat die Sockenmarke Snocks gegründet.
Bisherige Investoren sind zum Beispiel Janna Ensthaler, Judith Williams, Carsten Maschmeyer und Frank Thelen.
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