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Entwicklung & Code

Linux 7.1 mit neuem NTFS und FRED erschienen


Dieses Mal etwas früher als gewohnt, erschien der neue Kernel Linux 7.1 bereits auch in unseren Breiten noch am Sonntag gegen 17:00 Uhr und nicht erst in den frühen Morgenstunden des Montags. Was Uneingeweihten ein extrem „glattes“ Release suggeriert, hatte einen ganz anderen banalen Grund. Linus Torvalds hielt sich in einer anderen Zeitzone auf, in der es bereits Sonntagnachmittag war. Daher führte er den Release zur „gewohnten Zeit – nur nicht in der regulären Zeitzone“ aus.

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Neben einigen Neuerungen wie ein neuer NTFS-Treiber oder die Nutzung von Intel FRED zur Leistungssteigerung, macht sich der Einsatz von künstlicher Intelligenz im Entwicklungsprozess bemerkbar.

Bereits in 2021 mit dem Release von Linux 5.15 erhielt der Kernel einen frischen Treiber für Microsofts NTFS-Dateisystem. Dieser von der Paragon Software GmbH beigesteuerte Treiber ntfs3 schien die geeignete Lösung für das Arbeiten mit Windows-Datenträgern zu sein.

Bis dato hatte der Kernel selbst lediglich einen Treiber namens ntfs für rein lesenden Zugriff in petto. Für Schreibzugriff konnten die Anwenderinnen und Anwender lediglich auf den FUSE-Treiber (Filesystem in USErspace) ntfs-3g zurückgreifen. Der krankte aber an unvollständiger Kompatibilität mit der NTFS-Spezifikation und konnte nach Abstürzen Dateisysteme beschädigt zurücklassen. ntfs3 hingegen war ein waschechter Kernel-Treiber (kein FUSE) und konnte lesend und schreibend auf NTFS zugreifen. Er setzte die volle NTFS-Spezifikation 3.1 um; inklusive Unterstützung unter anderem für Access Control Lists (ACL), erweiterte Attribute, Kompression und das wichtige Journaling-Replay.

Obwohl ntfs3 im Grunde das lieferte, was das Nutzerherz begehrt, und eine gute Basis zum Weiterentwickeln bot, liefert Linux 7.1 einen weiteren Treiber für das Dateisystem aus Redmond. Die Unzufriedenheit mit der Entwicklungsgeschwindigkeit und der Wartung von ntfs3 war so groß, dass der neue Treiber trotzdem den Weg in den Mainline-Kernel fand.

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Der neue NTFS-Treiber ist eine moderne grundlegende Neuimplementierung als Kernel-Treiber. Da der ursprüngliche alte „nur lesen“-Kernel-Treiber in Linux 6.9 entfernt wurde, erhält der neue Treiber nun den Namen des alten: ntfs. Anders als der alte Treiber bietet der Neue native Schreibunterstützung im Kernel. Eine zentrale technische Änderung ist der Umstieg auf iomap. Eng damit verbunden ist der Verzicht auf buffer_head-basierte Pfade. Stattdessen nutzt der Treiber Folios, also die modernere Speicherverwaltungsabstraktion des Kernels.

Für Schreibzugriffe implementiert der neue Treiber „Delayed Allocation“. Zum Treiber gehört außerdem eine begleitende Userspace-Programmsammlung. Die Aufnahme in den Mainline-Kernel ist mit Linux 7.1 erfolgt. Der produktive Einsatz von ntfs wird von einem vollständigen und funktionsfähigen Journaling abhängen.

Linux 7.1 aktiviert Intels „Flexible Return and Event Delivery“ (FRED) auf unterstützten x86_64-Systemen standardmäßig. FRED modernisiert einen der empfindlichsten Bereiche der x86-Architektur, nämlich den Übergang zwischen Benutzer- und Kernelmodus sowie die Behandlung von Interrupts, Exceptions und anderen Ereignissen. Technisch ersetzt FRED klassische Kontrollflussübergänge über die Interrupt Descriptor Table (IDT) und Rückkehrpfade über IRET durch neue, spezialisierte Mechanismen.

Für den Linux-Kernel bedeutet FRED allerdings nicht nur das Setzen eines CPU-Flags. FRED verspricht niedrigere Latenzen bei Systemaufrufen, Interrupts und Exceptions und reduziert zugleich alte x86-Sonderfälle im Entry-Code.

Bei Linux 7.1 kamen AI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz, um Bugs zu finden, Patches vorzubereiten, Code-Reviews zu unterstützen und sicherheitsnahe Probleme in alten oder wenig beachteten Codepfaden aufzuspüren. Gleichzeitig zeigte Linux 7.1 die Schattenseite: Linus Torvalds kritisierte eine Flut von AI-generierten Bugreports, die die Security-Liste nahezu unbeherrschbar gemacht habe.

Die Kernel-Community reagierte pragmatisch mit strengeren Regeln für Transparenz und Verantwortlichkeit. AI-unterstützte Beiträge sollen über Assisted-by: gekennzeichnet werden. Die wichtigste Lehre aus dem AI-Einsatz in Linux 7.1 lautet: AI kann im Kernel-Projekt produktiv sein, wenn sie menschliche Analyse ergänzt.

Knapp die Hälfte der Code-Änderungen und -Neuerungen in Linux 7.1 entfallen auf die Pflege von Treibern. Gleichzeitig beginnt der Kernel, sehr alte x86-Altlasten loszuwerden. IPv6 verliert den Status als nachladbares Modul; es ist nun entweder fest im Kernel enthalten oder vollständig deaktiviert.

BPF bleibt ein Schwerpunkt. io_uring kann nun BPF verwenden, um die zentrale Dispatch-Schleife zu ersetzen. In der Speicherverwaltung wurde der alte Swap-Map-Code entfernt.

Linux 7.1 bringt kein neues, revolutionäres „Killer-Feature“. Viele kleine Verbesserungen und ein Zuwachs an Treibern lassen mehr auf ein Wartungsrelease schließen. Der neue Kernel steht wie üblich unter kernel.org zum Download bereit.


(dmk)



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Entwicklung & Code

Software Testing: Warum deutsche Konzerne handlungsunfähig werden


Warum scheitern gute Ideen in deutschen Unternehmen so oft – nicht an der Technik, sondern am System? In diesem Interview sprechen Richard Seidl und Gunter Dueck über den Innovationsstau in deutschen Unternehmen und darüber, warum gute Ideen so oft im System hängen bleiben. Sie diskutieren, wie übermäßige Prozesskontrolle, fehlende Budgetvollmachten und politische Zurückhaltung gegenüber neuen Technologien Entscheidungen ausbremsen. Und sie zeigen konkrete Auswege auf: eine gezielte Industriepolitik, die ganze Branchen statt einzelner Projekte fördert, und kleine Teams aus exzellenten Fachkräften, die echte Handlungsfreiheit bekommen.

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Richard Seidl

Richard Seidl

Richard Seidl ist Berater, Speaker und Podcast-Host. Für ihn ist klar: Wer heute exzellente Software kreieren möchte, denkt den Entwicklungsprozess ganzheitlich: Menschen, Kontext, Methoden und Tools. Er hat seine Erfahrungen in acht Fachbüchern veröffentlicht, betreibt erfolgreich zwei Community-Podcasts und ist Beirat der heise-Konferenz betterCode() Testing.

„Es gibt keinen isolierten Business Case, der sich rechnet.“ – Gunter Dueck

Gunter Dueck (Jahrgang 1951) lebt als freier Schriftsteller, Philosoph, Business Angel und Speaker in Waldhilsbach bei Heidelberg. Nach einer Karriere als Mathematikprofessor arbeitete er fast 25 Jahre bei IBM Deutschland, zuletzt bei seinem Wechsel in den Unruhestand als Chief Technology Officer. Dueck ist korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Fellow des amerikanischen Ingenieursverbandes IEEE und Fellow der Gesellschaft für Informatik. Er ist Autor vieler Spiegel-Bestseller, zuletzt „Das Neue und seine Feinde“, „Schwarmdumm“, „Heute schon einen Prozess optimiert?“ und „Keine Sinnfragen, bitte!“

Dieses Format fokussiert sich auf Softwarequalität: Ob Testautomatisierung, Qualität in agilen Projekten, Testdaten oder Testteams – Richard Seidl und seine Gäste betrachten die Dinge, die die Qualität in der Softwareentwicklung steigern.

Die aktuelle Episode ist auch auf Richard Seidls Blog verfügbar.

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Entwicklung & Code

software-architektur.tv: Lernen & LLMs – Was und wie wollen wir lernen?


LLMs verändern, wie wir arbeiten. Aber verändern sie auch, wie wir lernen – und was es überhaupt bedeutet, etwas zu wissen?

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Die Frage „Was sollen wir lernen, um bessere Software-Architekt:innen zu werden?“ stellt sich heute neu. Wie verändert sich die Rolle von Trainer:innen, Curricula und Zertifizierungen? Und was passiert mit unserem Verständnis von Expertise, wenn ein guter Prompt vermeintlich vieles ersetzt?

In dieser Fishbowl-Diskussion treffen LLM-Begeisterte auf LLM-Skeptiker, angehende Architekt:innen auf erfahrene Trainer:innen und iSAQB-Mitglieder – und alle bringen ihre eigene Perspektive mit. Keine Keynote, keine Slides. Nur offene Fragen, echte Meinungen und eine Diskussion, die auch unbequeme Antworten zulässt.

Fragen ohne einfache Antworten:

  • Was unterscheidet Wissen von Können – und was davon bleibt relevant?
  • Wie verändern sich Lernen, Mentoring und Wissensweitergabe im LLM-Zeitalter?
  • Was bedeuten die iSAQB-Zertifizierungen noch, wenn LLMs Wissensfragen beantworten?
  • Brauchen wir neue Lernkulturen – in Teams, Organisationen und Communities?

Das Publikum ist nicht nur Zuschauer. Vor Ort ist die Grenze zwischen Publikum und Panel fließend – wer etwas beitragen möchte, tut es einfach.

Mit Carola Lilienthal, Lars Hupel, Dr. Guido Gryczan und Dr. Gernot Starke, Moderation Eberhard Wolff. Live vom iSAQB Software Architecture Forum 2026. Wer vor Ort dabei sein will: Mit dem Code SATV15SAF gibt es 15 % Rabatt.

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Die Ausstrahlung findet am Dienstag, 16. Juni 2026, live ab 17:30 Uhr statt. Die Folge steht im Anschluss als Aufzeichnung bereit. Während des Livestreams können Interessierte Fragen via Twitch-Chat, YouTube-Chat oder anonym über das Formular auf der Videocast-Seite einbringen.

software-architektur.tv ist ein Videocast von Eberhard Wolff, iX-Blogger und bekannter Softwarearchitekt, der als Head of Architecture bei SWAGLab arbeitet. Zum Team gehören außerdem Lisa Maria Schäfer (Socreatory) und Ralf D. Müller (DB Systel). Seit Juni 2020 sind über 250 Folgen entstanden, die unterschiedliche Bereiche der Softwarearchitektur beleuchten – mal mit Gästen, mal Wolff, Schäfer oder Müller solo. Seit mittlerweile mehr als zwei Jahren berichtet iX (heise Developer) über die Episoden.


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Entwicklung & Code

Open Knowledge Format: KI-Wissen als Markdown-Dateien


Google Cloud hat mit dem Open Knowledge Format (OKF) eine offene Spezifikation vorgestellt, die Kontextwissen für KI-Systeme und Agenten plattformübergreifend nutzbar machen soll. Das Format richtet sich an Unternehmen, die Metadaten, Dokumentationen, Runbooks oder fachliche Definitionen zentral für den KI-Einsatz bereitstellen wollen. Google hat die Unterstützung für OKF bereits in den eigenen Knowledge Catalog integriert.

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Mit dem Format greift Google einen Ansatz auf, der sich unter Entwicklern von KI-Agenten in den vergangenen Monaten verbreitet hat. Statt Agenten immer wieder dieselben Informationen aus Wikis, Datenkatalogen oder Dokumentationen heraussuchen zu lassen, legen Teams ihr Wissen strukturiert als Sammlung von Markdown-Dateien ab. KI-Forscher Andrej Karpathy hat dieses Muster als „LLM Wiki“ beschrieben. Verwandte Konzepte stecken in Obsidian-Vaults, in Konfigurationsdateien für Agenten wie AGENTS.md oder CLAUDE.md sowie in sogenannten „Metadata as Code“-Repositories.

Diese Ansätze nutzen zwar ähnliche Bausteine – Markdown-Dateien, Metadatenfelder und Querverweise –, bleiben aber meist auf einzelne Teams, Werkzeuge oder Anbieter beschränkt. Wissen lässt sich so kaum zwischen verschiedenen KI-Systemen wiederverwenden. Genau hier setzt Google an: OKF soll die nötigen Konventionen festlegen, mit denen unterschiedliche Werkzeuge dieselben Wissensbestände lesen und schreiben können – ohne Übersetzungsschicht und ohne herstellereigenes SDK.

Ein OKF-Bundle besteht aus einem Verzeichnis von Markdown-Dateien. Jede Datei beschreibt genau ein Konzept, etwa eine Datenbanktabelle, einen Datensatz, eine API, eine Geschäftsmetrik, ein Runbook oder ein Playbook. Das YAML-Frontmatter enthält strukturierte Felder wie type, title, description, resource, tags und timestamp.

Die einzelnen Dateien verknüpfen sich über gewöhnliche Markdown-Links. So entsteht ein Wissensgraph, der die Beziehungen zwischen den Konzepten abbildet. Die Dokumentation einer Bestelltabelle kann etwa auf Kunden- und Produktdaten sowie auf die Definition einer Umsatzkennzahl verweisen. Ein KI-Agent bekommt damit nicht nur einzelne Dokumente, sondern auch deren fachliche Zusammenhänge.

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Google beschreibt in der Ankündigung OKF ausdrücklich als Format und nicht als Plattform. Die Spezifikation soll unabhängig von Cloud-Anbietern, Datenbanken, KI-Modellen oder Agenten-Frameworks funktionieren. Den Standard halten die Entwickler bewusst schlank: Verpflichtend ist allein ein Typfeld, alle weiteren Strukturen und Metadaten dürfen die Anwender selbst festlegen. OKF schreibt damit nur die Interoperabilität vor, nicht aber ein einheitliches Inhaltsmodell.

Zusammen mit der Spezifikation liefert Google mehrere Referenzimplementierungen aus. Dazu zählt ein Enrichment-Agent für BigQuery, der Tabellen und Views analysiert und daraus automatisch OKF-Dokumente erzeugt. In einem zweiten Durchlauf reichert ein Sprachmodell die Dokumente um Schemainformationen, Dokumentation, Quellenangaben und Join-Beziehungen an. Hinzu kommt ein statischer HTML-Viewer, der einen OKF-Bestand als interaktiven Wissensgraphen darstellt, ganz ohne Backend.

Zum Ausprobieren stellt Google Beispielbestände für Datensätze aus GA4 E-Commerce, Stack Overflow und öffentlichen Bitcoin-Datensätzen bereit. Spezifikation, Beispielcode und Referenzimplementierungen liegen auf GitHub.

Die Spezifikation liegt bislang in Version 0.1 vor. Google bezeichnet sie als Ausgangspunkt und will sie gemeinsam mit der Community rückwärtskompatibel weiterentwickeln. Produzenten und Konsumenten des Formats – etwa Datenkataloge, Suchsysteme oder KI-Agenten – sollen dabei unabhängig voneinander entstehen.


(fo)



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