Digital Business & Startups
Mehr als Kapital: Wie Startups Investor:innen finden, nutzen und Krisen vermeiden
Wenn Gründer:innen zögern, ihren Investor mit schlechten Nachrichten anzurufen, ist die Beziehung meistens schon weit vorher gescheitert. Nicht in dem Moment, in dem etwas schiefläuft, sondern in den Monaten davor. Wenn Erwartungen nie sauber geklärt wurden. Wenn Kommunikation zum Ritual ohne Nutzen wurde. Und wenn sich Zusammenarbeit mehr nach Kontrolle als nach Unterstützung anfühlt.
Unabhängig davon, wie der Markt gerade tickt: eine Runde ist selten ein Selbstläufer und ein Punkt wird besonders oft unterschätzt: Startups brauchen nicht nur Kapital. Sie brauchen Kapital, das zur Firma passt – und Investor:innen, mit denen man die Reise auch in schwierigen Phasen wirklich durchstehen kann. Durchhaltevermögen ist keine Charakterfrage. Es ist häufig eine Frage von Setup, Beziehung und Arbeitsmodus.
Ich habe in den letzten Jahren viele Founder (und zuvor auf Startup-Seite auch Investor:innen) erlebt, die Investor:innen wie ein notwendiges Übel behandeln: Man liefert ein Update, beantwortet Fragen, hofft auf Ruhe und meldet sich erst wieder, wenn es nicht anders geht. So ein Modus kann phasenweise funktionieren – zum Beispiel in sehr intensiven Produkt- oder Hiring-Phasen. Problematisch wird es, wenn daraus ein Dauerzustand wird. Denn Herausforderungen tauchen in jedem Startup auf. Der Unterschied ist, ob sie früh genug besprochen werden, um noch mehrere Handlungsoptionen zu haben
Investor-Fit ist kein „Nice-to-have“, sondern Risikomanagement
Ein guter Fit heißt nicht, dass immer Harmonie herrscht. Es heißt: Teams können offen sprechen, ohne dass Gespräche schwerer werden als die Situation selbst. Schlechte Nachrichten lassen sich teilen, ohne Angst vor Schuldzuweisungen – und gute Nachrichten werden gemeinsam gefeiert. Und wenn Energie oder Zuversicht im Team gerade knapp werden, gibt es auf Investor:innenseite Menschen, die nicht nur Fragen stellen, sondern auch Rückenwind geben: mit Pragmatismus, Optimismus und dem richtigen Push zur richtigen Zeit.
Damit das kein Zufall ist, lohnt sich eine Frage schon vor der Runde: Wer sitzt auf dem Cap Table – Angel, VC, strategische Investor:innen, CVC? Welche Skills bringt wer mit? Viele Teams haben eine bunte Runde an Namen, nutzen diese Vielfalt aber nicht aktiv. Dabei liegt genau hier ein Hebel: Cap Table als Skill-Matrix denken und die unterschiedlichen Stärken gezielt einsetzen.
Investor:innen haben unterschiedliche Stärken – und Startups müssen sie aktiv nutzen
Viele Teams sprechen über „ihre Investor:innen“, als wären alle gleich. In der Praxis ist der Cap Table aber eine Skill-Matrix: Angels helfen oft sehr hands-on, VCs bringen Fundraising- und Pattern-Expertise, strategische Investor:innen oder CVCs können – wenn gut aufgesetzt – Zugang zu Domänenwissen, Netzwerken und operativer Erfahrung bieten.
Der Punkt ist: Dieser Mehrwert passiert nicht automatisch. Founder müssen ihn aktiv anfordern – mit klaren Fragen, konkreten Bitten („Wer kennt jemanden für X?“) und der Bereitschaft, auch unbequeme Themen früh zu teilen. Sonst bleibt Zusammenarbeit schnell bei Reporting und Folien stehen.
Wie gute Zusammenarbeit praktisch aussehen kann
In guten Beziehungen ist Reporting kein Selbstzweck. Es ist ein Werkzeug.
Ein schlankes monatliches Update – „as lean as possible, as informative as necessary“ – kann operativ sogar entlasten: Es zwingt zu Klarheit über KPIs, Cash, Prioritäten und Risiken. Früh gutes Reporting macht spätere Entscheidungen einfacher, und es hilft im nächsten Fundraising, weil die Story sauberer ist.
Wichtig ist der Ton: Ein Update ist nicht „für Investor:innen“. Es ist für das Unternehmen. Der Investor-Call (oft reichen 30 Minuten) sollte dann nicht zur Folienlesung werden, sondern zur Frage: Wo brauchen wir Sparring? Welche Entscheidung wird diese Woche leichter, wenn wir sie gemeinsam durchdenken?
Quartalsformate (Board/Strategy) sind wiederum keine „größeren Reporting-Calls“. Sie sind für Deep Dives: eine strategische Diskussion, die das Team wirklich weiterbringt – plus die formalen Beschlüsse, die eben dazugehören.
Und dann gibt es den wichtigsten Teil: ad hoc. Kleine positive Updates zwischendurch. Ein kurzer Erfolg, der geteilt wird. Und vor allem: Probleme früh flaggen. Nicht, wenn es brennt, sondern wenn es anfängt, warm zu werden.
Denn genau daran entscheidet sich, ob der „Bad News Call“ später schwer wird oder selbstverständlich: Wenn ich Investor:innen nur dann höre, wenn ich liefern muss, graut es mir irgendwann vor dem Gespräch. Wenn ich Investor:innen als Partner erlebe, rufe ich an, sobald ich merke, dass ich Hilfe brauche oder einen Erfolg teilen möchte.
Am Ende ist es tatsächlich wie in jeder Beziehung: Vertrauen entsteht nicht in der Krise. Es entsteht in den Wochen davor – durch Klarheit, Verlässlichkeit und das Gefühl, dass man gemeinsam am selben Ziel arbeitet.
Über den Autor
Jasper Roll ist Geschäftsführer von Haufe Group Ventures, einem Unternehmen der Haufe Group. Er verantwortet Investments in frühphasige B2B-Startups sowie den Aufbau neuer Geschäftsmodelle im Corporate-Service-Umfeld. Zuvor war er unter anderem bei audibene, Dreamlines sowie bei Rocket Internet tätig. Roll verfügt über langjährige Erfahrung in der Skalierung junger Unternehmen und der digitalen Transformation.
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Foto (oben): KI
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+++ Gründerzeit +++ Galvany +++ neoteq ventures +++ Empovver +++ Mats Hummels +++
#StartupTicker
+++ #StartupTicker +++ Startup-Elite fordert neue Gründerzeit +++ StartupsToWatch: Galvany +++ neoteq ventures: Jan Jeske wird Partner +++ Commerce-Startup Empovver gibt auf +++ So investiert Fußball-Weltmeister Mats Hummels in Startups +++

Was gibt’s Neues? In unserem #StartupTicker liefern wir eine kompakte Übersicht über die wichtigsten Startup-Nachrichten des Tages (Donnerstag, 18. Juni).
#STARTUPLAND: Super Early Bird-Tickets sind live!

If you live and breathe startups – STARTUPLAND is your event
+++ Die günstigste Ticketphase läuft! Wer bei unserer vierten STARTUPLAND Conference 2027 (10. März in Köln, RheinEnergieStadion) dabei sein möchte, sollte jetzt zugreifen. Die Super-Early-Bird-Tickets gibt es nur für kurze Zeit.
#STARTUPTICKER
Gründerzeit
+++ Gründer-Allianz macht Druck! Der Startup-Verband hat mehr als 100 Persönlichkeiten aus der deutschen Startup- und Scaleup-Szene hinter dem Appell „Für eine neue Gründerzeit, jetzt“ versammelt. Vor der nächsten Sitzung des Koalitionsausschusses (1. Juli) fordern die Unterzeichner eine „wirtschaftspolitische Wende“. Zu den Erstunterzeichnern zählen neben Verena Pausder (Startup-Verband) unter anderem Hanno Renner (Personio), Johannes Reck (GetYourGuide), David Reger (Neura Robotics), André Schwämmlein (Flix), Bastian Nominacher (Celonis), Christian Miele (Headline) und Florian Heinemann (Project A). Die Initiative fordert unter anderem mehr Wachstumskapital, weniger Bürokratie, bessere Bedingungen für Mitarbeiterkapitalbeteiligungen sowie mehr Investitionen in DeepTech und KI. Die jüngste US-Sperre für bestimmte KI-Technologien außerhalb der USA verleiht dem Appell zusätzliche Brisanz. Die Botschaft ist klar: Deutschland muss wieder ein Land werden, in dem die nächsten globalen Tech-Champions entstehen können. (PDF) Mehr über den Startup-Verband
Galvany
+++ StartupsToWatch! Das Berliner ClimateTech Galvany zeigt derzeit eindrucksvoll, dass sich Wachstum und Profitabilität nicht ausschließen müssen. Das Unternehmen, 2022 von Raik Belka gegründet, steigerte seinen Umsatz 2025 von 2,8 auf 20,1 Millionen Euro und erwirtschaftete dabei nach eigenen Angaben sogar ein positives EBIT. Für das laufende Jahr peilt das Team mit seinen rund 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bereits 60 Millionen Euro Umsatz an. Im Mittelpunkt des Geschäftsmodells stehen Installation, Betrieb und Optimierung von Wärmepumpen. Der niederländische EnergyTech-Investor SET Ventures und der Berliner ClimateTech-Geldgeber AENU investierten kürzlich 10 Millionen Euro in das Unternehmen. „Profitabilität in der Seed-Phase ist im ClimateTech-Markt eine Seltenheit“, sagt Philip Specht von AENU. Galvany ist damit eine erfrischende Ausnahme in einem ClimateTech-Markt, der zuletzt eher durch Pleiten, Fusionen und Übernahmen Schlagzeilen machte. Mehr über Galvany
neoteq ventures
+++ Aufstieg! Der Kölner Frühphasen-Investor neoteq ventures befördert Jan Jeske zum Partner. Der Investor war bislang als Principal für den Geldgeber tätig und steigt damit in die Führungsebene des Venture-Capital-Unternehmens auf. „Seit seinem Start bei uns hat Jan nicht nur ein super Gespür für bahnbrechende Technologien und visionäre Gründer-Teams bewiesen, sondern auch die Kultur unseres Fonds maßgeblich geprägt“, teilt der Geldgeber bei Linkedin mit. neoteq ventures, 2020 gestartet, legt zuletzt seinen zweiten Fonds (Zielgröße: 50 Millionen) auf. (Linkedin) Mehr über neoteq ventures
Empovver
+++ Aus für Empovver! Das Wiener E-Commerce-Startup Empovver stellt seinen Online-Marktplatz Ende Juni ein. Das Team rund um Sofia Surma, Marlene Frauscher und Clemens Otto zieht damit nach fast vier Jahren einen Schlussstrich. Trotz des besten ersten Quartals der Unternehmensgeschichte erwies sich das wertebasierte Marketplace-Modell langfristig als schwer skalierbar. Nach eigenen Angaben spielte Empovver in den vergangenen Jahren einen sechsstelligen Betrag an frauengeführte Unternehmen zurück. (Brutkasten) Mehr über Empovver
Mats Hummels
+++ Weltmeister setzt auf Padel-Hype! Mats Hummels beteiligt sich am Münchner Sport-Startup PadelCity und setzt damit auf eine Trendsportart, die derzeit immer mehr Gründerinnen, Gründer und Investoren anzieht. Das Unternehmen, das moderne Padel-Anlagen betreibt, sammelte bislang rund 15 Millionen Euro ein. Doch der frühere Nationalspieler investiert nicht nur in den boomenden Padel-Markt. Auch beim Ernährungs-Startup By Nahni, beim Weinunternehmen Herbstmeister Wein sowie bei PlayersTech, einer Plattform für Startup-Investitionen im Sportbereich, ist Hummels an Bord. Mehr über Startup-Investments von Fußball-Weltmeistern
Journalist:innen
+++ Auch in diesem Jahr stellt PIABO Communications in Zusammenarbeit mit deutsche-startups.de wieder Journalistinnen und Journalisten vor, die sich intensiv mit der Startup-, Tech- und Digitalszene beschäftigen. Die folgenden Journalist:innen sollten Startups auf dem Radar haben. Mehr in unserer Übersicht
Startup-Radar
+++ Es ist wieder Zeit für neue Startups! Hier einige ganz frische Firmen, die jeder kennen sollte. Heute stellen wir diese Jungunternehmen vor: baugenic, Qurie, Qorelo, IB-7, offgen. Mehr im Startup-Radar
#DEALMONITOR
Investments & Exits
+++ #DealMonitor +++ DeepL übernimmt Mixhalo +++ PropTech reltix erhält 3 Millionen +++ Neo-Carrier NexDash bekommt weitere 2,5 Millionen +++ toern sammelt 1 Million ein – unter anderem von Venture League. Mehr im Deal-Monitor
#JOBS
Häfft-Verlag
+++ Unser Job des Tages! Der Häfft-Verlag sucht einen Junior E-Commerce Manager (m/w/d) Schwerpunkt Amazon. Wir leben Papier! Unser kultiges Hausaufgaben-Häfft musste man einfach haben. Seit unseren Anfängen Mitte der 90er Jahre ist viel Zeit vergangen und wir haben uns zu einem designstarken und detailverliebten Verlag mit Sitz in München & Berlin weiterentwickelt
Was ist zuletzt sonst passiert? Das steht immer im #StartupTicker
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260 Millionen für Sebastian Kurz: Sein Cyber-Startup ist jetzt 3 Milliarden wert
Mit 31 war er der jüngste Bundeskanzler Europas, heute führt Sebastian Kurz eines der wertvollsten Cybersecurity-Startups der Welt.
Einst residierte Sebastian Kurz am Wiener Ballhausplatz im Kanzleramt, das einem barocken Stadtpalais ähnelt. Heute empfängt Kurz in einem modernen Glaspalast, der sich elegant in die Skyline von Tel Aviv einfügt. Die Wirkungsstätten und Arbeitswelten könnten unterschiedlicher nicht sein. Gleich geblieben ist das unfassbare Tempo.
Mit 27 Jahren wurde Kurz Außenminister, mit 31 Jahren österreichischer Bundeskanzler – der jüngste aller Zeiten. Heute, mit 39 Jahren, steigt er zu den bedeutendsten Startup-Gründern Europas und Israels auf. Sein Unternehmen Dream hat eine Finanzierungsrunde über 260 Millionen US-Dollar bekannt gegeben. Damit steigt die Unternehmensbewertung nach eigenen Angaben auf drei Milliarden US-Dollar.
Für das Unternehmen, das erst vor dreieinhalb Jahren gegründet wurde, markiert die neue Finanzierungsrunde einen wichtigen Meilenstein. Die Series-C-Runde wird von den Investmentfonds Bicycle Capital und Group 11 angeführt, gemeinsam mit Beteiligung von Bain Capital, Tru Arrow Partners mit Investor James Rothschild, Antler aus Norwegen und weiteren globalen Investoren.
Angesichts der klangvollen Namen der Investoren und der drei Milliarden hohen Bewertung würden manch andere Gründer über die Flure ihres Unternehmens schweben. Doch Sebastian Kurz und seinem israelischen Mitgründer Shalev Hulio ist keinerlei Triumphgebaren anzusehen. Konzentriert und schnellen Schrittes bewegen sie sich durch die stilvoll-modernen Büroräume in Tel Aviv. Fast demütig ist ihr Ton, als sie im Büro von Hulio Platz nehmen.
„Als wir vor dreieinhalb Jahren dieses Unternehmen aus dem Nichts aufgebaut haben, konnten wir überhaupt nicht wissen, ob es funktionieren würde. Jetzt sind wir sehr glücklich, dass wir weitermachen können”, sagt der Unternehmer Kurz, um dann doch einen kurzen Moment lang wieder wie ein Politiker zu klingen: „Aber wichtiger als unser persönlicher Erfolg sind uns die Werte, die wir für ganze Nationen schaffen können.“ Seine Überzeugung: „Der nächste Cyberkrieg wird von KI gegen KI geführt werden.“
Die größten Cyberbedrohungen kommen aus China, Russland, Iran und Nordkorea
Um Staaten, Militär, Sicherheitsbehörden, Gesundheitsdaten und kritische Infrastruktur vor Cyberangriffen zu schützen, entwickelten Kurz und Hulio die Idee, zwei bislang getrennte Welten zusammenzuführen: die Expertise der besten Hacker und die Leistungsfähigkeit Künstlicher Intelligenz. Auf dieser Grundlage entwickelte das Unternehmen ein speziell für Cybersicherheit ausgelegtes KI-Modell, das von international führenden Experten trainiert wurde. Daraus entstand eine Plattform, die staatlich gesteuerte Cyberangriffe frühzeitig erkennt und abwehrt – noch bevor sie kritische Infrastruktur oder staatliche Einrichtungen beschädigen können.
„Die meisten Angriffe, die wir verhindern konnten, kamen aus China, Russland, Iran und Nordkorea“, erklärt Hulio, der innerhalb des Unternehmens die Technologie verantwortet. Er bringt einen großen Erfahrungsschatz als Mitgründer und späterer Leiter der NSO Group mit, einem israelischen Tech-Unternehmen, das für seine Spyware Pegasus bekannt wurde. „Russland nutzt groß angelegte Phishing-Kampagnen. China baut KI-gestützte Angriffsstrukturen auf.“
Das Alleinstellungsmerkmal von Dream sei, dass es Staaten bei der Cyberabwehr unabhängig machen können. „Länder sollen nicht von den USA oder China abhängig sein. Wir entwickeln Lösungen, die Regierungen selbst besitzen, selbst betreiben und selbst kontrollieren können. Die Daten müssen nicht in eine Cloud hochgeladen werden und werden mit niemandem geteilt.“ Der Kundenkreis wachse rasant – in Europa, im Nahen Osten und in Südostasien. Der Umsatz belaufe sich bisher auf rund 300 Millionen US-Dollar. Seit diesem Jahr sei das Unternehmen mit seinen 350 Mitarbeitern profitabel, so Kurz.
Ob die Gründer von Dream angesichts des rasanten Wachstums schon von einem Börsengang träumen, wie ihn Elon Musk gerade mit SpaceX hingelegt hat? „Ein Börsengang ist eine Option, eine sehr realistische Option für ein wachsendes Unternehmen wir unseres“, sagt Kurz. Der nächste große operative Schritt sei aber zunächst die Expansion des Standortes in Abu Dabi. Auch die Entscheidung für ein Forschungs- und Entwicklungszentrum in Deutschland sei gefallen. Nur auf den Ort habe man sich noch nicht festgelegt, sagt Hulio. „Wichtig ist für uns eine direkte Flugverbindung nach Tel Aviv“.
Warum Kurz und Hulio so gut zusammenpassen
Die Kombination der israelischen und der westeuropäischen Mentalitäten und Fähigkeiten scheint eines der Erfolgsgeheimnisse von Dream zu sein. Allein modisch unterscheiden sich der Kanzler und der israelische Tech-Guru. Kurz ist glattrasiert und trägt ein weißes Hemd. Hulio trägt ein schwarzes T-Shirt, Bart und fällt durch ein lebensfrohes Lächeln auf. Am Anfang hätten sich die kulturellen Unterschiede zwischen den Gründen manchmal bemerkbar gemacht, erzählt Hulio. „Sebastian kann 20 Meetings in eine Stunde quetschen. Er ist sehr diszipliniert. Das muss ihm erstmal einer nachmachen. Und wer zu einem Meeting eine Minute zu spät kommt, gilt in Sebastians Augen schon als unpünktlich. Daran musste ich mich als Israeli erstmal gewöhnen“, sagt Hulio und lacht.
Er habe während seiner Laufbahn schon mit einigen guten Leuten zusammengearbeitet. Sebastian Kurz sei allerdings der beste Partner, den er je gehabt habe. „Was er innerhalb kürzester Zeit in der Politik erreicht hat, gelingt ihm nun in der Tech Welt. Sebastian ist ein brillanter Geist. Hätte er sich schon als junger Mensch für das Unternehmertum entschieden, stünde er heute schon in einer Reihe mit Elon Musk“, sagt Hulio sehr ernsthaft.
Der Altkanzler ist wiederum voll des Lobes für seinen Mitgründer, der schon vor Dream als Star der israelischen Tech-Branche galt. „Für mich ist Halev ein Genie. Wenn ihm jemand sagt, es gebe keine Lösung für ein technisches Problem, stachelt ihn das an und er pusht das Team bis ans Limit. Während seiner Laufbahn hat er immer wieder technologische Durchbrüche erreicht, die nicht für möglich gehalten wurden.“ Ein wenig gilt dieser Satz wohl auch für ihn selbst. Während andere Spitzenpolitiker oft vergeblich eine Rolle in der Wirtschaft suchen oder wie Altkanzler Gerhard Schröder ihr Geld als Gas-Lobbyisten für Diktatoren machen, ist Kurz der Durchbruch als Unternehmer eindrucksvoll gelungen.
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„Rechtswidrig“: Anwalt kritisiert geleaktes Antler-Dokument
Wer Geld von VCs will, muss liefern. Lange Tage, kurze Nächte, schnelle Entscheidungen, ständiger Druck: In der Startup-Welt gehört das fast schon zum guten Ton. Doch wie sieht es eigentlich auf der anderen Seite des Tisches aus?
Ein internes Dokument aus dem Berliner Büro des Frühphasen-Investors Antler gibt darauf einen seltenen Einblick. Das Papier trägt den Titel „Berlin Office – How We Work“ und beschreibt auf mehreren Seiten, wie das Team zusammenarbeiten möchte. Es geht um Arbeitszeiten, Homeoffice, Krankheit und die Zusammenarbeit mit Gründern. Dort steht geschrieben, dass dieses Dokument als Richtlinie für alle neuen Mitarbeitenden dienen soll.
Was sagt Antler-Partner Klink dazu?
Besonders auffällig: Kernarbeitszeiten von 09:00 bis 19:30 Uhr, Homeoffice nur in Ausnahmefällen und ein internes Ampelsystem für Krankmeldungen. Mehrere Mitarbeitende bestätigten Gründerszene die Echtheit und Aktualität des Dokuments.
Antler weist allerdings die Darstellung zurück, es handle sich um offizielle oder verbindliche Vorgaben. Das Papier sei aus Notizen eines Meetings dreier Teammitglieder entstanden, frei editierbar gewesen und habe lediglich festgehalten, wie das Team zusammenarbeiten wolle. Es habe sich um ein „lebendes Dokument“ gehandelt, das inzwischen in dieser Form nicht mehr existiere.
Trotzdem zeigt das Papier detailliert, welche Erwartungen zumindest Teile des Teams an ihren Arbeitsalltag formuliert hatten.
Kernarbeitszeit: 09:00 bis 19:30 Uhr
Der erste Punkt im Dokument betrifft die Arbeitszeiten. „Core hours in the office: 09:00 – 19:30.“ Dazu heißt es: „In dieser Zeit versuchen wir, uns zeitlich zu überschneiden. Die Arbeit geht oft über diese Zeiten hinaus.“
Für Pascal Croset ist eine solche Formulierung problematisch. Der Fachanwalt für Arbeitsrecht berät seit mehr als 20 Jahren Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Führungskräfte. „Mit dieser Arbeitszeit ist das Arbeitszeitgesetz massiv überschritten. Selbst wenn Arbeitnehmer zugestimmt haben, wäre das rechtswidrig“, sagt Croset zu Gründerszene. Arbeitszeiten von 09:00 bis 19:30 Uhr seien selbst bei ausdrücklicher Zustimmung der Beschäftigten rechtlich problematisch.
Antler sieht das anders. „Die genannten Zeitfenster beschreiben, wann das Team nach Möglichkeit gemeinsam im Büro sein will. Dies versteht sich brutto, also abzüglich Pausen, beschriebener persönlicher Termine etc.“, sagt Antler-Partner Christoph Klink auf Anfrage von Gründerszene.
Teilweise finde Arbeit – meist remote – auch zu anderen Tageszeiten statt. Nach seiner Kenntnis lägen die Arbeitszeiten „stets im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben“. Die Einschätzung des Arbeitsrechtlers teile man daher nicht.
Möglichst nah an den Gründern
Warum legt Antler überhaupt so viel Wert auf Präsenz? Eine Antwort liefert das Residency-Programm des Investors. Dabei können Gründer ohne bestehendes Team oder sogar ohne konkrete Geschäftsidee bei Antler starten. Innerhalb weniger Wochen sollen sie Mitgründer finden, ihre Idee validieren und einen ersten Prototypen entwickeln.
Am Ende entscheidet ein Investment-Komitee darüber, ob Antler investiert. Während dieser Phase sollen die Antler-Mitarbeiter laut Dokument möglichst viel Zeit mit den Gründern teilen. „Teammitglieder sollen bis zu 50 Prozent ihrer Zeit bei den Gründern verbringen“, heißt es dort. Das Ziel: Nähe schaffen, schneller helfen und ein sichtbares Signal an die Gründer senden.
Auch darüber hinaus wird deutlich, wie stark das Dokument auf persönliche Zusammenarbeit ausgerichtet ist. Wenn gerade kein Residency-Programm läuft, soll die Arbeit möglichst im gemeinsamen Teamraum stattfinden. Besprechungen sollen nach Möglichkeit in anderen Räumen abgehalten werden, um konzentriertes Arbeiten zu ermöglichen. Die Tür zum Teamraum soll grundsätzlich offen bleiben.
Es sind Details, die auf den ersten Blick banal wirken. Zusammen ergeben sie jedoch ein recht klares Bild: Präsenz gilt bei Antler nicht als notwendiges Übel, sondern als Teil der Kultur. Wie auch in vielen anderen Unternehmen.
Homeoffice nur in Ausnahmefällen
Besonders deutlich wird diese Haltung beim Thema Homeoffice. „Wir sind grundsätzlich im Büro, um möglichst viel Zeit als Team miteinander und mit den Gründern zu verbringen“, heißt es im Dokument.
Während der Residency-Phase sei Homeoffice grundsätzlich nicht vorgesehen. Ausnahmen gelten nur bei unvermeidbaren Gründen wie Krankheit oder „einem Wasserrohrbruch zuhause“, wie es im Dokument heißt.
Außerhalb dieser Phase sind maximal zwei Homeoffice-Tage pro Monat möglich. Und selbst diese dürfen laut Dokument nur freitags genommen werden. Besonders interessant ist dabei eine weitere Passage: „Private Wochenendausflüge finden vor oder nach der Arbeitszeit statt oder erfordern Freizeit.“
Wer freitags remote arbeitet, soll den Tag also nicht für die Anreise ins Wochenende nutzen. Eine Ausnahme gilt lediglich während der sogenannten „Quiet Season“ zwischen Mitte Juli und Mitte August. In dieser Zeit ist laut Dokument auch längeres Remote-Arbeiten möglich, teilweise sogar von einem anderen Ort aus.
Dazu komme: Kamera immer an bei Calls, außer bei 1:1-Gesprächen, Reisen oder Krankheit. Homeoffice-Tage müssten zudem im Voraus im Kalender eingetragen und im Team kommuniziert werden.
Antler verteidigt die starke Präsenzkultur. „Wir arbeiten gerne und bewusst persönlich vor Ort mit Gründerinnen und Gründern zusammen. Wir laden sie in unser Büro ein, um dort eng und intensiv zusammenzuarbeiten“, sagt Klink. Genau das werde von den Gründern geschätzt und regelmäßig positiv hervorgehoben. „Wir sind ein kleines Team von einer Handvoll Personen. Gemeinsame Zeit vor Ort macht einen enormen Unterschied und motiviert uns als Investoren sowie Gründerinnen und Gründer.“
Persönliche Verpflichtungen? Ja, aber nur bestimmte
Das Dokument sieht allerdings auch Ausnahmen vor. „Es gibt Spielraum, um persönlichen Einschränkungen Rechnung zu tragen, die wichtig sind und sich nur schwer umgehen lassen“, heißt es dort.
Als Beispiel nennt das Papier einen festen Sportkurs, der nur zu einer bestimmten Zeit stattfindet und deshalb zu einer späteren Ankunft im Büro führen kann. Anders sehe es bei Aktivitäten aus, die flexibel planbar seien. Ein allgemeiner Besuch im Fitnessstudio solle außerhalb der Kernarbeitszeiten stattfinden. Auch hier zeigt sich die Grundidee des Dokuments: Persönliche Termine sind möglich, solange sie nicht dauerhaft mit den gemeinsamen Bürozeiten kollidieren.
Das Ampelsystem für Krankheit
Besonders ungewöhnlich ist ein weiteres Kapitel des Dokuments: Unter der Überschrift Krankheit beschreibt Antler ein Ampelsystem.
Wer lediglich leichte Symptome wie etwas Schnupfen oder einen trockenen Hals habe, solle weiterhin ins Büro kommen und dabei auf Hygiene und Abstand achten. Wer stärker hustet oder sich erschöpft fühlt, solle von zuhause arbeiten und die eigene Situation täglich neu bewerten. Erst bei Fieber oder grippeähnlichen Symptomen lautet die Empfehlung eindeutig: zuhause bleiben.
Für Arbeitsrechtler Croset ist auch das problematisch. „Das ganze System mit krank, halb krank und nicht wirklich krank ist natürlich rechtswidrig und vom Gesetzgeber schon klar geregelt. Wenn Arbeitnehmer krank sind, dann sind sie krank“, sagt er. Ob jemand arbeitsfähig sei oder nicht, könne letztlich nicht durch ein internes Ampelsystem entschieden werden.
Antler weist die Kritik zurück. „Die Richtschnur ist entstanden aus der Frage nach der Pandemie – bei welchen leichten Symptomen man sich isolieren muss“, sagt Klink. „Es ist vollkommen klar, dass man nicht krank arbeitet, sich im Zweifel schont, zu Hause bleibt und auf andere Rücksicht nimmt.“
„Total ungewöhnlich“
Was Croset besonders überrascht: dass solche Regeln überhaupt schriftlich festgehalten werden. Das sei „total ungewöhnlich“, sagt der Fachanwalt.
Seiner Einschätzung nach könnte ein solches Dokument sogar arbeitsrechtliche Folgen haben. Sollte es etwa zu Streitigkeiten über Überstunden kommen, könnten Beschäftigte das Papier als Beleg dafür nutzen, dass Mehrarbeit im Unternehmen strukturell erwartet wurde.
Antler weist auch diese Einschätzung zurück und betont, selbstverständlich innerhalb der gesetzlichen Vorgaben zu arbeiten.
Fest steht: Das Dokument liefert einen seltenen Einblick in die Arbeitskultur eines der größten Frühphasen-Investoren Europas. Und es zeigt, wie eng manche VCs die Zusammenarbeit mit Gründern verstehen – selbst wenn daraus gelegentlich Konflikte mit arbeitsrechtlichen Fragen entstehen könnten. Doch manche Tode muss man für den Erfolg wohl sterben.
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