Künstliche Intelligenz
Neue Canon-Videokamera EOS R6 V und Hybridzoom RF 20-50mm F4 vorgestellt
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Der Kamera- und Objektivhersteller Canon hat eine Vollformat-Spiegellose für Videoproducer vorgestellt. Die Canon EOS R6 V (V steht hier für Video) wird zudem vom Zoomobjektiv RF 20‑50mm F4 L IS USM PZ begleitet, das besondere Merkmale für den Videobereich mitbringt.
Die EOS R6 V ist als Hybridkamera zwar in der Lage, Fotos zu erstellen, allerdings hat der Hersteller Technik und Design speziell an Videos angepasst. Sie ist zwischen der EOS R6 Mark III, die beide Anwendungszwecke umfangreich bedient, und der EOS C50 zu verorten, einer handlichen Cinema-Kamera. Diese lässt sich in einem hochprofessionellen Umfeld mit Multikamerasystemen einsetzen, wo etwa mehrere Geräte über Timecodes synchronisiert werden.
Die EOS R6 V richtet sich an einzelne Kreative oder kleine Teams von zwei bis drei Personen, die mit einer einzelnen Kamera arbeiten und ihren kompletten Workflow selbst in der Hand halten möchten. Das können etwa Hochzeitsvideografen sein, genauso wie Content Creator, die hauptsächlich auf Social Media oder YouTube publizieren, oder die ihre selbst erstellten Inhalte professioneller gestalten wollen. Sie finden hier ein einfach zu bedienendes, flexibles System, mit dem man frei aus der Hand arbeiten kann und das auch lange Aufnahmezeiten durchhält.
Technische Ausstattung
Der bereits aus der C50 und der R6 Mark III bekannte Sensor liefert 32,5 Megapixel und einen ISO-Umfang bis 64.000. Fotografisch sind durch den ausschließlich elektronischen Verschluss bis zu 40 Bilder pro Sekunde für Serien möglich, auch die Voraufnahme vor der Auslösung soll sich aktivieren lassen.
Videoformate: Die EOS R6 V bietet laut Datenblatt Aufnahmen bis 7K Raw mit 60 Bildern pro Sekunde, oversampeltes 4K bis 60p, 2K bis 180p und für Zeitlupen 4K 120p ohne Crop. Open-Gate-Aufnahmen sind abhängig vom gewählten Videoformat etwa in 7K 30p möglich. Auch Canon Log 2/3 und Livestream per UVC in bis zu 4K 60p sollen an Bord sein. Proxy-Aufnahmen in einem zweiten Format erlaubt die Kamera in Raw mit 7K 30p, entweder intern über die beiden Speicherkartenslots (CFexpress und SD UHS-II) oder auch bei einer HDMI-Ausgabe auf geeignete externe Recorder wie den Ninja TX.
Audio, Bildprofile, besondere Funktionen: Wieder dabei sollen auch die Custom Picture Profiles sein, die es ermöglichen, sowohl Farben durch Filter als auch erweiterte Einstellungen an die Aufnahmeumgebung oder die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Das 4-Kanal-Audio mit dem Waveform-Monitor sowie das Pre-Recording unterstützen die Videografen.
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Die Canon EOS R6 V soll zudem VR-Aufnahmen mit dem RF 5.2mm F2.8L Dual Fisheye unterstützen. HDR-Aufnahmen beherrscht sie dagegen nicht.
Die Kamera lässt sich mit dem EOS Digital Software Development Kit (EDSDK) nutzen, mit dem eine eigene Anwendungsumgebung geschaffen werden kann. In dieser ist es möglich, die Kamera fernzusteuern, das Livebild zu überwachen, Bilder zu übertragen und Kameraeinstellungen vorzunehmen, jedoch mit Zugriff auf Programmierschnittstellen.
Bildstabilisator: Der IBIS stabilisiert den Sensor auf den gängigen fünf Achsen und soll Verwacklungen bis zu 7,5 Belichtungsstufen ausgleichen, um ruhige Videoaufnahmen auch aus der Hand zu ermöglichen. Laut Canon entspricht er dem der R6 Mark III. Ein Movie Digital IS, der digital über die Verschiebung des Bildausschnitts auf dem Sensor arbeitet, soll zusätzlich für ruhige Videoaufnahmen sorgen. Er ist jedoch abhängig vom genutzten Aufnahmeformat.

Der seitliche Lüftungsschlitz der aktiven Kühlung liegt neben den Abdeckkappen für die Anschlüsse, die unter anderem einen HDMI Typ A enthalten. Das Display lässt sich seitlich schwenken und dort drehen. Bei angeschlossen Kabeln oder in einem Rig ist die Bewegungsfreiheit jedoch eingeschränkt.
(Bild: Canon)
Aktive Kühlung: Besonders interessant für Filmer dürfte die aktive Kühlung der Kamera mit einem Lüfter sein, die beliebig lange Aufnahmezeiten bei fast allen Videoformaten ermöglicht. Diese sind damit nur durch die Stromversorgung und Speicherkapazität begrenzt. Die wenigen rechenintensiven Ausnahmen wie 4K 60p Raw mit einer 2K-Proxy-Ausgabe auf der zweiten Speicherkarte erlauben noch eine Aufnahmezeit von 120 Minuten, was für viele Anwendungsfälle ausreichen dürfte.
Autofokus: Auch bei der R6 V setzt Canon auf den Dual Pixel CMOS AF II mit intelligenter Motiverkennung. So sollen wie bei bisherigen Modellen wieder Programme für Menschen-, Tier-, Fahrzeug- sowie Augenerkennung vorhanden sein. Über Personenpriorität können bis zu zehn Personen mit Gesichtern registriert werden, die der AF dann bevorzugt fokussiert. Zwei Produkt-Demo-Modi (Automatik oder Menüeinstellung) unterstützen Content Creator dabei, dass der Fokus an der richtigen Stelle bleibt. Dafür kann auch der Schärfebereich im Bild begrenzt werden, damit der Autofokus nicht versehentlich auf ein anderes Objekt im Raum springt.
Gehäuse und Bedienelemente: Das 688 Gramm schwere Gehäuse ähnelt dem der C50, ist jedoch aufgrund der weniger leistungsstarken Kühlung etwas flacher. Es kommt ausschließlich mit Display (dreh- und schwenkbar) ohne Sucher. Ein Zoomhebel sitzt am gewohnten Auslöser, einen zweiten Auslöser platziert der Hersteller auf der Vorderseite, erreichbar für die linke Hand. Das Displaybild dreht sich mit der Kamera, was bei der R6 III und der C50 bisher nicht der Fall ist. Wird sie im Hochformat gehalten, zeigt es die Bedienelemente sowie das Menü passend an. Auf dem Gehäuse sitzen zwölf frei belegbare Tasten, sieben davon versieht Canon mit Nummern. Ein zweites Stativgewinde für Hochformat-Aufnahmen ist neben dem Speicherkartenfach zu finden. Die Anschlüsse auf der linken Seite des Bodys umfassen unter anderem einen HDMI-Anschluss vom Typ A. Der Multifunktions-Schuh eignet sich für Video-Standardzubehör wie Mikrofone, nicht jedoch für solches wie Blitzgeräte, die klassisch der Fotografie zugeordnet werden. Auch der Handgriff, den die EOS C50 mitbringt, passt nur mechanisch und kann über die Anschlüsse nicht bedient werden.

In den Zubehörschuh passt Videozubehör. Blitzgeräte können nicht bedient werden.
(Bild: Canon)
Speicher und Stromversorgung: Für die Stromversorgung setzt Canon auf den Akku LP-E6P. Ältere Akkus sollen nicht mehr funktionieren oder beschränken, wie im Fall der NH- und N-Modelle, den Funktionsumfang der Kamera, etwa das WLAN.
Abgrenzung zu C50 und R6 Mark III, Konkurrenz am Markt
Die EOS R6 V soll ab dem 24. Juni 2026 für 2500 Euro auf den Markt kommen. Sie konkurriert in erster Linie mit der EOS R6 Mark III (2900 Euro Straßenpreis), mit der sie neben der Bildstabilisierung auch das Videomenü sowie den Staub- und Spritzwasserschutz verbindet. Von der C50 (3500 Euro Straßenpreis) hat sie die aktive Kühlung sowie die 2. Rec-Taste und den Zoom-Hebel am Auslöser übernommen. Jedoch bringt die R6 Mark III noch typische Fotofunktionen mit, wie den mechanischen Verschluss, die Anschlüsse für Blitzgeräte oder einen elektronischen Sucher. Die EOS C50 ist dagegen mit weiteren professionellen Videofunktionen ausgestattet, wie mit einem Handgriff, der sowohl das Filmen erleichtern soll als auch bei der Bedienung unterstützt. Sie bietet auch Anamorphoten-Unterstützung oder etwa eine Timecode-Schnittstelle.
Doch die beiden Canon-Schwestermodelle sind nicht die einzigen am Markt, gegen die sich die EOS R6 V behaupten muss. Starke Konkurrenz kommt auch von Panasonic, Nikon und Sony.
Die etablierte Panasonic Lumix S1 II bringt eine etwas geringere Auflösung von 24 Megapixeln auf dem teilweise gestapelten Vollformat-Sensor mit. Sie bietet beispielsweise 6K bei 30p mit Open Gate, 5,1K 60p, 4K 120p und internes ProRes Raw. Der interne Bildstabilisator schafft bis zu acht Blendenstufen. Eine zweite Aufnahmetaste ist vorhanden. An Bord sind auch eine aktive Kühlung und der HDMI-Typ-A-Ausgang für externe Recorder. Bei einem günstigen Angebot ist sie inzwischen für 2200 Euro zu haben, ansonsten 2800 Euro.
Die Nikon ZR ist die erste gemeinsame Kamera von Nikon und RED. Eine interne 6K-Raw-Aufzeichnung (R3D NE, 12 Bit, 59,94p), der Dual-Base-ISO bei nativen Werten von ISO 800 und ISO 6400 sowie 32-Bit-Float-Audio sind im Paket. Sie wiegt gerade einmal 540 Gramm, bringt dafür aber auch keine aktive Kühlung mit. Der Preis liegt derzeit bei 2350 Euro.
Etwas anders aufgestellt, aber dennoch interessant, ist die Sony FX30. Mit 26 Megapixeln für Foto- und 20 Megapixeln für Videoaufnahmen auf einem APS-C-Sensor ist sie kompakt und handlich. Sie bietet 4K bei 120p und 10 Bit, einen 5-Achsen-Bildstabilisator für 5,5 Belichtungsstufen, eine Raw- und Timecode-Ausgabe und kostet derzeit etwa 2000 Euro.
Neues Zoom-Objektiv RF 20-50mm F4 L IS USM PZ
Im gleichen Zug präsentiert Canon das neue Standardzoom-Objektiv RF 20-50mm F4 L IS USM PZ. Das Hybrid-Modell gehört zur L-Serie des Anbieters, ist gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet und mit etlichen Eigenschaften versehen, die Videografen benötigen, beispielsweise mit einer Kompensation gegen Focus Breathing. Die durchgehende Lichtstärke von f/4.0 erlaubt Zoomen ohne Helligkeitssprünge. Auch Makroaufnahmen sollen bis zu einem Maßstab von 1:3 möglich sein. Die Naheinstellgrenze liegt bei 24 Millimetern. Es gibt neun Blendenlamellen.

Das neue RF 20-50mm F4 L IS USM PZ gehört zu Canons Hybridserie für Objektive, die sowohl für das Fotografieren, als auch für Videoaufzeichnungen geeignet sind.
(Bild: Canon)
Das RF 20-50mm F4 wiegt nur 420 Gramm. Dennoch ist die Konstruktion mit 13 Linsen in elf Gruppen aufwendig. Dazu gehören zwei asphärische Linsen und drei UD-Elemente. Die Optik ist ASC-vergütet. Ein Bildstabilisator soll eigenständig bis zu sechs Blendenstufen korrigieren, mit passender Kamera und IBIS bis zu acht Blendenstufen.

Das Objektiv enthält 13 Linsen in 11 Gruppen.
(Bild: Canon)
Das Objektiv nutzt einen Innenzoom, verändert sich also nicht in der Länge. Drei Nano-USM-Motoren arbeiten für Zoom (Zoom-by-Wire) und Fokus. Die Zoomgeschwindigkeiten können im Menü eingestellt werden. Zum Zoomen dient der Zoomring oder -hebel, es ist aber auch per App oder Fernbedienung möglich.
Das RF 20-50mm F4 L IS USM PZ soll ebenfalls am 24. Juni 2026 in den Handel kommen und 1500 Euro kosten. Das Kit mit der EOS R6 Mark III kostet insgesamt 3700 Euro.
(cbr)
Künstliche Intelligenz
KI-Update kompakt: Gemini Intelligence, digitale Täuschung, Israel, Purview
Google stellt Gemini Intelligence für Android vor
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Google hat auf der Android Show die nächste Stufe seines KI-Assistenten vorgestellt: Gemini Intelligence. Der Assistent soll mehrstufige Aufgaben übernehmen, etwa einen Sportkurs buchen, Bücher in den Warenkorb legen oder eine Einkaufsliste aus der Notizen-App vorbereiten. Ein langer Druck auf den Power-Button startet die Aktion. Vor Käufen oder Bestellungen verlangt das System eine Bestätigung.
Die Funktion Rambler räumt nuschelnde Spracheingaben auf und erkennt mehrere Sprachen in einer Nachricht. Mit Create My Widget lassen sich Widgets per Sprachbefehl bauen. Die Einführung beginnt im Sommer auf Samsung Galaxy und Google Pixel, später folgen Smartwatches, Autos, smarte Brillen und Laptops. Google bestätigte, dass Deutschland berücksichtigt wird, ohne einen Termin zu nennen.

Wie privat ist die lokale KI in Googles Browser?
Google hat in Chrome ein lokales KI-Modell integriert, das Funktionen wie Betrugserkennung datenschutzfreundlich ausführen soll. In den KI-Einstellungen der neuesten Chrome-Version fehlt jedoch der Halbsatz „ohne deine Daten an Google-Server zu senden“, der zuvor noch vorhanden war. Den Grund nennt Google nicht.
Wer das lokale Modell deaktiviert, verliert KI-Funktionen wie Schreibhilfen, Betrugswarnungen, Tab-Organisation oder Webseitenzusammenfassungen. Die Änderung wirft Fragen zum tatsächlichen Datenschutz der als lokal beworbenen Funktionen auf.
Google verhindert angeblich KI-gestützten Cyberangriff
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Die Threat Intelligence Group von Google hat nach eigenen Angaben einen Cyberangriff abgewehrt, der auf einer mit KI-Hilfe gefundenen Sicherheitslücke beruhte. Betroffen war ein quelloffenes, webbasiertes Werkzeug zur Systemadministration. Die Lückenbeschreibung enthielt typische KI-Hinweise, etwa Verweise auf nicht existierende Dokumente. Google informierte den Hersteller, der die Zero-Day-Lücke schloss.
Der Bericht ist relevant, weil seit Wochen über die Fähigkeit moderner KI-Modelle diskutiert wird, Sicherheitslücken eigenständig zu finden und auszunutzen. Anthropics Claude Mythos Preview gilt als besonders leistungsfähig und wird daher nur ausgewählten Unternehmen zur Verfügung gestellt. Ob Angreifer diese Werkzeuge bereits großflächig einsetzen, lässt der Google-Bericht offen.
Mythos findet nur eine Sicherheitslücke in curl
Daniel Stenberg, Maintainer des Download-Tools curl, hat Anthropics Claude Mythos Preview zur Schwachstellensuche getestet. Das überrascht, da Stenberg in der Vergangenheit über die schlechte Qualität KI-generierter Bug-Reports geklagt hatte. Mythos meldete fünf potenzielle Probleme. Nur eines war eine echte Sicherheitslücke mit niedrigem Schweregrad, drei Meldungen waren falsch-positiv, eine stellte sich als gewöhnlicher Bug heraus.
Stenberg betont, dass KI-Werkzeuge deutlich besser geworden seien und menschliche Code-Reviews sinnvoll ergänzen, sie aber nicht ersetzen.
EU-Kommission konkretisiert Regeln gegen digitale Täuschung
Die EU-Kommission hat einen Leitlinienentwurf zu Artikel 50 des AI-Acts vorgelegt. Ab dem 2. August gelten Transparenzpflichten für KI-Tools. Bürger sollen erkennen, wenn sie mit einer Maschine sprechen oder ein Bild von einer KI stammt. Der Entwurf gliedert sich in vier Bereiche: interaktive KI-Systeme, KI-generierte Inhalte mit maschinenlesbarer Kennzeichnung, Emotionserkennung und biometrische Kategorisierung sowie Deepfakes und KI-Texte von öffentlichem Interesse. Für künstlerische und satirische Zwecke sind Ausnahmen geplant.
Private Nutzung bleibt weitgehend frei. Wer ein KI-Bild im Chat mit Freunden teilt, muss es nicht kennzeichnen. Automatische Grammatikkorrekturen sind ausgenommen. Inhalte auf Social Media müssen jedoch markiert werden, sobald sie politische Meinungen beeinflussen können. Wie Verstöße sanktioniert werden, bleibt offen.

Wie intelligent ist Künstliche Intelligenz eigentlich? Welche Folgen hat generative KI für unsere Arbeit, unsere Freizeit und die Gesellschaft? Im „KI-Update“ von Heise bringen wir Euch gemeinsam mit The Decoder werktäglich Updates zu den wichtigsten KI-Entwicklungen. Freitags beleuchten wir mit Experten die unterschiedlichen Aspekte der KI-Revolution.
Zukunft von Microsofts Milliarden-Rechenzentrum in Kenia unsicher
Microsofts geplantes Rechenzentrum in Kenia verzögert sich auf unbestimmte Zeit. Die Verhandlungen zwischen Microsoft, dem KI-Unternehmen G42 aus Abu Dhabi und der kenianischen Regierung stocken. Microsoft fordert eine garantierte jährliche Mindestabnahme von Serverkapazitäten, die Kenia nicht in gewünschter Höhe zusichern kann.
Ursprünglich war eine Kapazität von bis zu einem Gigawatt geplant, betrieben mit Geothermie. Präsident William Ruto erklärte, der Energiebedarf übersteige die verfügbaren Ressourcen. Derzeit wird über eine verkleinerte Version mit 60 statt 1000 Megawatt verhandelt.
Microsoft tauscht Israel-Chef nach Skandal um Militär-Cloud aus
Microsoft zieht Konsequenzen aus einem Skandal um die Zusammenarbeit mit dem israelischen Militär. Landeschef Alon Haimovich verlässt nach vier Jahren seinen Posten, auch mehrere Manager der internen Kontrollabteilung gehen. Microsoft Israel wird vorerst von der französischen Tochter geführt.
Auslöser ist eine Untersuchung der Konzernführung, ob die israelische Niederlassung offen genug über die Nutzung von Microsoft-Systemen durch das Verteidigungsministerium berichtet hat.
Mira Muratis Start-up zeigt erstes KI-Modell für flüssige Gespräche
Thinking Machines Lab, das Anfang 2025 von Mira Murati gegründete Start-up, hat sein erstes KI-Modell vorgestellt. Die sogenannten Interaction Models sollen Sprachassistenten flüssiger machen. Heutige Systeme wie ChatGPT oder Gemini Live arbeiten mit festen Wechseln zwischen Mensch und KI. Eine vorgeschaltete Software entscheidet, wann ein Satz endet.
Das neue Modell verarbeitet Bild, Ton und Text parallel in Häppchen von 200 Millisekunden und entscheidet selbst, wann es spricht oder schweigt. Damit soll es echten Gesprächen näherkommen, in denen Menschen einwerfen oder gleichzeitig sprechen. Für komplexe Fragen wird ein zweites, langsameres Modell zugeschaltet.
So nutzt die Deutsche Bank KI
Die Deutsche Bank schloss bereits 2020 eine strategische Partnerschaft mit Google Cloud und experimentiert seither mit maschinellem Lernen und generativer KI. Die Research-Abteilung nutzt eine Assistenzlösung, die große Dokumentenmengen verarbeitet. Insgesamt steht ein digitales Assistenzsystem 50.000 Mitarbeitern zur Verfügung.
Strategiechef Christoph Rabenseifner sagt, die Bank arbeite modellagnostisch. Eine Enterprise Agent Plattform erlaubt, Angebote verschiedener Firmen einzubinden. Sprachassistenten würden Call-Center nicht ersetzen, solange sie die Kundenerfahrung nicht messbar verbessern.
Anthropic baut Claude für Anwälte aus
Anthropic erweitert Claude um zwölf neue Erweiterungen und mehr als 20 Schnittstellen zu externen Diensten wie DocuSign, Box oder dem Rechtsassistenten Harvey. Die Module sind auf Vertragsrecht, Arbeitsrecht und Prozessführung zugeschnitten.
Laut Chefjurist Mark Pike nutzen Anwälte Claude inzwischen häufiger als fast jede andere Berufsgruppe. Über 20.000 Juristen meldeten sich für ein einziges Webinar an. Sicherheitslücken wie Prompt-Injections bleiben bei agentischen Systemen ein ungelöstes Problem.
KI-Prompts trotz Anonymisierung einsehbar
Microsoft erweitert die Überwachungsfunktionen seines Tools Purview. Mit Insider Risk Management können Analysten künftig KI-Prompts und die zugehörigen Antworten einsehen, um Datenlecks oder Verstöße gegen Sicherheitsrichtlinien zu erkennen. Nutzerdaten sind standardmäßig pseudonymisiert.
Autorisierte Analysten dürfen die Anonymisierung jedoch aufheben. Microsoft spricht von einem Verfahren „unter Beibehaltung des Privatsphärenschutzes“. Die Funktion wird ab Mai weltweit verteilt und ist Mitte Juni allgemein verfügbar. Da sie standardmäßig aktiv ist, müssen Administratoren nichts tun.
Börse stürzt nach Ruf nach KI-Gewinnbeteiligung der Bevölkerung ab
Ein Vorschlag des südkoreanischen Präsidentenberaters Kim Yong-beom hat Turbulenzen an der Börse ausgelöst. Bürger sollten eine Dividende aus Steuern auf KI-Gewinne erhalten, da KI-Erfolge auf dem industriellen Fundament der Nation beruhten. Kim verwies auf Norwegens Modell, wo Öleinnahmen über einen Staatsfonds an die Gesellschaft fließen.
Der südkoreanische Börsenindex KOSPI stürzte um über fünf Prozent ab, erholte sich aber, als Kim klarstellte, es gehe nur um Steuermehreinnahmen. Südkoreas Wirtschaft profitiert stark vom KI-Boom, vor allem Samsung und SK Hynix, die zwei Drittel des weltweiten Arbeitsspeichermarktes dominieren.
Kamera soll Wildtiere von Bahnstrecken vertreiben
Das schwedische Unternehmen Flox Intelligence entwickelt ein KI-basiertes Kamerasystem, das Wildtiere von Bahnstrecken fernhalten soll. Die Kameras erkennen verschiedene Tierarten und verscheuchen sie mit akustischen Signalen, sobald sie sich den Gleisen nähern.
In Schweden gibt es jährlich rund 5000 Tierkollisionen im Bahnverkehr. Diese verursachen Tierleid, Zugverspätungen, Fahrzeugschäden und belasten Lokführer emotional. Das System soll zusätzlich Daten über das Verhalten von Wildtieren in Gleisnähe liefern.

(igr)
Künstliche Intelligenz
VMware wird zur KI-Plattform | heise online
Broadcom hat die Verfügbarkeit von VMware Cloud Foundation (VCF) 9.1 offiziell bekanntgegeben – die Ankündigung erfolgte am 5. Mai, seit dem 12. Mai steht die Plattform zum Download bereit. Das Minor-Release konzentriert sich auf drei Schwerpunkte: Infrastruktur-Effizienz, Kubernetes-Skalierung und Lateral Security. Damit positioniert sich VCF klar als On-Premises-Plattform für produktive KI-Workloads.
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Speicher- und Storage-Effizienz
Im Mittelpunkt steht das überarbeitete NVMe Memory Tiering: ESXi verlagert „kalte“ Speicherseiten transparent auf NVMe-SSDs, während DRAM für „heiße“ Daten reserviert bleibt – alles ohne Einfluss auf die Betriebssysteme. Neu in 9.1 sind ein natives Software-Mirroring für die NVMe-Tier-Redundanz sowie eine vereinfachte Konfiguration auf Cluster-Ebene. Broadcom sieht hier bis zu 40 Prozent niedrigere Serverkosten bei höheren Konsolidierungsraten.
Auf der Storage-Seite hat vSAN ESA spürbar zugelegt. Die globale Deduplizierung arbeitet nun clusterweit und ist mit Data-at-Rest-Encryption kompatibel. Der Standard-Kompressionsalgorithmus wechselt von LZ4 auf Zstd, was deutlich höhere Kompressionsraten ermöglicht. Als Technology Preview liefert vSAN erstmals nativen S3-kompatiblen Objektspeicher mit – Block, File und Object koexistieren damit auf demselben Cluster. Hinzu kommt Data-in-Transit-Verschlüsselung für vSAN-Storage-Cluster.
vDefend mit Turbo-Modus
Bei vDefend ändert sich am meisten: Der neue IDPS Turbo Mode verdreifacht den Durchsatz pro Host von 3 auf 9 Gbit/s, pro VCF-Domain sind bis zu 9 Tbit/s möglich. Die Distributed Firewall identifiziert fünfmal mehr Anwendungen auf Layer 7, und identitätsbasierte Firewall-Regeln lassen sich erstmals standortübergreifend konsistent durchsetzen.
Architektonisch erstreckt sich die hypervisor-native IDS/IPS-Engine über eine CNI-Integration nun auch auf Workloads des vSphere Kubernetes Service – Inspektion auf Pod-Ebene inklusive, im Mixed-Mode mit klassischen VMs. Mandanten-Administratoren erhalten ein Self-Service-Modell direkt aus VCF Automation; Micro-Segmentierung und Compliance-Tags werden über „Privileged Labels“ automatisiert orchestriert.
Kubernetes, Networking und Skalierung
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Der vSphere Kubernetes Service rückt in Version 3.6 auf Kubernetes 1.35; ein Supervisor verwaltet bis zu 500 Cluster. Mit VKS Fast Deploy via Linked Clones sinkt die Bereitstellungszeit eines 100-Knoten-Clusters laut Broadcom von 37 auf 11 Minuten, Upgrades von 414 auf 103 Minuten. Worker Nodes unterstützen mehrere vNICs zur Trennung von Management-, Storage- und Anwendungs-Traffic.
Im Netzwerk-Stack führt Version 9.1 EVPN-VXLAN-Interoperabilität mit dem physischen Fabric ein – kompatibel mit Arista UCN, Cisco Nexus ONE und SONiC. Damit unterstützt VCF auch eine verteilte Architektur ohne Edge-Nodes. VPCs und Workloads erhalten damit eine vorkonfigurierte externe Anbindung, ohne dass Admins tief in die Netzwerkkonfiguration einsteigen müssen.
Eine VCF-Instanz verwaltet jetzt bis zu 5.000 Hosts; parallele Upgrades von 256 Clustern verkürzen die Wartungsfenster um den Faktor vier. Live Patching ohne Reboot der Systeme unterstützt erstmals auch TPM-aktivierte Hosts, und ein neuer API-Call erlaubt das Resizing des vCenter mit einem einzigen PATCH-Request.
Sicherheit, KI-Hardware – und erstmals offizieller ARM-Support
Encrypted vMotion lagert die Kryptografie auf Intel QAT aus und gibt CPU-Kerne an die Workloads zurück. On-Prem-Ransomware-Recovery integriert CrowdStrike Falcon, Continuous Compliance Enforcement liefert kontinuierliche Audit-Bereitschaft. Für KI-Workloads unterstützt VCF Nvidias ConnectX-7-NICs und BlueField-3-DPUs mit Enhanced DirectPath I/O; bei GPUs stehen AMD und Nvidia zur Wahl.
Groß vermarktet wird der ARM-Support in VCF 9.1 nicht – in der Ankündigung des neuen Release hat der Hersteller ihn nicht explizit erwähnt. William Lam, Distinguished Platform Engineering Architect bei Broadcom und in der VMware-Community für seine Laborskripte bekannt, hat den Support zumindest auf X verkündet. Entsprechend stehen die Downloads nun bereit.
Der Upgrade-Pfad von VCF 9.0 auf 9.1 ist als In-Place-Upgrade vorgesehen. Release Notes, Kompatibilitätsmatrix und das Bill of Materials stehen im Broadcom Support Portal bereit.
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(fo)
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Urtopia Carbon 1 ST im Test: Leichtes City-E-Bike mit GPS, Alarm & Fingerprint
Das City-E-Bike Urtopia Carbon 1 ST kombiniert Carbon-Rahmen, Tiefeinstieg und Smart-Features wie Fingerabdrucksensor, GPS-Tracking und Sprachsteuerung.
Das Urtopia Carbon 1 ST positioniert sich als komfortorientierte Schwester des sportlicheren Urtopia Carbon 1 Pro (Testbericht) und richtet sich an urbane Pendler: tiefer Einstieg, Carbon-Rahmen, smarte Vernetzung. Im Fokus stehen das geringe Gewicht, eine entspannte Sitzposition und vor allem Connectivity-Funktionen. Rahmen und Gabel bestehen aus Toray T700/T800 Carbon. Das reduziert das Gesamtgewicht und dämpft Vibrationen etwas besser als ein Aluminiumrahmen.
Mit Akku, Schutzblech und Ständer bringt das Urtopia Carbon 1 ST rund 18,5 kg auf die Waage. Smarte Helfer wie Fingerabdrucksensor, integrierter Lautsprecher, GPS-Ortung, Geofencing und Sprachsteuerung heben das Carbon-E-Bike von der Konkurrenz ab. Auch beim Engwe N1 Pro (Testbericht) gab es ähnliche Vernetzungs-Spielereien, dort allerdings mit Mittelmotor – das Urtopia setzt auf einen Mahle-Heckmotor.
Preislich liegt das Carbon 1 ST aktuell bei 2199 Euro. Ab dem 24. Mai klettert der Preis auf 2299 Euro, ab dem 31. Mai dann auf 2499 Euro. Das Engwe N1 Pro kostet 1599 Euro. Ob die Smart-Offensive den Aufpreis rechtfertigt und für wen das Carbon-E-Bike taugt, klärt unser Test.
Aufbau, Optik & Verarbeitung
Das Urtopia Carbon 1 ST kommt größtenteils vormontiert. Anzuschrauben sind Lenker, Vorderrad, vorderes Schutzblech, Display mit Bedieneinheit, Pedale und das hintere Rücklicht. Zwei Verlängerungsstücke für den Lenker liegen bei, falls man die Position höher wünscht. Werkzeug ist im Karton, der Aufbau gelingt in rund 30 bis 45 Minuten. Vor der ersten Fahrt sollten Schrauben nachgezogen und die Reifen aufgepumpt werden. Auch der Akku will geladen werden. Wer alle Smart-Features nutzen möchte, installiert die Urtopia-App – mit Registrierungspflicht.
Urtopia Carbon 1 ST Bilder
Erhältlich ist das Carbon-E-Bike in Schwarz, Weiß oder Hellblau. Unser schwarzes Testmodell wirkt mit kleinem Logo und ohne große Farbakzente eher zurückhaltend. Das Cockpit ist aufgeräumt. Mittig sitzt das integrierte LED-Punktmatrix-Display, der geschwungene Komfortlenker betont die Alltagsausrichtung. Kabel verlaufen größtenteils im Rahmen, optisch ist das eine saubere Sache.
Die Geometrie unterstreicht das Komfortkonzept: 181 cm Gesamtlänge, 109 cm Radstand, Lenkerhöhe zwischen 107 und 110 cm, Sitzrohr 38 cm, Sitzhöhenverstellung 12 cm. Mit nur 47,7 cm Überstand fällt der Einstieg recht tief aus.
Der Carbon-Rahmen ist sauber verarbeitet. Aluminium-Sattelstütze und Aluminium-Lenker fügen sich wertig ins Bild. Die IP65-Zertifizierung schützt vor Regen und Spritzwasser. Die maximale Zuladung liegt bei 110 kg, das Bike ist TÜV-EN-15194- und StVZO-konform. Am Rahmen finden sich Montagepunkte für Taschen und Zubehör, an der Gabel zusätzliche Aufnahmen für Gepäckhalter. Wer mehr will, ordert optional Heckträger oder Flaschenhalter. Ein Seitenständer gehört bereits zum Lieferumfang.
Lenker & Display
Stark Richtung Fahrer gekröpft, breit und mit ergonomischen Griffen ausgestattet: Der Komfortlenker bietet eine aufrechte, entspannte Sitzposition. Die Griffe liegen angenehm in der Hand. In drei Stufen lässt sich die Lenkerhöhe dank beiliegender Adapterringe um 0, 1,5 oder 3 cm anpassen.
Mittig sitzt das LED-Punktmatrix-Display, bekannt vom Carbon 1 Pro. Es vereint Lautsprecher und Fingerabdrucksensor in einem Gehäuse. Das Display bleibt auch bei direkter Sonneneinstrahlung gut ablesbar. Auf der linken Lenkerseite sitzt eine Bedieneinheit mit fünf Knöpfen. Über sie steuert man die drei Unterstützungsstufen, das Licht und die Menüs.
Das Display zeigt auf Wunsch Uhrzeit und Wetter an, lotst per Navigation durch die Stadt und meldet Geschwindigkeit und Akkustand.
App & Sicherheit
Die Urtopia-App für iOS und Android verbindet sich per Bluetooth und nutzt zusätzlich das integrierte 4G-eSIM-Modul. Damit funktioniert die GPS-Ortung in Echtzeit, selbst wenn das Bike weit entfernt steht. Eine per App bestimmbare Geofencing-Zone schickt eine Nachricht aufs Handy, sobald das Carbon-E-Bike einen definierten Bereich verlässt. Ein Bewegungsalarm ertönt und schickt eine Nachricht ans Smartphone, sobald sich jemand am gesperrten E-Bike zu schaffen macht. Dieser lässt sich per App oder Fingerabdruck deaktivieren. Außerdem in der App: Navigation, die im Display angezeigt wird, Fahrstatistiken und Aktivitätsdaten.
Urtopia Carbon 1 ST Screenshot
Das erste Jahr Connect-Service ist kostenlos. Danach werden 45 Euro pro Jahr fällig. Viele Kernfunktionen hängen vom laufenden Abo ab. Wer es nicht verlängert, verliert die Mobilfunk- und Cloudfunktionen.
Der Fingerabdrucksensor entsperrt das E-Bike komfortabel – allerdings nur bei trockenen Bedingungen. Bei Regen muss man Finger und Sensor erst abtrocknen, sonst bleibt das Carbon 1 ST stur. Wer im verregneten Herbst aufs Rad steigen will, sollte daher das Smartphone mit App bereithalten – oder die Entsperrfunktion per Fingerabdruck abschalten.
Der integrierte Bluetooth-Lautsprecher überrascht: Bass fehlt zwar, dafür wird es richtig laut. Podcasts unterwegs? Kein Problem.
Licht
Der Frontscheinwerfer leuchtet ausreichend hell, um gesehen zu werden. Für eine vollständige Ausleuchtung dunkler Wege reicht es nicht. Der Abstrahlwinkel ist zudem nicht in der Höhe verstellbar. Schade auch: Das Rücklicht liegt bei, läuft jedoch mit Batterie und hängt nicht am Stromkreislauf. Blinker fehlen. Hier ist das Ado Air 30 Ultra (Testbericht) mit integrierten Blinkern bereits einen Schritt weiter. Immerhin gibt es eine automatische Lichtaktivierung bei Dunkelheit.
Fahren
Im Hinterrad sitzt ein Nabenmotor des deutschen Herstellers Mahle mit Urtopia-Branding: 250 Watt Nennleistung, 45 Nm Drehmoment, gekoppelt an einen Drehmomentsensor. Die Unterstützung setzt direkt ein, dosiert sich feinfühlig und wirkt natürlich. Trotz der bescheidenen 45 Nm ist der Antrieb erstaunlich kräftig und vor allem laufruhig. Flaches Terrain und moderate Steigungen meistert er harmonisch.
An steileren Anstiegen merkt man dann jedoch, dass dem Heckmotor die Reserven eines Mittelmotors mit 70 oder 80 Nm fehlen. Hier muss man selbst kräftiger in die Pedale treten – das geringe Gewicht des Carbon-E-Bikes hilft dabei. Die drei Unterstützungsstufen reichen für die Stadt aus. Bei 25 km/h regelt der Motor sanft ab, nervöses Pendeln um die Grenze gibt es nicht.
Wer aus eigener Kraft schneller pedalieren möchte, profitiert von der großzügigen Schaltung. Shimano CUES U6000 1×10, 11–40T-Kassette, 44T-Kettenblatt und 170 mm lange Aluminium-Kurbeln liefern eine Bandbreite, die viele günstige City-E-Bikes alt aussehen lässt.
Die hydraulischen Tektro HD-M280 Scheibenbremsen mit 160-mm-Scheiben und Zweikolben-System packen zuverlässig zu – quietschen bei Feuchtigkeit jedoch unangenehm. Die Bremshebel liegen super in der Hand, die Dosierbarkeit gefällt. Auch mit voller Beladung bleibt das Bremsverhalten souverän.
Die Kenda 700 x 40C-Reifen mit integriertem Pannenschutz rollen leichtgängig und meistern Asphalt, Schotter sowie leichte Waldwege. Eine Federgabel oder gefederte Sattelstütze fehlen. Der Carbon-Rahmen schluckt Vibrationen einen Hauch besser als Alu. Auf Kopfsteinpflaster merkt man das Fehlen einer Federung trotzdem deutlich.
Die größte Schwäche im Test ist die Ergonomie. Urtopia gibt eine empfohlene Körpergröße von 155 bis 185 cm an. Das ist zu optimistisch. Unser 186 cm großer Testfahrer fühlt sich auf dem Carbon 1 ST wie auf einem Kinderfahrrad. Selbst auf höchster Sattelposition sitzt er deutlich zu tief. Eine längere Sattelstütze müsste her. Auch der Lenker bleibt trotz beider mitgelieferter Erhöhungsstücke zu niedrig. Fahrer über 175 cm sollten unbedingt vorab probefahren. Das Carbon-E-Bike ist primär für kleinere Personen konzipiert. Wer hineinpasst, weiß den wirklich bequemen 25,5 x 22,2 cm großen Komfortsattel und eine entspannte, aufrechte Sitzposition zu schätzen. Lange Touren sind so angenehmer als auf sportlichen Rennrad-Geometrien.
Akku
Im Rahmen steckt ein Samsung-Lithium-Ionen-Akku mit 352,8 Wh. Er lässt sich herausnehmen und in der Wohnung laden – praktisch für Stadtbewohner ohne Steckdose im Keller. Mit 170 Watt Ladeleistung ist der Akku in rund 2,5 Stunden wieder voll. Ein erfreulich flotter Wert.
Urtopia verspricht im Eco-Modus bis zu 130 km Reichweite. Wie üblich gilt: nur unter Idealbedingungen. Realistisch sind bei 85 kg Fahrergewicht, 15 °C, voller Unterstützung und Stop-and-Go in der Stadt eher 30 km. Wer den Motor zurückhaltend nutzt, schafft deutlich mehr. Für tägliche Pendelstrecken reicht das. Bei längeren Wochenendtouren ohne Lademöglichkeit wird es schnell knapp. Im Vergleich zum Engwe P275 ST mit fast 700 Wh fällt der Stromspeicher des Carbon-E-Bikes bescheiden aus. Der Leichtbau fordert hier seinen Tribut.
Preis
Aktuell kostet das Urtopia Carbon 1 ST 2199 Euro. Ab dem 24. Mai steigt der Preis laut Hersteller auf 2299 Euro, ab dem 31. Mai dann auf 2499 Euro.
Fazit
Das Urtopia Carbon 1 ST ist ein hochwertig verarbeitetes City-E-Bike mit cleverer Smart-Ausstattung. Der Carbon-Rahmen drückt das Gewicht inklusive Akku, Schutzblech und Ständer auf rund 18,5 kg. Der Mahle-Heckmotor mit Drehmomentsensor liefert eine harmonische Unterstützung. In der Stadt macht das Carbon-E-Bike richtig Spaß. Fingerabdrucksensor, GPS-Tracking, Geofencing und das integrierte Punktmatrix-Display heben das Bike vom Wettbewerb ab. Auch die 10-Gang-Shimano-Schaltung und die hydraulischen Tektro-Bremsen überzeugen.
Schwächen zeigt das Carbon 1 ST bei der Reichweite – 352,8 Wh sind für ein City-E-Bike knapp bemessen. Die fehlende Federung lässt Kopfsteinpflaster ungefiltert durch. Die Ergonomie passt eher für kleinere Fahrer. Personen ab 1,75 m sollten unbedingt probesitzen. Der Fingerabdrucksensor streikt bei Regen und Blinker fehlen.
Für sicherheitsbewusste Pendler mit Faible für Connectivity und überschaubaren Streckenlängen ist das Carbon-E-Bike eine spannende Wahl – sofern Körpergröße und Geldbeutel passen.
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