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Softwareentwicklung: Debugger? Nein, danke! | heise online


Ich benutze seit vielen Jahren keinen Debugger mehr. Stattdessen füge ich console.log oder fmt.Println an den Stellen in meinen Code ein, wo ich es für sinnvoll erachte. Dafür werde ich oft belächelt und gelegentlich kritisiert, weil das vermeintlich kein „richtiges“ Fehlersuchen wäre.

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the next big thing – Golo Roden

the next big thing – Golo Roden

Golo Roden ist Gründer und CTO von the native web GmbH. Er beschäftigt sich mit der Konzeption und Entwicklung von Web- und Cloud-Anwendungen sowie -APIs, mit einem Schwerpunkt auf Event-getriebenen und Service-basierten verteilten Architekturen. Sein Leitsatz lautet, dass Softwareentwicklung kein Selbstzweck ist, sondern immer einer zugrundeliegenden Fachlichkeit folgen muss.

Ich habe jedoch meine Gründe, und die sind – aus meiner Sicht – durchaus gut. Am Ende des Tages bin nämlich oft ich derjenige, der gefragt oder gerufen wird, wenn anderen Entwicklern (trotz Debugger) die Ideen ausgehen. Und ich finde den Fehler dann in der Regel nach einer Weile. Nicht weil ich keinen Debugger benutze, sondern weil letztlich die Methodik entscheidet und nicht das Tool.

Fangen wir damit an, was mir vorgeworfen wird. Da heißt es oft:

„Ach, du benutzt console.log? Wie niedlich!“

Oder:

„Das ist doch kein richtiges Debugging!“

Oder:

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„Den Typen sollte man niemals wichtigen Code schreiben lassen, das ist kein richtiger Entwickler, der benutzt ja noch nicht mal einen Debugger!“

Die implizite Annahme dahinter ist immer: Ein guter Entwickler muss einen Debugger beherrschen. Interessanterweise ist das allerdings stark von der Community abhängig, in der man sich bewegt. In der Go- und in der JavaScript-Community beispielsweise sind fmt.Println beziehungsweise console.log völlig normal und akzeptiert. Niemand guckt einen da schräg an. In der Java- oder C#-Welt hingegen wird der Einsatz eines Debuggers oft als Pflicht angesehen. Das zeigt bereits: Es gibt nicht die eine richtige Art zu debuggen. Das ist stark davon abhängig, in welchem Ökosystem man sich bewegt.

Warum benutze ich nun keinen Debugger? Dafür habe ich vier konkrete Gründe. Erstens: Der Set-up-Aufwand. Einen Debugger zu starten, zu attachen und zu konfigurieren kann je nach Set-up des Projekts (auf das man eventuell gar keinen Einfluss hat) sehr aufwendig sein. Besonders in fremden Projekten, wo man nicht genau weiß, wie die Infrastruktur aufgebaut ist, verliert man unter Umständen sehr schnell viel Zeit. Zeit, die man eigentlich für etwas anderes bräuchte, nämlich um den Fehler zu finden. Stattdessen konfiguriert man zunächst eine halbe Stunde lang Tools und ärgert sich, dass es nicht so funktioniert, wie man sich das vorstellt.

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Debugger? Nein, Danke! // deutsch

Zweitens: Die fehlende Übung. Wenn man viele Tests schreibt – und das sollte man tun –, erübrigen sich die einfachen Fälle. Die landen gar nicht erst auf dem Tisch, weil die Tests sie bereits abfangen. Was übrig bleibt, sind die schwierigen Fälle. Die gibt es jedoch gar nicht so oft. Vielleicht alle paar Wochen einmal, vielleicht alle paar Monate. Deswegen fehlt dann die Übung mit dem Debugger. Man ist aus der Routine raus, und wenn man ihn dann braucht, steht man da und muss sich erst wieder zurechtfinden. Man weiß dann oft gar nicht mehr so richtig, wie das funktioniert, wo welche Buttons sind, und so weiter. Genau das verstärkt natürlich auch den ersten Punkt, weil man wieder von vorn anfängt, um herauszufinden, wie man ihn überhaupt startet und attached.

Drittens: Die Timing-Verzerrung. Das ist für mich ein wichtiger Punkt, der viel zu oft ignoriert wird. Ein Debugger und dort insbesondere der Einsatz von Breakpoints verzerren nämlich das Zeitverhalten der Anwendung dramatisch. Ich habe vor vielen Jahren einmal in einem Projekt mit hunderten parallel laufenden Threads gearbeitet. Da war es praktisch unmöglich, mit einem Debugger etwas ausfindig zu machen. Warum? Weil jeder Breakpoint zum einen das Zeitverhalten komplett verändert hat. Hielt man einen Thread an, liefen die anderen weiter, und auf einmal hatte man ein völlig anderes Timing, und dann war der Fehler unter Umständen plötzlich weg. Oder es tauchten neue Fehler auf. Zum anderen hatte man bei zwei Läufen sowieso nie denselben Stand, weil Threads nebenläufig sind und das Scheduling von ihnen nicht deterministisch ist. Das heißt, hier kam es sehr darauf an, nachvollziehen zu können, welcher Thread etwas macht, was dann bei einem anderen Thread etwas verursacht. Das geht nur, indem man Code liest, sich Dinge notiert und vor allem, indem man sehr viel über den Code nachdenkt. Ein Debugger hilft einem da tatsächlich überhaupt nicht weiter, im Gegenteil: Er macht die Sache eigentlich nur schlimmer.

Viertens – und das ist aus meiner Sicht der wichtigste Punkt überhaupt: Der Debugger nimmt einem nicht das Denken ab. Die eigentliche Arbeit ist nämlich vor allem das Nachvollziehen und Nachdenken darüber, wie es zu einer bestimmten Situation überhaupt gekommen ist. Das kann ein Debugger naturgemäß nicht. Er ist nur ein Werkzeug. Er zeigt, was passiert ist, aber nicht warum. Man sieht die Werte in den Variablen, man sieht, welche Funktionen gerade aufgerufen werden, aber man versteht nicht die Kausalkette, wie es überhaupt dazu gekommen ist. Genau dieses Warum ist die Arbeit, die man als Entwicklerin oder als Entwickler leisten muss. Und das ist leider das, was vielen häufig schwerfällt.

Genau das ist der springende Punkt: Was wirklich zählt, ist systematisches Denken. Die Kernkompetenz beim Debuggen ist nämlich nicht, einen Debugger bedienen zu können. Die Kernkompetenz ist, Fehler systematisch eingrenzen zu können. Durch logisches Schlussfolgern die Zahl der Optionen, die als Ursache infrage kommen, immer weiter zu reduzieren. Und genau das macht der Mensch, nicht das Tool. Der Debugger kann einem zeigen, wie der Stand der Dinge ist, aber er kann einem nicht sagen, was sein sollte und warum es anders ist als erwartet.

Ich möchte dazu ein konkretes Beispiel geben, das zeigt, was ich meine. Vor einer Weile hatten wir bei einem Kunden ein Problem mit asynchronem Rendering in einer React-App. Keiner von uns wusste, dass an besagter Stelle etwas Asynchrones passierte; es war uns einfach nicht bewusst. Nachdem dann zwei Entwickler daran schon mehrere Stunden gesucht hatten, haben sie mich gefragt, ob ich einmal mit nach dem Fehler schauen könne. Beide hatten mit dem Debugger gearbeitet, hatten sich die Komponenten-Hierarchie angeschaut, hatten sich die Props angeschaut, hatten alles Mögliche gemacht. Ich habe es durch das Verwenden von console.log, das Beobachten des Verhaltens, Lesen des Codes und Nachdenken geschafft, den Fehler nach und nach immer weiter einzugrenzen. Und nach einer knappen Stunde blieb nur noch eine Möglichkeit als Ursache übrig: Diese und jene Zeile musste anscheinend asynchron verarbeitet werden, es war die einzig mögliche Erklärung, wie es zu dem gezeigten Verhalten kommen konnte.

Dann haben wir in die Dokumentation von React geschaut, und genau so war es dann auch. Natürlich hätte man das auch am Anfang nachschauen können, nur kam niemand auf die Idee, ausgerechnet an dieser Stelle zu suchen. Die Lektion dabei ist: Der Debugger hat das Problem offensichtlich nicht gelöst. Sondern: Das systematische Eingrenzen hat es am Ende gebracht. Eben die Frage:

„Wo könnte das Problem liegen?“

und dann Schritt für Schritt, nach und nach, alle Möglichkeiten bis auf eine ausschließen.

Wenn wir damit jetzt zu der Erkenntnis gekommen sind, dass systematisches Denken wichtiger ist als das Tool, stellt sich natürlich die Frage: Was ist dann an console.log oder fmt.Println eigentlich vermeintlich so falsch? Oder andersherum gefragt: Warum funktioniert das so gut? Dafür gibt es tatsächlich drei ausgezeichnete Gründe.

Erstens: das Observability-Mindset. Im Grunde macht man nämlich Observability im Kleinen. In Production hat man oft auch keinen Debugger – nur Logging, Tracing, Metrics. Wer gewohnt ist, durch gezieltes Logging zu debuggen, denkt automatisch in die Richtung:

„Was muss ich wissen, um das System zu verstehen?“

Man überlegt sich: An welcher Stelle brauche ich welche Informationen? Was ist relevant? Was hilft mir weiter? Das ist eine wertvolle Fähigkeit, gerade für moderne verteilte Systeme, bei denen man nicht mehr mit einem Debugger arbeiten kann, weil die einzelnen Services auf verschiedenen Maschinen laufen.

Zweitens: Reproduzierbarkeit und Dokumentation. Mit Logs hat man eine dauerhafte Spur. Man kann den Code laufen lassen, die Ausgabe analysieren, den Code erneut laufen lassen, die Ausgaben vergleichen. Man sieht:

„Ah, beim ersten Mal war der Wert hier 42, beim zweiten Mal ist er aber 43, da muss irgendwo ein Zähler sein, der nicht zurückgesetzt wird.“

Mit einem Debugger ist das oft sehr viel flüchtiger. Man klickt sich durch, sieht etwas, aber hat es nicht festgehalten. Beim nächsten Durchlauf muss man sich dann wieder durchklicken, und wenn man nicht aufgepasst hat, weiß man gar nicht mehr so genau, was man beim letzten Mal eigentlich gesehen hat.

Drittens: Bewusstes Denken wird erzwungen. Man muss sich überlegen: Was will ich eigentlich wissen? Wo könnte das Problem liegen? Welche Variablen sind relevant? An welcher Stelle im Code muss ich schauen? All das fördert systematisches Denken. Gerade für weniger erfahrene Entwicklerinnen und Entwickler kann ein Debugger dann nämlich schnell ein schlechtes Hilfsmittel werden: Sie setzen dann einen Breakpoint, schauen sich Variablen an, klicken sich durch den Call-Stack, verstehen aber nicht den größeren Zusammenhang. Sie sehen zwar Daten, aber sie verstehen nicht, was sie bedeuten. Durch bewusstes Logging muss man sich diese Fragen aber stellen. Man muss sich überlegen, was relevant ist. Das ist eine wertvolle Übung.

Jetzt kommt eine Beobachtung aus der Praxis, die das Ganze noch unterstreicht: Ich bin, wie eingangs bereits erwähnt, in Kundenprojekten oft derjenige, der gefragt wird, wenn anderen die Ideen ausgehen. Die Leute kommen zu mir und sagen:

„Golo, wir suchen jetzt seit Tagen nach der Ursache für diesen Bug, wir finden ihn einfach nicht, kannst du mal draufschauen?“

Trotz Debugger finden sie den Fehler nicht. Ich finde ihn dann über kurz oder lang – ohne Debugger. Warum? Weil die Methodik entscheidet, nicht das Tool. Genau das können leider viel zu viele Entwicklerinnen und Entwickler nicht allzu gut: systematisch eingrenzen und logisch schlussfolgern. Die verlassen sich darauf, dass der Debugger ihnen die Antwort quasi auf dem Silbertablett präsentieren wird. So funktioniert das jedoch nicht. Der Debugger ist nur ein Werkzeug, das einem Daten zeigt. Die Interpretation dessen, also das Verstehen, das logische Schlussfolgern, das muss man selbst machen.

Ich will es aber auch nicht so darstellen, als wären Debugger per se schlecht oder als ob man sie nie benutzen sollte. Das wäre unseriös, und das wäre auch falsch. Es gibt durchaus Situationen, in denen ein Debugger legitim und sinnvoll ist. Zum Beispiel beim Verstehen von fremdem Code, den man noch gar nicht kennt. Man steigt in ein neues Projekt ein, und da kann ein Debugger natürlich helfen, schnell einen Überblick zu bekommen, im Sinne von:

„Ah, diese Funktion ruft jene auf, die ruft wiederum diese andere auf.“

Oder bei sehr komplexen Objektgraphen, die man visualisieren möchte. Wenn man eine verschachtelte Datenstruktur hat, die man sich in einer schönen Baumansicht anschauen will, ist ein Debugger praktisch. Aber auch hier gilt: Der Debugger ersetzt nicht das Denken. Er ist ein Hilfsmittel, mehr nicht. Es geht mir also, um das noch einmal zu betonen, nicht darum, Debugger an sich zu verteufeln. Sondern es geht mir darum, zu sagen: Bloß weil jemand keinen Debugger verwendet, macht das sie oder ihn nicht zu einem schlechten Developer. Unter Umständen bewirkt es das genaue Gegenteil.

Das heißt: Nicht das Tool macht gute Developer aus, sondern die Methodik macht es. Systematisches Eingrenzen, logisches Denken, die Fähigkeit, eine Kausalkette nachzuvollziehen – das sind die Fähigkeiten, die zählen. Nur weil jemand keinen Debugger benutzt, ist sie oder er nicht schlecht oder falsch aufgehoben in der Entwicklung. Im Gegenteil: Wer ohne Debugger auskommt, hat oft die bessere Methodik, weil sie oder er sich nicht auf ein Tool verlässt, sondern auf das eigene Denken.

Mein Rat daher: Probieren Sie es einmal aus. Versuchen Sie beim nächsten Problem einmal, bewusst ohne Debugger auszukommen. Setzen Sie bewusst console.log oder fmt.Println ein, grenzen Sie systematisch ein und denken Sie nach. Stellen Sie sich die Frage: Was könnte die Ursache sein? Wie kann ich das überprüfen? Was schließe ich damit aus? Das wird vermutlich anstrengend, weil man es vielleicht nicht so geübt ist, so zu arbeiten. Je öfter man das macht, desto überraschter wird man aber sein, wie gut das funktioniert. Und irgendwann wird man merken, dass man auf einmal viel bewusster über seinen Code nachdenkt.


(rme)



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Das heise-security-Webinar zu NTLM & Kerberos


Das Active Directory (AD) bildet das Herzstück fast jeder Unternehmens-IT. Doch dessen Sicherheit fußt auf zwei überalterten und deshalb unsicheren Techniken: der Authentifizierung via NTLM und Kerberos. Wer hier nicht gezielt nachbessert, wird bestraft, denn Kriminelle nutzen diese Schwachstellen routinemäßig, um sich Zugang zu höheren Rechten und wichtigen Daten im Firmennetz zu verschaffen. Unser Webinar zeigt, wo die Probleme liegen, und was Sie dagegen machen können; noch bis zum 31. Januar können Sie Ihr Ticket zum reduzierten Frühbuchertarif buchen.

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Obwohl Microsoft das Ende von Net-NTLM (kurz NTLM) bereits angekündigt hat, bleibt das veraltete Protokoll im Alltag allgegenwärtig – und wird Administratoren wohl noch Jahrzehnte begleiten. Da es sich leicht angreifen lässt, spielt NTLM bei Sicherheitsvorfällen oft eine entscheidende Rolle. Doch auch Kerberos, das eigentlich als sicher gilt, ist von Schwachstellen geplagt. Wegen des von Microsoft eingesetzten, veralteten Verschlüsselungsverfahrens RC4 lassen sich schwache Passwörter damit in kürzester Zeit offline knacken.

Administratoren müssen daher genau verstehen, wo die Schwachstellen beider Protokolle liegen, welche Risiken sie für das eigene Netzwerk bedeuten und wie sie die Gefahren minimieren. Dieses dreistündige heise-security-Webinar erklärt Ihnen nicht nur, warum Kerberos und NTLM weiterhin Probleme bereiten. Referent Frank Ully demonstriert praxisnah, wie Angreifer im AD nicht nur die Kommunikation kapern (Attacker-in-the-Middle, AitM), sondern gezielt Anmeldeversuche erzwingen (Coercion). Er zeigt die verheerenden Folgen von Relaying-Angriffen auf Dateiserver, Domänencontroller und Zertifikatsdienste.

Anschließend erläutert Ully die bewährten Konzepte, um sich schrittweise aus der Gefahrenzone zu bringen. Dazu präsentiert er die notwendigen Gegenmaßnahmen und erklärt, warum deren Umsetzung in der Praxis oft hakt. Das mündet in ein Konzept, mit dem Sie Ihr eigenes Netz schrittweise absichern und verbleibende Restrisiken weitestmöglich einschränken. Ob erfahrener Sicherheitsexperte oder Administrator einer gewachsenen Domäne: Nach diesem Webinar verstehen Sie die Risiken der AD-Authentifizierung und wissen, wie Sie die Lücken effizient schließen.

Das Webinar findet statt am 26. Februar und dauert insgesamt etwa drei Stunden, in denen auch viel Raum für Fragen der Teilnehmer vorgesehen ist. Wie bei allen heise security Events ist die Veranstaltung komplett werbefrei und unabhängig. Sie richtet sich an Administratoren und Sicherheitsverantwortliche in Unternehmen und Behörden aller Größen, die ein AD betreiben. Die Teilnahme kostet aktuell 195 Euro; ab dem 1. Februar erhöht sich der Preis auf 225 Euro. Mitglieder von heise security PRO können natürlich kostenlos daran teilnehmen (ihr erhaltet die Informationen dazu wie üblich über den exklusiven Security-Newsletter am Donnerstag und im PRO-Forum).

Weitere Informationen zum Webinar und die Möglichkeit, sich anzumelden gibt es auf der Webseite zu:

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Die Mitgliedschaft bei heise security PRO umfasst übrigens die kostenlose Teilnahme an allen heise security Webinaren und die alljährliche heise security Tour. Mehr Informationen zu heise security PRO finden Sie hier:


heise Security Pro

heise Security Pro


(ju)



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THG-Quote 2026: Mehr Geld fürs Elektroauto


Neben der staatlichen Kaufprämie für Privatkunden, die bis zu 6000 Euro betragen kann, gibt es für Elektroautos jährlich Geld aus dem CO₂-Handel. Das Stichwort ist die Treibhausgasminderungsquote, abgekürzt THG. Halter von Elektroautos können 2026 ein besseres Ergebnis als 2024 und 2025 erzielen: Statt teilweise weniger als 100 Euro gibt es unter Umständen mehr als 250. Dafür müssen sich die Halter lediglich bei einem Tradingpartner registrieren. Hinter der höheren Ausschüttung steht eine Gesetzesinitiative der Bundesregierung, die geeignet ist, einen üblen Betrug an der Umwelt auszuhebeln.


VW Golf Rad

VW Golf Rad

Der Mechanismus des CO₂-Handels ist im Grundsatz simpel: Die sogenannten Inverkehrbringer von fossilen Kraftstoffen – also Shell, BP und andere – sind verpflichtet, eine jährlich höhere CO₂-Reduzierung der Produkte nachzuweisen. 2020 lag der vorgeschriebene Minderungsanteil bei sechs Prozent gegenüber den ausschließlich rohölbasierten Kraftstoffen von 2016. 2025 betrug das vorgeschriebene Minus 10,6 Prozent. In diesem Jahr sind es 12,1 Prozent. Die Vorgabe von 25,1 Prozent für 2030 entspricht nochmals mehr als einer Verdopplung gegenüber heute. Gelingt es den Ölkonzernen nicht, diese Quoten einzuhalten, sind im Rahmen der EU-Richtlinie „RED III“ 600 Euro Strafzahlung pro Tonne Kohlendioxid fällig, die die Minderungsquote überschreitet. Hier ist also ein Marktmechanismus in Kraft, der preisgünstigere Lösungen als diese 600 Euro pro Tonne belohnt, die wiederum untereinander im Wettbewerb stehen.


Kia EV3

Kia EV3

Halter von Elektroautos bekommen aus dem THG-Quotenhandel eine jährliche Ausschüttung. Einzige Voraussetzung ist, dass sie sich bei einem Tradingpartner registrieren. In den Jahren 2024 und 2025 gab es im Regelfall weniger als 100 Euro. 2026 könnten es 250 und mehr Euro sein.

(Bild: Christoph M. Schwarzer)

Die bekannteste Maßnahme zur CO₂-Minderung von Dieselkraftstoff und Superbenzin ist die Beimischung von „Biokraftstoffen“. Gemeint ist zum Beispiel Rapsmethylester (Diesel B7) oder Ethanol (Super E5 oder E10). Dieses Verfahren ist aber nicht mehr ausreichend, um die THG-Quote zu erfüllen. Die Konzerne mussten und müssen THG-Zertifikate zukaufen, wovon Elektroautohalter profitieren.


Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „THG-Quote 2026: Mehr Geld fürs Elektroauto“.
Mit einem heise-Plus-Abo können Sie den ganzen Artikel lesen.



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So schädlich? Erster Kinder-Prozess gegen Facebook und YouTube läuft in LA an


Wie viel Schuld tragen die Betreiber Sozialer Netze am Leid von Kindern und deren Umfeld? Bauen sie absichtlich Funktionen ein, die Kinder süchtig machen? Welche Verantwortung tragen sie für die Auswahl der Kindern vorgesetzten Inhalte? Solche Fragen sollen Gerichte und Geschworene in den USA entscheiden. Über tausend Klagen sind anhängig, meist von Kindern, deren (hinterbliebenen) Eltern oder Schulverwaltungen. Zudem führt die Mehrheit der US-Staaten Klage. Beklagt sind regelmäßig Alphabet/Google/YouTube, Bytedance/TikTok, Meta Platforms/Facebook/Instagram und Snapchat-Betreiber Snap. In Kalifornien tritt jetzt ein erster Prozess in die Gerichtssaalphase ein.

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Alphabet samt Google und YouTube sowie Facebook müssen sich den Vorwürfen einer als K.G.M. bezeichneten 19-Jährigen stellen. Snap und TikTok haben sich durch Vergleiche aus der Affäre gezogen. Wie viel sie dafür zahlen und ob sie Änderungen versprochen haben, ist streng geheim. Schließlich wollen sie nicht, dass sich das herumspricht, denn es sind ja noch über tausend weitere Klagen anhängig.

Durch ihre Vergleiche haben sich Snapchat und TikTok einen Vorteil verschafft: Sie können zuschauen, wie sich YouTube und Facebook vor Gericht schlagen, und beobachten, was bei den Geschworenen gut ankommt und was nicht. Gleichzeitig können sie auf Äußerungen verzichten, die ihnen sonst in einem späteren Verfahren vorgehalten werden könnten.

Erkenntnisgewinn ist ganz offiziell der Zweck dieses ersten Prozesses. Weil so viele Klagen anhängig sind, werden sie gebündelt. Bei Bundesgerichten nennt sich das MDL (Multi-District Litigation), bei kalifornischen Gerichten JCCP (Judicial Council Coordination Proceedings). Ausgewählt wurde dort der Superior Court des County Los Angeles, der zahlreiche Klagen in einer Akte zusammenfasst: Im Gerichtsenglisch heißt sie Christina Arlington Smith individually and as successor-interest to Lalani Walton, deceased, et al v Tiktok et al (Az. 22STCV 2135, JCCP5255). „et al“ ist eine lateinische Abkürzung und steht auf beiden Seiten für „und andere“.

Dass alle Klagen irgendwann im Gerichtssaal verhandelt werden, ist ausgeschlossen. Bis dahin wären viele der Kinder in Pension. Das Gericht in LA hat aus den vielen tragischen Fällen drei unterschiedliche für echte Verhandlungen vor Geschworenen ausgewählt: KGM, RKC und Moore. An diesen Urteilen sollen sich später die Vergleichsverhandlungen der vielen anderen Klagen orientieren. Für die beklagten Datenkonzerne steht in den drei Prozessen also viel auf dem Spiel. Die Auswahl der Geschworenen in Los Angeles hat am Dienstag begonnen und wird mindestens bis Donnerstag dauern.

KGM gibt an, seit dem Alter von sechs Jahren YouTube zu nutzen, seit dem Alter von elf Jahren Instagram. Sie wirft den Betreibern vor, ihr schwere psychologische Schäden zugefügt zu haben, insbesondere durch Merkmale wie endlose Webseiten (infinite scroll) und automatisch ablaufende Videos (autoplay). Die Folgen seien Angstzustände, Depressionen, Selbstschädigungen und Suizidalität.

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Nicht nur fordert sie für sich und ihre Familie Schadenersatz und Strafschadenersatz, der die Sozialen Netze zu Änderungen drängen soll, sondern auch prominente Warnungen auf den Plattformen selbst. Diese sollen die Eltern der Kinder ansprechen. KGMs Mutter hat ausgesagt, dass sie bei entsprechender Warnung die Nutzung durch ihre Tochter eingeschränkt hätte. Die Beklagten stellen die Vorwürfe in Abrede. Tatsächlich würden sie besonderes Augenmerk auf Kinderschutz legen und zahlreiche Maßnahmen ergreifen.

Die Datenkonzerne haben vergeblich versucht, KGMs Klage im Keim zu ersticken. Die Mutter habe die Nutzungsbedingungen gar nicht gelesen, lautete ein Vorbringen; sie hätte die verlangten Warnhinweise also gar nicht wahrgenommen. Natürlich fordert KGM nicht mehr Kleingedrucktes, sondern prominente Einblendungen, die nicht zu übersehen sind. Bytedance meinte (vor dem Vergleich), KGM sei schon vor dem Einstieg in TikTok psychisch geschädigt gewesen.

Ein anderes Argument war, dass für den Leidensweg des Mädchens nicht die Sozialen Netze, sondern schikanierende Mitschüler (Bullies) und Schwierigkeiten in der Familie verantwortlich seien. Und juristisch seien die Klagen ohnehin unzulässig: Tatsächlich verleiht US-Bundesrecht in Section 230 Immunität für Inhalte, die Webseitenbetreiber nicht selbst bereitstellen, sondern die von Dritten gepostet werden (mit Ausnahmen, die hier nichts zur Sache tun). Die erhobenen Vorwürfe stünden allesamt in engem, untrennbarem Zusammenhang mit solchen Inhalten. Nur in bestimmten Fällen haften Betreiber für die Auswahl der Drittinhalte, die sie ihren Nutzern vorsetzen.

No provider or user of an interactive computer service shall be treated as the publisher or speaker of any information provided by another information content provider.

Die Richterin hat jedoch alle Anträge auf schnelle Verfahrenseinstellung abgelehnt: KGM habe genügend Beweise vorgelegt, um zu zeigen, dass die Schädigung durch die Gestaltung der Plattformen eingetreten ist, unabhängig von deren konkreten Inhalten.

Darauf werden sich die Anwälte der jungen Frau wohl konzentrieren. Besonders herausfordernd ist, dass sie nicht bloß die Geschworenen davon überzeugen müssen, dass es wirklich die Funktionen Facebooks und YouTubes waren, die die Mandantin geschädigt haben. Und, wenn möglich, dass die Konzerne von der Schädlichkeit wussten. Die Beweisführung muss zudem darlegen, welche Plattform in welchem Umfang zu welcher Schädigung beigetragen hat.

Hinweis: In Deutschland finden Sie Hilfe und Unterstützung bei Problemen aller Art, auch bei Fragen zu Suizid und Mobbing, bei der telefonseelsorge.de und telefonisch unter 0800 1110111. Die Nummer gegen Kummer (Kinder- und Jugendtelefon) lautet 116 111. In Österreich gibt es ebenfalls kostenfreie Hilfsangebote, darunter speziell für Kinder der Kindernotruf unter 0800 567 567 sowie Rat auf Draht unter 147. Dieselbe Telefonnummer führt in der Schweiz zu Pro Juventute.


(ds)



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