Künstliche Intelligenz
Top 10: Die besten günstigen In-Ear-Kopfhörer – Google vor Earfun und Soundcore
Wir haben dutzende günstige In-Ear-Kopfhörer getestet und zeigen hier die zehn besten In-Ears für um die 100 Euro oder weniger.
Wer ordentliche In-Ear-Kopfhörer will, muss nicht zwangsläufig viel Geld ausgeben. Bereits für um die 100 Euro oder weniger gibt es richtig gute Modelle, die neben umfangreicher App, hohem Tragekomfort und einer langen Akkulaufzeit überraschenderweise häufig auch mit richtig tollem Klang überzeugen.
Selbst Premium-Funktionen wie Hi-Res-Codecs, Qi-Ladung, Multipoint und Auracast sehen wir zunehmend im Einstiegssegment. Lediglich bei der aktiven Geräuschunterdrückung (ANC) haben die teuren Modelle noch einen deutlichen Vorsprung. Trotzdem mildert auch das ANC in vielen günstigen Modellen merklich die Umgebungsgeräusche.
Wir zeigen hier die in unseren Ohren zehn besten günstigen In-Ear-Kopfhörer aus dutzenden Tests.
Welche In-Ear-Kopfhörer bis 100 € sind die besten?
Unsere Testsieger sind die Google Pixel Buds 2a für 99 Euro (Gomibo). Sie bieten nicht nur guten Klang und Premium-Features wie Spatial-Audio, sondern vor allem das beste ANC für unter 100 Euro.
Die Earfun Air Pro 4+ für 69 Euro (Amazon.de, Code: AP4PTECH) sind unsere Technologiesieger. Trotz ihres günstigen Preises zeigen sie jede Menge Premium-Features wie LDAC, AptX, Multipoint, Auracast, Qi-Ladung und vieles mehr.
Wer es richtig günstig will, der sollte zu unserem Preis-Leistungs-Sieger Huawei Freebuds 5i für 40 Euro (Joybuy) greifen. Trotz des schmalen Preises klingen sie dank LDAC richtig gut und sitzen perfekt im Ohr.
Wie gut klingen günstigen In-Ear-Kopfhörer?
Bei günstigen In-Ear-Kopfhörern steht meist ein bassbetontes Klangprofil im Vordergrund, das Pop, Hip-Hop und elektronische Musik spaßig wiedergibt. Neutrale oder detailreiche Abstimmungen sind selten. Aber viele Modelle bieten über eine App einen Equalizer, mit dem sich der Sound individuell anpassen lässt. Wichtig ist, dass Mitten und Höhen nicht zu sehr untergehen – sonst klingen Stimmen und Instrumente matschig. In Tests überzeugen oft Modelle mit 10- oder 12-Millimeter-Treibern, die für den Preis erstaunlich voluminös und klar klingen.
Haben schon günstige In-Ears ANC?
Aktives Noise-Cancelling ist inzwischen auch in günstigen In-Ears verbreitet, dämpft jedoch vorwiegend tiefe Frequenzen wie Motorengeräusche oder Brummen. Gegen Stimmen oder höhere Geräusche ist die Unterdrückung schwächer als bei teuren Flaggschiffen. Viele Modelle bieten einen Transparenzmodus, der Umgebungsgeräusche durchlässt – praktisch für den Straßenverkehr. In der Budget-Klasse reicht das ANC oft für Bahnfahrten oder das Büro. Allerdings bieten hochpreisigere In-Ears in den meisten Fällen auch das bessere ANC.
Wie wichtig sind Codecs?
Die meisten günstigen In-Ears unterstützen nur die Basis-Codecs SBC und AAC. AptX oder LDAC, die höhere Bitraten und bessere Qualität ermöglichen, fehlen häufig. Allerdings sehen wir zunehmend, dass auch Hi-Res-Codecs in immer mehr günstigen In-Ears Einzug halten.
Akkulaufzeit
Eine solide Akkulaufzeit ist in der Budget-Klasse oft ein starkes Argument: Viele Modelle schaffen 7 bis 10 Stunden pro Ladung ohne ANC und bis zu 30 bis 40 Stunden mit dem Ladecase. Mit aktiviertem Noise Cancelling sinkt die Laufzeit häufig auf 5 bis 7 Stunden. Schnellladefunktionen (10 Minuten laden für eine bis zwei Stunden Musik) sind inzwischen Standard. Günstige In-Ears punkten hier oft deutlicher als teure Modelle, weil sie weniger stromhungrige Features haben.
Wie lange darf man In-Ear-Kopfhörer tragen?
Eine feste Obergrenze gibt es nicht – entscheidend sind Lautstärke, Passform und vor allem die Hygiene, die bei In-Ears oft unterschätzt wird. Langes Tragen ohne Pausen kann nicht nur das Gehör belasten, sondern besonders den Gehörgang durch Feuchtigkeit und Bakterien gefährden. In der Budget-Klasse wie bei teureren Modellen gilt: Regelmäßige Unterbrechungen und gute Pflege sind Pflicht, um Entzündungen oder Schlimmeres zu vermeiden.
In-Ear-Kopfhörer verschließen den Gehörgang komplett, behindern die natürliche Belüftung und lassen Feuchtigkeit sowie Wärme stauen – ideale Bedingungen für Bakterien und Pilze. Das erhöht das Risiko für Otitis externa („Schwimmerohr“), eine schmerzhafte Entzündung des äußeren Gehörgangs, die Juckreiz, Schwellungen und sogar Eiter verursachen kann.
Aus Hygienegründen sollten In-Ears nicht länger als 2 bis 4 Stunden am Stück getragen werden, danach mindestens 15–30 Minuten Pause, damit der Gehörgang abtrocknen und belüftet werden kann.
Weiterhin empfiehlt es sich, in regelmäßigen Abständen die Kopfhörer zu reinigen. In-Ears sollten bei regelmäßiger Nutzung im Idealfall wöchentlich gereinigt werden, bei sichtbarem Schmutz sofort. Eine gründliche Desinfektion empfiehlt sich etwa ein- bis zweimal im Monat. Die abnehmbaren Silikon- oder Schaumstoff-Ohreinsätze lassen sich in lauwarmem Seifenwasser waschen und müssen vor dem Wiedereinsetzen vollständig trocknen.
Der Hörer selbst wird mit einem weichen, leicht angefeuchteten Tuch abgewischt; für die Ladekontakte eignet sich gelegentlich etwas Isopropylalkohol. Dabei sollte keine Flüssigkeit in die Lautsprecheröffnungen oder Mikrofone gelangen.
Neben Hygiene ist die Lautstärke der zweite große Faktor: In-Ears leiten Schall direkt ans Trommelfell, was den Schalldruck um bis zu 6 bis 9 dB erhöht. Die bekannte 60/60-Regel (max. 60 % Lautstärke, höchstens 60 Minuten, dann Pause) schützt vor bleibenden Schäden.
Tragekomfort und Passform
Der Tragekomfort entscheidet, ob man die In-Ears stundenlang ohne Druck oder Schmerzen tragen kann – besonders wichtig bei günstigen Modellen, die oft länger im Ohr bleiben sollen, um den Preis zu rechtfertigen. Mehrere Silikonaufsätze in verschiedenen Größen sind Pflicht, manche Modelle kommen zusätzlich mit Flügeln für besseren Halt beim Sport. Leichte Earbuds und ergonomische Formen verhindern schnelles Ermüden.
Wasserschutz und Bauqualität
Ein gutes IP-Rating (mindestens IPX4 gegen Spritzwasser, besser IP54 oder höher gegen Staub) ist für günstige In-Ears essenziell, wenn man sie beim Sport oder im Regen nutzen möchte. Das Ladecase sollte robust sein und einen sicheren Verschluss haben. In der Preisklasse unter 100 Euro halten viele Modelle überraschend viel aus.
Mikrofonqualität
Für Telefonate und Videocalls ist ein klares Mikrofon wichtiger als man denkt – gerade bei günstigen In-Ears oft ein Schwachpunkt. Viele Modelle haben einfache Rauschunterdrückung, die Wind oder Hintergrundgeräusche nur mäßig filtert. Gute Budget-Kandidaten schaffen verständliche Sprache in ruhigen Umgebungen, während Premium-Modelle natürlicher klingen. Wer viel telefoniert, sollte auf Testberichte achten oder Modelle mit mehreren Mikrofonen pro Earbud wählen.
Bedienung und App-Unterstützung
Touch-Bedienung ist Standard, doch die Zuverlässigkeit variiert: Manche reagieren zu sensibel, andere zu träge. Eine App mit Equalizer, ANC-Stufen und Firmware-Updates wertet günstige In-Ears deutlich auf.
Preis-Leistungs-Verhältnis
Das entscheidende Kriterium bei günstigen In-Ears: Wie viel Qualität bekomme ich für mein Geld? Modelle um 50 bis 80 Euro bieten oft 80 bis 90 Prozent der Leistung von 200-Euro-Kopfhörern, gerade bei Klang, Akku, App und Komfort. Straßenpreise schwanken mitunter deutlich – das Warten auf Angebote kann sich lohnen. Wir empfehlen dafür einen Blick auf Preisvergleichsportale wie Geizhals.de und deren Preisverlaufskurve.
Fazit
Auch unter 100 Euro gibt es viele richtig gute In-Ear-Kopfhörer. Vor allem beim Klang muss man im Vergleich zu teuren Modellen häufig nur wenig Abstriche eingehen. Auch der Tragekomfort kann bei den günstigen Earbuds sehr hoch sein. Selbst Codecs wie LDAC, aptX sowie AAC und eine App mit Equalizer gehören mittlerweile fast schon zum guten Ton. Wo es nach wie vor Nachholbedarf gibt, ist beim ANC. Die Ausnahme bildet unser Testsieger Google Pixel Buds 2a.
Wer bereit ist, auch etwas mehr Geld auf den Tisch zu legen, sollte sich unsere große Bestenliste In-Ears genauer anschauen. Für alle, die primär beim Sport was auf die Ohren wollen, könnte die Bestenliste Sport-Kopfhörer helfen. Lieber Over-Ear als In-Ear? Dann zeigen wir in der Bestenliste Over-Ear die wirklich besten Modelle.
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Projektmanagement-Tool OpenProject 17.2 öffnet sich für KI-Systeme
Die quelloffene Projektmanagement-Software OpenProject liegt in Version 17.2 vor. Zentrales neues Feature ist ein MCP Server, der Projektdaten für KI-Systeme zugänglich macht. Außerdem bringt das Release wiederverwendbare Meeting-Vorlagen, neue Budget-Widgets auf der Projektübersicht sowie fünf Security-Fixes.
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MCP Server als Brücke zu KI-Systemen
Der MCP Server implementiert das Model Context Protocol und stellt die APIv3-Ressourcen von OpenProject als MCP-kompatible Endpunkte bereit. Damit können KI-Systeme wie große Sprachmodelle (LLM) und andere MCP-Clients auf Projektdaten zugreifen – etwa um den Projektstatus zusammenzufassen oder Abhängigkeiten zwischen Arbeitspaketen zu analysieren. Der initiale Satz an MCP-Tools und Ressourcen umfasst Entitäten wie Projects, Work Packages und Users. Schreibzugriffe auf Projektdaten sind in der aktuellen Version noch nicht vorgesehen.
Technisch unterstützt der Server Session-Cookies und Bearer-Tokens. Für die Authentifizierung lässt er sich über OAuth2, API-Keys sowie externe OpenID-Connect-Provider anbinden; dafür steht ein eigener OAuth-Scope „mcp“ zur Verfügung. Die Konfiguration erfolgt über eine administrative Oberfläche, in der sich Response-Formate und -Volumen einstellen lassen.
Gesponsert hat das Feature Mercedes-AMG, das den MCP Server nach Angaben der Entwickler bereits aktiv in der eigenen OpenProject-Umgebung einsetzt und bei der Anforderungserhebung mitgewirkt hat. Der MCP Server steht als Enterprise-Add-on ab dem Professional Plan zur Verfügung.
Meeting-Vorlagen und Budget-Widgets
OpenProject 17.2 führt wiederverwendbare Meeting-Vorlagen ein. Administratoren definieren Templates mit vordefiniertem Agenda-Layout, die Nutzer beim Erstellen eines Meetings auswählen können. Die Agenda wird dann automatisch befüllt, was die Vorbereitung standardisiert und beschleunigt. Die Funktion ist als Enterprise-Add-on ab dem Basic Plan verfügbar.
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Auf der Projektübersicht zeigen neue Budget-Widgets geplantes Budget, tatsächliche Kosten, Ausgabenquote und verbleibendes Budget an – inklusive visueller Aufschlüsselung nach Kostenart und Aggregation über Unterprojekte. Voraussetzung ist, dass sowohl das Budgets- als auch das Zeit-&-Kosten-Modul aktiviert sind. Die Widgets auf der Project Overview unterstützen nun auch Inline-Editing für Projektbeschreibung und Status. Hinzu kommen optionale Kommentarfelder für Projektattribute, die Änderungsbegründungen dokumentieren.
Barrierefreiheit und PDF-Export
Bei der Barrierefreiheit hat das Team nachgebessert: Die Widgets der Projektübersicht sind nun per Tastatur bedienbar und bieten verbesserte Semantik für Screenreader gemäß WCAG-2.1-AA-Richtlinien. Im PDF-Export lassen sich Beziehungen zwischen Arbeitspaketen nun als Tabellen darstellen; zudem werden WebP-Bilder unterstützt.
Im Bereich UX setzt OpenProject 17.2 das Primer Design System in weiteren Bereichen um, darunter die Backlogs-Ansicht mit Split-Screen und Drag & Drop sowie Admin-Oberflächen für Custom Fields, Versionen und Gruppen. Ein neuer Jira-Importer befindet sich in einer frühen Testphase und soll Issues, Kommentare, Anhänge und Strukturen übernehmen – weitere Funktionen sollen in kommenden Releases folgen.
Fünf Sicherheitslücken geschlossen
Version 17.2 behebt fünf Sicherheitslücken, die über das von der EU-Kommission geförderte Bug-Bounty-Programm bei YesWeHack gemeldet wurden. Darunter befindet sich CVE-2026-30234, eine Path-Traversal-Schwachstelle im BIM-BCF-XML-Import, die authentifizierten Nutzern das Lesen beliebiger Dateien ermöglichte (CVSS 6.5). CVE-2026-30239 beschreibt einen Permission-Bypass bei der Budget-Löschung (CVSS 6.5). Weitere Fixes betreffen DOM Clobbering über Markdown-Hyperlinks (CVE-2026-30235), das Leaken globaler Stundensätze an Nicht-Mitglieder über Labor Budgets (CVE-2026-30236) sowie eine Blind-SSRF-Lücke über Webhooks (CVE-2026-31974).
Erst Anfang des Jahres hatte OpenProject 17 die Echtzeit-Kollaboration in Dokumenten eingeführt. Die vollständigen Release Notes listen alle Änderungen im Detail auf.
Siehe auch:
(fo)
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Meta Quest: Neuer Algorithmus macht VR-Spiele flüssiger
Meta hat einen neuen Frame-Timing-Algorithmus für Horizon OS eingeführt: FrameSync soll für ein flüssigeres Spielerlebnis mit oftmals höheren Bildraten und einer geringeren Verzögerung zwischen einer Kopfbewegung und ihrer sichtbaren Umsetzung in Virtual Reality sorgen. Ruckler, tiefe Bildraten und eine hohe Latenz gehören zu den häufigsten, aber längst nicht einzigen Auslösern für VR-bedingtes Unwohlsein, gemeinhin auch Motion Sickness genannt.
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FrameSync ersetzt PhaseSync, den bisherigen Frame-Timing-Algorithmus, der vor über fünf Jahren für Meta Quest 2 eingeführt wurde. Entwickler können den neuen Algorithmus bereits mit ihren Apps ausprobieren, mit dem nächsten Betriebssystem-Update soll er automatisch für alle Apps im Horizon Store zur Anwendung kommen. Nutzer sollten damit unmittelbar von der Neuerung profitieren.
Ein möglicher Nachteil von FrameSync ist eine leicht höhere Auslastung von CPU und GPU, schreibt Meta. Das könne sich je nach Anwendung und Spieldauer geringfügig auf die Akkulaufzeit und die temperaturbedingte Leistungsdrosselung des Geräts auswirken. Aus diesem Grund können Entwickler FrameSync für ihre Apps manuell deaktivieren. Laut Meta sollten jedoch die meisten Anwendungen insgesamt von der neuen Technik profitieren.
Was ist FrameSync?
Frame-Timing-Algorithmen wie FrameSync und PhaseSync sorgen dafür, dass Rendering, Tracking und Bildausgabe zeitlich möglichst genau aufeinander abgestimmt werden.
Setzt die Berechnung eines Bildes zu früh an, kann es sein, dass es abgeschlossen und ausgegeben wird, bevor das System die neuesten Trackingdaten berücksichtigen kann. Das kann wiederum dazu führen, dass zwischen einer Kopfbewegung und ihrer Darstellung im Bild eine sichtbare Latenz entsteht. Die Funktion von FrameSync und PhaseSync besteht demnach darin, den richtigen Zeitpunkt für die Berechnung eines Bildes vorherzusagen und diese entsprechend zu verzögern.
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Die alte und die neue Synchronisierungstechnik unterscheiden sich laut Meta darin, dass FrameSync den richtigen Renderzeitpunkt eines Bildes statistisch robuster vorhersagen kann.
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Dadurch sollen auch sogenannte „stale frames“ vermieden werden. Dabei handelt es sich um Bilder, die das System mehr als einmal anzeigt, weil das nächste Frame nicht rechtzeitig berechnet werden konnte. Für den Spieler äußert sich das durch ein Ruckeln in der Bewegung. Durch eine genauere Vorhersage soll dieses Phänomen seltener auftreten und die Reaktionsfähigkeit des Systems insgesamt steigen.
(tobe)
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Interview: Wie Hirnstimulation Depressionen lindert
Depressionen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen – allein in Deutschland sind jährlich über fünf Millionen Menschen betroffen. Doch nicht alle sprechen auf Antidepressiva an, und viele brechen die Therapie wegen Nebenwirkungen ab. Eine Alternative kann die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) bieten, die bereits seit 1990 in anderen Kontexten im medizinischen Einsatz ist, vor allem in Kliniken und Forschungszentren.
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Doch „Flow FL-100“, ein Medizinprodukt der Klasse IIa, soll die Stimulationsmöglichkeit ins heimische Wohnzimmer bringen. Es soll gezielt den präfrontalen Kortex stimulieren und so depressive Symptome lindern. In den USA hat die FDA das Gerät als erstes verschreibungspflichtiges Heim-Headset für Depressionen zugelassen. Über Flow haben wir mit Phil Ritter gesprochen, dem Geschäftsführer der deutschen Flow-Neuroscience-Tochter.

Phil Ritter ist Geschäftsführer der deutschen Tochter von Flow Neuroscience.
(Bild: Ritter)
tDCS ist in der klinischen Forschung seit über 20 Jahren bekannt. Warum bringen Sie diese Technologie jetzt als Headset für den Heimgebrauch?
Unser Ziel war es, das Gerät zugänglicher zu machen. Wir sehen tDCS als den „kleinen Bruder“ der transkraniellen Magnetstimulation (TMS), die man nur in Kliniken mit großen Geräten durchführen kann. Die Versorgungslage bei psychischen Erkrankungen ist angespannt: Wartezeiten auf Therapieplätze sind lang, und Medikamente sind nicht für jeden die richtige oder alleinige Lösung. Wir wollten eine Brücke bauen. Das Headset ermöglicht es Patienten, eine evidenzbasierte, klinische Methode sicher und eigenständig zu Hause anzuwenden – ohne monatelang auf einen Termin warten zu müssen.
Ein häufiges Missverständnis ist, dass solche Technologien herkömmliche Therapien oder Antidepressiva komplett ersetzen sollen. Ist das Ihr Ziel?
Nein, das nicht. Die Depression ist eine komplexe Erkrankung mit vielen Ursachen. Es gibt nicht die eine Wunderwaffe. Wir positionieren Flow ganz bewusst als weitere Säule im Behandlungsspektrum. Es kann als Monotherapie eingesetzt werden, aber wir sehen in unseren Daten, dass es auch in Kombination mit Antidepressiva oder Psychotherapie sehr effektiv ist – die Remissionsraten steigen in der Kombination sogar.
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Es geht uns darum, Ärzten und Patienten ein weiteres Werkzeug an die Hand zu geben. Wenn ein Patient beispielsweise aufgrund von Nebenwirkungen keine Medikamente nehmen möchte oder kann – etwa bei Kinderwunsch oder wegen Libidoverlust –, bieten wir eine chemiefreie Alternative. Aber wir wollen die Pharmakotherapie nicht verdrängen, sondern das therapeutische Angebot sinnvoll erweitern.
Sie sind aktuell als Medizinprodukt zur Behandlung von Depressionen zugelassen. Im Gespräch erwähnten Sie aber auch Effekte auf Schlaf und Konzentration. Wo geht die Reise hin?
Wir nutzen zur Verlaufskontrolle die sogenannte MADRS-Skala (Montgomery-Åsberg Depression Rating Scale). Diese fragt nicht nur die Stimmung ab, sondern auch Faktoren wie Schlaflosigkeit, Konzentrationsfähigkeit, innere Unruhe und Appetit.
Wir sehen in den Daten, dass die Stimulation des präfrontalen Kortex durch tDCS oft positive Effekte genau auf diese Bereiche hat: Patienten berichten, dass sie besser schlafen oder sich wieder fokussieren können. Das ist für uns ein starkes Signal für die Zukunft. Wir investieren derzeit massiv in die Forschung, um zu prüfen, ob wir die Wirksamkeit auch isoliert für Angststörungen, Schlafprobleme oder Konzentrationsschwächen belegen können. Aktuell sind wir ein reines Depressions-Therapiegerät, aber langfristig sehen wir das Potenzial, auch diese komorbiden Symptome gezielt anzugehen.
Das klingt nach einer Bewegung in Richtung „Health & Wellness“ und Selbstoptimierung. Verschwimmen da die Grenzen?
Die Grenze zwischen Medizinprodukt und „Health & Wellness“ wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren sicherlich unschärfer werden. Wir haben uns aber ganz bewusst für den härteren, medizinischen Weg entschieden. Wir hätten das Gerät auch als Lifestyle-Gadget für „besseres Denken“ vermarkten können. Aber wir wollten die wissenschaftliche Seriosität.
Patienten mit psychischen Leidensdruck brauchen Sicherheit, keine leeren Versprechen. Wenn wir irgendwann Claims zu Schlaf oder Konzentration machen, dann nur, wenn wir dafür dieselbe harte Evidenzbasis haben wie jetzt für die Depression.
Allein der Akt, sich jeden Tag 30 Minuten Zeit für sich selbst zu nehmen, das Gerät aufzusetzen und der Anleitung in der App zu folgen, etabliert eine positive Routine. Für Menschen in einer depressiven Episode, denen oft jegliche Struktur entgleitet, ist das enorm wertvoll. Es ist eine Form der Selbstwirksamkeit: „Ich tue aktiv etwas für meine Genesung.“ Dieser verhaltenstherapeutische Aspekt unterstützt die neurophysiologische Wirkung des Stroms.
Sie arbeiten an einer Weiterentwicklung der Technologie, die das Gehirn nicht nur stimuliert, sondern auch „liest“.
Richtig. Unser langfristiges Ziel ist eine noch stärkere Personalisierung. Wir arbeiten an der Integration von EEG-Technologie in das Headset. Die Idee ist, dass das Gerät die Hirnströme messen kann, um vorhersagen zu können, wie gut eine Person auf die Stimulation ansprechen wird.
Aktuell wissen wir meist nach der dreiwöchigen Aktivierungsphase, ob die Therapie anschlägt – bei etwa 77 Prozent ist das der Fall. Mit EEG-Daten und KI-Unterstützung könnten wir diesen „Response“ vielleicht schon viel früher erkennen oder das Stimulationsprotokoll individuell anpassen. Das würde die Behandlung noch effizienter und zielgerichteter machen.
Wie sieht es mit der Kostenerstattung aus?
Aktuell zahlen Patienten die rund 459 Euro meist selbst. Wir arbeiten intensiv daran, in die Regelversorgung zu kommen. In Großbritannien ist der NHS schon weiter und setzt Flow in vielen Bereichen ein. In Deutschland sind wir in Gesprächen mit dem G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuss) und Krankenkassen. Das System hier ist etwas langsamer und prüft derzeit, ob noch spezifische Erprobungsstudien für den deutschen Markt nötig sind, obwohl die internationale Datenlage – unter anderem durch eine große Studie in Nature Medicine – sehr eindeutig ist.
Wir hoffen aber, dass wir langfristig eine Kassenleistung werden. Bis dahin setzen wir auf Mietmodelle und Kooperationen mit Kliniken, um den Zugang so niedrigschwellig wie möglich zu halten.
(mack)
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