Digital Business & Startups
Wir haben 10 Jahre über KI geredet – was wir jetzt aber machen müssen
Wer lange genug in einer Branche arbeitet, merkt: Die großen Diskussionen ändern sich weniger, als man denkt. Schlagworte wechseln, Aufregung auch – das Grundmuster bleibt. Künstliche Intelligenz (KI) ist dafür das beste Beispiel.
Seit rund zehn Jahren erlebe ich KI nicht nur als Technologie, sondern als Ökosystem – erst global, dann europäisch, zunehmend auch deutsch geprägt. Und wenn man diese Zeit in einem Satz zusammenfassen will, dann vielleicht so: Die Themen sind geblieben. Aber die Gewichte haben sich verschoben – und damit die Konsequenzen.
2016 war der Wendepunkt: von IT zu Wirtschaftspolitik
Bis etwa 2016 war KI für viele ein Thema der IT: Machine Learning, Modelle, Forschung – spannend, aber weit weg vom operativen Geschäft. Spätestens ab diesem Zeitpunkt wurde KI wirtschaftspolitisch relevant. Nicht, weil sie neu war, sondern weil sie Wirkung entfaltet hat: Daten, Rechenleistung und erste Durchbrüche haben den Übergang markiert.
2016 war für mich auch persönlich ein Schlüsselmoment: In diesem Jahr habe ich gemeinsam mit meiner Frau Veronika die Rise of AI Conference ins Leben gerufen – mit dem Ziel, genau diese Entwicklung sichtbar zu machen und die unterschiedlichen Akteure zusammenzubringen.
Wer damals begonnen hat, ernsthaft zu lernen und zu investieren, steht heute sichtbar besser da. Nicht wegen Genie, sondern wegen Lernkurve. Technologie ist unfair: Wer früher startet, baut Vorsprung auf – in Talent, Infrastruktur, Netzwerken und Erfahrung.
Corona hat vieles unterbrochen und gleichzeitig beschleunigt. Seitdem ist klar: Wir reden nicht mehr nur über Potenzial. Wir reden über Integration, Skalierung – und Souveränität.
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Eine Zeitleiste erkennt man nicht an Buzzwords, sondern an Menschen
Wenn ich verstehen will, wo wir stehen, schaue ich nicht zuerst auf Produkte, sondern auf den Raum: Wer ist da? Wessen Fragen dominieren?
2016: Forscher, Gründer, Tech-Journalisten. Die Leitfrage: Was ist möglich?
2019: Corporates, Politik, Investoren. Die Leitfrage: Wie industrialisieren wir das?
Seit 2022: Entscheider, Verantwortungsträger, Governance. Die Leitfrage: Wie betreiben wir das jetzt – sicher, skalierbar, souverän?
Das ist kein Stimmungswechsel, sondern ein Strukturwandel. KI bewegt sich aus der Innovationsecke in den Maschinenraum von Unternehmen und Staaten.
Was gleich geblieben ist: Ethik, Jobs, Risiken, Regulierung
Wir sprechen seit zehn Jahren über Ethik, Transparenz, Auswirkungen auf Arbeit und Regulierung. Und wir werden auch in zehn Jahren noch darüber sprechen.
Nicht, weil wir nichts lernen – sondern weil das die Grundfragen jeder starken Technologie sind: Wer profitiert? Wer verliert? Wer kontrolliert? Wer haftet?
Gerade Regulierung wird uns dauerhaft begleiten – inklusive ihrer Schattenseite: Bürokratie. Dahinter steckt ein grundlegendes Dilemma: Technologie entwickelt sich exponentiell, Institutionen oft linear.
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Was sich wirklich verändert hat: von „reden“ zu „betreiben“
Der entscheidende Unterschied ist nicht, dass KI heute bessere Texte schreibt oder Bilder generiert. Der entscheidende Unterschied ist: KI ist vom Diskussionsobjekt zum Betriebssystem geworden.
Unternehmen stehen nicht mehr vor der Frage, ob sie sich mit KI beschäftigen sollten, sondern wie sie Arbeit, Entscheidungswege und Prozesse damit neu organisieren.
Die nächsten Jahre werden den Arbeitsmarkt verändern, KI endgültig zum Strategiethema machen und mit Agentensystemen ganze Organisationsstrukturen infrage stellen. Gleichzeitig wird Sicherheit – von Resilienz bis Verteidigung – zur zentralen Dimension.
Agenten verändern nicht nur Aufgaben – sie verändern Strukturen
Der Begriff „Agentensysteme“ wird aktuell oft verwendet. Dahinter steckt aber eine klare Entwicklung: KI bewegt sich von Assistenzsystemen hin zu handlungsfähigen Systemen, die Abläufe orchestrieren, Entscheidungen vorbereiten und Prozesse teilweise eigenständig ausführen.
Das stellt Organisationen vor neue Fragen. Die klassischen Strukturen – Abteilungen, Schnittstellen, Freigaben – sind nicht dafür gebaut, dass ein Teil der Arbeit von Systemen übernommen wird, die permanent verfügbar sind, parallel arbeiten und Entscheidungen vorbereiten.
Die eigentliche Herausforderung ist deshalb nicht: Kann die KI das? Sondern: Können wir als Organisation damit umgehen? Governance, Compliance, Qualitätskontrolle und Monitoring werden zur Grundvoraussetzung.
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Souveränität ist kein Gefühl. Es ist eine Rechnung.
Parallel wird das Thema Souveränität zentral – nicht als politische Debatte, sondern als wirtschaftliche Realität.
Souveränität bedeutet konkret: Wer betreibt die Modelle? Wo liegen die Daten? Welche Abhängigkeiten entstehen? Das betrifft Mittelstand, Konzerne und Startups gleichermaßen.
Der Staat wird zum entscheidenden Faktor
Ein Thema zieht sich seit Jahren durch – und entscheidet gerade über die Zukunftsfähigkeit von Standorten: die Rolle des Staates.
KI wirkt nicht nur in Marketing oder Vertrieb, sondern in Verwaltung, Bildung, Gesundheit, Sicherheit und Infrastruktur. Wenn der Staat hier nicht handlungsfähig wird – bei Beschaffung, Datenzugang, Standards und Ausbildung – entsteht ein struktureller Engpass.
Große Systeme sind oft langsam. Aber genau deshalb braucht es einen klaren Fokus: Handlungsfähigkeit statt Absichtserklärungen.
Einstieg ist nicht zu spät – aber er braucht die richtige Haltung
Die gute Nachricht: Es ist nicht zu spät einzusteigen. Viele Felder beginnen sich gerade erst zu öffnen.
Entscheidend ist die Haltung: Nicht Technologie suchen und Probleme dazu erfinden – sondern Probleme verstehen und gezielt lösen.
Wer das ernst meint, braucht Durchhaltevermögen und eine klare Nische. KI ist groß genug für Spezialisten. Gewinnen werden diejenigen, die konsequent lernen, bauen, testen und iterieren.
Das Ökosystem braucht Diversität – nicht Homogenität
Was oft unterschätzt wird: Gute KI-Debatten entstehen nicht in homogenen Gruppen. Politik, Forschung, Wirtschaft, Startups – jede Perspektive ist wichtig, aber keine reicht allein aus. Entscheidend ist das Zusammenspiel. Denn genau daraus entsteht, was wir in den nächsten Jahren brauchen: ein lernfähiges System. Die Themen bleiben gleich. Aber jetzt wird’s operativ.
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Ich war auf einer Insel, auf der Tech-Bros ihren eigenen Staat bauen – finanziert von Peter Thiel und Sam Altman

Eigene Gesetze, niedrige Steuern, kaum Kontrolle: Auf der Insel Próspera bauen Tech-Milliardäre einen eigenen Staat. Wir waren vor Ort.
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Riesen-Deal in der Startup-Szene: Berliner verkauft Firma für 750 Millionen
Das Unternehmen hinter Gutschein- und Rabattsoftware wird verkauft – für Mitgründer Christoph Gerber ist es bereits der zweite große Exit.
Einer der größten Deals der deutschen Startup-Szene steht fest: Das Berliner Unternehmen Talon One wird für etwa 750 Millionen Euro vom niederländischen Zahlungsdienstleister Adyen übernommen. Für Mitgründer Christoph Gerber ist es bereits der zweite große Mega-Deal.
Das 2015 von Gerber und Sebastian Haas gegründete Unternehmen hat sich auf Software spezialisiert, mit der Firmen Rabattaktionen, Gutscheine und Loyalty-Programme zentral steuern können. Nach eigenen Angaben nutzen inzwischen mehr als 300 Unternehmen weltweit die Plattform.
Für Gerber ist ein solcher Verkauf kein Neuland: Er war zuvor am Aufbau von Lieferando beteiligt, das 2014 an den damaligen Rivalen Takeaway verkauft wurde. Auch nach dem aktuellen Deal sollen die beiden Gründer im Unternehmen bleiben.
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Sereact sammelt 110 Millionen ein – QuoIntelligence erhält 7,3 Millionen – Cohere übernimmt Aleph Alpha
#DealMonitor
+++ #DealMonitor +++ Stuttgarter Robotik-Startups Sereact sammelt 110 Millionen ein +++ Cyber Security-Startup QuoIntelligence erhält 7,3 Millionen +++ Noreja bekommt 1,1 Millionen +++ Cohere übernimmt Aleph Alpha +++

Im #DealMonitor für den 27. April werfen wir einen Blick auf die wichtigsten, spannendsten und interessantesten Investments und Exits des Tages in der DACH-Region. Alle Deals der Vortage gibt es im großen und übersichtlichen #DealMonitor-Archiv.
STARTUPLAND 2027: SAVE THE DATE

The next unicorn? You’ll meet it at STARTUPLAND
+++ Du hast unsere phänomenale dritte STARTUPLAND verpasst? Dann trage Dir jetzt schon einmal unseren neuen Termin in Deinen Kalender ein: Die nächste STARTUPLAND findet am 10. März 2027 statt. Mehr über Startupland
INVESTMENTS
Sereact
+++ Der Berliner Investor Headline, Bullhound Capital, Daphni und Felix Capital sowie Altinvestoren wie Air Street Capital, Creandum und Point Nine investieren in der Series B 110 Millionen US-Dollar in Sereact. Das Unternehmen aus Stuttgart, 2021 von Marc Tuscher und Ralf Gulde ins Leben gerufen, entwickelt eine „KI-gestützte Software, die den Pick-and-Pack-Prozess in Warehouses und in der Produktion vollständig automatisiert“. Creandum, Point Nine, Air Street Capital sowie Business Angels wie Nico Rosberg investierten zuletzt 25 Millionen Euro in das Unternehmen. Zuvor sammelte das Team 5 Millionen ein. Das frische Kapital soll unter anderem in die US-Expansion fließen. Creandum hielt vor der aktuellen Investmentrund rund 17 % an Sereact. Air Street Capital war mit 14 % an Bord und Point Nine mit knapp 13 %. Mehr über Sereact
QuoIntelligence
+++ Elevator Ventures, der Venture-Capital-Arm der Raiffeisen Bank International (RBI), BMH Beteiligungs-Managementgesellschaft Hessen, eCAPITAL und Mercurius Private Equity investieren 7,3 Millionen Euro in QuoIntelligence. Das Startup aus Frankfurt am Main, 2020 von Marco Riccardi als Spin-off von QuoScient gegründet, möchte Unternehmen helfen, „operative Risiken deutlich zu reduzieren und fundierte Sicherheitsentscheidungen zu treffen, indem es zugeschnittene Bedrohungsanalysen zur Verfügung stellt“. Zuvor flossen bereits über 8 Millionen in das Unternehmen. eCAPITAL hielt zuletzt rund 21 % an QuoIntelligence. Mehr über QuoIntelligence
Noreja
+++ Business Angels wie Markus Neumayr, Jan Sprengnetter und Martin Kaiser investieren 1,1 Millionen Euro in Noreja. Das Startup aus Wien, von Lukas Pfahlsberger, Dr. Philipp Waibel und Jan Mendling gegründet, setzt auf Generative Process Intelligence. „Auf Basis von Knowledge-Graphen und KI hilft das Unternehmen, Schwachstellen in Prozessen gezielt zu erkennen, Zusammenhänge besser zu verstehen und Optimierungspotenziale präzise sichtbar zu machen“, heißt es zum Konzept. Mehr über Noreja
MERGERS & ACQUISITIONS
Cohere – Aleph Alpha
+++ Das kanadische KI-Startup Cohere übernimmt – wie erwartet – den Heidelberger Wettbewerber Aleph Alpha. Die beiden Unternehmen möchten mit dem Zusammenschluss ein „Global AI Powerhouse“ schaffen. Der umtriebige Aleph Alpha-Unterstützer Schwarz Gruppe plant zudem weitere 500 Millionen Euro in das zusammengeführte Unternehmen zu investieren. Mehr über Aleph Alpha
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Foto (oben): azrael74
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