Datenschutz & Sicherheit
Love-Scam: Liebesbetrug-Masche wegen KI immer erfolgreicher
Es beginnt mit einem harmlosen „Hallo“ auf der Internetplattform Threads. Die Rentnerin aus dem Landkreis Karlsruhe, die lieber anonym bleiben möchte, wundert sich über den fremden Mann, der ihr da schreibt – und fragt arglos nach. „Dein Foto gefällt mir“, textet der Mann zurück, der mit hellblauer Wollmütze bekleidet auf seinem Instagram-Profil so freundlich dreinblickt. Über Wochen schicken sich die beiden Nachrichten, jeden einzelnen Tag, manchmal dreimal am Tag, erzählt sie.
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Bis es ihr merkwürdig vorkommt. Bis sie Verdacht schöpft, weil der Schreibstil sich manchmal ändert oder sie manchmal mitten im Text gesiezt wird. Von sogenannten Love-Scammern, die ihre möglichen Opfer wahllos in sozialen Netzwerken anschreiben, um sie erst mit Liebesschwüren und dann mit Geldforderungen zu überhäufen und um teils erhebliche Summen bringen, wusste sie da noch nichts.
Dabei ist Love-Scamming eine mittlerweile bekannte Betrugsmasche, auf die immer mehr Menschen hereinfallen. Das Landeskriminalamt (LKA) in Stuttgart verzeichnet seit Jahren stetig ansteigende Fallzahlen. Unter Berufung auf eine repräsentative Umfrage berichtete der Kreditkartenanbieter Visa im Sommer 2024, dass drei von fünf Menschen die Masche inzwischen kennen und jeder siebte Befragte schon einmal Ziel von Liebesbetrug war.
Verbraucherzentralen und die Polizei warnen seit Jahren regelmäßig vor dieser Form des Betrugs. Auch auf Flirt- und Partnerschaftsportalen sind diese Art von Scams ein Problem: Schätzungen zufolge liegen sie im niedrigen zweistelligen Prozentbereich, schreibt Professor Martin Steinebach vom Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie. Künstliche Intelligenz (KI) gibt den Betrügern so ausgefeilte Werkzeuge an die Hand, dass es potenziellen Opfern unmöglich ist, echte von gefälschten Bildern oder Dialogen zu unterscheiden, sagt er.
Schema immer gleich
Die Dunkelziffer ist hoch und das Schema immer gleich: Die Liebesbetrügerinnen und -betrüger erstellen Fakeprofile auf sozialen Netzwerken und präsentieren sich – als erfolgreiche Singles, die angeblich viel im Ausland unterwegs sind. „Love Scammer tischen Ihnen als potenziellem Opfer in der Regel ungewöhnliche Lebensgeschichten auf, um sich interessant zu machen“, heißt es von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.
Doch sobald es um ein persönliches Treffen gehe, ändere sich die Vorgehensweise: „Plötzlich stecken die Scammer angeblich in Schwierigkeiten und haben Probleme, bei denen sie Ihre Hilfe brauchen.“ Dann folgen Bitten ums Geld.
Der freundliche Kontakt der Rentnerin zum Beispiel gab sich als Bauingenieur namens Arthur aus, halb Deutscher, halb Engländer, alleinerziehender Vater einer 12 Jahre alten Tochter namens Tracy. Beruflich viel auf Baustellen im Ausland unterwegs und derzeit in Istanbul arbeitend. Die Tochter sei im Internat in England.
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Zahl der Fälle steigt stetig
Die Zahl der im Südwesten verzeichneten Fälle steigt seit Jahren stetig an und ist laut LKA inzwischen knapp vierstellig. Im Südwesten wurden allein seit Anfang dieses Jahres mehrere happige Liebesbetrugsfälle bekannt. In den vergangenen zwölf Monaten überwiesen arglose Opfer insgesamt rund 14 Millionen Euro an ihre vermeintlichen Geliebten, im Jahr 2024 waren es laut LKA sogar rund 18 Millionen Euro. International hat sich eine regelrechte Love-Scam-Industrie entwickelt, die von Ländern in Südostasien oder auch afrikanischen Ländern wie Ghana oder Nigeria aus operiert.
Warum nur ist diese Masche so erfolgreich? Warum ist kein Ende abzusehen? „Eventuell steigen die Fallzahlen ja auch nur an, weil es mehr Angriffsversuche gibt“, sagt Steinebach. Diese seien durch KI natürlich deutlich leichter geworden. „Wo man früher Fotos noch ‚mühsam‘ aus Social-Media-Profilen zusammensuchen musste, kann man inzwischen seinen Lockvogel per KI erzeugen und dann beliebige Szenen mit diesem erstellen.“ Ebenso ließen sich Liebesbriefe und andere Lockmittel sehr einfach mit Sprachmodellen wie ChatGPT et cetera erstellen. Dank professioneller Übersetzungsprogramme kann in nahezu jeder Sprache nahezu fehlerfrei geschmachtet werden.
Hinzu kommen die Einsamkeit und Bedürftigkeit von Menschen, die sich nach Ansprache und Zuwendung sehnen und sich endlich mal mit einem vermeintlich wohlmeinenden Gegenüber über Ängste, Sorgen oder einfach alltägliche Erlebnisse austauschen können. „Sowohl Scam-Männer als auch Scam-Frauen schaffen es, sich im täglichen Leben ihrer Opfer unverzichtbar zu machen“, warnt das LKA.
Die Rentnerin hatte Glück im Unglück. Als ihr Scammer ihr Fotos der angeblichen Tochter und auch von sich selbst auf angeblichen Baustellen schickte, merkte sie: Die Bilder zeigen verschiedene Menschen. Und auf einer Baustelle hatte sich der Unbekannte einfach ins Bild reinkopiert.
Sie brach den Kontakt ab. „Aber der Schmerz in der Seele bleibt“, sagt sie. Der Scammer hat sein Instagram-Profil inzwischen auf „privat“ gestellt und das Pudelmützenbild gelöscht. Aber seit einigen Tagen lächelt ein neues Foto dort die User an. Der Name des Instagram-Kontos wurde seit 2018 sechsmal gewechselt. Letzter Standort von Arthur ist nicht Istanbul. Sondern Ghana.
(dmk)
Datenschutz & Sicherheit
Keycloak 26.6 bringt Zero-Downtime-Updates und Workflows
Das Keycloak-Projekt hat Version 26.6.0 des Open-Source-Identity-Providers veröffentlicht. Im Mittelpunkt stehen fünf Features, die den Preview-Status verlassen und nun als vollständig unterstützt gelten. Für Unternehmen, die Keycloak in Kubernetes-Umgebungen betreiben, dürften dabei vor allem die Zero-Downtime-Patch-Releases und die Federated Client Authentication relevant sein.
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Die wohl praxisrelevanteste Neuerung laut Ankündigung: Patch-Releases lassen sich künftig als Rolling Updates innerhalb eines Minor-Release-Streams einspielen, ohne dass der Dienst unterbrochen wird. Zusammen mit dem ebenfalls verbesserten Graceful HTTP Shutdown, der Fehlermeldungen beim Abschalten einzelner Nodes verhindert, greift das Entwicklungsteam damit eine zentrale Anforderung containerisierter Deployments auf. Um von den Zero-Downtime-Patch-Releases profitieren zu können, genügt es laut Release Notes, die Update-Strategie für den Keycloak Operator auf „Auto“ zu setzen.
Daneben hat das Projekt die Federated Client Authentication in den produktiven Status befördert. Das Feature erlaubt es Clients, vorhandene Credentials eines externen Issuers zu nutzen, sobald eine Vertrauensbeziehung besteht. Individuelle Client-Secrets in Keycloak entfallen damit. Unterstützt werden Client-Assertions externer OpenID-Connect-Identity-Provider sowie Kubernetes Service Accounts. Organisationen mit mehreren Identity-Providern reduzieren so den Verwaltungsaufwand für Secrets erheblich. Die OAuth-SPIFFE-Client-Authentication bleibt allerdings im Preview-Status, da die zugrunde liegende Spezifikation noch nicht finalisiert ist.
Workflows und JWT Authorization Grant
Mit den nun unterstützten Workflows bringt Keycloak zentrale Funktionen aus dem Bereich Identity Governance and Administration (IGA) mit. Administratoren können Realm-Aufgaben wie das Lifecycle-Management von Benutzern und Clients in YAML-Dateien definieren und anhand von Ereignissen, Bedingungen oder Zeitplänen automatisiert ausführen lassen. Das Release enthält zudem neue Built-in-Steps, einen Troubleshooting-Guide sowie diverse Verbesserungen an der Workflow-Engine.
Auch der JWT Authorization Grant nach RFC 7523 gilt nun als produktionsreif. Er ermöglicht den Austausch externer JWT-Assertions gegen OAuth-2.0-Access-Token und hilft somit bei Anwendungsfällen, in denen externe Token in interne überführt werden müssen. Komplettiert wird das Quintett durch das neue Keycloak Test Framework, das den bisherigen Arquillian-basierten Ansatz ablöst.
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Experimentelle MCP-Unterstützung und Java 25
Jenseits der fünf Haupt-Features liefert das Release weitere Neuerungen. Experimentell unterstützt Keycloak nun das OAuth Client ID Metadata Document (CIMD) – ein aufkommender Standard zur Beschreibung von OAuth-2.0-Client-Metadaten. Da das Model Context Protocol (MCP) ab Version 2025-11-25 CIMD voraussetzt, lässt sich Keycloak künftig als Authorization Server für MCP-Szenarien nutzen.
Als Preview erscheinen zudem die Identity Brokering APIs V2, die den Legacy Token Exchange V1 ablösen sollen, sowie Step-up Authentication für das SAML-Protokoll. Organisationen profitieren außerdem von isolierten Gruppenhierarchien pro Organisation, die Namenskonflikte innerhalb eines Realms vermeiden.
Auf der Infrastrukturseite unterstützt Keycloak inzwischen OpenJDK 25. Das Container-Image setzt allerdings weiterhin auf Java 21, um FIPS-Kompatibilität zu gewährleisten – für Unternehmen in regulierten Umgebungen bleibt damit alles beim Alten. Bestehende Deployments mit Java 21 sollen unverändert weiter funktionieren. Weitere Verbesserungen betreffen die automatische Truststore-Initialisierung auf Kubernetes und OpenShift, neue Client-Certificate-Lookup-Provider für Traefik und Envoy sowie überarbeitete HTTP-Access-Logs, die sensible Informationen wie Token und Cookies ausfiltern.
Hinweise zum Upgrade
Vor dem Update auf Keycloak 26.6.0 sollten Administratoren die Breaking Changes im Upgrading Guide prüfen. JavaScript-basierte Policies erfordern nun ein aktiviertes Scripts-Feature. Client-URIs müssen HTTPS verwenden, und die Issuer-Konfiguration für JWT Authorization Grant und Client Assertions muss eindeutig einen Provider identifizieren.
(map)
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CISA-Notbetrieb: Gehaltszahlungen für vergangene sechs Wochen versprochen
Mitte Februar lief in den USA die Finanzierung für das Heimatschutzministerium DHS (Department of Homeland Security) und damit der IT-Sicherheitsbehörde CISA aus. Die läuft seitdem im Notbetrieb mit eingeschränkten Ressourcen weiter.
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Wie CBS News jetzt berichtet, sollen alle DHS-Angestellten bis Ende dieser Woche das Gehalt für die vergangenen sechs Wochen des Shutdowns erhalten. Das hat Markwayne Mullin, Minister für Heimatschutz, demnach am Dienstag dieser Woche angekündigt. Er sagte, dass die meisten dieser Schecks bis Freitag bei den Banken angekommen sein sollten. Einige Finanzinstitute müssten bis Montag warten, aber die Mehrheit von allen solle bis dahin bezahlt worden sein.
Die Zahlungen sollen durch Flexibilität in der Mittelverwendung und Exekutivmaßnahmen möglich gemacht worden sein. Mullin warnte jedoch zugleich, dass die künftigen Zahlungen für DHS-Angestellte – mit Ausnahme von Strafverfolgungsbeamten – vollständig vom US-Kongress abhingen. CBS News zufolge kritisierte Mullin die Demokraten scharf wegen der Verzögerungen. Er warf ihnen vor, dazu bereit zu sein, 22 Behörden die Mittel zu entziehen, die zur Aufgabe haben, die innere Sicherheit zu gewährleisten, vom Pentagon bis zum DHS.
Lob für Angestellte
Zugleich lobte er die Angestellten der Behörden, die trotz Unsicherheiten bezüglich der Gehaltszahlungen weiter zur Arbeit erschienen. Das sei ein unglaubliches Engagement. Auf Rückfragen, wie die Mittel verfügbar gemacht wurden, verwies Mullin auf Notfallbefugnisse, die dem Präsidenten die begrenzte Umschichtung von Mitteln erlauben.
Der Behörden-Shutdown ist Folge eines Streits zwischen Republikanern und Demokraten über das Verhalten von Beamten der Polizei- und Zollbehörde United States Immigration and Customs Enforcement (ICE). Sie konnten sich infolgedessen nicht auf Bedingungen für eine weitere Finanzierung des DHS einigen.
(dmk)
Datenschutz & Sicherheit
Cloudflare will bis 2029 vollständig quantensicher sein
Cloudflare beschleunigt seine Post-Quantum-Migration und plant bis 2029 die vollständige Umstellung – inklusive quantensicherer Authentifizierung. Das Unternehmen reagiert damit auf aktuelle Fortschritte in der Quantencomputer-Forschung, die den Zeitrahmen für die Bedrohung durch Quantenangriffe verkürzen.
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Post-Quantum-Kryptografie bezeichnet Verfahren, die auch Angriffen durch Quantencomputer standhalten sollen. Weit verbreitete Public-Key-Verfahren wie RSA oder Elliptic Curve Cryptography (ECC) lassen sich mit Quantenalgorithmen wie Shor prinzipiell brechen. Sicherheitsforscher warnen zudem vor dem Szenario „Harvest now, decrypt later“ (HNDL): Angreifer könnten bereits heute verschlüsselte Daten abgreifen und sie später mit Quantencomputern entschlüsseln. Das macht eine frühzeitige Umstellung auf neue Verfahren dringlich.
Verschlüsselung steht, Authentifizierung folgt
Im Kern setzt Cloudflare bereits seit 2022 auf hybride Verschlüsselung (Kyber + ECDHE), um HNDL-Angriffe zu verhindern. Sollte sich eines der beiden Verfahren künftig als unsicher erweisen, bleibt die Verbindung durch das jeweils andere geschützt. Gleichzeitig ermöglicht der Ansatz eine schrittweise Migration, ohne bestehende Infrastruktur zu brechen. Jetzt folgt die Umstellung der Authentifizierung auf das gitterbasierte Verfahren Dilithium.
Dabei greift Cloudflare auf Algorithmen aus dem Standardisierungsprozess des National Institute of Standards and Technology (NIST) zurück, allen voran das gitterbasierte Verfahren Kyber für den Schlüsselaustausch. Gitterbasierte Verfahren gelten als aussichtsreich, weil sie auf mathematischen Problemen beruhen, die auch Quantencomputer nicht effizient lösen können.
Roadmap bis 2029 in mehreren Etappen
Die Post-Quantum-Verschlüsselung ist seit 2022 standardmäßig aktiv. Über 65 Prozent des menschlichen Datenverkehrs zu Cloudflare ist damit bereits post-quantum-verschlüsselt. Die Umstellung der Authentifizierung auf Dilithium erfolgt in mehreren Etappen: Mitte 2026 für Origin-Verbindungen, Mitte 2027 für Besucher-Verbindungen, Anfang 2028 für Enterprise-Netzwerke und vollständig bis 2029. Kunden müssen dafür keine Einstellungen ändern. Cloudflare unterstützt bereits hybride Verschlüsselung, aber Clients müssen Post-Quanten-Verfahren ebenfalls implementieren, um sie zu nutzen.
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Für HTTPS bleibt klassische Kryptografie vorerst aktiv, um Kompatibilität zu wahren. Cloudflare nutzt Mechanismen wie PQ HSTS und Certificate Transparency, um Downgrade-Angriffe zu verhindern.
Weitere Informationen zur neuen Roadmap finden sich in der Ankündigung von Cloudflare.
(fo)
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