Digital Business & Startups
Diese 15-Jährige ist eine der jüngsten Gründerinnen Deutschlands
Bibifotima Zukhurova ist 15, kommt aus Harsewinkel bei Bielefeld, entwickelt eine Finanzbildungsplattform für Gen Z – und das parallel zur Schule. Ihre Plattform sei „vom Prinzip her wie Duolingo, nur geht es nicht um Sprachen, sondern um Geld“, sagt sie.
Ihren Alltag beschreibt die junge Gründerin so: Morgens um sechs klingelt ihr Wecker. Um sieben beginnt die Schule. Der Unterricht dauert meist bis 15 Uhr. „Danach ist eigentlich die ganze Zeit Startup angesagt“, sagt sie. Dazwischen: Essen, Sport, Zeit mit der Familie. Meist arbeitet Zukhurova bis 20 oder 21 Uhr – manchmal sogar noch länger, wie uns die Gründerin erzählt.
In diesem Jahr stehen für die 15-Jährige auch ihre Abschlussprüfungen an. Damit Schule und Startup-Gründung funktionieren, strukturiert sie ihren Alltag konsequent. Zukhurova arbeitet mit Time-Blocking, einer Methode, die ihr aus der Startup-Szene empfohlen wurde, sagt sie. Ihre Termine organisiert sie über Notion, gekoppelt mit Google- und Apple-Kalender. Zusätzlich nutzt sie eine Erinnerungs-App. Alles ist miteinander verbunden. „Die verschiedenen Systeme sind integriert, weil mir das alles sonst zu viel wäre“, erklärt sie. Ohne diese Struktur würde ihr Alltag nicht funktionieren.
Lest auch
Nebenbei noch studieren?
Zusätzlich zu Schule und Startup studiert Zukhurova als Jungstudentin Wirtschaftswissenschaften an der Universität Bielefeld. Sie ist dort als Gasthörerin eingeschrieben und besucht Einführungsmodule in BWL und VWL. „Ich habe Zugang zu den ganzen Folien und Ressourcen und bringe mir eigentlich das meiste selbst zu Hause bei“, sagt sie.
Zeitlich ordnet sie das Studium hinter Schule und Startup ein. Klausuren kann sie mitschreiben, muss es aber nicht. Die Vorlesungen legt sie bewusst in ruhigere Phasen, in denen weder Schulprüfungen noch wichtige Startup-Termine anstehen. Hausaufgaben erledigt sie möglichst schon in der Schule, um sich nachmittags auf ihr Unternehmen konzentrieren zu können, sagt Zukhurova.
Das ständige Wechseln zwischen Matheunterricht, Businessmodell und Gesprächen mit Freundinnen empfindet sie nicht als Belastung. „Ich brauche ein bisschen Diversität im Alltag“, sagt sie. Sich den ganzen Tag nur mit einem einzigen Thema zu beschäftigen, fällt ihr schwerer. Die unterschiedlichen Themenblöcke helfen ihr, konzentriert zu bleiben.
Zwischen Pausenhof und Pitchdeck
Trotzdem bewegt sie sich täglich zwischen zwei sehr unterschiedlichen Welten. In der Schule ist sie „eine ganz normale 15-Jährige“, wie sie sagt. Dort ist sie einfach Bibi. In der Startup-Szene dagegen ist sie meist die Jüngste im Raum.
Lest auch
Sie sei anfangs davon ausgegangen, dass dort automatisch auf Augenhöhe gesprochen werde. „Deswegen war das eher ein Rücktritt von meinen Erwartungen“, sagt sie rückblickend. Manchmal sei ihr das Gefühl gegeben worden, „dass ich nicht richtig mitreden kann oder darf, weil ich noch zu unerfahren bin“. Niemand sage das offen, „aber man merkt es“. Statt klarer Kritik seien es eher indirekte Kontrollfragen gewesen. Situationen, in denen sie gespürt habe, dass man testen wollte, wie viel sie wirklich weiß.
Durch einen Pitch vor größerem Publikum habe sich dieses Bild verschoben. Nach ihrer Präsentation sei ihr gesagt worden, man habe ihr diese Professionalität nicht zugetraut. Seitdem werde sie anders wahrgenommen. Bei all dem gehe es ihr dabei weniger ums Beweisen, sondern darum, ernst genommen zu werden.
Vom dritten Platz zum Dämpfer
Ein prägender Moment war die Teilnahme an der Westfalen-Challenge von Startup Teens, einem Gründungswettbewerb für Jugendliche. Dort erreichte sie auf regionaler Ebene den dritten Platz.
Für Zukhurova war es dann der logische nächste Schritt, an der bundesweiten Challenge teilzunehmen. Wochenlang überarbeitete sie ihren Businessplan, machte ihn detaillierter und strukturierter. Bei der nationalen Runde schaffte sie es jedoch nicht unter die Top 5 und war somit nicht im Finale. „Ich habe da wirklich viel Zeit investiert, und als dann die Absage kam, war das schon hart“, sagt sie.
Nach dem Erfolg auf regionaler Ebene habe sie mit einem ähnlichen Ergebnis gerechnet. Die Enttäuschung traf sie stärker, als sie erwartet hatte, sagt sie. Das habe ihr nochmals gezeigt, wie stark sie schon in ihr Startup involviert ist.
Plötzlich Verantwortung
Seit rund einem Jahr bewegt sich Zukhurova in einer Welt, in der die meisten Gründer zehn oder zwanzig Jahre älter sind. Wettbewerbe, Konferenzen, Netzwerktreffen gehören inzwischen zu ihrem Alltag. Anfangs habe sich das wie eine neue, spannende Parallelwelt angefühlt. Doch irgendwann wurde ihr klar, dass Gründen mehr ist als Pitchdecks und Ideen. „Da passiert auch rechtlich ganz viel oder man muss bestimmte Pflichten erfüllen“, sagt sie.
Mit jedem Wettbewerb, jedem Programm wurde das Projekt verbindlicher. Verträge, Fristen, Strukturen – all das sind Dinge, mit denen sich die meisten in ihrem Alter noch nicht beschäftigen. Der Schritt vom Ausprobieren zur Verantwortung kam schleichend, aber spürbar.
Woher der Druck wirklich kommt
Von außen sieht man Bühnen, Programme, Netzwerke. Zukhurova pitcht vor Jurys, engagiert sich zusätzlich bei Initiativen wie dem Female Entrepreneurship Summit oder „Startup in School“ und war Teil des achtwöchigen Inkubators von Young Founders Network mit Finale in Stuttgart.
Der Druck entsteht jedoch weniger durch einzelne Events als durch das Zusammenspiel vieler Faktoren, sagt sie. Da ist ihr eigener Ehrgeiz. Da sind Erwartungen, die mit jeder Teilnahme an Wettbewerben oder Programmen wachsen. „Ich bin sehr ehrgeizig und möchte meine Ziele erreichen“, sagt die 15-Jährige. Und da sei eine Startup-Kultur, die oft suggeriere, man müsse ständig erreichbar sein und möglichst wenig schlafen.
Lest auch
Sie merkt schnell, wenn sie an ihre Grenzen kommt, sagt Zukhurova. „Wenn ich zwei Stunden weniger schlafe, merke ich das am nächsten Tag vollkommen.“ Deswegen versucht sie Pausen einzuhalten, auch wenn wichtige Calls oder Deadlines es ihr nicht immer leicht machen.
Und dann ist da FOMO, allerdings nicht im klassischen Sinn. „FOMO begleitet mich täglich“, sagt sie. Gemeint ist weniger die verpasste Party als das ständige Abwägen von Prioritäten. Jede Stunde für das Startup ist eine Stunde, die sie nicht anders verbringt. Sie treffe diese Entscheidung bewusst, sagt sie, doch das Gefühl, parallel etwas anderes zu verpassen, bleibe.
Theoretisch könne sie jederzeit aufhören. „Ich könnte morgen sagen, ich stoppe das Ganze.“ Praktisch aber ist das Projekt längst mehr als ein Hobby. Morgen früh um sechs wird ihr Wecker wieder klingeln.
Digital Business & Startups
Wir haben 10 Jahre über KI geredet – was wir jetzt aber machen müssen
Wer lange genug in einer Branche arbeitet, merkt: Die großen Diskussionen ändern sich weniger, als man denkt. Schlagworte wechseln, Aufregung auch – das Grundmuster bleibt. Künstliche Intelligenz (KI) ist dafür das beste Beispiel.
Seit rund zehn Jahren erlebe ich KI nicht nur als Technologie, sondern als Ökosystem – erst global, dann europäisch, zunehmend auch deutsch geprägt. Und wenn man diese Zeit in einem Satz zusammenfassen will, dann vielleicht so: Die Themen sind geblieben. Aber die Gewichte haben sich verschoben – und damit die Konsequenzen.
2016 war der Wendepunkt: von IT zu Wirtschaftspolitik
Bis etwa 2016 war KI für viele ein Thema der IT: Machine Learning, Modelle, Forschung – spannend, aber weit weg vom operativen Geschäft. Spätestens ab diesem Zeitpunkt wurde KI wirtschaftspolitisch relevant. Nicht, weil sie neu war, sondern weil sie Wirkung entfaltet hat: Daten, Rechenleistung und erste Durchbrüche haben den Übergang markiert.
2016 war für mich auch persönlich ein Schlüsselmoment: In diesem Jahr habe ich gemeinsam mit meiner Frau Veronika die Rise of AI Conference ins Leben gerufen – mit dem Ziel, genau diese Entwicklung sichtbar zu machen und die unterschiedlichen Akteure zusammenzubringen.
Wer damals begonnen hat, ernsthaft zu lernen und zu investieren, steht heute sichtbar besser da. Nicht wegen Genie, sondern wegen Lernkurve. Technologie ist unfair: Wer früher startet, baut Vorsprung auf – in Talent, Infrastruktur, Netzwerken und Erfahrung.
Corona hat vieles unterbrochen und gleichzeitig beschleunigt. Seitdem ist klar: Wir reden nicht mehr nur über Potenzial. Wir reden über Integration, Skalierung – und Souveränität.
Lest auch
Eine Zeitleiste erkennt man nicht an Buzzwords, sondern an Menschen
Wenn ich verstehen will, wo wir stehen, schaue ich nicht zuerst auf Produkte, sondern auf den Raum: Wer ist da? Wessen Fragen dominieren?
2016: Forscher, Gründer, Tech-Journalisten. Die Leitfrage: Was ist möglich?
2019: Corporates, Politik, Investoren. Die Leitfrage: Wie industrialisieren wir das?
Seit 2022: Entscheider, Verantwortungsträger, Governance. Die Leitfrage: Wie betreiben wir das jetzt – sicher, skalierbar, souverän?
Das ist kein Stimmungswechsel, sondern ein Strukturwandel. KI bewegt sich aus der Innovationsecke in den Maschinenraum von Unternehmen und Staaten.
Was gleich geblieben ist: Ethik, Jobs, Risiken, Regulierung
Wir sprechen seit zehn Jahren über Ethik, Transparenz, Auswirkungen auf Arbeit und Regulierung. Und wir werden auch in zehn Jahren noch darüber sprechen.
Nicht, weil wir nichts lernen – sondern weil das die Grundfragen jeder starken Technologie sind: Wer profitiert? Wer verliert? Wer kontrolliert? Wer haftet?
Gerade Regulierung wird uns dauerhaft begleiten – inklusive ihrer Schattenseite: Bürokratie. Dahinter steckt ein grundlegendes Dilemma: Technologie entwickelt sich exponentiell, Institutionen oft linear.
Lest auch
Was sich wirklich verändert hat: von „reden“ zu „betreiben“
Der entscheidende Unterschied ist nicht, dass KI heute bessere Texte schreibt oder Bilder generiert. Der entscheidende Unterschied ist: KI ist vom Diskussionsobjekt zum Betriebssystem geworden.
Unternehmen stehen nicht mehr vor der Frage, ob sie sich mit KI beschäftigen sollten, sondern wie sie Arbeit, Entscheidungswege und Prozesse damit neu organisieren.
Die nächsten Jahre werden den Arbeitsmarkt verändern, KI endgültig zum Strategiethema machen und mit Agentensystemen ganze Organisationsstrukturen infrage stellen. Gleichzeitig wird Sicherheit – von Resilienz bis Verteidigung – zur zentralen Dimension.
Agenten verändern nicht nur Aufgaben – sie verändern Strukturen
Der Begriff „Agentensysteme“ wird aktuell oft verwendet. Dahinter steckt aber eine klare Entwicklung: KI bewegt sich von Assistenzsystemen hin zu handlungsfähigen Systemen, die Abläufe orchestrieren, Entscheidungen vorbereiten und Prozesse teilweise eigenständig ausführen.
Das stellt Organisationen vor neue Fragen. Die klassischen Strukturen – Abteilungen, Schnittstellen, Freigaben – sind nicht dafür gebaut, dass ein Teil der Arbeit von Systemen übernommen wird, die permanent verfügbar sind, parallel arbeiten und Entscheidungen vorbereiten.
Die eigentliche Herausforderung ist deshalb nicht: Kann die KI das? Sondern: Können wir als Organisation damit umgehen? Governance, Compliance, Qualitätskontrolle und Monitoring werden zur Grundvoraussetzung.
Lest auch
Souveränität ist kein Gefühl. Es ist eine Rechnung.
Parallel wird das Thema Souveränität zentral – nicht als politische Debatte, sondern als wirtschaftliche Realität.
Souveränität bedeutet konkret: Wer betreibt die Modelle? Wo liegen die Daten? Welche Abhängigkeiten entstehen? Das betrifft Mittelstand, Konzerne und Startups gleichermaßen.
Der Staat wird zum entscheidenden Faktor
Ein Thema zieht sich seit Jahren durch – und entscheidet gerade über die Zukunftsfähigkeit von Standorten: die Rolle des Staates.
KI wirkt nicht nur in Marketing oder Vertrieb, sondern in Verwaltung, Bildung, Gesundheit, Sicherheit und Infrastruktur. Wenn der Staat hier nicht handlungsfähig wird – bei Beschaffung, Datenzugang, Standards und Ausbildung – entsteht ein struktureller Engpass.
Große Systeme sind oft langsam. Aber genau deshalb braucht es einen klaren Fokus: Handlungsfähigkeit statt Absichtserklärungen.
Einstieg ist nicht zu spät – aber er braucht die richtige Haltung
Die gute Nachricht: Es ist nicht zu spät einzusteigen. Viele Felder beginnen sich gerade erst zu öffnen.
Entscheidend ist die Haltung: Nicht Technologie suchen und Probleme dazu erfinden – sondern Probleme verstehen und gezielt lösen.
Wer das ernst meint, braucht Durchhaltevermögen und eine klare Nische. KI ist groß genug für Spezialisten. Gewinnen werden diejenigen, die konsequent lernen, bauen, testen und iterieren.
Das Ökosystem braucht Diversität – nicht Homogenität
Was oft unterschätzt wird: Gute KI-Debatten entstehen nicht in homogenen Gruppen. Politik, Forschung, Wirtschaft, Startups – jede Perspektive ist wichtig, aber keine reicht allein aus. Entscheidend ist das Zusammenspiel. Denn genau daraus entsteht, was wir in den nächsten Jahren brauchen: ein lernfähiges System. Die Themen bleiben gleich. Aber jetzt wird’s operativ.
Digital Business & Startups
Ich war auf einer Insel, auf der Tech-Bros ihren eigenen Staat bauen – finanziert von Peter Thiel und Sam Altman

Eigene Gesetze, niedrige Steuern, kaum Kontrolle: Auf der Insel Próspera bauen Tech-Milliardäre einen eigenen Staat. Wir waren vor Ort.
Source link
Digital Business & Startups
Riesen-Deal in der Startup-Szene: Berliner verkauft Firma für 750 Millionen
Das Unternehmen hinter Gutschein- und Rabattsoftware wird verkauft – für Mitgründer Christoph Gerber ist es bereits der zweite große Exit.
Einer der größten Deals der deutschen Startup-Szene steht fest: Das Berliner Unternehmen Talon One wird für etwa 750 Millionen Euro vom niederländischen Zahlungsdienstleister Adyen übernommen. Für Mitgründer Christoph Gerber ist es bereits der zweite große Mega-Deal.
Das 2015 von Gerber und Sebastian Haas gegründete Unternehmen hat sich auf Software spezialisiert, mit der Firmen Rabattaktionen, Gutscheine und Loyalty-Programme zentral steuern können. Nach eigenen Angaben nutzen inzwischen mehr als 300 Unternehmen weltweit die Plattform.
Für Gerber ist ein solcher Verkauf kein Neuland: Er war zuvor am Aufbau von Lieferando beteiligt, das 2014 an den damaligen Rivalen Takeaway verkauft wurde. Auch nach dem aktuellen Deal sollen die beiden Gründer im Unternehmen bleiben.
-
Künstliche Intelligenzvor 2 Monaten
Top 10: Die beste kabellose Überwachungskamera im Test – Akku, WLAN, LTE & Solar
-
Social Mediavor 2 MonatenCommunity Management und Zielgruppen-Analyse: Die besten Insights aus Blog und Podcast
-
Social Mediavor 3 MonatenCommunity Management zwischen Reichweite und Verantwortung
-
UX/UI & Webdesignvor 3 MonatenEindrucksvolle neue Identity für White Ribbon › PAGE online
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonatenSmartphone‑Teleaufsätze im Praxistest: Was die Technik kann – und was nicht
-
Entwicklung & Codevor 2 MonatenCommunity-Protest erfolgreich: Galera bleibt Open Source in MariaDB
-
Apps & Mobile Entwicklungvor 3 MonatenIntel Nova Lake aus N2P-Fertigung: 8P+16E-Kerne samt 144 MB L3-Cache werden ~150 mm² groß
-
Social Mediavor 1 MonatVon Kennzeichnung bis Plattformpflichten: Was die EU-Regeln für Influencer Marketing bedeuten – Katy Link im AllSocial Interview
