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Künstliche Intelligenz

Alibaba Cloud erhöht Preise um bis zu 34 Prozent


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Der chinesische Cloudanbieter Alibaba Cloud passt zum 18. April 2026 die Preise für zahlreiche Dienste an. Betroffen sind insbesondere KI-Computing-Ressourcen, Speicherdienste und Datenbankprodukte. Die Erhöhungen fallen je nach Dienst unterschiedlich aus und reichen von 5 bis 34 Prozent.

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Als Grund nennt Alibaba Cloud in seiner Service-Ankündigung die stark gestiegene weltweite Nachfrage nach KI-Rechenleistung sowie höhere Beschaffungskosten für Hardware in der gesamten Branche. Wörtlich heißt es, „aufgrund des Anstiegs der globalen KI-Nachfrage und steigender Lieferkettenkosten“ seien die „Beschaffungskosten für zentrale Hardware in der Branche erheblich gestiegen“. Nach sorgfältiger Prüfung habe man sich entschieden, die Preise anzupassen.

Während viele Dienste und Instanztypen um 5 Prozent teurer werden, trifft es GPU-basierte High-End-Instanzen deutlich stärker: Hier liegen die Aufschläge zwischen 25 und 34 Prozent. Konkret betroffen sind unter anderem Instanzen mit dem hauseigenen KI-Beschleuniger Zhenwu 810E von T-Head (Pingtouge), Alibabas Chipdesign-Tochter. Diese Recheneinheiten sind in etwa mit Nvidias H20 für den chinesischen Markt vergleichbar.

Auch der Cloud Parallel File Storage (CPFS) in der KI-Computing-Edition für Lingjun wird um 30 Prozent teurer. PAI-Lingjun ist Alibabas PaaS-Angebot für große KI-Trainings- und HPC-Workloads. Die Plattform integriert heterogenes Computing mit Panjiu-Servern, RDMA-Netzwerken und CPFS-Speicher und ist auf das Training von Modellen mit Billionen Parametern ausgelegt. Darüber hinaus steigen die Preise für die Cloud-native-Datenbank PolarDB.

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Ein weiterer Treiber der Preisanpassung ist offenbar die explodierende Nutzung von Alibabas Model-as-a-Service-Plattform Bailian. Der Anbieter verzeichnete im ersten Quartal 2026 ein Rekordwachstum bei KI‑bezogenen Umsätzen und Nutzung. Folglich wächst die Inferenz‑Last stark, was erhebliche Rechenressourcen bindet. Alibaba priorisiert diese Kapazitäten zunehmend, was die Kosten für andere Dienste nach oben treibt.

Für Bestandskunden gibt es eine Übergangsfrist: Bereits vor dem 18. April 2026 abgeschlossene Verträge bleiben bis zum nächsten Verlängerungszyklus unverändert – je nach Vertragslaufzeit also für ein bis zwei Jahre oder drei bis neun Monate. Rabatte oder Kompensationen für Enterprise-Kunden hat Alibaba Cloud nicht angekündigt.

Die Preisanpassung gilt global. Regionale Unterschiede für den europäischen Markt oder die DACH-Region sind nicht vorgesehen. Kunden, die Alibabas Rechenzentrum in Frankfurt nutzen, müssen mit denselben Aufschlägen rechnen. Alibaba Cloud betreibt den Standort seit 2016.

Der Schritt reiht sich in einen branchenweiten Trend ein. Ab 1. April erhöht der Hosting-Anbieter Hetzner seine Preise. Auch Hetzner begründete dies mit drastisch gestiegenen Betriebskosten und höheren Beschaffungspreisen für neue Hardware, insbesondere für RAM und SSDs.


(fo)



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Künstliche Intelligenz

Krypto-Betrüger Sam Bankman-Fried strebt offenbar zu einer Trump-Begnadigung


Der Gründer und frühere Leiter der Kryptobörse FTX, Sam Bankman-Fried, sitzt seit rund zwei Jahren wegen Betrugs im Gefängnis, aber arbeitet offenbar an einer Begnadigung durch Donald Trump. Seine Strategie scheint zu sein, das Wohlgefallen des aktuellen US-Präsidenten durch Trump-freundliche Beiträge in sozialen Netzwerken zu erlangen. In diversen Tweets unterstützt er etwa die Politik Tumps zum Iran-Konflikt und den vom US-Präsidenten initiierten Wechsel an der Spitze der US-Börsenaufsichtsbehörde.

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Der auch kurz SBF genannte US-Unternehmer Sam Bankman-Fried wurde Ende März 2024 zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt. Während das eigentliche Geschäft von FTX mit Kryptowährungen kompliziert sein kann, wurde SBF am Ende klassischer Betrug zur Last gelegt: Veruntreuung von Kundenvermögen. SBF stand auch hinter einem Hedgefonds namens Alameda Research, der riskante Geschäfte machte und sich Mittel bei FTX geliehen hatte. Auf eine eigentlich vorgeschriebene Absicherung wurde dabei verzichtet und als Alameda-Geschäfte schiefgingen, klaffte in der FTX-Kasse der Anklage zufolge ein Milliarden-Loch.

Kürzlich wollte der verurteilte Krypto-Betrüger einen neuen Prozess, um seine jahrzehntelange Haft zu verkürzen. Doch die US-Regierung opponiert, wie Coindesk berichtet. Nun versucht SBF wohl auf anderen Wegen, aus dem Gefängnis zu kommen. Vor wenigen Tagen unterstützte er Trumps Iran-Strategie in einem durch von der Justiz zugelassenen Vermittlern bei X geposteten Beitrag. Auch seien die Ölpreise während der Trump-Regierungszeiten niedriger als unter Joe Biden, sowohl vor als auch nach dessen Amtszeit, behauptet SBF bei X, wobei er Trumps X-Account markierte.

Zuvor hatte SBF bei X den Wechsel an der Spitze der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC (Securities and Exchange Commission) begrüßt, nachdem Trump den bisherigen Leiter Gary Gensler durch Paul S. Atkins ersetzt hatte. Denn Gensler sei nicht nur gegen Kryptowährungen, sondern arbeitete auch gegen andere US-Behörden wie die CFTC, die für die Regulierung von Futures- und Optionen-Märkten zuständig ist. SBF kann aus der Haft zwar nicht selbst bei X posten, aber vorgeblich würden die Beiträge nach persönlicher Rücksprache mit ihm durch Vermittler veröffentlicht, sodass sie als „SBFs Worte“ gelten sollen.

Diese Beträge nähren Spekulationen, dass SBF die Gunst des US-Präsidenten sucht. Zwar hatte Donald Trump in einem Interview der New York Times zuvor noch gesagt, dass er nicht vorhabe, Bankman-Fried zu begnadigen. Doch der aktuelle US-Präsident ist bekannt für Begnadigungen bei Finanzkriminalität. Unmittelbar nach seinem zweiten Amtsantritt im Januar 2025 hatte Donald Trump den Silk-Road-Gründer Ross Ulbricht begnadigt. Dieser hatte im Darknet einen Marktplatz betrieben, bei dem neben legalen Waren auch Drogen, Raubkopien und Waffen gegen Kryptowährung angeboten wurden. Er wurde zu zweimal lebenslänglicher Haft verurteilt, ist dank Trump jetzt aber frei.

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Diese Vorliebe für Kryptowährungsbelange könnte sich auch Sam Bankman-Fried zunutze machen, denn Trump hatte sich vor seiner Wiederwahl um Unterstützung aus der Branche bemüht und im Gegenzug erhebliche Wahlkampfspenden von dort erhalten. Ulbricht genießt in Kreisen der Kryptobranche enorme Popularität, weil seine Handelsplattform als eine der ersten die praktische Einsetzbarkeit der Digitalwährung Bitcoin im Handel zeigte. SBF hofft wohl auf eine ähnliche Begünstigung, wenn er Trumps Politik offen unterstützt.


(fds)



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iOS 26.4 bringt bald Neuerungen: Apple geht die Problemstellen an


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Version 26.4 von iOS, iPadOS und macOS Tahoe nähert sich der Fertigstellung: Apple hat in der Nacht auf Donnerstag einen ersten „Release Candidate“ für Entwickler zum Test freigegeben. Sollten keine großen Bugs mehr darin gefunden werden, könnte Apple das Update womöglich noch im März für alle unterstützten iPhones, iPads und Macs zum Download freigeben.

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Neben acht neuen Emojis – darunter Big Foot und ein gequetschter Smiley – und kleineren Ergänzungen bei Erinnerungen und Apple Music gehen iOS 26.4 & Co auch Problemstellen an, die unter Nutzern teils seit Monaten für Beschwerden sorgen. Apple verspricht, dass das Update die Genauigkeit der Tastatur beim schnellen Tippen verbessern soll. Das war bislang ein Dauerfrustpunkt für viele iPhone-Nutzer, die ihr Gerät auf iOS 26 aktualisiert hatten. Ersten Erfahrungsberichten zufolge geht schnelles Tippen mit der neuen Betriebssystemversion tatsächlich etwas fehlerfreier als bisher von der Hand.



Einige der neuen Emojis in iOS 26.4. Big Foot lässt schön grüßen.

Neu ist auch eine Option, blinkende Elemente der Liquid-Glass-Bedienoberfläche zu reduzieren. Buttons und Texteingabefelder blitzen derzeit teils recht deutlich auf, wenn diese per Finger angewählt werden – zum Ärger mancher Nutzer. Apple hat bereits mehrere Anpassungsmöglichkeiten für das neue Interface-Design bereitgestellt, weitere dürften noch folgen. Die Bedienungshilfe, die Bewegung reduziert, kann laut Apple die teils sehr belebten Animationen von Liquid Glass in 26.4 besser verringern.

Bei Apples Familienfreigabe musste bislang das als Organisator eingetragene Familienoberhaupt für sämtliche Einkäufe anderer Familienmitglieder bezahlen. Einziger Workaround war, andere Accounts mit eigenem Guthaben auszustatten. Demnächst können erwachsende Mitglieder einer Familienfreigabe erstmals ihre eigenen Kreditkartendaten hinterlegen und etwa In-App-Käufe und Abos abrechnen. Auch auf Beschwerden von Apple-Watch-Nutzern zur mit watchOS 26 neu gestalteten Training-App reagiert der Hersteller nun: Die Workout-Aufzeichnung startet ab Version 26.4 auch durch Antippen des Sportart-Icons.

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Wichtige, teils schon getestete Funktionen muss Apple allerdings erneut aufschieben – diese folgen somit frühestens mit iOS 26.5. Dazu gehört die bereits versprochene Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von RCS-Nachrichten sowie der Support für vollwertige iOS-Mitteilungen auf Smartwatches anderer Hersteller in der EU. Künftig können Kopfhörerhersteller außerdem in der EU den praktischen schnellen Gerätewechsel integrieren, den bisher nur AirPods (und Beats) beherrschen. In iOS 26.4 lässt sich das nur von den Entwicklern testen, für Endnutzer soll es später folgen. Beide Funktionen sind Teil von EU-Vorgaben zu mehr Interoperabilität. Komplett fehlen in Version 26.4 außerdem die großen KI-Verbesserungen rund um Siri, die Apple vor zwei Jahren versprochen und beworben hatte, bislang aber nicht umsetzen konnte.


(lbe)



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Drohende Arbeitslosigkeit: „Es gibt nur zwei Strategien, richtig zu reagieren“


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In Deutschland macht sich die Arbeitslosigkeit in manchen Branchen breiter bemerkbar als in anderen und steigt stark, vor allem bei jungen Akademikern. Stühle, die bislang sicher standen, wackeln nun oder werden erst gar nicht besetzt. Wie können und sollten Menschen mit so tiefgreifenden Veränderungen in unserer Gesellschaft umgehen? „Aktiv und bloß nicht resignieren“, sagt Dr. Uwe Kanning. Er ist Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Osnabrück.

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Uwe Kanning

heise online: Was passiert mit Beschäftigten, wenn sich deren Situation verschlechtert und es an einer absehbaren Lösung mangelt, weil die Wirtschaft einfach nicht in Schwung kommen will?

Kanning: Das bereitet vielen Menschen Sorge bis hin zur realen Angst, seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Daran hängt der aktuelle Wohlstand bis hin zum künftigen mit der Rente im Alter. Wir müssen aber auch sehen, dass nicht alle Menschen gleichermaßen stark von den Auswirkungen eines möglichen Arbeitsplatzverlusts betroffen sind. Für einige ist die Situation viel bedrohlicher, etwa wenn sie in einer strukturschwachen Region wohnen, an die sie familiär gebunden sind. Im anderen Extremfall können junge und flexible Leute sagen: Ach, so schlimm ist ein Jobverlust auch nicht. Dann lerne ich eben was Neues.

heise online: Die Zahl arbeitsloser Akademiker unter 30 Jahren ist in den vergangenen Jahren extrem gestiegen. Verliert die junge Generation dadurch den Glauben ans Studium und die damit verbundene berufliche Zukunft?

Kanning: Generell ist unter Akademikern die Arbeitslosigkeit gering und wenn sich die Quote verdoppelt, ist das zwar ein starker Anstieg absolut gesehen, aber nicht relativ, was viel mehr über eine Veränderung aussagt. Eine akademische Ausbildung ist nach wie vor der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit. Deshalb wird dieser Anstieg der Arbeitslosigkeit unter angehenden und jungen Akademikern nun nicht massenhaft zu einer Resignation führen, sondern nur eine kleine Teilmenge von Leuten betreffen.

heise online: Vom Stellenabbau war im vergangenen Jahr insbesondere die Industrie betroffen. Am massivsten hat es die Automobilindustrie erwischt. Diese Branche war weltweit einst die Vorzeigeindustrie Deutschlands. Wie wirkt dieser Imageverlust auf die Beschäftigten?

Kanning: Für die Beschäftigten dieser Branche ist die Situation besonders schlimm. Die deutsche Automobilindustrie ist über Jahrzehnte ein Leuchtturm gewesen, was Qualität und Luxus angeht. Von Beschäftigten in dieser Branche weiß ich, dass viele mit Herzblut hinter ihren Produkten stehen. Für sie ist es schwer zu verstehen, dass diese Produkte weniger abgenommen werden und dass es irgendwelche Konkurrenz gibt, die viel billiger produziert, aber dennoch hochwertig. Hinzu kommt: Wenn sie die Branche wechseln müssen, werden sie deutliche Einkommensverluste haben, weil in der Automobilbranche auf allen Ebenen viel höhere Gehälter gezahlt werden als in anderen Branchen. Ein Wechsel aus der Automobilbranche ist somit meist ein wirtschaftlicher Abstieg.

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heise online: Es sind aber auch moderne Branchen wie die IT von Stellenabbau betroffen. Eine Ausbildung oder Studium in Informatik galt viele Jahre als Garantie gegen Arbeitslosigkeit. Muss nun ein ganzer Berufsstand umdenken?

Kanning: Für IT-Personal beurteile ich die Lage positiver als in anderen Tätigkeiten. Aktuell werden zwar IT-Arbeitsplätze abgebaut. Auf einen längeren Zeitraum bezogen, in 10 oder 15 Jahren, wird sich das ausgleichen. Einfach, weil durch die weiter voranschreitende Digitalisierung der Gesellschaft in Unternehmen und Behörden viel mehr Servicepersonal gebraucht wird, das sich beispielsweise um IT-Sicherheit kümmert. Der kurzfristige Einbruch gleicht sich ziemlich sicher langfristig aus.

heise online: Viele Tech-Firmen nennen Automatisierung und Künstliche Intelligenz als einen wesentlichen Grund für Entlassungen. Entwickelt wird KI von IT-Fachleuten. Schaufeln sie sich damit ihr eigenes Grab?

Kanning: Das scheint zum Teil tatsächlich so zu sein. Was ich so mitbekomme, geht in die Richtung, dass Menschen heute die Software programmieren, die morgen oder übermorgen sich selbst programmieren kann. Viele Programmierer schaffen sich so selbst ab – und müssen sich dann umorientieren, weil sie technische Alternativen zu sich selbst entwickelt haben.

heise online: Eine Alternative hätten die Programmierer wohl kaum gehabt?

Kanning: Das glaube ich auch. Die Leute haben die Annehmlichkeiten ihres Jobs auch gerne mitgenommen, flexibel von zu Hause aus arbeiten zu können und sehr gut bezahlt zu werden. Aber das ist in deren Berufsbiografie dann vielleicht eben nur eine Phase von wenigen Jahren.

heise online: Lange Zeit saßen die Beschäftigten in Deutschland fest im Sattel, mussten nicht um ihren Job bangen. Jetzt wackeln viele Stühle. Wie wirkt sich diese Situation auf betroffene Menschen aus?

Kanning: Unsicherheit nimmt zu und es kommen Fragen auf: Wie geht es nach dem Arbeitsplatzverlust weiter? Kann ich meinen Arbeitsplatz vielleicht doch behalten? Muss ich umschulen? Kann ich meine Kredite künftig noch abbezahlen? Das Schlimmste, was gesellschaftlich passieren könnte, wäre eine politische Radikalisierung. Seit Jahren erleben wir in Deutschland, dass es an den Rändern unserer Gesellschaft extremer wird und mehr Menschen das akzeptieren. Ich hoffe, dass es nicht dazu kommt und die Menschen erkennen, dass es immer auch noch eine Alternative gibt im Sinne von Umschulung und Flexibilität. Es soll nun nicht zynisch klingen, aber vielleicht sind drohende oder reale Entlassungen für manche auch eine Möglichkeit, was Neues auszuprobieren und nicht 20 oder 30 Jahre in derselben Branche Tag für Tag das gleiche zu tun. Was noch wichtig ist: Die Rezession, in der wir uns aktuell befinden, wird nicht ewig anhalten. Irgendwann geht es wieder aufwärts.

Trotz steigender Arbeitslosigkeit besteht ein Arbeitskräftemangel? Liegt in dem einen Problem nicht schon die Lösung des anderen?

Kanning: Durchaus. Vor zwei, drei Jahren hieß es noch, dass wir jährlich einige hunderttausend Menschen nach Deutschland holen müssen, um den Fachkräftemangel zu beseitigen. Einerseits gibt es eine Suche nach Fachkräften, andererseits werden Stellen abgebaut. Zumindest ein Stück weit könnte sich das kompensieren. Das mag manchen Menschen ein Stück weit Hoffnung geben.

Wirkt sich Angst vor Arbeitsplatzverlust auf die Arbeit aus?

Kanning: Sie kann einen Leistungsanstieg oder einen Leistungsabfall bewirken, weil auch hier die einzelnen Leute ganz unterschiedlich regieren. Wenn sie relativ gut qualifiziert und flexibel sind, dann ist zu erwarten, dass sie ihren Arbeitgeber verlassen, weil sie erkennen: Ich muss mich um meine berufliche Zukunft selbst kümmern, obwohl aktuell eine Kündigung nicht im Raum steht. Andererseits gibt es Menschen, die Angst haben um ihren Arbeitsplatz und sich mehr anstrengen, weil sie nicht die ersten sein wollen, die gehen müssen. Wiederum andere resignieren.

heise online: Was können Menschen gegen ihre Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes außerdem zum Selbstschutz tun?

Kanning: Wichtig ist vor allem, den Kopf nicht in den Sand zu stecken und nicht zu resignieren. Sie sollten ihre Lage aktiv angehen und sich überlegen: bin ich jemand, der vom Arbeitsplatzabbau in den nächsten Jahren bedroht ist und wenn das so ist, was kann ich tun? Im Grunde gibt es zwei Strategien. Die eine ist, sich frühzeitig einen neuen Arbeitsplatz zu suchen, um sich aus der Situation der Stärke heraus bewerben zu können. Die andere ist, sich Gedanken über Weiterbildung zu machen. Wichtig ist, von sich aus aktiv zu werden und nicht einfach nur abzuwarten.

heise online: Was können Arbeitgeber tun?

Kanning: Nur ein Teil der Branchen wird in den kommenden zehn Jahren konsequent Personal abbauen müssen. Die anderen brauchen ihr Personal weiterhin, nur eben anders qualifiziert. Arbeitgeber sollten sich überlegen, wie sie ihre Mitarbeitenden so qualifizieren, dass sie für die Arbeit von morgen besser qualifiziert sind. Dafür müssen sie Geld investieren. So wie in Azubis: Weil sie die Beschäftigten der Zukunft sind, sollten die Firmen in Beschäftigte investieren, die derzeit zwar nicht so richtig gebraucht werden. Mit der Weiterbildung sorgen sie aber dafür, dass sie künftig wieder wertvoller für den Arbeitgeber sind. Es ist klug von Arbeitgebern, die es sich leisten können, ihre Leute zu halten. Wenn die Wirtschaft wieder anzieht, werden sie nämlich wieder gebraucht.

heise online: Vielen Dank für das Gespräch.


(mho)



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