Digital Business & Startups
Sekunden vor der Zündung: Warum Isar Aerospace den Raketenstart stoppte
Der Start der Isar-Aerospace-Rakete in Norwegen wurde unmittelbar vor der Zündung der Triebwerke abgebrochen. Warum?
Der zweite Start der Kleinrakete Spectrum vom deutschen Hersteller Isar Aerospace in Nordnorwegen wurde unmittelbar vor Zündung der Triebwerke abgebrochen. Zu diesem Zeitpunkt hatte bereits die automatische Kontrolle das Kommando über die Rakete übernommen.
Offensichtlich wurde eine technische Unregelmäßigkeit ermittelt, die das Zünden der Triebwerke verhinderte. Von Isar Aerospace gab es zunächst keine Begründung für den Abbruch.
Der Start der Rakete wurde komplett für diesen Mittwoch abgesagt und soll so schnell wie möglich wiederholt werde, hieß es in einer Live-Übertragung. Zuvor gab es schon eine rund 20-minütige Verzögerung bei dem ursprünglich für 21 Uhr Ortszeit geplanten Start, weil sich ein Boot im Sperrgebiet um den Weltraumbahnhof Andøya befand.
Im Januar stand die Rakete zuletzt auf dem Startplatz. Nach Problemen mit einem Druckventil wurde der Start damals abgeblasen und verschoben. Diesmal gab es im Vorfeld zudem wetterbedingte Verzögerungen. Beim ersten Startversuch vor rund einem Jahr ist die Rakete nur 30 Sekunden geflogen und dann ins Meer gestürzt und explodiert.
Spectrum sollte erstmals Nutzlasten in den Orbit bringen
Bei der als „Onward and Upward“ bezeichneten Mission sollte die 28 Meter hohe, zweistufige Rakete bei einem Qualifikationsflug erstmals Nutzlasten in den Orbit bringen – fünf Minisatelliten (CubeSats) und ein Experiment.
Das 2018 gegründete Münchner Raketen-Start-up Isar Aerospace will mit seinen Starts in Norwegen europäische Raumfahrtgeschichte schreiben. Spectrum soll die erste Rakete werden, die von kontinental-europäischem Boden durch ein privates Unternehmen Satelliten in eine Erdumlaufbahn befördert. Das würde Europas Souveränität in der Raumfahrt fördern.
Isar Aerospace-Chef Daniel Metzler hat im Vorfeld des Starts die Hoffnung geäußert, dass die Rakete gegenüber dem Erstflug zumindest Fortschritte erzielt. Er ließ es aber offen, ob er von einem Flug bis ins All ausgeht. Würde der zweite Flug komplett klappen und die Satelliten einen Erdorbit erreichen, ist der dritte Start bereits als eine kommerzielle Mission vorgesehen.
Ein Fehlschlag beim zweiten Start wäre für Branchenkenner allerdings keine Überraschung. Nahezu alle neuen Kleinraketen kämpfen nämlich mit Technikproblemen bei den Erstflügen. Selbst der Technologieunternehmer Elon Musk war erst beim vierten Flug seiner ersten Rakete Falcon 1 erfolgreich.
Isar Aerospace-Chef Metzler verweist darauf, dass die Rakete aus ungefähr 100.000 Teilen besteht. „Eine einzige fehlerhafte Komponente kann dazu führen, dass wir es nicht in den Orbit schaffen.“ Nur beim tatsächlichen Testflug könnten die Ingenieure die Daten sammeln, um Fehler im Design zu finden und abzustellen.
Isar Aerospace peilt dabei einen möglichst schnellen Hochlauf der Serienproduktion an. Weitere Starts der Rakete für Nutzlasten von bis zu einer Tonne sind noch in diesem Jahr geplant. Gearbeitet wird bereits am siebten Exemplar.
Große Nachfrage vom Militär
Isar Aerospace-Chef Metzler sieht eine gewaltige Nachfrage nach Raketen, in jüngster Zeit vor allem von den Militärs. Vor einem Jahr stammte noch 85 Prozent der Nachfrage aus dem kommerziellen Bereich- inzwischen seien 60 Prozent militärische Anwendungen. Die Starts von Isar Aerospace seien bis einschließlich 2028 ausgebucht, sagte Metzler, wobei er nicht sagen wollte, mit wie viel Flügen in dieser Zeit gerechnet wird.
Isar Aerospace ist einer von fünf Kleinraketenentwickler, die von der Europäischen Weltraumagentur ESA in einem Wettbewerb (European Launcher Challenge) gefördert werden. Voraussetzung ist, dass sie bis Ende 2027 einen erfolgreichen Orbitalflug schaffen. Mitte Februar ging allerdings das schottische Raketenunternehmen Orbex pleite, weil eine Finanzierungsrunde platzte.
Isar Aerospace dagegen soll laut der Nachrichtenagentur Bloomberg in Gesprächen für eine Finanzierungsrunde in Höhe von 250 Millionen Euro sein. Das Startup solle dann mit zwei Milliarden Euro bewertet werden. Vorstandschef Metzler wollte die Berichte jüngst nicht kommentieren.
Schärfster Konkurrent aus Deutschland für Isar Aerospace ist das Start-up Rocket Factory Augsburg (RFA), das im Sommer den Erstflug plant. Ein zweiter RFA-Start wäre dann erst 2027 geplant, sagte soeben RFA-Chef Indulis Kalnins auf einem Raumfahrtkongress in München. Die RFA-Rakete soll mit 1,3 Tonnen Nutzlast leistungsfähiger als die Isar Aerospace-Rakete sein.
RFA gehört mehrheitlich zum Bremer OHB-Konzern und weist bereits schwarze Zahlen aus. Der Beteiligungswert des anteilsmäßig in den OHB-Konzernabschluss einbezogenen RFA-Bewertungsansatzes stieg 2025 um 9,8 (Vorjahr 3,3) Millionen Euro auf nunmehr 145,4 Millionen Euro. OHB-Chef Marco Fuchs sprach jüngst von einem vor Jahren noch unvorstellbaren Engpass bei Raketen, um alle geplanten riesigen Satellitenflotten in den Weltraum zu befördern.
Ob die Riesenkonstellation an Bundeswehr-Kommunikationssatelliten im Projekt „BW SatCom 4“ schon von deutschen Kleinraketen ins All befördert werden, ist noch offen. Die ersten 40 Satelliten sollen 2029 in Betrieb gehen. Die ersten neuen Radarsatelliten aus dem Gemeinschaftsunternehmen von Rheinmetall mit dem finnischen Unternehmen Iceye werden mit SpaceX-Raketen von Elon Musk starten. Die Radarsatelliten haben eine supergenaue Auflösung und können Gegenstände von bis zu 25 Zentimeter Größe noch erkennen.
Gerhard Hegmann ist freier Wirtschaftsredakteur und berichtet seit Jahrzehnten insbesondere über die Rüstungs- und Raumfahrtindustrie.
Digital Business & Startups
Stark erhält 500 Millionen – Finn sammelt 140 Millionen ein
#DealMonitor
+++ #DealMonitor +++ DefenseTech-Unicorn Stark erhält 500 Millionen +++ Auto-Abo-Grownup Finn sammelt 140 Millionen ein – und wird ein Unicorn +++ KI-Startup Ora Computing sammelt 3,5 Millionen ein +++ Robotik-Startup Innok Robotics erhält 3,3 Millionen +++

Im #DealMonitor für den 24. Juni werfen wir einen Blick auf die wichtigsten, spannendsten und interessantesten Investments und Exits des Tages in der DACH-Region. Alle Deals der Vortage gibt es im großen und übersichtlichen #DealMonitor-Archiv.
STARTUPLAND 2027: SAVE THE DATE

The next unicorn? You’ll meet it at STARTUPLAND
+++ Du hast unsere phänomenale dritte STARTUPLAND verpasst? Dann trage Dir jetzt schon einmal unseren neuen Termin in Deinen Kalender ein: Die nächste STARTUPLAND findet am 10. März 2027 statt. Mehr über Startupland
INVESTMENTS
Stark
+++ Der amerikanische Geldgeber Sequoia Capital, Nato Innovation Fund (NIF), Project A Ventures, Air Street Capital, 201 Ventures, Advent und Döpfner Capital investieren 500 Millionen Euro in Stark. Das junge Berliner DefenseTech, 2024 vom Quantum Systems-Gründer Florian Seibel und Sven Kruck gegründet, setzt unter anderem auf Kampfdrohnen (Loitering Munition System). Im Zuge der Investmentrunde wird das Unternehmen mit mehr als 3,2 Milliarden Euro (zuvor 1 Milliarde) bewertet – wie das Handelsblatt berichtet. Das frische Kapital soll insbesondere in die Forschung fließen. Seit der Gründung sammelte das Unternehmen bereits rund 640 Millionen ein. Mehr über Stark
Finn
+++ Der kanadische Geldgeber Portage, Planet First Partners, Korelya Capital, White Star Capital, HV Capital, Picus Capital, SevenVentures, BC Partners Credit und Runway Growth Capital investieren 140 Millionen Euro (darunter 40 Millionen Fremdkapital) in FINN. Im Zuge der Investmentrunde wird das Unternehmen mit rund 1 Milliarde Euro bewertet und steigt somit zum Unicorn auf. Das Münchner Grownup, 2019 von Max-Josef Meier (nicht mehr an Bord) und Maximilian Wühr gegründet, setzt auf Auto-Abos. Nach eigenen Angaben verfügt das Unternehmen derzeit über „mehr als 50.000 FINN Abos“. Der jährlich wiederkehrende Umsatz (ARR) liegt bei „über 300 Millionen Euro“. Das Unternehmen sammelte in den vergangenen Jahren bereits rund 250 Millionen Eigenkapital ein – unter anderem von Picus Capital, HV Capital, UVC Partners und Heartcore Capital. Hinzu kommt Fremdkapital in Milliardenhöhe. Mehr über Finn
Ora Computing
+++ Der Schweizer Early-Stage-Investor Constructor Capital, Greencode Ventures aus Helsinki und XISTA Science Ventures investieren 3,5 Millionen Euro in Ora Computing. Das Wiener Startup, von Stefan Sack und Raimel Medina gegründet, entwickelt eine Technologie zur Komprimierung von KI-Modellen. Die Lösung soll den Einsatz großer Sprachmodelle in der Cloud und auf Edge-Geräten effizienter machen, indem sie Speicherbedarf und Rechenaufwand reduziert. Mehr über Ora Computing
Innok Robotics
+++ Das Privatinvestoren-Netzwerk Companisto, Prolimity Capital Partners und Co. investieren 3,3 Millionen Euro in Innok Robotics. Die Firma aus Regenstauf, 2012 von Alwin Heerklotz gegründet, setzt auf „voll integrierte AMR-Systeme, die sowohl Software als auch Fahrzeug-Hardware sowie modernste 2D- und 3D-Sensorik auf Basis Künstlicher Intelligenz umfassen“. Mit dem frischen Kapital möchte das Team „seine Skalierung weiter aggressiv vorantreiben“. Companisto, Prolimity Capital Partners und der Unternehmer Heinz Ferchau, Gründer von Ferchau Engineering, investierten zuvor bereits rund 7 Millionen in das Unternehmen. Prolimity hielt zuletzt rund 45 % an Innok. Mehr über Innok Robotics
Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.
Foto (oben): azrael74
Digital Business & Startups
Warum Gründer bewusst auf externe Finanzierung verzichten
Eine Vielzahl von Kleinunternehmen in Deutschland kämpft mit Liquiditätsengpässen. Trotzdem ist eine externe Finanzierung oft kein Thema, das zeigt eine aktuelle Umfrage des Finanz-Startups Qonto, das sich auf Firmenkunden spezialisiert hat. „Unternehmer verzichten lieber auf ihr eigenes Gehalt als auf Unabhängigkeit“, heißt es in der Untersuchung, die WELT und Gründerszene vorliegt.
Digital Business & Startups
5 neue Startups: curly, GreenGLOBAL, Assetfy, DATFID, Lexi
#Brandneu
Es ist wieder soweit – neue Startups stehen in den Startlöchern! Hier sind einige spannende junge Unternehmen, die man kennen sollte. Heute werfen wir einen Blick auf diese Neugründungen: curly, GreenGLOBAL, Assetfy, DATFID und Lexi.

deutsche-startups.de stellt heute erneut eine Auswahl junger Startups vor, die in den vergangenen Wochen und Monaten gegründet wurden oder kürzlich aus dem Stealth-Mode hervorgetreten sind. Noch mehr spannende Neugründungen gibt es übrigens in unserem Newsletter Startup-Radar.
curly
curly aus München „liefert tiefgehende Kundenerkenntnisse durch Voice-AI-Interviews“ im großen Maßstab. „We’re solving customer research’s impossible trade-off: deep insights vs. scale“, verspricht das von Philipp Nastaly und Paul Büchter angeschobene Startup.
GreenGLOBAL
Bei GreenGLOBAL aus Dresden, von Jana-Maria Seiferth ins Leben gerufen, dreht sich alles um Nachhaltigkeit. Die digitale Plattform möchte B2B und B2C transparente Entscheidungen – zum Beispiel über den Kauf einer Ware oder Dienstleistung – bieten.
Assetfy
Die Jungfirma Assetfy aus Berlin, von Daniel Sippel gegründet, setzt auf eine „SaaS-Plattform für Real Estate Professionals, die amtliche Geodaten (ALKIS/Flurkarte), Bodenrichtwerte, Bebauungspläne und aktuelle Marktpreise auf einer Karte vereint“.
DATFID
Hinter DATFID aus München, von Igor Schapiro und Valerii Dashuk an den Start gebracht, steckt ein B2B-Tool für Datenanalyse, Prognosen und Optimierung. Das Tool verwandelt „KI-Modelle von Black-Box-Systemen in vollständig interpretierbare Systeme und versorgt Unternehmen mit klaren, umsetzbaren Erkenntnissen“.
Lexi
Das Startup Lexi aus Berlin hat KI speziell für Musikverträge im Angebot. „LEXI makes music contracts faster than 120 BPM. We help legal teams draft, edit, and review contracts in record time – without losing control“, erläutert das Team der Gründer:innen Maria Saveleva und Oleg Fedak.
Tipp: In unserem Newsletter Startup-Radar berichten wir einmal in der Woche über neue Startups. Alle Startups stellen wir in unserem kostenpflichtigen Newsletter kurz und knapp vor und bringen sie so auf den Radar der Startup-Szene. Jetzt unseren Newsletter Startup-Radar sofort abonnieren!
Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.
Foto (oben): Bing Image Creator – DALL·E 3
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonatenEmpfehlungsalgorithmen bei TikTok erklärt: Die Maschine hinter dem Endlos‑Feed
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonateniX-Workshop Angriffsziel lokales AD − Schwachstellen finden und beheben
-
Künstliche Intelligenzvor 3 Monaten„Don’t Starve Elsewhere“: Survival‑Hit kehrt nach zehn Jahren zurück
-
Künstliche Intelligenzvor 2 MonatenWeitere Entlassungswelle bei Disney: Bis zu 1000 Mitarbeiter betroffen
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonatenKine‑Exakta: Die erste Spiegelreflexkamera fürs Kleinbild
-
Künstliche Intelligenzvor 2 Monaten
xTool P3 im Test: CO₂-Laser mit 80 Watt schneidet und graviert auch Acryl
-
Social Mediavor 1 MonatMetas neuer Creative Setup Workflow: Was sich wirklich ändert – und warum das nicht nur eine UI-Frage ist!
-
Apps & Mobile Entwicklungvor 2 MonatenMega-GPUs für Nvidia, AMD & Co: TSMC zeigt CoWoS-Package mit >11.600 mm² & 24 × HBM5E
