Künstliche Intelligenz
Dyson Clean+Wash Hygiene im Test: Schicker Wischsauger läuft 70 Minuten am Stück
Der Dyson Clean+Wash Hygiene kommt als filterloser Wischsauger mit starkem Akku, der ihm 70 Minuten Einsatzzeit verschafft.
Im Vergleich zu den meisten aktuellen Wischsaugern auf dem Markt kommt der Dyson Clean+Wash Hygiene mit einem filterlosen Reinigungssystem. Hier wird der Schmutz nicht angesaugt, sondern über die Filamente der Wischrolle aufgesammelt. Der Schmutzwassertank liegt direkt am Fuß, wodurch der aufgesaugte Schmutz direkt beim Aufsammeln vom Wasser getrennt wird. Auf dem Papier heißt das, dass keine festen Partikel im Schmutzwassertank landen und so auch die anschließende Reinigung deutlich unkomplizierter abläuft.
Wie sich der Dyson Clean+Wash Hygiene beim Saubermachen schlägt, zeigen wir im Test. Der Hersteller stellte uns das Gerät für diesen Test bereit.
Lieferumfang
Der Dyson Clean+Wash Hygiene kommt mit Ladestation und einer Flasche Reinigungsmittel. Für die Ersteinrichtung liegt ein Quick-Start-Guide bei. Ein Filter gehört nicht zum Lieferumfang, da der Wischsauger keine Luft ausstößt und somit ohne Filtersystem arbeitet.
Design
Farblich dominieren Blau und Kupfer den Look des Clean+Wash Hygiene. Das Gros des Wischsaugers besteht aus Kunststoff, einzige Ausnahme ist der Arm. Dieser ist aus Aluminium. Ganz unkonventionell befindet sich der Schmutzwassertank im Fuß des Saugers, während der Frischwassertank am Korpus angebracht ist. Bei den meisten von uns getesteten Wischsaugern ist das genau andersherum.
In den Griff ist ein rundes LCD eingelassen, das je nach Situation unterschiedliche Informationen abbildet. Ein dedizierter Button dient zur Steuerung des Bildschirms. Am Griff befindet sich neben dem Power-Button auch noch die Max-Taste. Sie fährt die Wasserzufuhr so lange auf die höchste Stufe, wie man die Taste gedrückt hält.
Dyson Clean+Wash Hygiene – Bilder
Das Design ist Dyson-typisch aufgeräumt und erweckt einen hochwertigen Eindruck – trotz des hohen Kunststoffanteils. Der Frischwassertank hat ein Fassungsvermögen von 750 ml, der Schmutzwassertank bietet hingegen nur 520 ml. Insgesamt fasst der Wischsauger also 1,27 l Wasser, etwas weniger als viele Konkurrenzmodelle. Die Einsparungen beim Tank tragen aber zum kompakten Formfaktor des Clean+Wash Hygiene bei und reduzieren so auch sein Gewicht. Mit etwa 3,82 kg ist er nämlich angenehm leicht. Zum Vergleich: Der Mova X4 Pro (Testbericht) bringt gut 5,3 kg auf die Waage.
Einrichtung
Der Dyson Clean+Wash Hygiene ist ziemlich schnell zusammengebaut. Man muss lediglich den Arm in den Wischsauger klicken, die Station aufstellen und den Sauger darin zum Laden platzieren. Die beigefügte Kurzanleitung bebildert den Prozess verständlich. Extrem praktisch ist zudem, dass der LCD-Bildschirm für verschiedene Prozesse, etwa die anschließende Reinigung des Wischsaugers, kurze Animationen abspielt.
Per QR-Code kann man die My-Dyson-App für Android oder iOS herunterladen, anders als beim Dyson V16 Piston Animal bietet sie allerdings keine zusätzlichen Funktionen für den Wischsauger. Dieser hat ohnehin keine Bluetooth-Funktion, um sich verbinden zu können. Die App dient hier hauptsächlich dazu, das Produkt für den eigenen Account zu registrieren und wartet mit einer Auswahl an Tipps rund um die Nutzung des Clean+Wash Hygiene auf.
Steuerung
Gesteuert wird der Dyson gänzlich über die Tasten am Griff. Diese sind leicht erreichbar und bieten – mit Ausnahme des Bildschirm-Buttons – ein direktes Feedback. Die Display-Taste wirkt im Vergleich leider etwas schwammig: Drückt man sie nicht mittig genug, erfasst sie die Eingabe schlichtweg nicht. Das ist zwar ein kleiner Minuspunkt in der B-Note, nach ein paar Durchgängen hat man den Dreh aber raus und drückt automatisch ‚korrekt‘.
Wie so ziemlich alle aktuellen Wischsauger arbeitet auch der Dyson Clean+Wash Hygiene mit motorisierten Rädern, die ihn von allein nach vorn fahren lassen. Das bedeutet weniger Anstrengung beim Saugen. Die Antriebskraft ist hervorragend austariert und das ist auch gut so, denn manuell anpassen kann man sie nicht.
Generell bietet der Wash+Clean Hygiene so gut wie keine Anpassungsmöglichkeiten. Einzig zwischen den verschiedenen Saugmodi kann man wechseln. Wer hier einen Funktionsumfang ähnlich der chinesischen Konkurrenz erwartet, wird enttäuscht.
Reinigung
Der Clean+Wash Hygiene arbeitet mit einem filterlosen System, bei dem der Schmutz nicht angesaugt, sondern ausschließlich über die Filamente der Rolle aufgenommen wird. Das sorgt vorrangig dafür, dass der Wischsauger im Betrieb äußerst leise ist. Schmutz und Wasser werden direkt am Bürstenkopf voneinander getrennt und nicht wie bei vielen anderen Modellen zuerst in den Schmutzwassertank gesaugt. Das erleichtert die anschließende Entleerung tatsächlich ungemein.
Wir testen den Wischsauger sowohl auf Parkettboden als auch auf Fliesen und sind mit der Reinigungsleistung insgesamt ziemlich zufrieden. Er befeuchtet die Böden gleichmäßig und arbeitet während unseres Tests schlierenfrei. Er lässt sich zudem komplett waagerecht auf den Boden legen und kommt so mit einer Höhe von 113 mm gut unter Möbel. Bei besonders hartnäckigen eingetrockneten Flecken muss man Vorarbeit leisten oder direkt per Hand mit dem Schwamm ran – das ist aber bei den meisten aktuellen Wischsaugern der Fall.
Krümel, Staub und Haare stellen für den Clean+Wash Hygiene kein Problem dar und werden anstandslos über die Rolle aufgenommen. Auch Flüssigkeiten wie verschüttete Hafermilch und Cola beseitigt der Sauger restlos. Zum Frischwassertank geben wir vor dem Einsatz wie vom Hersteller empfohlen 20 ml der mitgelieferten Reinigungslösung hinzu. Diese riecht in konzentrierter Form äußerst angenehm und überhaupt nicht künstlich, beim Verteilen auf dem Boden riecht man sie dann aber ohnehin kaum noch.
Auf den Fliesen poltert der Wischsauger leider etwas unsanft über den Boden. Das liegt an den winzigen Rädern des Bürstenkopfs, die aufgrund ihrer Form perfekt in der Fuge versinken. Dadurch entsteht beim Darüberfahren jedes Mal ein hör- und spürbares Klackern.
Der kleinere Schmutzwassertank macht sich nach etwa 10 Minuten im Einsatz bemerkbar: Die Maschine quittiert dann nämlich den Dienst und fordert die Entleerung, bevor es weitergehen kann. Da man hier allerdings wirklich nur das Wasser entleeren und nicht auch das Auffangsieb säubern muss, ist der Spaß zum Glück schnell erledigt. Ungünstigerweise tropft der Schmutzwassertank beim Transport vom Sauger zum Waschbecken in unserem Fall ganz schön, was sehr ärgerlich ist.
Für die anschließende Selbstreinigung auf der Ladestation muss man den Frischwassertank erneut füllen sowie den Schmutzwassertank leeren und das dort integrierte Auffangsieb entnehmen und sauber machen. Das Entfernen des Siebs ist nicht ganz so einfach, da es etwas Kraft erfordert und keine wirklich gute Griffmöglichkeit gibt. Hat man das Sieb erfolgreich vom Tank getrennt, kann man es unkompliziert unter Wasser abspülen.
Die Selbstreinigung dauert etwa 145 Sekunden, die anschließende Trocknung mit 85 °C heißer Luft nimmt 30 Minuten in Anspruch. Mit etwa 56 dB(A) gemessen per Smartphone-App an der Station ist der Trocknungsvorgang verhältnismäßig laut und sollte daher, wenn möglich, nicht gerade abends gestartet werden.
Akkulaufzeit
Der Akku hat uns im Test mehr als überrascht. Beim ersten Anwerfen des Wischsaugers zeigt uns die Anzeige eine verbleibende Einsatzdauer von 77 Minuten. So viel Akkulaufzeit haben wir bisher bei keinem anderen von uns getesteten Wischsauger erlebt. Zugegebenermaßen dürfte die fehlende Saugeinheit hier bei der Performance eine Rolle spielen, beeindruckend ist es aber dennoch. Ein weiteres Plus: Der Akku ist abnehmbar, was bedeutet, dass man ihn jederzeit ersetzen kann, sollte er irgendwann einmal den Geist aufgeben.
Ein vollständiger Ladevorgang über die Station dauert laut Dyson in etwa 4,5 Stunden. Wir bekommen den Akku pro Saugvorgang aber nicht annähernd so leer, um das verifizieren zu können.
Preis
Auf der Herstellerseite gibt es den Dyson Clean+Wash Hygiene zur UVP von 449 Euro. Alternativ ist er bei Alza mit knapp 422 Euro etwas günstiger zu haben.
Fazit
Mit seinem filterlosen Reinigungssystem überzeugt der Dyson Clean+Wash Hygiene da, wo es drauf ankommt: bei der täglichen Reinigung. Sowohl trockenen als auch flüssigen Schmutz nimmt der Wischsauger in unserem Test problemlos auf und hinterlässt einen sauberen Boden. Vor allem der ergiebige Akku mit über 70 Minuten Laufzeit sticht hier positiv hervor. Die anschließende Reinigung des Schmutzwassertanks ist zwar nicht ideal, da im Tank aber keine festen Partikel vorhanden sind, dafür deutlich praktischer als bei vielen anderen Modellen.
Bedingt durch den kompakten Formfaktor fällt das Volumen des Schmutzwassertanks kleiner aus, weshalb er im Test für eine Zwischenentleerung unterbrochen werden musste. Der Dyson Clean+Wash Hygiene macht vieles richtig und überzeugt optisch durch den typisch hochwertigen Look. Er bietet jedoch kaum Alleinstellungsmerkmale gegenüber der Konkurrenz, die vieles ähnlich gut oder gar besser löst. Unter dem Strich bleibt er aber ein absolut solider Begleiter für den Haushalt.
Künstliche Intelligenz
Demokratie unterm Radar: Deutschland wird zum Absteiger beim Rechtsstaat
Der neue Rechtsstaatsbericht der Civil Liberties Union for Europe (Liberties) zeichnet für 2025 ein düsteres Bild: In weiten Teilen der EU stagnieren demnach demokratische Grundwerte oder befinden sich im Rücklauf. Besorgniserregend schätzen die Experten auch die Entwicklung in Deutschland ein, das in der am Montag veröffentlichten Analyse erstmals als „Slider“ (Absteiger) gilt.
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Das bedeutet, dass demokratische Standards sinken, ohne dass dies unbedingt Teil einer erklärten politischen Strategie sein muss. Doch gerade diese schleichende Erosion kann den Weg für systemische Angriffe auf die Demokratie ebnen.
Ein Kritikpunkt der Analyse, die die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) zugeliefert hat, ist der Einsatz von Überwachungssoftware gegen Medienschaffende und die Zivilgesellschaft in Deutschland. Im Januar 2025 wurde bekannt, dass Nutzer der Plattform WhatsApp in insgesamt 13 EU-Mitgliedstaaten – darunter Deutschland – Ziel von Angriffen mit der Paragon-Spyware (Graphite) wurden. Dies unterstreicht für die GFF die fragile Lage des Quellenschutzes.
Zudem werden laut dem Bericht die Befugnisse zum Einsatz von Staatstrojanern für die Sicherheitsbehörden ständig ausgeweitet. Wenn nationale Sicherheitsinteressen zunehmend als Rechtfertigung für den Ausbau staatlicher Überwachungsbefugnisse dienten, habe dies eine abschreckende Wirkung auf die investigative Arbeit von Medienvertretern und verletze letztlich durch das Öffnen und Ausnutzen von Sicherheitslücken die Privatsphäre aller Bürger.
Überwachung und blockierter Informationsfluss
Die Autoren dokumentieren auch Rückschritte beim Zugang zu Informationen. Behörden verweigern immer wieder Anfragen auf Basis von Informationsfreiheitsgesetzen, was die Kontrollfunktion der Presse schwächt. Zudem registrieren die Verfasser eine zunehmende Polarisierung, die sich auch gegen die Justiz richtet. Gezielte Kampagnen gegen juristisches Personal untergraben das öffentliche Vertrauen in die Unabhängigkeit der Gerichte.
Im Bereich der gegenseitigen Kontrolle der Staatsgewalten, den sogenannten Checks and Balances, bewerten die Beobachter die Situation in Deutschland sogar als regressiv. Kritisch sehen sie die Pläne zur Verschärfung der Verfassungstreueprüfungen im öffentlichen Dienst. So beabsichtigen einzelne Bundesländer wie Hamburg, vor der Einstellung von Beamten Standardabfragen beim Verfassungsschutz einzuführen. Gewerkschaften und Bürgerrechtler ziehen hier Parallelen zum „Radikalenerlass“ der 1970er-Jahre und warnen vor einer präventiven Überwachung und ideologischen Gesinnungsprüfung, die Grundrechte unverhältnismäßig einschränken könnte.
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Kritik auch an der EU
Der Bericht verdeutlicht, dass der Rechtsstaat auch hierzulande kein Selbstläufer ist. Zwar sieht die Situation in Ländern wie Ungarn oder der Slowakei noch schlechter aus. Diese zählt Liberties zusammen mit Bulgarien, Kroatien und Italien zu Staaten, deren Regierungen gezielt demokratische Kontrollmechanismen und Institutionen schwächen. Die mangelnde Umsetzung von Empfehlungen der EU-Kommission führt aber in vielen Mitgliedsländern zu einer gefährlichen Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
Um diesen Trend umzukehren, fordert Liberties eine konsequentere Nutzung des Instrumentariums der EU zur Rechtsstaatlichkeit. Entsprechende Hinweise müssten mit klaren Zielvorgaben und finanziellen Konsequenzen verknüpft werden, um den Schutz für Menschenrechtsverteidiger und Journalisten vor staatlicher Willkür und Überwachung dauerhaft zu gewährleisten.
(wpl)
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Starke Solareruption könnte Mondmission beeinträchtigen
Eine Sonneneruption am frühen Montagmorgen hat nach Angaben der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) zu Ausfällen von Funksystemen auf der Erde geführt. Das Ereignis könne auch den geplanten Start der Mondmission Artemis-2 beeinträchtigen.
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Die Eruption der Klasse X1.4 habe am Montag um 5:19 Uhr unserer Zeit ihren Höhepunkt erreicht, schreibt das Space Weather Prediction Center der US-Wetter- und Ozeanografiebehörde auf seiner Website. Das habe „zu einem R3 (starken) Funkausfall auf der der Sonne zugewandten Seite der Erde“ geführt. Es sei zu einer großflächigen Beeinträchtigung der Hochfrequenzkommunikation (HF) gekommen, „deren Zentrum über dem maritimen Kontinent einschließlich Südostasien und Nordaustralien lag.“
Die Eruption ereignete sich in der Sonnenfleckenregion AR 4405. Die sehr aktive Region ist auf der Rückseite der Sonne entstanden und dreht sich derzeit der Erde zu. Ihre Aktivität in den kommenden Tagen könnte also Auswirkungen auf die Erde haben.
Artemis-2 soll am 1. April starten
Die Schwerlastrakete Space Launch System (SLS) soll mit einer vierköpfigen Crew an Bord am 1. April um 18:24 Uhr Ortszeit Florida (2. April, 00:24 Uhr unserer Zeit) starten. Die zehntägige Mission soll erstmals seit 1972 wieder Menschen in die Nähe des Mondes bringen. Eine erhöhte Sonnenaktivität könnte die Mission jedoch gefährden.
Die US-Raumfahrtbehörde National Aeronautics and Space Administration (NASA) beobachte die Lage deswegen sehr genau, schrieb die Sonnenphysikerin Tamitha Skov über den Kurznachrichtendienst X. Es gelte jetzt auf sogenannte Radio Bursts zu achten. Diese könnten Hochfrequenzkommunikation und Satellitenfunkverbindungen beim Start und bei frühen Manövern im Orbit beeinträchtigen.
Die Aktivität der Sonnenflecken könnte in den kommenden Tagen für ein spektakuläres Schauspiel am Himmel sorgen: Nach Angaben des Arbeitskreises Meteore e. V., der sich mit der Beobachtung von Himmelsphänomenen befasst, könnten wegen der Eruption am 31. März und 1. April Polarlichter in Deutschland zu sehen sein.
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(wpl)
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Ubuntu setzt auf ntpd-rs: Rust für präzise Zeitsynchronisierung
Ubuntu will seine Zeit-Synchronisierung grundlegend umbauen: In kommenden Releases der Linux-Distribution soll ntpd-rs zum Standard für NTP-Dienste werden. Die in Rust geschriebene Implementierung löst langfristig chrony ab und soll perspektivisch auch linuxptp und gpsd ersetzen. Canonical strebt damit einen einheitlichen, speichersicheren Zeitabgleich unter Linux an.
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ntpd-rs implementiert das Network Time Protocol (NTP) vollständig, einschließlich Network Time Security (NTS). Die Trifecta Tech Foundation entwickelt das Projekt im Rahmen von „Project Pendulum“. Es reiht sich in Ubuntus Strategie ein, zentrale Systemwerkzeuge durch Rust-Neuentwicklungen zu ersetzen – nach sudo-rs und den uutils coreutils. Produktiv läuft ntpd-rs bereits bei Let’s Encrypt: Die Zertifizierungsstelle hat den Daemon im Juni 2024 in ihre Produktionsumgebung übernommen.
NTP, NTS und PTP unter einem Dach
Im Zentrum der Umstellung steht die Zusammenführung bislang getrennter Werkzeuge. In vielen Setups laufen heute mehrere Komponenten parallel – etwa chrony für den klassischen NTP-Abgleich und linuxptp für eine hochpräzise Synchronisation per PTP. Künftig soll ntpd-rs beide Aufgaben übernehmen. Dazu integriert die Trifecta Tech Foundation ihre PTP-Implementierung „Statime“ direkt in ntpd-rs. NTP deckt typische Anforderungen im Millisekundenbereich ab, PTP liefert Sub-Mikrosekunden-Genauigkeit für spezialisierte Umgebungen wie Telekommunikationsnetze oder Automotive-Systeme. Ein Rechenzentrum könnte so Standard- und Hochpräzisions-Zeitquellen über ein einziges Tool verwalten, statt zwei getrennte Daemons mit unterschiedlichen Konfigurationsmodellen zu betreiben.
Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Sicherheit. Rust schließt ganze Klassen von Speicherfehlern wie Buffer Overflows oder Use-after-free bereits zur Kompilierzeit aus. Zusätzlich will Canonical die Isolationsmechanismen von chrony übertragen: AppArmor- und seccomp-Profile sollen ntpd-rs ebenso eng einhegen wie seinen Vorgänger. Speichersicherer Code und restriktive Laufzeitprofile zusammen verkleinern die Angriffsfläche deutlich – besonders bei der Verarbeitung von Netzwerkverkehr.
Von GPS bis gPTP: geplante Erweiterungen
Funktional will die Trifecta Tech Foundation ntpd-rs ebenfalls ausbauen. Geplant sind Multi-Homing für den Betrieb über mehrere Netzwerkschnittstellen, Multi-Threading im Serverbetrieb und die Anbindung externer Zeitquellen wie GPS-Empfänger über gpsd-Sockets. Im PTP-Bereich kommen Profile wie gPTP hinzu, das in deterministischen Netzwerken der Automobilindustrie eingesetzt wird. Experimentell soll ntpd-rs außerdem das Client-Server-PTP-Protokoll (CSPTP, IEEE P1588.1) unterstützen.
Auch die Bedienung soll einfacher werden. Heutige PTP-Setups erfordern oft mehrere Daemons und komplexe Parameterkombinationen. ntpd-rs will das durch eine einheitliche Konfiguration ersetzen. Hinzu kommen Verbesserungen bei Logging und CLI-Werkzeugen.
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Für den Unternehmenseinsatz relevant: ntpd-rs nutzt rustls als TLS-Stack, soll aber optional OpenSSL als Krypto-Backend einbinden können. Das erlaubt den Einsatz in regulierten Umgebungen, die bestimmte Kryptografie-Bibliotheken vorschreiben.
Bewährungsprobe und Roadmap
Vor der breiten Einführung plant Canonical umfangreiche Vergleichstests gegen chrony. Synchronisationsgenauigkeit, CPU- und Speicherverbrauch sowie Langzeitstabilität stehen dabei im Fokus. chrony gilt als ausgereift und ist in vielen produktiven Umgebungen der Maßstab.
Die geplante Einführung laut Canonicals Ankündigung erfolgt stufenweise: In Ubuntu 26.10 landet ntpd-rs zunächst in den Paketquellen zur Erprobung. Ab Ubuntu 27.04 soll es standardmäßig laufen – mit integrierter PTP-Funktion und einem einheitlichen Binary für NTP, NTS und PTP. Die Entwicklungsarbeit finanziert Canonical zwischen Juli 2026 und Januar 2027 über die Trifecta Tech Foundation.
Da Zeit-Synchronisierung eine Schlüsselrolle für TLS-Zertifikatsprüfung und die Konsistenz verteilter Systeme spielt, wiegt die Wahl der zugrunde liegenden Implementierung schwer. Die Konsolidierung mehrerer Dienste in einem Werkzeug könnte Betrieb und Fehlersuche vereinfachen. Vorausgesetzt hierfür ist jedoch, dass ntpd-rs das Stabilitätsniveau der etablierten Konkurrenz erreicht.
(fo)
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