Entwicklung & Code
Analyse: Fable-Sperre offenbart Gefahren für die europäische Cybersicherheit
Die Cybersicherheit in Europa erlebte am vergangenen Wochenende ein Erdbeben, dessen Erschütterungen weit über die Grenzen der KI-Blase hinaus zu spüren sind. Mit der Entscheidung der US-Regierung, das Anthropics KI-Modell Fable 5 unter Exportkontrolle zu stellen stehen Personen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen außerhalb der Vereinigten Staaten vor verschlossenen Türen. Die Aufregung insbesondere in den sozialen Medien ist verständlich, denn dieser Schritt markiert einen Wendepunkt in der weltweiten Verfügbarkeit von KI-Technologie.
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Mirko Ross ist CEO der asvin.io. Er ist Experte und Forscher im Bereich Cybersicherheitsrisiken und Cybersicherheit in komplexen IT- und OT-Anwendungen.
Abseits der emotionalen Reaktionen lohnt sich eine pragmatische Analyse, denn es ist höchst unwahrscheinlich, dass durch diesen Schritt eine unmittelbare Katastrophe bevorsteht. Vielmehr wirkt dieses Ereignis als ein wichtiger Impuls auf der strategischen Ebene der europäischen Politik und der europäischen Wirtschaft.
Geringer Verlust für die Cybersicherheit
Bei nüchterner Betrachtung der alltäglichen KI-Sicherheitspraxis relativiert sich der vermeintliche Verlust des KI-Frontier-Modells Fable 5. Anthropic hatte ohnehin bereits vor der Intervention der US-Regierung erhebliche restriktive Leitplanken bei der Nutzung von Fable 5 eingezogen. Sicherheitsrelevante Analysen und sensible Programmieraufgaben wurden blockiert oder auf das etwas schwächere Modell Opus 4.8 geleitet. Somit konnte ein Großteil der globalen Security-Community die vollen Fähigkeiten des Fable 5 Modells für seine spezifischen Zwecke vor dem Exportbann nie vollumfänglich nutzen. Frei nach Monty Python: „Du kommst aus dem Nichts, gehst in das Nichts, was hast du verloren: Nichts.“
Darüber hinaus scheitert in der aktuellen Praxis ein effektiver Einsatz von generativer KI in der Cyberabwehr selten an der Rechenleistung des Modells, sondern fast immer am Mangel qualitativer Daten und optimalen Prozessen. Um ein System wie Fable 5 sinnvoll für die Codeanalyse oder Pentesting einzusetzen, benötigt die KI ausreichende und optimierte Kontextinformationen über den zu untersuchenden Aufgabenraum. Ohne diese Datenbasis erzeugen leistungsstarke KI-Frontier-Modelle wie Fable 5 und Mythos 5 ein Rauschen aus falschen, unerheblichen und relevanten Ergebnissen. Da bisher nur die wenigsten Organisationen die dafür notwendigen strukturierten Kontextdaten und Prozesse aufgebaut haben, ist das Modell Fable 5 für die breite Masse in der Cybersicherheitspraxis kaum zielführend einsetzbar. Daher ist der Verlust im Arbeitsalltag von Cybersicherheitsorganisationen gering.
Die Sprengkraft der Entscheidung in Washington liegt darin, dass er die strukturelle Abhängigkeit von Europa offenbart. Der Vorfall führt Unternehmen und Organisationen vor Augen, wie riskant Abhängigkeit von KI-Frontiermodellen aus Übersee und Asien ist. Wer seine Cybersicherheit und seine internen Prozesse auf einen einzelnen Anbieter stützt, macht sich erpressbar und manövriert sich in ein Lieferkettenrisiko. Wenn eine ausländische Regierung per Dekret über Nacht den Zugriff auf geschäftskritische KI entziehen kann, bedroht die technologische Abhängigkeit direkt die wirtschaftliche Stabilität.
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Erster Schritt: Multi-Modell-Strategie mit Open Source
Daher muss Europa die Schritte in Richtung Souveränität und Resilienz beschleunigen. Die Zukunft gehört den Multi-Modell-Strategien bestehend aus Open-Source-Modellen im lokalen Betrieb und SaaS-Modellen (Software as a Service) aus Europa, Übersee und Asien. Unternehmen und Organisationen müssen dabei die IT- und KI-Architekturen so flexibel gestalten, dass sie ohne Systembrüche zwischen amerikanischen Modellen, asiatischen Alternativen und lokal betriebenen Systemen wechseln können. Eine Diversifizierung beim Einsatz von KI-Modellen schützt vor geopolitischer Willkür.
Dabei sollten lokale Open-Source-Modelle immer dann die erste Wahl sein, wenn sie die spezifischen Anforderungen einer Zielapplikation erfüllen können. Der Schlüssel zu dieser Flexibilität liegt im eigenen Datenraum: Durch den gezielten Aufbau lokaler Kontextdatenbanken und Retrieval-Augmented-Generation-Architekturen (RAG) können Unternehmen ein maximal robustes Fundament schaffen. In dem Szenario wandern externe KI-Modelle in die zweite Reihe und werden austauschbar. Der Datenkontext bleibt dagegen geschützt.
Politische Botschaft an Europa
Der Exportbann sendet eine politische Botschaft, die insbesondere die Verantwortlichen in Brüssel und Berlin hören müssen: Während die USA und China ihre digitalen Vormachtstellungen als geopolitisches Pfund einsetzen und Tatsachen schaffen, verharrt Europa weiterhin in langwierigen regulatorischen Debatten und Absichtserklärungen. Der aktuelle Fall von Anthropic macht deutlich, dass es ein gefährlicher Irrglaube ist, im Bereich der KI-Technologien auf den freien globalen Markt zu vertrauen.
Das Rennen um Spitzenpositionen bei leistungsfähigen Frontier-Modellen ist noch nicht verloren. Allerdings wird die Zeit zum Handeln immer knapper. Europa verfügt über exzellente Forschungseinrichtungen, talentierte EntwicklerInnen und eine starke Wirtschaft. Was allerdings fehlt, ist die administrative und finanzielle Entschlossenheit zur Umsetzung. Politik und Wirtschaft müssen den Übergang vom Reden zum praktischen Handeln beschleunigen.
Gefragt sind unbürokratische Initiativen und starke öffentlich-private Partnerschaften, um europäische KI-Frontier-Modelle zu finanzieren und zu bauen. Nur durch eine eigene, unabhängige KI-Infrastruktur kann Europa seine digitale Souveränität, seine Handlungsfähigkeit und letztlich seine wirtschaftliche Sicherheit global dauerhaft verteidigen.
(rme)
Entwicklung & Code
Wiederverwendbare Rakete: China fängt erstmals Stufe auf
Erstmals holte das Land die erste Stufe einer Trägerrakete kontrolliert zurück. Die Stufe der neuen Rakete „Langer Marsch 10B“ wurde auf einer Plattform auf See aufgefangen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.
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Es war der erste Flug der neuen Rakete. Xinhua sprach von einem „bedeutenden Durchbruch“. Ein von der Agentur veröffentlichtes Video zeigt, wie die Raketenstufe mit laufendem Triebwerk auf die Plattform zufliegt und nahezu senkrecht in ein hohes, rechteckiges Gerüst sinkt.
Nach Angaben der Zeitung „China Daily“ wartete das Rückholschiff „Linghangzhe“ („Pfadfinder“) auf die Raketenstufe. Das Schiff verfolgte sie und passte seine Position laufend an. Spezielle Metallhaken klappten schließlich aus und griffen in die gespannten Seile der Fangvorrichtung. Die Rakete war vom Weltraumbahnhof Hainan gestartet und brachte einen Satelliten in die vorgesehene Umlaufbahn.
SpaceX ist schon deutlich weiter
China sei laut der staatlichen Zeitung damit nach den USA das zweite Land, das über eine zuverlässige Technik für wiederverwendbare Raketen verfüge. Zugleich sei weltweit erstmals die erste Stufe einer mit einer solchen Seil-Fangvorrichtung geborgen worden.
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Vor allem das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX ist bei wiederverwendbaren Raketen deutlich weiter. China treibt die Entwicklung seit Jahren voran. Neben dem staatlichen Raumfahrtprogramm arbeiten auch mehrere private chinesische Unternehmen an der Technik, die es ermöglichen soll, Satelliten und andere Lasten günstiger ins All zu bringen.
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(afl)
Entwicklung & Code
TypeScript 7.0: Performance-Sprung durch Go-Unterbau
Microsoft hat die finale Version von TypeScript 7.0 veröffentlicht. Im Gegensatz zu früheren TypeScript-Versionen basiert der Compiler nicht mehr auf JavaScript/Node.js, sondern ist nahezu eins zu eins in Go nachimplementiert und parallelisiert viele Arbeitsabläufe, statt sie wie bisher sequenziell abzuarbeiten. Beides führt laut Microsoft dazu, dass die Toolchain je nach Anwendungsfall zehnmal schneller kompiliert als bei TypeScript 6.0.
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Gegenüber der im April veröffentlichten Beta-Version hat sich nichts Grundlegendes mehr geändert. Das finale Release konzentriert sich auf den produktionsreifen Abschluss, wie Microsoft im Blogpost zu TypeScript 7.0 schreibt: Umstellung auf das reguläre typescript-Paket, verbesserter --watch-Modus, vollständigerer Editor-Support, mehr Stabilität und klarere Migrationspfade für das TypeScript-Ökosystem.
Schneller kompiliert und geladen, weniger Speicherhunger
In seinem Blog nennt Microsoft Performance-Beispiele, die sich jeweils auf einen hardwareseitig nicht näher spezifizierten Computer beziehen.
Den Quellcode von VS-Code baut TypeScript 7.0 auf dem Testsystem um den Faktor 11,9 schneller als unter TypeScript 6.0, was die Kompilierungszeit von mehr als zwei Minuten auf knapp 11 Sekunden drückt. Bei Sentry, Bluesky und Playwright ergeben sich Beschleunigungsfaktoren von jeweils knapp unter 9 Sekunden, tldraw-Beispielprojekte kommen auf 7,7-faches Tempo.

VSCode-Beispielprojekte baut TypeScript 7.0 11,9-mal schneller als TypeScript 6.0.
(Bild: Microsoft)
Das Öffnen einer fehlerbehafteten Datei in VS Code auf dem gleichen Testsystem läuft ebenfalls schneller ab. Vergehen bei TypeScript 6.0 noch 17,5 Sekunden vom Öffnen einer fehlerhaften Datei bis zur Anzeige der Fehlermeldung, dauert das Gleiche bei TypeScript 7.0 unter 1,3 Sekunden. Neben dem Geschwindigkeitszuwachs ergibt sich laut Microsoft projektübergreifend auch ein geringerer Speicherbedarf. Während er bei Sentry um sechs Prozent sinkt, reduziert er sich bei VS Code um 18 Prozent und bei Bluesky um etwas mehr als ein Viertel.
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TypeScript 6.0/7.0: Parallelbetrieb möglich
TypeScript 7.0 lässt sich via npm mit npm install -D typescript parallel zu TypeScript 6.0 installieren und ist mit dessen Type-Checking- und Kommandozeilenverhalten kompatibel. Der bekannte Befehl tsc startet dann den neuen TypeScript-7.0-Compiler. Zusätzlich gibt es das Kompatibilitätspaket @typescript/typescript6, das zusätzlich tsc6 sowie die bisherige TypeScript-6.0-API bereitstellt, damit bestehende Tools vorerst unverändert weiterlaufen können. Eine neue API soll erst mit TypeScript 7.1 kommen.
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(mro)
Entwicklung & Code
Google-Play-Dienste: Neue Funktionen für Android-Geräte im Juli
Google liefert mit seinen Play-Systemupdates regelmäßig – oft gar mehrmals im Monat – neue Funktionen auf sämtliche Android-Geräte mit Play-Diensten aus. Im Unterschied zu regelrechten Android-Updates und Sicherheitspatches kann Google sie direkt ohne den Umweg über die Gerätehersteller auf zig Millionen Geräte ausliefern. Die Aktualisierungen enthalten neue Funktionen und Fehlerbehebungen für Smartphones und weitere Produkte des Google-Ökosystems wie Tablets, Uhren, Smart-TVs, Android Auto und Chromebooks. Das erste Juli-Update wirkt recht überschaubar, jedoch deutet sich an, dass der Konzern auch bereits vor Monaten angekündigte Features verteilt.
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Arbeitsprofil für Uhren
Die Neuerungen des Updates der Google-Play-Dienste auf Version 26.26 vom 6. Juli 2026 umfassen unter anderem ein Update für Google One für Smartphones: In-App-Käufe sollen mittels einer überarbeiteten „nativen Storefront“ schneller und reibungsloser ablaufen. Zudem erweitert Google das System um eine neue Schnittstelle (API), „um die Zuverlässigkeit bei der Einrichtung von Arbeitsprofilen zu verbessern“, so Google. Außerdem lässt sich das Arbeitsprofil auch auf Wear-OS-Smartwatches übertragen. Weiter zieht in Chromebooks in den Einstellungen eine neue Verwaltungsmöglichkeit der „Google-Standortfreigabe und die Kompatibilität für unterstützte Gerätetypen“ ein, schreibt Google.
Für Entwicklerinnen und Entwickler gibt es im Bereich der Dienstprogramme für Smartphones, Uhren, Google TV und Fahrzeuge mit Android-Automotive neue Funktionen für Google- und Drittanbieter-Apps „zur Unterstützung von Prozessen im Zusammenhang mit Dienstprogrammen“ in Apps. Separat führt Google auch entsprechende Optimierungen im Zusammenhang mit Google Maps auf.
Dokumenten-Backups
Neben genannten Neuerungen verteilt Google nach Ankündigung der Änderung der Android-Backuprichtlinien laut 9to5Google nun schubweise die neuen Einstellungen, mit denen sich steuern lässt, ob SMS-, MMS- und auch RCS-Nachrichten gesichert werden. Außerdem liefert Google nun offenbar auch die schon im Februar angekündigte Backup-Option für lokal gespeicherte Dokumente an erste Nutzer aus.
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In den Versionshinweisen v26.06 für das Play-Dienste-Update vom 16. Februar beschreibt Google die Dokumenten-Sicherungsfunktion wie folgt: „Mit der neuen Funktion zur lokalen Dateisicherung können Sie Ihre heruntergeladenen Dokumente automatisch in Google Drive speichern, sodass sie sicher sind und von jedem Ihrer Geräte aus zugänglich sind.“ Auf Geräten in der Redaktion haben wir die Einstellungen noch nicht entdeckt.
Neben dem Dokumenten-Backup steht außerdem noch die im Juni angekündigte Verwaltung von WhatsApp-Backups über die Geräteeinstellungen aus. Wann diese in die Backupfunktion eingebacken wird, ist noch unklar.
(afl)
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