Künstliche Intelligenz
Apple kauft deutsches Color-Grading-Tool Color.io
Firmenübernahmen durch Apple heizen jeweils Spekulationen an, was der iPhone-Hersteller als Nächstes plant. Infolge des Digital Markets Act muss sich das US-Unternehmen bei Zukäufen in die Karten gucken lassen, welche Firmen es aufkauft. Auf diese Weise wurde jetzt bekannt, dass Apple im Januar das deutsche Unternehmen Patchflyer übernommen hat, das hinter dem webbasierten Farbkorrektur-Tool Color.io steht. Außerdem sicherte sich der Konzern Mitarbeiter und Technologie des KI-Start-ups PromptAI. Beide Übernahmen wurden über Apples Pflichtmeldungen im Rahmen des Digital Markets Act der EU bekannt.
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Color.io war ein bei Fotografen und Filmemachern beliebtes Werkzeug für Farbkorrektur, Raw-Bearbeitung, Color Grading und die Erstellung von 3D-LUTs (Look-up-Tables). Die Webanwendung bot unter anderem filmische Effekte wie Halation und Grain und hatte über 200.000 Nutzer. Zum Jahresende 2025 ging die Website offline – Pro-Nutzer erhielten zuvor noch eine Desktop-Version der Anwendung.
Hinter Patchflyer steht laut Website Jonathan Ochmann, der die Firma als alleiniger Entwickler über zehn Jahre betrieb. Ochmann bringt Expertise in Color Science, Farbmanagement und Digital Imaging mit – vor Color.io entwickelte er bereits VisionColor LUTs. Im November 2025 kündigte er seinen Wechsel zu einem größeren Unternehmen an: „Nach über zehn Jahren, in denen ich alles allein gemacht habe, bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich auf eine Weise wachsen muss, die als Solo-Entwickler nicht möglich ist.“
Die Übernahme passt in Apples jüngste Strategie, die eigenen Kreativwerkzeuge gezielt auszubauen. Color.ios eigene Color Engine und Farbmodelle könnten Apples Profi-Anwendungen wie dem Videoschnittprogramm Final Cut Pro zugutekommen. Auch eine Integration in Pixelmator Pro, das Apple Anfang 2025 übernommen hatte und das zum Creator-Studio-Abo gehört, liegt nahe. Ob die Offline-Version von Color.io bei Apple weiterentwickelt wird, ist allerdings offen. Denkbar ist auch, dass sie Teil des Creator-Bundles wird.
PromptAI soll HomeKit smarter machen
Parallel übernahm Apple Mitarbeiter und Technologie des Computer-Vision-Start-ups PromptAI aus San Francisco. Wie CNBC im Oktober 2025 berichtete, hatte das 2023 gegründete Unternehmen die App Seemour entwickelt, die mithilfe von KI Sicherheitskamera-Aufnahmen analysierte – etwa zur Erkennung von Personen, Haustieren und Objekten. PromptAI wurde von Tete Xiao (PhD in Informatik, UC Berkeley) und Trevor Darrell, Mitgründer des Berkeley AI Research Lab, geleitet.
Die Computer-Vision-Technologie dürfte Apples Smart-Home-Sparte zugutekommen. Denkbar sind etwa intelligentere Benachrichtigungen in HomeKit, die zwischen Familienmitgliedern und einem Paketboten unterscheiden können – verarbeitet auf dem Gerät, ganz im Sinne von Apples Datenschutz-Philosophie. Schon seit einiger Zeit gibt es Spekulationen darüber, dass Apple eine große Smart-Home-Offensive vorbereitet. Hierzu würde die Übernahme von PromptAI sehr gut passen. Die Seemour-App wurde eingestellt, Nutzerdaten werden gelöscht.
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Apples Serie kleiner Übernahmen
Die beiden Akquisitionen reihen sich in eine ganze Serie gezielter Übernahmen ein. Erst kürzlich sicherte sich Apple den Video-Effekte-Spezialisten MotionVFX mit rund 70 Mitarbeitern sowie das Photonik-Start-up invrs.io. Mit der Milliarden-Übernahme von Q.AI stieg der Konzern zudem tief in KI-basierte Sprachtechnologie ein.
Apple verfolgt damit offenkundig das Ziel, sowohl die eigenen Kreativ-Tools als auch die KI-Fähigkeiten seiner Produkte zu stärken. Der künftige CEO John Ternus sieht in KI „nahezu unbegrenztes Potenzial“, während das Unternehmen Siri-Entwickler ins KI-Bootcamp schickt.
(mki)
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Marstek Venus D im Test: Leistungsstarker Speicher fürs BKW mit hybridem Laden
Als modularer Speicher fürs BKW liefert der Marstek Venus D vier MPPT-Eingänge sowie eine hohe AC-Leistung von 2,2 kW und unterstützt gleichzeitiges Laden über AC und DC.
Der Marstek Venus D ist kein klassischer Balkonkraftwerk-Speicher. Dafür ist das System zu leistungsfähig, zu modular und zu nah an einer kleinen Speicher-PV-Anlage. Der Speicher kombiniert vier MPPT-Eingänge für direkt angeschlossene Solarmodule, eine bidirektionale AC-Leistung von rund 2,2 kW und ein erweiterbares Batteriesystem mit 2,56-kWh-Modulen. In der getesteten Ausführung standen zwei Akkupacks mit zusammen 5,12 kWh Nennkapazität zur Verfügung.
Damit tritt der Venus D in einer spannenden Geräteklasse an: Er soll einerseits einfach genug für eine steckerfertige Nutzung sein, andererseits deutlich mehr leisten als typische 800-Watt-Balkonkraftwerk-Speicher. Genau diese Zwischenposition macht das Gerät interessant. Wie es um den Speicher bestellt ist, klären wir im Test.
Aufbau und Konzept
Der Venus D besteht aus einem Wechselrichter- respektive Steuermodul und stapelbaren Akkupacks. Jedes Batteriemodul bietet 2,56 kWh Nennkapazität. In der getesteten Konfiguration kamen zwei Akkupacks, also insgesamt 5,12 kWh, zum Einsatz. Das System ist modular erweiterbar und lässt sich auf bis zu sechs Akkupacks pro Steuermodul ausbauen, was einer maximalen Kapazität von 15,36 kWh entspricht. Unter der Haube setzt Marstek dabei auf langlebige Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP), für die der Hersteller über 6000 Ladezyklen und eine Garantie von 10 Jahren angibt.
Wer extrem große Kapazitäten oder eine Absicherung des gesamten Hauses anstrebt, kann das System noch weitaus massiver erweitern: In Kombination mit der optionalen „Marstek Smartbox“ wird ein vollständiges Haus-Backup unterstützt. Einphasig lassen sich bis zu drei Einheiten parallel betreiben, was eine Leistung von 6,6 kW und eine enorme Kapazität von 46,08 kWh ermöglicht. Im dreiphasigen Betrieb können sogar bis zu drei Einheiten pro Phase – also insgesamt 9 Geräte parallel – gekoppelt werden.
Damit wächst das System in der Spitze auf bis zu 19,8 kW Leistung und gewaltige 138,24 kWh Gesamtkapazität an. Durch diese enormen Ausbaustufen rückt der Venus D endgültig eher in Richtung eines echten, vollwertigen Heimspeichers als in Richtung eines einfachen Balkonakkus.
Auf der Solarseite bietet der Speicher vier MPPT-Eingänge. Insgesamt können laut Hersteller bis zu 4000 Watt PV-Leistung angeschlossen werden. Die maximale Eingangsspannung pro String liegt bei 60 Volt (absolutes Maximum), der MPPT-Arbeitsbereich reicht von 25 bis 55 Volt. Die maximale PV-Eingangsleistung ist auf insgesamt 4000 Watt begrenzt. So lassen sich mehrere Solarmodule oder Modulgruppen direkt anschließen – ein wichtiger Unterschied zu reinen AC-Speichern, die ausschließlich über das Hausnetz geladen werden. Beim Venus D kann die PV-Energie direkt DC-seitig in das System eingespeist werden.
Marstek Venus D – Bilder
Besonders flexibel ist das System bei der Kombination der Ladequellen: Der Venus D kann gleichzeitig über die Solarmodule (DC) und aus dem Netz (AC) geladen werden. Die maximale Ladeleistung der Akkupacks ist dabei auf 2,5 kW begrenzt.
Wie sich diese Leistung zusammensetzt, spielt für das Batteriemanagement keine Rolle. Es können etwa maximal 2,2 kW rein AC-seitig, 2,5 kW rein DC-seitig von den Panels oder beliebige Mischformen genutzt werden – etwa 1,25 kW aus dem Netz und parallel 1,25 kW vom Dach. Wichtig bleibt bei dieser Kombination lediglich die systembedingte Grenze des Wechselrichters, der AC-seitig maximal 2,2 kW aufnehmen kann.
Hier ergibt sich jedoch ein noch ungeklärter Punkt bei hoher PV-Leistung: Obwohl bis zu 4000 Watt PV-Leistung angeschlossen werden können, ist die Ladeleistung der Akkupacks hardwareseitig auf 2,5 kW gedeckelt. Die verbleibende Differenz müsste theoretisch direkt in das Hausnetz „durchgeschoben“ werden. Wir konnten diesen Fall in unserem Testaufbau mit 4x 500 Watt Modulen (also 2.000 Watt Peak) nicht praxisnah testen, da wir unter der Schwelle blieben, bei der ein Überschuss ins Netz geleitet werden müsste.
Angesichts der Tatsache, dass das System jedoch bereits beim Balancing (wenn die Batterie voll wird) nicht in der Lage ist, die PV-Leistung intelligent aufzuteilen, sondern die Eingänge stark drosselt, stellen wir die Funktionalität bei einer Belegung von 4000 Watt infrage: Wenn das Energiemanagement bei PV-Leistungen über 2,5 kW nicht sauber priorisiert und alles darüber durchreicht, verpufft der Vorteil der hohen PV-Eingangsleistung ungenutzt.
Betrachtet man die reine Entladeleistung, bietet der Venus D bidirektional eine ordentliche 2,2 kW AC-Leistung. Das ist deutlich mehr als bei einem auf 800 Watt begrenzten Balkonkraftwerk und macht den Venus D grundsätzlich interessant für größere Lasten im Haushalt. Waschmaschinen, Geschirrspüler, Wasserkocher oder Kochfeld lassen sich dadurch zumindest deutlich besser aus dem Speicher versorgen als bei einem 800-Watt-System. Die Leistungsgrenze bleibt aber relevant: Mehr als rund 2,2 kW kann der Venus D AC-seitig nicht liefern. Darüber hinausgehende Lasten kommen weiterhin aus dem Netz.
Zusätzlich besitzt der Venus D eine 2,2-kW-Notstromsteckdose. Diese ist nicht als Ersatz für eine vollständige Haus-Notstromversorgung zu verstehen, kann aber einzelne direkt daran angeschlossene Verbraucher bei einem Stromausfall weiter versorgen. Im Test schaltete der Ausgang schnell genug um, um einen Laptop, einen PC mit Bildschirm, Router, NAS und einen Switch ohne Ausfall weiterlaufen zu lassen. Die angegebene Umschaltzeit von 15 Millisekunden war in diesem Szenario ausreichend kurz.
Aufstellort und Winterbetrieb
Den Winterbetrieb haben wir nicht im Freien getestet. Der Venus D stand während des Testzeitraums in einem geschlossenen Raum im Keller. Das ist aus unserer Sicht auch der sinnvollere Aufstellort. Eine aktive Batterieheizung in den Akkupacks konnten wir beim Venus D nicht feststellen; auch in den Datenblättern wird sie nicht erwähnt.
Ein Batteriespeicher dieser Klasse sollte daher möglichst geschützt, trocken und frostfrei stehen. Ideal ist ein Keller, Hauswirtschaftsraum oder eine geschützte Garage, sofern die Temperatur dort im Winter nicht unter 0 °C fällt. Bei Lithium-Eisenphosphat-Akkus (LFP) ist das Laden unter dem Gefrierpunkt physikalisch problematisch und kann die Zellen beschädigen. Noch besser ist ein Aufstellort, der ganzjährig deutlich im Plusbereich bleibt. Temperaturen von mindestens 10 bis 15 °C sind für den Betrieb und die Akkuschonung günstiger als ein kalter Außenbereich. Ein Keller ist deshalb oft ideal, weil er im Winter nicht zu kalt und im Sommer nicht zu heiß wird.
Gleichzeitig sollte der Venus D nicht an einem heißen Ort oder in direkter Sonne stehen. Bei hohen Lade- und Entladeleistungen kann das Gerät spürbar warm werden. Der Speicher gehört daher nicht in einen geschlossenen Schrank oder einen schlecht belüfteten Aufstellort. Rund um das Gerät sollte ausreichend Abstand bleiben, auch nach oben sollte Luft zirkulieren können. Der Aufstellort ist bei diesem passiv gekühlten System wichtig für Temperaturmanagement, Effizienz und Akkuschonung.
Einordnung: Balkonkraftwerk oder kleine Speicher-PV-Anlage?
Rein technisch wirkt der Venus D eher wie eine kleine Speicher-PV-Anlage. Die Kombination aus hoher PV-Eingangsleistung, mehreren MPPTs, modularer Akkukapazität und 2,2 kW AC-Leistung passt nur bedingt zum typischen Balkonkraftwerk mit 800 Watt Einspeiseleistung.
Wer den Venus D strikt auf 800 Watt drosselt, nutzt einen großen Teil des Potenzials nicht. Das kann sinnvoll sein, wenn Installation und Anmeldung möglichst einfach bleiben sollen. Dann sollte man Speichergröße und PV-Leistung aber konservativ planen. Ein riesengroßer Akkuturm mit vielen Akkupacks passt in den meisten 800-Watt-Szenarien nicht mehr zum realen Verbrauchsprofil.
Viele Haushalte haben nachts nur eine Grundlast von etwa 150 bis 300 Watt. Selbst wenn der Speicher bis zu 800 Watt abgeben dürfte, wird diese Leistung häufig nicht dauerhaft gebraucht. Ein großer Akku bleibt dann morgens noch teilweise geladen und ist bei gutem Sommerwetter schnell wieder voll. Die zusätzliche Kapazität steht in solchen Fällen über weite Teile des Tages als ungenutzte Reserve herum.
Auch Lastspitzen lassen sich mit einer 800-Watt-Begrenzung nur bedingt abfedern. Läuft abends ein Wasserkocher, Herd, Trockner, Geschirrspüler oder eine Waschmaschine, liegen die Momentanleistungen schnell deutlich über 800 Watt. Der Speicher kann dann zwar 800 Watt beisteuern, die verbleibende Differenz kommt aber weiterhin aus dem Netz.
Seine eigentliche Stärke spielt der Venus D daher in einem offen betriebenen und passend angemeldeten Setup aus. Mit bis zu rund 2,2 kW AC-Leistung kann der Speicher größere Haushaltslasten deutlich besser abfangen als ein typisches 800-Watt-System. Besonders interessant ist das für Nutzer, die tagsüber viel PV-Ertrag haben, ihren Hauptverbrauch aber erst am späten Nachmittag oder Abend abrufen.
Für wen ist der Marstek Venus D?
Besonders gut passt der Venus D zu Berufstätigen und Pendlern. Wer tagsüber nicht zu Hause ist, kann Waschmaschine, Geschirrspüler oder andere Verbraucher nicht immer gezielt in die Mittagsstunden legen. In diesem Fall speichert der Venus D tagsüber Energie zwischen und stellt sie abends mit deutlich höherer Leistung bereit als ein auf 800 Watt begrenztes System. Innerhalb seiner Leistungsgrenze kann er so Lastspitzen reduzieren und den Netzbezug senken.
Wer dagegen tagsüber regelmäßig zu Hause ist und größere Verbraucher bewusst in die Sonnenstunden legen kann oder Geräte per Fernstart beziehungsweise verzögertem Start gezielt mittags laufen lässt, braucht nicht zwingend einen gigantischen Speicher. Dann lassen sich viele Lasten direkt während der PV-Erzeugung betreiben. Der Speicher muss in diesem Fall vor allem Abend- und Nachtverbrauch abdecken, wofür meist weniger Kapazität genügt.
Auch bei der PV-Belegung sollte man realistisch bleiben. Eine gewaltige, starr nach Süden ausgerichtete PV-Anlage kann im Sommer schnell zu Abregelverlusten führen, sobald der Akku voll ist und die AC-Leistung nicht mehr ausreicht, um die gesamte verfügbare Solarleistung zu nutzen. Sinnvoller ist dann eine verteilte Ausrichtung, etwa Ost/West, weil sich die Erzeugung dadurch über mehr Stunden des Tages streckt. Eine Überbelegung der PV-Seite über die 2,2 kW AC-Leistung hinaus kann dennoch sinnvoll sein.
An bewölkten Tagen, bei Regen, in der Übergangszeit und besonders im Winter wird die Nennleistung der Module oft gar nicht erreicht. Zusätzliche Modulleistung sorgt dann dafür, dass der Speicher häufiger mit einer höheren Leistung geladen werden kann und die verfügbare Solarenergie besser ausgenutzt wird. Dieses Szenario sollte aber nicht mit der Erwartung geplant werden, im Hochsommer jede von den Modulen erzeugbare Kilowattstunde vollständig nutzen zu können, da weiterhin das 2,2 kW AC-Wechselrichterlimit besteht, sobald die Akkupacks alle vollgeladen sind.
Effizienzmessungen
Für die Messungen kamen zwei Energiezähler zum Einsatz: ein Shelly Plug S Gen3 und ein Tasmota-Refoss-P11. Beide Zähler erfassten die AC-seitige Energie beim Laden und Entladen.
Die Entladetests liefen jeweils von 100 Prozent auf 12 Prozent, da dies der tiefste in der App einstellbare Entladepunkt ist. Dadurch wurde nicht die vollständige Nennkapazität des Akkus genutzt, sondern ein Ladefenster von 88 Prozent. Bei 5,12 kWh Nennkapazität entspricht das rechnerisch 4,51 kWh.
Nutzbare Kapazität: gute Werte bei 1000 Watt, schwächer bei 200 Watt
Beim Entladen mit rund 1000 Watt von 100 auf 12 Prozent wurden folgende Werte gemessen:
| Shelly Plug S Gen3 | 4,42 kWh |
| Tasmota-Refoss-P11 | 4,33 kWh |
| Mittelwert | 4,38 kWh |
Der Mittelwert von 4,38 kWh entspricht 85,5 Prozent der nominellen Akkukapazität. Bezogen auf das genutzte Ladefenster von 100 bis 12 Prozent sind es 97,1 Prozent des rechnerisch verfügbaren Bereichs. Die beiden Messgeräte lagen mit 0,09 kWh Differenz ausreichend nah beieinander, um das Ergebnis als plausibel zu bewerten.
Damit schöpft der Venus D die verbaute Kapazität bei höherer Entladeleistung gut aus. Aus einem rechnerisch verfügbaren Bereich von 4,51 kWh kamen im Mittel 4,38 kWh AC-seitig am Ausgang an.
Beim Entladen mit rund 200 Watt fiel die nutzbare Energie deutlich geringer aus:
| Shelly Plug S Gen3 | 4,07 kWh |
| Tasmota-Refoss-P11 | 3,97 kWh |
| Mittelwert | 4,02 kWh |
Der Mittelwert von 4,02 kWh entspricht 78,5 Prozent der nominellen Akkukapazität. Bezogen auf das genutzte Ladefenster von 100 bis 12 Prozent sind es 89,2 Prozent des rechnerisch verfügbaren Bereichs.
Der Unterschied zum 1000-Watt-Test beträgt im Mittel 0,36 kWh. Damit gibt der Venus D bei langer, niedriger Entladung rund 8,2 Prozent weniger Energie ab als bei der Entladung mit rund 1000 Watt. Das ist praxisrelevant, weil viele Haushalte ihren Speicher nachts nicht mit hoher Leistung, sondern über viele Stunden mit kleiner Grundlast entladen.
Die Ursache liegt in der niedrigeren Effizienz des Wechselrichters bei kleinen Leistungen. Der 200-Watt-Test lief deutlich länger als der 1000-Watt-Test. Der reine Standby-Eigenverbrauch des Systems liegt nur bei rund 7 bis 8 Watt und erklärt den Unterschied allein nicht. Wahrscheinlicher ist, dass der Wechselrichter bei rund 200 Watt Abgabe außerhalb seines optimalen Wirkungsgradbereichs arbeitet. Systeme wie der Venus D erreichen ihre höchste Effizienz meist erst bei mittleren bis höheren Leistungen, während bei kleinen Lasten ein größerer Anteil der Energie in Umwandlungsverlusten verloren geht.
Laden: drei Durchläufe mit rund 2000 Watt
Für das Laden von 12 auf 100 Prozent mit rund 2000 Watt wurden drei Ladevorgänge ausgewertet.
Beim ersten Ladevorgang stieg der Shelly-Zähler von 1240,54 auf 1245,71 kWh. Daraus ergibt sich eine geladene AC-Energie von 5,17 kWh.
| Shelly Plug S Gen3 | 1240,54 kWh | 1245,71 kWh | 5,17 kWh |
Beim zweiten Ladevorgang von 12 auf 100 Prozent wurden zusätzlich die Werte des Tasmota-Refoss-P11 erfasst:
| Shelly Plug S Gen3 | 1250,13 kWh | 1255,64 kWh | 5,51 kWh |
| Tasmota-Refoss-P11 | 71,07 kWh | 76,50 kWh | 5,43 kWh |
| Mittelwert | 5,47 kWh |
Nach der langen 200-Watt-Entladung wurde der Speicher erneut von 12 auf 100 Prozent geladen. Dieser Ladevorgang lief von etwa 18:29 bis 21:39 Uhr ebenfalls mit eingestellter Ladeleistung von rund 2000 Watt. Dabei wurden folgende Werte gemessen:
| Shelly Plug S Gen3 | 1259,38 kWh | 1264,53 kWh | 5,15 kWh |
| Tasmota-Refoss-P11 | 80,15 kWh | 85,23 kWh | 5,08 kWh |
| Mittelwert | 5,12 kWh |
Für die weitere Bewertung wurde aus den drei vollständigen Ladevorgängen ein Mittelwert gebildet. Die drei Ladevorgänge lagen bei 5,17 kWh, 5,47 kWh und 5,12 kWh. Daraus ergibt sich ein mittlerer Ladebedarf von 5,25 kWh für eine Ladung von 12 auf 100 Prozent.
| 2000 W Laden, Durchlauf 1 | 5,17 kWh |
| 2000 W Laden, Durchlauf 2 | 5,47 kWh |
| 2000 W Laden, Durchlauf 3 | 5,12 kWh |
| Mittelwert aller Ladevorgänge | 5,25 kWh |
Die Ladevorgänge unterscheiden sich sichtbar. Zwei Durchläufe lagen mit 5,17 und 5,12 kWh nah beieinander, ein Durchlauf fiel mit 5,47 kWh höher aus. Das kann unter anderem am Balancing, an leicht unterschiedlichen Start- und Endpunkten sowie an kleineren Messabweichungen liegen. Für die Roundtrip-Betrachtung wird deshalb nicht nur ein einzelner Ladevorgang herangezogen, sondern der Mittelwert aller drei Ladevorgänge.
Auffälliges Ladeverhalten: Venus D lädt die Akkupacks abwechselnd
Beim Laden des Venus D mit rund 2000 Watt zeigte sich ein ungewöhnliches, aber doch eher vorteilhaftes Verhalten: Die Ladeleistung blieb über längere Zeit nahe am eingestellten Wert, fiel aber in regelmäßigen Abständen kurzzeitig auf 0. Die Ursache ließ sich in der Marstek-App nachvollziehen. Dort zeigt der Venus D die beiden Akkupacks einzeln mit ihrem jeweiligen Ladezustand an und markiert, welcher Akku gerade geladen oder entladen wird.
Im Test war zu sehen, dass der Speicher die beiden Akkupacks weder dauerhaft parallel lädt, noch erst einen Akku vollständig auf 100 Prozent bringt und anschließend den zweiten lädt, sondern regelmäßig zwischen ihnen wechselt. Diese Umschaltung erfolgt alle paar Prozent Ladezustand und ist im Leistungsdiagramm als kurzer Einbruch beziehungsweise als kurze Ladepause sichtbar. Danach steigt die Ladeleistung wieder auf den eingestellten Wert an.
Dieses Verhalten kann insbesondere im Winter von Vorteil sein. Bei geringen PV-Erträgen wird die verfügbare Energie dadurch nicht nur in einen einzelnen Akku geladen, während der zweite weitgehend leer bleibt, sondern beide Akkupacks erhalten nach und nach etwas Ladung und bleiben so besser in Nutzung. Andernfalls könnte ein sekundäres Akkupack über längere Zeit nahezu ungenutzt bleiben und im Extremfall den gesamten Winter mit sehr niedrigem Ladezustand verbringen, während überwiegend nur das primäre Pack verwendet wird.
Beim Entladen arbeitet der Venus D ebenfalls abwechselnd mit den einzelnen Akkupacks. Im Unterschied zum Laden führte das im Test aber nicht zu sichtbaren Leistungseinbrüchen. Die abgegebene Leistung blieb konstant, der Verbraucher wurde durchgehend versorgt. Gegen Ende des Vorgangs reduziert das System die Leistung und balanciert die Zellen beziehungsweise Zellgruppen innerhalb des jeweils aktiven Akkupacks. Da die beiden Akkupacks getrennt verwaltet werden, erfolgt dieses Verhalten nacheinander je Pack.
Dabei geht es nicht darum, beide Akkupacks zwingend auf exakt denselben Ladezustand zu bringen, sondern vor allem darum, innerhalb des jeweils geladenen Akkupacks die Zellen respektive Zellgruppen über das Batteriemanagementsystem anzugleichen. Dass dieser Vorgang bei den beiden Packs unterschiedlich lange dauert, passt dazu: Je nach Zellzustand kann das interne Balancing eines Packs kürzer oder länger ausfallen.
Für den Alltag ist dieses Verhalten grundsätzlich unproblematisch, aber für die Bewertung wichtig. Wer eine Ladeleistung von 2000 Watt einstellt, erhält keinen durchgehend glatten Ladeverlauf bis 100 Prozent. Die kurzen Umschaltpausen und das Balancing am Ende verlängern den Ladevorgang und senken die durchschnittliche Ladeleistung. Beim Entladen fiel das Pack-Wechselverhalten dagegen nicht negativ auf, weil die Ausgangsleistung stabil blieb.
Schwachpunkt beim Ende des Ladens: PV-Überschuss regelt während des Balancings ab
Ein negativer Punkt zeigte sich im Test mit direkt angeschlossenen PV-Modulen gegen Ende des Ladens: Sobald die Akkupacks des Venus D in den Bereich des finalen Balancings kamen, reduzierte das System die Batterieladeleistung auf rund 550 Watt. Technisch wäre zu diesem Zeitpunkt deutlich mehr PV-Leistung verfügbar gewesen. Am Gerät waren vier Module angeschlossen, die kurz zuvor zusammen eine deutlich höhere Solarleistung lieferten, ca. 1600 Watt.
In der Marstek-App war in dieser Phase jedoch zu sehen, dass die PV-Erzeugung nahezu exakt auf die Batterieladeleistung zurückfiel. Statt überschüssige PV-Leistung parallel AC-seitig ins Hausnetz weiterzugeben, regelte der Venus D drei MPPT-Eingänge ab. Konkret zeigte die App rund 549 bis 555 Watt Solarleistung und rund 550 bis 551 Watt Batterieladung, während Grid und Backup jeweils bei 0 Watt lagen.
Von den vier PV-Eingängen lief nur ein Eingang mit rund 397 bis 401 Watt, ein zweiter wurde auf rund 149 bis 152 Watt reduziert, die beiden übrigen Eingänge standen bei 0 Watt. Dabei konnten die vier angeschlossenen Solarmodule in diesem Moment tatsächlich jeweils rund 400 Watt liefern. Die Begrenzung entstand also nicht durch die Module, sondern durch die Regelung des Venus D beziehungsweise dessen Wechselrichter, der die nutzbare PV-Leistung auf den nur für das Balancing benötigten Wert reduzierte.
Besonders problematisch: Der Speicher leitete die überschüssige PV-Leistung in dieser Phase weder in das zweite Akkupack weiter noch per eingestellter und gewünschter Überschusseinspeisung AC-seitig ins Hausnetz. Die App zeigte Pack 1 mit rund 95,5 Prozent SoC im Ladevorgang, während Pack 2 mit rund 90,1 Prozent noch deutlich weniger geladen war. Trotzdem wurde nur das gerade aktive Pack mit lediglich rund 550 Watt weiter geladen beziehungsweise balanciert. Das zweite Pack blieb in diesem Moment ungenutzt, obwohl es noch Energie hätte aufnehmen können.
Damit arbeitet der Venus D in dieser Situation nicht wie ein System, das die vorhandene PV-Leistung flexibel zwischen Batterieladung, weiteren Akkupacks und AC-Ausgabe verteilt. Während des Balancings nutzt er vielmehr nur so viel Solarleistung, wie das aktuell behandelte Akkupack gerade aufnehmen soll. Die übrige verfügbare PV-Leistung bleibt in diesem Moment ungenutzt. Dadurch entsteht über einen vergleichsweise langen Zeitraum ein Flaschenhals von nur rund 500 Watt Ladeleistung.
Im Test dauerte diese Balancing-Phase eines der beiden Akkupacks in einem Durchlauf sogar mehr als 45 Minuten, sodass die verfügbare PV-Leistung über einen relevanten Zeitraum nicht vollständig genutzt werden konnte. Für die Praxis bedeutet das: Bei starker Sonne und fast vollem Akku können relevante Erträge verloren gehen. Der Nutzer sieht zwar ein System mit vier MPPT-Eingängen und hoher theoretischer PV-Eingangsleistung, tatsächlich nutzt der Venus D im Balancing-Bereich aber nur einen kleinen Teil davon.
Das schmälert den Vorteil der hohen PV-Eingangsleistung deutlich. Die bis zu 4000 Watt PV-Eingang sind nicht in jeder Betriebsphase vollständig nutzbar. Besonders am Ladeende kann das System die PV-Leistung abregeln, statt überschüssige Energie parallel in andere Packs oder in das Hausnetz zu leiten.
Positiv hingegen verhält sich das Akkumanagement im normalen Lade- und Entladebetrieb unterhalb der Balancing-Schwelle. Im Test mit zwei Akkupacks zeigte die App, dass der Venus D die Packs nicht starr nacheinander lädt oder entlädt, sondern regelmäßig zwischen ihnen wechselt.
Beim Laden sind diese Wechsel als kurze Leistungseinbrüche sichtbar, beim Entladen blieb die Ausgangsleistung dagegen stabil. Gegen Ende des Ladens reduziert das System die Leistung und balanciert die Zellen beziehungsweise Zellgruppen innerhalb des jeweils aktiven Akkupacks. Für modulare Speicher ist dieses Verhalten grundsätzlich sinnvoll, weil alle Packs regelmäßig in den Betrieb einbezogen werden. Die gleichzeitige Abregelung der MPPTs während des Balancings schmälert diesen positiven Eindruck jedoch deutlich. Ob Marstek dieses Verhalten künftig per Firmware-Update verbessert, bleibt abzuwarten.
Roundtrip-Wirkungsgrad: gut bei höherer Last, schwächer bei kleiner Dauerlast
Aus Lade- und Entladewerten ergibt sich der AC-zu-AC-Wirkungsgrad. Für die Bewertung wurden beide Entladetests mit dem Mittelwert aller drei vollständigen Ladevorgänge verglichen. Dieser mittlere Ladebedarf liegt bei 5,25 kWh.
Auf dieser Basis ergibt sich für die Entladung mit rund 1000 Watt ein AC-zu-AC-Wirkungsgrad von 83,4 Prozent. Bei der langen Entladung mit rund 200 Watt sinkt der Wert auf 76,6 Prozent.
| 2000 W Laden, 1000 W Entladen | 5,25 kWh | 4,38 kWh | 83,4 % |
| 2000 W Laden, 200 W Entladen | 5,25 kWh | 4,02 kWh | 76,6 % |
Bei einem AC-Speicher wird Wechselstrom beim Laden in Gleichstrom gewandelt und beim Entladen wieder zurück in Wechselstrom. Dabei entstehen zwangsläufig Verluste. Hinzu kommt der Eigenverbrauch für Steuerelektronik, Kommunikation, App-Anbindung, Batteriemanagement und Wechselrichterbetrieb. Diese Verluste fallen bei niedriger Entladeleistung stärker ins Gewicht, weil das System über viele Stunden aktiv bleibt, während nur vergleichsweise wenig Leistung abgegeben wird.
Der Venus D zeigt damit ein zweigeteiltes Bild. Bei der Entladung mit rund 1000 Watt schöpft er das genutzte Ladefenster hervorragend aus: 4,38 kWh aus einem rechnerisch verfügbaren Bereich von 4,51 kWh sind ein guter Wert. Auch der AC-zu-AC-Wirkungsgrad liegt mit gut 83 Prozent in diesem Zyklus auf ordentlichem Niveau. Bei der langen Entladung mit rund 200 Watt sinkt die abgegebene Energie dagegen auf 4,02 kWh, und der Roundtrip-Wirkungsgrad fällt auf rund 77 Prozent.
Das spricht dafür, dass der Venus D bei mittleren bis höheren Leistungen effizienter arbeitet als bei geringen Dauerlasten. Der Unterschied zwischen den beiden Szenarien beträgt rund 6,8 Prozentpunkte. Für Wirtschaftlichkeitsrechnungen ist es deshalb wichtig, nicht nur mit einem einzelnen Idealwert zu kalkulieren. Wer den Speicher häufig mit höheren Leistungen lädt und entlädt, kann nach diesen Messungen eher mit einem Praxiswert um 80 Prozent rechnen. Wer ihn vor allem nachts über viele Stunden mit kleiner Grundlast entlädt, sollte eher einen niedrigeren Praxiswert im Bereich um 75 bis 77 Prozent ansetzen.
Wichtig ist die Trennung zwischen nutzbarer Kapazität und Wirkungsgrad. Die Batterie selbst stellt bei höherer Last fast das gesamte genutzte Ladefenster bereit und behält eine Sicherheitsreserve gegen Tiefentladung. Die größeren Verluste entstehen vor allem im vollständigen AC-zu-AC-Zyklus aus Laden, Speichern, Entladen und Systembetrieb. Gerade bei niedriger Entladeleistung wird sichtbar, dass nicht nur die reine Zellkapazität zählt, sondern auch die Effizienz des Wechselrichters im jeweiligen Lastbereich.
Langzeittest als AC-Speicher: externer Zähler bestätigt App-Werte
Neben den Testzyklen mit konstanter Lade- und Entladeleistung lief der Marstek Venus D über rund sechs Monate im normalen Alltagsbetrieb als rein AC-gekoppelter Speicher. Dabei waren keine Solarmodule direkt am Gerät angeschlossen. Stattdessen speicherte das System PV-Überschüsse einer vorhandenen Solaranlage AC-seitig aus dem Hausnetz zwischen.
Als gekoppeltes Smart Meter kam ein Shelly Pro 3EM zum Einsatz, über den der Venus D im Eigenverbrauchsmodus den Hausanschluss ausregelte. Das funktionierte im Test sehr gut: Der Speicher nahm PV-Überschüsse soweit möglich auf und gab bei Verbrauch im Haus wieder Leistung ab. Am Stromzähler waren dabei meist nur wenige Watt Netzbezug oder Einspeisung zu sehen. Die Regelung arbeitete damit im Alltag deutlich überzeugender als die Effizienzwerte des reinen AC-Betriebs vermuten lassen.
Die Marstek-App weist für diesen Zeitraum folgende Gesamtwerte aus:
| Geladen | 478,36 kWh |
| Entladen | 361,14 kWh |
Zusätzlich wurden die Energieflüsse des Venus D über einen separaten Eastron SDM120-M Hutschienenzähler erfasst. Dieser ist MID zertifiziert/geeicht. Dabei ergeben sich aus den Zählerständen folgende Differenzen:
| Geladen | 189,71 kWh | 743,08 kWh | 553,37 kWh |
| Entladen | 144,61 kWh | 564,21 kWh | 419,60 kWh |
Auch aus diesen extern erfassten Zählerwerten ergibt sich praktisch derselbe Wirkungsgrad:
419,60 kWh / 553,37 kWh = 75,8 Prozent
Damit bestätigen sich App und externer Zwischenzähler gegenseitig sehr gut. Die absoluten Energiemengen unterscheiden sich zwar, weil App und Zwischenzähler einen leicht unterschiedlichen Auswertungszeitraum erfassen. Der daraus berechnete Roundtrip-Wirkungsgrad liegt aber in beiden Fällen fast gleich: Die Marstek-App kommt auf 75,5 Prozent, der Eastron-Zähler auf 75,8 Prozent.
Für den AC-Betrieb ist das ein wichtiger Praxiswert, allerdings kein besonders gutes Ergebnis. Ein Wirkungsgrad von rund 75 bis 76 Prozent bedeutet, dass etwa ein Viertel der eingespeicherten Energie im vollständigen Zyklus aus Laden, Speichern, Entladen und Systembetrieb verloren geht. Das ist technisch erklärbar, weil ein AC-Speicher beim Laden von Wechselstrom auf Gleichstrom und beim Entladen wieder von Gleichstrom auf Wechselstrom wandeln muss. Dazu kommen Eigenverbrauch, Kommunikation, Batteriemanagement und Teillastverluste.
Trotzdem fällt der Wert im Vergleich zu effizienteren AC-Speichern eher mäßig aus. Andere Systeme erreichen mit modernerer Leistungselektronik und besseren Teillastwirkungsgraden deutlich bessere Ergebnisse, auch bei niedrigen Leistungen. Eine Rolle können dabei unter anderem effizientere Halbleitertechnologien wie Siliziumkarbid spielen, entscheidend ist aber das gesamte Wechselrichterdesign inklusive Eigenverbrauch, Regelung und Wirkungsgradverlauf über verschiedene Lastbereiche.
Im Alltag arbeitet der Speicher nicht dauerhaft im optimalen Lastbereich. Stattdessen lädt und entlädt er über viele Monate mit wechselnden Leistungen, häufig auch im unteren Bereich. Genau dort fällt der Venus D ab: Die 200-Watt-Messung lag bei rund 76,6 Prozent, der Langzeitbetrieb bei 75,5 bis 75,8 Prozent. Das passt gut zusammen und zeigt, dass der Speicher bei kleinen und wechselnden Leistungen deutlich weniger effizient arbeitet als bei höherer Entladeleistung.
Als reiner AC-Nachrüstspeicher für eine bereits vorhandene PV-Anlage überzeugt der Venus D deshalb nur eingeschränkt. Wer den Venus D ohne direkt angeschlossene PV-Module nur als Steckdosen-Speicher für den PV-Überschuss aus einer vorhandenen PV-Anlage nutzen möchte, verschenkt einen erheblichen Teil des Potenzials. Der Venus D ist deutlich interessanter, wenn seine DC-Seite genutzt wird und Solarmodule direkt an den MPPT-Eingängen hängen. Genau dafür ist das System konstruiert. Wer dagegen vor allem einen möglichst effizienten AC-Nachrüstspeicher sucht, sollte die gemessenen Verluste sehr genau in die Wirtschaftlichkeitsrechnung einbeziehen.
Lokale API und Home Assistant: derzeit enttäuschend
Marstek bewirbt beziehungsweise ermöglicht grundsätzlich eine lokale Schnittstelle für Homeassistant. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, über RS485 beziehungsweise Modbus auf das System zuzugreifen. Diese Variante richtet sich allerdings eher an technisch versierte Nutzer und Bastler. Positiv ist, dass das Gerät sogar über einen kabelgebundenen Ethernet-Anschluss verfügt und damit grundsätzlich die Voraussetzungen für eine stabile lokale Anbindung mitbringt.
In der Praxis konnte die lokale API diesen positiven Eindruck jedoch nicht bestätigen. Im Test erwies sie sich als kaum brauchbar: Sobald die lokale API für Home Assistant aktiviert war, hängte sich das Gerät regelmäßig nach spätestens etwa einem Tag auf. Auch eine neuere Firmware brachte in unserem Test keine Verbesserung. Das hinterlässt den Eindruck, dass die Hardware solide aufgestellt ist, die Software jedoch noch deutlichen Nachholbedarf hat.
Marstek Venus D – Bilder App
Hinzu kommt, dass die lokale API funktional stark eingeschränkt ist. Eine gezielte Steuerung der Lade- und Entladeleistung war im Test darüber nicht sinnvoll möglich. Genau diese Funktionen wären für Home Assistant besonders wichtig, etwa um den Speicher abhängig von PV-Ertrag, Netzbezug, Strompreis oder anderen Verbrauchern flexibel zu regeln. In den vorhandenen Einstellmöglichkeiten fehlten diese Optionen jedoch.
Für Nutzer, die den Venus D einfach über die Hersteller-App betreiben wollen, ist das weniger relevant. Wer aber eine robuste lokale Smart-Home-Integration erwartet, sollte noch vorsichtig sein. In unserem Test war die lokale API weder stabil genug noch funktional vollständig genug, um den Speicher sinnvoll in Home Assistant einzubinden und zu steuern.
Support: KI-Antworten und wenig konkrete Problemlösung
Auch der Support hinterließ im Test keinen besonders starken Eindruck. Wer Probleme über die Funktion „Help & Feedback → Ask Marstek“ in der Marstek-App meldet, was derzeit die einzige Möglichkeit darstellt, überhaupt Hilfe zu erhalten, erhält zunächst häufig eine KI-Antwort („Generiert von Marstek AI, was Fehler enthalten kann. Bitte überprüfen Sie die Antworten sorgfältig“). Diese ging in unserem Fall nicht passend auf die konkrete Fragestellung ein.
Erst auf weitere Nachfrage kam eine menschlich wirkende Antwort, die das eigentliche Problem besser berücksichtigte. Mehrfach verwies der Support auf neuere Firmware-Versionen. Diese brachten im gesamten Testzeitraum von sechs Monaten jedoch nicht die erhofften Lösungen für die gemeldeten Probleme, insbesondere nicht für die Schwierigkeiten mit der lokalen API.
Das muss nicht bedeuten, dass Marstek grundsätzlich keinen Support bietet. Für ein technisch anspruchsvolles System dieser Leistungsklasse wäre aber ein schnellerer, präziserer und weniger generischer Support wünschenswert. Gerade bei Problemen mit Firmware, API, Regelung oder Smart-Home-Integration brauchen Nutzer konkrete Hilfe statt allgemeiner Standardantworten.
Preis
Ohne Speichermodule kostet der Marstek Venus D momentan 439 Euro. Die Konfiguration aus unserem Test mit zwei Speichermodulen und insgesamt 5,12 kWh gibt es derzeit für 1508 Euro zu kaufen (UVP 2397 Euro).
Fazit
Der Marstek Venus D ist ein leistungsfähiger, modularer Speicher, der deutlich über ein klassisches Balkonkraftwerk-System hinausgeht. Mit vier MPPT-Eingängen, bis zu 2,2 kW AC-Leistung, kombinierter AC-/DC-Ladung bis 2,5 kW und erweiterbaren LFP-Akkupacks positioniert sich das System eher als kompakte und stark erweiterbare Speicher-PV-Anlage denn als einfacher Balkonakku.
Unsere Messwerte zeigen aber auch klare Grenzen. Effizientere AC-Speicher zeigen, dass mit modernerer Leistungselektronik, geringerem Eigenverbrauch und besseren Teillastwirkungsgraden deutlich mehr möglich ist.
Der größte Schwachpunkt liegt derzeit in der Regelung am Ladeende. Während des Balancings reduziert der Venus D nicht nur die Batterieladung, sondern regelt auch die PV-Eingänge auf den reduzierten Bedarf herunter. Überschüssige Solarleistung wird in dieser Phase weder ins Hausnetz weitergegeben noch in ein weiteres, noch nicht voll geladenes Akkupack geleitet. Gerade bei starker Sonne und fast vollem Akku schmälert das den Nutzen der hohen PV-Eingangsleistung.
Auch die Software wirkt noch nicht ausgereift. Die lokale API war im Test mit Home Assistant instabil und bot keine ausreichenden Steuerungsmöglichkeiten für Lade- und Entladeleistung. Der Support konnte die gemeldeten Probleme bislang noch nicht überzeugend lösen. Positiv bleibt, dass es sich bei einigen Kritikpunkten um Firmware- und Softwarethemen handelt, die Marstek grundsätzlich nachbessern könnte.
Für ein kleines, möglichst simples 800-Watt-Balkonkraftwerk ist der Venus D daher nicht die naheliegende Wahl. Wer dagegen viele Module direkt anschließen, flexibel über AC und DC laden und größere Haushaltsgeräte mit bis zu 2,2 kW aus den Akkus versorgen möchte, bekommt ein technisch spannendes und vielseitiges System. Die Hardware-Basis ist stark, die Software muss aber noch nachziehen.
Künstliche Intelligenz
Trump: Wenn Digitalsteuer, dann 100 Prozent höhere Zölle
US-Präsident Donald Trump droht europäischen Ländern mit neuen Zöllen in Höhe von 100 Prozent, sollten sie Digitalsteuern beschließen. Die Zölle würden an die Stelle vereinbarter Zollabkommen treten, schrieb Trump auf der Plattform Truth Social. Das gelte unabhängig davon, ob die Abkommen bereits umgesetzt oder unterschrieben seien. Die neuen Zölle würden auf sämtliche Waren erhoben, die in die USA exportiert werden, schrieb Trump weiter.
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Sein Vorgehen begründete er damit, dass einige Länder kurz davor seien, Digitalabgaben zu beschließen, die amerikanische Konzerne treffen würden. Konkrete Länder nannte der Präsident nicht. Sollten solche Zölle kommen, will die EU das laut einem Sprecher der Kommission nicht einfach hinnehmen.
Pläne auch in Deutschland
Auch in Deutschland gab es in der Vergangenheit immer wieder Pläne für eine Digitalabgabe für große Internetkonzerne. So warb der parteilose Medienstaatsminister Wolfram Weimer schon seit längerem für eine Abgabe, damit Google und andere Konzerne einen Anteil ihrer Erlöse abgeben, um das deutsche Mediensystem zu stützen. Er setzte auf eine zweckgebundene Plattformabgabe für Medien.
Es gab dazu aber innerhalb der schwarz-roten Koalition unterschiedliche Positionen. So setzten Sozialdemokraten vor einiger Zeit auf eine klassische Digitalsteuer. Die Digitalabgabe würde große Internetkonzerne wie Google und Meta treffen. Vorbild ist Österreich. Dort sind große Online-Plattformen seit 2020 verpflichtet, fünf Prozent der Einkünfte aus der Werbevermarktung abzuführen.
Weimer verteidigte nach Trumps Post seine Überlegungen. Die Nachrichtenseite ntv.de zitierte ihn mit den Worten: „Uns geht es nicht um einseitige Diskriminierungen von US-Firmen, sondern um faire Wettbewerbsbedingungen und einen vielfältigen Medienmarkt für alle.“ Er sagte auch: „Die Medienregulierung großer Plattformen sollte kein handelspolitisches Thema werden.“
Trump drohte immer wieder
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Es ist nicht das erste Mal, dass Trump eine Digitalabgabe verurteilt und mit Zöllen droht. Im August 2025 hatte er schon einmal eine Warnung an Länder ausgesprochen, solche Abgaben zu stoppen. Er hatte kein explizites Land genannt. Außerdem hatte er wegen der Besteuerung von US-Konzernen bereits explizit Großbritannien gedroht, die Zolldrohung aber bis heute nicht wahr gemacht. Zölle sind ein zentrales Element in Trumps zweiter Amtszeit, jedoch stieß er mit der aggressiven Zollpolitik auch an Grenzen. So hatte der Oberste Gerichtshof in den USA viele seiner Zölle für rechtswidrig erklärt, die Trump unter Berufung auf ein Notstandsgesetz per Dekret verhängt hatte.
Rechtliche Grundlage unklar
Der US-Präsident sprach in seiner Drohung nun davon, die neuen Zölle „unmittelbar“ zu verhängen, falls Länder Digitalsteuern beschließen. Welche rechtliche Grundlage ihm das so schnell erlauben könnte, blieb allerdings unklar. Einen Hebel, auf den Trump nach der Niederlage vor dem Supreme Court bereits mehrfach zurückgriff, ist die Einleitungen von Untersuchungen wegen mutmaßlich unfairer Praktiken auf Basis eines Passus eines Handelsgesetzes von 1974. Je nach Ausgang könnten solche Untersuchungen neue Zölle rechtfertigen. In der Vergangenheit hatten die USA schon einmal Zolluntersuchungen wegen Digitalsteuern unter anderem gegen Frankreich, Österreich, Spanien, Italien eingeleitet.
EU hat Zollabkommen gebilligt
Erst in dieser Woche hatten die EU-Länder in Luxemburg grünes Licht dafür gegeben, die Zölle auf US-Industriegüter abzuschaffen und US-Meeresfrüchten sowie Agrarprodukten einen besseren Marktzugang zu gewähren. Das Handelsabkommen zwischen EU und USA hätte damit bald vollständig umgesetzt werden können. Ein Sicherheitsnetz soll aber dafür sorgen, dass die Vorteile nur dann gelten, wenn auch die USA ihre Verpflichtungen aus dem Abkommen vollständig umsetzen. Darauf hatten sich das Europaparlament und die Staaten nach langem Ringen geeinigt.
Unter anderem ist vorgesehen, dass die EU Zollgeständnisse aussetzen kann, falls die USA gegen Absprachen verstößt – etwa durch erneute Zollerhöhungen. Ein Sprecher der EU-Kommission teilte als Reaktion auf Trumps Drohung mit, Steuern diskriminierten nicht und würden „gleichermaßen für alle großen Unternehmen“ gelten, unabhängig von ihrer Herkunft. „Einseitige Maßnahmen, die sich gegen solche legitimen politischen Maßnahmen richten, sind ungerechtfertigt. Sollten solche Maßnahmen ergriffen werden, wird die EU rasch und entschlossen reagieren, um ihre Rechte und ihre regulatorische Autonomie zu verteidigen.“
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Künstliche Intelligenz
Drei Fragen und Antworten: So klappt der Abschied von Microsoft 365
Sie wollen Microsoft 365 loswerden? Dafür gibt es inzwischen gute Alternativen – doch es lauern auch einige Fallstricke auf die Wechselwilligen. Tobias Richter, Titelautor der neuen iX 7/2026, erklärt, was die Konkurrenz besser kann, wo es am meisten knirscht und welche Angebote für wen passen.
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Tobias Richter ist Bereichsleiter Business Development bei der Rewion GmbH mit über 20 Jahren IT-Erfahrung und bewegt sich an der Schnittstelle von Beratung, Cloud, KI, Security und Managed Services.
Viele sehen die Stärke von Microsoft 365 und Google Workspace vor allem in der Tiefe der Integration. Können die europäischen Alternativen da mithalten?
Nur teilweise. Genau hier liegt bei unseren Projekten der Kern der Diskussionen. Europäische Alternativen können zwar heute schon viele Workspace-Funktionen wie Mail, Kalender, Dateien oder Chat abdecken, in der Regel fehlt es aber an genau der Tiefe, diese Integration durchgängig durch alle Workspace-Apps zu bringen. Gerade Microsoft 365 und Google Workspace sind nicht deshalb so stark, weil jede einzelne App überlegen wäre, sondern weil der Arbeitskontext übergreifend funktioniert. Ich bin etwa im Meeting und Dokumente im Kontext werden mir direkt zur Zusammenarbeit vorgeschlagen. Das sorgt nicht nur für Nutzerakzeptanz, sondern verwöhnt die User fast im Vergleich zu möglichen anderen Lösungen.
Gerade deswegen ist in der Diskussion wichtig, die Hauptmotivation der Organisation zu benennen. Die europäischen Anbieter zeichnen sich insbesondere durch souveränes Hosting, rechtliche Rahmenbedingungen, Datenkontrolle und die Transparenz ihrer Open-Source-Pakete aus. Für diejenigen, die Souveränität als entscheidenden Faktor für ihre Infrastruktur, Datenhaltung und die Möglichkeit eines Ausstiegs ansehen, gibt es hier tragfähige Lösungen. Wer dagegen die gleiche Integrationstiefe wie bei M365 oder Google erwartet, wird derzeit häufig mit erheblichen Kompromissen leben müssen. Ob das neue Euro-Office in der Lage sein wird, hier Fortschritte zu machen, bleibt abzuwarten.
Wer nach Alternativen sucht, findet integrierte Suiten, modular aufgebaute Angebote und Managed Services. Was empfiehlt sich da für welche Art von Unternehmen oder Organisation?
Grob gesagt sind integrierte Suiten etwas für Organisationen, die zwar von Microsoft oder Google weg wollen, aber sich nicht eigenen Integrationsbetrieb leisten können oder wollen. Also für mittlere Unternehmen, Verwaltungen oder Organisationen mit begrenzten IT-Ressourcen. Wo schlicht die Expertise fehlt oder teuer eingekauft werden müsste, empfehlen sich eher geschlossene einfache Systeme, um den Betriebsaufwand gering zu halten.
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Modular funktioniert nur für Unternehmen mit sehr hoher IT-Reife, klarem Architekturanspruch und dem Willen, Identitäten, Integration, Betrieb und Governance dauerhaft selbst zu verantworten. Meist sind dies große Unternehmen, öffentliche Auftraggeber oder stark regulierte Branchen. Dafür hat man maximale Kontrolle über die eigenen Daten, den Betrieb und Abhängigkeiten. Der Nachteil ist die Integrations- und Betriebsverantwortung. Der Zusammenhang zwischen den Systemen muss ständig hergestellt, betrieben und weiterentwickelt werden. Modular heißt also in der Praxis nicht weniger IT, sondern eher mehr.
Managed Services liegen ein bisschen dazwischen. Hier wird der Workplace, egal ob Suite oder modular, über externe Dienstleister betrieben und betreut. Dieses Modell ist sinnvoll für Unternehmen, die höhere Anforderungen an Sicherheit, Souveränität oder Individualisierung haben, aber keine eigene IT‑Organisation in entsprechender Tiefe aufbauen wollen. Im Umkehrschluss entsteht hier aber auch eine neue Abhängigkeit vom Dienstleister und die Gestaltungsmöglichkeiten sind begrenzt durch dessen Betriebsmodelle. Grundsätzlich muss man aber sagen, dass der Betriebsaufwand vermutlich in allen Alternativ-Varianten ansteigt.
In welchen Einsatzfeldern knirscht es am meisten, wenn man M365 oder Google Workspace den Rücken kehrt?
Tatsächlich dort, wo die User nicht mit einzelnen Apps, sondern mit Übergängen dazwischen und also mit Daten aus mehreren Produkten arbeiten. Das große Problem sind hier vor allem Kalender, Chat und Meetings, mobile Nutzung, auch die IT-Administration – und dort vor allem die Verknüpfung der Workplace-Apps mit bestehenden Identitäten und Berechtigungen. An einer kohärenten Integration der großen Suites hängen neben der reinen Online-Präsenz eben oft auch Gastzugänge, der Dateikontext, Policies und häufig ein MDM mit dran. Wenn dieser Zusammenhang aufgebrochen wird, dann spüren das die Anwender sofort im Alltag. Ein Wechsel scheitert insofern oft weniger an fehlenden Einzelfunktionen, als an der Summe kleiner Brüche im Arbeitsfluss, etwa weil die Rechte zwischen Dateien und verschiedenen Apps nicht passen.
Die zweite, vielleicht noch viel größere Herausforderung ist allerdings, die Belegschaft von einem gänzlich neuen Produkt zu überzeugen. Die Nutzer kennen seit Jahren ihre Häkchen, Ablagen und Prozesse oder auch die kleinen Tools, die einem durch den Arbeitsalltag geholfen haben – ich nenne hier mal das Stichwort „Excel Makros mit VBA Scripts“. Eine Transformation an dieser Stelle kann nicht nur immens viel Geld kosten, sondern auch bei vielen Mitarbeitern zu extremem Frust führen, wenn man kein ordentliches Change Management, gute Kommunikation, Weiterbildung und Trainings organisiert.
Tobias, vielen Dank für die Antworten! Einen Überblick zu den M365-Alternativen gibt es in der neuen iX. Außerdem beleuchten wir, wie es beim souveränen Workplace zwischen Anspruch und Wirklichkeit aussieht und wie man die Migration von M365 auf Nextcloud angehen kann. All das und viele weitere Themen finden Leser im Juli-Heft, das ab sofort im heise Shop oder am Kiosk erhältlich ist.
In der Serie „Drei Fragen und Antworten“ will die iX die heutigen Herausforderungen der IT auf den Punkt bringen – egal ob es sich um den Blick des Anwenders vorm PC, die Sicht des Managers oder den Alltag eines Administrators handelt. Haben Sie Anregungen aus Ihrer tagtäglichen Praxis oder der Ihrer Nutzer? Wessen Tipps zu welchem Thema würden Sie gerne kurz und knackig lesen? Dann schreiben Sie uns gerne oder hinterlassen Sie einen Kommentar im Forum.
(axk)
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