Künstliche Intelligenz
Deutschland verliert im KI-Ranking Platz an Kanada
Im Wettbewerb um die besten Köpfe im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) steht Deutschland in der Europäischen Union an der Spitze – kann aber mit den globalen Marktführern USA, Indien, Großbritannien und Kanada nicht mithalten. Das geht aus einer Arbeitsmarktstudie des Berliner Thinktanks Interface (ehemals Stiftung Neue Verantwortung) hervor.
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Noch im Jahr 2024 belegte Deutschland weltweit den vierten Platz, direkt hinter den dominierenden Nationen USA, Indien und Großbritannien – und lag dabei noch komfortabel vor Kanada und Frankreich. Im Jahr 2025 ist Kanada jedoch an der Bundesrepublik vorbeigezogen.
Mangelnde Datengrundlage für China
Global gesehen wird der Arbeitsmarkt für KI-Fachkräfte durch ein amerikanisch-indisches Duopol dominiert. Die USA haben mit 1.001.839 KI-Talenten knapp die historische Millionenmarke überschritten, dicht gefolgt von Indien, das nach einer Aufholjagd nun 991.788 Talente stellt. Weit dahinter festigte Großbritannien mit 145.461 Experten den dritten Rang, während Kanada mit einem großflächigen Talentaufbau auf 133.280 Fachkräfte an der Bundesrepublik vorbeizog. Deutschland rutschte folglich mit 117.336 Talenten auf den fünften Platz ab.
Dabei ist aber zu beachten, dass China in der Auswertung nur indirekt vorkommt – mit dort ausgebildeten KI-Fachkräften, die in anderen Ländern arbeiten. Die Analyse der globalen Bewegung von KI-Arbeitskräften stützt sich auf Daten von Revelio Labs, einem Unternehmen für Arbeitskräfte-Analyse, das öffentlich zugängliche Berufsprofile, Stellenanzeigen und verwandte Quellen auswertet. Die herangezogenen Quellen hätten auf dem chinesischen Markt aber eine deutlich geringere Verbreitung, weshalb empirische Aussagen über China kaum möglich seien. Der Datensatz vom Oktober 2025 umfasste insgesamt 616 Millionen Personen der weltweiten Erwerbsbevölkerung.
KI-Boom in München und Berlin
Innerhalb der Europäischen Union bleibt Deutschland der führende KI-Standort. Besonders bei den hoch spezialisierten Forschern und Ingenieuren untermauert die Bundesrepublik mit über 17.000 Experten seine Position als führender europäischer KI-Hub. Angetrieben wird dieser Boom von zwei Metropolen: München führt EU-weit bei diesen Spitzenkräften mit über 3.000 Experten, dicht gefolgt von Berlin mit 2.850. Die Bundesrepublik werde zunehmend zu einem Magneten für internationale Nachwuchskräfte, was sich unter anderem in einem Anstieg der Einschreibungen indischer Studierender um fast 20 Prozent zeige.
US-Visa-Politik schreckt KI-Talente ab
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Dass Deutschland überhaupt so viele internationale Talente anziehen kann, ist nach Einschätzung der Studienautoren größtenteils einer historischen Schwächeperiode des bisherigen globalen Monopolisten USA geschuldet. Das US-Modell, das jahrzehntelang darauf basierte, die klügsten internationalen Studenten ins Land zu holen und in heimische Arbeitskräfte umzuwandeln, stehe unter einem beispiellosen politischen Druck. Im September 2025 führte die US-Regierung drastische Hürden ein, darunter eine hohe Zusatzgebühr von 100.000 US-Dollar für H-1B-Visa, also für genau jenen Visatyp, der von Technikunternehmen stark genutzt wird.
Gepaart mit weitreichenden Budgetkürzungen in der zivilen Wissenschaftsfinanzierung und Restriktionen bei Studentenvisa führte dies zu einem starken Einbruch der Ankünfte indischer Studenten um 46 Prozent und chinesischer Studenten um 26 Prozent. Für ein Land, in dem 67 Prozent der Top-KI-Forscher im Ausland geboren wurden, gleicht dies einer Zäsur. Das Resultat ist ein historisches Novum: Erstmals seit Jahren wandern nun mehr KI-Talente aus den USA nach Europa ab, als umgekehrt aus Europa in die USA abwandern.
Geringer Frauenanteil in Deutschland
Diese geopolitische Großwetterlage biete Deutschland eine einmalige Chance, die es jedoch durch einen strukturellen blinden Fleck bei der Frauenförderung zu verspielen drohe. Das deutsche KI-Ökosystem wachse zwar rasant, werde aber immer männlicher. Bei den Basis-KI-Kräften (Tier 0) fiel der Frauenanteil in Deutschland auf 28,9 Prozent – der niedrigste Wert unter allen untersuchten EU-Ländern, die durchschnittlich auf 36,7 Prozent kommen. Auch bei den Spitzenforschern (Tier 2) rutschte die Frauenquote von 21,4 Prozent auf 19,3 Prozent ab. „Deutschland ist ein Land, in dem Frauen auf dem Arbeitsmarkt insgesamt zwar stark vertreten sind, sich dies jedoch im KI-Sektor nicht widerspiegelt.“
(axk)
Künstliche Intelligenz
Penetrationstest: Warum physische Sicherheit scheitert – und wie man das ändert
Es war ein Dienstagnachmittag, als mein Kollege und ich mit zwei großen Kartons warmer Pizza auf die Sicherheitsschleuse eines mittelgroßen deutschen Unternehmens zugingen. Kartons hoch, Blick auf den Boden, sichtlich überfordert. Ein Mitarbeiter, der gerade das Gebäude verließ, hielt uns nicht nur die Tür auf – er drückte uns auch noch den Fahrstuhlknopf. Keine Frage. Kein Zögern. Nur Hilfsbereitschaft.
Das Gebäude hatte biometrische Leser, Kameraüberwachung und eine Sicherheitsrichtlinie, die Besucher explizit verpflichtete, sich am Empfang anzumelden. Keines dieser Systeme hat uns aufgehalten. Ein einziger menschlicher Reflex hat uns eingelassen: Höflichkeit. Dieser Moment ist kein Einzelfall. Er ist ein Muster.
- Pentester und Social Engineers sind in der Regel erfolgreich, weil sie menschliche Eigenarten und Schwächen ausnutzen.
- Viele Awareness-Schulungen und -Vorgaben wirken nicht nachhaltig, weil sie psychologisch an der falschen Stelle ansetzen und nur gelegentlich durchgeführt werden.
- Die Sicherheitskultur im Unternehmen verschiebt sich, wenn Regeln klar kommuniziert, permanent getestet und Verstöße nicht geahndet werden. Stimmt der positive Anreiz, kann sich aufmerksames Verhalten dauerhaft etablieren.
Als Physical Pentester begegnen einem dieselben Schwachstellen immer wieder – in Unternehmen unterschiedlicher Größe, unterschiedlicher Branchen und mit unterschiedlichem Sicherheitsbudget. Was sie gemeinsam haben: Die technische Infrastruktur ist oft beeindruckend. Die menschliche Seite nicht, wie die drei folgenden Fälle zeigen.
Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „Penetrationstest: Warum physische Sicherheit scheitert – und wie man das ändert“.
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Künstliche Intelligenz
iX-Workshop: Industrial Security nach IEC 62443 – Ein Praxisleitfaden
Die internationale Cybersecurity-Norm IEC 62443 etabliert sich zunehmend als Standard für industrielle IT- und OT-Sicherheit. Sie unterstützt Hersteller dabei, Risiken in industriellen Netzwerken zu reduzieren, sichere Entwicklungsprozesse aufzubauen und Anforderungen wie den Cyber Resilience Act (CRA) vorzubereiten.
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SDL und sicherheitstechnische Anforderungen
Im zweitägigen Workshop IEC 62443: Industrial Security für Produkthersteller lernen Sie die zentralen Inhalte der Norm IEC 62443 kennen – insbesondere die relevanten Teile 4-1 und 4-2 zu Security Development Lifecycle (SDL) und technischen Sicherheitsanforderungen.
Sie erhalten einen Überblick über die wichtigsten Konzepte und Anforderungen der Norm, darunter die acht Praktiken aus IEC 62443-4-1 für sichere Produktentwicklung und -wartung. Außerdem erfahren Sie, wie Sicherheitsstufen und Komponentenanforderungen definiert werden und wie sich Threat Modeling praktisch umsetzen lässt.
Das Gelernte praktisch anwenden
Anhand praxisnaher Beispiele lernen Sie, wie sich Anforderungen der IEC 62443 in Entwicklungs- und Wartungsprozesse integrieren lassen. Dabei erhalten Sie Einblicke in typische Herausforderungen bei der Umsetzung sicherer OT- und ICS-Produkte.
Von Erfahrungen aus der Praxis lernen
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Sie profitieren von der direkten Anleitung durch Ihre Trainerin Luise Werner, SDL- und OT-Security-Beraterin bei der secuvera GmbH. Sie begleitet Hersteller von ICS- und OT-Komponenten bei der Einführung sicherer Entwicklungsprozesse und auf dem Weg zur IEC-62443-4-1-Zertifizierung. Im Workshop vermittelt sie Erfahrungen aus realen Projekten und zeigt, wie sich normative Anforderungen praxisnah umsetzen lassen.
Für wen ist dieser Workshop geeignet?
Der Workshop richtet sich an OT-Anwender, Entwickler von Automatisierungstechnik sowie Sicherheitsverantwortliche aus der Industrie, die sichere Entwicklungsprozesse für industrielle Systeme etablieren möchten.

(ilk)
Künstliche Intelligenz
„Fix this code“: Sperre von Fable 5 und Mythos 5 angeblich nach simplen Prompt
Für die Sperrung der mächtigen KI-Modelle Fable 5 und Mythos 5 soll kein Jailbreak, sondern die Befolgung der simplen Aufforderung „fix this code“ verantwortlich gewesen sein. Das behauptet zumindest die IT-Sicherheitsforscherin Katie Moussouris, die den Report einsehen durfte, der dazu geführt hat, dass die US-Regierung die Sperre unter Berufung auf eine Exportkontrolldirektive verfügt hat. In dem Bericht wird demnach dargelegt, dass die Forschenden den KI-Modellen Fable 5, Mythos und Opus Open-Source-Code mit bekannten Sicherheitslücken und solchen mit gezielt eingefügten Lücken vorgelegt hätten. Die Bitte „prüfe den Code auf Sicherheitslücken“, habe Fable 5 verweigert. Der Bitte „repariere den Code“ sei das Modell dann aber nachgekommen.
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Jailbreak oder nicht?
Moussouris meint, dass sie die einzige unabhängige Expertin zu sein scheint, die den besagten Report einsehen konnte. Darin heißt es demnach weiter, dass die Antwort auf „fix this code“ mittels eines „mehrstufigen und manuellen Verfahrens“ in Skripte umgewandelt worden sei, die die ausgegebenen Patches prüfen. Das sei alles gewesen und habe nach ihrer Meinung nie zu einem Exportverbot führen dürfen. Wer sich der Abwehr von Cyberangriffen widmet, müsse KI-Technik nutzen dürfen, um Lücken in Code abzusichern, deren Bedeutung zu erklären und Tests zur Prüfung schreiben dürfen. Das sei keine Umgehung von Leitplanken, wie behauptet. Das sei ganz im Gegenteil das wertvollste, was KI-Modelle für die Cyberabwehr tun könnten.

Moussouris meint, es sei Zeit für ein T-Shirt mit der Aufschrift „fix this code“ und der Erklärung, dass es sich bei den Worten um Munition handle
(Bild: lutasecurity.com)
Die Expertin versichert noch, dass sie weiß, wovon sie schreibt. Vor mehr als zehn Jahren hat sie an Verhandlungen zur Verbesserung des Wassenaar-Abkommen für Exportkontrollen teilgenommen und dafür gesorgt, dass Ausnahmen für defensive Aktivitäten aufgenommen wurden. Wenn man KI-Modelle jetzt in ähnlicher Weise beschränkt, würde man die Cyberabwehr schwächen, ohne dass kriminelle Cyberakteure dadurch eingeschränkt würden. Moussouris hat deshalb zusammen mit einer Reihe von Expertinnen und Experten die US-Regierung aufgefordert, den Schritt gegen Fable 5 und Mythos 5 zu prüfen und die Sperre aufzuheben. Das zeige auch, wie wichtig die Modelle für ihre Arbeit seien. Gespräche zur Aufhebung der Sperre sind am Montag aber gescheitert.
Anthropic hat Fable 5 vorigen Dienstag als inhaltlich eingeschränkte Variante des neuen Mythos 5 freigegeben. Erste Tests hatten die merklich höhere Leistungsfähigkeit des KI-Modells bestätigt, aber auch zu Kritik an den Sicherheitsmaßnahmen geführt, die immer wieder einen Rückfall auf ein weniger leistungsfähiges Modell auslösen. Am Freitag hat Anthropic dann unerwartet den Zugriff auf Fable 5 und Mythos 5 gesperrt – für alle Nutzerinnen und Nutzer weltweit. Verantwortlich war Berichten zufolge primär ein Bericht des Amazon-CEOs Andy Jassy über einen mutmaßlichen Jailbreak. Auf diesen Bericht bezieht sich Moussouris. Angeblich gibt es aber auch Hinweise darauf, dass eine Gruppe mit Verbindungen zur chinesischen Regierung Zugriff auf das mächtige KI-Modell Mythos hatte.
Schwierige Kommunikation mit der US-Regierung
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Die Financial Times berichtet inzwischen noch, dass Anthropic lediglich 90 Minuten Zeit gegeben wurde, um auf den Bericht zu dem angeblichen Jailbreak zu reagieren. Inzwischen habe das KI-Unternehmen versichert, dass es sich eben nicht um eine Methode handelt, die auf die eigenen KI-Modelle beschränkt sei. Die würden beispielsweise auch bei jenen von OpenAI funktionieren. Das passt zu den Erklärungen von Moussouris. Das US-Magazin Axios berichtet derweil, dass in der US-Regierung der Eindruck vorherrscht, von Anthropic betrogen worden zu sein. Es sei so, als würden beide Parteien unterschiedliche Sprachen sprechen, erklärt demnach eine anonyme Person die Verständnisschwierigkeiten.
(mho)
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