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Künstliche Intelligenz

Digitalisierung: Warum die Pflege mehr Mitsprache fordert


Die Pflege sei politisch endlich „angekommen“, sagt Thomas Meißner vom Deutschen Pflegerat im Gespräch mit heise online. Doch bei Digitalisierung, Selbstverwaltung und Finanzierung gebe es weiterhin massive Defizite. Meißner, gelernte Pflegefachkraft und seit Jahren eine der profiliertesten Stimmen zur Digitalisierung in der Pflege, fordert deshalb eine eigene Pflegeinformatik-Initiative, verlässliche Investitionen und mehr Mitsprache der Profession.

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Thomas Meißner

Thomas Meißner

Thomas Meißner, Vorstand AVG, Mitglied im Deutschen Pflegerat (DPR).

(Bild: Anja Dorny)

Besonders kritisch sieht er aktuelle politische Überlegungen zur Begrenzung von Pflegeleistungen sowie die schleppende Umsetzung digitaler Infrastruktur. Zudem warnt er davor, fachliche Entscheidungen zunehmend nach Kassenlage zu treffen.

Wir haben vor rund einem Jahr schon einmal miteinander gesprochen, damals vor allem über das Pflegekompetenzgesetz und die Digitalisierungpläne für die Pflege. Seitdem ist viel passiert. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?

Insgesamt muss man für die Pflege eine positive Bilanz ziehen. Die Pflege rückt stärker in die Öffentlichkeit und stärker ins politische Bewusstsein. Viele Forderungen, die wir über Jahre erhoben haben, kommen inzwischen zumindest schrittweise an. Natürlich ist noch viel Luft nach oben, aber man muss klar sagen: Die Pflege ist politisch angekommen.

Auch der Deutsche Pflegerat wird inzwischen ernst genommen und gesetzlich als maßgebliche Organisation anerkannt. Dahinter steht die Expertise vieler Mitgliedsverbände und damit ein sehr breites Fachwissen aus Praxis, Wissenschaft und Ausbildung. Das ist ein Fortschritt.

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Gleichzeitig hört man aus der Praxis weiterhin viel Frust über die Digitalisierung.

Die Digitalisierung ist grundsätzlich gut gedacht. Wir sind deutlich weiter als noch vor fünf Jahren. Aber wir haben nach wie vor zu viele Insellösungen. Die Verbindung zwischen den Systemen funktioniert nicht richtig.

Ich beschreibe das gern mit einem Bild: Wir haben viele digitale Autobahnen gebaut, viele Brücken dazu – aber jeder fährt mit seinem Auto irgendwo am Rand herum und kommt gar nicht auf die Autobahn. Genau das ist das Problem der fehlenden Interoperabilität.

Das betrifft allerdings nicht nur die Pflege.

Nein, natürlich nicht. Aber in der Pflege merkt man die Folgen besonders stark. Die Telematikinfrastruktur ist technisch da, viele Einrichtungen haben inzwischen KIM-Adressen. Nur: Wenn niemand sie nutzt, bringt das wenig.

Wenn ein Pflegedienst digital mit einer Arztpraxis kommunizieren will und die Praxis sagt: „Machen wir nicht“, dann scheitert es schon. Oder ein Krankenhaus möchte digital Daten austauschen und der ambulante Dienst sagt: „Zu kompliziert.“ Dazu kommen veraltete Konnektoren, lange Bearbeitungszeiten bei der Finanzierung oder technische Probleme. Das Ergebnis ist: Eine eigentlich gute Idee wird in der Praxis nicht konsequent genutzt.

Wo sehen Sie die größten strukturellen Probleme?

Wir haben bis heute keine Pflegeinformatik-Initiative. Das halte ich für einen großen Fehler. Wir brauchen standardisierte Normen für pflegerische Daten, für Dokumentation, Datenaustausch und Auswertung. Auch künstliche Intelligenz wird nur so gut sein wie die Datenbasis dahinter. Schlechte Daten führen zu schlechter KI.

Die Pflege hat dabei ganz eigene Anforderungen. Die Cybersicherheit in einem Krankenhaus ist etwas anderes als in einem kleinen ambulanten Dienst oder einer stationären Langzeitpflegeeinrichtung. Diese Besonderheiten werden bislang zu wenig berücksichtigt.

Bei den Ärzten gab es früh eigene Informatikinitiativen. Genau so etwas brauchen wir in der Pflege ebenfalls.

Sie haben sich auch den aktuellen Referentenentwurf zum GeDIG angesehen. Was fehlt Ihnen dort aus Sicht der Pflege?

Vieles im GeDIG ist weiterhin stark aus der Logik ärztlicher Versorgung gedacht. Die pflegespezifischen Anforderungen kommen aus meiner Sicht noch zu wenig vor. Wir brauchen zum Beispiel endlich eine Pflegeinformatik-Initiative, also klare Standards dafür, wie pflegerische Daten erhoben, strukturiert und zwischen den Systemen ausgetauscht werden.

Gerade in der Pflege haben wir ganz andere Arbeitsrealitäten als in einer Arztpraxis oder einem Krankenhaus. Ein ambulanter Pflegedienst arbeitet mobil, oft unter Zeitdruck und mit sehr unterschiedlichen technischen Voraussetzungen. Das muss sich auch in den gesetzlichen Rahmenbedingungen widerspiegeln.

Außerdem fehlen im GeDIG aus unserer Sicht verbindliche Aussagen zur Finanzierung. Digitalisierung besteht nicht nur aus einer einmaligen Anschaffung. Einrichtungen brauchen dauerhaft Mittel für Wartung, Software, Cybersicherheit und Schulungen. Wenn man Digitalisierung politisch wirklich will, dann muss man diese Investitionen auch absichern.

Trotz aller Digitalgesetze scheint die Realität oft noch sehr analog zu sein?

Absolut. Ich war gerade auf einem Digitalisierungspanel bei dem Pflegekongress „Because we care“ in Augsburg. Auf die Frage in einem Panel, wer noch Faxgeräte nutzt, hoben drei Viertel der Anwesenden die Hand.

Politisch entsteht oft der Eindruck, das Fax sei längst Geschichte. Die Realität sieht anders aus.

Wir erleben ständig Medienbrüche: Daten werden digital erfasst, anschließend ausgedruckt, unterschrieben und wieder per Fax verschickt. Das ist keine echte Digitalisierung. Das ist nur ein analoger Prozess auf einem Bildschirm.

Der elektronische Heilberufsausweis (eHBA) sorgt nicht nur bei den Ärzten und Apothekern, sondern auch in der Pflege weiterhin für Diskussionen. Wie bewerten Sie den aktuellen Stand?

Der eHBA ist grundsätzlich wichtig und notwendig. Wenn Pflegefachkräfte künftig eigenständig E‑Rezepte oder digitale Verordnungen signieren sollen, dann braucht es natürlich auch eine sichere digitale Identität. Dafür ist der elektronische Heilberufsausweis die Grundlage.

Aber die Realität ist noch kompliziert. Die Ausstellung der Heilberufsausweise und Institutionskarten funktioniert vielerorts noch nicht flächendeckend. Viele Einrichtungen berichten über lange Bearbeitungszeiten, komplizierte Antragsverfahren und hohe Kosten. Teilweise dauert die Refinanzierung mehrere Monate, während die Technik schon wieder weiterentwickelt wird.

Digitalisierung darf nicht an Bürokratie scheitern. Wenn Menschen wochen- oder monatelang auf Ausweise, Freischaltungen oder Refinanzierungen warten, entsteht Frust statt Akzeptanz. Der eHBA darf kein zusätzliches Hindernis werden, sondern muss den Arbeitsalltag tatsächlich erleichtern.

Wäre eine verpflichtende Nutzung von Diensten wie KIM (Kommunikation im Medizinwesen) aus Ihrer Sicht sinnvoll?

Ich bin grundsätzlich kein Freund davon, Menschen einfach zu etwas zu verpflichten. Ich möchte überzeugen. Digitalisierung muss in der Praxis funktionieren und erlebbar werden – sonst verliert man die Menschen.

Wenn Pflegekräfte einmal gute digitale Dokumentation nutzen, möchten die meisten nicht mehr mit Kugelschreiber arbeiten. Aber solange am Ende alles wieder ausgedruckt werden muss, verliert man Akzeptanz.

Viele Einrichtungen beklagen hohe Kosten und fehlende Finanzierung.

Das Problem ist real. Digitalisierung kostet Geld – nicht nur einmalig für Hardware und Software, sondern dauerhaft für Wartung, Updates, Cybersicherheit und Support.

Deshalb brauchen wir sichere Finanzierungsmodelle. Investitionskosten müssen refinanziert werden, genauso die laufenden Betriebskosten.

Und ich sage das ganz deutlich: Über die Notwendigkeit der Digitalisierung darf man eigentlich nicht mehr diskutieren. Wenn wir als Gesundheitswesen international mithalten wollen, dann müssen wir investieren.

Das ist ähnlich wie bei Infrastruktur oder Verteidigungspolitik: Man kann diskutieren, wie investiert wird – aber nicht mehr darüber, ob investiert werden soll.

Die aktuellen Überlegungen rund um die Pflegeversicherung sehen Sie kritisch?

Ja, weil hier aus meiner Sicht eine Grenze überschritten wird. Es gibt Überlegungen, die Kriterien für Pflegegrade zu verändern, damit weniger Menschen Leistungen erhalten oder Höherstufungen schwieriger werden. Damit greift Politik unmittelbar in fachliche Bewertungen ein.

Stellen Sie sich vor, man würde Ärzten vorschreiben, bestimmte Diagnosen nicht mehr zu stellen, weil die Therapien zu teuer sind. Da gäbe es einen Aufschrei durchs ganze Land. In der Pflege scheint man so etwas eher zu akzeptieren. Das halte ich für falsch.

Welche Folgen hätte das konkret?

Natürlich würde es Einschränkungen für Versicherte geben. Aber mir geht es vor allem um die grundsätzliche Frage: Wird Pflegebedürftigkeit fachlich bewertet oder nach Kassenlage? Wenn finanzielle Erwägungen die fachliche Einschätzung bestimmen, dann haben wir ein Problem.

Warum gelingt es der Pflege bislang nicht, politischen Druck ähnlich stark aufzubauen wie etwa Ärzteverbände?

Weil die Strukturen völlig unterschiedlich sind. Ärzte verfügen seit Jahrzehnten über starke Kammern, Hauptamtliche und große Verwaltungsapparate.

In der Pflege läuft extrem viel über Ehrenamt. Viele engagieren sich neben ihrer eigentlichen Arbeit. Dafür leisten die Beteiligten Erstaunliches – aber natürlich kann man unter solchen Bedingungen schwieriger dauerhaft politischen Druck organisieren.

Trotzdem hat die Pflege in den vergangenen Jahren enorm viel erreicht. Vor 20 Jahren wären viele dieser Diskussionen noch undenkbar gewesen.

Klingt trotzdem nach einem langen Weg.

Natürlich. Andere Professionen hatten dafür hundert Jahre Zeit. Die Pflege holt viele Entwicklungen jetzt in wenigen Jahrzehnten nach. Aber wir sind da. Wir werden sichtbarer. Wir werden gefragt. Und wir werden uns weiter einmischen.


(mack)



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Drei Fragen und Antworten: So klappt der Abschied von Microsoft 365


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This article is also available in
English.

It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Sie wollen Microsoft 365 loswerden? Dafür gibt es inzwischen gute Alternativen – doch es lauern auch einige Fallstricke auf die Wechselwilligen. Tobias Richter, Titelautor der neuen iX 7/2026, erklärt, was die Konkurrenz besser kann, wo es am meisten knirscht und welche Angebote für wen passen.

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Tobias Richter ist Bereichsleiter Business Development bei der Rewion GmbH mit über 20 Jahren IT-Erfahrung und bewegt sich an der Schnittstelle von Beratung, Cloud, KI, Security und Managed Services.

Viele sehen die Stärke von Microsoft 365 und Google Workspace vor allem in der Tiefe der Integration. Können die europäischen Alternativen da mithalten?

Nur teilweise. Genau hier liegt bei unseren Projekten der Kern der Diskussionen. Europäische Alternativen können zwar heute schon viele Workspace-Funktionen wie Mail, Kalender, Dateien oder Chat abdecken, in der Regel fehlt es aber an genau der Tiefe, diese Integration durchgängig durch alle Workspace-Apps zu bringen. Gerade Microsoft 365 und Google Workspace sind nicht deshalb so stark, weil jede einzelne App überlegen wäre, sondern weil der Arbeitskontext übergreifend funktioniert. Ich bin etwa im Meeting und Dokumente im Kontext werden mir direkt zur Zusammenarbeit vorgeschlagen. Das sorgt nicht nur für Nutzerakzeptanz, sondern verwöhnt die User fast im Vergleich zu möglichen anderen Lösungen.

Gerade deswegen ist in der Diskussion wichtig, die Hauptmotivation der Organisation zu benennen. Die europäischen Anbieter zeichnen sich insbesondere durch souveränes Hosting, rechtliche Rahmenbedingungen, Datenkontrolle und die Transparenz ihrer Open-Source-Pakete aus. Für diejenigen, die Souveränität als entscheidenden Faktor für ihre Infrastruktur, Datenhaltung und die Möglichkeit eines Ausstiegs ansehen, gibt es hier tragfähige Lösungen. Wer dagegen die gleiche Integrationstiefe wie bei M365 oder Google erwartet, wird derzeit häufig mit erheblichen Kompromissen leben müssen. Ob das neue Euro-Office in der Lage sein wird, hier Fortschritte zu machen, bleibt abzuwarten.

Wer nach Alternativen sucht, findet integrierte Suiten, modular aufgebaute Angebote und Managed Services. Was empfiehlt sich da für welche Art von Unternehmen oder Organisation?

Grob gesagt sind integrierte Suiten etwas für Organisationen, die zwar von Microsoft oder Google weg wollen, aber sich nicht eigenen Integrationsbetrieb leisten können oder wollen. Also für mittlere Unternehmen, Verwaltungen oder Organisationen mit begrenzten IT-Ressourcen. Wo schlicht die Expertise fehlt oder teuer eingekauft werden müsste, empfehlen sich eher geschlossene einfache Systeme, um den Betriebsaufwand gering zu halten.

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Modular funktioniert nur für Unternehmen mit sehr hoher IT-Reife, klarem Architekturanspruch und dem Willen, Identitäten, Integration, Betrieb und Governance dauerhaft selbst zu verantworten. Meist sind dies große Unternehmen, öffentliche Auftraggeber oder stark regulierte Branchen. Dafür hat man maximale Kontrolle über die eigenen Daten, den Betrieb und Abhängigkeiten. Der Nachteil ist die Integrations- und Betriebsverantwortung. Der Zusammenhang zwischen den Systemen muss ständig hergestellt, betrieben und weiterentwickelt werden. Modular heißt also in der Praxis nicht weniger IT, sondern eher mehr.

Managed Services liegen ein bisschen dazwischen. Hier wird der Workplace, egal ob Suite oder modular, über externe Dienstleister betrieben und betreut. Dieses Modell ist sinnvoll für Unternehmen, die höhere Anforderungen an Sicherheit, Souveränität oder Individualisierung haben, aber keine eigene IT‑Organisation in entsprechender Tiefe aufbauen wollen. Im Umkehrschluss entsteht hier aber auch eine neue Abhängigkeit vom Dienstleister und die Gestaltungsmöglichkeiten sind begrenzt durch dessen Betriebsmodelle. Grundsätzlich muss man aber sagen, dass der Betriebsaufwand vermutlich in allen Alternativ-Varianten ansteigt.

In welchen Einsatzfeldern knirscht es am meisten, wenn man M365 oder Google Workspace den Rücken kehrt?

Tatsächlich dort, wo die User nicht mit einzelnen Apps, sondern mit Übergängen dazwischen und also mit Daten aus mehreren Produkten arbeiten. Das große Problem sind hier vor allem Kalender, Chat und Meetings, mobile Nutzung, auch die IT-Administration – und dort vor allem die Verknüpfung der Workplace-Apps mit bestehenden Identitäten und Berechtigungen. An einer kohärenten Integration der großen Suites hängen neben der reinen Online-Präsenz eben oft auch Gastzugänge, der Dateikontext, Policies und häufig ein MDM mit dran. Wenn dieser Zusammenhang aufgebrochen wird, dann spüren das die Anwender sofort im Alltag. Ein Wechsel scheitert insofern oft weniger an fehlenden Einzelfunktionen, als an der Summe kleiner Brüche im Arbeitsfluss, etwa weil die Rechte zwischen Dateien und verschiedenen Apps nicht passen.

Die zweite, vielleicht noch viel größere Herausforderung ist allerdings, die Belegschaft von einem gänzlich neuen Produkt zu überzeugen. Die Nutzer kennen seit Jahren ihre Häkchen, Ablagen und Prozesse oder auch die kleinen Tools, die einem durch den Arbeitsalltag geholfen haben – ich nenne hier mal das Stichwort „Excel Makros mit VBA Scripts“. Eine Transformation an dieser Stelle kann nicht nur immens viel Geld kosten, sondern auch bei vielen Mitarbeitern zu extremem Frust führen, wenn man kein ordentliches Change Management, gute Kommunikation, Weiterbildung und Trainings organisiert.

Tobias, vielen Dank für die Antworten! Einen Überblick zu den M365-Alternativen gibt es in der neuen iX. Außerdem beleuchten wir, wie es beim souveränen Workplace zwischen Anspruch und Wirklichkeit aussieht und wie man die Migration von M365 auf Nextcloud angehen kann. All das und viele weitere Themen finden Leser im Juli-Heft, das ab sofort im heise Shop oder am Kiosk erhältlich ist.

In der Serie „Drei Fragen und Antworten“ will die iX die heutigen Herausforderungen der IT auf den Punkt bringen – egal ob es sich um den Blick des Anwenders vorm PC, die Sicht des Managers oder den Alltag eines Administrators handelt. Haben Sie Anregungen aus Ihrer tagtäglichen Praxis oder der Ihrer Nutzer? Wessen Tipps zu welchem Thema würden Sie gerne kurz und knackig lesen? Dann schreiben Sie uns gerne oder hinterlassen Sie einen Kommentar im Forum.


(axk)



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Bahnausfall: Wartungsarbeiten künftig nur von 0 bis 4 Uhr


Nach zuerst nur stückweisen und zögerlichen Erklärungen zum bundesweiten Ausfall des Zugverkehrs hat die Deutsche Bahn nun einige technische Details zu den Ursachen vorgelegt. Ebenso soll es für künftige Wartungsarbeiten neue Regeln geben, denn: laut Bahn „planmäßige Instandhaltungsarbeiten“ hatten zum Stillstand aller Züge geführt. Von einem fehlgeschlagenen Softwareupdate hatten in der fraglichen Nacht bereits dpa und SWR berichtet, die Bahn hat das nun bestätigt.

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In einem am Freitag veröffentlichten Blogbeitrag beschreibt die Deutsche Bahn, dass der Austausch eines Netzwerk-Switches ursächlich die Probleme verursacht hat. Dabei habe es dann, so wörtlich, einen „singulären Softwarefehler“ gegeben, aber keine Fehlermeldung. Das resultierte in einem Ausfall des Mobilfunksystems GSM-R, ohne das Züge nicht fahren dürfen. Für GSM-R gibt es laut Bahn zwar ein redundantes System – das wurde aber nicht automatisch aktiviert. Es scheint, als wäre diese Umschaltung von einer Fehlermeldung abhängig gewesen, diese blieb aber wie beschrieben aus.

Für einen solchen Fall, schreibt die Bahn, ist zunächst ein Cyberangriff auszuschließen. Das erscheint sinnvoll, denn in solchen Fällen könnte man seinen eigenen Systemen nicht mehr trauen. Durch übereilte Gegenmaßnahmen an der falschen Stelle können dann die Probleme nur größer werden. Nach 90 Minuten haben dann Mitarbeiter der Bahn manuell die „Rückfallebene“ aktiviert, die Züge konnten wieder fahren.

Das deckt sich mit Beobachtungen von heise online und zahlreichen Berichten von Reisenden: Schon gegen 0:30 Uhr bewegten sich einige Züge wieder. Die ersten Meldungen von im Bahnverkehr beschäftigten Personen über den Ausfall von GSM-R und damit des gesamten Zugverkehrs gab es gegen 22:20 Uhr. Zum zuerst befürchteten Verkehrschaos am Mittwochmorgen kam es nicht. Bei längeren Ausfällen von zentralen Bahnsystemen ist das zwangsläufig der Fall, weil Personal und Züge sich nicht da befinden, wo sie sein sollten.

Um solche Ausfälle zu vermeiden, hat die Bahn drei Maßnahmen ergriffen: Vorerst soll es keinen Austausch von Komponenten mehr geben, mit dem Hersteller des Switches soll der Fehler behoben werden. Und wohl am wichtigsten, und von Beobachtern häufig gefordert: Instandhaltungsarbeiten sollen nur noch von 0 Uhr nachts bis 4 Uhr morgens durchgeführt werden. Dann fahren auf deutschen Schienen fast nur Güterzüge, die ohne große Folgeprobleme auch auf freier Strecke anhalten können.

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Der Chef der Schienen, der Vorstandsvorsitzende der DB InfraGO, Philipp Nagl, beschreibt in dem Blogeintrag zudem, dass man derzeit für GSM-R die „Rückfallebene über den öffentlichen Mobilfunk“ neu aufstellen würde. An der Sanierung von GSM-R arbeitet die Bahn laut Nagl schon länger, es soll unter anderem resilienter werden. Noch mindestens zehn Jahre soll das auf 2G basierende System der Bahn noch gebraucht werden, erst dann soll nur noch der Zugfunk-Standard FRMCS (Future Railway Mobile Communication System) genutzt werden. Aber, so die Bahn: FRMCS sei durch die Europäische Union noch nicht spezifiziert, daher könnten Komponenten dafür auch weder bestellt noch verbaut werden.

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(nie)



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Bundestag beschließt Recht auf Reparatur von Elektrogeräten


Deutschlands Verbraucher haben künftig ein Recht auf Reparatur. Der Bundestag beschloss am Abend die Umsetzung einer EU-Richtlinie, die sich gegen die weit verbreitete Wegwerf-Mentalität richtet. Hersteller von Waschmaschinen, Mobiltelefonen, Tablets oder E-Bikes werden damit gesetzlich verpflichtet, ihre Produkte während der üblichen Lebensdauer zu einem angemessenen Preis zu reparieren.

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Außerdem müssen die Geräte künftig so konstruiert sein, dass man sie reparieren kann. Wer also etwa den Akku so verbaut, dass ein Tausch nicht möglich ist, verstößt gegen das neue Gesetz. Die Neuregelung sieht auch Anreize für die Verbraucher vor: Entscheiden sie sich für eine Reparatur statt für den Tausch eines defekten Geräts, verlängert sich eine laufende Gewährleistungsfrist um zwölf Monate.

Der Branchenverband der Informations- und Telekommunikationsbranche, Bitkom, sieht dadurch Vorteile für Verbraucher und Umwelt. „Wer Smartphone, Tablet oder Laptop länger nutzt, spart Geld, vermeidet Elektroschrott und schont Ressourcen“, erklärt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband begrüßt die Neuregelung, fordert aber darüber hinaus einen von den Herstellern finanzierten Reparaturbonus, um das Reparieren insgesamt attraktiver zu machen.


(mho)



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