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Ein Wochenende ohne Schlaf: Zu Besuch bei einem AI-Hackathon in Berlin


Ein Wochenende ohne Schlaf: Zu Besuch bei einem AI-Hackathon in Berlin

Etwas Neues schaffen in nur 2 Tagen – das war das Ziel das AI-Hackathons 2026 im Delta Campus in Berlin.
Leandra Finke / Gründerszene

Minus fünf Grad draußen. Beschlagene Scheiben drinnen. Im Eingangsbereich des Delta Campus in Berlin-Neukölln drängen sich junge Menschen mit Laptops unter dem Arm. Niemand wartet freiwillig in der Kälte. Drinnen geht es um etwas anderes: 36 Stunden Zeit, kaum Schlaf – und die Hoffnung, dass aus einer Idee mehr wird als nur Code.

Noch ist keine Zeile programmiert – aber die Gespräche im Raum verraten: Der AI-Hackathon im Delta Campus Berlin hat begonnen. Stimmen überlagern sich, Namen und Linkedin-Profile werden ausgetauscht.

Ankommen und Kontakte knüpfen.

Ankommen und Kontakte knüpfen.
Leandra Finke/ Gründerszene

Die Menge verteilt sich schließlich auf der Fläche: Runde Tische, lange Gruppentafeln, Sofa-Ecken mit tiefen Kissen – die Location für die nächsten 36 Stunden.

Laptops klappen auf, Kabel werden gesucht, Jacken über Stuhllehnen gehängt. In der offenen Küche ist ein Frühstücksbuffet aufgebaut: Croissants türmen sich in Körben. Weitere Gespräche entstehen zwischen zwei Schlucken Kaffee: Wer kann was? Immer wieder wandern Blicke durch den Raum, auf der Suche nach möglichen Mitstreitern. Kleine Grüppchen bilden sich, lösen sich auf und finden sich neu.

105 junge Menschen versammelten sich am 24. und 25. Januar zum

105 junge Menschen versammelten sich am 24. und 25. Januar zum „hacken“.
Leandra Finke

600 Bewerbungen für ursprünglich 90 Plätze haben die Veranstalter erreicht. Unter denen, die es geschafft haben, sind Ingenieure, Programmierer, Studenten, Startup-Gründer und die, die es werden wollen. Sie kommen nicht nur aus ganz Deutschland an diesem Wochenende nach Berlin, sondern teils aus London, Brasilien oder sind Teilnehmer von Erasmus-Programmen. Deshalb wird wie so üblich Englisch gesprochen. 

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Von den 105 Teilnehmenden sind nur knapp zehn Frauen dabei – ein Ungleichgewicht, das auffällt, ohne ausgesprochen zu werden. Aber typisch für die Tech-Szene in Berlin, wie Organisator Bela Wiertz von Tech Europe sagt.

Laptops, Tablets und Bildschirme werden zügig aufgebaut.

Laptops, Tablets und Bildschirme werden zügig aufgebaut.
Leandra Finke/ Gründerszene

Viele der Teilnehmenden kennen sich bereits – sind Freunde, Kommilitonen, Co-Gründer oder haben sich auf anderen Hackathons kennengelernt. 

Klare Spielregeln

Um 10.30 Uhr startet dann die Agenda: Die Sponsoren stellen sich vor und Organisator Bela Wiertz erklärt die Spielregeln des AI-Hackathons:

  1. Es dürfen bis zu fünf Menschen ein Team bilden, aber auch Einzelkämpfer sind erlaubt.
  2. Es muss ein neues Projekt gestartet werden. Das Arbeiten an bestehenden Projekten ist nicht erlaubt!
  3. Drei Tools/Technologien der Sponsoren müssen genutzt werden.
Veranstalter Bela Wiertz erklärt den Ablauf des Hackathons.

Veranstalter Bela Wiertz erklärt den Ablauf des Hackathons.
Leandra Finke/ Gründerszene

Die Challenge ist bewusst offengehalten: Etwas Neues erschaffen, Thema frei, kein vorgegebenes Problem. Der Haken – oder der Reiz – liegt in den Tools: Da drei von vier Technologien genutzt werden sollen, gibt es nicht viel Auswahl und Spielraum. Zur Auswahl stehen Chatarmin, eine AI-Lösung für Customer Service und Marketing im E-Commerce, die Frontier-Modelle von OpenAI, das No-Code-Tool Lovable zur Erstellung von Apps und Websites per Chat sowie Tower, das AI-Agenten mit verlässlichen Daten versorgt. Was daraus entsteht, liegt in den Händen der Teams.

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Nicht alle im Raum haben mit diesen Programmen schon gearbeitet. Deshalb gibt es kompakte Einführungen, praktische Anleitungen und Ansprechpartner mit tiefem Technikverständnis. Experten gehen von Tisch zu Tisch oder sind per Discord erreichbar, beantworten Fragen. 

„Wir suchen noch…“

Wer noch ohne Team ist, sammelt sich zum Matchmaking. Man stellt sich vor. Einige bringen bereits sehr konkrete Ideen mit, andere erst eine grobe Richtung. „Das könnte passen“ – so finden sich weitere Gruppen. Denn: Niemand will allein bleiben.

It's a Match: Hier finden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen.

It’s a Match: Hier finden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen.
Leandra Finke/ Gründerszene

Der Hackathon versteht sich nicht allein als Wettbewerb um das beste Ergebnis, sondern als Lernraum: Wie formt sich ein Team unter Zeitdruck? Wie verständigt man sich auf eine gemeinsame Idee? Wie denkt man zusammen über eine Lösung nach – und nicht nur nebeneinanderher?

Post-its, Flipcharts und Co.

Zum Lunch stehen die Teams längst fest: An den Gruppentischen wird gearbeitet – Köpfe beugen sich zusammen, Vorgehensweisen werden diskutiert, Aufgaben verteilt. Post-its wandern über Tischplatten, auf Flipcharts entstehen erste Entwürfe.

Die Burritos an der Essensausgabe werden zügig abgeholt: ein Griff, ein Nicken, zurück an den Platz. Das Essen läuft nebenbei – das Projekt nicht. Der Fokus liegt klar auf dem, was in den nächsten Stunden entstehen soll.

Dima Durah (rechts) ist eine der wenigen Teilnehmerinnen. Sie hat bereits ein Startup gegründet und arbeitet gemeinsam mit Jonathan Stöterau an einer neuen Idee.

Dima Durah (rechts) ist eine der wenigen Teilnehmerinnen. Sie hat bereits ein Startup gegründet und arbeitet gemeinsam mit Jonathan Stöterau an einer neuen Idee.
Leandra Finke/ Gründerszene

Die Gruppen sind bunt gemischt: Unterschiedliche Erfahrungslevel und Generationen arbeiten miteinander. Das Alter der Teilnehmenden liegt zwischen 18 bis Ü40, alle eint der Antrieb, den AI-Hackathon für sich zu entscheiden. 

Ideen und Herangehensweisen skizziert das Team um Ridvan Sibic (rechts).

Ideen und Herangehensweisen skizziert das Team um Ridvan Sibic (rechts).

Die Gruppe um Ridvan Sibic hat einen festen Plan: eine Idee finden, die für den Sponsor Arbio Sinn ergibt. Also das Gespräch suchen, Rückfragen stellen, verstehen, worauf es ankommt – in diesem Fall im Kontext von Reiseunterkünften.

Schritt zwei ist technisch: Welche der vergebenen Tools macht Sinn? Dann die Leitfragen: Was macht Spaß? Was würde man selbst nutzen? Was nervt im Alltag? Wo entsteht ein Wow-Effekt? Der Anspruch ist nicht maximale Komplexität, sondern Freude am Produkt. Es darf leicht sein, solange es funktioniert.

Konzentriertes Co-Working.

Konzentriertes Co-Working.
Leandra Finke/ Gründerszene

Anschließend geht es an den Bau: aus der Idee wird ein Agent. Ridvan übernimmt dabei die Rolle des Erfahrensten, lenkt, priorisiert, bremst auch mal. Erwartungen werden bewusst heruntergeschraubt, Ziele realistisch gesetzt, erklärt er. „Hier muss nicht das nächste Microsoft entstehen.“ 

Inzwischen ist es Abend geworden, 21 Uhr. Die Sonne ist längst untergegangen, der Delta Campus noch hell erleuchtet. Leere Pizzakartons stapeln sich in den Ecken, es riecht noch nach Tomatensoße. Die ersten Teilnehmer haben sich auf den Weg nach Hause oder ins Hostel gemacht. Zum Schlafen, um an Tag zwei wieder fit zu sein. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es im Delta Campus nicht.

In der Küche stapeln sich XXL-Pizzakartons.

In der Küche stapeln sich XXL-Pizzakartons.
Leandra Finke/ Gründerszene

Rund 40 Menschen sind am späten Samstagabend noch da und arbeiten: Codes laufen über die Bildschirme, man hört leises Tippen auf Tastaturen. Es ist ruhiger geworden, die lebhaften Gespräche vom Mittag sind verstummt. Manche Gruppen haben sich in Glaskästen zurückgezogen, um ungestört zu arbeiten. Wer hier noch sitzt, arbeitet, denkt, tüftelt, versucht, die verbleibenden Stunden optimal zu nutzen.

Bis spät in die Nacht wird hier gecodet.

Bis spät in die Nacht wird hier gecodet.
Leandra Finke/ Gründerszene

Auf den Tischen stapeln sich Cola- und Mate-Flaschen, leere Energy-Dosen und Kaffeebecher – Koffein bringt die Verbleibenden durch die Nacht.

Durchgemacht für die Deadline

Am frühen Sonntagmorgen füllt sich der Raum im Erdgeschoss des Delta Campus. Aber nicht alle sind wieder gekommen.

Während die meisten Teilnehmer einigermaßen ausgeruht wirken, haben rund 20 von ihnen die Nacht durchgearbeitet und nur ein paar Stunden auf der Couch geschlafen – mehr nicht. Der ein oder andere legt den Kopf auf die Tischplatte, fällt über der Tastatur in einen Sekundenschlaf.

Durchgemacht hat dieses Team – mit Koffein im System.

Durchgemacht hat dieses Team – mit Koffein im System.
Leandra Finke/ Gründerszene

Bis 14 Uhr müssen alle Projekte fertig sein. Der Sonntag ist Endspurt-Zeit: Videos werden nun aufgenommen, in denen die Teams ihre Ideen und Lösungen präsentieren. Maximal zwei Minuten darf jedes Video dauern – also präzise, auf den Punkt und ohne Ausschweifungen. Danach liegt alles in den Händen der Jury, die sich aus den Sponsoren des Hackathons zusammensetzt.

Kurz vor der Deadline liegt spürbare Anspannung in der Luft. Tastaturen klappern, Mauszeiger fliegen über Bildschirme, Gruppen diskutieren noch letzte Details. Viele arbeiten bis zur allerletzten Minute, reichen ihre Projekte erst kurz vor knapp ein.

„Hast du submittet?“

Und dann: Erleichterung. Schulterklopfen, High-Fives. Stolz mischt sich mit Erschöpfung. Aber: Nicht alle sind pünktlich fertig geworden. Nicht alle haben ihr Projekt eingereicht.

Eine Stunde gilt es nun zu überbrücken bis zur Bekanntgabe der Finalisten. Die Jury zieht sich zurück – insgesamt 27 Projekte gilt es zu bewerten. Bewertet werden Kreativität und technische Komplexität. Bonuspunkte gibt es für den effektiven Einsatz von Partnertechnologien.

Manche nutzen die Stunde Freizeit, um frische Luft zu schnappen und machen einen kurzen Abstecher zur Dönerbude an der nächsten Straßenecke. Andere wiederum suchen Ablenkung im Ping-Pong-Turnier.

Ping-Pong oder lieber ein kurzer Power-Nap?

Ping-Pong oder lieber ein kurzer Power-Nap?
Leandra Finke/ Gründerszene

Das Finale

Gegen 15.30 Uhr startet schließlich die Finalistenrunde: Drei Teams werden aufgerufen und haben jeweils fünf Minuten Zeit, ihre Hackathon-Projekte auf der Bühne vor allen zu präsentieren. Es wird laut geklatscht und anerkennend genickt.

Die Sidequest des Sponsors Arbio hat dieses Team für sich entschieden.

Die Sidequest des Sponsors Arbio hat dieses Team für sich entschieden.
Leandra Finke/ Gründerszene

Das Rennen um den Hauptpreis macht schließlich Team „MedAccura“ unter der Leitung von Tim Schwarz, einem Arzt, der den Alltag in Kliniken bestens kennt. Es ist sein zweiter Hackathon.

Seine Idee: einen AI-Agenten für Health-Tech entwickeln. Das Problem: Ärzte begegnen täglich einer Vielzahl an Patienten mit den unterschiedlichsten Krankheitsbildern und Vorerkrankungen, sagt er. Gleichzeitig müssen sie ständig auf dem neuesten Stand der medizinischen Leitlinien sein – PDFs, die mehrere hundert Seiten umfassen, erklärt Schwarz. Eine kaum zu bewältigende Herausforderung im stressigen Klinikalltag.

Die Lösung von MedAccura: ein System, in das alle Leitlinien-PDFs eingespeist werden, sodass Ärzte per Schnellsuche und mithilfe von OpenAI/ChatGPT gezielt auf relevante Passagen zugreifen können.

Gewinner und Sponsoren des ersten AI-Hackathons 2026 im Delta Campus.

Gewinner und Sponsoren des ersten AI-Hackathons 2026 im Delta Campus.
Tech Europe

Die Jury lobt: „Dieses Projekt zeichnet sich durch eine große technische Tiefe aus und wurde in kürzester Zeit realisiert. Es hat wirklich großartige Ergebnisse erzielt, die die Welt zu einem besseren Ort machen können, insbesondere Krankenhäuser.“ Das Team will das Projekt weiter verfolgen und sich auch nach dem Event wiedersehen, um zu prüfen, ob ihre Lösung in der Praxis funktionieren könnte.

Mit diesen Worten wird der Hackathon offiziell beendet. Die Jury ergänzt zum Abschluss: „Wir sind von euch allen sehr beeindruckt.“





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5 neue Startups: Soverli, Ruby Care, Talero, Ramp7, Laioutr


#Brandneu

Neue Gründerinnen und Gründer machen sich auf den Weg! Wir präsentieren heute folgende Auswahl frischer Startups, die man kennen sollte: Soverli, Ruby Care, Talero, Ramp7 und Laioutr.

5 neue Startups: Soverli, Ruby Care, Talero, Ramp7, Laioutr

Heute präsentiert deutsche-startups.de wieder frische Startups, die in letzter Zeit an den Start gegangen sind oder gerade erst ihren Stealth-Mode verlassen haben. Weitere neue Unternehmen findet ihr in unserem Newsletter  Startup-Radar.

Soverli 
Das Startup Soverli aus Zürich, von Ivan Puddu und Moritz Schneider ins Leben gerufen, hat ein Sicherheitssystem für Smartphones im Angebot. „Soverli’s parallel multi-operating system technology lets sovereign code and sensitive data run securely on smartphones – without giving up the familiar apps and functionality people rely on“, so die Jungfirma. 

Ruby Care
Bei Ruby Care aus Berlin handelt es sich um den “ersten KI-Agenten für onkologische Unterstützung”. “Unsere Plattform verbindet Krebspatienten mit einem Netzwerk qualifizierter Spezialisten für unterstützende Pflege, um die Lebensqualität der Patienten zu verbessern und die Überlebensraten zu erhöhen”, so das von Lukasz Siemaszko gegründet Startup.

Talero
Talero aus Frankfurt am Main unterstützt Menschen dabei, “ihre Stärken zu erkennen und selbstbewusst Entscheidungen über Ausbildung und Karriere zu treffen”. “Our platform empowers individuals to uncover their true potential through interactive, story-based games that seamlessly assess IQ, EQ, and personality traits” heißt es vom Team der Gründer Amin Hashemi und Arash Keshavarzi .

Ramp7
Die Firma Ramp7 aus Mannheim, von Nina Amthor und Hardy Foerster an den Start gebracht, bietet eine Software für die Echtzeit-Budgetkontrolle für Marketing & IT. “Ramp7 digitalisiert die Schnittstelle zwischen einem auftraggebenden Unternehmen und seinen Dienstleistungspartnern: Kosten und Timings werden für beide Seiten in Realtime transparent”, heißt es.

Laioutr
Hinter Laioutr aus Berlin, von Sebastian Langer und Marcel Thiesies auf die Beine gestellt, verbirgt sich eine Frontend-Management-Plattform für Composable Commerce. Mit der von Laioutr angebotenen Lösung können “globale Händler mühelos hochwertige Storefronts erstellen und verwalten”.

Tipp: In unserem Newsletter Startup-Radar berichten wir einmal in der Woche über neue Startups. Alle Startups stellen wir in unserem kostenpflichtigen Newsletter kurz und knapp vor und bringen sie so auf den Radar der Startup-Szene. Jetzt unseren Newsletter Startup-Radar sofort abonnieren!

WELCOME TO STARTUPLAND


SAVE THE DATE: Bereits am 18. März findet unsere dritte STARTUPLAND statt. Es erwartet Euch wieder eine faszinierende Reise in die Startup-Szene – mit Vorträgen von erfolgreichen Gründer:innen, lehrreichen Interviews und Pitches, die begeistern. Mehr über Startupland

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Bing Image Creator – DALL·E 3



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2026 im Zug kein Internet – warum haben wir uns daran gewöhnt?


Schlechter Empfang im ICE ist kein Zufall, sondern System. Seit über zehn Jahren scheitert Deutschland nicht an Technik, sondern an einer anderen Sache.

2026 im Zug kein Internet – warum haben wir uns daran gewöhnt?

Das miserable Internet im Zug ist ein Symbol für den schleppenden digitalen Fortschritt in Deutschland
Getty Images / Kirill Kudryavtsev

Ich sitze im ICE auf dem Weg nach Berlin. Der Hochgeschwindigkeitszug rumpelt mit 140 km/h durch den Westen Deutschlands, es ist warm und der Laptop lädt an der Steckdose. Alles da – nur das Internet ist mal wieder abwesend. Und wenn zwei 5G-Balken auftauchen, sind sie schneller weg, als man Digitalinfrastruktur sagen kann. Mails brechen ab, Recherchen laden ins Leere, Videocalls kann man vergessen. Willkommen im digitalen Entwicklungsland auf Schienen.

Das ist kein Ausreißer. Kein unglücklicher Streckenabschnitt. Das ist der Normalzustand. Und genau darin liegt das Problem. Denn das löchrige Netz im ICE ist kein technisches Detail, sondern ein Symbolbild für den Zustand der Digitalisierung in Deutschland.

Das Absurde daran: Dieses Problem ist seit mehr als zehn Jahren bekannt. Seit über einem Jahrzehnt wird darüber diskutiert, warum mobiles Internet in Zügen nicht funktioniert. Es gab Pilotprojekte, Kooperationsankündigungen, Förderprogramme, Pressemitteilungen. Und trotzdem sitze ich 2026 im Zug und starre auf eine Ladeanzeige, die sich weigert, Fortschritt zu simulieren. Hinter dem Ärger formuliert sich die Frage:

„Warum dauert in diesem Land eigentlich alles so unfassbar lange?“

Die Antwort ist unbequem, aber bekannt: Zuständigkeiten werden verteilt, bis sie verdampfen. Föderalismus wird zur Ausrede, Vergaberecht zur Innovationsbremse, Datenschutz zum Totschlagargument. Jeder erklärt, warum es kompliziert ist – niemand entscheidet, wie man es pragmatisch löst. Fortschritt wird nicht ermöglicht, sondern verwaltet.

In Deutschland wird Digitalisierung behandelt wie ein Bauantrag: formal korrekt, politisch abgesichert, juristisch wasserdicht – und garantiert zu spät. Während andere Länder Dinge einfach ausprobieren, testen, scheitern und verbessern, diskutieren wir erst einmal jahrelang über Risiken, Standards und Zuständigkeiten. Am Ende ist man dann sehr stolz darauf, dass man „gründlich“ war. Nur leider ist die Welt längst weitergezogen.

Die Bahn ist dabei kein Sonderfall, sondern exemplarisch. Die Deutsche Bahn steht für ein System, das strukturell überfordert ist: politisch gesteuert, organisatorisch komplex, mit erstaunlich wenig Konsequenzen für jahrelanges Nichterreichen klar formulierter Ziele. Das Problem ist nicht mangelnder Einsatz einzelner, sondern ein System, das Verantwortung so fein verteilt, dass sie niemand mehr trägt.

Es geht um mehr als nur das Internet

Dabei geht es längst um mehr als Bequemlichkeit oder Netflix im Zug. Digitale Infrastruktur ist strategische Infrastruktur. Wer kein stabiles Netz hat, ist abhängig – von US-Plattformen, von chinesischer Hardware, von ausländischen Cloud-Anbietern. Deutschland spricht gerne von digitaler Souveränität, von Unabhängigkeit, von technologischer Resilienz. Aber Souveränität beginnt nicht bei KI-Strategien oder Hochglanzpapieren, sondern bei funktionierenden Netzen.

Ein Land, das es nicht schafft, auf seinen wichtigsten Bahnstrecken verlässliches Internet bereitzustellen, sollte sehr vorsichtig sein, wenn es von digitaler Unabhängigkeit spricht. Wer nicht einmal die Basis hinbekommt, wird bei den komplexen Fragen zwangsläufig zum Zaungast.

Vielleicht ist das größte Problem also gar nicht das Funkloch im ICE. Sondern die bemerkenswerte Gelassenheit, mit der wir es seit über einem Jahrzehnt akzeptieren. Man hat sich daran gewöhnt. Und Gewöhnung ist der natürliche Feind von Fortschritt.





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+++ Mochi +++ Pitch +++ Lakestar +++ AENU +++ Neura Robotics +++


#StartupTicker

+++ #StartupTicker +++ Live im STARTUPLAND: Michael Cassau (NexDash, Grover) +++ Startup der Woche: Mochi +++ Pitch wächst auf 10 Millionen ARR +++ Lakestar und die Fondsperformance +++ AENU: Robert Stoecker wird Partner +++ So wurde Neura Robotics zum Millionenhit +++

+++ Mochi +++ Pitch +++ Lakestar +++ AENU +++ Neura Robotics +++

Was gibt’s Neues? In unserem #StartupTicker liefern wir eine kompakte Übersicht über die wichtigsten Startup-Nachrichten des Tages (Montag, 26. Januar).

#STARTUPLAND

STARTUPLAND: Founders. VCs. Visionaries

+++ Am 18. März findet im RheinEnergieStadion in Köln unsere dritte STARTUPLAND Conference statt. Es erwartet Euch wieder eine faszinierende Reise in die Startup-Szene – mit Vorträgen von erfolgreichen Gründer:innen, lehrreichen Interviews und Pitches, die begeistern. Mehr über STARTUPLAND

Live im STARTUPLAND: Michael Cassau (NexDash, Grover)

+++ Das Berliner Startup NexDash positioniert sich als Neo-Carrier. Vor NexDash gründete Michael Cassau das Unternehmen und spätere Unicorn Grover, das insbesondere Unterhaltungselektronik vermietet. Sein Thema im STARTUPLAND: Seriengründen heißt umlernen – nicht wiederholen.

#STARTUPTICKER

Mochi
+++ Die Jungfirma
Mochi ist unser Startup der Woche! Das Unternehmen aus Berlin kümmert sich um die Analyse und Bewertung von Lebensmitteln und Kosmetikprodukten. „Scanne Produkte und erfahre sofort, wie gesund sie sind und wie gut sie anderen schmecken. Mochi ist die smarte, soziale Food-App für alle, die Essen bewusst genießen wollen“, teilt die Firma mit. Gründer des Startups sind KoRo-Macher Piran Asci, der den Food-Shop im Sommer 2024 verlassen hat, und Fabian Lucas (zuletzt 7Mind, Kitchen Stories). Mehr neue Startup gibt’s in unserem Startup-Radar

Tipp: Im Startup-Radar-Newsletter, unserem Premium-Newsletter rund um neue Startups, stellen wir einmal in der Woche spannende neue Startups vor. Jetzt 30 Tage kostenlos testen!

Pitch
+++ Zahlencheck! Um das Berliner Startup Pitch, einem millionenschweren Powerpoint-Herausforderer, war es seit dem Abgang von Gründer Christian Reber Anfang 2024 extrem ruhig. Damals trat die Jungfirma, 2018 gegründet, komplett auf die Bremse (Abkehr vom Wachstumskurs, Entlassungen). Zuletzt arbeitete das kleine Team rund um Firmenschef Adam Renklint stark am Produkt. „In 2025, Pitch continued to evolve into a complete, fully connected platform for creating, personalizing, and sharing presentations“, teilt das Startup mit. Richtig spannend sind aber die Zahlen des Unternehmens, das seit dem Start mehr als 135 Millionen US-Dollar eingesammelt hat. Laut Seriengründer Reber kommt Pitch inzwischen auf 10 Millionen Annual Recurring Revenue (ARR). Zudem arbeite das Unternehmen inzwischen profitabel. Der harte Kurswechsel war somit richtig. Im Handelsregister ist bisher nur der Jahresabschluss für 2023 aufrufbar – damals erwirtschaftete Pitch rund 3,7 Millionen Euro Umsatz (Vorjahr: 2,2 Millionen). Es scheint so, als könnte Pitch doch noch eine Erfolgsgeschichte werden. Auch wenn beim Start vor acht Jahren die Erwartungen sicherlich sehr viel größer gewesen waren. (Linkedin) Mehr über Pitch

Lakestar
+++ Lesenswert! Der umtriebige Schweizer Venture Capitalist Lakestar, hinter dem vor allem der bekannte Investor Klaus Hommels steckt, legt – wie im vergangenen Jahr berichtet – keine weiteren generalistischen Risikokapitalfonds mehr auf. Das Manager Magazin schreibt dazu: „Offiziell, um sich auf Wetten wie Helsing oder Revolut zu fokussieren. Doch die Fondsperformance ist allenfalls mittelmäßig.“ (Manager Magazin) Mehr über Lakestar

AENU
+++ Aufstieg! Robert Stoecker wird Partner beim Berliner ClimateTech-Investor AENU, hinter dem die Szeneköpfe Fabian und Ferry Heilemann stecken. „Rob joined as our first full-time hire and has been central to shaping AENU’s early investment strategy, portfolio and reputation“, teilt der Geldgeber mit. AENU legte 2024 seinen ersten Fonds auf (Linkedin) Mehr über AENU

Neura Robotics
+++ Hörenswert! Im OMR-Podcast spricht Neura-Robotics-Gründer David Reger über seinen Lebensweg und wie er „innerhalb weniger Jahre von Null auf mehr als 1200 Mitarbeitende und Millionen-Umsätze skaliert ist“ Neura Robotics sammelte zuletzt beachtliche 120 Millionen ein – unter anderem von Lingotto Investment Management, BlueCrest Capital Management und Volvo Cars Tech Fund. Zuvor flossen rund 65 Millionen in das junge Unternehmen, insbesondere von der amerikanischen Private-Equity-Gesellschaft InterAlpen Partners, die schon früh bei Tesla einstieg, sowie Vsquared Ventures, Primepulse und HV Capital. (OMR) Mehr über Neura Robotics

leitspalt
+++ Das junge Aachener Startup leitspalt entwickelt „Batteriesysteme der nächsten Generation“. „In den kommenden zwölf Monaten planen wir eine etwaige Verdopplung des Teams“, sagt Gründerin Jana Maria Weinand. Mehr über leitspalt

Was ist zuletzt sonst passiert? Das steht immer im #StartupTicker

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Bing Image Creator – DALL·E 3



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