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Europas 174-Milliarden-Lücke: Müssen Privatinvestoren die Digitalnetze retten?


Europa träumt von der digitalen Dekade, doch die Realität auf den Baustellen und in den Bilanzen der Netzbetreiber sieht ernüchternd aus. Bis zum Jahr 2030 will die EU jedem Haushalt Gigabit-Anschlüsse und eine flächendeckende 5G-Versorgung garantieren. Zwischen diesen politischen Ambitionen und der wirtschaftlichen Umsetzung klafft indes ein Loch: Laut einer Analyse des europäischen Telekommunikationsmarkts der Unternehmensberatung Kearney fehlen mindestens 174 Milliarden Euro an zusätzlichen Investitionen, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Sollte diese Lücke nicht geschlossen werden, könnten bis zum Ende des Jahrzehnts rund 45 Millionen EU-Bürger ohne adäquate Netzwerkverbindung bleiben.

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Bitter für den Standort Deutschland ist dessen Abschneiden im „European Telecom Health Index“, der erstmals Teil der Studie ist. Die größte Volkswirtschaft des Kontinents landet demnach beim Wohlergehen des Sektors nur auf dem 15. Platz von 20 untersuchten Ländern. Damit rangiert die Bundesrepublik im unteren Drittel, weit hinter digitalen Vorreitern wie Norwegen, Schweden oder Portugal. Deutschland erreicht lediglich 64 von 100 möglichen Punkten.

Dieser Befund bestätigt frühere einschlägige Ergebnisse. Er birgt laut Kearney erhebliche Risiken für die künftige Wettbewerbsfähigkeit. Denn gerade Länder in der unteren Hälfte des Index vereinten rund 70 Prozent der europäischen Bevölkerung und fast zwei Drittel der Wirtschaftsleistung.

Das Kernproblem der Branche ist laut der Untersuchung hausgemacht und systemisch. Die etablierten Telekommunikationsanbieter sind finanziell am Limit, da sie durch hohe Schuldenlasten und moderate Renditen kaum Spielraum für große Vorleistungen haben. Selbst der Branchenverband Connect Europe räumt ein, dass der Sektor zu schwach sei, um die Last allein zu schultern. In Deutschland zeigt sich zudem ein paradoxes Bild: Zwar erzielen die Betreiber noch solide Kapitalrenditen von rund zehn Prozent. Dieser Erfolg basiert aber weitgehend auf der hohen Auslastung veralteter Kupfer- und Koaxialnetze.

Glasfaser erreicht in Deutschland inzwischen rund die Hälfte der Haushalte. Doch die Anschlussquote liegt gerade einmal bei knapp über 25 Prozent. Viele Kunden nutzen weiterhin die bestehende Altinfrastruktur, was Erträge aus den neuen Investitionen nur schleppend fließen lässt. Gleichzeitig wächst die Unzufriedenheit: In schlechter abschneidenden Märkten wie Deutschland äußern Kunden eine höhere Wechselbereitschaft und fordern häufiger bessere Servicequalität sowie stabilere Netze als in den Top-Nationen.

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Derweil geht die technologische Entwicklung weiter. Der Internetverkehr in Europa hat sich der Analyse zufolge zwischen 2014 und 2022 fast verneunfacht und wächst jährlich um weitere 20 bis 25 Prozent. Der eigentliche marktverändernde Faktor sei die Künstliche Intelligenz (KI), deren Adoption den Bedarf an Rechenzentrumskapazitäten bis 2030 voraussichtlich verdreifachen werde. Firmen benötigten deutlich mehr Cloud-Kapazitäten und Rechenleistung, um mit der globalen Entwicklung Schritt halten zu können.

Allein durch einen verstärkten KI-Einsatz prognostizieren andere Berater wie Goldman Sachs einen Anstieg des Strombedarfs in Rechenzentren um 165 Prozent bis 2030. Diese Entwicklung mache deutlich, dass digitale Infrastruktur – Glasfaser, 5G und Edge-Knoten für Rechenleistung an den Enden der Netze – längst kein Nischenthema mehr sei, heißt es bei Kearney. Sie bilde das Fundament für moderne Innovation, Kommunikation und die Souveränität Europas. Die Konstitution der Wirtschaft hänge direkt von dieser Basis ab.

In dieser misslichen Lage schlägt laut den Autoren die Stunde von Private-Equity-Häusern und spezialisierten Infrastrukturfonds, die sich zu „verkannten Helden“ der digitalen Transformation entwickelten. Wenn Regierungen und klassische Netzbetreiber an ihre Grenzen stießen, verfügten solche Akteure der privaten Märkte noch über hinreichend tiefe Taschen: Das weltweit verwaltete Vermögen in privaten Infrastrukturanlagen habe sich im vergangenen Jahrzehnt auf die Rekordsumme von 1,4 Billionen US-Dollar vervierfacht. Investoren würden aktuell vor allem von stabilen, versorgertypischen Cashflows und dem enormen Aufwärtspotenzial durch KI und die Cloud angezogen.

Erste Großtransaktionen in Europa unterstreichen den Trend. Die Deutsche Telekom verkaufte 51 Prozent ihrer Funkturmsparte für 10,7 Milliarden Euro an Brookfield und DigitalBridge, um Schulden abzubauen und 5G-Investitionen zu finanzieren. Vodafone veräußerte Anteile an Vantage Towers an KKR und GIP. Auch im Glasfaserbereich seien Investoren wie Antin oder KKR drauf und dran, den Rollout in unterversorgten Gebieten zu beschleunigen. Private Capital sei mittlerweile kritisch, damit Europa mehr seiner eigenen Daten hosten und die Abhängigkeit von US-Hyperscalern abbauen könne.

Die Studie verdeutlicht, dass Europa seine Marktstrukturen dringend überdenken müsse. Während in den USA und China jeweils nur etwa drei große Anbieter den Markt dominierten und auf über 97 Prozent des Umsatzes kämen, sei der europäische Sektor allein mit 90 Mobilfunkbetreibern sehr fragmentiert. In Deutschland kämpften hier weiter vier Anbieter um Anteile. Märkte mit drei Betreibern erzielten im Durchschnitt höhere Gewinnmargen und bessere Kapitalrenditen.

Kearney rät daher, die Konsolidierung voranzutreiben. „Buy-and-Build-Strategien“ etwa könnten helfen, kleinere Akteure zu effizienten Plattformen zu verschmelzen. Dies dürfte wiederum bei regionalen Glasfaseranbietern oder Rechenzentren zu Skaleneffekten führen, die niedrigere Stückkosten und mehr Innovation ermöglichten. Auch die Aufspaltung in reine Infrastruktur- und Dienstleistungsgesellschaften wird als logischer Schritt gesehen, um spezialisierte Investoren anzulocken.

Damit das private Geld dauerhaft in europäische Netze fließt, so das Fazit der Berater, muss die Politik die Rahmenbedingungen ändern. Investoren bräuchten Planungssicherheit: Es müsse klar sein, welche Preise sie für die Netznutzung verlangen dürfen und wie die Vergabe von Funkfrequenzen langfristig abläuft. Ferner bremse zu viel Bürokratie den Fortschritt. Genehmigungen für neue Glasfaserleitungen oder Rechenzentren müssten deutlich schneller erteilt werden – etwa durch eine „Überholspur“ für digitale Bauprojekte. Auch finanzielle Anreize wie Steuergutschriften könnten helfen, das Interesse privater Geldgeber zu sichern.

Der Ruf nach mehr Private Equity ist nicht ohne Risiko. Kritiker geben zu bedenken, dass Finanzinvestoren oft auf kurzfristige Gewinnmaximierung und eine baldige gewinnbringende Weiterveräußerung schielen. Das harmoniert nicht immer mit dem staatlichen Interesse an einer dauerhaften, bezahlbaren Grundversorgung für alle Bürger. Zudem besteht die Gefahr, dass durch die Ausgliederung von Netzen die technische Gesamtverantwortung der klassischen Anbieter ausgehöhlt wird.


(akn)



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Speicherkrise: Microns Kapazitätserweiterungen greifen frühestens in 1,5 Jahren


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Der US-Hersteller Micron und die Powerchip Semiconductor Manufacturing Corporation (PSMC) aus Taiwan wollen eine Partnerschaft eingehen. In einer Absichtserklärung stellen beide Firmen Rahmenbedingungen auf. Der größte Punkt: Micron will für 1,8 Milliarden US-Dollar das sogenannte Halbleiterwerk P5 von PSMC im Nordwesten Taiwans übernehmen.

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Auf knapp 280.000 Quadratmetern Reinraumfläche stellt Micron neue Produktionslinien auf und setzt eigene Mitarbeiter ein, wenn alles nach Plan verläuft. Obwohl die Wartezeit für einen kompletten Neubau entfällt, braucht die Serienproduktion aber noch mehr als ein Jahr. So viel Zeit benötigt Micron, um die notwendigen Maschinen zu beschaffen und die Herstellung nach eigener Spezifikation hochzufahren.

Vom Produktionsbeginn bis zur Fertigstellung benötigt ein Silizium-Wafer dann typischerweise noch mehrere Monate. Im zweiten Halbjahr 2027 solle das Halbleiterwerk zu einer „bedeutenden Steigerung der DRAM-Wafer-Produktion beitragen“, schreibt Micron in der eigenen Mitteilung. Im nahegelegenen Taichung betreibt Micron bereits ein Halbleiterwerk.

Parallel baut Micron ein neues Halbleiterwerk in Onondaga, New York, wo Mitte Januar der Spatenstich erfolgte. Der Hersteller vermarktet den Standort als „historische Megafab“ mit möglichen Gesamtinvestitionen von 100 Milliarden US-Dollar. Allerdings ist diese Summe bislang nur theoretischer Natur – sie beinhaltet mögliche Erweiterungen über die nächsten 20 Jahre oder mehr. Der Standort ist groß genug für vier Halbleiterwerke, zunächst entsteht aber nur eins. Bis dort die Serienproduktion anläuft, dürften mehrere Jahre vergehen.

PSMC will derweil die Maschinen und Mitarbeiter des P5-Werks in das 51 km entfernte P3-Werk in Hsinchu überführen. Massenkündigungen sind laut Mitteilung nicht geplant. Im Rahmen eines Lizenzabkommens will PSMC seine Fertigung insgesamt modernisieren und auf KI-Produkte auslegen. Neben DRAM beinhaltet das etwa Interposer und Stapeltechnik. Teilweise soll PSMC auch das sogenannte Packaging für Micron-Speicher übernehmen, also dessen Speicherchips in Kunststoffgehäuse verpacken.

DRAM stellt PSMC bisher mit Strukturbreiten der 20-Nanometer-Klasse her, was alles zwischen 20 und 29 nm beinhaltet. Micron und die Konkurrenten Samsung sowie SK Hynix haben bereits mehrere Generationen in der 10-nm-Klasse aufgelegt. PSMC fungiert gleichzeitig als Chipauftragsfertiger, bietet für Logikchips allerdings nur Prozesse bis 40 nm an.

Lizenzabkommen zwischen kleinen und großen Speicherherstellern sind schon lange üblich. Bisherige DRAM-Patente hat PSMC bereits von der jetzigen Micron-Tochter Elpida lizenziert. Eigenentwicklungen lohnen sich für die kleinen Firmen nicht, während die drei Weltmarktführer mit einem gemeinsamen Marktanteil von über 90 Prozent keine ernst zu nehmende Konkurrenz zu befürchten haben.

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Kurzfristig dürfte für PSMC die Finanzspritze von 1,8 Milliarden US-Dollar am wichtigsten sein. Seit 2023 macht der Hersteller Minus; im zuletzt berichteten dritten Quartal 2025 waren es gut 2,7 Milliarden Taiwan-Dollar, nach aktuellem Umrechnungskurs etwa 86 Millionen US-Dollar.

Der Marktbeobachter Trendforce sieht PSMC mit großem Abstand auf Platz 6 der weltweit größten DRAM-Hersteller, mit einem Marktanteil von verschwindend geringen 0,1 Prozent.


(mma)



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Meinung: E-Auto-Förderung hilft dem Klimaziel so wenig wie das Verbrenner-Aus


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Nun ist endlich bekannt, wie die Bundesregierung die „geilen“ Elektroautos fördern möchte. So nannte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) die Autos aus nationaler und EU-Produktion. Immerhin gibt es für die Neuauflage der Elektroauto-Subvention für Privatleute eine stärker gewichtete soziale Komponente als in der vorzeitig von der damaligen Koalition beendeten Vorgängerversion. Statt einer weiteren Förderung hätte indes eine von Anfang an durchgehend klare Linie der E-Mobilität wohl besser geholfen. Denn um die EU-weit vereinbarte CO₂-Reduktion im Verkehrssektor durch eine steigende Zahl von Elektroautos zu erreichen, ist schon seit Jahren der Flottenverbrauchsmechanismus in Kraft. Er kann und wird die Hersteller dazu bringen, selbst Wege zu finden, wie man günstige Elektroautos baut und in ausreichend großer Zahl unters Volk bringt. Auch daran hat Schneider auf der heutigen Pressekonferenz ganz richtig erinnert.

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Die Fähigkeiten dazu hat sich die Autoindustrie bereits in den vergangenen zehn Jahren angeeignet und wurde dabei auch, aber nicht vor allem durch die erste Kaufprämie für Elektroautos unterstützt. Sie hat vorwiegend jenen genutzt, die ohnehin genügend Geld gehabt hätten. Der Beweis nach dem Auslaufen der Förderung: Die Hersteller senkten ihre Preise, was sie dank des Aufschlags in Höhe ihres „Anteils“ an der Förderung kostenneutral tun konnten. Das Geld war also vorwiegend in Richtung Industrie geflossen, was angesichts deren Schwierigkeiten sicher hilfreich, jedoch nicht sonderlich zielgerichtet war.

Berechtigterweise wurde daher gefragt, ob nicht eine Förderung der Ladeinfrastruktur nachhaltiger gewesen wäre, genau wie es ganz aktuell die Deutsche Umwelthilfe (DUH) erneut tut. Mit solchen Fragen begibt man sich allerdings in eine Henne-Ei-Diskussion. Das Versprechen, die Ladeinfrastruktur entsprechend dem Aufwuchs der Abnehmer zu ertüchtigen, ist allerdings ein ziemlich glaubwürdiges Versprechen der Politik. Die DUH hat damit keinen Punkt.

Ebenfalls berechtigt ist der seit Jahren fast inflationär zu hörende Verweis auf die Marktmacht der chinesischen Hersteller, die dank staatlicher Unterstützung auf allen Ebenen so günstig produzieren können, dass sie den Markt aufrollen, wenn wir hier nicht handeln. Die Zahlen sprechen indes eine so überzeugende Sprache, dass Minister Schneider sie in der Pressekonferenz zur Ankündigung der Förderbedingungen geradezu genussvoll zitierte. In Deutschland dominieren demnach die deutschen und mit ein paar Prozent auch europäische Marken zu 80 Prozent den Elektroautomarkt. Den Rest teilen sich Chinesen, Koreaner und eine US-Marke. Die Gründe sind vielfältig. Einer ist, dass die Chinesen keinen Sinn in Dumping sehen, ein noch gewichtigerer die Reife der Produkte im Sinne deutscher und europäischer Kunden. Später kann und wird die Bundesregierung Entscheidungen neu ausrichten.

Innerhalb der drei Jahre jedoch, in denen die neue Subvention gelten soll, wird man aber wohl gelassen bleiben können. Idealerweise auch danach, denn dazu kommt über diesen Zeitraum eine Elektroautooffensive, wie sie ihresgleichen sucht. Nicht aus China, sondern aus dem Herzen der deutschen Autoindustrie, von Volkswagen. Aber auch andere Hersteller zeigen, dass sie nicht nur willens, sondern auch in der Lage sind, wettbewerbsfähige Elektroautos anzubieten.

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Die Delle im Verkauf hat sich die Bundesregierung selbst zuzuschreiben. Ohne Förderung wären die Zahlen anfangs etwas weniger steil gestiegen, dafür hätte es danach keinen Einbruch gegeben. Leider hat dieser zwei Ursachen. Erstens warteten potenzielle E-Auto-Käufer auf die neue Förderung. Mit solchen Mitnahmegewinnlern muss man rechnen und kann mit ihnen leben. Kein größeres Problem. Zweitens jedoch – schlimmer, weil nachhaltiger – haben schon die Diskussionen während der ersten Subventionsphase und die zahlreichen Basteleien daran und nun erst recht das Gezerre über eine erneute Förderung dazu beigetragen, das zarte Pflänzchen Vertrauen in die E-Mobilität zu schädigen. Die neue Subvention erweckt nach dieser Vorgeschichte ganz entschieden den Eindruck, E-Autos verkauften sich nur, wenn man den Käufern noch Geld hinterherwirft.

Davor allerdings haben bereits verantwortungslose Politiker einer zukunftsverzagten Klientel nach dem Mund geredet, die ein für alle Mal das Heimchen an den Herd und den Sprit in den Tank zurückwünscht. Für Wählerstimmen haben diese Politiker den Ausstieg vom Ausstieg aus der Verbrenner-Produktion ausgerufen und verkaufen die Entscheidung der EU auch noch als Durchbruch. Verständlich, dass so eine durchsichtige Strategie viel zu viele Wähler extremen Parteien zugetrieben hat, statt sie zu halten.

Die durch das Verbrenner-Aus-Aus und überflüssige öffentliche Subventionen zweifach in ihrer Glaubwürdigkeit erschütterte Autoindustrie muss nun einigen verunsicherten Kunden mehr erklären, warum Elektroautos mittlerweile für die meisten von ihnen tatsächlich besser sind. Zudem wird sie für eine längere Übergangszeit Verbrenner bauen, um eine unnötige Nachfrage einzufangen, statt sich auf Entwicklung und Bau von E-Autos konzentrieren zu können. Obwohl ihre Zeit gekommen ist. Das ganze Hin-und-Her hätte die Politik der Dekarbonisierung des Verkehrssektors besser erspart. Auch durch den Verzicht auf eine individuelle Elektroautoförderung.

Mehr zum Thema Elektromobilität


(fpi)



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Regulierungskonzept: Bundesnetzagentur skizziert den Abschied vom Kupfernetz


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Die Bundesnetzagentur hat am Montag ihr Regulierungskonzept für den Übergang von alten Kupfernetzen zu moderner Glasfaserinfrastruktur vorgestellt. Aufbauend auf das im vergangenen Frühjahr veröffentlichte Impulspapier will die Regulierungsbehörde den Entwurf als Empfehlung verstanden wissen, wie der Migrationsprozess gestaltet werden kann. Dabei ist auch der Gesetzgeber gefordert.

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Die Regulierungsbehörde spricht sich in ihrem Regulierungskonzept für ein „regelgebundenes Verfahren“ aus, in dem die Abschaltung eines bestimmten Anschlussgebietes dann eingeleitet werden kann, wenn bestimmte Voraussetzungen vorliegen: Das sind im Wesentlichen eine Anschlussquote von 80 Prozent der Haushalte in dem betroffenen Gebiet und „geeignete Vorleistungsprodukte”.

Für die Anschlussquote zieht die Bundesnetzagentur die Zahl der tatsächlich angeschlossenen Haushalte heran. Für Einfamilienhäuser ist das mindestens ein Übergabepunkt im Keller. Bei Mehrfamilienhäusern ist es ein Anschluss in der Wohnung (FTTH).

Zugleich muss der Betreiber des Glasfasernetzes ausreichende Vorleistungen anbieten, damit auch Wettbewerber ihre Kunden auf der neuen Infrastruktur versorgen können (auch als „Open Access“ bezeichnet). Wie genau diese Vorleistungen aussehen, ist bisher nicht klar und derzeit noch Gegenstand von Gesprächen mit der Branche. Es dürfte aber auf ähnlich standardisierte Zugänge wie bei DSL hinauslaufen.

Für die Migration schlägt die Bundesnetzagentur wie das Digitalministerium eine Übergangsfrist von drei Jahren vor. Ab dem Zeitpunkt, an dem die Voraussetzungen gegeben sind, kann die Abschaltung eines Anschlussbereichs angegangen werden. Abschaltpläne sollten dann mindestens drei Jahre vorher angezeigt werden. Zwei Jahre vor dem geplanten Termin dürfen in dem Gebiet dann keine DSL-Produkte mehr angeboten werden.

Die Migrationsgebiete sollten sich nach dem Willen der Bundesnetzagentur „grundsätzlich an der Kupfernetzstruktur orientieren” – das heißt, etwa an den bestehenden Kabelverzweigern – aber, wo möglich, auch an den Grenzen von Stadtteilen oder Gemeinden.

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Damit das kein Stückwerk wird, fordert die Bundesnetzagentur so etwas wie ein Gesamtlagebild. Ein „übergeordneter Migrationsplan für die gesamte Bundesrepublik“ müsste zumindest das Datum der ersten Abschaltung, weitere Meilensteine und das geplante Abschlussdatum enthalten. Nach derzeitigen Schätzungen beginnt die Abschaltung frühestens 2030 und kann zehn Jahre dauern.

Dafür müsste sich die Telekom in die Karten gucken lassen. Bisher macht der Bonner Konzern aber keine Anstalten, seine Abschaltpläne öffentlich zu diskutieren – und dazu ist die Telekom auch nicht verpflichtet. Der „übergeordnete Migrationsplan“ ist damit nur einer der Punkte, an dem der Vorschlag der Regulierungsbehörde über die geltende Rechtslage hinausgeht.

Stattdessen fährt die Telekom die Schutzschilde hoch und bemüht das von ihr schon etablierte Narrativ des „Zwangsanbieterwechsels”. Nicht Zwang, sondern der Wettbewerb um den Kunden sei entscheidend, sagte ein Telekom-Sprecher der dpa. Das Konzeptpapier werde man nun erst einmal gründlich prüfen.

Die Telekom fordert unter anderem, auch die Koax-Fernsehkabel in die Migrationspläne einzubeziehen. Das sieht das Papier der Bundesnetzagentur aber explizit nicht vor. Doch könnten die Kabelnetze eine Rolle bei der Migration spielen: als Indikator für Infrastrukturwettbewerb und Regulierungsbedarf.

Wenn in einem Anschlussgebiet ein Glasfaserbetreiber alleine übernimmt und dort kein Kabelnetz liegt, dürfte sich „kein infrastrukturbasierter Wettbewerb entwickeln“, heißt es in dem Papier der Bundesnetzagentur. Das dürfte vor allem in eher ländlichen Gebieten der Fall sein, wo sich ein zweites Netz wirtschaftlich nicht rechnet.

„In diesen Konstellationen ist der Dienstewettbewerb auf dem Glasfasernetz unabdingbar”, betont die Bundesnetzagentur. Für die Betreiber dieser Netze dürfte das heißen: Sie werden sich trotz aller Lippenbekenntnisse zu „Open Access“ darauf einstellen müssen, dass der Regulierer hier klare Verhältnisse für alle schafft.

Der Übergang von Kupfer zu Glas ist eines der wichtigsten und zugleich umstrittensten Infrastrukturprojekte der vergangenen Jahrzehnte. Wenn das politisch gewollte Ziel der flächendeckenden Versorgung mit Glasfaseranschlüssen erreicht werden soll, muss die Branche weiterhin viel in den Ausbau investieren.

Zugleich muss die Politik die Rahmenbedingungen setzen, denn die Vorschläge der Bundesnetzagentur sowie die seit Oktober 2025 vorliegenden Eckpunkte des Digitalministeriums gehen teilweise über die geltende Rechtslage hinaus. Das macht unter anderem Änderungen am Telekommunikationsgesetz (TKG) notwendig, etwa bei der bisherigen Regelung für die Abschaltung eines Kupferzugangsnetzes.

Nach derzeitiger Rechtslage hat die Telekom die Kontrolle über die Abschaltung der Kupfernetze. Das TKG gibt ihr das alleinige Recht, die Abschaltung eines Anschlussgebiets zu beantragen und damit den Weg für eine Migration auf Glasfaser freizumachen. Wettbewerber befürchten, dass die Telekom diese Macht strategisch nutzen wird und fordern deshalb ein Antragsrecht für alle.

Auch die Monopolkommission warnte, die Telekom könnte ihr altes Monopol teilweise auf die Glasfaserinfrastruktur übertragen, wenn der Regulierer nicht entschlossen handele. Von entschlossenem Handeln kann bisher aber keine Rede sein.

Die Bundesnetzagentur will ihr Konzept explizit als Debattenbeitrag verstanden wissen und nicht als regulatorische Maßnahme. Eine solche wäre im Hinblick auf das politische Umfeld auch verfrüht: Das Digitalministerium hat eigene Eckpunkte ausgearbeitet und bereitet entsprechende Gesetzesänderungen vor. Auch die EU könnte mit dem Digital Networks Act, dessen Entwurf sie in dieser Woche vorstellen will, noch Einfluss auf das Verfahren nehmen. Interessierte Parteien können das Papier der Bundesnetzagentur noch bis zum 13. März kommentieren.


(vbr)



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