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Künstliche Intelligenz

Auslegungssache 154: Alterskontrollen, Meta-Schadenersatz und der Omnibus-Streit


In Episode 154 des c’t-Datenschutz-Podcasts verzichten Redakteur Holger Bleich und heise-Verlagsjustiziar Joerg Heidrich ausnahmsweise auf einen Gast und arbeiten sich zu zweit durch gleich mehrere aktuelle Datenschutzthemen. Den Anfang macht ein Bußgeld aus Großbritannien: Die britische Datenschutzbehörde ICO verhängte gegen Reddit eine Strafe von 14,4 Millionen Pfund (rund 17,3 Millionen Euro), weil die Plattform über Jahre hinweg keine wirksame Altersüberprüfung einsetzte und so Daten von Kindern unter 13 Jahren ohne Rechtsgrundlage verarbeitete. Reddit kündigte Widerspruch an.

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Vom Bußgeld leiten die beiden über zum Thema Altersverifikation und sprechen über den Identitätsprüfer Persona. Das US-Unternehmen, an dem unter anderem Palantir-Mitgründer Peter Thiel beteiligt ist, wird von Plattformen wie Reddit, Discord und LinkedIn eingesetzt. Eine Recherche förderte zutage, dass Persona bei der Identitätsprüfung bis zu 269 Prüfschritte durchläuft, Daten mit US-Fahndungslisten und Terrorismus-Datenbanken abgleicht und 17 weitere Unternehmen einbindet. Bleich warnt davor, dass solche Dienste weit mehr Daten sammeln und weitergeben könnten, als Nutzer ahnen – und dass über die Hintertür Altersverifikation eine Art Klarnamenpflicht im Netz entstehen könnte.

Anschließend widmen sich die beiden dem Jugendschutzkonzept der SPD. Die Partei fordert ein vollständiges Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige und eine eingeschränkte „Jugendversion“ für 14- bis 16-Jährige, in der Empfehlungsalgorithmen, personalisierte Werbung und suchtfördernde Elemente wie Endlos-Scrollen abgeschaltet sein sollen. Die Altersüberprüfung soll über das europäische EUDI-Wallet laufen, das im Frühjahr 2027 starten soll.

Bleich erkennt darin zwar den datensparsamsten Ansatz unter den bisherigen Vorschlägen, sieht aber zahlreiche Probleme: Das Wallet existiert noch nicht, steht erst ab 16 Jahren zur Verfügung und schließt Menschen ohne Smartphone und Nicht-EU-Bürger aus. Zudem habe Deutschland nach Einschätzung des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags durch den Digital Services Act seine Regelungskompetenz im Bereich Jugendschutz auf Plattformen an die EU abgegeben.

Ein weiteres Thema ist ein Urteil des OLG Jena gegen Meta. Das Gericht stellte fest, dass Meta mit seinen Business-Tools eine weitreichende Überwachung der Internetnutzung betreibt, die auch nicht eingeloggte Personen erfasst und sogar sensible Gesundheitsdaten einschließen kann. Das Gericht sprach dem Kläger 3000 Euro Schadenersatz zu und ließ die Revision zum Bundesgerichtshof zu. Beide Podcaster berichten auch von ihren eigenen Erfahrungen als Kläger in Massenverfahren gegen Meta.

Beim Thema Chatkontrolle berichten sie von einer überraschenden Entwicklung im EU-Parlament: Im LIBE-Ausschuss fand sich bei einer Abstimmung keine Mehrheit für die Verlängerung der sogenannten freiwilligen Chatkontrolle, die Anfang April ausläuft. Ohne Verlängerung dürften Plattformen wie Microsoft oder Facebook nicht mehr automatisiert nach Darstellungen von Kindesmissbrauch scannen. Gleichzeitig stehen die Trilog-Verhandlungen zur eigentlichen Chatkontrolle-Verordnung an, deren Ausgang völlig offen ist.

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Zum Schluss werfen Bleich und Heidrich einen Blick auf das Omnibus-Paket zur DSGVO-Reform. Die geplanten Änderungen – darunter eine Neudefinition personenbezogener Daten, Einschränkungen es Auskunftsrechts und Sonderregeln für KI-Training – stoßen auf mehr Widerstand als erwartet. Die zypriotische Ratspräsidentschaft lehnt zentrale Vorschläge ab, auch das Parlament und die Datenschutzbehörden äußern Kritik. Das ehrgeizige Ziel, die Reform noch 2026 abzuschließen, sehen beide damit in Frage gestellt.

Episode 154:

Hier geht es zu allen bisherigen Folgen:


(hob)



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Capcom kündigt „Resident Evil Veronica“ an


Ein Remake des Survival-Horror-Klassikers „Resident Evil Code: Veronica“ erscheint 2027. Capcom hat das Spiel zum Auftakt des Summer-Game-Fest-Livestreams am Freitagabend angekündigt – mit dem ersten Trailer-Spot direkt zum Start der Veranstaltung. Das Remake heißt schlicht „Resident Evil Veronica“.

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„Resident Evil Veronica“ kommt für Playstation 5, Xbox Series X|S, Nintendo Switch 2 und über Steam für den PC in den Handel. Entwickelt wird das Remake auf Capcoms hauseigener RE Engine, die bereits die jüngsten Serienteile antrieb. Einen genauen Releasetermin nannte Capcom noch nicht.

Hauptfigur ist erneut Claire Redfield. Die Protagonistin aus dem Originalspiel war zuletzt im Remake von „Resident Evil 2“ aus dem Jahr 2019 spielbar. Die Handlung führt auf die abgelegene, von Zombies überrannte Gefängnisinsel Rockfort, wo Claire nach ihrem Bruder Chris sucht und zwischen die Fronten der Umbrella-Erbenfamilie Ashford gerät.

Das Original „Resident Evil Code: Veronica“ erschien im Februar 2000 für Segas Dreamcast. Es war der erste Serienteil, der nicht zuerst auf einer Playstation-Konsole startete. Zudem stellte es als erstes Resident Evil seine Schauplätze in Echtzeit-3D statt mit vorgerenderten Hintergründen dar. Die Handlung setzte kurz nach den Ereignissen von „Resident Evil 2“ und „Resident Evil 3“ an und füllte damit eine Lücke in der frühen Seriengeschichte. Eine erweiterte Fassung namens „Code: Veronica X“ folgte 2001 für die Playstation 2 und 2003 für den GameCube, eine HD-Version kam 2011 für Playstation 3 und Xbox 360.

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Mit Veronica setzt Capcom seine Serie an Neuauflagen fort. In den vergangenen Jahren erschienen moderne Remakes von „Resident Evil 2“ (2019), „Resident Evil 3“ (2020) und „Resident Evil 4“ (2023). Capcom wechselt sich dabei zwischen neuen Hauptteilen und Remakes älterer Spiele ab. Erst im Februar war mit „Resident Evil Requiem“ ein neuer Hauptteil erschienen.

2026 blickt die Reihe auf 30 Jahre „Resident Evil“ zurück.


(dahe)



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James Cameron erwirbt 3D-Filmtechnik aus Deutschland


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Das bei München ansässige Unternehmen Stereotec wird Teil von James Camerons Lightstorm Vision, das Technik für hochwertige 3D-Aufnahmen sowie deren Verarbeitung und Auslieferung entwickelt. Stereotec selbst stellt 3D-Kamera-Rigs her und bietet Stereografie-Dienstleistungen für die Filmproduktion an.

Das Unternehmens war unter anderem bei den Produktionen von „Dune: Part Two“, Ang Lees „Gemini Man“ und „Billy Lynn’s Long Halftime Walk“ beteiligt sowie jüngst bei immersiven Inhalten für Meta Quest und Apple Vision Pro. Beide Ang-Lee-Filme wurden in stereoskopischem 3D mit 120 Bildern pro Sekunde gedreht.

Stereotec bringt neben seiner Produktionserfahrung patentierte Technik aus knapp zwei Jahrzehnten Arbeit in Lightstorm Vision ein. Das Unternehmen hat sich auf Verfahren spezialisiert, die eine pixelgenaue Ausrichtung der beiden Kamerabilder ermöglichen sollen. Die am Set erfassten Tiefendaten sollen laut Lightstorm Vision eine spätere Automatisierung, KI-gestützte Verarbeitung und skalierbare 3D-Workflows erleichtern.

Als Beispiel für diesen integrierten Ansatz und die Zusammenarbeit zwischen Lightstorm Vision und Stereotec verweisen die Unternehmen auf den kürzlich in deutschen Kinos gestarteten 3D-Konzertfilm „Billie Eilish – Hit Me Hard and Soft: The Tour (Live in 3D)“.

Bei der Produktion kamen mehr als 17 Stereo-Kamerasysteme zum Einsatz, die über Glasfaser- und Funkverbindungen in eine gemeinsame Pipeline eingebunden wurden. Eine Echtzeit-Datenpipeline ermöglichte es den Schnittteams demnach, noch während der Show mit dem Schnitt synchronisierten 3D-Multikameramaterials zu beginnen.

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Gegründet wurde Stereotec 1997 von Florian Maier. Das Unternehmen hat seither zwölf Lumiere Awards für Leistungen im Bereich stereoskopischer 3D-Produktion gewonnen.

„Florian und ich teilen eine Vision für die Zukunft von 3D“, sagte James Cameron anlässlich der Übernahme. „Wir wollen diese Vision in den kommenden Jahren durch rasche technologische Fortschritte gemeinsam voranbringen.“


(tobe)



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Skynet-Szenario: Anthropic warnt vor KI, die sich selbst entwickelt


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KI-Schmiede Anthropic hat sich für eine weltweite Verlangsamung der Forschung und Entwicklung von Künstlicher Intelligenz eingesetzt. „Wir glauben, es wäre gut für die Welt, die Möglichkeit zu haben, die Entwicklung von Frontier AI zu verlangsamen oder vorübergehend auszusetzen, damit gesellschaftliche Strukturen und die Forschung zur Ausrichtung mit dem technologischen Fortschritt Schritt halten können“, erklärten Anthropic-Mitgründer Jack Clark und Anthropic-Forscherin Marina Favaro in einem Blogbeitrag.

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Dafür bräuchte es aber laut dem Autorenteam einen globalen Koordinierungsmechanismus, der eine glaubhafte Verlangsamung unter Staaten und Unternehmen sicherstellen könne. Ansonsten könnten weniger umsichtige Akteure ein solches Moratorium einfach zur technologischen Aufholjagd nutzen oder um sich einen Vorsprung zu sichern.

Anthropic begründet den Vorschlag mit den zunehmenden Fortschritten bei KI-Modellen und skizziert das Szenario, dass Menschen in deren Entwicklung immer weniger Anteil haben. Die KI werde möglicherweise irgendwann eigenständig neue KI-Modelle entwickeln können. Anthropic bezeichnet das als „rekursive Selbstoptimierung“. Eine solche KI, die sich selbst entwickelt, könne einen bedeutenden technologischen Fortschritt darstellen, berge aber auch die Gefahr, dass die Menschheit die Kontrolle verlöre.

Mit Zahlen aus dem eigenen Unternehmen will Anthropic Anzeichen für einen solchen Trend untermauern. Stand Mai 2026 stammten demnach 80 Prozent des Codes, den Anthropic in seine Codebasis einpflegt, vom Modell Claude. Im Februar 2025 habe dieser Anteil noch im niedrigen einstelligen Bereich gelegen. Die Entwickler bei Anthropic lieferten dank KI inzwischen pro Quartal im Schnitt achtmal so viel Code aus wie im Zeitraum von 2021 bis 2025.

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Doch auch qualitativ beschleunige die KI, behauptet Anthropic: Die Häufigkeit, mit der Mitarbeiter Aufgaben von Claude korrigieren oder dabei selber Hand anlegen müssten, sei stetig gesunken – auch bei offen gestellten Aufgaben ohne klare Spezifikationen. Viele Anthropic-Mitarbeiter seien der Meinung, dass der von Claude geschriebene Code Ende 2025 qualitativ noch schlechter war als der von Menschen verfasste, inzwischen aber auf gleicher Höhe. „Wir erwarten, dass er im Laufe des Jahres besser sein wird“, schreiben Clark und Favaro.

Und fügen hinzu: „Sobald die Qualität von Code, der von Menschen und von KI geschrieben wurde, gleichauf ist, werden Menschen gar keinen Code mehr schreiben, sondern sich ausschließlich auf dessen Überprüfung konzentrieren. Wenn sie den Code jedoch nicht so schnell überprüfen können, wie Claude ihn generieren kann, wird die Überprüfung durch Menschen zum Engpass in der KI-Entwicklung.“ Allerdings gestehen sie ein, dass die KI ohne menschliche Urteils- und Entscheidungskraft bislang eher ein fähiger Helfer sei. Es bleibe unklar, ob die heutigen Trainingsmethoden und Architekturen dieses menschliche Potenzial erreichen können.

Der Zeitpunkt für Anthropics Forderung nach einem Moratorium irritiert. Das Unternehmen gilt als einer der global führenden Anbieter und hat erst am Montag mitgeteilt, bei der US-Finanzaufsichtsbehörde SEC vertraulich den Börsengang beantragt zu haben. Damit hat das Unternehmen gegenüber dem ebenfalls an die Börse drängenden Erzrivalen OpenAI die Nase vorn.

Andererseits passen solche Initiativen aber auch gut in das selber gepflegte Image des besonders verantwortungsbewussten Anbieters. Ebenso ist die Betonung der Gefährlichkeit der eigenen Technologie ein offenkundig aufmerksamkeitsstarker Teil der Produktkommunikation. Bei der Vorstellung von Claude Mythos etwa hatte Anthropic den Zugriff auf das Modell zunächst auf einen kleinen Kreis von US-Unternehmen und -Behörden beschränkt. Mythos sei einfach zu gut darin, Sicherheitslücken aufzuspüren, und könne deshalb noch nicht allgemein verfügbar gemacht werden, erklärte das Unternehmen. Inzwischen dürfen auch Institutionen aus Europa darauf zugreifen, Ende Juni will Anthropic einen Bericht über die mit Mythos entdeckten Lücken vorlegen.

Generell greift die KI-Branche in ihrer Kommunikation gern zu Superlativen, die im Nachhinein mitunter auch zurückgenommen werden. So revidierte etwa kürzlich OpenAI-Chef Sam Altman seine Prognose, dass KI auf breiter Front Menschen ersetzen und zu Massenentlassungen führen werde. Altman sagte, dass er die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt doch überschätzt habe.

Dass Anthropic in einem derart umkämpften und hochdynamischen Markt wie dem der KI-Modelle eine Bremsung erreicht, ist eher unwahrscheinlich. Es wäre auch nicht die erste Forderung dieser Art, die verpufft. Im März 2023 machte sich etwa ein offener Brief für eine Zwangspause bei der Entwicklung der mächtigsten KI-Modelle stark und warnte vor gravierenden Konsequenzen der Technologie für die Menschheit. Über 1000 Personen aus Forschung und Wirtschaft hatten unterzeichnet, darunter auch Tech-Prominenz wie Elon Musk und Steve Wozniak. Großen Einfluss auf die KI-Entwicklung der folgenden Jahre hatte der Brief offenkundig nicht.

Anthropic will jedenfalls in den kommenden Monaten Gesprächsrunden mit Vertretern aus Politik, Forschung, Zivilgesellschaft und von KI-Unternehmen organisieren, um die im Blogbeitrag aufgeworfenen Fragen zu diskutieren. Ebenfalls wolle das Unternehmen Forschung vorantreiben für mögliche Sicherungssysteme einer globalen KI-Bremse. „Wenn solche Systeme existierten, würden wir voraussichtlich verlangsamen oder vorübergehend pausieren“, heißt es im Blogbeitrag – aber auch nur dann, wenn andere Entwickler auf dem technologischen Stand es ebenfalls auf überprüfbare Weise täten.


(axk)



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