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Huawei Watch GT Runner 2 im Test: Sportuhr für Läufer mit EKG überzeugt


Die Huawei Watch GT Runner 2 ist eine kompakte, leichte Sportuhr – ideal für Läufer. EKG und umfangreiche Herzgesundheits-Features gibt es obendrein.

Lange hat die Huawei Watch GT Runner auf einen Nachfolger gewartet. Mit der GT Runner 2 bringt Huawei die klar auf Läufer ausgerichtete Sportuhr zurück. Der Fokus liegt weiterhin auf dem Lauftraining, auch wenn die Uhr inzwischen deutlich breiter aufgestellt ist.

Neben klassischen Sportfunktionen integriert Huawei zahlreiche Gesundheits-Features bis hin zum EKG. Das wertet die Uhr spürbar auf, schlägt sich aber auch im Preis nieder. Ob sich die Runner 2 dennoch als Geheimtipp empfiehlt, klärt dieser Test.

Design

Die Huawei Watch GT Runner 2 richtet sich klar an Läufer und setzt konsequent auf ein leichtes, kompaktes Gehäuse. Im Vergleich zur Watch GT 6 fällt sie spürbar kleiner aus. Das Titan-Gehäuse misst 43,5 × 43,5 × 10,7 mm, die Unterseite mit den PPG-Sensoren besteht aus Kunststoff. Das reduziert das Gewicht auf 34,5 g. Am Handgelenk ist die Uhr kaum zu spüren – genau das, was man beim Laufen will.

Neben dem Touchscreen erfolgt die Bedienung über eine drückbare Krone oben rechts sowie eine frei belegbare Taste darunter. Das funktioniert direkt und zuverlässig. Unser Testgerät kommt mit einem blauen Nylonarmband samt Klettverschluss. Es sitzt sicher und ist auch bei längerem Tragen bequem – selbst im Schlaf. Der Verschluss lässt sich schnell anpassen und bei Bedarf enger ziehen, etwa für eine präzisere Pulsmessung.

Ein Nachteil: Bei starkem Schwitzen saugt sich das Band mit Feuchtigkeit voll und benötigt nach dem Abspülen etwas Zeit zum Trocknen. Huawei legt daher ein Kautschukarmband bei. Beim blauen Modell ist es schwarz, weitere Varianten gibt es in Weiß mit orangenen Akzenten sowie in Schwarz. Der Wechsel gelingt dank des Klicksystems schnell und werkzeuglos.

Die Watch GT Runner 2 ist bis 5 ATM wasserdicht (entspricht rund 50 Metern) und nach IPX9 gegen starken Wasserdruck geschützt. Schwimmen ist damit problemlos möglich. Zudem erfüllt sie die Norm EN 13319, die Anforderungen an Tauchinstrumente wie Messgenauigkeit, Ablesbarkeit unter Wasser und Druckbeständigkeit definiert – laut Huawei ist sie sogar freigegeben für Einsätze bis 40 Meter. Für das Gerätetauchen ist sie jedoch unserer Ansicht nach wegen ATM 5 weniger zu empfehlen, zum Schnorcheln kann man sie problemlos nutzen.

Display

Das runde OLED-Display misst 1,32 Zoll und löst mit 466 × 466 Pixeln auf. Es liefert eine scharfe Darstellung mit kräftigen Farben und hohem Kontrast. Insgesamt überzeugt die Bildqualität: klar, leuchtstark und jederzeit gut im Blick.

Mit bis zu 3000 Nits erreicht es eine beeindruckende Helligkeit – Inhalte bleiben selbst bei direkter Sonneneinstrahlung gut ablesbar. Die automatische Helligkeitsanpassung arbeitet zuverlässig und passt das Display unauffällig an die Umgebung an.

App & Bedienung

Als Companion-App dient Huaweis Health App. Aufgrund der US-Sanktionen ist sie nicht im Google Play Store verfügbar, der Download erfolgt alternativ per QR-Code und Sideloading. Im Samsung Galaxy Store sowie im Apple App Store steht sie hingegen regulär bereit. Die Uhr ist mit Android, iOS und Huaweis EMUI kompatibel.

Die App ist übersichtlich und zeigt die wichtigsten Gesundheitsdaten zentral an. Trainingspläne und ein Zifferblatt-Store sind integriert, viele Ziffernblätter kosten jedoch extra. Erweiterte Analysen, Trainingsprogramme und Ernährungstipps bleiben dem Abo „Health Plus“ vorbehalten.

Die Bedienung gelingt intuitiv. Neben dem Touchscreen stehen eine drückbare Krone sowie eine frei belegbare Taste zur Verfügung. Wischgesten führen durch Benachrichtigungen, Schnelleinstellungen, Infokarten und Wetterinfos. Die App-Übersicht wirkt im Rasterlayout aufgeräumt.

Als Betriebssystem kommt Harmony OS zum Einsatz. Es läuft flüssig und reagiert schnell. Über die Appgallery lassen sich zusätzliche Apps installieren, das Angebot bleibt jedoch überschaubar. Dazu zählen vor allem kleinere Tools wie eine Fernsteuerung für Spotify, Petal Maps zur Navigation oder der Bezahldienst Curve – eine zusätzliche Installation auf dem Smartphone ist dann erforderlich. Bluetooth lässt sich nicht manuell trennen, ein Flugmodus fehlt. Dafür stehen ein „Nicht-stören“-sowie ein Schlafmodus mit deaktiviertem Display zur Verfügung.

Training & Fitness

Die Pulsmessung arbeitet bei intensiven Workouts sehr genau. Im Vergleich mit einem Polar-Brustgurt weicht sie selbst bei Intervallen nur um ein bis zwei Schläge ab – auch über längere Distanzen.

Beim Warm-up auf dem Crosstrainer kam es allerdings zu ungewohnten Ausreißern: Kurzzeitig zeigte die Uhr über 190 BPM an, obwohl der tatsächliche Puls bei etwa 120 lag. Solche Fehlmessungen sind bei optischen PPG-Sensoren nicht ungewöhnlich – geringe Durchblutung und ruckartige Bewegungen können das Signal verfälschen. Im Test half es, die Uhr enger zu tragen, die Haut vorher anzuwärmen und den Trainingsmodus frühzeitig zu starten.

Auch bei der Ortung überzeugt die Runner 2. Huawei setzt auf eine entkoppelte 3D-Floating-Antenne und Dualband-GNSS mit allen gängigen Satellitensystemen. Strecken, Tempo und Routen werden zuverlässig erfasst – auch ohne Smartphone.

Die Uhr unterstützt zahlreiche Sportarten. Nutzer können Routen planen und inklusive Kartenmaterial offline auf die Uhr laden. Ein Barometer liefert Höhenprofile, ein virtueller Coach erstellt personalisierte Trainingspläne. Die Trainingsanalyse unterscheidet zwischen aeroben und anaeroben Belastungen und ordnet sie in Intensitätszonen ein. Eine Erholungsauswertung berechnet ferner auf Basis von Schlaf- und Stressdaten die Regenerationszeit. Neu ist ein Marathon-Modus, der mit strukturiertem Intervalltraining gezielt auf die große Distanz vorbereiten soll.

Neu ist ein Algorithmus zur Bestimmung der Laktatschwelle. Die Uhr führt dafür durch einen gestuften Outdoor-Lauf mit vorgegebenen Intensitäten. Im Test ließ sich die Messung allerdings nicht abschließen – sie brach mit einer Fehlermeldung ab. Wir werden das erneut prüfen und den Testbericht entsprechend aktualisieren.

Gesundheit & Schlaf

Die Watch GT Runner 2 eignet sich nicht nur für Ausdauersport, sondern bietet auch eine Vielzahl an Gesundheits-Features – ein deutliches Upgrade gegenüber dem Vorgänger.

Die Uhr ermöglicht jetzt eine 1-Kanal-EKG-Messung: Dazu berührt man das Gehäuse mit einer Hand und sitzt möglichst ruhig. Messungen erfolgen situativ und nicht im Hintergrund. Anhand des EKGs lassen sich Unregelmäßigkeiten in der Herzfrequenz erkennen – etwa Anzeichen für Vorhofflimmern. Einen Arztbesuch ersetzt die Uhr nicht, sie ist aber eine sinnvolle Kontrolle, um bei Auffälligkeiten ärztlichen Rat einzuholen.

Ergänzend analysieren die optischen PPG-Sensoren die Pulswellen und können ebenfalls Arrhythmien erkennen. Über die Huawei Health App lässt sich zudem ein Herzrhythmus-Check im Ruhezustand durchführen – die Erkennungsgenauigkeit wurde durch Updates weiter verbessert.

Ansonsten misst die Uhr die arterielle Steifigkeit – also wie stark die Arterienwände an Elastizität verloren haben. Steife Arterien erhöhen den Blutdruck und gelten als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zusätzlich erfasst sie die Herzfrequenzvariabilität (HRV) – die Abstände zwischen den Herzschlägen. Sie gilt als Indikator für Stress und Erholung: Hohe Werte deuten auf gute Fitness hin, niedrige auf Überlastung oder gesundheitliche Probleme.

Die Schlafanalyse unterscheidet zwischen Leicht-, Tief- und REM-Phasen und erkennt sporadisch nächtliche Wachzeiten. Die Ergebnisse waren weitgehend plausibel, aber weniger genau als bei einem hochwertigen Smart-Ring wie von Oura – die gemessene Schlafdauer fiel in der Regel etwas länger aus. Letztlich basieren alle Schätzungen auf Herzfrequenz-Algorithmen. Nur ein EEG könnte präzisere Angaben liefern. Als Orientierung taugt die Analyse aber gut – zumal die Uhr bequem genug ist, um nachts nicht zu stören.

Weitere Features

Die Huawei Watch GT Runner 2 verfügt weder über WLAN noch über Mobilfunk – die Verbindung zum Smartphone erfolgt ausschließlich per Bluetooth. Telefonieren ist dank Mikrofon und Lautsprecher dennoch direkt von der Uhr aus möglich und bietet eine ordentliche Sprachqualität. Das ist praktisch, wenn das Smartphone gerade nicht griffbereit, aber in der Nähe ist.

An Sensoren bringt die Uhr unter anderem einen Kompass, Beschleunigungssensor, Gyroskop und Lichtsensor mit. Ein Barometer schätzt anhand von Luftdruckmessungen die Höhe über dem Meeresspiegel, ein Thermometer erfasst die Hauttemperatur – letzteres ist als Indikator für Zyklus-Tracking nützlich.

Neues gibt es bei der Bezahlfunktion, die endlich zuverlässig funktioniert. Zum Einsatz kommt der Dienstleister Curve. Die zugehörige App muss sowohl auf der Uhr als auch auf dem Smartphone installiert und verifiziert werden. Nach Hinterlegung einer Kredit- oder Debitkarte sind Zahlungen per NFC direkt über die Uhr möglich – im Test funktionierte das hervorragend.

Akku

Das kompakte Gehäuse hat einen Nachteil: Der Akku fällt mit 540 mAh deutlich kleiner aus als etwa bei der Watch GT 6 Pro mit 46 mm. Im Test hielt die Uhr bei täglichem Tragen – inklusive Schlaftracking und einem Workout pro Tag – rund sechs bis sieben Tage durch. Laut Hersteller sollen mit aktiviertem Sparmodus sogar knapp zwei Wochen möglich sein. Mit aktiver GPS-Aufzeichnung sinkt die Laufzeit erwartungsgemäß deutlich.

Aufgeladen wird über ein induktives Ladepad mit USB-A-Anschluss. Nach knapp einer Stunde ist der Akku wieder voll.

Preis & Varianten

Die UVP liegt bei 399 Euro – ein spürbarer Anstieg gegenüber dem Vorgänger. Dafür bietet die Uhr aber auch deutlich mehr Features. Bei Huawei gibt es sie zum Marktstart bis zum 13. Mai mit 30 Euro Rabatt für 369 Euro. Erhältlich ist sie mit schwarzem, blauem oder weiß-orangem Armband.

Fazit

Die Huawei Watch GT Runner 2 ist ein ausgereiftes Upgrade des Vorgängers. Die kompakte, leichte Sportuhr bietet eine handliche Alternative zur wuchtigen GT-Reihe – ideal für alle, die beim Laufen nicht ständig an die Uhr am Handgelenk erinnert werden wollen. Der Tragekomfort ist hoch, die Ortung präzise, die Pulsmessung sehr genau. Dazu kommen EKG sowie weitere Features zur Überwachung der Herzgesundheit. Auch die neue Bezahlfunktion per Curve funktioniert jetzt endlich einwandfrei.

Kleine Schwächen gibt es dennoch: Beim Warm-up auf dem Crosstrainer kam es gelegentlich zu Ausreißern bei der Pulsmessung. Das lässt sich aber beheben, indem man die Haut vorher anwärmt und die Uhr eng trägt. Die Akkulaufzeit fällt knapper aus als bei Garmin oder den großen Huawei-Uhren der GT-Reihe – ein Tribut ans kompakte Gehäuse. Und ganz so günstig wie der Vorgänger ist die GT Runner 2 nicht mehr. Dennoch bleibt sie eine preiswerte und überzeugende Alternative zu Garmin und Polar.



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Astronomie: Galaxien im Bullet-Cluster doch kein Beweis für Dunkle Materie?


Ein immer wieder als Beweis für die Existenz von Dunkler Materie herangezogener Galaxienhaufen ist auch „besonders gut“ mit einem alternativen Modell vereinbar, das gänzlich ohne die weiterhin nicht experimentell nachgewiesene Materieform auskommt. Das meint zumindest eine internationale Forschungsgruppe um Pavel Kroupa von der Universität Bonn, der seit Jahren für die alternative Theorie wirbt. Die nennt sich „Modifizierte Newton’sche Dynamik“ oder MOND und gilt laut der Forschungsgruppe „bislang als Außenseiter-Theorie“. Das sei größtenteils der Fall, weil man davon ausgegangen ist, dass sie die Beobachtungen im sogenannten Bullet-Cluster nicht erklären könne. Das sei aber gar nicht der Fall, sagt die Gruppe nun.

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Als Bullet-Cluster 1E 0657-558 werden zwei Galaxienhaufen bezeichnet, die einander mit einer vergleichsweise hohen Relativgeschwindigkeit durchstoßen haben. Zwischen den Galaxien ist sehr viel Platz, daher sind deren Sterne dabei einfach aneinander vorbeigeflogen. Doch das heiße Gas zwischen den Galaxien hat sich extrem aufgeheizt und ist gewissermaßen in der Mitte zwischen den Galaxienhaufen stecken geblieben. Dessen Röntgenstrahlung verrät seine Ausdehnung, Dichte und damit Masse. Die Galaxien der beiden Haufen kommen zusammen auf etwa 1,5 Billionen Sonnenmassen an leuchtender Sternmaterie, während es bei dem Gas mehr als 20 Billionen Sonnenmassen sind.

Wegen dieser ungleichen Verteilung sollte man meinen, dass das Licht von dahinter liegenden Objekten primär um das Zentrum gebogen werden sollte. Beobachtungen mit dem Weltraumteleskop Hubble haben aber ergeben, dass das nicht der Fall ist. Stattdessen konzentriert sich diese Ablenkung auf die Zentren der beiden Galaxienhaufen. Dort muss sich also wesentlich mehr Materie verstecken als in den Gaswolken – und als wir sehen können. Was immer es ist, es hat sich mit den Sternen bewegt und ist nicht wie das Gas kollidiert und stecken geblieben. In der Forschung ist man sich weitgehend einig, dass wir hier die Spuren von Dunkler Materie vor uns haben. Alternative Modelle müssen die Beobachtungen deshalb anders erklären können.

Das Forschungsteam um Kroupa hat für seine Arbeit Daten des Weltraumteleskops James Webb ausgewertet. Damit habe man die Zahl der Sterne in beiden Haufen genauer und besser berechnen können. Zudem sei bereits bekannt, dass es dort sehr viele schwere Elemente wie Eisen und Sauerstoff gebe. Sie entstehen in massereichen Sternen, die an ihrem Lebensende zu Neutronensternen oder Schwarzen Löchern kollabieren, erklärt das Team. Beide sind für uns ebenfalls unsichtbar und zusammen mit der neu berechneten Sternenmasse könnten sie den beobachteten Gravitationslinseneffekt ganz ohne Dunkle Materie erklären – wenn man das MOND-Modell zugrunde legt. Aber auch sonst müsse die Annahme für die dort vorhandene Dunkle Materie deutlich nach unten korrigiert werden.

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Dunkle Materie soll eigentlich die gemessenen Bewegungen von Galaxien und Galaxienhaufen erklären. In der Wissenschaft geht man davon aus, dass es im Kosmos deutlich mehr Dunkle Materie als Standardmaterie gibt. Ihre Existenz gilt in der Forschung genauso als akzeptiert wie jene der nicht weniger rätselhaften Dunklen Energie, weil beide grundlegende Fragen beantworten. Trotzdem werden auch alternative Erklärungsversuche vorgebracht und es gibt astronomische Beobachtungen, die nicht zur Dunklen Materie passen wollen. So wurde erst vor Kurzem eine dritte Galaxie ganz ohne Dunkle Materie entdeckt. Die Studie von Kroupas Team ist jetzt im Fachmagazin Physical Review D erschienen.


(mho)



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Elektronische Patientenakte: Debatte über Ausbau und KI-Nutzung


Ging es bei der elektronischen Patientenakte zunächst nur darum, ob die Infrastruktur überhaupt funktioniert, standen auf einem parlamentarischen Abend der E-Rezept-Enthusiasten nun die nächsten Ausbaustufen im Mittelpunkt. Zur Eröffnung machte die stellvertretende Vereinsvorsitzende Ruth Philipp deutlich, dass die ePA inzwischen mehr sein solle als ein Dokumentenspeicher.

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„Am Ende setzt sich nicht die beste Technologie durch, sondern diejenige, die eben auch angenommen wird von den Leistungserbringern und von den Nutzern“, zitierte Philipp Gesundheitsministerin Nina Warken. „Dann soll es in der ePA eben nicht nur einen digitalen Aktenschrank geben, sondern eben auch einen Versorgungseinstieg.“ Gematik-Geschäftsführerin Brenya Adjei lobte den bisherigen Rollout: „Wir haben mittlerweile knapp 130 Millionen hochgeladene Dokumente, die mittlerweile in der ePA verfügbar sind.“ Als nächste Ausbaustufen nannte Adjei strukturierte Gesundheitsdaten, Volltextsuche sowie Push-Benachrichtigungen in den Apps der Krankenkassen.

Aus Sicht des Bundesgesundheitsministeriums soll die ePA künftig zunehmend zum digitalen Einstiegspunkt in die Versorgung werden. Philipp Müller, Leiter der Abteilung Digitalisierung und Innovation im Bundesgesundheitsministerium, skizzierte dazu erneut das bereits viel diskutierte Konzept einer digitalen Ersteinschätzung mit anschließender Terminvermittlung und telemedizinischer Versorgung.

Für Matthias Mieves (SPD) entscheide sich der Erfolg der elektronischen Patientenakte zunächst nicht daran, wie viele Versicherte täglich ihre App öffnen. Das erklärte Ziel des BMG ist, dass sie 20 Millionen Menschen bis 2030 aktiv nutzen. Wichtig sei vor allem, dass Ärztinnen und Ärzte im Behandlungsalltag bessere Informationen erhielten. „Ich werde öfter gefragt: Wie sieht es denn mit der Oma Erna aus, die 80 Jahre alt ist? Kapiert die das überhaupt? Und dann sage ich immer: Die 80-Jährige kapiert das total. Die sagt mir zwar: ‚Ich habe selbst gar kein Smartphone, und ich will auch gar keins. Aber wenn ich mir sicher sein kann, dass meine Hausärztin die ePA zur Verfügung hat und dann bessere Daten zu dem hat, was mir vielleicht ein anderer Arzt verschrieben hat oder was im Krankenhaus gemacht wurde, dann hat die doch ein viel besseres Bild von mir und kann mich viel besser behandeln.‘“

Mieves führte als Beispiel Schweden und Dänemark an, wo zunächst ausschließlich Leistungserbringer mit der ePA arbeiteten. Daher sollte die ePA erstmal „hervorragend“ für diejenigen funktionieren, die im Gesundheitswesen arbeiten. „Egal, ob das in der Apotheke, der Arztpraxis oder der Klinik ist. Denn wenn die ePA für diese Menschen einen Mehrwert bringt, dann werden sie die positiven Multiplikatoren sein.“

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Positiv bewertete Mieves zugleich die geringe Zahl der Widersprüche gegen die automatisch angelegte ePA. Für ihn sei das ein Zeichen, „dass die allermeisten Menschen in Deutschland den Mehrwert der ePA erkennen und dass sie im Übrigen auch vernünftig sind“. Experten sehen als Grund für die niedrige Zahl der Widersprüche jedoch mangelnde Information der Betroffenen. „Wir brauchen Anwendungsfelder, von denen auch Menschen profitieren, die nicht krank sind“, sagte Mieves.

Deutlich kritischere Worte kamen vom Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen. Zwar sei das E-Rezept eine „Erfolgsgeschichte“, bei der elektronischen Patientenakte sehe die Lage jedoch anders aus. „Wir sind gar nicht so sehr in einem politischen Wettstreit, sondern vor allem in einem brutalen Wettlauf mit proprietären Systemen.“ Als Beispiele nannte Dahmen große KI-Sprachmodelle. „Bevor eine Charité, die EPIC einführt, mit MyChart eine Patientenanwendung hat, wo die Patienten einfach sagen: Vergiss die ePA, wir machen das alles darüber.“

Besonders kritisch sieht Dahmen die Situation aus seiner eigenen praktischen Tätigkeit als Notfallmediziner. Während der Fernzugriff inzwischen vollständig digital arbeitete, fehle der Zugriff auf die elektronische Patientenakte, was sich mit der Notfallreform jedoch ändern soll.

Rückblickend müsse man zudem einige damalige Architekturentscheidungen heute selbstkritisch bewerten. „Das ist keine Verantwortung der aktuellen Bundesregierung. Daran waren wir, auch ich in der alten Bundesregierung, ja ganz maßgeblich mit beteiligt.“

Ein weiteres Problem sieht der Grünen-Politiker in der starken Orientierung der bisherigen ePA an ambulanten Abläufen. „Die bisherige Architektur der ePA ist sehr stark einerseits aus Krankenkassensicht gedacht und andererseits aus dem ambulanten Bereich.“ Außerdem habe er die Sorge vor einer „Welt der Parallelsysteme […], wo eben aus KIS- und PVS-Systemen direkte Tunnel gebaut werden, mit dem Versprechen nach strukturierten, vollständigen Daten. […] Und dann gibt es dann auch diese ePA für den Patienten, da kann der sich dann in dieser Dropbox sozusagen das eine oder andere auch selbst anschauen. Aber wir Versorger organisieren das eben auf anderem Wege.“

Gematik-Geschäftsführerin Adjei widersprach der Einschätzung nicht grundsätzlich, warb jedoch für mehr Geduld bei der Bewertung des bisherigen Rollouts. „Wir haben jetzt lange nicht so viel machen können aufgrund der Voraussetzungen. Wir haben im letzten Jahr angefangen, den bundesweiten Rollout zu starten. Das ist ein gutes halbes Jahr. Und das ist der Anfang.“

Aus ihrer Sicht werde häufig unterschätzt, wie komplex die Digitalisierung des Gesundheitswesens tatsächlich sei. „Wir sprechen hier nicht über eine App oder ein Produkt, sondern über ein Transformationsprojekt im deutschen Gesundheitswesen.“ Der Rollout müsse Schritt für Schritt erfolgen. „Wir haben jetzt erstmal geschaut: Hält das System überhaupt die Last aus?“

Mit der flächendeckenden Nutzung steigen laut Adjei auch die Anforderungen an die technische Verfügbarkeit. Beim E-Rezept sei eine Stabilität von 99 Prozent am Ende nicht ausreichend. „Wenn ich Montagmorgen in der Apotheke stehe und mein E-Rezept sich nicht einlösen kann, dann habe ich keine gute Versorgung. Und deswegen ist das unser Anspruch, diese Verfügbarkeit entsprechend hochzubekommen.“ Hinzu komme die inzwischen intensiv genutzte Medikationsliste. „Wir kriegen ständig Briefe und Mails von Ärztinnen und Ärzten, die sagen: Vielen Dank, das hat ganz schön was verhindert.“ Aus ihrer Sicht werde die ePA nie fertig sein. „Wir werden nicht 2030 sagen: Jetzt haben wir den Haken dran.“

Auf Kritik an der heutigen Infrastruktur reagierte Philipp Müller, Leiter der Abteilung für Digitalisierung und Innovation im Gesundheitswesen, mit einem Hinweis auf die laufenden Umbaupläne. „Wir haben jetzt am letzten Freitag in der Gesellschafterversammlung der Gematik den Grundsatzbeschluss getroffen, dass wir perspektivisch zukünftig in die Cloud-Infrastruktur gehen wollen.“ Damit will sich die Telematikinfrastruktur (TI) schrittweise von den bisherigen Konnektoren lösen.

Die Entscheidung gehört zur Weiterentwicklung der TI zur TI 2.0. Die Gematik soll nun einen Fahrplan erarbeiten, um die heutige Konnektor-Infrastruktur schrittweise durch eine cloudbasierte Plattformarchitektur mit digitalen Identitäten und Zero-Trust-Sicherheitsmodell zu ersetzen.

Christian Klose von den E-Rezept-Enthusiasten sprach sich deutlich gegen einen kompletten Neubeginn aus. „Wir müssen endlich das Potenzial nutzen, das wir jetzt mit der Architektur der ePA 3.0 haben“, sagte der TI-Berater, der unter anderem Unterabteilungsleiter „Gematik, Telematikinfrastruktur und eHealth“ beim Bundesgesundheitsministerium war und danach bei IBM. „Wir sind gar nicht so schlecht, wie wir häufig tun“, sagte er. „Die Architektur der ePA 3.0 bietet die Möglichkeit, sicher in der vertrauenswürdigen Ausführungsumgebung KI-Modelle umzusetzen“. Ein entscheidender Vorteil bestehe darin, dass weder Betreiber noch Krankenkassen Zugriff auf die eigentlichen Patientendaten erhielten.

Aus Sicht Kloses fehlen weniger technische Grundlagen als vielmehr konkrete Spezifikationen. Außerdem brauche es regulatorische Freiräume, um Innovationen unter realen Bedingungen zu erproben. „Es braucht Laborbedingungen, wo Dinge halt mal probiert werden können.“ Dabei kritisierte er auch die geringe Nutzung des umstrittenen § 25b. Dieser soll künftig weiter ausgebaut werden und ermöglicht Krankenkassen die datengestützte Erkennung individueller Gesundheitsrisiken auf Basis ihrer Abrechnungsdaten. „Wir haben das bei § 25b sehr häufig erlebt, dass Aufsichtsbehörden dann sehr, sehr restriktiv in der Umsetzung waren. Das hat dann dazu geführt, dass es kaum entsprechende Situationen gab.“

Ein weiterer Diskussionspunkt war der Zugang der Versicherten zur ePA. Nach Auffassung Kloses seien die bisherigen Identifizierungsverfahren zu aufwendig. Die europäische EUDI-Wallet werde dieses Problem kurzfristig nicht lösen. Stattdessen sprach sich Klose dafür aus, bestehende Versorgungsstrukturen stärker zu nutzen. Eine Identitätsprüfung in Apotheken könne deutlich niedrigschwelliger erfolgen, da diese ihre Patienten bereits kennen. Als Vorbild verwies er auf Dänemark, wo Hausärzte diese Aufgabe übernehmen.

Müller zeigte sich optimistischer. Das Bundesgesundheitsministerium verbinde „eine stärkere Hoffnung mit der EUDI-Wallet“. Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) werde derzeit geprüft, ob das Gesundheitswesen zu den ersten sogenannten Primary Use Cases der europäischen digitalen Identitätswallet gehören könne. Die Bundesregierung entwickelt die EUDI-Wallet als staatliche digitale Brieftasche, mit der sich Bürgerinnen und Bürger künftig europaweit digital ausweisen und Nachweise sicher verwalten können. „Wenn Sie Einfluss auf BfDI (Bundesbeauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit), BMI (Bundesministerium des Inneren) und BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie) nehmen können, freuen wir uns“, sagte Müller.

In Zukunft sollen Versicherte besser über Angebote wie die ePA informiert werden. Adjei zufolge reicht die technische Einführung allein nicht: „70 Prozent aller Transformationsprojekte scheitern an der Kommunikation“. Deshalb investiere die Gematik inzwischen erheblich in Schulungen und Informationsangebote. „Wir haben große Remote-Veranstaltungen gemacht, mit 45.000 Teilnehmern. Wir haben 35.000 Informationspakete verschickt.“ Außerdem arbeite sie gemeinsam mit den gesetzlichen Krankenkassen an Informationskampagnen. Auch das Bundesgesundheitsministerium sieht Informationsarbeit als Daueraufgabe. Müller verwies auf Förderprogramme zur Stärkung der Digitalkompetenz. „Wir sehen, dass das ein zentrales Instrument dafür ist, die Akzeptanz zu steigern.“

Trotz der zahlreichen offenen Punkte wollten die Teilnehmer die bisherigen Fortschritte nicht kleinreden. Laut Mieves hat Deutschland innerhalb kurzer Zeit eine Infrastruktur geschaffen, die international durchaus Aufmerksamkeit erzeugt. „Wir sind spät gestartet, aber wir haben es in kürzester Zeit geschafft, eine Plattform zu etablieren, an der über 70 Millionen Menschen dranhängen.“ Auch die Zahl der angeschlossenen Einrichtungen sei inzwischen beachtlich. „Das hat weltweit kein anderes Land hinbekommen.“ Der ehemalige Gesundheitsminsiter Karl Lauterbach hatte in diesem Zusammenhang mehrfach von der „Gnade der späten Geburt gesprochen“.

Laut Adjei sei die ePA mit ihrer Struktur bereits KI-ready. Sie sprach sich dafür aus, keine parallelen KI-Systeme neben der ePA entstehen zu lassen. Ihrer Ansicht nach könnte eine gemeinsame Nutzung derselben KI-Auswertungen das Verhältnis zwischen Ärzten und Patienten verbessern. „Ich glaube, das wird sehr viel für Zusammenhalt und Vertrauen sorgen, weil aktuell haben wir eine Situation, da haben wir Arztpraxen, die sagen: Wer Dr. Chat gefragt hat, braucht gar nicht mehr reinkommen.“


(mack)



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iOS-App-Entwickler in China reichen Beschwerde gegen Apple ein


48 chinesische Entwickler von iOS-Apps haben eine formelle Marktaufsichtsbeschwerde gegen Apple eingereicht. Sollten sie damit bei der State Administration for Market Regulation (SAMR) Erfolg haben, droht Apple ein Kartellverfahren. Die Entwickler fordern unter anderem günstigere Provisionen, die Öffnung für Drittanbieter-App-Vertrieb, In-App-Drittzahlungen sowie externe Zahlungslinks in ihrem Land. Sie beziehen sich auf Versprechen Apples, dass Entwickler in China nicht mehr bezahlen müssen als Entwickler in anderen Märkten.

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Einen solchen Dominoeffekt dürfte Apple längst befürchtet haben, nachdem Regulatoren und Behörden in der Europäischen Union, Japan und Brasilien erzwangen, dass Apple alternative App-Marktplätze und Zahlungsmethoden zulässt. Zuletzt öffnete Apple seinen App Store auch in Brasilien für alternative Marktplätze. Dies brachte auch das etablierte Preisgefüge ins Wanken. Apple begegnete dem mit einer veränderten Provisionsstruktur in China, die im März 2026 in Kraft trat. Sie senkte die Gebühren für In-App-Käufe und kostenpflichtige Apps von 30 auf 25 Prozent und die für Abo-Verlängerungen und kleine Entwickler von 15 auf 12 Prozent.

Den 48 Entwicklern geht das offenbar nicht weit genug. In dem offiziellen Beschwerdebrief, den Tian Junwei im chinesischen sozialen Messenger-Netzwerk WeChat veröffentlicht hat, wird Apple der Missbrauch seiner Marktdominanz vorgeworfen. Die Marktaufsicht soll Apple dazu verpflichten, sich an sein Versprechen zu halten. Und mehr noch: Die Entwickler fordern einen automatischen Angleichungsmechanismus. Wenn Apple in anderen Märkten Gebühren senkt oder Kanäle öffnet, solle dies am selben Tag auch in China gelten.

Für Apple, das zuletzt seine iPhone-Käufe in dem Wachstumsmarkt wieder erhöhen konnte, wäre die Regelung eine Hiobsbotschaft – würde sie doch die bisherige Strategie konterkarieren, für jeden regulierten Markt mit maßgeschneiderten Regelungen zu reagieren. Aus der Entwickler-Community ist hingegen immer wieder zu hören, dass einige genau das wertschätzen würden, wenn Apple zu einer global einheitlichen Vorgehensweise zurückkehrt. Das würde bedeuten, dass zum Beispiel alternative Marktplätze weltweit zur Verfügung stünden. Apple hat bei etlichen Gelegenheiten, zuletzt in Brasilien, zu verstehen gegeben, dass die Firma davon unter anderem aus Sicherheitsgründen gar nichts hält. Auch hätten alternative Marktplätze in der EU Apps auf das iPhone gebracht, die dort vorher undenkbar waren, etwa Porno-Apps.

Dass die Entwickler sich an die SAMR wenden, könnte für Apple zum Problem werden: Die Behörde kann Strukturmaßnahmen anordnen, ohne auf ein Klageverfahren angewiesen zu sein. Vor chinesischen Gerichten hatten Entwickler bei früheren Verfahren keinen Erfolg. Eine 2021 eingereichte Klage eines chinesischen Verbrauchers gegen Apples App-Store-Praktiken hat 2024 ein Shanghaier Gericht abgewiesen. China ist einer der größten Einzelmärkte Apples.

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(mki)



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