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Künstliche Intelligenz

KI-Update Deep-Dive: Wenn Arbeitstempo zur Belastung wird


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Die University of Labour in Frankfurt am Main ist die erste Hochschule in Europa in Trägerschaft der Gewerkschaften. Dort erforschen Dr. Nicole Deci, Professorin für Arbeitspsychologie, und Dr. Christian Kellermann, Professor für Sozialwissenschaften, wie sich die Arbeitswelt durch KI verändert.


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„Es gibt einige Studien, die sich anschauen, was KI mit den Menschen macht“, sagt Deci. Eine US-amerikanische Studie zeige, dass KI den Arbeitsalltag intensiviere. Menschen neigten zu Überstunden und zeigten Verhaltensweisen, die als „Selbstgefährdung im Arbeitskontext“ bezeichnet werden. „Es gibt erste Anzeichen in dieser Studie, dass diese Selbstgefährdung auch durch KI ausgelöst werden kann“, erklärt die Arbeitspsychologin.

Langfristig könne das zu Symptomen wie Irritation oder Erschöpfung führen. Die Studie zeige zudem, dass Erholungszeiten verringert würden, indem Menschen in den Pausen weiterarbeiteten. „Die Hemmschwelle ist geringer. Man hat ja schnell etwas eingetippt und schnell eine Reaktion“, so Deci.

Dabei gibt es auch positive Effekte. Eine österreichische Studie zeige, dass die Befragten durch KI ein erhöhtes Autonomie-Erleben entwickeln könnten, so Deci. „Beispielsweise, indem ich plötzlich Aufgaben übernehmen kann, bei denen ich vorher auf Hilfe angewiesen war.“ Auch Kellermann sieht Vorteile, etwa wenn KI bei der Analyse komplexer Texte unterstützt oder in der Radiologie Routineaufgaben übernimmt und so Zeit für anspruchsvollere Tätigkeiten schafft.

Allerdings warnt Kellermann auch vor der Gefahr des sogenannten De-Skilling, also dem Verlust von Kompetenzen. „Wenn wir über zukunftsfähige Kompetenzen sprechen, dann taucht häufig die kritische Urteilsfähigkeit ganz oben auf“, sagt er. Wenn man sich zu sehr auf KI verlasse, könne man das Gespür und das Wissen für bestimmte Aufgaben verlieren. „Da ist es ganz elementar, dass Unternehmen oder Organisationen darauf achten, dass dieser De-Skilling-Effekt nicht eintritt.“

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KI-Update

KI-Update

Wie intelligent ist Künstliche Intelligenz eigentlich? Welche Folgen hat generative KI für unsere Arbeit, unsere Freizeit und die Gesellschaft? Im „KI-Update“ von Heise bringen wir Euch gemeinsam mit The Decoder werktäglich Updates zu den wichtigsten KI-Entwicklungen. Freitags beleuchten wir mit Experten die unterschiedlichen Aspekte der KI-Revolution.

In der Arbeitspsychologie gelten seit Jahrzehnten vier Kriterien für gute Arbeit: Sie muss ausführbar, schädigungslos, beeinträchtigungsfrei und persönlichkeitsförderlich sein. „Das heißt, wir sollten an den Arbeitsaufgaben wachsen können“, erklärt Deci. Das gelinge am besten, wenn KI als Lernwerkzeug genutzt wird.

Für Führungskräfte bedeute dies, vor allem auf menschliche Beziehungen zu achten und Mitarbeitende von Anfang an in die KI-Einführung einzubinden. „Die Personen, die diese Arbeit verrichten, sind teilweise seit mehreren Jahren die Experten für ihre Tätigkeit und wissen am besten, wie KI eingesetzt werden kann“, betont Deci.

Auch sollten Führungskräfte darauf achten, dass in ihren Betrieben keine Parallelstrukturen entstehen. Wenn einzelne Abteilungen im Alleingang Prozesse anstoßen, die sich am Ende vielleicht sogar gegenseitig aushebeln, dann ist das keine gemeinsame Strategie. Laut Deci führt das „bei den Beschäftigten dazu, dass sie keine Lust mehr auf Veränderungen haben.“

Kellermann hat ein Zertifikat für menschenzentriertes KI-Management mitentwickelt, das sich an Betriebsräte und Personalverantwortliche richtet. Diese müssten die Technik, aber auch die damit einhergehenden soziotechnischen Prozesse verstehen. „Wenn sie arbeitsabwertend sind, sind sie selten produktivitätssteigernd“, erklärt Kellermann.

Das deutsche System der Mitbestimmung sieht er als entscheidenden Vorteil. „Das ist im Prinzip ein wahnsinniger Wettbewerbs- und Standortvorteil, den wir haben.“ Während ein rein marktgetriebener Ansatz wie in den USA oft zu technikzentrierten Prozessen und vielen Verlierern führe, ermögliche Mitbestimmung eine menschenzentrierte Gestaltung.

Die Studienlage zur Produktivitätssteigerung durch KI sei laut Kellermann gemischt. Eindeutiger seien die Prognosen bei den Kosteneinsparungen, die bei 25 bis 30 Prozent liegen könnten. Damit diese Gewinne nicht zu einem sozialen Gefälle führen, schlägt er konkrete Maßnahmen vor.

„Diese Kosteneinsparung kann man zum Teil, und es wird auch in manchen Unternehmen in Deutschland gemacht, für einen Qualifikationsfonds nehmen“, sagt Kellermann. Daraus könnten sich Beschäftigte Weiterbildungen finanzieren, um arbeitsfähig zu bleiben. Das würde der Belegschaft Sicherheit geben und gleichzeitig viele Ängste und Widerstände abbauen, ergänzt Deci.

„Menschenzentrierung von KI ist ja kein hehres Ziel, das wir uns ausgedacht haben, als Gegenpol zur Technikzentrierung“, fasst Kellermann zusammen. „Wir wissen nur aus der Geschichte, dass Technikzentrierung, so wie es in den USA läuft, meistens nicht funktioniert.“ Die wegweisende amerikanische Forschungsgemeinde schaue sehr genau „und auch ein bisschen neidisch“ nach Deutschland. Der institutionalisierte Weg der Mitbestimmung sei unser Erfolgsgeheimnis. „Wir müssen ihn nur nutzen und vor allem erstmal erkennen.“


(igr)



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Künstliche Intelligenz

Getty Images: Lizenz für OpenAI verdoppelt Aktienkurs


Die Bildagentur Getty Images lizenziert ihre Datenbanken an OpenAI für die Ausgabe bei OpenAIs großem Sprachmodell ChatGPT. Das hat Getty Images am Sonntag bekanntgegeben. Daraufhin explodierte der Aktienkurs Montagmorgen (Ortszeit New York). Bildgenerierung durch LLMs bedroht das Geschäftsmodell Getty Images‘; der neue Vertrag zeigt, dass es auch Umsatzpotenzial gibt.

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Kurz nach Handelsbeginn an der New Yorker Börse NASDAQ markierten die Anteile bei 1,48 US-Dollar – ein Zuwachs von 145 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag und der höchste Kurs seit Mitte Dezember. Seit Mitte Februar war Getty Images ein sogenannter Pennystock, die Aktien notierten unter einem Dollar.

Das hat einen Countdown für die Auslistung der Aktie ausgelöst, den ein Schlusskurs über einem Dollar stoppen würden. Doch im Verlauf des Montags ebbte die Euphorie ab: Getty Images‘ Ankündigung spricht nur von der Anzeige der lizenzierten Inhalte bei „Suche und Entdeckung” in ChatGPT. Von einer Freigabe des Bild- und Videomaterials für legales Training des Sprachmodells (LLM) ist keine Rede. Entsprechend geringer dürfte die Lizenzgebühr ausfallen, die Getty Images lukriert.

Zudem ist die genaue Laufzeit Lizenz unbekannt, die Mitteilung spricht lediglich von „mehrjährig”. Im Handelsverlauf ist Getty Images‘ Aktienkurs gegenüber dem morgendlichen Hoch deutlich. Am Nachmittag fiel das Wertpapier wieder der Dollarmarke entgegen.


Update

22.06.2026,

22:23

Uhr

Gegen Handesschluss stieg Getty Images’ Aktienkurs wieder und pendelte sich schließlich bei 1,15 US-Dollar ein. Das ist ein Zuwachs von 90 Prozent gegenüber Freitag.

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Zu Getty Images gehören die Marken iStock und Unsplash, deren Datenbanken ebenfalls Teil der OpenAI-Lizenz sind. Nach eigenen Angaben lizenziert Getty Images Werke von mehr als 600.000 Urhebern. Das Unternehmen betreibt selbst ein hauseigenes LLM zur Generierung künstlicher Bilder.

Dem britischen KI-Betreiber Stability AI wirft Getty vor, zwölf Millionen Bilder unrechtmäßig kopiert und zum Training eines LLMs genutzt zu haben. Dazu ist eine Klage am US-Bundesbezirksgericht für Nordkalifornien anhängig (Getty Images (US) v Stability AI, Az. 3:25-cv-06891). In einem parallelen Prozess in London hat sich das Gericht für weitgehend unzuständig erklärt; lediglich mit dem Vorwurf der Markenrechtsverletzung konnte Getty Images dort durchdringen.


(ds)



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Valve hadert mit dem Preis: Die Steam Machine kostet mindestens 1040 Euro


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It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Valve bringt die Steam Machine in den Handel: Nach monatelangen Verzögerungen kann man sich nun auf eine Liste setzen lassen, um möglicherweise per Los die Möglichkeit zu bekommen, den SteamOS-PC zu bestellen. Dieses Verfahren hat Valve eingerichtet, um einer mutmaßlich zu großen Nachfrage Herr zu werden.

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Einerseits ist nämlich die Stückzahl begrenzt, weil viele Komponenten wegen der Speicherkrise nicht lieferbar waren. Andererseits war Valve-Hardware zuletzt immer sehr begehrt – Steam Deck und der neue Steam Controller waren regelmäßig ausverkauft. Beides führt dazu, dass der Preis für die Steam Machine erwartungsgemäß sehr hoch ausfällt: Die Variante mit 512 GByte Speicherplatz ohne Steam Controller kostet 1040 Euro. Wer mehr Speicher oder einen Steam Controller dazu möchte, zahlt mehr – bis zu 1430 Euro für die Variante mit 2 TByte und Controller.

Wer einen Platz in der Reservierungswarteschlange erhält, bekommt per Mail eine Kaufgelegenheit und muss dann innerhalb von 72 Stunden zuschlagen. Die ersten Geräte verschickt Valve ab dem 29. Juni. Trotz des hohen Preises erwartet Valve keinen Ladenhüter: Bestellungen aus der Liste will das Unternehmen nach und nach abarbeiten. In einem Blog-Eintrag schreibt Valve, man gehe davon aus, dass der Vorgang bis zum Jahresende abgewickelt ist – Kaufinteressenten können sich also auf monatelange Wartezeiten einstellen.

Auf die Warteliste kann man sich auf der Produktseite der Steam Machine eintragen. Sie ist bis zum 25. Juni um 19 Uhr offen. Alle Interessensbekundungen werden mit dem Steam-Account verknüpft, um Scalper bestmöglich auszusperren: Registrieren darf sich nur, wer einen Steam-Account ohne negative Auffälligkeiten besitzt und vor dem 27. April 2026 etwas auf Steam gekauft hat. Pro Haushalt ist nur eine Registrierung erlaubt.

Die Listen sind nach Versandregionen getrennt: Für Nordamerika, das Vereinigte Königreich und die EU sowie Australien gibt es jeweils eigene Wartelisten. Nach einer Prüfung wird die Reihenfolge der Lieferungen ausgelost – man muss also nicht der erste sein, der sich auf die Liste einträgt, sondern schlicht etwas Glück haben. Wer nach dem 25. Juni bestellt, wird ans Ende der Bestell-Liste gesetzt.

Mit ihrem Preis von über 1000 Euro ist die Steam Machine so teuer wie herkömmliche PCs. Das ärgert Valve offensichtlich selbst: Man habe das ursprüngliche Preisziel für den PC-Würfel nicht halten können, führt Valve im Blog aus. Die Preisentwicklung für Komponenten sei schlicht zu rasant gewesen. „Die Preise spiegeln den globalen Zustand für die Fertigung wider; oder genauer gesagt, sie reflektieren den Preis der Komponenten, die wir in den vergangenen sechs Monaten erworben haben“, schreibt Valve.

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Die Steam Machine ist deutlich teurer als die Konsolen von Sony, Microsoft und Nintendo. Die nominellen Spezifikationen des Linux-Rechners von Valve fallen etwas niedriger aus als die von PlayStation 5 und Xbox Series X, die auch nach ihren Preiserhöhungsrunden noch für unter 600 Euro zu haben sind.

Valve betont im Blog-Eintrag, dass man den Kaufpreis der Steam Machine im Gegensatz zum Vorgehen der Konsolenhersteller nicht subventionieren wolle: „Das traditionelle Konsolenmodell besteht darin, Hardware mit Einbußen zu verkaufen und die Einnahmen durch Abonnementdienste oder den Verkauf von Spielen, die an die Hardware gebunden sind, auszugleichen“, schreibt Valve. „Wir sind jedoch überzeugt, dass offene Ökosysteme langfristig besser für Kunden sind. Die historische Entwicklung des Bereichs beweist: Es ist die Offenheit der PC-Spielindustrie, die es ermöglicht, über Jahrzehnte hinweg der Katalysator für Hardware- und Softwareinnovationen zu sein.“

Wer keinen Weg auf den kleinen Formfaktor legt, findet zu vergleichbaren Preispunkten leistungsstärkere Komplett-PCs. Auch der PC-Eigenbau verspricht im Vergleich zur Steam Machine mehr Leistung zu kleinerem Preis.


(dahe)



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Seit dem iPhone sinkt die Geburtenrate


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Die globale Geburtenrate sinkt seit Jahrzehnten. In wohlhabenden Ländern nahmen Geburten ab Ende der 1990er-Jahre jedoch zu – bis 2007. Seit 2008 geht es flott bergab. Was ist damals passiert? Eine Weltfinanzkrise, lautet ein gängiger Erklärungsansatz. Doch die ist vorbei; von 2010 bis 2019 wuchs die Wirtschaft, während die Geburtenraten weiter sanken. Besonders ausgeprägt ist der Rückgang bei Teenagern, die selten mit Ausblick auf die Wirtschaftslage Kinder planen. Eine neue Studie weist auf eine andere Mitursache: die Verbreitung des iPhones.

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Smartphones gehen mit weniger Sozialkontakten, mehr Pornokonsum, weniger Geschlechtsverkehr und mehr Zugang zu Information über Verhütung einher. Der Effekt des Smartphones auf die Geburtenrate ist mehr als bloße Korrelation, sagen die Wirtschaftswissenschaftler Caitlin Myers und Ezekiel Hooper vom Middlebury College in Vermont, wenn auch nicht die ganze Geschichte.

Sie definieren den Beginn des Zeitalters moderner Smartphones mit der Markteinführung des iPhones im Jahr 2007. Durch aufwändige Auswertungen der Jahre 2007 bis 2011 gelangen sie zu dem Schluss, dass die Verbreitung des iPhones, je nach Berechnungsmethode, ein Drittel bis knapp über die Hälfte des Rückgangs der Geburtenrate in den USA erklärt.

Die Beschränkung auf den Zeitraum bis 2011 liegt daran, dass das iPhone eine Alleinstellung hatte und bis 2011 nur in Teilen der USA nutzbar war. Android-Smartphones gab es damals wenige, und wenn, dann zunächst nur im fast deckungsgleichen Netzabdeckungsgebiet. Das erlaubt den Vergleich der Entwicklung in Gebieten mit und ohne Smartphones, heruntergebrochen auf die über 3.000 Countys der USA. „Gemischte“ Countys, also solche mit teilweiser Smartphone-Nutzbarkeit, bleiben im Vergleich außen vor.

Steve Jobs stellte das iPhone Anfang 2007 vor. Ende Juni 2007 gelangte es in den Verkauf. Exklusiver iPhone-Partner war der Mobilfunknetzbetreiber AT&T. Für andere US-Netze waren iPhones gesperrt, und selbst die selten durchgeführten Jailbreaks halfen kaum, denn die landesweiten Mitbewerber Sprint und Verizon nutzten den Funkstandard CDMA. iPhones unterstützen CDMA erst ab dem iPhone 4S Ende 2011. Nur im GSM-Netz der T-Mobile USA hätten entsperrte iPhones der Jahrgänge 2007 bis 2010 eingesetzt werden können. Doch erreichte T-Mobiles Mobilfunknetz kaum Countys, die nicht auch von AT&T erschlossen waren.

2024 lag die Geburtenrate bei US-Teenagern (15-19 Jahre) 70 Prozent unter jener des Jahres 2007. Bei 20- bis 24-Jährigen waren es -47 Prozent. Bei älteren Müttern ist der Rückgang geringer, ab 35 Jahren gibt es sogar mehr Babys. Sie fallen allerdings weniger ins Gewicht, weil Mütter in diesem Alter vergleichsweise selten sind. Insgesamt beträgt der Rückgang 22 Prozent. Was immer diesen enormen Fall erklären solle, müsse groß, datiert und weit verbreitet sein, quer durch die sozialen Gruppen, betonen Myers und Hooper. Das iPhone erfüllt diese Voraussetzungen.

Alternative Smartphones im heutigen Sinne gab es wenige: Für das Weihnachtsgeschäft 2008 nahm T-Mobile erstmals ein Android-Gerät ins Portfolio auf, das G1 (HTC Dream). Erst ein weiteres Jahr später folgten Spring (HTC Hero) und Verizon (Motorola Droid). Daher kann das iPhone für den Studienzeitraum als Synonym für das Smartphone herhalten.

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So können die Studienautoren die Geburtenraten für verschiedene Bevölkerungsgruppen in Countys mit mehr als 90 Prozent potenzieller iPhone-Abdeckung mit jener in Countys mit weniger als zehn Prozent vergleichen. Dabei zeigt sich, dass Countys mit hoher iPhone-Nutzbarkeit im relevanten Zeitraum 2008 bis 2011 deutlich niedrigere Geburtenraten aufweisen: -12,2 Prozentpunkte bei Teenagern, -4,6 Prozentpunkte bei Frauen in ihren 20ern, und -5,1 Prozentpunkte in ihren 30ern. Doch diese Auswertung wäre zu kurz gegriffen, unterscheiden sich die Countys doch in vielfacher anderer Weise. Beispielsweise hatten urbane Gebiete viel eher AT&T-Versorgung als rurale. Auch Wohlstand, Weltanschauung und Hautfarbe sind ungleich verteilt.

Um diese Unterschiede herauszurechnen, bedienen sich die Autoren zweier Herangehensweisen: Eine entropieausgeglichene Poisson-Ereignisstudie auf der einen Seite, ein synthetischer Differenz-von-Differenzen-Ansatz (SDID) auf der anderen, wobei sie letzteren in diesem Fall für aussagekräftiger halten. Im Ergebnis führen sie ein Drittel (Poisson) bis 52 Prozent (SDID) des Geburtenrückgangs auf die Smartphone-Verbreitung zurück.

Das Ergebnis besteht auch den Test statistischer Robustheit sowie Placebo-Vergleiche. Keine nennenswerte Rolle spielt die Zahl früherer Geburten oder der Ehestand. Der Smartphone-Effekt ist bei weißen und hispanischen Frauen ähnlich – nur bei Schwarzen findet die Studie keine Auswirkung. Das könne an der deutlich geringer ausgeprägten iPhone-Nutzung sowie schon vor 2007 beobachteten Trends bei Schwarzen liegen, mutmaßen die Autoren; eine endgültige Erklärung dafür haben sie nicht gefunden.

Nicht Gegenstand der US-Studie ist der exakte Wirkweise des iPhones, die zu weniger Geburten führt. Dazu verweisen die Autoren auf mehrere vorangegangene Studien, beispielsweise abträgliche Auswirkungen von Facebook-Nutzung auf die geistige Gesundheit. Die in Gesellschaft anderer Menschen verbrachte Zeit (ohne Arbeit und Schule) ist demnach drastisch gefallen, während viel mehr Zeit alleine verbraucht wird – und wer alleine bleibt, erhält selten Besuch vom Storch.

Damit einher geht ein Rückgang von Geschlechtsverkehr bei gleichzeitiger Zunahme von Verhütung. Das Smartphone hilft bei der Aufklärung, verschafft aber auch leichteren Zugang zu Pornographie. Pornokonsum verdrängt Geschlechtsverkehr, und tatsächlich haben Amerikaner im Studienzeitraum ihren Pornokonsum intensiv erhöht – einerseits haben sie das in einer großen, repräsentativen Studie selbst angegeben, andererseits zeigen Google-Suchtrends, dass sich der relative Anteil von Suchen nach „porn“ im relevanten Zeitraum mehr als verdoppelt hat.

Der zeugungsvermindernde Effekt des iPhones träte allerdings nicht bei einzelnen iPhone-Nutzern als solchen auf: „Ob das eigene Mobiltelefon etwas bewirkt, hängt wahrscheinlich davon ab, ob die Altersgenossen welche haben; ein Handy in einer Freundesgruppe voller Handyloser ist eine andere Intervention als ein Handy in einer Gruppe, in der jeder eines hat.“

„Wir behaupten nicht, dass das iPhone der einzige Auslöser für den Rückgang (der Geburtenrate) nach 2007 ist, … aber im erfassten Zeitraum 2008-2011 zeigen unsere Schätzungen, dass die Einführung moderner Smartphones eine große Rolle beim Rückgang von US-Geburten gespielt hat“, fassen Myers und Hooper zusammen. Die Beweise für die (zugrundeliegenden) Mechanismen legten nahe, dass Beziehungen sowie die Zeit für und Bereitschaft zu Intimität beeinflusst werden. An den Kosten von Elternschaften liege der Rückgang der Geburtenrate indes es nicht.

In das gleiche Horn stößt eine auf Teenager fokussierte Studie von Nathan Hudson und Hernan Moscoso Boedo von der Universität Cincinnati. Diese beiden betonen den Effekt fallender Smartphonepreise. Ihre Studie zeigt den Zusammenhang eher leistbarer Smartphones mit der fallenden Geburtenrate nicht nur für die USA, sondern auch für England und Wales. Da die Entwicklung auf beiden Seiten des Atlantik praktisch deckungsgleich ist, dürfte sie nicht an den jeweiligen Gesundheitssystemen liegen, die sehr unterschiedlich ausgestaltet sind.


(ds)



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