Künstliche Intelligenz
Ein 18-tägiger Streik bei Samsung könnte die Speicherkrise verschärfen
In Südkorea ist eine Debatte entfacht, inwieweit Mitarbeiter an den durch den KI-Boom enorm steigenden Gewinnen der Speicherhersteller profitieren sollten. Streitigkeiten in Tarifverhandlungen bei Samsung rufen inzwischen sogar Regierungsvertreter auf den Plan, die zwischen Gewerkschaften und dem Unternehmen vermitteln wollen. Gleichzeitig entstehen Diskussionen über soziale Gerechtigkeit.
Weiterlesen nach der Anzeige
Im Tarifstreit bei Samsung fordern Gewerkschaften eine feste Beteiligung von 15 Prozent an den Betriebsgewinnen der Unternehmenssparten. Zugleich soll bei den Auszahlungen die Limitierung auf 50 Prozent des normalen Jahresgehalts entfallen. Ende April hatten bereits rund 39.000 Mitarbeiter für einen Mittag die Arbeit niedergelegt, um für langfristige Boni zu demonstrieren.
Konzernweit setzte Samsung im ersten Quartal rund 134 Billionen Won (KRW) um, nach aktuellem Umrechnungskurs knapp 78 Milliarden Euro. Davon waren gut 33 Milliarden Euro Betriebsgewinn vor Steuern. 15 Prozent entsprächen fast fünf Milliarden Euro an Bonuszahlungen in nur einem Quartal. Über das komplette Jahr erwarten Analysten einen Betriebsgewinn von umgerechnet 174 Milliarden Euro.
Hunderttausende Euro für Mitarbeiter in den Halbleiterwerken
Die Boni sollen pro Tochterunternehmen ausgezahlt werden. Die mit Abstand größten Profiteure wären Ingenieure und andere Mitarbeiter der Halbleitersparte Samsung Device Solutions, die zuletzt 94 Prozent des gesamten Betriebsgewinns ausmachte. Der Umsatz mit Arbeitsspeicher und NAND-Flash-Bausteinen hat sich binnen eines Jahres vervierfacht: Weil Cloud-Hyperscaler den Speichermarkt wegfegen, steigen die Preise rasant, was die Gewinne enorm erhöht.

Eine Grafik, die Samsungs komplettes Wachstum zeigt: Das Speichergeschäft läuft aufgrund der aktuellen Lieferkrise hervorragend.
(Bild: Samsung)
Konkurrent SK Hynix heizt die Forderung mit einer eigenen Einigung an: Der Speicherhersteller will die nächsten zehn Jahre lang zehn Prozent des eigenen Betriebsgewinns an die Mitarbeiter auszahlen. Aktuell beschäftigt die Firma circa 35.000 Mitarbeiter. Bonuslimits entfallen. Schon 2027 könnten die durchschnittlichen jährlichen Boni pro Mitarbeiter 500.000 Euro überschreiten.
18-tägiger Streik möglich
Weiterlesen nach der Anzeige
Laut Quellen der Financial Times sagt Samsung einen vorerst einmaligen Bonus in Höhe von 13 Prozent der Betriebsgewinne zu. Knackpunkt ist die Verankerung in den Tarif: Samsung vertröstet bei einer langfristigen Regelung offenbar aufs nächste Jahr.
Die bisherigen Verhandlungen sind ergebnislos geplatzt, weshalb die größte Samsung-Gewerkschaft („Super-Enterprise Labor Union“) mit einem 18-tägigen Streik ab dem 21. Mai droht. Laut der Seoul Economic Daily wollen rund 26.000 Mitarbeiter am Streik teilnehmen, hauptsächlich in den Halbleiterwerken. De facto wäre die Speicherproduktion damit lahmgelegt.
Weil ein Wafer mehrere Monate in der Chipproduktion verbringt, wären die Folgen weitreichend. Professoren und Gewerkschaftsmitglieder schätzen den finanziellen Schaden auf 10 Billionen bis 30 Billionen KRW, was 5,8 Milliarden bis 17,4 Milliarden Euro entspräche.
Hinzu kämen Langzeitfolgen, sollten sich Kunden von Samsung abwenden. Das könnte insbesondere für die Samsung Foundry fatal sein, die als Chipauftragsfertiger etwa Prozessoren für Kunden herstellt. Dieser Teilbereich der Samsung Device Solutions stagniert auch in Zeiten des KI-Booms, weil die Fertigungsprozesse schlechter sind als beim Weltmarktführer TSMC und angeblich die Ausbeute funktionstüchtiger Chips hinterherhinkt.
Regierungsvertreter wie Kim Do-hyung vom Gyeonggi Regional Employment and Labor Office, einer Regionalbehörde des Ministeriums für Beschäftigung und Arbeit, haben beide Seiten von nachträglichen Schlichtungsgesprächen überzeugt. Unter anderem der Korea Herald berichtet, dass die National Labor Relations Commission (NLRC) die Gespräche begleiten soll.
Unfaire Verteilung?
Wegen der ungleichen Verteilung zwischen der Halbleitersparte und allen Schwesterunternehmen soll der Rückhalt in Samsungs Gewerkschaften derweil schwinden. Teile der Elektroniksparten würden kaum bis gar nicht von den angedachten Boni profitieren. LG etwa soll aufgrund der niedrigeren absoluten Gewinne prozentual höhere Boni zahlen.
Samsung steht hier zwischen den Stühlen, um eine Abwanderung eigener Mitarbeiter zu SK Hynix zu verhindern und gleichzeitig die verschiedenen Sparten zufriedenzustellen. SK Hynix als reiner Speicherhersteller bleiben solche Abwägungen erspart. In Südkorea entsteht eine nationale Fairness-Debate.
(mma)
Künstliche Intelligenz
KI-Update Deep-Dive: Wenn Arbeitstempo zur Belastung wird
Überstunden statt Entlastung
Weiterlesen nach der Anzeige
Die University of Labour in Frankfurt am Main ist die erste Hochschule in Europa in Trägerschaft der Gewerkschaften. Dort erforschen Dr. Nicole Deci, Professorin für Arbeitspsychologie, und Dr. Christian Kellermann, Professor für Sozialwissenschaften, wie sich die Arbeitswelt durch KI verändert.

„Es gibt einige Studien, die sich anschauen, was KI mit den Menschen macht“, sagt Deci. Eine US-amerikanische Studie zeige, dass KI den Arbeitsalltag intensiviere. Menschen neigten zu Überstunden und zeigten Verhaltensweisen, die als „Selbstgefährdung im Arbeitskontext“ bezeichnet werden. „Es gibt erste Anzeichen in dieser Studie, dass diese Selbstgefährdung auch durch KI ausgelöst werden kann“, erklärt die Arbeitspsychologin.
Langfristig könne das zu Symptomen wie Irritation oder Erschöpfung führen. Die Studie zeige zudem, dass Erholungszeiten verringert würden, indem Menschen in den Pausen weiterarbeiteten. „Die Hemmschwelle ist geringer. Man hat ja schnell etwas eingetippt und schnell eine Reaktion“, so Deci.
Autonomie und die Gefahr des Kompetenzverlusts
Dabei gibt es auch positive Effekte. Eine österreichische Studie zeige, dass die Befragten durch KI ein erhöhtes Autonomie-Erleben entwickeln könnten, so Deci. „Beispielsweise, indem ich plötzlich Aufgaben übernehmen kann, bei denen ich vorher auf Hilfe angewiesen war.“ Auch Kellermann sieht Vorteile, etwa wenn KI bei der Analyse komplexer Texte unterstützt oder in der Radiologie Routineaufgaben übernimmt und so Zeit für anspruchsvollere Tätigkeiten schafft.
Allerdings warnt Kellermann auch vor der Gefahr des sogenannten De-Skilling, also dem Verlust von Kompetenzen. „Wenn wir über zukunftsfähige Kompetenzen sprechen, dann taucht häufig die kritische Urteilsfähigkeit ganz oben auf“, sagt er. Wenn man sich zu sehr auf KI verlasse, könne man das Gespür und das Wissen für bestimmte Aufgaben verlieren. „Da ist es ganz elementar, dass Unternehmen oder Organisationen darauf achten, dass dieser De-Skilling-Effekt nicht eintritt.“
Weiterlesen nach der Anzeige

Wie intelligent ist Künstliche Intelligenz eigentlich? Welche Folgen hat generative KI für unsere Arbeit, unsere Freizeit und die Gesellschaft? Im „KI-Update“ von Heise bringen wir Euch gemeinsam mit The Decoder werktäglich Updates zu den wichtigsten KI-Entwicklungen. Freitags beleuchten wir mit Experten die unterschiedlichen Aspekte der KI-Revolution.
Menschenzentrierte Gestaltung als Schlüssel
In der Arbeitspsychologie gelten seit Jahrzehnten vier Kriterien für gute Arbeit: Sie muss ausführbar, schädigungslos, beeinträchtigungsfrei und persönlichkeitsförderlich sein. „Das heißt, wir sollten an den Arbeitsaufgaben wachsen können“, erklärt Deci. Das gelinge am besten, wenn KI als Lernwerkzeug genutzt wird.
Für Führungskräfte bedeute dies, vor allem auf menschliche Beziehungen zu achten und Mitarbeitende von Anfang an in die KI-Einführung einzubinden. „Die Personen, die diese Arbeit verrichten, sind teilweise seit mehreren Jahren die Experten für ihre Tätigkeit und wissen am besten, wie KI eingesetzt werden kann“, betont Deci.
Auch sollten Führungskräfte darauf achten, dass in ihren Betrieben keine Parallelstrukturen entstehen. Wenn einzelne Abteilungen im Alleingang Prozesse anstoßen, die sich am Ende vielleicht sogar gegenseitig aushebeln, dann ist das keine gemeinsame Strategie. Laut Deci führt das „bei den Beschäftigten dazu, dass sie keine Lust mehr auf Veränderungen haben.“
Mitbestimmung als Wettbewerbsvorteil
Kellermann hat ein Zertifikat für menschenzentriertes KI-Management mitentwickelt, das sich an Betriebsräte und Personalverantwortliche richtet. Diese müssten die Technik, aber auch die damit einhergehenden soziotechnischen Prozesse verstehen. „Wenn sie arbeitsabwertend sind, sind sie selten produktivitätssteigernd“, erklärt Kellermann.
Das deutsche System der Mitbestimmung sieht er als entscheidenden Vorteil. „Das ist im Prinzip ein wahnsinniger Wettbewerbs- und Standortvorteil, den wir haben.“ Während ein rein marktgetriebener Ansatz wie in den USA oft zu technikzentrierten Prozessen und vielen Verlierern führe, ermögliche Mitbestimmung eine menschenzentrierte Gestaltung.
Gewinne fair verteilen
Die Studienlage zur Produktivitätssteigerung durch KI sei laut Kellermann gemischt. Eindeutiger seien die Prognosen bei den Kosteneinsparungen, die bei 25 bis 30 Prozent liegen könnten. Damit diese Gewinne nicht zu einem sozialen Gefälle führen, schlägt er konkrete Maßnahmen vor.
„Diese Kosteneinsparung kann man zum Teil, und es wird auch in manchen Unternehmen in Deutschland gemacht, für einen Qualifikationsfonds nehmen“, sagt Kellermann. Daraus könnten sich Beschäftigte Weiterbildungen finanzieren, um arbeitsfähig zu bleiben. Das würde der Belegschaft Sicherheit geben und gleichzeitig viele Ängste und Widerstände abbauen, ergänzt Deci.
„Menschenzentrierung von KI ist ja kein hehres Ziel, das wir uns ausgedacht haben, als Gegenpol zur Technikzentrierung“, fasst Kellermann zusammen. „Wir wissen nur aus der Geschichte, dass Technikzentrierung, so wie es in den USA läuft, meistens nicht funktioniert.“ Die wegweisende amerikanische Forschungsgemeinde schaue sehr genau „und auch ein bisschen neidisch“ nach Deutschland. Der institutionalisierte Weg der Mitbestimmung sei unser Erfolgsgeheimnis. „Wir müssen ihn nur nutzen und vor allem erstmal erkennen.“
(igr)
Künstliche Intelligenz
Software Architecture Gathering 2026 in Berlin: Jetzt Vortrag einreichen
Am 17. und 18. November findet das iSAQB Software Architecture Gathering 2026 erneut in Berlin statt. Vor und nach den Konferenztagen gibt es am 16. und 19. November zusätzliche Workshops. Da die Konferenz letztes Jahr erneut ausverkauft war, wechselt sie dieses Jahr in eine größere Location und findet im Titanic Chausee Berlin statt.
Weiterlesen nach der Anzeige
Die Veranstalter, International Software Architecture Qualification Board (iSAQB) und heise conferences, suchen bis Mitte Juni nach Vorträgen und Workshops für das Konferenzprogramm.
Grundlagen, Trends, Tools und Praxis
Das Software Architecture Gathering richtet sich vor allem an Softwarearchitekten und Softwareentwicklerinnen. Die Konferenzsprache ist Englisch. Im bis zum 9. Juni laufenden Call for Papers sind 45-minütige Vorträge, Keynotes sowie ganztägige Workshops (6 Stunden) gefragt. Die Themengebiete sind dieses Jahr:
- Grundlagen der Softwarearchitektur
- Softwarearchitektur im KI-Zeitalter
- Moderne Architekturkonzepte
- Neue Technologien und Quantencomputing
- Soziotechnische Architektur
- Security, Resilienz und Nachhaltigkeit
- Lessons Learned und Best Practices
- Blick über den Tellerrand
Vor der Veröffentlichung des Programms gibt es besonders günstige Blind-Bird-Tickets. Zusätzliche Rabatte sind sowohl für Teams als auch für iSAQB Certified Professionals for Software Architecture (CPSA) erhältlich. Darüber hinaus gibt es ermäßigte Tickets für Studenten und Freelancer.
(rme)
Künstliche Intelligenz
KI-Einkaufsagenten: Welche Risiken Nutzer und Firmen kennen müssen
Agentic Commerce verschiebt die Dynamik beim Shopping von „Mensch sucht Produkt“ zu „Maschine verhandelt mit Maschine“. Dadurch entstehen völlig neue Sicherheitsrisiken. Kriminelle oder auch einer der am Kauf beteiligten Akteure könnte Prozesse betrügerisch manipulieren, etwa an den Schnittstellen zwischen den Maschinen oder mittels Prompt Injection, also durch Manipulation einer künstlichen Intelligenz durch Eingaben, die deren ursprüngliche Anweisungen oder Sicherheitsregeln umgehen.
Außerdem bringt Agentic Commerce datenschutzrechtliche und ethische Fragestellungen mit sich, die weit über den klassischen E-Commerce hinausgehen: Um sinnvoll handeln zu können, benötigen Shoppingagenten Informationen, etwa Präferenzen, Kontext und die bisherige Kaufhistorie.
- Je mehr Rechte und Autonomie KI-Assistenten beim Einkaufen erhalten, desto problematischer wird es, sie zu benutzen.
- Der Artikel analysiert Sicherheitslücken, Manipulationsmöglichkeiten und rechtliche Grauzonen dieser Systeme.
- Kritiker fordern nach dem Prinzip „human on the loop“, dass Entscheidungen bei Menschen verbleiben müssen.
DSGVO-Prinzipien wie Datensparsamkeit, Transparenz und Zweckbindung lassen sich mit dem Agieren der Agenten nur schwer vereinbaren. Wohin sich Agentic Commerce in den nächsten Monaten und Jahren entwickelt, lässt sich schwer absehen. In diesem Artikel tasten wir die größten Knackpunkte ab.
Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „KI-Einkaufsagenten: Welche Risiken Nutzer und Firmen kennen müssen“.
Mit einem heise-Plus-Abo können Sie den ganzen Artikel lesen.
-
Künstliche Intelligenzvor 3 Monaten
Top 10: Die beste kabellose Überwachungskamera im Test – Akku, WLAN, LTE & Solar
-
Social Mediavor 2 MonatenCommunity Management und Zielgruppen-Analyse: Die besten Insights aus Blog und Podcast
-
Social Mediavor 3 MonatenCommunity Management zwischen Reichweite und Verantwortung
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonatenSmartphone‑Teleaufsätze im Praxistest: Was die Technik kann – und was nicht
-
Apps & Mobile Entwicklungvor 3 MonatenIntel Nova Lake aus N2P-Fertigung: 8P+16E-Kerne samt 144 MB L3-Cache werden ~150 mm² groß
-
Entwicklung & Codevor 2 MonatenCommunity-Protest erfolgreich: Galera bleibt Open Source in MariaDB
-
Künstliche Intelligenzvor 2 MonatenBlade‑Battery 2.0 und Flash-Charger: BYD beschleunigt Laden weiter
-
Künstliche Intelligenzvor 2 Monaten
Top 10: Der beste Luftgütesensor im Test – CO₂, Schadstoffe & Schimmel im Blick
