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Kranksein war für mich als Unternehmer ein No-Go
Während in der öffentlichen Debatte über Krankmeldungen diskutiert wird, arbeiten viele Gründer dauerhaft am Limit – ohne Pause, ohne Auszeit. Mawave-CEO Jason Modemann erklärt, wie er persönlich damit umgeht.
Während Bundeskanzler Friedrich Merz darüber diskutiert, ob die Deutschen zu oft krank sind, sieht die Realität bei vielen Gründern ganz anders aus: Die meisten melden sich nie krank. Sie arbeiten permanent am Limit. Hustle ist sowas wie ein Leistungsnachweis. Jason Modemann, CEO von Mawave, erzählt, wie er damit umgeht.
In meiner gesamten Karriere war ich wahrscheinlich keine zehn Tage offiziell krankgemeldet. Und selbst an diesen Tagen habe ich meistens zumindest kurz das Handy in die Hand genommen oder ein paar Mails beantwortet. Wirklich „off“ war ich so gut wie nie.
„Wem wollte ich etwas beweisen?“
Vor allem in den ersten fünf Jahren als Gründer war krank sein für mich ein absolutes No-Go. Ich hatte dieses Gefühl: Wenn ich einen Tag ausfalle, bleibt alles stehen. Wenn ich nicht da bin, verlieren wir Momentum, Wachstum, Kontrolle. Rückblickend denke ich mir: Wem wolltest du da eigentlich etwas beweisen?
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Denn die Wahrheit ist: Die Welt geht nicht unter, wenn man mal ein oder zwei Tage nicht arbeitet. Ein gesundes Unternehmen hält das aus. Wenn es das nicht tut, liegt das Problem nicht an einem Krankheitstag.
Glücklicherweise bin ich selten wirklich krank im medizinischen Sinne. Aber ich merke alle drei, vier Monate sehr deutlich: Jetzt brauche ich einen Cut. Meine Konzentration wird zäher, die Geduld wird kürzer, die Energie weniger.
Bewusst eine Auszeit nehmen
Früher hätte ich solche Anzeichen ignoriert und abgetan. Heute nehme ich das ernst. Das heißt zwar trotzdem nicht, dass ich mich zwei Wochen abmelde und ins Bett lege. Aber ich nehme mich bewusst einen Tag raus: manchmal einfach Spa, manchmal einfach nur etwas Ruhe. Aber zumindest keine Anrufe, keine Mails, kein Slack. Erstaunlicherweise reicht das oft, um zu rechargen und wieder bei 100 Prozent zu sein.
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Was sich bei mir verändert hat, ist nicht meine Belastbarkeit, sondern mein Mindset. Lange Zeit habe ich Krankheit als Schwäche gesehen. Inzwischen sehe ich sie als Signal, um Verantwortung zu übernehmen. Genau darin liegt für mich der Unterschied.
Warum beide Seiten falsch liegen – und worauf es ankommt
Denn Hustlen heißt: Immer weitermachen, egal was der Körper sagt. Verantwortung heißt: Etwas dafür tun, langfristig leistungsfähig zu bleiben.
Die Hustle-Kultur ist meiner Meinung nach deshalb genauso problematisch wie die Krankheitsdebatte. Denn beide denken in Extremen. Die eine Seite sagt: Ihr fehlt zu oft. Die andere sagt: Du darfst nie fehlen.
Im Grunde genommen messen aber beide Leistung falsch. Denn am Ende geht es nicht darum, wie viele Krankheitstage man (nicht) hat, sondern konstant zu liefern – ohne sich selbst zu verbrennen. Und dafür braucht es vor allem eines: sich selbst ehrlich zu führen.
Jason Modemann ist Gründer und Geschäftsführer von der Social Media Agentur Mawave Marketing. Mit 27 Jahren führt er 150 Mitarbeiter. Zu Mawaves Kunden zählen unter anderem Red Bull, Nike und Lidl. Zudem ist er Autor des Buches „Always hungry, never greedy.“
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Peter Thiel verkauft Palantir-Aktien im Wert von 280 Millionen Dollar
Investor Peter Thiel verkauft einen Teil seiner Palantir-Anteile – und sorgt damit für Unruhe bei Aktionären.
Peter Thiel hat sein sicheres Händchen für Investments und Gründungen schon häufig bewiesen. Bei Meta, PayPal und Palantir etwa hat der 58-jährige Tech-Unternehmer das Potenzial erahnt und sich mit dieser außergewöhnlichen Trefferquote selbst zum Multimilliardär gemacht.
Zuletzt bewies der Investor sein Ausnahmegespür im November 2025 mit dem vollständigen Verkauf seiner Nvidia-Aktien – den Stand von damals hat das Papier bis heute nicht wieder erreicht. Und wenn ihn dieser Spürsinn inzwischen nicht verlassen hat, sollten sich Anteilseigner von Palantir unter Umständen jetzt Sorgen machen. Davon gibt es gerade in Deutschland viele: Nach einer Erhebung von Gründerszene gehörte Palantir im Vorjahr zu den beliebtesten 15 Aktien bei deutschen Anlegern.
Thiel verkauft zwei Millionen Palantir-Aktien
Denn genau bei diesem Unternehmen, das er selbst mitgegründet hat, steigt Thiel nun erneut aus – wenn auch nur teilweise. Am Montag reichte Thiel bei der US-Börsenaufsicht SEC einen Antrag ein, der den geplanten Verkauf von zwei Millionen Palantir-Aktien zum geschätzten Marktwert von rund 280 Millionen Dollar ankündigt. Das entspricht einem Kurs von etwa 140 Dollar pro Aktie.
Technisch gesehen ist das keine Überraschung: Der Verkauf gehört zu einem im November 2025 vereinbarten Handelsplan, der es Insidern erlaubt, Aktien zu vorab festgelegten Konditionen zu veräußern, ohne dem Vorwurf des Insiderhandels ausgesetzt zu sein.
Beruhigend für normale Anleger ist, dass auch ein Peter Thiel kein Investment-Gott ist. Denn für einen Verkauf gab es im vorigen halben Jahr deutlich bessere Zeitpunkte. Seit die Palantir-Aktie im November 2025 bei 207,52 Dollar ein Allzeithoch markierte, ist sie um rund 30 Prozent gefallen. Thiel verkauft also nicht auf dem Höchststand – er verkauft nach einem erheblichen Rücksetzer, bei einem Kurs von rund 140 Dollar je Aktie. Ein Preis, zu dem sie möglicherweise schon wieder unterbewertet ist: Analysten sehen das Kursziel im Schnitt bei 190 Dollar, also gut 30 Prozent über dem aktuellen Niveau.
Die Mehrheitsmeinung der Profis lautet also: Palantir ist günstig bewertet. Hinzu kommt, dass das aktuelle Umfeld dem Geschäftsmodell des Unternehmens tendenziell eher in die Hände spielt: Das Unternehmen ist auf KI-gestützte Analysewerkzeuge für militärische und zivile Anwendungen spezialisiert – Datenauswertung für Geheimdienste, Streitkräfte, Sicherheitsbehörden.
Seit Jahresbeginn liegt die Palantir-Aktie mit mehr als 18 Prozent im Minus
Unsichere geopolitische Lagen und wachsende Terrorgefahr sind für Palantir strukturell gute Nachrichten. Beides ist nach dem Ausbruch des Iran-Krieges in dieser Woche in verschärfter Form gegeben. Wenn es einen Moment gibt, in dem die Nachfrage nach dem, was Palantir verkauft, steigt, dann ist es dieser. Das zeigte sich auch am Dienstag, als die Aktie in einem stark negativen Umfeld mit relativer Stärke auftrumpfte und sich am Nachmittag recht stabil zeigte.
Und die Zahlen bestätigen das. Das vierte Quartal 2025 war stark: 1,4 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr, Zahlen, die über den Erwartungen lagen. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 0,25 Dollar und übertraf die Prognosen. Das Unternehmen liefert – operativ. Seit Jahresbeginn liegt die Palantir-Aktie mit mehr als 18 Prozent im Minus, nach einem Kursanstieg von über 135 Prozent im Jahr 2025.
Die hohe Volatilität ist kein Zufall: Palantir wird von Investoren nicht wie ein gewöhnliches Technologieunternehmen bewertet – es gilt als Wette auf die Zukunft der staatlichen KI-Infrastruktur. Solche Titel reagieren auf Stimmungen, auf politische Großwetterlagen, auf das Auf und Ab der Risikobereitschaft.
Warum genau jetzt, ist unklar
Was Anleger beschäftigt, ist weniger der Verkauf selbst als das Muster. Thiel hat Palantir-Aktien schon früher verkauft – die bislang größte Tranche im Herbst 2024 hatte einen Wert von mehr als einer Milliarde Dollar. Auch nach dem aktuellen Verkauf bleibt er mit rund drei Prozent der Anteile größter Einzelaktionär. Die ältesten Aktien, die er jetzt veräußert, stammen aus dem Jahr 2009 – fünf Jahre nach der Gründung, elf Jahre vor dem Börsengang. Zu welchem Einstandspreis, lässt sich nur erahnen. Die Gewinne sind in jedem Szenario außerordentlich.
Dennoch bleibt die Frage, die Thiel nicht beantwortet und die der Markt nicht ignorieren wird: Warum jetzt? Schichtet der Investor sein Portfolio planmäßig um – oder sieht er etwas, das die Analysten mit ihren Kurszielen von 190 Dollar nicht sehen? Bei Nvidia hat Thiel den Ausstieg besser getimed als fast jeder andere. Das ist kein Beweis für etwas. Aber es ist auch kein Zufall, den man ignorieren sollte.
Palantir-Aktionäre sollten deshalb die nächsten Tage besser genau hinsehen. Nicht, weil ein geplanter Aktienverkauf durch einen Gründer zwingend ein Warnsignal ist. Sondern weil Thiel in der Vergangenheit bewiesen hat, dass er weiß, wann es Zeit ist zu kaufen. Und zu verkaufen.
Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und Business Insider erstellt.
Michael Höfling schreibt für WELT über Immobilien, Wirtschaftspolitik und Gold. Gemeinsam mit Michael Fabricius ist er für den Immobilien-Newsletter „Frage der Lage“ zuständig, den Sie hier abonnieren können.
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