Digital Business & Startups
Linkedin? Gym? Events? Wie ihr ein gutes Netzwerk aufbaut
„Hast du mal 30 Minuten?“ – solche Nachrichten bekommen Gründer und Investoren auf Linkedin oft. In unserem Podcast „Royal GS“ geht es darum, was beim Netzwerken nervt und was aber funktioniert.
„Du brauchst nicht netzwerken, wenn du was Krasses vorzuweisen hast“, mit dieser steilen These von Nikita Fahrenholz startet die neuste Podcast-Folge von Royal GS. Und sie ist bewusst provokant. Denn das, was viele unter Networking verstehen, also wahlloses Connecten, kalte Nachrichten, künstliche Nähe, sind eher Eitelkeiten, sagen Fahrenholz (Gründer von Delivery Hero & Fahrengold) und Martin Eyerer (Ex-CEO Factory Berlin, Unternehmer, Techno-DJ).
Hört die Folge hier: Spotify und Apple Podcast
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Doch hinter der Polemik steckt eine ernsthafte Frage: Braucht man wirklich ein Netzwerk, wenn man „einfach gut“ ist?
Die ehrliche Antwort der beiden Hosts: Ja. Aber nur, wenn man verstanden hat, was Netzwerken wirklich bedeutet – und was eben nicht.
Erfolgreiche Unternehmer investieren 6,5 Stunden pro Woche
Eine Studie, die Eyerer in der Folge zitiert, kommt zu dem Ergebnis: Erfolgreiche Unternehmer netzwerken im Schnitt 6,5 Stunden pro Woche. Das entspricht fast einem ganzen Arbeitstag.
Aber: Die Studie zeige auch, dass der Nutzen nicht unendlich mit dem Zeitaufwand steige. Irgendwann ist eine Sättigung erreicht.
Wer nur nimmt, fliegt raus
Eines der zentralen Learnings der Folge: Ein gutes Netzwerk ist kein Transaktionsraum. „Ich gebe dir etwas, damit ich von dir etwas zurückkriege“– so funktioniere es laut Eyerer nicht. Wer so denkt, werde schnell aussortiert. Die wichtigste Währung sei Vertrauen.
Das heißt konkret:
- Nicht nur melden, wenn man etwas braucht
- Zeit des anderen respektieren
- Ressourcen nicht ausnutzen
- Auch mal zehnmal geben, bevor man einmal nimmt
Ein Beispiel aus der Praxis von Eyerer: Wer ständig nach Gefallen fragt, etwa für Gästelisten, Intros oder Empfehlungen, verbrenne laut Eyerer damit nicht nur seine eigene Reputation, sondern auch die des anderen. Gute Netzwerker denken die Perspektive ihres Gegenübers immer mit, sagt er.
Oder anders gesagt: Wer jede Woche anruft, wird irgendwann nicht mehr zurückgerufen.
Der größte Networking-Fehler: „Hast du mal 30 Minuten?“
Und auch random Nachrichten auf Linkedin sind nicht das beste Stilmittel, um zu netzwerken. Fast jeder Gründer und Investor kennt sie: die Linkedin-Nachrichten ohne Anrede, ohne Kontext, ohne Vorleistung. Fahrenholz bekomme etwa zwei Nachrichten pro Woche à la „Hast du mal 30 Minuten für mich und meinen Kumpel? Wir haben da so eine Idee.“
Das Problem dabei sei aber nicht die Anfrage, sondern vielmehr die Message dahinter. Wer so fragt, signalisiere laut Fahrenholz, die Zeit des Anderen nicht zu respektieren. Netzwerken beginne nicht mit einer Bitte, sondern mit einem Offering. Da sind sich Fahrenholz und Eyerer einig.
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Fahrenholz nennt deswegen auch ein positives Gegenbeispiel: Als Fahrenholz mal in Mailand war, fragte er in einem Linkedin-Post, ob jemand Zeit für einen Kaffee hätte. Ein junger Unternehmer sah das und schrieb ihm eine kurze Nachricht. Er bot Fahrenholz an, sich für das Treffen nach ihm zu richten. Später erfuhr Fahrenholz, dass der junge Unternehmer extra aus Firenze angereist gekommen war. Heute ist er Head of Events bei Fahrenholz. Nicht, weil er „genetzwerkt“ hat. Sondern weil er invested war.
Wo echte Netzwerke entstehen (und wo nicht)
Ein weiteres Learning der beiden Unternehmer: Nicht jedes exklusive Setting ist automatisch ein gutes Netzwerk. Beispielsweise sollen private Member Clubs wie Soho House oder China Club Orte sein, an denen Kontakte entstehen könnten. Aber nur, wenn man sie aktiv nutzt, etwa über Events oder gezielte Vorstellungen.
Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, wie man sein Netzwerk ausbauen kann. Eyerer und Fahrenholz nennen:
- Im Gym
- In Parteiarbeit
- In Stiftungsräten
- In ehrenamtlichen Funktionen
- In Sportvereinen
- in Restaurants
Die dunkle Seite: Zugehörigkeit als Geschäftsmodell
Eyerer und Fahrenholz sprechen außerdem ein größeres Phänomen an: Unternehmer, die gezielt exklusive Settings wie Yachten, Villen oder Privatjets inszenieren, um das Gefühl zu erzeugen, dazu gehören zu wollen. Die implizite Botschaft dabei sei klar: Wer das will, müsse investieren, Geld springen lassen. Für Fahrenholz sei das nichts, sagt er. So ein Netzwerk sei laut Eyerer und Fahrenholz einfach nicht nachhaltig.
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Linkedin: ungeliebt, aber unvermeidbar
Und auch zu Linkedin selbst haben die beiden eine Meinung: Von „Open to network“-Badges halte Eyerer gar nichts. Das schrecke ihn eher ab. Die beiden nutzen Linkedin zum Netzwerken, um relevante Kontakte zu finden, Expertinnen und Experten zu identifizieren oder Intros vorzubereiten.
Darin liegt für beide auch die zentrale Erkenntnis: Netzwerken an sich sei nicht das Problem, Opportunismus hingegen schon. Wer jedoch versteht, dass Beziehungen langfristige Investitionen sind, baue ein Asset auf, das in entscheidenden Momenten den Unterschied machen soll.
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Elon Musks KI-Startup xAI ist ein Geldgrab
Wie viel Geld verdient Elon Musk mit seinen Firmen? Belastbare Zahlen gibt es nur von Tesla. Und nun beendet er die Produktion zweier Modelle.
Tesla stellt die Produktion des Model S und des Model X ein. Offiziell benötigt Tesla den Platz in der Fabrik für Optimus, den humanoiden Roboter. Inoffiziell sagt dieser Schritt etwas anderes: Die alten Geschichten tragen nicht mehr und Musk gehen die Ideen im Autosegment aus.
Zwar ist Tesla mit dem Model 3 und Y längst Massenhersteller, doch die dringend benötigten neuen Modelle sind nicht in Sicht. Für die Börse aber braucht es mehr als solide Autos. Es braucht Visionen. Und genau die sollen jetzt Roboter und Autonomie liefern.
Doch diese Visionen funktionieren bislang vor allem als Erzählung und nicht in der Realität. Elon Musk musste zuletzt selbst einräumen, dass der Optimus-Roboter in Teslas Fabriken noch keine „nützliche Arbeit“ verrichtet.
Das ist bemerkenswert, weil der Roboter seit Monaten als nächste industrielle Revolution verkauft wird. Früher konnte Musk auf reale Produkte verweisen, heute spricht er über Roboter, die noch nicht arbeiten.
Das alte Geschäftsmodell ist Vergangenheit
Das ist mehr als ein Entwicklungsproblem. Es ist ein Rollenwechsel. Tesla wird nicht mehr als Autobauer geführt, sondern als Zukunftswette. Die Produktion von Fahrzeugen wird geopfert, um Raum für neue Narrative zu schaffen. Autonomie statt Absatz. Roboter statt Rendite. Wer das kritisch sieht, bekommt schnell den alten Musk-Reflex zu hören: Man müsse nur Geduld haben. Doch Geduld ist kein Geschäftsmodell.
Noch deutlicher wird das bei xAI, Musks KI-Firma. Sie ist das klassische Versprechen unserer Zeit: künstliche Intelligenz als neue universelle Infrastruktur. Nur: xAI veröffentlicht keine regulären Jahresberichte, ist nicht börsennotiert und lebt von Finanzierungsrunden und Visionen. Medienberichte sprechen von hohen Verlusten und einem enormen Cashburn von bis zu 1 Milliarde Dollar pro Monat. Das klingt nach viel, liegt aber im Rahmen dessen, was andere AI-Unternehmen an Geld verbrennen.
Das Problem von xAI ist bisher allerdings, dass es wenig genutzt wird und höchstens von sich reden macht, wenn User sexualisierte Bilder von Prominenten erstellen. xAI wirkt daher weniger als ein Unternehmen und mehr wie eine Wette mit sehr hohem Einsatz. Und das in einem äußerst kompetitiven Umfeld, in dem Investoren langsam nervös werden und Ergebnisse verlangen.
xAI ist ein Geldgrab
Dass xAI nun unter SpaceX gezogen wird, ist deshalb kein strategischer Geniestreich, sondern ein Schutzmechanismus. Das Imperium wächst nicht mehr durch Produkte, sondern durch Zusammenlegung. Wenn sich einzelne Teile nicht selbst tragen, werden sie in größere Konstrukte integriert. Nicht Marktlogik stabilisiert das System, sondern eine Neustrukturierung, die Investoren beruhigen soll.
So verändert sich auch Musks Rolle. Er war erfolgreich, solange seine Firmen sichtbar Dinge bauten: Autos, Raketen oder Batterien. Heute verkauft er Versprechungen. Tesla wird zur Plattform für Autonomie, auch wenn die Technik der Autos noch längst nicht so weit ist. Optimus wird zur Projektionsfläche für industrielle Fantasien und xAI zum passenden AI-Begleiter, der viel verspricht, aber nichts kann.
Das ist der gefährliche Moment für jeden Unternehmer mit Mythos: Wenn Produkte nicht mehr im Zentrum stehen, sondern Erzählungen. Wenn Bilanz durch Vision ersetzt wird. Wenn Stilllegung als Zukunft verkauft wird. Das Imperium von Elon Musk bröckelt nicht, weil es scheitert, sondern weil es nur noch um die Verwaltung von Krediten geht.
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