Künstliche Intelligenz
Netflix: 250 Millionen Menschen schauen mit Werbeabo
Netflix feiert weiterhin Erfolge mit seinem Werbeabonnement: Mittlerweile schauen über 250 Millionen Menschen pro Monat in dem günstigen Einstiegsabo, teilte das US-Unternehmen bei seiner Upfront-Veranstaltung mit. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen Pläne an, das Werbeabo ab 2027 in 15 weitere Märkte zu bringen, darunter Österreich, Polen und Dänemark.
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In Deutschland kann das Werbeabo seit Herbst 2022 gebucht werden. Abonnenten können die Inhalte vergleichsweise günstig, aber mit Werbeunterbrechungen und eingeschränkter Bildqualität schauen. Nach einem schleppenden Start hat sich das Werbeabonnement für Netflix zu einem großen Erfolg entwickelt: Ende 2024 buchte jeder zweite neue Nutzer ein Werbeabonnement. Im November 2025 hatte Netflix noch 190 Millionen monatlich aktive Werbeabo-Zuschauer gemeldet.
Abonnentenzahl unklar
Die nun von Netflix genannte Zahl von 250 Millionen Zuschauern im Werbeabo darf nicht mit Abos verwechselt werden: Netflix zählt hier Gesamtzuschauer, nicht Nutzerkonten. In einem Haushalt mit mehreren Personen können also auf ein einzelnes Abo mehrere Zuschauer kommen. Netflix macht keine Angaben dazu, wie viele Werbeabos mittlerweile gebucht wurden. Insgesamt zählt der Streamingdienst 325 Millionen Abonnenten.
Das Werbeabo (Standard mit Werbung) kostet in Deutschland 5 Euro pro Monat – deutlich weniger als das nächstgünstigere Abonnement (Standard ohne Werbung), das monatlich 14 Euro kostet. Eine werbefreie Zwischenstufe für 8 Euro pro Monat hat Netflix nach der Markteinführung des Werbeabos gestrichen. Nutzer im Werbeabo gelten trotz niedriger Abopreise als besonders lukrativ für den Streamingdienst.
Netflix baut angeblich KI-Studio auf
Derweil experimentiert Netflix offenbar weiter mit KI: Der Journalist Janko Röttgers berichtet in seinem Newsletter Lowpass, dass Netflix aktuell ein neues Studio namens INKubator aufbaut, das Kurzfilme mit KI erstellen soll. Derzeit suche Netflix per Stellenausschreibung nach Mitarbeitern. Netflix sieht in KI-Produktionen eine Möglichkeit, die Produktion neuer Inhalte zu vergünstigen, sagte CEO Ted Sarandos im vergangenen Jahr im Gespräch mit Analysten. Künstliche Intelligenz könne etwa CGI-Effekte preiswerter umsetzen.
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Netflix hat außerdem das von Schauspieler Ben Affleck gegründete KI-Start-up InterPositive übernommen, das KI-Werkzeuge für die Postproduktion von Filmen und Serien entwickelt.
(dahe)
Künstliche Intelligenz
Frankreich streicht eigene Paketsteuer für Kleinsendungen nach geringem Ertrag
Seit März dieses Jahres wurde in Frankreich eine Paketsteuer in Höhe von 2 Euro pro Kleinsendung aus Nicht-EU-Staaten erhoben, wenn der Warenwert unter 150 Euro liegt. Diese Regelung hat Paris gestern kurzfristig aufgehoben, ab heute wird diese Gebühr nicht mehr fällig. Denn asiatische Plattformen haben diese Paketsteuer erfolgreich umgangen, sodass die Einnahmen deutlich unter den Erwartungen zurückgeblieben sind.
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Stattdessen setzt die französische Regierung auf die ebenfalls ab heute geltende neue Zollregel für Kleinsendungen aus Nicht-EU-Staaten. Die bisherige Zoll-Ausnahme für günstige Lieferungen entfällt ab 1. Juli 2026. Auch für Bestellungen mit einem Wert unter 150 Euro wird nun eine Zollabgabe fällig. Pro Warengruppe werden pauschal 3 Euro berechnet. Die französische Paketsteuer sollte ursprünglich zusätzlich zu dieser neuen EU-Zollregel erhoben werden.
Paris verweist auf einheitliche EU-Zollregel
Doch jetzt macht Paris einen Rückzieher, wie die französische Tageszeitung Le Monde berichtet. „Da wir Teil des Binnenmarkts sind und mit unseren europäischen Partnern zusammenarbeiten, gibt es keine Rechtfertigung mehr dafür, neben dem neuen europäischen ‚3-Euro-Zoll‘ auch noch unsere eigene Paketsteuer beizubehalten“, erklärte das Büro von Handelsminister Serge Papin den Kurswechsel demnach.
Mit der eigenen Paketsteuer verfolgte Frankreich denselben Zweck wie die neue EU-Zollregel, nämlich die Flut an Billigpaketen vor allem aus Asien einzudämmen. 2025 kamen nach Zahlen der EU-Kommission 5,9 Milliarden Sendungen mit niedrigem Warenwert an, ohne dass Zoll fällig wurde – viermal so viel wie 2022 (1,39 Milliarden). Dabei würden viele Produkte gegen europäische Standards verstoßen. Mit der ab heute geltenden Regelung soll der Zoll die Importe besser kontrollieren können und „ein fairer Wettbewerb“ mit europäischen Unternehmen sichergestellt werden.
EU-Import erst anderswo, dann per Lkw nach Frankreich
Die französische Paketabgabe wurde von Händlern wie Shein, Temu und AliExpress erfolgreich umgangen, indem die Waren zunächst in andere EU-Länder geschickt und dann auf der Straße nach Frankreich transportiert wurden. Das führte zu einem Rückgang der Warenlieferungen um rund 90 Prozent seit März, wie der französische Zoll schätzt. Ursprünglich sollte die eigene Paketsteuer 400 Millionen Euro pro Jahr generieren, doch der Zoll bewertete die tatsächlichen Einnahmen mit 2,3 Millionen Euro pro Monat.
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„Wir lieben unsere belgischen Freunde, aber es ist nicht richtig (…), dass nur sie die Auswirkungen der Maßnahmen zu spüren bekommen“, während „in Frankreich trotzdem weiterhin Pakete ankommen“, fasste das Büro des französischen Handelsministers zusammen. Trotzdem verbucht Paris die eigene Paketsteuer als Erfolg. „Unser Ziel war es (…), Europa zum Handeln zu bewegen“, und „das ist uns gelungen“, heißt es weiter. „Frankreich war hierbei wirklich Vorreiter“, ergänzte das französische Ministerium für öffentliches Handeln und Haushalt.
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(fds)
Künstliche Intelligenz
Mega-Investitionen: Aktuelle KI-Euphorie gefährlich wie die Dotcom-Blase
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt vor den finanziellen Risiken, die aus dem aktuellen Investitionsboom rund um KI erwachsen könnten. In ihrem Jahresbericht zieht die BIZ Parallelen zu historischen Boomphasen wie der britischen Eisenbahn-Manie in den 1840er Jahren, dem Elektrifizierungsrausch der späten 1920er und dem Dotcom-Boom der späten 1990er. In diesen Fällen habe es einen technologischen Durchbruch gegeben, der mehr Kapital anzog, als sich durch kommerzielle Erträge tatsächlich rechtfertigen ließ. Auf die Boom-Episoden seien dann ein Investitionsrückgang und gesamtwirtschaftliche Rezessionen gefolgt.
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Laut Schätzung der BIZ werden die fünf größten Hyperscaler von 2025 bis 2026 voraussichtlich über eine Billion US-Dollar für KI-bezogene Investitionen ausgeben. Dabei gehen sie Verpflichtungen ein, die ihre Gewinne und den freien Cashflow übersteigen, und verschulden sich in großem Ausmaß an den Anleihemärkten für weiteres Kapital. Der Wettbewerb laufe mit hoher Intensität, weshalb die Unternehmen Gefahr laufen, zu viele Ressourcen in Projekte mit ungewisser Rendite zu stecken. Das mache anfällig für Enttäuschungen. Angesichts steigender Ausgaben, sinke aber auch die Möglichkeit, damit noch Nettogewinne einzufahren. Der Boom könnte in eine Investitionszurückhaltung umschlagen mit weitreichenden finanziellen Folgen.
Engpässe und undurchsichtige Deals
Ebenso stoße der KI-Ausbau auf Engpässe etwa bei Strom, Halbleitern und Netzwerkausrüstung. Diese vorübergehenden Engpässe könnten die Überinvestitionen noch verstärken. Unternehmen versuchten, sich zukünftige Kapazitäten durch langfristige Verträge zu sichern, wodurch sie sich jedoch noch stärker dem Risiko von Nachfragerückgängen aussetzten.
Ein weiteres Problem sei die Undurchsichtigkeit der Finanzierung im KI-Sektor, die die Anfälligkeit noch verstärke. Hyperscaler, Chiphersteller und KI-Labore hätten ein komplexes Geflecht an Vereinbarungen geschlossen, teilweise in zirkulärer Form. So erwerben Chiphersteller und Hyperscaler Beteiligungen an KI- oder Neocloud-Anbietern, die sich im Gegenzug zur Abnahme von Chips oder Rechenleistung verpflichten. Auch werde der Bau von Rechenzentren an Dritte ausgelagert, die die Anlagen im Rahmen langfristiger Verträge mit eingebetteten Ausstiegsklauseln an Hyperscaler zurückvermieten. Dank nur unzureichend offengelegter Regeln bestehe das Risiko mehrfacher Verpfändung derselben Anlage. Solche Vereinbarungen machen laut BIZ einen beträchtlichen Anteil der branchenweiten Finanzierung und der zukünftigen Einnahmen aus.
Ein Flop der KI-Investitionen könnte in Verbindung mit weiteren wirtschaftlichen Schwachstellen zu „destabilisierenden makrofinanziellen Rückkopplungsschleifen“ führen, fürchtet die BIZ. Neben Investitionszurückhaltung könne das zu einem starken Einbruch an den Aktienmärkten führen. Ebenfalls könne es zu erheblichen Verwerfungen an den Kreditmärkten kommen, die auch die restliche Wirtschaft abseits der Tech-Konzerne und ihrer direkten Zulieferer beeinträchtigen. Die BIZ ist eine internationale Finanz-Organisation, in der 63 Zentralbanken wie die EZB und die Deutsche Bundesbank Mitglied sind. Sie gilt quasi als Bank der Banken.
(axk)
Künstliche Intelligenz
Graviert, schneidet & druckt: Klasse-1-Laser-Engraver xTool M2 überzeugt im Test
Der xTool M2 kombiniert einen Diodenlaser und CMYK-Farbdruck in einem geschlossenen Klasse-1-Gehäuse – eine ungewöhnliche Mischung.
Neben 3D-Druckern (Bestenliste) sind auch Laser-Gravur-Geräte im Privatbereich angekommen. Die meisten günstigen Produkte setzen dabei noch immer auf offene Konstruktionen mit einem reinen Laser-Modul, deren Betrieb nicht ungefährlich ist. Der xTool M2 geht einen anderen Weg: Er kombiniert einen 10- oder 20-W-Diodenlaser mit einem CMYK-Tintenstrahldruckkopf und steckt das Ganze in ein vollständig geschlossenes Gehäuse.
Damit will der Hersteller eine neue Zielgruppe ansprechen. Schulen, Bildungseinrichtungen und Einsteiger profitieren vom Klasse-1-Sicherheitsstandard, der den Betrieb ohne Auflagen erlaubt. Bastler und Kleinunternehmer wiederum erhalten ein Werkzeug, mit dem sie Motive zunächst farbig drucken und anschließend ohne erneutes Ausrichten gravieren oder ausschneiden können.
Nun muss der xTool M2 mit Rotationseinheit zeigen, ob das 3-in-1-Konzept im Alltag überzeugt.
Endlich sicher: Laser-Klasse 1
Der xTool M2 ist offiziell ein Gerät der Laser-Klasse 1 und somit auch für Privatanwender ohne Laser-Schulung nutzbar. Die meisten Laser-Graviergeräte haben die Laserklasse 4, welche nur für professionelle Anwender gedacht ist, da diese strengen Schutzmaßnahmen unterliegen.
Beim M2 schützt das komplett geschlossene Gehäuse mit der transparenten Haube aus Laser-Sicherheits-Glas. Die magnetischen Sensoren registrieren, wenn der Deckel geöffnet wird und der Laser pausiert unverzüglich seine Arbeit. Die von xTool bekannte Flammenerkennung sorgt für zusätzliche Sicherheit – beim Lasern muss man das Werkstück trotzdem immer im Auge behalten.
Die integrierte Rauchabsaugung des M2 befördert Rauchgase über den mitgelieferten Schlauch aus dem Gehäuse und im Idealfall direkt aus dem Fenster. Gerade beim Schneiden ist die Rauchentwicklung aber nicht zu unterschätzen. Deswegen empfehlen wir neben einer vernünftigen Belüftung noch einen zusätzlichen Luftfilter – die Investition lohnt sich bei häufiger Nutzung auf jeden Fall!
Auch bei einem Klasse-1-Laser sollte man nie ohne Vorwissen mit einem so leistungsstarken Laser arbeiten. Es geht dabei nicht allein um den Schutz des Augenlichts, sondern auch um die Vermeidung von unbeabsichtigten Bränden und von giftigen bis ätzenden Gasen, die beispielsweise beim Bearbeiten von einigen Kunststoffen entstehen. Wer sich einen Laser in die heimische Werkstatt stellt, sollte immer mit Bedacht arbeiten: Ein Laser, auch der mit Klasse-1-Zertifizierung, ist kein Spielzeug!
Design & Aufbau
Der M2 wirkt schon beim Auspacken eher wie ein fertiges Werkzeug als ein klassischer Bausatz. Letztlich entfernen wir lediglich die Transportsicherungen und entnehmen das darin eingebettete Zubehör – fertig. Das Gerät misst 610 × 569 × 180 mm und wiegt rund 12,3 kg. Das geschlossene Gehäuse mit filterndem Deckel ist als Laser-Sicherheitsklasse 1 vom TÜV Süd zertifiziert. Im Normalbetrieb ist daher keine Schutzbrille nötig – ein klarer Pluspunkt gegenüber den meisten offenen Diodenlasern oder auch dem xTool F2 (Testbericht).
Das Herzstück ist wahlweise ein blauer Diodenlaser mit 10 oder 20 W Ausgangsleistung sowie das CMYK-Tintenstrahlmodul für den Farbdruck. Optional erhältlich ist zukünftig auch ein 3-W-Infrarotlaser für Metallgravuren. Der werkzeuglose Wechsel zwischen den Aufsätzen funktioniert auf Anhieb schnell und unkompliziert. Zuerst das USB-Kabel am Modul abstecken, dann das Modul mit etwas Kraft abziehen, das andere Modul grob ausrichten und in die magnetische Halterung einschnappen lassen, Kabel anstecken und fertig.
Die Arbeitsfläche misst im Laser-Modus 426 × 320 mm (10/20 W) oder 412 × 310 mm beim Infrarotlaser. Im Druckmodus stehen 300 × 294 mm zur Verfügung. Die maximale Geschwindigkeit liegt laut Hersteller bei 600 mm/s, die Bewegungsgenauigkeit bei 0,01 mm. Für die einfache Platzierung von Grafiken sorgt das Doppelkamerasystem: Eine 5-MP-Panoramakamera im Deckel erfasst im ersten Schritt die gesamte Arbeitsfläche, eine 2-MP-Nahbereichskamera am Arbeitskopf liefert dann präzise Ergebnisse für eine ganz exakte Positionierung. Die kamerabasierte Positioniergenauigkeit liegt laut Datenblatt bei bis zu 0,2 mm – was in der Praxis durchaus hinkommt.
Ebenfalls an Bord: Autofokus, ein integrierter Air Assist, WLAN, USB-Anschluss und eine automatische Versiegelung der Druckpatrone. Mitgelieferte Magnethalter fixieren das Werkstück auf der Metallgrundplatte. Einen echten Not-Aus-Schalter sucht man dagegen vergeblich.
Insgesamt ist die Arbeitshöhe leider doch recht eingeschränkt. Größere Objekte, wie Weinkisten oder Ähnliches, muss man vor dem Bearbeiten zerlegen – wenn möglich.
xTool M2 – Bilderstrecke
xTool M2 – Hier hat der Laser einen kleinen Sichtschutz verpasst bekommen – normal bei Nutzung der Rotationseinheit.
xTool M2 – Wegen der eingeschränkten Höhe, muss der Laser für das Rotationsmodul um 90 Grad gekippt werden.
xTool M2 – Das Modul hält magnetisch und rastet zuverlässig ein. Nur das Kabel muss man per Hand ein- und ausstecken.
Inbetriebnahme & erste Schritte
Das Gerät ist weitgehend vormontiert und so schon nach wenigen Handgriffen und dem Entfernen der Transportsicherungen einsatzbereit. Nach Anschluss von Strom und Abluftschlauch übernimmt die Software die komplette Kalibrierung automatisch und führt den Nutzer schrittweise durch den Prozess. Bereits nach kurzer Zeit startet das erste kleine Projekt, ein komplexes Schnittmuster in Holz. Das Ergebnis erfüllt zwar keinen echten Zweck, die Schnittleistung aber überzeugt. Die Kanten gelingen sauber und ohne auszubrennen.
Die Verarbeitung des Gehäuses überzeugt durchgehend, die Mechanik läuft sauber und die Komponenten machen einen durchdachten Eindruck.
Vor jedem Vorgang positioniert man das Werkstück auf der Metallgrundplatte. xTool liefert mehrere kleine Magnethalter mit, die Holzplatten, Karton oder Acryl grundsätzlich zuverlässig halten. Bei dünnem Karton, Filz oder sehr leichten Materialien behelfen wir uns mit einfachem Kreppband.
Die Kombination aus Kamera und Software gefällt im Test besonders gut. Nach dem Einlegen des Materials liefert die Kamera ein Bild der Arbeitsfläche, auf dem das Motiv direkt am Bildschirm platziert wird. Für kleine Motive und eine millimetergenaue Platzierung kommt dann die zweite Kamera ins Spiel. Die Nahbereichskamera arbeitet spürbar präziser als die Übersichtskamera und dank der sehr hohen Genauigkeit spart das viel Zeit und reduziert Fehlgravuren oder falsch platzierte Schnitte deutlich.
Eine funktionierende Abluft im M2 gehört zur Grundausstattung. Im Test funktionierte die Abluft aus dem Fenster zwar einigermaßen ordentlich, mit einem zusätzlichen Luftfilter muss man sich aber deutlich weniger Gedanken machen. Wer den Laser täglich oder über mehrere Stunden betreibt, sollte unbedingt über eine professionelle Luftfilteranlage wie den xTool Safety Pro AP2 oder eine fest installierte Abluftführung nachdenken. Ersterer ist mit einem Preis von rund 909 Euro zwar sehr teuer, in der Praxis lohnt sich die Investition in unseren Augen trotzdem.
Software
xTool Studio richtet sich klar an Einsteiger. Die Software führt Schritt für Schritt durch die Arbeitsabläufe und bietet eine große Auswahl an Materialprofilen. Dadurch gelingt der Einstieg deutlich einfacher als bei vielen Konkurrenzprodukten. Unterstützt werden Windows und macOS sowie die Dateiformate SVG, DXF, JPG, JPEG, PNG und BMP. Die Verbindung erfolgt wahlweise per USB oder WLAN.
Dieses Konzept bringt jedoch auch Einschränkungen mit sich. Erfahrene Anwender werden die fehlende Unterstützung der beliebten Lasersoftware LightBurn kritisch sehen, die Umgewöhnung gelingt aber schnell.
Die WLAN-Funktion arbeitet im Test zuverlässig. Nach der ersten Einrichtung lässt sich der M2 bequem kabellos nutzen, für große Datenmengen wird trotzdem die USB-Verbindung empfohlen. Ergänzt wird die Software durch die Plattform xTool Atom, eine Online-Bibliothek mit Projektideen, Vorlagen und Designressourcen. Dort finden sich fertige Motive, Geschenkideen und Anleitungen, die sich direkt übernehmen oder als Ausgangspunkt für eigene Entwürfe nutzen lassen. Ergänzend bietet die Software eine KI-gestützte Generierung von Motiven.
Materialien: Holz, Leder, Metall & mehr
Im Laserbetrieb verhält sich der M2 wie ein moderner Diodenlaser. Holz, Karton, Kork, Lederimitat und viele weitere Materialien lassen sich sauber gravieren. Mit dem optionalen 3-W-Infrarotlaser sind zudem Gravuren auf Edelstahl, Aluminium und beschichteten Metallen möglich. Insgesamt verarbeitet das System Holz, Acryl, Leder, Papier, MDF, Karton, Filz, Gummi, Glas, Kunststoff, Kork und Keramik.
Die 10-W-Version schneidet Lindenholz bis 8 mm in einem Durchgang, schwarzes Acryl bis 3 mm. Die 20-W-Variante schafft 10 mm Lindenholz oder 8 mm gefärbtes Acryl. Durchsichtiges Acryl läßt sich mit dem Diodenlaser technisch bedingt nicht vernünftig bearbeiten, dafür sind Co2-Laser wie der xTool P2 geeignet. Für gelegentliche Arbeiten reicht die Leistung des 10-W-Lasers vollkommen aus. Wer regelmäßig dickere Holzplatten bearbeitet, sollte die 20-W-Version wählen.
Positiv fällt der integrierte Air Assist auf. Dadurch entstehen weniger Schmauchspuren, die Schnittkanten wirken sauberer und eine externe Luftpumpe entfällt. Eine Honeycomb-Unterlage fehlt allerdings im Lieferumfang. Aufgrund der begrenzten Bauhöhe lassen sich Standard-Wabengitter auch nur eingeschränkt nachrüsten. Beim Schneiden von Sperrholz zeigen sich dadurch teils stärkere Schmauchspuren auf der Unterseite als bei vergleichbaren Systemen mit Wabengitter. Beim reinen Gravieren spielt das kaum eine Rolle.
Wer Kunststoffe gravieren oder schneiden möchte, sollte sich vorher über die Materialeigenschaften informieren. Bei vielen Kunststoffen entstehen beim Lasern krankheitserregende Stoffe, die keinesfalls in die Lunge gelangen dürfen.
xTool M2 – Testergebnisse
Farbig drucken
Der Farbdruck unterscheidet den M2 von praktisch allen anderen Geräten dieser Klasse. Im Test bedruckten wir Holz, Karton und Bügelfolie für Textilien. Besonders interessant ist die Möglichkeit, Motive direkt auf Holz aufzubringen und anschließend ohne erneutes Ausrichten zu gravieren oder auszuschneiden.
Die Druckqualität ist insgesamt gut. Farben werden sauber dargestellt, Schriften bleiben klar lesbar. Wunder sollte man jedoch nicht erwarten. Der M2 ersetzt weder einen hochwertigen Fotodrucker noch einen professionellen UV-Drucker. Auf unbehandeltem Holz wirken Farben etwas weicher und weniger kontrastreich als auf Papier. Auf beschichtetem Holz hält die Farbe nicht besonders gut und wird recht blass. Die Ausdrucke auf Bügelfolie für Textilien und auf Stickerfolie für Tintenstrahldrucker gelingen hingegen sehr gut – hier bekommt man schön knallige Farben. Für Schilder, Dekorationen, Modellbauprojekte oder personalisierte Geschenke ist die Qualität vollkommen ausreichend.
Wichtig: Der Druckkopf funktioniert nur auf flachem Material, da er sich sehr knapp über der Arbeitsfläche bewegt. Beim Laser ist der Abstand zur Arbeitsfläche deutlich größer, so dass leichte Unebenheiten kein Problem darstellen.
Sehr durchdacht ist die automatische Versiegelung der Druckpatrone. Vor jedem Druckvorgang fährt der Druckkopf zur linken Seite des Arbeitsraums und legt dort seine magnetisch gehaltene Schutzkappe in einer kleinen Aufnahmegabel ab. Nach Abschluss kehrt er zu dieser Position zurück und verschließt die Patrone erneut. Im Alltag läuft dieser Vorgang vollkommen automatisch ab und reduziert das Problem eingetrockneter Düsen erheblich – laut Hersteller. Im extrem warmen und trockenen Testzeitraum von knapp drei Wochen hatten wir trotz seltener Benutzung keinerlei Probleme. Wie sich der Sachverhalt nach mehreren Monaten darstellt, können wir aktuell nicht beurteilen. Gerade für Anwender, die den Farbdruck nur gelegentlich einsetzen, ist das ein wichtiges Detail.
Ein Nachteil sind nämlich die laufenden Kosten. Die CMYK-Druckpatrone kostet aktuell rund 99 Euro und reicht laut Hersteller je nach Farbkanal für 1080 bis 1280 Seiten. Die tatsächliche Reichweite hängt allerdings stark von Motivgröße, Farbdeckung und Material ab. Zum Vergleich: Bei klassischen Vollfarbdrucken mit hoher Deckung erreichen Tintenstrahldrucker, abhängig vom System und Gerät, nur etwa 100 bis 300 Seiten mit normalen Patronen – diese sind allerdings deutlich günstiger und zudem auch zu Discount-Preisen von Fremdherstellern erhältlich.
Rotationseinheit
Zum Lieferumfang der Deluxe-Version gehört der RA3-Lite-Rotationsaufsatz. Damit graviert der M2 runde Objekte mit einem Durchmesser von 0 bis 100 mm – ideal für Becher, Trinkflaschen oder runde Hölzer. Die Einrichtung machte uns vor dem Test etwas Sorgen, dank schrittweiser Erklärungen in der Software gelingt die aber völlig unkompliziert. Einfach zwei Abstandshalter am Boden einlegen, die Rotationseinheit daran ausrichten und das Kabel der Einheit am Gehäuse nach außen führen. Dort das Kabel mit dem M2 verbinden und den Laserkopf auf den mitgelieferten 90-Grad-Adapter aufstecken. Nun noch in der Software auf das Rotationsmodul wechseln und es kann losgehen.
Auch das Zubehör der Rotationseinheit wirkt nicht wie eine nachträgliche Erweiterung, sondern fügt sich nahtlos in das Gesamtsystem ein. Die verschiedenen Halterungen werden bequem magnetisch befestigt und ermöglichen einen festen Halt. Im Test funktionierte die Rundgravur auf Trinkflaschen und Dosen problemlos – leider war unser Arsenal an Testprodukten etwas eingeschränkt. Wir sind aber sehr angetan von der Rundgravur und haben schon neue Rohlinge bestellt. Wer regelmäßig personalisierte Geschenke herstellt, wird den Rotationsaufsatz zu schätzen wissen und ihn häufig nutzen. Der Umbau ist mit Übung in nur knapp zwei bis drei Minuten erledigt.
Preis & Zubehör
Den xTool M2 gibt es als 10-W- oder 20-W-Version sowie wahlweise mit optionalem CMYK-Druckmodul, 3-W-Infrarotlaser und RA3-Lite-Rotationsaufsatz. Die getestete Deluxe-Variante mit Farbdruck und Rotationsaufsatz liegt deutlich über reinen Lasersystemen und kostet 989 Euro (10 W) oder 1389 Euro (20 W). Die Basisversion liegt bei 599 Euro.
Die CMYK-Patrone schlägt aktuell mit knapp 100 Euro zu Buche. Wer regelmäßig vollfarbige Produkte herstellt, sollte die Verbrauchskosten unbedingt einkalkulieren.
Fazit
Der xTool M2 verfolgt ein anderes Konzept als die meisten Desktop-Laser. Statt maximaler Laserleistung stehen Vielseitigkeit, Sicherheit und einfache Bedienung im Mittelpunkt. Die Kombination aus Farbdruck, Lasergravur und Laserschnitt funktioniert in der Praxis besser als zunächst erwartet. Besonders der Direktdruck auf Holz mit anschließender Bearbeitung eröffnet Möglichkeiten, die klassische Diodenlaser nicht bieten.
Die Klasse-1-Zertifizierung, das geschlossene Gehäuse, der integrierte Air Assist, das Doppelkamerasystem und die automatische Versiegelung der Druckpatrone heben den M2 deutlich von vielen offenen Hobby-Lasern ab. Auch die WLAN-Anbindung und der werkzeuglose Modulwechsel überzeugen im Alltag.
Dem stehen nur wenige Schwächen gegenüber. Die Farbpatronen sind aktuell noch recht teuer, eine Honeycomb-Unterlage fehlt und LightBurn wird nicht unterstützt. Letzteres ist gut verschmerzter, da die hauseigene Software absolut überzeugt. Einziger echter Kritikpunkt ist der nicht vorhandene Not-Aus-Schalter.
Wer aber ein vielseitiges Kreativwerkzeug sucht und die Druckfunktion tatsächlich nutzt, erhält mit dem xTool M2 ein interessantes und gut funktionierendes Gesamtpaket. Die Kombination aus Drucker, Laser- und Gravursystem in einem Klasse-1-Gehäuse ist derzeit einzigartig, der Preis zudem fair. Wer sich zusätzlich noch einen Stiftehalter und einen Schneideaufsatz für Folien wünscht, kann auf den xTool M1 zurückgreifen, der ist mit fast 1200 Euro aber deutlich teurer.
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