Künstliche Intelligenz
Palantir: US-Verteidigungsministerium macht Maven Smart System zum Standard
Das US-Verteidigungsministerium will Palantirs KI-System Maven Smart System (MSS) als festen Bestandteil der Militärstrategie verankern. Nach einem von Reuters eingesehenen Memo soll das System zum offiziellen „Program of Record“ werden, was die langfristige Finanzierung und den Einsatz über alle Teilstreitkräfte hinweg absichern würde. Die Entscheidung soll voraussichtlich bis zum Ende des laufenden Haushaltsjahres in Kraft treten, das im September endet.
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Dem Schreiben von Vizeverteidigungsminister Steve Feinberg zufolge soll die Verantwortung für Maven innerhalb von 30 Tagen von der National Geospatial-Intelligence Agency an das Pentagon-Büro für digitale und KI-Strategie übergehen. Maven soll Daten, Sensorfeeds, Software und Algorithmen verbindet und so für schnellere Lagebilder, Logistik, Feuerleitung und Zielprozesse sorgen. Dabei behalten allerdings Menschen die Kontrolle, wie das US-Verteidigungsministerium betont. Ursprünglich ist Maven 2017 als Projekt zur automatischen Auswertung von Aufklärungs- und Drohnenbildern begonnen worden. 2024 schloss das US-Verteidigungsministerium mit Palantir einen Vertrag in Höhe von 480 Millionen US-Dollar zur weiteren Entwicklung und erhöhte den Betrag im Mai 2025 um weitere 750 Millionen US-Dollar.
Feinberg schrieb laut Reuters, es sei „unerlässlich“, jetzt gezielt in die stärkere Integration von Künstlicher Intelligenz in die Streitkräfte zu investieren und KI-gestützte Entscheidungen zum Grundpfeiler der Strategie zu machen. Palantir betont zugleich, dass seine Software keine tödlichen Entscheidungen treffe, sondern Menschen die Zielauswahl und -freigabe verantworten.
Gleichzeitig skizzierten Verantwortliche wie Cameron Stanley, Chief Digital and Artificial Intelligence Officer (CDAO) des US-Verteidigungsministeriums einem Bericht von Govcon Wire zufolge vor wenigen Tagen Feldexperimente zur Entwicklung von KI-Systemen. Das machte Stanley auf dem AI-Summit des Potomac Officers Club deutlich, auf dem sich unter anderem hochrangige Vertreter aus der Regierung und Verteidigungsindustrie austauschten.
Zeit der Kriegsexperimente
Statt 100-prozentige Perfektion anzustreben, zielt man, wie Stanley laut Govcon Wire erklärte, zunächst auf 80-prozentige Erfolgsquoten ab und lässt Soldaten die Systeme im Einsatz testen. Diese geben dann „sehr aggressives […] Feedback“ darüber „wie schlecht“ das System funktioniert hat. Dann werde iteriert, bis Perfektion erreicht sei. Er gebe keinen einzigen hochrangigen Führungsoffizier, „der nicht glaubt, dass der nächste Krieg datenzentriert und mit KI‑Werkzeugen geführt wird.“
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Noch im Januar stellte Verteidigungsminister Pete Hegseth klar, dass die Zeit des zivilen Experimentierbetriebs im Verteidigungsbereich vorbei sei und die US‑Streitkräfte nun einen konsequent kriegsorientierten Modernisierungskurs einschlagen müssten. Er forderte laut Defensescoope eine umfassende Prüfung bestehender Prozesse, um Bürokratie zu durchbrechen und die Einführung neuer Technologien, speziell im KI-Bereich, drastisch zu beschleunigen.
Maven Smart System NATO
Die NATO nutzt das System seit 2025 als Maven Smart System NATO (MSS NATO) für verbesserte Kampfraumwahrnehmung, Logistik und Zielerfassung. Durch eine „breite Palette von KI-Anwendungen – von großen Sprachmodellen bis zu generativem und maschinellem Lernen“ und unter anderem dank Geheimdienstinformationen will die NATO schneller auf Bedrohungen reagieren können.
Zudem ebnete das britische Militär mit einem strategischen Partnerschaftsvertrag von bis zu 1,5 Milliarden Pfund den Weg, indem es Palantirs KI-Fähigkeiten – bereits in der Ukraine getestet – für Entscheidungsfindung und Targeting einsetzt. Die neue Einstufung würde Palantirs Rolle im US-Militär weiter festigen. Derweil wachsen die Proteste rund um den Einsatz der Software des Unternehmens im englischen Gesundheitswesen.
(mack)
Künstliche Intelligenz
Heimkino-Test: „Das Verschwinden des Josef Mengele“ polarisiert
Man möchte meinen, das Thema Nationalsozialismus im Film sei inzwischen überstrapaziert und aus jedem Winkel betrachtet – neue Eindrücke könne es kaum noch geben. Im vergangenen Jahr zeigte jedoch Jonathan Glazer mit „The Zone of Interest“, dass dieses Kapitel noch lange nicht abgeschlossen ist und sich sehr wohl neue Aspekte in die öffentliche Diskussion einbringen lassen.
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Nun ist „Das Verschwinden des Josef Mengele“ auf Blu-ray Disc und im Stream erschienen. Gedreht von dem in Berlin lebenden russischen Theater- und Ballettregisseur Kirill Serebrennikov verkörpert August Diehl den Lagerarzt von Auschwitz, der sich auf der Flucht in Südamerika den Fragen seines Sohnes Rolf stellen muss. Der Film sorgt selbst in unserer Redaktion für gegensätzliche Bewertungen – und liefert zugleich eine ungewöhnlich radikale visuelle Umsetzung, die wir technisch und inhaltlich prüfen.
Nicht nur das Thema und die Darstellung von August Diehl lassen diesen Film aus dem Einerlei der Unterhaltungsbranche herausstechen. Es ist auch die Ästhetik des hauptsächlich in Schwarzweiß mit extremen Kontrasten und aufwendigen Kamerafahrten gedrehten Films. Wie gut diese Ästhetik funktioniert und was Blu-ray sowie Stream daraus machen, zeigt unser detaillierter Blick auf Bild, Ton und Inszenierung.
Bevor wir die Technik ab Seite 3 genauer beleuchten, gehen wir zunächst auf Inhalt und Produktionsprozess ein. Weil die Meinungen der beiden Autoren über den Film auseinandergehen, haben wir das Fazit am Ende in zwei Abschnitte unterteilt. Wir freuen uns über spannende und dem Thema gerecht werdende Diskussionen im Forum.
Vom Buch zur Graphic Novel zum Film
„Das Verschwinden des Josef Mengele“ wurde ursprünglich von Olivier Guez 2017 als Roman veröffentlicht. Das nur 224 Seiten dünne Buch erzählt in kurzen Kapiteln die Flucht Mengeles von Deutschland 1949 bis zum Fund seiner Leiche 1979 an einem Strand in Brasilien. 2023 erschien die zugehörige Graphic Novel von Matz und Jörg Mailliet.
Der im vergangenen Jahr im Kino und nun auch auf Disc und im Stream veröffentlichte Film erzählt nicht die gesamte Fluchtgeschichte, sondern konzentriert sich auf die Zeit, als Mengeles Sohn Rolf 1977 seinen damals 66-jährigen Vater mit falschem Pass in São Paulo besucht, um ihn zur Rede zu stellen. Dabei verschachtelt der Film die Geschehnisse in mehreren Zeitebenen. In Rückblenden erzählt er, wie Mengeles Familie in Günzburg an Einfluss gewann und Josef wieder in den Familienbetrieb eingliedern wollte. Josef habe schließlich nur seine Pflicht getan und sich nichts vorzuwerfen.
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„Du wirst nie begreifen“: Auch hier irrt Josef Mengele (August Diehl, rechts). Sein Sohn Rolf (Max Bretschneider) hat verstanden, warum er sich von seiner Familie distanziert.
(Bild: DCM / Leonine)
Einen Eindruck von dem, was in Auschwitz geschah, gibt eine auf 16-mm-Farbfilm gedrehte Sequenz, die die Flucht und Diskussionen nach gut einer Stunde für zehn Minuten unterbricht. Die Stummfilmszenen zeigen ungeschönt und mit detaillierten Beschreibungen in den Untertiteln, wie Mengele die Häftlinge aussortiert und ermorden lässt, um aus ihren Leichen Präparate für die Rassenforschung anzufertigen.
Geduld. Geduld!
Zum Kontrast legt Serebrennikov das Lied „Geduld“ von Hermann von Gilm und Richard Strauss über die Bilder aus dem Lager und konfrontiert damit die Kunstmusik der bürgerlichen Hochkultur mit dem Rückfall in die Barbarei von Auschwitz. Die Geduld, die das romantische Lied anmahnt, verweist dabei auf die perverse Situation der Opfer, die sie bei der Verfolgung der Täter aufbringen mussten.

Zurück in Günzburg: Die Familie plant die Zukunft von Josef, derweil die Dienstboten den herrschaftlichen Tisch decken.
(Bild: DCM / Leonine)
Zurück zur Flucht: In Argentinien wird Mengele festgenommen – allerdings nicht wegen seiner Taten in Auschwitz, sondern weil er im Land streng verbotene Abtreibungen vorgenommen hatte. Gegen ein Bestechungsgeld kann er sich freikaufen. Um 1960 flieht er über Paraguay schließlich nach Brasilien und kommt dort bei dem ungarischen Pärchen Stammer unter, das aus seiner Flucht Kapital schlagen will.
Zur musikalischen Untermalung arbeitete der Komponist Ilya Demutsky hauptsächlich mit dissonanten Flächen von Streichern und Bläsern, um eine permanente Unruhe zu erzeugen und Mengeles Paranoia zu spiegeln – ähnlich wie bei Stücken von Krzysztof Penderecki, die Stanley Kubrick für „The Shining“ einsetzte.
Der in Uruguay und Lettland gedrehte Film lebt vom Hauptdarsteller August Diehl, der Mengele als verbitterten Rassenideologen darstellt, der einzig bedauert, seine „wissenschaftliche“ Arbeit nicht fortsetzen zu können. Er fürchtet jedoch die Aufarbeitung, will sich nicht vor Gericht verantworten und weicht den bohrenden Fragen seines Sohnes immer wieder aus.
Künstliche Intelligenz
Siemens soll UBTech bei Massenproduktion von humanoiden Robotern helfen
Das chinesische Robotikunternehmen UBTech und Siemens Digital Industries Software haben eine strategische Kooperationsvereinbarung geschlossen, die es UBTech ermöglichen soll, die Massenproduktion von humanoiden Robotern schnellstmöglich aufzunehmen. Das berichtet unter anderem die chinesische Automotive-Nachrichtenplattform Gasgoo. Die im chinesischen Shenzen geschlossene Vereinbarung sieht vor, dass Siemens seine Expertise in den Bereichen industrielle Digitalisierung und intelligente Fertigung einbringt, um die humanoiden Roboter Walker S2 in größeren Mengen zu produzieren. Geplant sei eine jährliche Produktionskapazität von 10.000 Einheiten wohl noch ab 2026.
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UBTech drängt bereits seit 2025 darauf, bei seinen humanoiden Robotern von der Prototypenentwicklung zur Serienproduktion überzugehen. Zhou Jian, Günder und CEO von UBTech, sprach von einem starken Anstieg von Aufträgen von Industriekunden, die die humanoiden Roboter einsetzen wollen. Die Gesamtbestellungen hatten 2025 ein Volumen von mehr als 1,4 Milliarden Yuan, etwa 175,5 Millionen Euro, erreicht.
Software für Forschung und Entwicklung bis zur Massenfertigung
Siemens soll für Forschung und Entwicklung bis hin zur Serienproduktion die Software liefern. Darunter befinden sich etwa Tools für das Produktdesign, die Simulation, Prozessplanung und das Fertigungsmanagement.
UBTech verspricht sich davon, den gesamten Prozess durchzudigitalisieren, um bei Bedarf die Fertigung der Roboter beliebig skalieren zu können. Dies sei wichtig, weil es sich bei humanoiden Robotern um besonders komplexe Maschinen handele – deutlich komplexer als herkömmliche Industrieroboter. Deshalb wird Software benötigt, die simulationsgestütztes Design, digitale Zwillinge und das Lebenszyklusmanagement ermögliche. Siemens bringe die dafür nötige Erfahrung mit, heißt es. Somit sei es möglich, eine schnelle Massenproduktion zu erreichen und die Markteinführung der humanoiden Walker S2 zu verkürzen.
Um schnellstmöglich die Produktionskapazität von 10.000 Robotern jährlich zu erreichen, müssen außerdem die Qualitätskontrolle und Systemzuverlässigkeit stimmen sowie die Lieferketten gesichert sein. Auch in diesen Bereichen soll Siemens seine Erfahrungen einbringen.
(olb)
Künstliche Intelligenz
Nvidia-GPUs nach China geschmuggelt: Anklage gegen Führungskräfte von Supermicro
In den USA wurden zwei hochrangige Manager des Computerherstellers Super Micro Computer und ein weiterer Verdächtiger angeklagt, weil sie illegalerweise Nvidia-Chips nach China verkauft haben sollen. Das geht aus Stellungnahmen des US-Justizministeriums und von Supermicro hervor. Die Staatsanwaltschaft hat zwar die Namen der Angeklagten öffentlich gemacht, ihren Arbeitgeber aber nicht genannt. Super Micro Computer selbst hat öffentlich gemacht, dass es sich um zwei Angestellte und einen Auftragnehmer handelt. Der Senior Vice President für Business Development und der Geschäftsführer in der taiwanischen Niederlassung wurden demnach mit sofortiger Wirkung suspendiert. Der Aktienkurs von Supermicro ist in der Folge um 12 Prozent gefallen.
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Irreführung mit „Dummy-Servern“
Laut dem US-Justizministerium haben die Beschuldigten im Auftrag eines Unternehmens in Südostasien Server mit den Nvidia-GPUs bestellt. Die seien in den USA zusammengebaut und dann nach Taiwan verschifft worden. Von dort seien sie zu dem Unternehmen transportiert worden, das sie bestellt hatte, sie aber nicht nutzte. Stattdessen sei ein Logistikunternehmen beauftragt worden, die Server in unbeschrifteten Packungen zu verstecken, in denen sie nach China gebracht wurden. Um das zu verheimlichen, seien sogar nicht funktionierende Kopien der Server bei dem Auftraggeber gelagert worden, um Kontrolleure zu täuschen. Die Beschuldigten hätten unter anderem auch Dokumente gefälscht.
Insgesamt gehe es um Servertechnik im Wert von 2,5 Milliarden US-Dollar, heißt es noch. Allein zwischen Ende April und Mitte Mai 2025 sei Technik im Wert von 510 Millionen US-Dollar sanktionswidrig nach China geschafft worden. Gleichzeitig seien die Beschuldigten im Laufe der Zeit immer „dreister“ geworden, heißt es von der US-Justiz. Sollten sie in allen Anklagepunkten verurteilt werden, drohen ihnen mehrere Jahrzehnte Haft. Nach der Offenlegung der Anklage wurden der hochrangige Manager und der Auftragnehmer festgenommen, der Geschäftsführer der taiwanischen Niederlassung ist demnach flüchtig.
(mho)
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