Social Media
Plädoyer für mehr Haltung in der Kommentarspalte
Gastbeitrag von Vivian Pein
Niemand hat ein Recht darauf, dass Kommentare, die gegen die Menschenwürde verstoßen, in eurer Kommentarspalte stehen bleiben! Trotzdem bleiben sie stehen. Täglich, auf unzähligen Kanälen, von Marken und Organisationen, die eigentlich genau wissen, was zu tun wäre. Warum? Weil „Zensur“ gerufen wird. Weil Löschen sich komisch anfühlt. Weil die Ressourcen fehlen. Weil das Team nicht die Rückendeckung hat, konsequent zu handeln. Oder in manchen Fällen sogar, weil das strategisch so gewünscht ist.
Was das mit der Tonalität im Netz in den letzten Jahren gemacht hat, sehen wir heute unter jedem Beitrag zu kontroversen Themen. Hass, Hetze und sogar strafbare Kommentare sind Gang und Gäbe. Die Menschen, die solche Kommentare schreiben, haben nicht einmal mehr Hemmung, das mit Klarnamen zu tun. So werden die lauten, aggressiven Stimmen immer prägender, während sich Menschen mit gemäßigter Meinung aus dem Diskurs zurückziehen.
Dieser Artikel ist ein Plädoyer dafür, das zu ändern.
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Wir verwechseln Toleranz mit Neutralität
Karl Popper hat das schon vor vielen Jahren auf den Punkt gebracht: „Wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaft gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, werden die Toleranten zerstört, und mit ihnen die Toleranz.“
Genau das passiert gerade, jeden Tag, in tausenden Kommentarspalten. Hass ist wie ein Kleinkind, er testet aus, wie weit er gehen kann. Er arbeitet mit Anspielungen, nutzt Codes und Emojis, eskaliert bewusst und profitiert davon, wenn anständige Menschen zu lange tolerant gegenüber Intoleranz bleiben. Wer das als unvermeidliches Rauschen im Netz abtut, übersieht, dass dieser Prozess viel zu lang ungestört laufen gelassen wurde.
Community Manager*innen sitzen in diesem Prozess mittendrin. Jeden Tag, oft allein mit Entscheidungen, die eigentlich eine Haltungsfrage der gesamten Organisation sind. Viele zögern trotzdem. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil niemand ihnen je klar gesagt hat: Ihr habt das Recht, diese Räume zu gestalten. Ich gehe sogar noch weiter: Ihr habt die Pflicht, das zu tun.
Denn die eigentliche Aufgabe von Community Management ist nicht, Konflikte zu vermeiden, oder den ganzen Tag damit zu verbringen, mit der Mistgabel durch die Kommentarspalte zu pflügen. Es geht darum, einen Raum zu schaffen, in dem Menschen hart, aber konstruktiv diskutieren können. In dem niemand durch aggressive Kommentare aus dem Diskurs gedrängt wird. In dem Meinungsverschiedenheit möglich ist, aber Menschenfeindlichkeit keinen Platz hat. Und das funktioniert. Ich sehe es in Communities, die konsequent moderiert werden.
Allein das Mitlesen hat einen Effekt
In der Studie „Lauter Hass, leiser Rückzug“ von das Nettz kam klar raus: 55 Prozent der Menschen kommentieren seltener oder gar nicht mehr, wenn Hass in Kommentarspalten stehen bleibt (Quelle: Das Nettz). Das sind keine abstrakten Klicks, die durch schlechte Moderation verloren gehen. Das sind Menschen, die sich entschieden haben, dass dieser Raum nicht sicher genug ist, um sich zu äußern. Das ist nur die eine Seite, denn umgekehrt zeigte die dfv-Studie Community Management: 58 Prozent der Befragten würden sich überhaupt erst oder deutlich häufiger an Diskussionen beteiligen, wenn eine gute Tonalität gesichert ist (Quelle: dfv Mediengruppe). Zwei Zahlen, eine klare Aussage: Ihr entscheidet nicht nur darüber, was in eurer Kommentarspalte steht. Ihr entscheidet darüber, wer sich überhaupt noch traut, im Netz zu sprechen.
Strafrecht ist Untergrenze, nicht Anspruch
Das Mindestmaß für jede Kommentarspalte da draußen ist: Alle strafrechtlich relevanten Kommentare müssen konsequent gelöscht werden. Darunter fallen zum Beispiel Beleidigungen, Volksverhetzung, Bedrohungen, Nötigung. Das ist Pflicht, für jeden Kommunikationsraum im Netz. Spätestens wenn ihr Kenntnis von einem klar rechtswidrigen Kommentar habt und nichts tut, bewegt ihr euch potenziell in Richtung Mitstörerhaftung.
Darüber hinaus gilt: Wenn ihr die Kapazitäten habt, meldet die Vorfälle. Dafür gibt es die Online-Dienststellen der Polizei, die Landesmedienanstalten und unabhängige Institutionen wie die Meldestelle Respekt. Manche Community-Management-Tools haben außerdem schon eine direkte Schnittstelle für Meldungen.
Gleichzeitig ist Strafrecht für Community Manager*innen das absolute Minimum. Es sagt euch, was ihr auf keinen Fall stehen lassen dürft, aber nicht, wie eine gute Diskussionskultur oder echte Haltung aussieht. Viele der Kommentare, die Kommentarspalten vergiften, sind nicht strafbar. Kotz-Emojis unter einem Beitrag über Menschen mit Migrationshintergrund. Halbsätze, die genau so formuliert sind, dass sie noch gerade eben unter der Schwelle bleiben. Ironie, die keine ist. Mikroaggressionen, die einzeln betrachtet harmlos wirken und zusammen ein Klima schaffen, in dem bestimmte Menschen einfach nicht mehr kommentieren. All das fällt in den Verantwortungsbereich des Community Managements. Nicht in den des Strafrechts.
Haltung zeigen heißt nicht, Menschen vorzuführen
Souverän auf einen Kommentar zu reagieren bedeutet, auf seinen Inhalt einzugehen, nicht auf die Person dahinter. Diese Unterscheidung klingt simpel, wird in der Praxis aber erschreckend oft ignoriert.
Es gibt Marken, die für schlagfertige, ironische Antworten auf fragwürdige Kommentare gefeiert werden. Manchmal ist das wirklich souverän. Was aber gar nicht geht, ist, dass eine Person öffentlich vorgeführt wird, um Reichweite und Likes zu generieren.
Ihr als Community Manager*innen habt immer eine Vorbildfunktion. Eure Tonalität legitimiert, wie in der Kommentarspalte miteinander gesprochen wird. Wenn ihr jemanden vorführt oder für Likes unter die Gürtellinie geht, erlaubt ihr genau dieses Verhalten. Aber es bringt doch Likes und Reichweite? Ja klar: Bullys auf dem Schulhof haben auch immer Publikum, das mitlacht, weil es froh ist, selbst nicht am Boden zu liegen. Das schafft keine gute Atmosphäre, weder auf dem Schulhof noch in eurer Kommentarspalte. Sich auf das Niveau der Hater herabzulassen ist keine Haltung, es ist eine verpasste Chance, den Ton zu setzen, den ihr eigentlich wollt.
Eine Studie der Gutenberg-Universität zeigt außerdem, dass Marken, die so moderieren, langfristig an Vertrauen und Image verlieren. Kurzfristige Viralität kostet also auf Dauer deutlich mehr, als sie einbringt (Quelle: Gutenberg Universität).
Haltung in der Sprache bedeutet konkret: den Fokus auf den Inhalt legen, nicht die Person angreifen, und im Zweifel die Bedeutungsebene wechseln. Ein schönes Beispiel dafür seht ihr hier von Essence Cosmetics. Unter einem Video, in dem ein Mann ein aufwendiges Make-up trägt, kommentiert jemand abwertend. Essence antwortet schlicht: Und aus diesem Sohn ist ein wunderbarer, talentierter Mann geworden, gefolgt von Regenbogenflagge und zwei Herzen. Kein Angriff auf die Person, stattdessen ein klarer Bedeutungswechsel, der Haltung zeigt ohne jemanden bloßzustellen.

Löschen ist nicht verboten
Oft erlebe ich, dass Community Manager*innen ein ungutes Gefühl beim Löschen haben. Als würden sie etwas Verbotenes tun. Als müssten sie sich dafür rechtfertigen.
Das müsst ihr nicht.
Kommentarspalten sind keine öffentlichen Plätze. Sie sind euer Wohnzimmer. Wenn eine fremde Person bei euch zuhause anfängt, andere Gäste zu beleidigen, schmeißt ihr diese raus. Ihr diskutiert nicht über Meinungsfreiheit. Ihr ruft nicht erstmal eine Kollegin an, um zu fragen, ob das wirklich so schlimm war. In der Kommentarspalte tun wir genau das, andauernd. Wir wiegen ab, wir warten, wir erklären, wir verteidigen uns gegenüber Leuten, die überhaupt kein Interesse an einem Gespräch haben.
Genau deshalb ist es so wichtig, dass ihr für euch eine wertebasierte Hausordnung ausarbeitet, die euch durch die Moderation führt. Sie setzt den Rahmen dafür, wie das Miteinander in eurer Kommentarspalte aussehen soll. Auf dieser Basis ist klar definiert, was stehen bleibt und was nicht. Und überhaupt: Niemand hat ein Recht darauf, in eurer Kommentarspalte so zu kommentieren, dass dabei die Würde anderer Menschen verletzt wird. Das ist keine Zensur, sondern geboten durch Artikel 1 des Grundgesetzes: “Die Würde des Menschen ist unantastbar”.
Schließt eure Kommentarspalte
Wenn ihr in Kommentaren untergeht und weder Mensch noch Tool gewährleisten können, dass strafrechtlich relevante und menschenverachtende Kommentare zuverlässig gelöscht werden, dann schließt die Kommentarspalte. Das ist kein Versagen, sondern eine bewusste Entscheidung für die Menschen, die euren Kanal verfolgen, und gegen diejenigen, die ihn gezielt missbrauchen wollen.
Ein gutes Beispiel dafür hat der NDR unter einem Beitrag über Timmy den Wal geliefert.

Der angeheftete Kommentar startet mit einem positiven Einstieg, erklärt dann klar und ohne Entschuldigung, warum die Kommentarspalte bis zum nächsten Morgen geschlossen wird, und setzt damit genau das richtige Signal: Wir sind da, wir passen auf, und wir machen das hier nicht mit. Setzt eine transparente Ansage darunter. Erklärt kurz, warum. Und dann schließt die Spalte. Besser das als ein Raum, in dem stundenlang Menschenhass unwidersprochen steht.
Diese drei Schritte könnt ihr ab morgen direkt umsetzen
Theorie ist gut. Aber womit könnt ihr direkt loslegen, wenn ihr diesen Artikel gleich wegklickt? Hier sind drei Dinge, die direkt einen Effekt haben:
Schritt 1: Klärt eure Werte und leitet daraus eine konkrete Moderationsmatrix ab
Zwei Teile, ein Prozess. Erst die Grundfrage: Welche Werte vertreten wir als Organisation, und wie müssen wir moderieren, damit man diese in unserer Kommentarspalte erkennt? Dann direkt die Übersetzung in die Praxis: Was lassen wir stehen? Was beantworten wir, und wie? Was blenden wir aus? Was löschen wir konsequent?
Diese Kategorien klingen simpel, aber ohne sie trifft jede Person im Team diese Entscheidungen anders, nach Tagesform, nach Bauchgefühl, nach dem, wer gerade Dienst hat. Das ist der Nährboden für inkonsistente Moderation. Wenn ihr bei diesem Prozess Struktur braucht: Das Drei-Schichten-Modell führt euch genau da durch, vom Wert zur konkreten Entscheidungslogik.
Schritt 2: Führt eine einzige Leitfrage ein
Meine persönliche Leitfrage in der Moderation lautet seit Jahren: Welchen Mehrwert haben die Menschen, die ich in meiner Community zusammenbringen möchte, davon, wenn ich diesen Kommentar stehen lasse oder beantworte? Die ist schnell gestellt, aber sie verändert, wie ihr Kommentare bewertet, weil sie den Fokus vom Kommentar weg und zu eurer gewünschten Community hin verschiebt.
Schritt 3: Verstärkt bewusst, was ihr mehr wollt
Konsequentes Löschen allein verändert die Atmosphäre einer Kommentarspalte nicht. Was genauso wichtig ist: Gebt dem, was ihr mehr wollt, aktiv Aufmerksamkeit. Eine Reaktion auf einen konstruktiven Kommentar, eine Antwort auf eine gute Frage, ein gezieltes Lob wenn jemand sachlich widerspricht. Was Aufmerksamkeit bekommt, wird wiederholt. Das ist keine Community-Management-Weisheit, das ist Verhaltenspsychologie. Setzt euch ein konkretes tägliches Ziel dafür, auch wenn es nur drei Reaktionen sind. Studien zeigen, dass das nicht nur eure Kommentarspalte verändert, sondern auch eurem eigenen Wohlbefinden im Job gut tut.
Community Manager*innen haben einen der wichtigsten Jobs unserer Zeit
Ich sage seit Jahren: Ihr Community Manager*innen macht einen der wichtigsten Jobs da draußen. Ihr gestaltet die Räume, in denen Menschen noch miteinander sprechen können, und schafft so die Grundlage für ein Gemeinschaftsgefühl. Ihr sorgt tagtäglich dafür, dass Hass weniger Platz im Netz hat. Das ist eine große Verantwortung, die viel mehr Wertschätzung, Anerkennung und Ressourcen verdient, als es so oft gelebt wird. Und genau deshalb: Passt gut auf euch auf.
Hinweis: Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag. Es besteht keine bezahlte Kooperation.
Social Media
Jugendverbote für Social Media sind die falsche Antwort
Australien macht es vor, die EU und ihre Mitglieder diskutieren noch: Jugendliche sollen keinen Zugang mehr zu sozialen Netzwerken haben. Die Idee dahinter ist nachvollziehbar: Wer die Diskussionen rund um mentale Gesundheit, Cybermobbing, Radikalisierung oder problematische Schönheitsideale verfolgt, kommt zwangsläufig zu der Frage, ob Jugendliche auf Plattformen wie TikTok, Instagram oder Snapchat wirklich gut aufgehoben sind.
Trotzdem halte ich solche Verbote für den falschen Weg.
Nicht, weil die Probleme nicht existieren würden. Im Gegenteil. Die negativen Auswirkungen sozialer Netzwerke auf Jugendliche werden seit Jahren untersucht und dokumentiert. Wer behauptet, Social Media sei für junge Menschen völlig unproblematisch, verschließt die Augen vor der Realität. Die entscheidende Frage ist nicht, ob es Risiken gibt. Die entscheidende Frage ist, wie wir mit diesen Risiken umgehen.
Genau an dieser Stelle wirkt die aktuelle politische Debatte auf mich seltsam. Statt die Plattformen stärker in die Verantwortung zu nehmen, konzentriert sie sich auf die Nutzerinnen und Nutzer. Statt die Ursachen zu bekämpfen, wird über Ausschluss diskutiert.
Dabei wissen wir inzwischen sehr genau, wo viele der Probleme entstehen. Die großen Netzwerke sind nicht zufällig so aufgebaut, wie sie heute funktionieren. Empfehlungsalgorithmen wurden entwickelt, um möglichst lange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Endlose Feeds, Push-Benachrichtigungen und automatisierte Empfehlungen sind keine technischen Notwendigkeiten, sondern bewusste Produktentscheidungen. Die Plattformen optimieren ihre Angebote nicht primär auf das Wohlbefinden ihrer Nutzerinnen und Nutzer, sondern auf Nutzungsdauer, Reichweite und Werbeumsätze.
Wenn Politik nun zu dem Schluss kommt, dass diese Produkte für Jugendliche nicht geeignet sind, dann stellt sich für mich eine andere Frage: Warum diskutieren wir über Verbote für Jugendliche und nicht über strengere Regeln für die Anbieter?
In anderen Lebensbereichen würden wir genauso wenig argumentieren. Niemand würde auf die Idee kommen, Kinderspielplätze zu verbieten, weil Kinder sich dort verletzen könnten. Niemand würde fordern, dass Kinder nicht mehr Fahrrad fahren dürfen, weil es Verkehrsrisiken gibt. Stattdessen schaffen wir Regeln, Sicherheitsstandards und Schutzmechanismen. Wir verpflichten Hersteller, Produkte sicherer zu machen, und sorgen dafür, dass Risiken möglichst weit reduziert werden.
Bei sozialen Netzwerken scheint diese Logik plötzlich nicht mehr zu gelten. Hier soll nicht das Produkt verbessert oder verändert werden, sondern der Zugang eingeschränkt werden.
Das wirkt auf mich wie eine politische Abkürzung. Denn die Regulierung internationaler Plattformkonzerne ist kompliziert. Sie erfordert technische Kompetenz, internationale Zusammenarbeit und die Bereitschaft, sich mit wirtschaftlich mächtigen Unternehmen anzulegen. Die EU hat eine vereinfachte Version des dazu nötigen Gesetzes sogar bereits implementiert, mit dem DSA (Digital Service Act).
Ein Verbot lässt sich dagegen deutlich einfacher umsetzen und kommunizieren. Es vermittelt Handlungsfähigkeit, ohne die eigentlichen Ursachen zu verändern.
Manchmal frage ich mich, ob die Zurückhaltung der Politik auch damit zu tun hat, dass sie selbst längst Teil dieses Systems geworden ist. Kaum eine Partei, kaum eine Politikerin oder ein Politiker kommt heute ohne soziale Netzwerke aus. Reichweite, Aufmerksamkeit und öffentliche Wahrnehmung entstehen zunehmend auf Plattformen, deren Mechanismen gleichzeitig kritisiert werden. Vielleicht ist es einfacher, über Verbote für Jugendliche zu diskutieren, als sich mit Unternehmen anzulegen, die für die eigene Kommunikation inzwischen unverzichtbar geworden sind. Beweisen lässt sich das nicht. Der Eindruck drängt sich dennoch gelegentlich auf.
Hinzu kommt, dass solche Verbote viele praktische Fragen offenlassen. Wie soll das Alter überprüft werden? Welche Daten müssen dafür erhoben werden? Welche Auswirkungen hat das auf die Privatsphäre aller Nutzerinnen und Nutzer? Und wie wirksam sind solche Maßnahmen überhaupt in einer digitalen Welt, in der technische Hürden häufig innerhalb weniger Minuten umgangen werden können?
Vor allem aber halte ich den Grundgedanken für problematisch. Social Media ist längst kein Nischenphänomen mehr. Für viele Jugendliche gehören soziale Netzwerke zum Alltag. Sie informieren sich dort, kommunizieren mit Freundinnen und Freunden, entdecken neue Interessen und nehmen an gesellschaftlichen Debatten teil. Man kann diesen Fakt nicht einfach ignorieren.
Deshalb sollten wir nicht darüber diskutieren, wie wir Jugendliche aus sozialen Netzwerken heraushalten. Wir sollten darüber diskutieren, wie soziale Netzwerke gestaltet sein müssen, damit Jugendliche sie sicher nutzen können. Auch unabhängig von halbherzigen „Medienkompetenz-Stunden“ in der Schule.
Dazu gehören transparente Algorithmen. Dazu gehören wirksame Schutzmechanismen für Minderjährige. Dazu gehören klare Regeln gegen problematische Inhalte. Und dazu gehört vor allem die Bereitschaft, Plattformen für die Auswirkungen ihrer Entscheidungen verantwortlich zu machen.
Wenn ein Produkt für Jugendliche zu gefährlich ist, gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Man kann Jugendliche vom Produkt fernhalten. Oder man kann dafür sorgen, dass das Produkt sicherer wird. Die aktuelle Debatte konzentriert sich fast ausschließlich auf die erste Option. Ich würde mir wünschen, dass die Politik endlich den Mut aufbringt, ernsthaft über die zweite zu sprechen.
Social Media
Reddit Marketing für GEO und Social Media: Warum die Plattform plötzlich unverzichtbar wird
Einst Nische, plötzlich Mainstream? Reddit tauchte bis vor Kurzem in kaum einem Social‑Media‑Redaktionsplan auf. Vorrang erhielt Video-Content im 9:16 Format für TikTok und Instagram Reels. Dann erschien das Schlagwort “GEO” am Marketing-Himmel und plötzlich steht Reddit ganz oben auf der Social Media Agenda. Warum eigentlich?
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Wie KI für GEO Relevanz bewertet und warum Reddit dabei gewinnt
Die Antwort darauf beginnt mit einer kleinen Portion Ironie. Die Maschine misstraut der Maschine. KI‑Tools und Chatbots folgen einem Relevanzprinzip. Für jede Anfrage berechnen sie, welche Wörter mit der höchsten Wahrscheinlichkeit aufeinander folgen. Dafür greifen sie auf ihre Trainingsdaten, internen Datenbanken und weitere extrahierte Quellen zurück. Aus dieser Datengrundlage wählen sie schließlich jene Informationen aus, die für die User*innen am relevantesten erscheinen und daraus entsteht ihre Antwort.
Um diese Relevanz zu bestimmen, orientieren sich KI‑Modelle an Quellen, die sie als Relevanzmarker nutzen. Und weil sich heute in Sekundenschnelle nahezu jeder Inhalt generieren lässt, bei oft schwankender Qualität und Wahrhaftigkeit, setzen KI‑Tools vermehrt auf Quellen, die menschlichen Content kuratieren, prüfen oder besonders hoch bewerten, etwa Nennungen in Online‑Medien. Eine Plattform steht dabei jedoch ganz hoch im Kurs der KI: Reddit.
Als das Internet noch aus Foren bestand – und wie Reddit dieses Prinzip neu belebt
Die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht noch daran, wie das Internet aussah, bevor Social Media Plattformen Einzug hielten. Wer sich online vernetzen wollte, landete in einem Forum. Und davon gab es zu wirklich jedem erdenklichen Thema eines. Manche Foren waren so riesig, dass man sich tagelang darin verlieren konnte, quasi der inoffizielle Vorläufer des Doom‑Scrollings.
Nach einem ähnlichen Prinzip, nur moderner, umfangreicher und mit deutlich mehr Social Media Elementen, funktioniert auch Reddit. Doch spannender als die technische Struktur ist das Verhalten der Communitys. Genau hier unterscheidet sich Reddit von anderen Plattformen und genau das macht Reddit für GEO so wertvoll.
Reddit Marketing: Wo echte Fragen entstehen und warum GEO davon profitiert
Reddit ist derzeit eine der wichtigsten Quellen für GEO, weil die Plattform einen unmittelbaren Einblick in die Sprache, Fragen und echten Probleme der User*innen bietet. Während klassische Keyword‑Tools lediglich Suchvolumen und Begriffvarianten anbieten, zeigt Reddit, wie User*innen tatsächlich denken, formulieren und diskutieren.

Diese authentischen Beiträge tauchen zunehmend in Suchergebnissen auf, sowohl in den Antworten von KI‑Tools als auch bei Google, das inzwischen ebenfalls Inhalte aus Subreddits einbindet, besonders aus aktuellen Diskussionen.
Für GEO ist das ein guter Leitfaden. Ein Blick in die aktiven Subreddits zeigt schnell, welche Themen angesagt sind, welche Fragen die Communitys bewegen und wo neue Pain Points entstehen. Reddit ist damit auch ein exzellenter Hinweisgeber für Trends und Pain Points.
Subreddits: Das Herzstück von Reddit
Stichwort Subreddits: Sie sind der eigentliche Kern von Reddit und darin lauern die Antworten, nach denen die KI so gerne sucht. Reddit selbst ist ein communitybasiertes Netzwerk, das wiederum aus vielen verschiedenen Subreddits besteht. Subreddits sind ähnlich wie die oben erwähnten Foren Online-Räume, in denen die User*innen über ganz bestimmte Themen miteinander sprechen und diskutieren.
Die jeweilige Themenbreite variiert dabei je nach Community von kleiner Nische bis zu weitläufigen Communitys. Jede dieser Communitys hat eigene Regeln, Moderationen und häufig auch eine eigene Gesprächskultur. Beiträge werden dabei nicht von Algorithmen im Feed sortiert, sondern die User*innen entscheiden selbst durch Up- und Downvotes, was weit oben im Diskussionsbereich angezeigt wird.

Und hier hat AI-Slop wenig Chancen. Die User*innen auf Reddit wollen sich mit anderen User*innen über ihre Erfahrungen und Meinungen austauschen. Häufig beginnen Gespräche mit Fragen nach Lösungen aller möglichen Probleme. Egal, was der Fokus eines Subreddits ist, die User*innen erwarten authentische Antworten, und KI-generierte Beiträge bekommen schnell ihre Downvotes.
Kein Ort für schnelle Marketing-Erfolge: Warum Reddit Zeit braucht
Aus der GEO-Perspektive ist es sinnvoll, diese Funktionsweise von Reddit zu kennen. Um Reddit wirklich zu verstehen und dort erfolgreich zu sein – und ich denke, das kann man nicht oft genug betonen – sollten sich Marken und Unternehmen bewusst sein, dass die Plattform völlig anders funktioniert als gewöhnliche Social Media Netzwerke. Darin liegt auch der Wert von Reddit.
User*innnn posten Beitragen, diskutieren miteinander und sprechen authentisch. Wobei natürlich wie jede Online-Community auch Subreddits über ganz eigene Sprachstile und Insider-Begriffe verfügen können. Du siehst auf Reddit, postet man nicht einfach mal einen Beitrag und hofft, dass etwas passiert. Du musst wirklich tief in die Subreddits und Communitys eintauchen.
Übrigens ein kleiner Tipp für alle, die sich auch der Social SEO widmen. Auch Google schätzt Reddit Beiträge und indexiert diese teilweise recht hoch. Sowohl für die GEO als auch eben die Social SEO solltest du zudem wissen, warum die User*innen bestimmte Themen nach oben voten. Nur so kannst du Inhalte erstellen, die Suchintentionen wirklich präzise widerspiegeln und auf die Fragen sowie Bedürfnisse der Community eingehen. Deswegen ist Reddit auch kein Kanal, um kurz vorbeischauen. Ansprechendes Reddit Marketing braucht Zeit.
Reddit ist kein Social Media Kanal wie jeder andere
Ebenso solltest du Reddit nicht nach einer Marketing Denkweise behandeln. Subreddits sind kein Platz für Eigenwerbung. Betrachte Reddit nicht als Marketing Plattform, sondern als Community Plattform. Denn durch den GEO-Hype ist die Gefahr groß, dass Marken, Agenturen und Unternehmen nichts unversucht lassen, um so schnell wie möglich auf Reddit sichtbar zu werden. Reddit bedeutet: Investiere Zeit und Ressourcen ins Community Management!
Reddit belohnt Community‑Arbeit, nicht Marketing‑Taktiken
Mehr Zeit für die eigene Community sollte eigentlich für jede Social Media Plattform gelten, auf der du aktiv bist. Aber für Reddit gilt das in besonderem Maße. Trotz aller GEO-Verlockungen! Ehrlich gemeinter Ratschlag: Wenn GEO in deinen Marketing-Bemühungen zurzeit an erster Stelle steht – was absolut legitim ist, gute Gründe für GEO gibt es einige, wie du hier in unserem GEO Best-of nachlesen kannst – solltest du lieber nicht auf Reddit sein. Und genauso wird direkte Werbung ebenso abgelehnt und mit Downvotes bestraft.
Ja, das ist vielleicht ein wenig drastisch, aber die Hauptmotivation für eine aktive Reddit-Präsenz sollte ausschließlich der Austausch mit der Community sein. Dafür wurde Reddit geschaffen und dafür sind die User*innen auf Reddit aktiv.
Performance ist dennoch erlaubt und Reddit bietet hier auch Möglichkeiten. Doch für organische Inhalte zählt nur: Wie und worüber sprichst du mit deiner Community? Und hierbei stehst nicht du oder dein Unternehmen im Mittelpunkt, sondern ausschließlich die Themen, welche deine Community bewegen.
Denke nicht an irgendwelche Chatbots, in denen dein Unternehmensname auftauchen soll, denke lieber daran, wie du mit gehaltvollen Inhalten Antworten auf die Anliegen deiner Community findest und wie Reddit für diesen Austausch dir eine Plattform bieten kann. Darum geht es bei Reddit: Die User*innen erwarten von Marken und Unternehmen, dass sie sich wie Teilnehmer*innen verhalten, sich an die Regeln der Subreddits halten und wirkliche Mehrwerte schaffen.
Social Media
Feed und Fudder Podcast 83 – GEO: Citation Drift
GEO für LLMs ist gerade das Marketing-Buzzword und das nicht ohne Grund. Immer mehr Menschen stellen ihre Fragen direkt an KI-Tools und Chatbots. Logisch also, dass Marken in genau diesen Antworten auftauchen wollen.
Doch wie schafft man es überhaupt, von einer KI genannt zu werden? Das Zauberwort lautet GEO! Nur hat GEO einen kleinen Haken: den sogenannten GEO Citation Drift. KI-Antworten sind unbeständig, Nennungen schwanken stark, und dauerhafte Sichtbarkeit ist schwer zu halten.
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GEO für die KI-Suche – Erfolgsfaktor Social Media: Die besten Insights aus Blog und Podcast
Feed und Fudder Podcast 52 – GEO: SEO für KI-Tools und Chatbots
Transkript Feed und Fudder Podcast Folge 83 – GEO: Citation Drift
Transkript
Du bist grad irgendwo, wo es still sein muss, schmöckerst lieber in Texten oder möchtest unsere Folge barrierefrei mit deinem Screenreader lesen? Kein Problem!
Hier gibt es das Transkript zu Folge 83 – GEO: Citation Drift
Nicola
Hallo und Servus zu einer neuen Folge Feed und Fudder mit Alex und mir, der Nici. Hallo Alex.
Alexander
Hallo, herzlich willkommen.
Nicola
Schön, dass wir uns wieder hören. Du hast dich erfolgreich zurückgemeldet aus Hamburg und der Schnupfen ist wohl auch vorbei.
Alexander
Der ist weg. Und witzigerweise haben sich ein paar Leute nach der Konferenz gemeldet, die es auch erwischt hat.
Nicola
Das ist der Fluch der Messehallen. Aber schön, dass du wieder frisch und munter da bist. Danke auch nochmal für die Insights und an euch Hörerinnen und Hörer. Ich hoffe, es war interessant, mal einen subjektiveren Einblick zu bekommen.
Alexander
Genau. Und heute drehen wir uns im Kreis.
Nicola
Erzähl.
Alexander
Wir haben heute ein besonderes Thema. Achtung: GEO Citation.
Nicola
Citation.
Alexander
Geo Citation.
Nicola
Drift. Schrift. Drift, Drift, Drift. Ja, lass uns einen total sperrigen Titel nehmen. Macht überhaupt nichts.
Alexander
Alles für die Spotify‑SEO.
Nicola
Es geht tatsächlich um Nennungen oder das Zitieren von Inhalten. Und wie wir darauf kamen, ist eigentlich ein alter Hut. Springen wir mal 100 Jahre zurück in die Vergangenheit. Liebe Grüße übrigens an einen Hörer aus Wien, der uns geschrieben hat. Wir erzählen gerne mal, wie wir zu Social gekommen sind, aber das machen wir in einer anderen Folge. Spoiler!
Hier wollen wir über Nennungen sprechen. Sowohl du als auch ich haben in der PR gearbeitet. Ich kann mich gut erinnern: Grüße nach Mannheim ans Stadtmarketing. Als Praktikantin und Werkstudentin durfte ich Artikel ausschneiden und Clippings machen. Das hieß super neudeutsch Clippings, aber im Prinzip waren es Zeitungsschnipsel. Ich musste sie mit der Schere ausschneiden, auf Papier kleben, in einen Leitzordner einheften und in den Keller stellen. Da stehen sie wahrscheinlich heute noch.
Alexander
Wir haben fast die gleiche Erfahrung. Ich habe auch ein PR‑Praktikum gemacht und musste exakt das Gleiche tun. Mir blieb nur das Ausschneiden erspart, das hat eine Clipping‑Firma gemacht. Aber man hat gesehen, dass es von Hand ausgeschnitten war. Ich musste es dann auch auf weißes Papier kleben, in Leitzordner sortieren und ins Lager stellen. Wenn Kunden kamen, hat man die Ordner rausgeholt und gezeigt: Eins, zwei, drei, vier Nennungen.
Nicola
Genau. Das KPI war Nennungen und man hat einfach gezählt. Der nächste Schritt der Digitalisierung war dann, dass aus Papierschnipseln PDFs wurden. Dann hat man PDFs ausgeschnitten und digital abgeheftet.
Die neueste Entwicklung, und das ist noch gar nicht so lange her, sind Nennungen über Monitoring‑Tools. Ihr kennt diese Tools: Social‑Media‑Nennungen, Podcast‑Nennungen, Medien‑Nennungen. Und das ist schwieriger, weil man definieren muss: Was ist eine Nennung im Social‑Bereich? Und wie ordnet man Reichweite zu? Früher war es einfach: Die Zeitschrift hat X Abonnenten, also hat der Artikel X Menschen erreicht. Heute ist das komplexer.
Alexander
Und dieses Nennungsthema erlebt jetzt eine neue Dimension. Viele Tools versuchen jetzt, GEO‑Features einzubauen und herauszufinden, wie oft man in einem LLM‑Modell genannt wird.
Nicola
Ja, und das Lustige ist: Früher war Schere und Kleber das Tool der Wahl. Heute sind es Software‑Tools. Aber das Problem ist das gleiche: Wie trackt man das? Was ist das KPI? Erfassen wir alles? Früher hatte man Angst, einen Artikel zu übersehen. Heute hat man Angst, eine Erwähnung im Social‑ oder KI‑Kontext zu verpassen.
Alexander
Genau. Unternehmen wollen wissen: Tauche ich auf, wenn Leute etwas eingeben? Werde ich in Antworten genannt? Viele SEO‑Tools bieten jetzt Geo‑Features an, bei denen man Prompts analysieren kann. Aber ein Prompt ist nicht wie ein Keyword. Ein Keyword bleibt ein Keyword. Ein Sportschuh ist ein Sportschuh.
Aber Prompts sind unendlich variabel. Niemand weiß, wie Menschen schreiben. Ich sage immer: Bitte zu meiner KI. Wenn man überall „bitte“ reinschreibt, erwischt man vielleicht alle, die höflich sind.
Nicola
Vielleicht solltest du einen AllSocial‑Artikel über „Bitte“ schreiben und rankst dann im Bereich Freundlichkeit.
Alexander
Genau. Und anders als früher, wo Suchmaschinen Keywords zugeordnet haben, versucht KI, auf jedes Wort eines Prompts zu antworten – basierend auf Wahrscheinlichkeiten. Deshalb ist Prompt‑Tracking schwierig. Viel wichtiger ist: Wo werde ich als Marke überhaupt genannt? Und da gibt es eine faszinierende Entwicklung.
KI automatisiert alles, aber die Tools selbst vertrauen KI‑Content nicht. Das ist die Ironie. Und wenn man schaut, welche Quellen KI‑Modelle am häufigsten nutzen, ist Reddit ganz oben – also menschlich getriebener Content.
Nicola
Also ein Forum halt.
Alexander
Wir finden aber auch oft YouTube. Und wenn man sich dort die Kommentarspalten anschaut, sind die sehr lebhaft. Das sind echte Menschen. Und dann gibt es PR‑Quellen, bei denen Redaktionen entschieden haben, dass ein Artikel faktenkorrekt ist und relevant genug, um veröffentlicht zu werden.
Die KIs ziehen in ihren Antworten also vorrangig menschlichen Content heran, nicht KI‑Content. Außer man bewegt sich auf Plattformen wie Moldburg, wo nur noch Bots miteinander sprechen.
Nicola
Ja, aber das ist ja der Wert. Echte Menschen sind halt echte Menschen. Zitat des Tages. Letztlich ist es ein Perpetuum mobile, wenn KI KI‑Content zitiert, der wiederum KI‑Content zitiert. Das führt komplett in die Irre. Deshalb ist die menschliche Grundquelle entscheidend.
Aber unsere Herausforderung in PR und Kommunikation bleibt: Ich habe eine Message oder Kampagne und muss sie irgendwie messen. Ich muss messen, was Erfolg ist. Im E‑Commerce ist das einfach: Leads, Abverkauf, klare Zahlen. In der Kommunikation ist es schwieriger. Und eigentlich hat sich seit Schere und Kleber nichts geändert: Wir versuchen immer noch, über eine komplizierte Brücke zu messen, ob eine Kampagne erfolgreich war.
Und das ist die Grundfrage: Was ist Erfolg? Und wo willst du stattfinden? Jetzt kommen Sprachmodelle und KI dazu und wir wollen in diesen Sprachmodellen stattfinden! Warum eigentlich? Muss man das überhaupt?
Alexander
Weil die Leute immer mehr KI nutzen. Klassische Suchen gehen zurück. KI ist überall eingebunden: im Browser, im Smartphone, im Fernseher, im Auto, im Kühlschrank. Überall laufen KI‑Assistenten und KI‑Agenten, die auf Sprachmodellen basieren. Sprachmodelle sind der Touchpoint für fast alles.
Nicola
Ja, absolut. Wenn wir bei Futter bleiben: KI‑Modelle sind überall involviert.
Alexander
Genau. Und jetzt kommen wir zum eigentlichen Problem. Bei klassischen Clippings war es so: Wenn der Ordner im Keller steht, dann steht er da. Wenn wir heute ins Stadtmarketing Mannheim gehen würden, würden wir den Ordner finden, aufschlagen und das Clipping wäre noch da. Es bleibt bestehen.
Bei KI‑Tools ist das anders. Die Quellen wechseln permanent. Nur weil du heute einen guten Artikel platziert hast, heißt das nicht, dass er morgen noch in den Modellen auftaucht. Es kann eine Stunde später schon verschwunden sein, je nach Prompt, je nach Datenbank, je nach Aktualisierung.
Wir finden aber auch oft YouTube. Und wenn man sich dort die Kommentarspalten anschaut, sind die sehr lebhaft. Das sind echte Menschen. Und dann gibt es PR‑Quellen, bei denen Redaktionen entschieden haben, dass ein Artikel faktenkorrekt ist und relevant genug, um veröffentlicht zu werden. Die KIs ziehen in ihren Antworten also vorrangig menschlichen Content heran, nicht KI‑Content. Außer man bewegt sich auf Plattformen, auf denen nur noch Bots miteinander sprechen.
Nicola
Ja, aber das ist ja der Wert. Echte Menschen sind halt echte Menschen. Zitat des Tages. Letztlich ist es ein Perpetuum mobile, wenn KI KI‑Content zitiert, der wiederum KI‑Content zitiert. Das führt komplett in die Irre. Deshalb ist die menschliche Grundquelle entscheidend. Aber unsere Herausforderung in PR und Kommunikation bleibt: Ich habe eine Message oder Kampagne und muss sie irgendwie messen.
Ich muss messen, was Erfolg ist. Im E‑Commerce ist das einfach: Leads, Abverkauf, klare Zahlen. In der Kommunikation ist es schwieriger. Und eigentlich hat sich seit Schere und Kleber nichts geändert: Wir versuchen immer noch, über eine komplizierte Brücke zu messen, ob eine Kampagne erfolgreich war.
Und das ist die Grundfrage: Was ist Erfolg? Und wo willst du stattfinden? Jetzt kommen Sprachmodelle und KI dazu und wir wollen in diesen Sprachmodellen stattfinden. Warum eigentlich? Muss man das überhaupt?
Alexander
Weil die Leute immer mehr KI nutzen. Klassische Suchen gehen zurück. KI ist überall eingebunden: im Browser, im Smartphone, im Fernseher, im Auto, im Kühlschrank. Überall laufen KI‑Assistenten und KI‑Agenten, die auf Sprachmodellen basieren. Sprachmodelle sind der Touchpoint für fast alles.
Und jetzt kommen wir zum eigentlichen Problem. Bei klassischen Clippings war es so: Wenn der Ordner im Keller steht, dann steht er da. Wenn wir heute ins Stadtmarketing Mannheim gehen würden, würden wir den Ordner finden, aufschlagen und das Clipping wäre noch da. Es bleibt bestehen.
Bei KI‑Tools ist das anders. Die Quellen wechseln permanent. Nur weil du heute einen guten Artikel platziert hast, heißt das nicht, dass er morgen noch in den Modellen auftaucht. Es kann eine Stunde später schon verschwunden sein, je nach Prompt, je nach Datenbank, je nach Aktualisierung.
Und deshalb sollte man vorsichtig sein, wenn Agenturen plötzlich behaupten: „Wir sind die führende Geo‑Agentur.“ Da sollten die Ohren klingeln.
Nicola
Spitzen. Oder wie nennt man das?
Alexander
Bei allem, was wir tun, arbeiten wir auf fremdem Grund, etwa Social‑Media‑Plattformen. Und selbst da können wir mit SEO‑Tools Google noch halbwegs emulieren. Wir haben Studien, wir kennen die Algorithmen zumindest teilweise. Aber KI‑Tools sind eine Blackbox. Keines der großen Modelle ist Open Source. Wir wissen nur: Die Antworten basieren auf Wahrscheinlichkeiten. Wie die Quellen ausgewählt werden, wissen wir nicht.
Wenn jemand sagt, er sei führend in Geo, muss man ehrlich sein: Wir arbeiten hier mit der größten Blackbox im Online‑Marketing.
Nicola
Und wenn wir über Nennungen sprechen, ist die Herausforderung bei KI‑Tools die Dynamik. Es ist nicht reproduzierbar. Bei Social‑Nennungen kann ich Posts oder Kommentare verlinken. Bei KI‑Nennungen ist es flüchtig. Du kannst einen Treffer haben, machst vielleicht einen Screenshot, aber er ist weg. Es ist wie Hörensagen im Dorf: Jemand hat angeblich etwas gesagt, aber du kannst es nicht beweisen.
Alexander
Genau. Und es ist doppelt flüchtig. Erstens müsstest du exakt denselben Prompt reproduzieren. Zweitens kann sich das Modell inzwischen verändert haben und anders antworten. Es gibt Tools, die historische Daten sammeln und dir zeigen, wie oft du genannt wurdest. Aber du kannst diese Nennungen kaum recyceln oder reproduzieren.
Nicola
Und das ist die Schwierigkeit: diese Flüchtigkeit. Und dann ist die Frage aus strategischer Sicht: Ist eine Nennung überhaupt etwas wert?
Alexander
Sie ist etwas wert, wenn jemand nach einem Produkt sucht, dich findet und kauft. Aber die Analyse ist schwer. Wir müssen schauen, wie sich die Messbarkeit entwickelt. Vielleicht bieten KI‑Anbieter irgendwann interne Analysen an. Bing macht das schon ein bisschen: Über die Developer‑Tools kann man sehen, wie man im Co‑Pilot erscheint. Vielleicht gibt es irgendwann Business‑Metriken wie im Meta‑Ads‑Manager.
Nicola
Das wäre interessant. Ich weiß nicht, ob sie daran arbeiten. Aber grundsätzlich ist es gut, genannt zu werden, weil viele Menschen KI nutzen. Es ist nur schwer zu analysieren. Siehst du es auch so, dass man die Maßnahmen, die man ohnehin für SEO macht, weiter ausbauen sollte? Also Inhalte so optimieren, dass sie Antworten auf Fragen liefern, die Menschen sowieso stellen würden?
Alexander
Absolut. Bleibt bei dem, was man ohnehin gut macht, denn gewisse Dinge verlieren nie an Wert. Branding und Markenaufbau zum Beispiel. Wenn Menschen eine Marke kennen, geben sie in KI‑Prompts eher ein: „Buch mir eine Reise mit Anbieter XY“, statt einfach nur „Buch mir eine Reise nach Thailand“. Markenbewusstsein bleibt also entscheidend.
SEO bleibt ebenfalls wichtig. Trotz aller Rufe „SEO ist tot“ sieht man, dass Google für seine AI‑Antworten oft dieselben Quellen nutzt wie für die klassische Suche. Und PR bleibt wichtig, nicht nur weil ich PR‑Freelancer bin, sondern weil PR für menschliche Beziehungen steht. Gerade im Zeitalter von AI‑Slop werden menschliche Beziehungen wichtiger denn je.
Nicola
Da hatten wir mal eine Folge mit Jan. Liebe Grüße an Jan. Könnt ihr euch gerne nochmal anhören. Vielleicht machen wir in einem halben Jahr ein Update.
Alexander
Absolut. Und jetzt, nachdem wir so viel über das Problem gesprochen haben, kommen wir zur Lösung. Stand jetzt muss man akzeptieren: Man kann KI‑Nennungen nicht so messen wie Social‑Media‑Metriken. Auch wenn es Tools gibt, sind das Momentaufnahmen. Wenn du es bei Google auf Platz 1 schaffst, bleibst du dort oft länger sichtbar als in einer KI‑Antwort, die sich ständig ändert.
Wir können uns vorstellen, dass die Tools besser werden. Vielleicht gibt es irgendwann einen Co‑Pilot‑Business‑Manager, so wie den Meta‑Ads‑Manager. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis KI‑Tools Werbung integrieren. Spätestens dann braucht es messbare Ergebnisse.
Nicola
Ja, definitiv. Sobald Werbung geschaltet werden kann, braucht es harte Zahlen: Reichweite, Umfeld, Sichtbarkeit. In Social Media kam die Professionalisierung der Analytics auch über den Werbeanzeigenmanager.
Alexander
Und wenn wir über Citation Drift sprechen, heißt das: Es ist ein Kreislauf. Man muss kontinuierlich dranbleiben. Vielleicht taucht eine Nennung wieder auf, die verschwunden war. Und man braucht eine Mischung: menschliche Beziehungen, PR, SEO, Content. Der Marketing‑Mix wird wichtiger denn je.
Früher sprach man vom T‑Shaped‑Marketing. Heute ist es eher ein breiter Mix. Und ja, der gute alte Marketing‑Mix bleibt relevant.
Nicola
Hallo, ich habe in Mannheim studiert. Marketing‑Mix, erstes Semester. Ich habe das Buch von Professor Homburg noch zuhause. Damals war alles einfacher. Manchmal wünsche ich mir die Zeit zurück.
Alexander
Es ist natürlich eine Budgetfrage, aber der Marketing‑Mix wird wichtiger. Und kontinuierliche Formate auch. Wir haben in einer der letzten Folgen über Social‑Media‑Serienformate gesprochen. Durch den Drift werden serielle Formate, Long‑Form‑Content oder Artikelreihen wichtiger.
Und etwas finde ich besonders spannend: Es hieß immer „Video first“. Für Social Media stimmt das. Aber KI‑Modelle brauchen Text. Für Bilder brauchst du Alt‑Texte. Für Videos brauchst du Beschreibungen. Für KI‑Antworten brauchst du Blogartikel, PR‑Texte, strukturierte Inhalte.
Also: Text wird wieder wichtiger. Kontinuierliche Formate werden wichtiger. Und der Marketing‑Mix wird wichtiger. Das sind meine drei Erkenntnisse aus dem aktuellen Citation Drift.
Nicola
Vielen Dank. Ich glaube, das ist eine gute Zusammenfassung. Und dann geht es direkt weiter mit unseren Hot‑and‑Not‑Learnings der Woche. Sollen wir mal wieder ein bisschen einführen? Ich habe etwas mitgebracht: Papst Leo hat eine AI‑Kommission ins Leben gerufen. Das passt ganz gut zu unserem Thema. Ich finde es spannend, dass der Vatikan sagt: Wir müssen uns das anschauen. Es geht vor allem um das Potenzial und die Effekte des menschlichen Impacts. Also darum, was der Mensch leisten kann und wie wichtig er in der Ära der KI bleibt. Auch auf dem heiligen Stuhl hat man erkannt, dass Mensch und KI ein Thema sind. Interessant, dass selbst tausendjährige Institutionen mit der Zeit gehen.
Alexander
Ich habe auch eine Nachricht mitgebracht, kein Win oder Fail, aber wichtig: Das Oberlandesgericht Hamm hat entschieden, dass Unternehmen komplett für KI‑Halluzinationen haften. Man kann Fehler nicht auf die KI schieben. In dem Fall ging es um einen Klinik‑Chatbot, der bei der Terminvergabe autonom gehandelt und vieles falsch gemacht hat. Patienten haben sich beschwert, die Klinik wollte es auf das Modell schieben, aber das Gericht sagte: Nein, ihr seid verantwortlich, wenn ihr so etwas einsetzt. Das passt gut zu dem, was wir heute besprochen haben.
Und ich habe noch ein Fail. Wir haben über Clippings gesprochen und über LinkedIn. Dort sieht man viele merkwürdige Learnings. Und wir haben über serielle Formate und Kontinuität gesprochen. Aber ein Posting, das ich gesehen habe, war wirklich fragwürdig: In der Notaufnahme zu landen ist kein Grund, Social‑Media‑Postings nicht vorzubereiten.
Nicola
Dumm ist nur, wer Dummes tut.
Alexander
Genau. Gesundheit geht vor. Auch wenn wir sagen, man sollte kontinuierlich dranbleiben, gesund werden ist wichtiger.
Nicola
Gesundheit ist das Allerwichtigste. Ich zitiere den Post, den du mir geschickt hast, und ich habe nur den Kopf geschüttelt: „Ich sitze gerade in der Notaufnahme auf Mallorca und bereite meine Social‑Media‑Posts für die nächsten Tage vor.“ Da denkt man sich: Leute, ihr seid motiviert, ihr nehmt euren Job ernst, aber Gesundheit geht vor.
Alexander
Und wenn du gesund bist, kannst du auch wieder posten.
Nicola
Absolut. Und der Algorithmus wird es vielleicht verzeihen. Vielleicht brauchen wir eine Krankmeldung für den Insta‑Feed. Nicht nur eine Krankmeldung für den Arbeitgeber, sondern auch für den Algorithmus und das KI‑Modell. „Lieber Algorithmus, ich bin eine Woche krank. Bitte verzeih mir.“
Nicola
Rank mich nicht runter, nur weil ich krank bin. Wer weiß, vielleicht sollten wir das mal bei Meta einreichen.
Nicola
In dem Sinne wünsche ich dir eine schöne Woche. Schön, dass wir uns gehört haben. Euch da draußen auch eine gute Zeit. Bleibt gesund. Wir hören uns. Ciao.
Alexander
Macht’s gut.
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