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Künstliche Intelligenz

Top 10: Der beste Smart Ring im Test – Oura, Galaxy Ring & Alternativen ohne Abo


Oura Ring 4 im Test: Smart Ring mit hervorragendem Schlaf-Tracking

Gute Verarbeitung, DSGVO-konform und Top-Schlafanalyse: Der Oura 4 bietet eine genaue Auswertung der Vitalwerte – um ein Abo kommt man aber nicht herum.

VORTEILE

  • umfassende Analyse
  • hochwertige und robuste Verarbeitung
  • DSGVO-konform
  • hervorragende Schlafanalyse
  • präzise Pulsmessung

NACHTEILE

  • teuer
  • volle Funktionen nur mit Abo
  • etwas dicker

Gute Verarbeitung, DSGVO-konform und Top-Schlafanalyse: Der Oura 4 bietet eine genaue Auswertung der Vitalwerte – um ein Abo kommt man aber nicht herum.

Der Oura Ring 4 markiert die vierte Generation des smarten Rings des finnischen Herstellers. Wer ungern mit einer Smartwatch schläft oder sie im Alltag als störend empfindet, findet hier eine dezente Alternative, um Vitalwerte kontinuierlich zu erfassen. Für den vollen Funktionsumfang ist zwar ein Abo nötig, grundlegende Gesundheitsdaten liefert der Ring aber auch ohne Mitgliedschaft.

Im mehrwöchigen Praxistest punktete der smarte Ring primär als dezenter Schlaf-Tracker, lieferte darüber hinaus jedoch auch valide Einblicke in die allgemeinen Vitaldaten. Dank der hohen Messpräzision und des unaufdringlichen Formfaktors stört das Wearable – im Gegensatz zu vielen Smartwatches – nachts kaum.

Nachdem wir bereits im vergangenen Jahr das Titan-Modell unter die Lupe genommen haben, ergänzen wir den Test nun um die Erfahrungen mit der Keramik-Ausführung sowie dem optional erhältlichen Lade-Case.

Design & Tragekomfort

Der Oura Ring 4 ist schlicht und symmetrisch gestaltet, wirkt hochwertig und kann auch als Schmuckstück überzeugen. Er ist in zwölf Größen von 4 bis 15 erhältlich. Der Ring misst 7,9 mm in der Breite und rund 2,9 mm in der Dicke. Das entspricht in etwa einem klassischen Ehering. Je nach Größe bringt er zwischen 3,3 und 5,2 g auf die Waage.

Oura Ring 4

Im Vergleich fällt der Oura etwas massiver aus: Der Ringconn Gen 2 ist mit 6,8 mm deutlich filigraner. Der Oura sitzt also präsenter am Finger, man gewöhnt sich aber schnell daran. Empfehlenswert ist, ihn an der nicht dominanten Hand zu tragen – also als Rechtshänder links – da er sonst im Alltag stören kann.

An der Unterseite befindet sich eine kleine Kerbe als Markierung. Sie zeigt, wie der Ring korrekt getragen werden muss, damit die Pulsmessung exakt funktioniert – die Kerbe sollte nach unten zeigen. Der Hersteller empfiehlt, den Zeigefinger für die genauesten Messwerte zu verwenden. Im Alltag war der Ring für uns dort aber unpraktisch, weil man leichter an Gegenstände stößt. Als Kompromiss haben wir den Mittelfinger gewählt.

Der Oura Ring 4 ist bis 100 Meter wasserdicht und damit alltagstauglich robust. Duschen, Schwimmen und Sauna sind unbedenklich, fürs Gerätetauchen ist er jedoch nicht ausgelegt, und auch aggressive Chemikalien sollte man meiden – beim Putzen also besser abnehmen. Das Titangehäuse mit PVD- oder DLC-Beschichtung schützt zuverlässig vor Kratzern und Stößen.

Vor dem Kauf liefert Oura ein Testkit mit Kunststoffringen, um die passende Größe zu bestimmen. Diese Ringe sollte man am besten rund 24 Stunden tragen, da sich Finger je nach Temperatur etwas ausdehnen oder zusammenziehen. Im Winter sitzt der Oura tendenziell lockerer.

Im Lieferumfang liegt ein Ladegerät. Der Ring wird einfach aufgesetzt, bis er einrastet – dann leuchtet eine kleine LED auf. Das Ladegerät wird per USB-C-auf-USB-A-Kabel mit einem Netzteil verbunden, das jedoch nicht beiliegt. Ein Ladecase gehört nicht zum Lieferumfang, ist aber separat als Zubehör erhältlich. Wir haben es ebenfalls ausprobiert.

Oura bietet den Ring 4 nun in einer kratzfesten Keramikvariante an, die im direkten Vergleich zum Titanmodell minimal schwerer ist und etwas bulliger wirkt – trotz nahezu identischer Abmessungen. Die Keramik-Edition zeichnet sich im Test besonders durch ihre Widerstandsfähigkeit aus.

Einrichtung & App

Als Begleit-App dient Oura, erhältlich für Android im Play Store und für iOS im App-Store. Die Einrichtung ist unkompliziert: Konto anlegen, koppeln, fertig. Für den vollen Funktionsumfang ist jedoch ein kostenpflichtiges Abo nötig. Ohne Mitgliedschaft zeigt der Ring nur Basisdaten zu Schlaf, Aktivität und Tagesform. Detaillierte Analysen gibt es erst mit dem Abo für rund 6 Euro im Monat oder 70 Euro im Jahr.

Damit die Werte verlässlich sind, sollte der Ring möglichst durchgehend getragen werden. Er benötigt außerdem Zeit zur Kalibrierung: Nach etwa zwei Wochen sind die Basiswerte stabil. Einzelne Analysen benötigen unterschiedlich lange – Stresslevel etwa fünf Tage, der persönliche Chronotyp bis zu 90 Tage.

Die App ist klar strukturiert. Auf dem Startbildschirm erscheinen oben Punkte für Tagesform, Schlaf und Aktivität sowie die aktuelle Herzfrequenz. Darunter folgen Stresswerte, Herzschlagverlauf, Balance der Herzfrequenzvariabilität (HFV) und die letzten Aktivitäten.

Am unteren Rand bietet das Navigationsmenü eine Ansicht des aktuellen Tags – also des beschriebenen Startbildschirms –, dazu eine kompakte Übersicht der einzelnen Vitalwerte sowie langfristige Gesundheitsstatistiken, etwa zur Schlafqualität, zum durchschnittlichen Stresslevel und zur kardiovaskulären Fitness

Im Test attestierte der Ring soliden Schlaf dank regelmäßiger Zubettgehzeiten, zeigte aber Verbesserungspotenzial beim Stressmanagement – vermutlich berufsbedingt. Beim Herzgesundheitswert ergab sich ein erfreuliches Ergebnis: Das kardiovaskuläre Alter des Testers liegt rund acht Jahre unter seinem tatsächlichen Alter. Unter dem „kardiovaskulären Alter“ versteht man bei Oura ein Maß für die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems im Vergleich zum tatsächlichen Alter. Es gibt an, ob das Herz und die Arterien in ihrer Funktionsweise „älter“ oder „jünger“ sind als das chronologische Alter.

Rechts oben wird der Akkustand angezeigt, rechts unten lassen sich über das Plus-Symbol Aktivitäten oder Herzfrequenzmessungen starten. Hinter dem Burger-Menü oben links verbergen sich Einstellungen und Detailberichte.

Eine Offline-Nutzung ist beim Oura Ring nicht vorgesehen – die Daten werden stets mit der Cloud synchronisiert. Da Oura seinen Sitz in Finnland hat, unterliegt die Verarbeitung der DSGVO, Daten werden verschlüsselt auf europäischen Servern gespeichert. Persönliche Gesundheitsdaten gibt Oura laut eigenen Angaben nicht an Dritte weiter, was dem Ring beim Datenschutz einen klaren Vorteil gegenüber asiatischen Konkurrenten wie Ringconn verschafft.

Aktivität & Tracking

Der Ring misst den Herzschlag fortlaufend und erkennt viele Aktivitäten automatisch. Die App fragt bei erkannten Bewegungen nach, ob man etwa spazieren, joggen oder Rad fahren war – die Zuordnung klappt meist gut, gelegentlich aber auch kurios: Nach einem stressigen Telefonat vermutet der Ring schon mal, man sei laufen gewesen.

Über die App lässt sich der persönliche Fitnesszustand per Test ermitteln: Dafür soll man sechs Minuten lang möglichst zügig gehen. Anhand der dabei gemessenen Herzfrequenz, der Erholungszeit und in Kombination mit Schlaf- und Trainingsdaten berechnet Oura anschließend den Fitnesslevel sowie das kardiovaskuläre Alter.

Für Workouts lässt sich die Pulsmessung manuell starten. Dabei lieferte der Ring im Test erstaunlich genaue Werte, nahezu auf dem Niveau einer Fitnessuhr. Er zählt ebenfalls präzise Schritte, wenn auch etwas weniger exakt als eine Smartwatch. Der Kalorienverbrauch ist eher als grobe Schätzung zu verstehen, vermittelt aber plausibel den Tagestrend.

Nachts erfasst der Oura Ring 4 zusätzlich die Sauerstoffsättigung (SpO₂) und die Herzfrequenzvariabilität (HFV). Letztere zeigt, wie flexibel das Herz auf Belastung reagiert: Eine hohe HFV steht für gute Erholung, eine niedrige für Stress oder Erschöpfung.

Insgesamt präsentiert sich der Oura Ring 4 weniger als klassischer Fitness-Tracker, sondern als ausgewogener Gesundheitsmonitor, der Erholung, Aktivität und Wohlbefinden in den Mittelpunkt stellt. Bemerkenswert war eine Erfahrung im Test: Wenige Tage vor dem Ausbruch einer Erkältung warnte der Ring, dass etwas nicht stimme – und empfahl, sich zu schonen.

Schlafanalyse

Besonders überzeugt hat im Test die Schlafanalyse des Oura Ring 4. Sie unterteilt den Schlaf in die üblichen Phasen – Leicht-, Tief- und REM-Schlaf – sowie in Wachzeiten. Zusätzlich erfasst der Ring die Einschlaflatenz, also wie lange man zum Einschlafen braucht, und bewertet das Timing im Vergleich zu vorherigen Nächten.

Darauf basierend berechnet die App Zeit im Bett und tatsächliche Schlafdauer. Im Vergleich zu Smartwatches wirkten die Ergebnisse des Oura Rings am zuverlässigsten: Selbst kurze Wachphasen in der Nacht wurden präzise erkannt – er erwies sich damit als unsere Nummer eins fürs Schlaf-Tracking.

Aus den gesammelten Daten erstellt die App außerdem eine Schlafeffizienz in Prozent und zeigt in einem Diagramm den Verlauf der Herzfrequenz. Wie zuvor erwähnt, erfasst der Ring auch die HRV und den SpO₂ während der Nacht.

Akku & Laden

Je nach Nutzung liegt die Laufzeit laut Hersteller bei 5 bis 8 Tagen. Im viermonatigen Test hielt der Oura Ring 4 im Schnitt knapp unter eine Woche durch – getragen fast rund um die Uhr. Der Ladevorgang dauert je nach Netzteil etwa 60 bis 80 Minuten, lässt sich aber mit 20 Minuten Schnellladen so weit auffrischen, dass der Ring einen weiteren Tag durchhält. Zum Laden benötigt man ein Netzteil mit USB-C, das nicht zum Lieferumfang gehört.

Oura Ring 4

Neu hinzugekommen ist ein mobiles Ladecase mit Akku. Dieses lädt den Ring bis zu fünfmal auf. Geladen wird das Case per USB-C binnen 90 Minuten, ein Netzteil liegt ebenfalls nicht bei.

Preis

Die UVP des Oura Ring 4 liegt bei 399 Euro für die silberne und schwarze Variante, 449 Euro für Stealth und Brushed Silver sowie 549 Euro für die Modelle in Gold und Roségold. Bei Amazon bekommt man das Modell in Silber für 399 Euro. Mit gebürstetem Silber sind es 419 Euro, in Gold geht es ab 549 Euro los. Das optionale Ladecase kostet abermals 109 Euro – man benötigt hier zwingend das Passende zur Ringgröße.

Die neue Keramik-Ausführung ist seit Oktober auf dem deutschen Markt. Technisch unterscheidet sie sich nicht von den Metallmodellen, lediglich Material und Design sind neu. Erhältlich sind vier Farben: Anthrazit (Midnight), Creme (Cloud), Rosé (Petal) und Hellgrün (Tide). Die beträgt UVP 549 Euro. Die Variante in Beige sowie in Hellgrün ist derzeit reduziert auf 509 Euro.

Das ist insgesamt ziemlich teuer. Umfangreiche Auswertungen stehen zudem nur mit einem kostenpflichtigen Abo zur Verfügung, das etwa 6 Euro im Monat oder 70 Euro im Jahr kostet. Lediglich der erste Monat ist nach dem Kauf kostenlos.

Fazit

Der Oura Ring 4 überzeugt als bislang bester Smart Ring im Test. Er wirkt hochwertig verarbeitet, lässt sich gut als Schmuckstück tragen und bietet einen angenehmen Tragekomfort – auch wenn er etwas dicker ausfällt als die Konkurrenz von Ringconn.

Die App ist übersichtlich aufgebaut und liefert umfassende Analysen der Vitalwerte. Die Pulsmessung ist erfreulich präzise, die Aktivitätserkennung solide, wenn auch nicht ganz auf Smartwatch-Niveau. Pluspunkt: Oura setzt als finnisches Unternehmen auf Datenschutz nach DSGVO-Standard und speichert alle Daten verschlüsselt auf Servern innerhalb der EU.

Die Akkulaufzeit liegt mit knapp einer Woche im soliden Mittelfeld und entspricht etwa dem Niveau des Galaxy Ring, auch wenn einige Mitbewerber länger durchhalten. Ihre größten Stärken zeigt die Kombination aus Ring und App im Schlaf-Tracking: Die Analyse von Schlafphasen und Wachzeiten ist sehr präzise und liefert ein klares Bild von Erholung und Gesundheitstrends.

Kritikpunkte bleiben überschaubar – der Preis ist hoch, und für den vollen Funktionsumfang ist ein Abo nötig. Dennoch: Wer Wert auf diskretes, präzises und datenschutzkonformes Gesundheits-Tracking legt, findet im Oura Ring 4 aktuell die überzeugendste Lösung.



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Neue Methode zur Lithium-Gewinnung aus festem Salz benötigt kaum Frischwasser


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Ein Wissenschaftsteam der Monash University hat eine Technik entwickelt, mit der sich Lithium für die Batterieproduktion aus festen lithiumhaltigen Salzgemischen statt aus flüssigen Solen extrahieren lässt. Das Verfahren benötigt kaum Frischwasser und weniger Energie und stellt damit eine umweltfreundlichere Alternative zur herkömmlichen Lithiumgewinnung dar. Das Verfahren soll mit einer Gewinnungsrate von 95 Prozent zugleich sehr effizient sein. Die Forscher haben die Methode zum Patent angemeldet.

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Lithium wird heutzutage im Wesentlichen auf zwei Arten gewonnen: dem Abbau von Festgestein und anschließender Raffinierung zu nutzbaren Lithiumverbindungen sowie der Gewinnung von Lithiumcarbonat durch Verdunstung geförderter lithiumhaltiger Sole in großen Becken.

Die Verdunstung der Sole benötigt jedoch einige Zeit. Es kann von einigen Monaten bis zu zwei Jahre dauern, bis eine verwertbare hochkonzentrierte Lithiumchlorid-Lösung übrigbleibt. Entsprechend werden Verfahren eingesetzt, die den Zeitaufwand verkürzen. Diese Direct-Lithium-Extraction-Methoden benötigen allerdings Unmengen von Süßwasser, das in den trockenen Regionen, in denen die lithiumhaltige Sole vorkommt, Mangelware ist. Die Entnahme von Frischwasser in diesen Regionen führt daher zu schwerwiegenden Auswirkungen auf die Ökosysteme und den Menschen. Hinzu kommt, dass diese Verfahren nicht besonders effektiv sind. Weniger als die Hälfte des tatsächlichen Lithiums kann damit gewonnen werden.

Die Wissenschaftler der Monash University haben eine Methode entwickelt, die das Lithium nicht aus flüssiger Sole extrahiert, sondern nach der Verdunstung die feste Salzkruste nutzt, in der das Lithium gebunden ist. Das Salz waschen die Forscher mit den industriellen Lösungsmitteln Ethanol und Aceton aus, wie aus der Studie „Precision Dissolution of Salts for Solar-Driven Lithium Extraction from Brines“ hervorgeht, die in Environmental Science & Technology erschienen ist.


Verfahren zur Lithiumgewinnung

Verfahren zur Lithiumgewinnung

Schematsiche Darstellung des Verfahrens der Wissenschaftler der Monash University zur Gewinnung von Lithium aus festem Salz.

(Bild: Monash University)

Beide Lösungsmittel sind organische Flüssigkeiten, die das Lithium herauslösen und zugleich von Verunreinigungen trennen. Darunter fallen beispielsweise Bor und Sulfat, die gewöhnlich an der Lithiummatrix haften und bei herkömmlichen Verfahren durch den zusätzlichen Einsatz von Chemikalien entfernt werden müssen. Zudem werden auch keine größeren Frischwassermengen bei dem Verfahren der Forscher der Monash University benötigt.

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Das gewonnene Lithium weist entsprechend bereits nach der Extraktion eine hohe Reinheit auf, was die Nutzung in Batterien erleichtert. Insgesamt soll die Methode bis zu 95 Prozent des Lithiums herauslösen. Das ist etwa doppelt so viel wie bei herkömmlichen Verfahren.

Die Lösungsmittel gewinnen die Forscher mit einer von ihnen entwickelten Rückgewinnungsmethode „Interfacial solar evapotation“ zurück. Dabei nutzen sie natürliches Sonnenlicht zur Speicherung von Wärme an der Oberfläche der durch den Waschvorgang verunreinigten Lösungsmittel. Das führt zu einem schnelleren Extraktionsprozess, der zu einer Rückgewinnung der reinen Lösungsmittel Ethanol und Aceton zu mehr als 99 Prozent führt.

Die Wissenschaftler haben ein Patent auf ihr Verfahren zur Extraktion von Lithium aus festem Salz angemeldet. Sie gehen davon aus, dass mit dieser Methode die industrielle Gewinnung von Lithium einfacher, umweltfreundlicher und effizienter möglich ist.


(olb)



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Leapmotor B05 ProMax im Fahrbericht: Der wird unbequem – für die Konkurrenz


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Wer einen elektrischen Neuwagen im Segment sucht, das einst als Golf-Klasse bezeichnet wurde, wird nur selten unter 30.000 Euro fündig. Bei VW etwa muss ein Interessent schon bei der Basis des ID.3 bleiben und die bis Ende Juni gewährte Kaufprämie einkalkulieren, um diese Marke nicht zu reißen. Er bekommt dann ein spärlich ausgestattetes Auto, das auf langen Strecken eine gewisse Kompromissbereitschaft voraussetzt. Leapmotor stellt für deutlich weniger Geld ein etwas längeres E-Auto hin, das erheblich besser ausgestattet ist und schneller lädt. Eine erste Proberunde mit dem Leapmotor B05 zeigte, dass die Konkurrenz diesen Anbieter besser nicht unterschätzen sollte. Zwar hat das Auto durchaus noch so manche Schwäche, darunter aber kaum eine, die ihm viele angesichts des Preises nicht nachsehen würden.

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Mit 4,43 m Länge ist der Leapmotor B05 etwas länger als beispielsweise ein Opel Astra Electric oder ein Smart #3. Der Radstand misst 2,74 m. Das Raumangebot ist vorn wie hinten großzügig. Allerdings ist der Verstellbereich der Vordersitze für sehr große Menschen etwas knapp. In der Nobel-Variante sind Sitzheizung, elektrische Verstellung und ein „Premium-Synthetik-Leder“ serienmäßig. Letzteres wirkt nicht besonders hochwertig, und manch einer hätte wohl gern darauf verzichtet, wenn es dafür eine Höhenverstellung auch für den Beifahrersitz gegeben hätte. Die aber kann Leapmotor nicht liefern. Der Kofferraum fasst laut Preisliste vom 1. Mai nur 295 Liter, was den B05 in dieser Klasse für einige Interessenten aus dem Rennen kegeln dürfte. Zum Vergleich: Ein VW ID.3 fasst rund 90 Liter mehr, obwohl der fast 20 cm kürzer ist.

Insgesamt ist der Innenraum ordentlich verarbeitet, größere Schnitzer hatte der Testwagen nicht. Auch bei der Auskleidung leistet sich Leapmotor keine Schwächen: Nichts wirkt wirklich billig, und das in einem Auto, dessen Basismodell weniger kostet als ein VW ID. Polo mit vergleichbar großer Batterie. Die Serienausstattung des Einstiegsmodells umfasst unter anderem Navigationssystem, induktive Ladeschale für Smartphones, Wärmepumpe, Klimaautomatik, Abstandstempomat, Vehicle-to-Load und 19-Zoll-Felgen. Die teure Version fügt dem beispielsweise ein nicht zu öffnendes Glasdach mit elektrischem Rollo, Lenkradheizung, Regensensor und ein Soundsystem mit 12 Lautsprechern hinzu.


Der Innenraum gleicht vielen chinesischen Autos. Tasten für die direkte Bedienung gibt es kaum. (Bild:

Leapmotor

)

Leapmotor nennt unterschiedliche Preise. Auf der Veranstaltung wurden 26.900 Euro für das Basismodell „Pro Life“ genannt, in der Preisliste vom 1. Mai sind es 27.900. Die teure Variante „ProMax Design“ kostet dort 31.900 Euro. Vor Ort wurde ein Preis von 30.900 Euro kommuniziert. Zusätzlich wurde dort noch die Kombination aus Basisausstattung und großer Batterie aufgeführt, die 29.400 Euro kosten soll und in der Preisliste nicht enthalten ist. Das wird sich rasch klären. Fest steht dagegen schon, dass der B05-Käufer bei der Konfiguration nur drei Entscheidungen treffen muss: Welche Ausstattungslinie und welche der fünf Farben soll es sein? Bei der teuren Ausstattungslinie kann zusätzlich noch zwischen dunkler und heller Innenausstattung gewählt werden.

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Leapmotor B05

Leapmotor B05

Auf der Veranstaltung wurden drei Ausstattungsvarianten vorgestellt. In der aktuellen Preisliste vom 1. Mai 2026 sind nur zwei Versionen aufgeführt.

(Bild: Leapmotor)

Die Beschriftung im Kombiinstrument ist recht klein, obwohl Platz für eine größere Darstellung wäre. Ein Head-up-Display gibt es nicht. In die Logik der Bedienung muss sich der Fahrer einarbeiten, manches ist nicht unbedingt dort, wo man es spontan erwarten würde. Die eine oder andere kreative Übersetzung wird vermutlich mit einem der nächsten Updates unauffällig beseitigt. Auch bei der Sprachbedienung bleibt noch Raum für Verbesserungen. Die etwas unübersichtliche Bedienung nervt auch, wenn es darum geht, die nervösen und nicht immer treffsicheren Warntöne auf ein erträgliches Maß zurückzustutzen.

In beiden Modellen arbeitet der gleiche E-Motor. Er leistet 160 kW und bietet 240 Nm Drehmoment. Der geht leise und unaufgeregt seiner Arbeit nach und verwischt damit, was er an Schub zu bieten hat. Das Werk nennt 6,7 Sekunden für den Standardsprint. Für eine solche Zeit hätte man vor rund 20 Jahren in einem BMW 3er schon zum 325i greifen müssen – also recht weit oben in der Modellhierarchie. Schluss ist im B05 bei 170 km/h, und die sind schnell erreicht. Im Alltag stellt der B05 stets weit mehr als nur genug Leistung bereit, stellt das aber nicht in den Vordergrund.

Was die beiden Ausstattungslinien vor allem trennt, ist die Speicherbestückung. Das Basismodell bietet eine LFP-Batterie mit brutto 56,2 kWh und eine maximale Ladeleistung von 140 kW. Die von uns gefahrene Version mit 67,1 kWh Energiegehalt kann mit bis zu 168 kW geladen werden. Auch hier setzt Leapmotor auf eine Lithium-Eisenphosphat-Zellchemie. Im WLTP soll der Verbrauch bei 15,8 kWh und die Reichweite bei 482 km liegen. Für die Aufladung von 10 auf 80 Prozent verspricht Leapmotor 24 Minuten. Bezogen auf den Brutto-Energiegehalt entspricht das einer durchschnittlichen Ladeleistung von rund 117 kW. Ein Leapmotor B10 mit dieser Batterie, der gerade in unserer Redaktion weilte, lud im Test von acht auf 80 Prozent in 22 Minuten.


Der Leapmotor B05 unterbietet mit einem Preis von deutlich unter 30.000 Euro die meisten Konkurrenten – auch jene mit Verbrennungsmotor. (Bild:

Leapmotor

)

Leapmotor kooperiert über ein Joint Venture mit dem Stellantis-Verbund und spielt unter anderem die interne Konkurrenz in dieser Hinsicht gnadenlos an die Wand. Peugeot e-308 (Test) und Opel Astra Electric, gerade erst überarbeitet, bieten nur 58 kWh brutto, fallen aber vor allem beim Laden weit zurück. Das wird bei der Spitzenladeleistung schon deutlich, die dort bei 100 kW liegt, und noch viel mehr bei der durchschnittlichen Ladeleistung zwischen 10 und 80 Prozent. Nur beim Laden an Wechselstrom herrscht noch Gleichstand: 11 kW, verteilt auf drei Phasen. Gerade Modellen aus dem Stellantis-Konzern erwächst mit dem B05 eine brutale Konkurrenz, die die genannten Modelle beim Preis auch noch um viele Tausender unterbietet.

Ein VW ID.3 oder ein Opel Astra Electric sind insgesamt noch etwas leiser, doch der B05 ist weit davon entfernt, ein lautes Auto zu sein. Im Entwicklungszentrum in Turin wurde die Fahrwerksabstimmung für Europa verändert. Der europäische Leapmotor B05 ist spürbar straffer und direkter abgestimmt. Dennoch steht Komfort und nicht Fahrdynamik im Vordergrund. Trotz des schweren Batteriepakets im Unterboden neigt sich die Karosserie in schnell durchfahrenen Kurven stärker als bei einigen Konkurrenten und die Lenkung könnte dem Fahrer mehr Rückmeldung von der Fahrbahn bieten. Die Bremsen lassen sich mit ihrem exakten Druckpunkt gut dosieren.


Leapmotor B05

Leapmotor B05

Der Leapmotor B05 tritt mit einem konkurrenzlosen Preis-Leistungs-Verhältnis an.

(Bild: Leapmotor)

Der Leapmotor B05 wird seine Käufer finden. Vor allem sein herausragendes Preis-Leistungsverhältnis überdeckt manche Schwäche, die sich der Hersteller bei der Bedienung noch leistet. Solche Dinge lassen sich auch im Bestand aussortieren, sofern der Hersteller sich engagiert. Mit seiner Kombination aus Reichweite, Antriebs- und Ladeleistung steht er für diesen Preis nahezu konkurrenzlos da und deklassiert unter anderem die Konkurrenten im eigenen Haus. Nicht nur die werden irgendwie reagieren müssen.

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(mfz)



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Medienbildung im Praxistest: Social-Media-Führerschein in Niedersachsen


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In der Debatte um Social-Media-Verbote für Heranwachsende unter 16 Jahren wird das Erlangen von Medienkompetenz als wichtigstes Rüstzeug herausgestellt, um den Gefahren von Social Media nicht völlig schutzlos ausgeliefert zu sein. Dass Medienbildung allein nicht ausreicht, wird aber auch vielfach betont. Dass sie auch nicht flächendeckend und nach abgestimmten Qualitätskriterien Eingang in die schulische Arbeit findet, ist zudem Realität. In Niedersachsen will man dem Bedarf an Medienbildung seit diesem Schuljahr mit einem Social-Media-Führerschein für Schülerinnen und Schüler begegnen.

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Das Materialpaket für die Schulen heißt „Social Media Pass“ und kommt vom Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ). Heise online konnte mit Hans-Jakob Erchinger sprechen, der sowohl Lehrkraft als auch Mitarbeiter des NLQ ist und auch schon bei der Entwicklung des Materials beratend mitwirkte. Er hat das Materialpaket mit einer siebten und achten Klasse ausprobiert und später noch eine zehnte Klasse in das Projekt eingespannt. Das Besondere an dem Konzept: Im Unterricht dürfen die Schülerinnen und Schüler ihre Smartphones mit bekannten Social-Media-Apps benutzen, werden aber auch gezielt in die Konfrontation geschickt. Erchinger erlebte bei seinem Praxisversuch auch schwierige Momente.

Das Materialpaket für den „Social Media Pass“ wurde Interessierten bereits am Tag der Medienkompetenz in Niedersachsen 2025 vorgestellt. In Gruppen konnten wir Erwachsenen selbst ein paar der Aufgaben ausprobieren. Sie haben dieses Paket nun auch im eigenen Unterricht mit der eigentlichen Zielgruppe auf den Prüfstand gestellt. Wie haben Schülerinnen und Schüler der siebten und achten Klasse auf das Angebot reagiert und was konnten Sie bei der Durchführung beobachten?

In beiden Lerngruppen, insbesondere bei der siebten Klasse, stieß das Thema „Social Media“ auf großes Interesse. Allein die Ankündigung, dass dafür die Handys im Unterricht benutzt werden dürfen, löste Begeisterung aus. Alle wollten sofort erzählen, was sie alles wissen und können, und fragten, ob sie die Handys sofort herausholen dürfen. Eines wurde mir bei diesem Praxistest aber schnell klar: Der „Social Media Pass“ ist kein Selbstläufer. Lehrkräfte brauchen Vorbereitung, selbst Medienkompetenz und eine vertrauensvolle Beziehung zur Klasse, damit offene Gespräche über digitale Erfahrungen wirklich möglich werden.

Müssten Lehrkräfte also vor der Nutzung des Materialpakets mit Schülern vorher selbst einen Kurs durchlaufen?

Ohne Grundkenntnis über soziale Medien wird es schwierig. Aber einen Lehrgang müssen Lehrkräfte nicht absolvieren. Hilfreich ist es, die Infokästen in den Materialien vorher zu lesen. Das ist auch notwendig, da recht viele Fachbegriffe auftauchen, die ich dann auch den Schülerinnen und Schülern erklären muss. Teilweise sind aber auch Schüler in der Rolle der Erklärenden, darin sehe ich aber eine Chance. Der Social Media Pass hilft auf jeden Fall dabei, mit Schülerinnen und Schülern richtig ins Gespräch zu kommen, und ist auch mehr als nur ein Materialpaket – er ist ein Türöffner, um Schülerinnen und Schüler zu unterstützen, ihr eigenes Nutzungsverhalten zu reflektieren. Und wenn wir uns als Lehrkräfte entsprechend vorbereiten, liefert der Pass uns Lehrkräften ebenfalls das nötige Medienwissen, um mit den Schülern sprechen zu können.


Hans-Jakob Erchinger

Hans-Jakob Erchinger

(Bild: 

NLQ, Medienberatung Niedersachsen

)

Hans-Jakob, kurz Jako, Erchinger ist beim Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ) im Fachbereich Medienbildung tätig. Dort ist er für den Bereich Journalismus und Schule zuständig.

Als Lehrer für die Fächer Geschichte, Politik, Erdkunde und Religion lässt er journalistische Projekte in den Unterricht einfließen.

Was ist Ihnen in Bezug auf die Schülerinnen und Schüler aufgefallen? Wie erfahren waren sie schon mit Social-Media-Angeboten, obwohl sie ob ihres Alters eigentlich noch gar keine nutzen dürften?

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Die Erfahrungen sind sehr unterschiedlich. In den Klassen reichte das Spektrum von einem Schüler, der einen fast professionellen Store auf TikTok betreibt, bis zu Schülern, die Social-Media-Apps überhaupt nicht nutzen oder nur online gesteuerte Nutzungszeiten für das Smartphone von ihren Eltern haben. In beiden Lerngruppen habe ich diese Unterschiede gut mit der Methode des wahldifferenzierten Unterrichts adressieren können. Mein Ziel war es, die Schülerinnen und Schüler selbst zu Expertinnen und Experten zu machen und an den Teilbereichen zu arbeiten, die sie dann den Mitschülern vorstellten. Dazu eignet sich das Materialpaket auch ganz gut. Es gibt drei Module: Modul 1: Wie nutze ich Social Media? Beobachtung des eigenen Nutzungsverhaltens. Modul 2: Wie funktioniert Social Media? Algorithmen, Geschäftsmodelle und Datenschutz, und Modul 3: Wie wirkt Social Media? Auseinandersetzung mit Auswirkungen, Emotionen und gesellschaftlicher Verantwortung.

Wie gut hat das funktioniert? Wie viel Zeit konnte dafür im Unterricht aufgebracht werden?

Das war schon eine anspruchsvolle Zielsetzung für meine Erprobung in einer siebten Klasse mit 28 Schülerinnen und Schülern im Fach Werte und Normen und nur sechs Wochen Zeit für das Thema. In einer achten Klasse erprobte ich das Material in den Projekttagen zum Thema Digitalisierung. Das musste innerhalb von acht Unterrichtsstunden geschehen. Und das eine Jahr älter macht schon viel aus, denn das Material ist auch sprachlich recht anspruchsvoll, wobei Prävention ja gerade bei jüngeren Schülerinnen und Schülern dringend notwendig ist, was wiederum der Einsatz in Klasse 7 sehr deutlich gemacht hat. Daher wird aktuell auch schon an einem weiteren Paket für die Klasse 5/6 gearbeitet, das etwas einfacher gestaltet sein wird.

Welche Durchführungsdauer hat sich als besser erwiesen? Und konnten die verschiedenen Arbeitsgruppen die Module jeweils gut bearbeiten und dann auch den anderen Schülerinnen und Schülern vermitteln?

Die Arbeit an ganzen Projekttagen eignet sich eigentlich besser für die Arbeit mit dem Social Media Pass. Und es hat sich bestätigt, dass die Schüler in der 10. Klasse ihr Nutzungsverhalten schon viel besser reflektieren können als die Jüngeren. Ich glaube, dass die 16-Jährigen daher auch die besten Vermittler für die jüngeren Schülerinnen und Schüler sein können – man den Social Media Pass also gar nicht nur exklusiv für eine Klasse oder einen Jahrgang denken sollte, sondern auch über Altersgruppen hinweg daran arbeiten kann. Das habe ich dann auch so ausprobiert.
Bei der Erprobung des Materials habe ich das Thema „Wie Social-Media-Plattformen um deine Aufmerksamkeit kämpfen“ zum Teil in der Gesamtgruppe durchgeführt, weil sich das als besser herausstellte. Diese Aufgabe war für mich auch wirklich erhellend.

Warum?

Das Highlight im Modul 3 ist die Phase, in der die Schüler in kurzen Zeitabschnitten von nur wenigen Minuten mit den Social-Media-Apps arbeiten sollen. Alle Schülerinnen und Schüler waren sehr ruhig und dennoch aufgeregt. Im Material bei der Aufgabe „Arbeit am Handy“ heißt es: „Öffne eine App, in der du endlos scrollen kannst (zum Beispiel TikTok, Instagram oder YouTube) und scrolle 2 Minuten.“ Dann kommen die Fragen im Arbeitsblatt: „Wie viele Inhalte hast du ungefähr gesehen? Wolltest du weiter scrollen? Begründe deine Antwort in einem Satz.“

Ich konnte dann Folgendes feststellen: Es ist nahezu unmöglich, 28 Schüler, die durch Dopamin komplett fokussiert sind, nach zwei Minuten wieder von ihren Handys zu trennen und über ihr Verhalten reflektieren zu lassen. Wir mussten diese Phase mindestens um zehn Minuten verlängern.

Was denkt man, wenn man diesen Effekt so drastisch vorgeführt bekommt – ihn sogar provoziert?

Für mich war das selbst ein großer Erkenntnisgewinn. Ich sehe als Lehrkraft, was Kinder – unversteckt – konsumieren und in welcher Situation sie sich dann befinden. In Bruchteilen von Sekunden werden die Schülerinnen und Schüler meist mit KI-Inhalten konfrontiert. Kaum ein Film wird zu Ende geschaut, Werbung und Medieninhalte zu Sport, Hobbys und verschiedensten Dingen strömen auf sie ein. Nur durch meine Lenkung ließ sich dann erreichen, dass einzelne Sequenzen reflektiert werden. Mir hat das gezeigt, wie wichtig unsere Rolle ist, um auf die Reflexionsebene zu kommen. Diese Aufgabe des Materialpakets durchzuführen, mag erschrecken, dennoch empfehle ich, diese Phase so umzusetzen. In keiner anderen Situation kann ich als Lehrkraft in dieser Deutlichkeit erfahren, wie die Lebenswelt unserer Schüler teilweise über mehrere Stunden aussieht.

Diese Erfahrung klingt gravierend. Ist der Social Media Pass vor diesem Hintergrund überhaupt ausreichend, um Schülerinnen und Schüler im Umgang mit Social Media zu sensibilisieren?

Es braucht ganz sicher regulatorische Veränderungen und trotzdem bin ich der Meinung – auch gerade nach diesen Praxiserfahrungen: Verbote allein reichen nicht aus. Auch wenn soziale Medien stärker reguliert würden, bleibt die Aufgabe, Jugendliche über die technischen, wirtschaftlichen und psychologischen Mechanismen der Plattformen aufzuklären. Wer Empfehlungsalgorithmen, Aufmerksamkeitsökonomie und Geschäftsmodelle nicht versteht, kann soziale Medien kaum selbstbestimmt nutzen. Denn die Nutzung geht auch nach Verboten weiter, wie wir an dem Beispiel Australien sehen.

Aus meiner Sicht leistet das Material des Social-Media-Passes deshalb Wichtiges: Es gibt uns Lehrkräften einen Baukasten, um das Thema Social Media aufzugreifen, und die Jugendlichen brauchen Hilfe! Nicht nur, dass sie im Unterricht extrem abgelenkt werden; der Unterricht selbst findet immer mehr mit digitalen Geräten statt. Das heißt, wir liefern die Geräte, die für das Lernen genutzt werden sollen, aber öffnen auch die Tür zur Nutzung von Social-Media-Plattformen. Damit liegt auch Verantwortung bei uns. Daher plädiere ich für eine aktive Medienarbeit – auch mit sozialen Medien. Die aktive Medienarbeit ist immer der Königsweg der Medienbildung, das gilt auch für das Digitale. Daher begrüße ich auch das Betreiben von schulischen Social-Media-Accounts. Auch hier ist Kompetenz von außen wichtig. Ein Social-Media-Führerschein, der nach Prüfung von der Schule erteilt wird, sollte im nächsten Schritt dazu befähigen, in der Social-Media-AG mitzuarbeiten. Auf diesen schuleigenen Kanälen, die mit der Webseite der Schule verknüpft sind, sollte die Schule den vorbildlichen Umgang beispielhaft zeigen.

Sie haben erwähnt, dass Sie später auch über Jahrgänge hinweg gearbeitet haben. Wie genau lief das ab?

Ja. Am Anfang stand die Erprobung in der siebten Klasse. Mit diesen Erfahrungen konnte ich Kollegen zum Einsatz im Projektunterricht überzeugen. Zum Schluss habe ich im Informatikunterricht eine Gruppe aus einer zehnten Klasse einen Videofilm produzieren lassen, der jüngere Schüler über Social Media informiert. Grundlage dafür war auch wieder der Social Media Pass. Ich wollte, dass sich die Schüler der zehnten Klasse mit dem Material auseinandersetzen, aber auch die Jüngeren von dieser Arbeit profitieren, indem die Module aus Schülersicht erklärt und nähergebracht werden.

Schon in der siebten und achten Klasse war zu beobachten, dass sie in ihren Kleingruppen zu Expertinnen und Experten ihres Themas werden. Sie setzten sich intensiv mit den Inhalten auseinander und eigneten sich diese eigenständig an, um sie dann ihren Mitschülern vorstellen zu können. Ich konnte dabei sehen, dass die Schülerinnen und Schüler selbst den Ton und die Sprache finden, die bei ihren Mitschülerinnen und Mitschülern tatsächlich ankommt.

Der Kern eines sinnvollen Umgangs mit diesem Themenfeld liegt nach meiner Erfahrung tatsächlich darin, dass Jugendliche zunächst den technischen, psychologischen und wirtschaftlichen Hintergrund erhalten und diesen anschließend in ihre eigene Sprache übersetzen. Erst dadurch wird aus abstraktem Wissen eine Diskussion auf Augenhöhe.

Sie hatten am Anfang darauf hingewiesen, dass Lehrkräfte wenigstens ein bisschen Vorwissen mitbringen sollten, um das Materialpaket zu nutzen. Gibt es über das Paket hinaus gute Materialien, um diesen Themen näherzukommen und sich mehr Wissen anzueignen?

Ich kann – ob für Lehrkräfte oder Schülerinnen und Schüler – die ZDF-Doku „Jung, online, süchtig“ und die Netflix-Doku „Das Dilemma mit den sozialen Medien“ empfehlen. Sie informieren und liefern gute Screenshots und Ausschnitte, um über Social Media und seine Auswirkungen zu diskutieren.

Der Titel der Netflix-Doku „Das Dilemma mit den sozialen Medien“ ist bezeichnend für die Situation der Schüler in der siebten Klasse: Ihr Leben spielt sich online ab, sie sind stolz darauf, sich mit der Technik der Apps auszukennen, sich dort auszuprobieren, und gleichzeitig ahnen sie schon, dass die Nutzung auch Nachteile für sie hat, dass sie darunter leiden, und sie wissen auch, dass sie süchtig werden können.

Ich habe diese Dokus auch in meinen Unterrichtseinheiten genutzt und insbesondere Ausschnitte aus der ZDF-Doku haben die Schüler wirklich betroffen gemacht und noch einmal mehr motiviert, sich in der Gruppenarbeit vertieft und reflektiert mit den dargestellten Themen auseinanderzusetzen.


(kbe)



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