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Vom Tuch zum FABRIC › PAGE online


Wie die Hamburg Kreativ Gesellschaft einen interdisziplinäres Fashion Lab mitten in der Innenstadt geschaffen hat

Blick durch eine gläserne Drehtür in einen hellen Pop-up-Store von Jan 'N June. Die Schaufensterscheibe trägt den Hinweis „Temporary Pop-up, Aug 29th – Oct 19th". Im Inneren sind Kleiderstangen mit pink-weißen Hemden und eine Verkäuferin am Tresen zu sehen.Bild: FABRIC x Hamburg Kreativ Gesellschaft Ist Hamburg eigentlich eine Modestadt? Denkt man zurück, landet man schnell bei Handel, dem Hafen und Kontorhäusern wie dem »Zweiten Klöpperhaus«, früher ansässig Mönckebergstraße 3, in dem Tuch gehandelt wurde. Und bei Jil Sander und Karl Lagerfeld – geht doch! Mit dem Begriff der Nachfrage kann Hamburg durchaus umgehen, doch wird die Stadt maximal im Bereich Ausbildung wirklich mit dem deutschen Business of Fashion verbunden: So bieten HAW, M. Müller & Sohn und AMD Studiengänge und Kurse an, daneben auch mit großem Anwendungsbezug wie an der Macromedia oder der Akademie JAK.

Und genau hier, wo noch so viel Hafenluft nach oben ist, setzt ein neues Großprojekt der Hamburg Kreativ Gesellschaft an. Als Prototyp des Programms »Verborgene Potenziale Innenstadt« der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen – ein Leuchtturmprojekt zur Förderung von der lokalen Community und urbaner Kreativität – wird das FABRIC bisher durch öffentliche Gelder gefördert. Die erste Förderperiode wurde durch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung ermöglicht, dann folgte weitere Starthilfe durch die Behörden für Stadtentwicklung und Wohnen, Kultur und Medien, Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft.

Moderner Nähmaschinenpark in einem industriellen Produktionsraum mit hoher Decke und Lüftungsrohren. Im Vordergrund eine professionelle Nähmaschine, im Mittelgrund eine Maschine der Marke Serdar; rechts grafische Dreiecksformen mit Punktmuster als Gestaltungselement.Bild: FABRIC x Hamburg Kreativ Gesellschaft

Eine kreative Insel im Herzen der Stadt

Durch die Stadt ermöglicht und von Branchenprofis ins Leben gerufen, feierte der besondere Space in der Galleria Passage in der Nähe des Rathauses im Mai 2025 seinen ersten Geburtstag. Das FABRIC versteht sich als interdisziplinäres Netzwerk und gemeinsame Plattform für die Kreativwirtschaft. Das Konzept ist auf die Bereiche Mode, Textil und Design ausgerichtet und bietet mit Memberships für Kreative, Kunstschaffende und Unternehmen die perfekte Infrastruktur für nachhaltigen Austausch und gemeinsame Projekte.

Außerdem dient das FABRIC als Wissenszentrum und Showcase für die vielfältigen kreativen Potenziale der Stadt – und als kreativer Arbeitsraum: Die Werkstatt im Untergeschoss ist mit derzeit 42 professionellen Fertigungsmaschinen ausgestattet, vom Textil-Direktdrucker bis hin zur High-End-Stickmaschine. Eine offene Coworking- und Eventfläche samt Fotostudio im Unter- und Obergeschoss laden zur Zusammenarbeit ein, Shop und ein Café mit Terrasse verknüpfen das FABRIC mit den Passant:innen in der Innenstadt.

Belebte Außenterrasse eines Restaurants in der Hamburger Innenstadt, umgeben von Backsteingebäuden. Viele modisch gekleidete Menschen stehen und sitzen unter großen weißen Sonnenschirmen; im Hintergrund ist das Schild „Weitz" zu sehen.Bild: FABRIC x Hamburg Kreativ Gesellschaft

Das FABRIC-Team initiiert zudem selbst kreative Projekte und steht anderen Kreativen mit Beratung und praktischen Lösungen zur Seite. Suzanne Darouiche, Projektmanagerin für Urbane Produktion, ist studierte Modedesignerin, Schnitt-Direktrice und Schneiderin. Und nicht zuletzt hat sie beste Beziehungen: »Ich habe meinen letzten Job eigentlich gekündigt, um Vollzeit im meinem Verein Vagabunt zu arbeiten. Dabei handelt es sich um ein Mode- und Nähprojekt für benachteiligte Jugendliche in Hamburg, die oft wohnungslos sind oder Flucht- und Gewalterfahrungen gemacht haben. Es könnte also nicht besser passen: Urbane Produktion ist das Konzept der Stunde. Unsere Werkstatt birgt für mein Projekt enorme Möglichkeiten und viele Symbiosen«, erzählt Suzanne.

»Die deutsche Modebranche hat ein einzigartiges Potenzial – es geht nicht darum, Frankreich oder Italien nachzueifern. Wir gehen unseren eigenen Weg. Wir sind vielleicht kein traditionelles Mode-Land, aber gerade das gibt uns die Freiheit, über den Tellerrand hinauszuschauen. Ich denke, der Fokus liegt bei uns vor allem auf Qualität, Handwerk und Innovation.«

— Mattis Dallmann, FABRIC-Member

Urbane Produktion und Nachhaltigkeit

Im FABRIC treffen aber nicht nur Menschen, sondern auch Ideen und Konzepte für nachhaltigeres Modedesign und Produktionswege aufeinander. Die Kreativ Gesellschaft erforscht dabei, wie urbane Produktion klassisches Handwerk und innovative Fertigungstechniken aus Industriezentren wieder in Arbeits- und Lebensräume zurückbringt. Erklärtes Ziel ist es, leere Flächen zu beleben, die lokale Wirtschaft zu stärken und kurze Wege für Designer:innen, Produktion und Verbraucher:innen zu schaffen.

Im FABRIC sind deshalb Upcycling-Disziplinen verschiedenster Couleur zu finden, alle Design- und Showprojekte werden direkt vor Ort umgesetzt. Ninu Dramis, verantwortlich für die konzeptionelle und inhaltliche Umsetzung vom Projekt, ist ausgebildete Mode- und Kommunikationsdesignerin und auf das Prompten von Fashion spezialisiert. Oder Memberin Katja Ellwart, die aus alten Herrenhemden, die sie aus Reinigungen erhält, verschiedenste neue Schnitte und Patchwork-Designs ohne den Zukauf von Stoffen herstellt.

Darüber hinaus präsentieren Erfolgskonzepte wie das gefeierte nachhaltige Label SVEASØN im FABRIC ihre Kollektionen. Dabei geht es nicht nur darum, selbst Stücke zu produzieren, sondern die Modewelt im Ganzen zu hinterfragen – und den Wert von gut gemachter Kleidung wieder deutlich in den Vordergrund zu rücken.

So hat Mattis Dallmann etwa ein Label gegründet, das auf handwerkliche Techniken setzt, in limitierten Editionen, dem Prinzip »made to order« folgend. Anti-industrielles Arbeiten begleitet den Designer seit seinem Master-Studium in Schweden. Deadstock-Fabrics, also solche, die aus Überproduktionen angekauft werden, bilden neben Patchwork-Techniken eine weitere Upcycling-Strategie, aus denen sich die Teile seines Labels »FREIKÖRPER« zusammensetzen. »Das können Interior-Materialien sein oder sehr hochwertige Stoffe, die bei Luxusmarken wie Prada abfallen«, erklärt Mattis. »Ich leiste mit meiner Marke gern Aufklärungsarbeit. Nachhaltigkeit ist nicht bieder, diese Zeiten haben wir in der Mode endgültig hinter uns.«

Ein junger Mann in schwarzem T-Shirt arbeitet konzentriert an einem Schneidetisch und befestigt Stecknadeln an schwarzem Stoff. Im Hintergrund arbeiten zwei weitere Personen in einem hellen Modedesign-Atelier mit Schneiderpuppen.Bild: FABRIC x Hamburg Kreativ Gesellschaft Kleiderstange mit verschiedenen Kleidungsstücken, darunter auffällige pink-weiß gestreifte Hemden und dunkle Basics. Im Hintergrund ist ein Schild mit der Aufschrift „I see it. I like it. I look out for the sustainable version." zu sehen.Bild: FABRIC x Hamburg Kreativ Gesellschaft

Überall Vielfalt, auch im Programm

Übrigens lohnt sich ein Blick ins Programm des FABRIC, denn gut vernetzt zu sein, ist die halbe Miete. So gibt es zum Beispiel PR- und Text-Training mit Modejournalist Fabian Hart, Legal-Fragerunden für junge Marken oder KI-Workshops, die in die Welt virtueller Entwürfe einführen. Darüber hinaus finden regelmäßig Modenschauen, Vernissagen, Panels und Talks, Stoffmarkt, Nachtflohmarkt oder thematische DIY-Clubs statt.

Wer noch mehr Inspiration sucht, wird auf der FABRIC-Website fündig.



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Wenn Kundenbewertungen zu einer fantastischen Kampagne werden! › PAGE online


Der Deo-Brand Lume hat die Bewertungen seiner Kundschaft in die Kampagne »Odor Free Yourself« verwandelt, in der sie in gleich mehreren Spots gesungen und getanzt werden und das ist eine Freude.

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Lume sei perfekt gegen den Schweiß, der beim Joggen unter ihren Brüsten entsteht, lobt eine der Kundinnen Lume. Eine andere schwärmt, wie sie das Ganzkörperdeo auch die Beine bis ganz nach oben sprüht und ihr Freund den Geruch liebe, während es einer Frau bei den Hitzewallungen in den Wechseljahren hilft:

Lume Deodorant aus Utah in den USA, von Ärzt:innen entwickelt, aluminiumfrei und mit Duftnoten, die von Coconut über Vanilla bis Mandarine reichen, hat Bewertungen ihrer Kundinnen zu mitreißenden Spots werden lassen.

Mehr als 300.000 Fünf-Sterne-Reviews wurden dafür durchgeschaut und von der Kreativagentur Mirimar aus LA in die Kampagne »Odor Free Yourself« verwandelt.

Und die lebt von ihren Animationen, die auf ganz unterschiedliche Weise in Blumenwelten und fantastische Landschaften führen oder in surrealen Abstraktionen Finger zu einem Frauenchor werden lassen.

Screenshot aus »Down There«

Offenherzig – und mit Live-Musik

Gezeichnet und animiert wurden die Spots von Sawako Kabuki aus Tokio, dem Franzosen Simon Landrein und der thailändischen Illustratorin Chubby Nida. Alle drei werden sie von der Kreativ- und Talent-Agentur Pocko vertreten, die die Spots auch produzierte.

Und das als Musikvideos, in denen die Lobpreisungen gesungen werden und die Musik live eingespielt wurde. »Down There«, »Under the Tatas« und »Random Body Changes« heißen die Spots und feiern allesamt die Freiheit, die ein Ganzkörper-Deodorant einem gibt.

Im typischen Lume-Stil wird dabei ganz offen auch über intimere Dinge gesprochen, über die man sich öffentlich sonst nicht unbedingt äußert – und auch deshalb wird die Kampagne auf TikTok, Meta und YouTube gezeigt.

Das geschieht natürlich auch, weil dort ein großer Teil der Zielgruppe von Lume zu finden ist, aber auch, weil man beispielsweise im TV nicht so offen sprechen darf. Beep beep heißt es dann, wenn auch nur das Wort »Brüste« fällt.

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Deutscher Digital Award 2026: Haltung und Wirkung zählen › PAGE online


»Digitale Kreativität lebt von kultureller Relevanz«, kommentierte die Jurypräsidentin Niat Asfaw Graça von Serviceplan. Und das zeichnet auch die Gewinner-Cases aus.

Deutscher Digital Award 2026: Haltung und Wirkung zählen › PAGE onlineBild: © 2026 tokography/Tobias Koch

Was ein im Cyberspace fliegender Hase und gruselige Autovermietungsszenarien gemeinsam haben, zeigen die Gewinner:innen des diesjährigen Deutschen Digital Awards.

Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e. V. vergab in diesem Jahr insgesamt 65 Auszeichnungen. Die Award-Zeremonie hatte am Donnerstagabend im geschichtsträchtigen Museum für Kommunikation in Berlin stattgefunden.

Es gab 15 Gold-, 30 Silber- und 19 Bronze-Awards und einen »Best-of«-Award. Die Gewinner-Cases spiegeln vor allem eins wider: Haltung, Wirkung und kulturelle Dynamiken.

Und hier hatte Jung von Matt (13 Marmor-Awards) mit »Rental Horror Stories« die Nase vorn. Zusammen mit Lipstick Postproduction entwickelten die Kreativen für SIXT eine Social-Media-Kampagne zum Gruseln und Schmunzeln. Es ist der meist prämierte Case mit vier Awards, darunter zweimal Gold.

Cases sind Reaktionen auf Trends

Je fünf Auszeichnungen erhielten Curious Company und German Wahnsinn. Und bei den Brands waren es Sixt und Penny, die die meisten Gold-Awards erhielten. Die Cases haben gemeinsam, dass sie Reaktionen auf virale Trends sind beziehungsweise Echtzeit-Storytelling so nutzen, dass sie maximal Aufmerksamkeit erhielten. Das hat die Jury prämiert.

Jurypräsidentin Niat Asfaw Graça von Serviceplan kommentierte, dass heutige »Kreativität von kultureller Relevanz lebt«. Man müsse als erfolgreiche Brand ein »Teil von Gesprächen und den jeweiligen Communities werden«, um wahrgenommen zu werden.

Wer also nur versucht, eine Botschaft zu senden, wird es nicht schaffen, Buzz zu erzeugen.

»Die besten Cases erkennen das Momentum, greifen kulturelle Dynamiken auf und entwickeln daraus Wirkung, die weit über klassische Kampagnen hinausgeht.«

(Niat Asfaw Graça von Serviceplan)

Niat Asfaw Graça von Serviceplan, Jurypräsidentin & BVDW-Vizepräsidentin Anke Herbener, Digital Changers
Jurypräsidentin & BVDW-Vizepräsidentin Anke Herbener, Digital Changers, und Niat Asfaw Graça, Serviceplan. Foto: Tobias Koch

 

Wie Marken popkulturelle Codes nutzen

Der »Best-of«-Award ging an den Case »BreachBunny«. Irgendwie erinnert das direkt an den tollen Superbowl-Auftritt des Popsängers Bad Bunny im Februar, der mit seiner Haltung eine riesige Wirkung erzeugte.

Bei BreachBunny geht es zwar inhaltlich um etwas ganz anderes, aber der Case nutzt auch popkulturelle Codes. Die Marke bietet Versicherungsangebote für Creators oder für Gaming-Setups an.

Und sie nutzt dafür die klassische Gaming-Ästhetik, um genau die Zielgruppe zu erreichen, die sich im Creator-Bereich tummelt. Die Digital Natives. Öffnet man die Website, fliegt einem ein futuristischer Hase mit einer pixeligen Sonnenbrille durch einen Cyberspace entgegen.

Auch hier geht es wieder um eine Community. Brands wollen Nähe schaffen und das zahlt sich aus.

»Ob interaktiv, durch Gamification oder sprachlich: wichtig ist, der eigenen Zielgruppe auf Augenhöhe zu begegnen.«

(Jurypräsidentin & BVDW-Vizepräsidentin Anke Herbener, Digital Changers)

Alle Gewinner-Cases gibt es auf der Website des Deutschen Digital Awards zu sehen.

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Warum Empathie in der Gestaltung so wichtig ist! › PAGE online


Empathie als Schlüsselkompetenz in der Gestaltung: In ihrer Bachelorarbeit an der HfG Schwäbisch Gmünd haben Eva-Maria Lux und Kimberley Röber mit empath ein Konzept entwickelt, das Gestaltung, Lehre und Empathie zusammenbringt. KI inklusive.

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Gestaltung erfordert ein Verständnis für den Menschen, für seine Gefühle und Bedürfnisse und sie kennen und nachvollziehen zu können.

Empathie nennt man das. Doch wo bleibt diese in einer Welt, die immer stärker von dem Digitalen geprägt ist, von KI, von immer komplexeren Zusammenhängen und größer werdendem Zeitdruck?

Damit haben sich die Studentinnen Eva-Maria Lux und Kimberley Röber in ihrer Bachelorarbeit im Fach Kommunikationsgestaltung an der HfG Schwäbisch Gmünd gewidmet.

Doch sie haben nicht nur erkundet wir wichtig Empathie in der Gestaltung ist, sondern zugleich ein Format entwickelt, wie Emphatie in Gestaltungsstudiengängen gelehrt werden kann.

So ist empath entstanden, ein Bildungsformat mit Workshops, Workbook und einem KI-Coach. All das ist in sanftes Gelb getaucht, das für Wärme und Nähe steht. Die visuelle Gestaltung soll einen offenen Raum für Reflexion schaffen, heißt es von den beiden, legt den Fokus auf die Inhalte und die persönliche Auseinandersetzung und ist deshalb bewusst reduziert gehalten.

Genauso wie das Journal in Schwarz und Weiß. Es soll allen Raum geben, sich darin selbst auszudrücken und wird dazu von flächigen Illustrationen begleitet, die Kapitel strukturieren und Pausen setzen.

Gestaltung beginnt mit Empathie, heißt es von Eva-Maria Lux und Kimberley Röber und wir haben den beiden ein paar Fragen zu empath und dessen Konzept gestellt.

»Empathie verändert den Gestaltungsprozess«

Wie seid ihr auf das Thema Empathie gekommen?
Eva-Maria Lux & Kimberley Röber: Sich mit Empathie in der Gestaltung auseinanderzusetzen wurde ursprünglich im Austausch mit unseren Professoren angestoßen. Wir wollten diesen Ansatz weiterdenken und auf unseren Studiengang der Kommunikationsgestaltung übertragen und ein Format entwickeln, das sich auch curricular in Gestaltungsstudiengängen verankern lässt. Uns das Thema aus inhaltlicher, psychologischer und gestalterischer Perspektive sehr interessiert. Gleichzeitig war uns wichtig, nicht nur theoretisch zu arbeiten, sondern Empathie konkret erfahrbar zu machen. Deshalb haben wir von Anfang an interaktiv mit Studierenden unserer Hochschule gearbeitet.

Warum ist Empathie in der Gestaltung wichtig?
Wir gestalten für Menschen. Deshalb ist Empathie eine zentrale Grundlage, um Menschen, Situationen und Perspektiven wirklich zu verstehen. Gerade in einer Zeit, in der Gestaltung von komplexen sozialen, kulturellen und technologischen Faktoren geprägt ist, braucht es mehr als funktionale oder ästhetische Lösungen.

Und was verändert Empathie in der Gestaltung?
Empathie verändert vor allem den Gestaltungsprozess. Sie ermöglicht, die eigene Perspektive zu hinterfragen und andere Sichtweisen bewusst nachzuvollziehen. Dadurch können Bedürfnisse differenzierter erfasst und Gestaltung kontextsensibler entwickelt werden. Ohne Empathie bleiben viele Annahmen unreflektiert oder stereotyp. Mit Empathie aber entsteht eine fundiertere und nachvollziehbarere Gestaltung. Zudem spielt Empathie nicht nur in Bezug auf Nutzer:innen eine Rolle, sondern auch in der Zusammenarbeit im Team und mit Kund:innen, da sie Kommunikation und Entscheidungsprozesse wesentlich beeinflusst.

Ihr habt Workshops zu Empathie und Gestaltung initiiert. Kann man Empathie trainieren?
Auf jeden Fall. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass sie gezielt trainierbar ist, wenn sie erfahrbar gemacht, reflektiert und in das eigene Handeln integriert wird. In unseren Workshops geschieht das über erfahrungsorientierte Übungen, Perspektivwechsel und gemeinsame Reflexion. Es geht um die eigene Wahrnehmung, darum andere Sichtweisen nachzuvollziehen und den Umgang mit Emotionen zu fördern. Gleichzeitig greifen die Übungen aber auch Methoden aus dem Designkontext, wie etwa aus dem Design Thinking, auf und verbinden diese mit gestalterischen Fragestellungen. Die Reflexion hilft, die eigenen ERfahrungen einzuordnen und in den eigenen Gestaltungsprozess zu übertragen. Darüber hinaus haben wir ein Workbook und einen KI-Coach entwickelt, die eine kontinuierliche Reflexion und die Übertragung in weitere Kontexte ermöglichen.

Wie wird Empathie in der Gestaltung sichtbar?
Empathie zeigt sich weniger in einer bestimmten Form, sondern vor allem im Gestaltungsprozess und in der Qualität der Entscheidungen. Daran wird sichtbar, wie bewusst Gestalter:innen verschiedene Perspektiven miteinbeziehen und wie gut sie Bedürfnisse und Kontexte tatsächlich verstehen. In der Praxis bedeutet das zum Beispiel, Nutzer:innen aktiv einzubeziehen, Interviews zu führen, zu beobachten und mit Feedback zu arbeiten. Empathie wird dann greifbar, wenn diese Erkenntnisse in den Prozess zurückfließen, die Gestaltung Schritt für Schritt daran angepasst und so eine Gestaltung entsteht, die im Austausch mit Menschen entwickelt wird und deren Bedürfnisse tatsächlich berücksichtigt.

Wie gehen KI und Empathie zusammen? Ihr habt ja einen KI-Coach entwickelt.
Wir verstehen KI als unterstützendes Werkzeug. In empath übernimmt der KI-Coach eine begleitende Rolle, indem er Refle-xionsprozesse anstößt und strukturiert. Dabei greift er Inhalte und Methoden aus den Workshops auf und führt sie im Dialog weiter. Empathie entsteht weiterhin beim Menschen die KI unterstützt dabei, diese Prozesse zugänglicher und kontinuierlicher zu gestalten. Wichtig ist uns zu betonen, dass der KI-Coach im Gegensatz zu anderen KI-Anwendungen keine Antworten vorgibt, sondern gezielt Fragen stellt und Denkanstöße gibt. Dies geschieht beispielsweise durch angeleitete Perspektivwechsel, Reflexionsfragen, sowie kurze Check-ins und Erinnerungen im Alltag.

Und wie schlägt sie sich in eurer Gestaltung nieder?

Im Fall von empath war unsere Zielgruppe die Gestaltungsstudierenden und wir haben uns darauf konzentriert, ihre Perspektiven genau zu verstehen und das Bildungsformat auf ihre Bedürfnisse zuzuschneiden. Das zeigt sich vor allem in unserem schrittweisen Vorgehen: Wir haben erste Workshops und Workbook-Entwürfe früh getestet und gemeinsam mit Studierenden kontinuierlich weiterentwickelt, Inhalte, Übungen und Strukturen angepasst, vereinfacht oder geschärft, immer ausgehend von realer Anwendung und Feedback.
Auch das Journal ist aus diesem Prozess heraus entstanden und eine Reaktion auf den Bedarf nach langfristiger Reflexion und die persönliche sowie gestalterische Entwicklung über das Studium hinweg zu begleiten. Diese Arbeitsweise spiegelt sich im gesamten Gestaltungskonzept wider: Wir haben empath so entwickelt, dass es unterschiedliche Zugänge ermöglicht, zur aktiven Auseinandersetzung anregt und Raum für individuelle Erfahrungen lässt. Empathie zeigt sich also nicht nur im Inhalt, sondern vor allem in der Art und Weise, wie wir gestaltet haben.

Eva-Maria Lux und Kimberley Röber Bild: 2026 adaramoments, all rights reserved

 



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