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Zwei Unternehmer erzählen: Wie aus einer Idee ein Business wird


Nikita Fahrenholz und Martin Eyerer sprechen in der neusten Podcast-Folge von Royal GS über erste Schritte beim Gründen – von Feedback, Prototypen und einen Fehler, den viele machen.

Martin Eyerer (links) und Nikita Fahrenholz sprechen jede Woche im Gründerszene-Podcast Royal GS über Themen aus der Startup-Welt.

Martin Eyerer (links) und Nikita Fahrenholz sprechen jede Woche im Gründerszene-Podcast Royal GS über Themen aus der Startup-Welt.
Glen David

Da hat man eine gute Idee für ein Startup – und dann? Was sind die ersten Schritte, damit aus der Idee mehr wird als eine Luftnummer? Klar, einfach machen. Hört man oft und gerne. Und es stimmt ja auch.

Aber man kann auch bisschen systematisch dabei vorgehen, sagen Nikita Fahrenholz (Gründer von Delivery Hero & Fahrengold) und Martin Eyerer (Ex-CEO Factory Berlin, Unternehmer, Techno-DJ) in der neusten Podcast-Folge von Royal GS.

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Hört die Folge hier: Spotify und Apple Podcast

Von der Idee zum Business

Um sein eigenes Business aufzubauen, muss man laut Fahrenholz und Eyerer nicht alles direkt bis ins kleinste Detail geplant haben. Nach der Idee komme erst mal eine kurze Marktanalyse. Wobei sich Fahrenholz und Eyerer da nicht ganz einig sind: Eyerer empfiehlt, zwei Tage intensive Recherche zu betreiben und herauszufinden, was es auf dem Markt bereits gibt und was sich verbessern ließe. Fahrenholz hingegen nimmt davon eher Abstand. „Viele Ideen scheitern daran, weil man sie sich selbst kaputt macht“, sagt er.

Nichtsdestotrotz: „Einfach Machen“ kommt vor Businessplan – da sind sich Fahrenholz und Eyerer einig und fassen ein paar konkrete Schritte zusammen, wie man loslegen kann:

1. Allen davon erzählen

Wer eine Idee hat, sollte für ein erstes, ehrliches Feedback möglichst vielen Menschen davon erzählen, sagen Eyerer und Fahrenholz. Laut ihnen würden viele Founder dazu neigen, Ideen für sich zu behalten – aus Angst jemand könnte ihnen zuvorkommen. „Keiner wird die Energie reinstecken und euch die Idee wegnehmen“, sagt Fahrenholz. Für das Feedback gilt: „Hört aber auch nur so halb hin“, sagt er. Und die Idee nicht gleich ausreden lassen.

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2. Ersten Prototypen aufsetzen

Hier gehe es laut Eyerer nicht darum, das Produkt direkt zu challengen, sondern erstmal so aufzubauen, dass es existiert und funktioniert.

3. Produkt muss im Kern ein Problem lösen

Das ist ein Punkt, den Fahrenholz auch bei erfahrenen Gründern oft sehe: Viele wollen mit ihrer Idee gleich mehrere Probleme lösen. „Seid keine Firma, die erst dann was erreicht, wenn sie Problem drei, vier oder fünf lösen kann“, sagt Fahrenholz. Der Fokus müsse auf einem Problem liegen, das im Prototyp angegangen wird.

4. Es ist okay, sein Geschäftsmodell später aufzustellen

Zuerst müsse das Produkt stehen, sagt Eyerer. „Habt ihr ein Problem gelöst, werdet ihr irgendwann damit Geld verdienen.“

5. Partner in Crime finden

Es mache einfach mehr Spaß, eine Idee mit mehreren Menschen umzusetzen, sagt Fahrenholz. Wichtig für den Beginn sei, dass Fokus und Motivation bei allen übereinstimmt.

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6. Produkt so gut es geht selbst bauen

„Don’t be shy“, sagt Fahrenholz. Wer eine Idee für ein Produkt hat, sollte es auch selbst bauen – unabhängig vom fachlichen Background. Es gibt mittlerweile viele Tools, die man dafür nutzen kann. Stichwort: Vibe Coding.

7. Im Netzwerk nach Rat fragen

Kommt man nicht voran oder hat offene Fragen, empfiehlt Eyerer, Leute aus dem Netzwerk anzurufen und nach Rat zu fragen, die Expertise haben.

Generell gilt laut Fahrenholz: Wer aus seiner Idee ein Business aufbauen will, muss sein Produkt selbst umsetzen, verstehen, verkaufen – und maximal Bock drauf haben. „Es gibt keinen, der so bescheuert und so irre ist, das was ich da tue mit Fahrengold so lange zu machen und mit so einer Intensität, ohne jetzt sofort einen richtig krassen Outcome zu haben“, sagt Fahrenholz. „Du musst schon echt einen an der Schraube haben und mögen, was du da machst. Dann kann es auf lange Sicht echt ein Erfolg werden.“

Alle Folgen im Überblick

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Keine weitere Saison im deutschen Markt


Laut Medienberichten will die Baller League von Lukas Podolski den Spielbetrieb in Deutschland „vorerst pausieren“. Wie lang, ist unklar. Grund seien die Marktgröße und „strukturelle Bedingungen“.

Keine weitere Saison im deutschen Markt

Lukas Podolski ist einer der Hauptinitiatoren der Baller League. Hier beim Finale im Mai 2025 in Berlin.
picture alliance / Bahho Kara/Kirchner-Media | Bahho Kara

Bei der Hallenfußballliga Baller League heißt es erstmal: Das Spiel ist aus. Zumindest für den deutschen Markt. Die Liga pausiere den Betrieb hierzulande „vorerst“, wie ein Sprecher des Startups gegenüber „DWDL“ sagte. Internationale Vertreter der Baller League nennen demnach als Gründe für die (vermeintliche) Pause die Marktgröße in Deutschland sowie „strukurelle Bedingungen“. Finanzielle Probleme dementierte Baller League International gegenüber „DWDL“.

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Was aus unseren Startup-Prognosen für 2025 geworden ist

Im Dezember 2024 hatte das Startup eine Series-A-Runde in Höhe von 25 Millionen Euro abgeschlossen, angeführt vom europäischen VC-Fonds EQT Ventures. Im Juli 2025 sagte der CEO der Liga, Felix Starck, im OMR-Podcast, dass er für 2026 die Milliardenbewertung anstrebe – also den Unicorn-Status. Profitabel sei die Liga demnach jedoch noch nicht gewesen. Umsätze würden im mittleren zweistelligen Millionenbereich liegen.

Über die Baller League

Die Baller League wurde 2024 in Deutschland gegründet. Hauptinitiatoren sind unter anderem die beiden Profi-Fußballer Lukas Podolski und Mats Hummels, wobei Hummels die Baller League nach einer Saison im Juli 2024 wieder verließ. CEO ist Starck, er hat einen Background als Director und Producer.

Investoren und UK-Expansion

Und ja, 2025 war auch Expansionsjahr bei der Baller League: Die Sportinvestmentfirma Apex brachte Premier-League-Stars wie Mason Mount, Diogo Jota und Diogo Dalot an Bord. Im März investierte zudem Courtside Ventures – eine Firma mit NBA-Legende Michael Jordan als Anteilseigner.

Mit diesem Kapital startete die UK-Expansion erfolgreich: Sky Sports sicherte sich die Broadcasting-Rechte, die Finals im Juni 2025 fanden in der Londoner O2 Arena statt. Parallel verlagerte die Liga ihre deutsche Season 3 nach Berlin in den Hangar 7 am Flughafen Tempelhof. Ein wichtiger Partner hierzulande der Baller League, nämlich Xing, beendete einen Sponsoring-Vertrag. Planmäßig, laut „DWDL“.

Der Markt der Kleinhallen-Fußballligen konsolidiert sich hierzulande also etwas. Bleiben nach noch die Icon League von Toni Kroos und Streamer Elias Nerlich und die Kings League von Gerard Piqué.

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+++ seed+speed Ventures +++ Voyager Ventures +++ ZOHO.VC +++ Heidi +++ Stark Defence +++


#StartupTicker

+++ #StartupTicker +++ Live im STARTUPLAND: Björn Keune (Invincible Brands) +++ seed+speed Ventures legt KI-Fonds auf +++ Voyager Ventures kommt nach Deutschland +++ ZOHO.VC geht an den Start +++ Heidi möchte Deutschland erobern +++ Stark expandiert nach Schweden +++

+++ seed+speed Ventures +++ Voyager Ventures +++ ZOHO.VC +++ Heidi +++ Stark Defence +++

Was gibt’s Neues? In unserem #StartupTicker liefern wir eine kompakte Übersicht über die wichtigsten Startup-Nachrichten des Tages (Donnerstag, 29. Januar).

#STARTUPLAND

STARTUPLAND Founders. VCs. Visionaries. One place.

+++ Am 18. März findet im RheinEnergieStadion in Köln unsere dritte STARTUPLAND Conference statt. Es erwartet Euch wieder eine faszinierende Reise in die Startup-Szene – mit Vorträgen von erfolgreichen Gründer:innen, lehrreichen Interviews und Pitches, die begeistern. Mehr über STARTUPLAND

Live im STARTUPLAND: Björn Keune (Invincible Brands)

Wachstum, Reichweite, Exit – Björn Keune erreichte mit Invincible Brands, was viele Gründer:innen antreibt. Doch hinter dem Erfolg entwickelte sich ein persönlicher Ausnahmezustand. Auf unserer Bühne spricht Keune offen über die Kehrseite des unternehmerischen Hochleistungsmodus: über Druck, Kontrollverlust und den Moment, in dem klar wurde, dass das eigene System nicht mehr trägt. Sein Thema im STARTUPLAND: Die dunkle Seite des Erfolgs.

#STARTUPTICKER

seed+speed Ventures
+++ Millionen für KI-Startups! Der Berliner Frühphaseninvestors seed+speed Ventures legt seinen dritten Fonds (90 Millionen Euro) auf. Die gute Nachricht dabei: „Die ursprüngliche Plan- und Zielgröße für diesen dritten Fonds waren 30 Millionen. Die Zielgröße, der Hard Cap, wurde mit Zustimmung der Investoren zweimal erhöht“. Das Team rund um Carsten Maschmeyer und Alexander Kölpin möchte mit dem neuen Fonds gezielt in die „sichere Einführung und Verwendung von KI im Unternehmensalltag“ investieren. Thematisch geht es dabei um Themen wie Security, Datenschutz, Governance, Qualität, Kostenkontrolle und Produktivität. Mit den ersten beiden Fonds konzentrierte sich seed+speed Ventures auf den deutschsprachigen Raum. Mit dem neuen Fonds öffnet sich der Geldgeber „erstmalig für europäische Startups außerhalb des DACH-Raums“. seed+speed Ventures investiert initial zwischen 500.000 Euro und 1,5 Millionen Euro. In den vergangenen Monaten investierte das Team mit dem neuen Fonds bereits in 13 Startups – darunter Orq.ai, RIIICO, Optimuse und Eleven Dynamics. Zum Portfolio des Frühphaseninvestors gehören ansonsten Unternehmen wie Enginsight, Finanzguru, Kertos, Orderlion, pliant und Prewave. Mehr über seed+speed Ventures

Voyager Ventures
+++ Valley-Geldgeber kommt nach Deutschland! Der 2021 gegründete amerikanische Frühphasen-Investor Voyager Ventures, hinter dem Sarah Sclarsic und Sierra Peterson stecken, verkündet das Final Closing seines zweiten Fonds (275 Millionen US-Dollar). In den vergangenen Jahren investierte der Geldgeber aus San Francisco bereits in die deutschen Startups Annea (digitale Zwillinge von Windturbinen und Solaranlagen) und Enapi (Transaktionsbroker für die EV-Ladeindustrie). Nun sollen hierzulande zügig weitere Investments folgen. Ein Voyager-Büro in München ist bereits in Planung. Der Investor interessiert sich insbesondere für Themen wie „Energieerzeugung und -verteilung, fortschrittliche Fertigung in der Industrie, kritische Materialien, physische KI und Computing“. Voyager Ventures verwaltet derzeit in drei Fonds 475 Millionen US-Dollar. Mehr über Voyager Ventures

ZOHO.VC
+++ Ein spannender, neuer Fonds! Der neue Nürnberger Investor ZOHO.VC, der Investmentarm des ZOLLHOF – Tech Incubators (Startup Factory: ZOHO Factory), verkündet das First Closing seines ersten Fonds (10 Millionen Euro). „Mit gezeichnetem Kapital von 70 % des anvisierten Fondsvolumens bereits zehn Monate vor dem finalen Closing setzt ZOHO.VC ein deutliches Ausrufezeichen im aktuellen Marktumfeld“, verkündet das Team rund um Dennis Kirpensteijn, Benjamin Bauer, Nicolas Sievers und Judit Klein. ZOHO.VC investiert in „DeepTech-Unternehmen und universitäre Spin-Offs, im Software- wie im Hardware-Bereich“. Der junge Geldgeber investierte bereits in fünf Startups – darunter Merge Labs von Alex Blania und Sam Altman. Mehr über ZOHO.VC

Heidi
+++ Australien macht sich in Berlin breit! Das australische HealthTech Heidi, ein KI-System für Ärztinnen und Ärzte, kommt nach Deutschland. Hendrik Steenfadt, ausgebildeter Arzt und zuletzt im HealthTech-Team des Investors Speedinvest tätig, verantwortet das neue Berliner Heidi-Büro. Somit wechselt wieder einmal ein VC die Seiten. Heidi, 2021 gegründet, sammelte bereits 100 Millionen US-Dollar ein – insbesondere von Point72, LocalGlobe und dem Berliner Investor Headline. Bewertung: 465 Millionen. In Deutschland baute zuletzt doctorly im großen Stil eine Software für Arztpraxen auf. Das Berliner Team, das rund 20 Millionen einsammeln konnte, schlitterte im Frühjahr 2025 in die Insolvenz und wurde schließlich vom Unternehmen FREY, das EDV-Lösungen für den Gesundheitsmarkt entwickelt, gerettet. Mehr über doctorly

Stark Defence
+++ Expansion nach Norden! Das umtriebige DefenseTech Stark Defence eröffnet einen Standort in Schweden. „Die Expansion knüpft unmittelbar an das im November 2025 vereinbarte Memorandum of Understanding für eine strategische Innovationspartnerschaft zwischen Deutschland und Schweden an“, teilt das Team mit. Das millionenschwere DefenseTech war zuvor in Deutschland, Großbritannien und der Ukraine aktiv. Die junge Firma, 2024 vom Quantum Systems-Gründer Florian Seibel und Sven Kruck gegründet, setzt auf Kampfdrohnen (Loitering Munition System). Startk Defence, bei dem Seibel keine aktive Rolle inne hat, wird nach mehreren Medienberichten bereits mit 500 Millionen Euro bewertet. Zu den Investoren zählen Project A, Sequoia und der Nato Innovation Fonds. Mehr als 350 Mitarbeitende arbeiten derzeit für Stark. Mehr über Stark

Social Media
+++ Für Startups und Marken wird es 2026 darauf ankommen, eigene Communities aufzubauen oder sich in bestehende Communities zu integrieren, also ihre Sprache und Codes sprechen und verstehen. Mehr im Gastbeitrag von Mirco Gluch (Piggyback)

StartupsToWatch
+++ Die aktuelle Cologne Masterclass zeigt einmal mehr, wie vielfältig das Kölner Startup-Ökosystem ist. Die Bandbreite der nominierten Unternehmen ist groß – dies zeigen H2ALL, Sizeless, Leadrealizer, Vivalyx und Kumo. Investor:innen sollten sich diese Startups ganz genau ansehen. Mehr in StartupsToWatch

#DEALMONITOR

Investments & Exits
+++ Compliance-Startup heyData sammelt 16,5 Millionen ein +++ Co-reactive erhält 6,5 Millionen +++ Junction Growth setzt auf Spot My Energy +++ capacura investiert in MetaAIDiagnostic +++ Finanzen.net übernimmt vickii. Mehr im Deal-Monitor

Was ist zuletzt sonst passiert? Das steht immer im #StartupTicker

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Bing Image Creator – DALL·E 3



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„Ich habe im Büro auf der Toilette gesessen und geweint“


„Ich habe im Büro auf der Toilette gesessen und geweint“

Hat Hunger: Andy Zingler zeigt seinen Followern, was er so isst. Und es läuft.
Andy Zingler

Andy Zingler ist mit Restaurants, Nachtclubs und Steakmessern groß geworden. Essen war für ihn nie ein Mittel zum Zweck, sondern Lifestyle. Heute ist er mit fast 100.000 Followern auf Instagram einer der erfolgreichsten Food-Creator Deutschlands – und ringt mit Druck, Depressionen und der Frage, was Erfolg eigentlich bedeutet. Ein Gespräch über Herkunft, Hunger und das Gefühl, endlich gesehen werden zu wollen.

Gründerszene: Andy, du bist mit Food-Content berühmt geworden. Wann hast du zum ersten Mal gemerkt, dass Essen in deinem Leben eine so wichtige Rolle spielen wird?

Andy Zingler: Mein Papa war Gastronom. Ich bin eigentlich komplett in Restaurants groß geworden. Wenn er Termine hatte oder Caterings, habe ich die Wartezeiten immer im Restaurant verbracht. Ich hab da rumgehangen, genascht, Leute beobachtet. Das war mein Ort. Essen war immer da, Gastro war immer da.

Was für ein Restaurant hatte dein Vater?

Ganz unterschiedliche Sachen, aber hauptsächlich Steak. So ein kleines Steakhaus in der Vorstadt, in Schwarzenbek. Und er hatte auch Nachtclubs damals. Als ich etwa sechs Jahre alt war, bin ich morgens in die Clubs rein, bevor die Reinigungskräfte kamen, wenn alle Gäste weg waren, und hab Kleingeld gesammelt. So um sechs, sieben Uhr. Das war völlig normal für mich.

Vom Restaurant ins Schiff und wieder zurück

Wann war für dich klar: Ich will selbst in die Gastronomie?
Ich wollte Koch werden. Schon früh. Mein Papa wollte das nicht.

Warum nicht?
Weil er genau wusste, wie dieses Leben aussieht. Dass vielleicht 0,5 Prozent der Köche ein wirklich schönes Leben haben – und der Rest einfach nicht.

Hat er dich aufgehalten?
Nee, gar nicht. Er hat immer gesagt: Mach. Du schaffst das. Du hast bis jetzt alles alleine geschafft.

Und dennoch bist du erstmal nicht in die Gastro.
Aus Vernunft. Ich habe eine Ausbildung in der Schifffahrt gemacht, in einer Tramp-Reederei – Schiffe vermietet, Crew organisiert, Häfen, Liegeplätze. Sehr strukturiert.

Wie war das für dich?
Eigentlich richtig gut. Ich bin sogar noch zwei Monate mit auf See gefahren, das habe ich geliebt. Aber Bürojob war nie mein Ding. Das war immer eher das, was das System gesagt hat: Mach das mal. Und ich bin da immer wieder reingerutscht. Gastro, dann wieder Büro, dann wieder Gastro. Dann ist mein Vater plötzlich gestorben. Da war ich 19.

Was war das Schwerste daran?
Mein Vater ist nicht plötzlich gestorben. Er hatte zwei Jahre lang Krebs. Metastasen, die sich durch den Körper gefressen haben, am Ende war überall Krebs. Der Tod selbst war irgendwann fast greifbar – jemand ist weg. Punkt. Das Schwerste für mich war nicht Schuld oder das Gefühl, dass ich ihm etwas weggenommen habe. Sondern dass er heute nicht mehr da ist. Dass er nicht sieht, was ich mache. Dass er nicht neben mir sitzt, mich anguckt und stolz auf mich ist. Oder ich ihn fragen kann, wie er Dinge sieht oder gemacht hätte. Weil ich gerne vieles so machen würde wie er, der Typ war einfach heftig. Ich glaube, das ist eines der schönsten Gefühle überhaupt – und genau das fehlt mir jeden Tag.

Was glaubst du, würde er heute sagen, wenn er sehen würde, was du machst?
Der würde komplett durchdrehen. Wenn ich ihm erzähle, dass Lufthansa mich Business Class nach New York fliegt oder Edeka mich nach Valencia einlädt – der würde sich krank freuen.

Was für einen Stellenwert hatte Geld für ihn?
Einen hohen, weil er nichts hatte. Seine Mutter war Kriegsflüchtling. Die haben sich alles aufgebaut. Er hatte dieses eine Ding: Er wollte, dass ich irgendwann 10.000 Euro im Monat verdiene. Nicht als Glücksversprechen, sondern weil er wusste, wie sehr das entlastet. Diese Zahl war immer in meinem Kopf.

Sein Gehalt: 2000 bis 25.000 Euro im Monat

In der Gastro wäre das schwierig geworden.
Als Angestellter praktisch unmöglich. Und das war mein innerer Konflikt: Leidenschaft Gastro – und dieses Mantra.

Und heute?
Ich habe dieses Mantra mehr als erfüllt.

Wie kam das mit Social Media?

Ich habe schon immer Sachen gepostet. Aber ich wusste lange gar nicht, dass man damit Geld verdienen kann. Wir hatten diese Kochshow mit meinem Kumpel Felix Hartmann. Dann habe ich die “Brotdose” gestartet, wo ich einfach jeden Tag mein Essen gefilmt habe. Plötzlich ging das viral. Leute haben mich erkannt, ich wurde angesprochen. Wir haben ein Event gemacht, 300 Leute kamen. Da war Momentum.

Wann hast du gemerkt, dass es mehr als nur ein Hobby sein kann?
Bis die erste Werbeüberweisung kam. 2100 Euro. Plus 4000 ausstehend. Das war ungefähr mein Gastro-Gehalt. Ich habe mich gefragt: Was macht mir mehr Spaß? Am nächsten Tag habe ich gekündigt.

Ich nehme an, davon wurde dir abgeraten.
Alle. Meine Mutter auch. Mein Management hat drei Wochen versucht, mich zu bremsen. Aber ich bin Bauchgefühl-Typ. Und wenn mir jemand sagt, ich soll’s nicht machen, macht mich das eher heiß.

Hattest du Angst?
Ja. Ich habe mir Geld geliehen. Der erste Monat war schwach. Ich hatte 18.000, 20.000 Follower – eigentlich komplett irre, zu kündigen.

Wie viel verdienst du heute?
Von 2000 bis 25.000 Euro im Monat. Es gibt Monate, da zahlst du mehr, als du hast. Und Monate, da denkst du: What the fuck.

Wie die Depressionen sein Leben verändert haben

Kannst du stolz darauf sein?
Schwer. Mir fehlt dieser Schulterschlag von meinem Vater. Ich wünsche mir oft, dass seine Proudness in mich übergeht.

Du sprichst auf deiner Seite auch offen über Depressionen.
Weil sie mein Leben geprägt haben. Vor allem die Zeit im Bürojob. Ich hatte Panikattacken, mein Körper hat dichtgemacht.

Wie hat sich das gezeigt?
Ich konnte keine E-Mails mehr abschicken. Ich saß vor dem Rechner, wollte Enter drücken – und es ging nicht. Ich habe im Büro auf der Toilette gesessen und geweint. Ich lag bei meinem Mitbewohner im Bett, weil ich allein nicht klarkam.

Was war das Schwerste daran?
Die Scham. Dieses Gefühl: Alle anderen kriegen ihr Leben hin – nur du nicht.
Und der totale Mangel an Feedback. In der Gastro sagt dir jemand: ‚Danke, schöner Abend.‘ Im Büro wartest du Monate auf eine Mail.

Wie bist du da rausgekommen?
Erstmal gar nicht. Viel geweint. Dann Freunde. Medikamente. Und irgendwann die Entscheidung: Ich muss zurück zu Menschen. Gastro. Entertainen. ‚Ey, lasst uns heute einen geilen Abend haben.‘ Das hat mich gerettet.

Hast du dir eine Pause genommen?
Drei, vier Monate. Spazieren gehen. Kaffee trinken. System runterfahren.

Was würdest du Menschen raten, die sich ähnlich fühlen?
Nach außen gehen. Nicht alles mit sich selbst ausmachen. Und Dinge tun, die Spaß machen – auch wenn man denkt, nichts macht mehr Spaß. Deine Gedanken sind nicht immer deine. Das ist die Depression.

Gab es einen Schlüsselmoment?
Wegen Kurt Krömer bin ich zur Therapie gegangen. Als er mit Thomas Sträter gesprochen hat. Dieser Satz: ‚Glaub nicht alles, was du denkst.‘ Danach habe ich mir einen Therapieplatz gesucht.

Heute geht es dir besser.
Ja. Aber diese ‚You-made-it‘-Stories finde ich schwierig. Manche kämpfen zehn Jahre. Wenn jemand nach zwei Jahren raus ist und Glück hatte, kann das eher Druck machen.

Social Media ist heute eine neue Belastung.
Total. Ich bin 10 von 10 Handysüchtig. Neun, zehn Stunden Bildschirmzeit. Zahlen, Reaktionen, Kommentare. Mein Kopf kommt nie zur Ruhe. Und das Gemeine: Es ist mein Job.

Willst du manchmal komplett raus?
Nicht komplett. Ich sehe das Suchtverhalten und nehme es in Kauf. Aber ich brauche Auszeiten. Im Januar mache ich zwei Wochen komplett offline.

Hast du Angst davor?
Nein. Ich weiß nur: Die ersten Tage werde ich heulen. Und danach merken, dass es mir besser geht.





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