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Corsair Vanguard Air 99 Wireless im Test
Die Vanguard Air 99 Wireless ist die nächste Tastatur von Corsair, die Elgato-Gene in sich trägt. Das tut sie allerdings subtiler als die Galleon 100 SD (Test), bei der der ganze Nummernblock ein Stream Deck ist. Ob der Ansatz bei der Vanguard funktioniert und was die flache Tastatur sonst noch zu bieten hat, klärt der Test.
Für viele Anwendungsbereiche suchen Nummernblock und Makrotasten einen neuen Sinn. Corsair hat ihn in Elgato-Streaming-Funktionen erspäht: Nachdem die Galleon 100 SD (Test) den Nummernblock mit Elgato-Anleihen neu erfunden hat, nimmt sich die Vanguard 99 Wireless jetzt die Makrotasten vor. Die Nutzung von Synergien ist smart und weist in die Zukunft. Sie ist auch zum Preis von 280 Euro aber noch nicht ganz konvergent mit dem Jetzt, zeigt der Test.
- Flach & leise
- Gelungene Taster
- Web-App
- Makrotasten mit Extrafunktionen
- Tastenkappen aus ABS-Kunststoff
- Zusatztasten brauchen separate Software
- Gewöhnungsbedürftiges Layout
Die Corsair Vanguard Air 99 im Überblick
Wie viele neue Tastaturen spart die Vanguard Air 99 über das Layout Platz. An Tasten spart sie hingegen kaum: Es fehlt nur eine einzige aus dem regulären ISO-105-Set, dafür gibt es zwei Zusatztasten. Sie rufen das (virtuelle) Stream Deck von Elgato auf und aktivieren den Spiele-Modus, der unter anderem LED-Effekte abschaltet und die Polling-Rate erhöht.
Stream-Deck- statt Makrotasten
Funktions- und Pfeiltasten werden dafür an das Tastenfeld geschoben, um schmaler bauen zu können. Dadurch entsteht Platz für sechs Zusatztasten, die Corsair nicht mehr als Makro- sondern als „Stream-Deck“-Tasten bezeichnet. Das ist nicht nur Marketing: Die Tasten können auch mit Elgato-Software und den damit verbundenen erweiterten Funktionen programmiert werden. Neben macOS-Tastenkappen liegen daher auch Modelle mit Stream-Deck-Beschriftung bei.
Corsair-typisch besitzt die Tastatur darüber hinaus einen programmierbaren Multifunktions-Drehregler und ein Display (320 × 170p, 30 FPS) zur Anzeige von Bildern sowie Status- und Systeminformationen.
Daten werden an PC, Mac, Xbox und PlayStation per Kabel oder USB-Empfänger jeweils mit 8.000 Hz übertragen. Ein 4.170 mAh Akku sorgt für Laufzeiten von maximal 55 Stunden bei 1.000 Hz Polling-Rate, abgeschalteter Tastenbeleuchtung und einer auf 20 Prozent reduzierten Display-Helligkeit. Mit Tastenbeleuchtung halbiert sich dieser Wert grob.
Taster: Flach und mit Lichtschranke
Um die Tastatur flach zu machen, braucht es flache Taster. Corsair OPX Low Profile setzen auf die optische Signalerfassung. Sie unterbrechen dazu mit ihrem Stempel beim Eindrücken eine Lichtschranke auf dem PCB. Die eigentliche Besonderheit liegt jedoch in der Größe: die Switches sind extrem flach und ähneln mit ihrem kurzen Hub von nur 2,5 Millimetern Notebook-Tasten.
So tippen OPX Low Profile
Die leichtgängige Abstimmung fördert in Verbindung mit dem kurzen Federweg versehentliches Auslösen. Die Taster beim Schreiben genau zu nutzen erfordert Eingewöhnung und irritiert am Anfang. Gerade in den ersten Tagen führt dies zu häufigen Vertippern und ein wenig Frust, bis sich alles umgestellt hat.
Durchhalten lohnt sich allerdings. Qualitativ passt alles: Die Taster gleiten sauber ein, wobei Asus‘ LP-Switches noch eine Spur homogener und feiner betätigt werden können. Mit der Abstimmung trifft Corsair aber einen sinnvollen Punkt. Eine spürbare Feder und ordentliche Rückstellung erlauben kontrolliertes Eindrücken und erleichtern die Vermeidung harter Anschläge. Dass die Leertaste etwas schwergängiger ist, passt hier gut. Es verringert die Chance versehentlicher Betätigungen. Beim Tippen und Spielen gefallen die OPX nicht nur mit klarer Rückmeldung, sie machen Spaß.
Sie sind also gute Taster. Und trotzdem eine mäßige Wahl für eine 280-Euro-Tastatur, die sich in einem von einstellbaren Tastern dominierten Segment bewegt. Der Rückgriff auf optische Technik dürfte sich teilweise aus dem Energieverbrauch erklären. Hall-Effekt-Taster verbrauchen mehr, was sich im kabellosen Betrieb auswirkt. Ein Argument ist das nur bedingt und allenfalls in unmittelbarer Gegenwart: TMR-Sensorik löst das Verbrauchsproblem und etabliert sich zunehmend. Für die Zukunft ist eigentlich klar, wo die Reise hingehen dürfte. Die OPX-Switches wirken in diesem Kontext wie eine Brückentechnologie.
Tastenkappen sind schwach
Die durch den Flachbau kurze Aufnahme der Taster und Kappen führt dazu, dass breitere Tasten gelegentlich schief sitzen können. Machen lässt sich dagegen nichts, flache mechanische Tastaturen müssen damit in der Regel leben. Spürbar wird das beispielsweise auf der rechten Shift-Taste. Am Rand betätigt neigt sie zum Abkippen der Tastenkappe.
Einen großen Kritikpunkt handelt sich die Tastatur im ISO-Layout mit den Tastenkappen ein. Beschichteter ABS-Kunststoff passt selbst bei flachen Tastern nicht mehr in der oberen Preisklasse. Langlebigkeit und vor allem die glatte Oberfläche, die wenig Halt vermittelt, lassen PBT-Varianten vermissen und tun sich schwer damit, das nötige Gefühl von Präzision zu unterstreichen, dass in den Tastern angelegt ist.
Die Ausleuchtung gelingt Corsair ebenso wie Ablesbarkeit. Nur bei der frontal aufgebrachten Zusatzfunktionalität muss aus dem richtigen Winkel geschaut werden. Die blau-transparenten S-Tasten sind zudem ebenfalls bei Beleuchtung mäßig lesbar, der Informationsgehalt von „S1“ bis „S6“ aber begrenzt. Farblich kann je nach Hintergrundbeleuchtung und Umgebungshelligkeit ein unästhetischer Kontrast entstehen. Schick wird es daher, wenn diese Tasten Blau oder Weiß angeleuchtet werden, was Corsair so auch als Standardkonfiguration hinterlegt.
Alltag & Akustik
Flache Tasten, ein flaches Metallchassis, mehrfache Schalldämpfung und
Gasket Mounting machen das Kapitel Lautstärke bei der Vanguard Air zum Heimspiel. Sie rutscht dafür überraschend an anderen Stellen aus.
Akustik: „Dunk“ statt „Klack“
Akustisch gefällt die Vanguard. Das Zusammenspiel von verringertem Körpervolumen in Tastern, Gehäuse und Kappen sowie dem eingebrachten Material produziert satte, dumpfe Anschläge mit leisem, klarem Klack auch beim Antippen einer Taste und eine insgesamt ruhige Tastatur. Das klingt Premium, das erfüllt die Ansprüche. Für die Allgemeinheit erscheint das Akustikprofil sehr viel angenehmer als die ploppende Gaming-Akustik einer Makr 75 und letztlich auf Augenhöhe mit der Spitze. Lediglich die Leertaste fällt durch leises Ticken ihres Stabilisators negativ auf.
Mit Metallgehäuse und vernünftiger Geräuschdämpfung klingt die Vanguard deutlich besser, das heißt satter als eine zugegeben weniger als halb so teure G515 Rapid TKL (Test). Eine knapp ein Drittel so teure Asus Falchion RX Low Profile (Test) erweist sich als ähnlich hochwertig, allerdings anders abgestimmt. Sie tickt an Anschlägen und liefert eine hellere, aber ebenso satte Akustik.
Alltag: Gewöhnung ist King
Ob das Layout ideal ist, hängt davon ab, ob man eher einen Nummernblock als Pfeil- und Funktionstasten benötigt und mit der dicht zusammengeschobenen F-Reihe leben mag. Bildlauf- und Entfernen-Tasten sind allerdings an gut erreichbare, leicht zu findende Stellen gelegt. Persönlich liegen die Bedürfnisse jedoch andersherum. Dann treten Nachteile deutlicher zu Tage, etwa die verkleinerte Shift-Taste, die das Muskelgedächtnis lange Zeit zusammen mit der oberen Pfeiltaste betätigte. Von kleineren Tastaturen umgestiegen liegen anfangs die Hände sehr oft an der falschen Position.
Makrotasten erfordern ein Umlernen und einen kleinen Kompromiss. Da sie dicht am Tastenfeld liegen, rutscht die Hand öfter auf „S6“ als vermeintliches „Strg“, weil der äußere Rand der Tastatur zur Positionsbestimmung der Hand genutzt, „Strg“ am linken Rand betätigt wird. Bis sich eine neue Art der Betätigung eingeschliffen hat, die sich natürlich anfühlt, vergeht Zeit. Man sollte sie also beim Umstieg einplanen. Das sind jedoch allgemeine Effekte von Makro-Tasten an dieser Stelle und kein spezifisches Problem der Vanguard.
Der Corsair-typische Multifunktionsregler gefällt auf der Vanguard besser als sonst. Das liegt an den flachen Tasten, die seine Bedienung erleichtern. Das Display bleibt ein vor allem ästhetisches Extra, das ein paar Statusinformationen und ansonsten Bilder anzeigt. Für die Ausgabe von Systeminformationen braucht es die iCUE-Software.
Ähnlich der Galeon 100 SD braucht es für die Nutzung von Elgato-Funktionen die Stream-Deck-App. Alles andere von Tastenbelegungen bis hin zu Drehregler, LEDs und Display konfiguriert Corsairs Web-App übersichtlich und zügig. Ausnahme bleibt die fest definierte FN-Taste. Auf dieser Ebene belegte Tasten werden beim Druck der FN-Taste weiß hervorgehoben und helfen so bei der Gewöhnung an das Layout.
In der App kann man auch die S-Tasten mit normalen Tastenfunktionen belegen. Sie werden beim Start der Elgato-App automatisch ignoriert und durch die Elgato-Funktionen ersetzt. Um maximalen Nutzen aus dem Featureset zu ziehen, braucht es allerdings Plugins. Einige, wie für Discord und Spotify, sind kostenlos erhältlich, andere müssen gekauft werden – teils für bis zu 30 Euro. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um Produktivsoftware oder Spiele wie Star Citizen geht. Das ist die Kehrseite dieser Funktionalität: Sie kostet.
Fazit: So sieht Zukunft aus
Für viele Anwendungsbereiche suchen Nummernblock und Makrotasten einen neuen Sinn. Corsair hat ihn in Elgato-Streaming-Funktionen erspäht: Nachdem die Galleon 100 SD (Test) den Nummernblock mit Elgato-Anleihen neu erfunden hat, nimmt sich die Vanguard 99 Wireless jetzt die Makrotasten vor. Die Nutzung von Synergien ist smart und weist in die Zukunft.
Denn Corsair ist auf dem richtigen Weg. Elgato-Funktionen werten die Sondertasten auf und bieten etwas, das aktuell niemand sonst hat. Anders als bei der Galeon 100 SD bleiben die Tasten aber auch in der (guten) Web App nutzbar. Ob man sie wirklich in jedem Fall braucht, steht auf einem anderen Blatt. So hat der Konzern aber eine klare, sinnvolle Perspektive für die Zukunft seiner Tastaturen.
Nur ganz dahinkommen, das müsste er dann doch noch. Im Jetzt braucht es für die Elgato-Nutzung separate Software und vielleicht die Einbindung von Drehregler und Display – sie sind ja schon auf allen Corsair-Tastaturen vorhanden. Eine kleine Hürde, Corsair sollte sie nehmen. Eine größere sind die Tasten der Vanguard Air. Sie sind als Tipp- und Gaming-Werkzeuge gelungen, es stört nur ihr Preis: Optische Signalerfassung und ABS-Kappen wirken ein wenig sehr Last-Gen für die fast 300 Euro, die Corsair verlangt.
So muss man die Vanguard Air 99 schon wirklich wollen, um die 280 Euro freudig zu bezahlen und den kleinen Kompromiss beim Layout einzugehen. Ungebunden vom Layout erscheint ansonsten die Asus Falchion RX Low Profile oder das Keychron-Angebot für Freunde von flachen Tastaturen eine sinnvolle und weit günstigere Alternative zum Corsair-Produkt – ohne Stream-Deck-Tasten, versteht sich.
- Flach & leise
- Gelungene Taster
- Web-App
- Makrotasten mit Extrafunktionen
- Tastenkappen aus ABS-Kunststoff
- Zusatztasten brauchen separate Software
- Gewöhnungsbedürftiges Layout
ComputerBase hat die Vanguard Air 99 Wireless von Corsair leihweise zum Testen erhalten. Die einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht.
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Full Self-Driving (Supervised): Tesla habe Behörden mit aufgebauschten Zahlen umworben
Tesla strebt weitere europäische Zulassungen für das Full Self-Driving (Supervised) an. In Schweden und den Niederlanden habe der Autohersteller zu diesem Zweck auch mit aufgeblasenen Zahlen aus einer eigenen Statistik argumentiert, wie Reuters berichtet.
FSD Supervised kommt schrittweise nach Europa
Full Self-Driving (Supervised) lässt sich seit April dieses Jahres offiziell in den Niederlanden und damit erstmals auch innerhalb Europas nutzen. FSD unter Beaufsichtigung des Fahrers ist ein Level-2-Assistenzsystem, das Fahraufgaben wie Gas, Bremse und Lenkung vollständig übernehmen kann. Dabei wird die ständige Aufmerksamkeit des Fahrers verlangt und Nebentätigkeiten bleiben verboten. Diese sind erst ab Level 3 und höher erlaubt.
Erstzulassung in den Niederlanden
Auf die Freigabe in den Niederlanden folgten im Mai Zulassungen in Litauen und Estland, seit Juni darf auch in Dänemark und Belgien mit FSD Supervised gefahren werden. In Deutschland sind weiterhin Probefahrten vom Beifahrersitz aus möglich, eine Zulassung für den deutschen Markt liegt Tesla aber noch nicht vor.
Hätte FSD Supervised wirklich 32.000 Leben retten können?
Wie Reuters berichtet, habe Tesla für die Zulassungsbestrebungen in Europa auch aufgebauschte Zahlen aus einer selbst erstellten Statistik verwendet. Das geht aus der Korrespondenz zwischen Tesla und europäischen Regulierungsbehörden hervor, die die Nachrichtenagentur über Informationsfreiheitsanfragen einsehen konnte.
Nach der niederländischen Zulassung habe ein Strategieverantwortlicher von Tesla die schwedischen Behörden um eine ähnliche Zulassung gebeten und dabei mit fragwürdigen Zahlen geworben.
Laut Reuters soll Tesla damit geworben haben, dass FSD Supervised 32.000 Leben und 1,9 Millionen Verletzungen hätte retten respektive verhindern können. Von Reuters befragte Wissenschaftler halten diese Zahlen für hochgradig irreführend, da Teslas Statistik annehme, dass alle Fahrzeuge in den USA, auch Lastkraftwagen und Motorräder, durch Autos mit FSD Supervised ersetzt würden und dass jedes Tesla-Fahrzeug sieben Mal sicherer als andere Autos sei. Tesla argumentiere nämlich, dass ein FSD-Fahrzeug eine sieben Mal längere Strecke zurücklegen könne als ein durchschnittlicher menschlicher Fahrer in den Vereinigten Staaten, bevor es zu einem Unfall komme.
Darüber hinaus vergleiche sich Tesla mit anderen Autoherstellern unter abweichenden Voraussetzungen, so der Vorwurf. Bei Tesla fließe ein Unfall nämlich nur dann als Unfall in die Statistik ein, wenn dabei Airbags ausgelöst wurden. Bei den menschlichen Unfällen seien aber auch viel geringere Schäden in die Statistik aufgenommen worden. Tesla vergleiche die eigene Flotte zudem mit durchschnittlich alten US-Autos, die aber deutlich älter und mit weniger aktuellen Sicherheitsfeatures ausgestattet seien. Es habe kein Vergleich unter ähnlich modernen Autos stattgefunden, so Reuters.
Anders Eriksson, ein Ermittler der schwedischen Verkehrsbehörde, wollte die von Tesla präsentierten Daten nicht gegenüber Reuters kommentieren, erklärte aber, dass eine Zulassung nicht nur anhand der vom Hersteller präsentierten Zahlen erfolge. Ein Sprecher der unabhängigen European Transport Safety Council zeigte sich hingegen besorgt und fordert externe Prüfverfahren.
Allgemeine EU-Zulassung angestrebt
Griechenland strebt ebenfalls eine Zulassung von FSD Supervised an und zeigt sich bislang überzeugt von den Zahlen, die aus den USA stammen. In Norwegen wiederum zeigen sich die Behörden vorsichtiger und erklärten, dass es schwierig sei, einen Zusammenhang zwischen Teslas selbst produzierten Zahlen und denen der Verkehrsbehörde zu finden.
Für eine allgemeine EU-Zulassung von FSD Supervised müssen Vertreter von 55 Prozent der Mitgliedsstaaten, die 65 Prozent der Bevölkerung abdecken, mit „Ja“ stimmen. Dies werde von Tesla aktuell angestrebt, bis dahin sind Einzelzulassungen möglich.
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KI vs. Produktivität: Systempflege frisst Großteil der gesparten Zeit wieder auf
Der Einsatz künstlicher Intelligenz soll Unternehmen produktiver machen und Kosten senken. Eine aktuelle Studie zeichnet jedoch ein differenzierteres Bild: Zwar sparen Beschäftigte durch KI Arbeitszeit, ein erheblicher Teil dieses Gewinns fließt jedoch direkt wieder in die Kontrolle von Ergebnissen und die Betreuung der Systeme.
Mindestens die Hälfte des Zeitgewinnes sofort wieder weg
Für die Studie des Work AI Institute, an der Wissenschaftler unter anderem von Stanford, UC Berkeley und der University of California in Santa Barbara beteiligt waren, wurden mehr als 6.000 Wissensarbeiter in den USA, Großbritannien und Australien befragt. Dabei gaben 75 Prozent der Teilnehmer an, durch den Einsatz künstlicher Intelligenz spürbar produktiver zu sein und ihre eigentlichen Aufgaben schneller erledigen zu können. Laut der Erhebung lassen sich auf diese Weise durchschnittlich 11 Arbeitsstunden pro Woche einsparen. Gleichzeitig müssen die Beschäftigten jedoch mehr als 6 Stunden für Tätigkeiten aufwenden, die in der Branche häufig als „Botsitting“ bezeichnet werden. Dazu zählen die Überprüfung von Systemen, die Korrektur von Fehlern sowie die Formulierung neuer Eingaben, wodurch sich der tatsächliche Zeitgewinn deutlich reduziert.
Nach Angaben der Studie entfallen 37 Prozent der gesamten KI-Nutzungszeit auf diese Kontrollaufgaben. Für die eigentliche Erstellung von Arbeitsergebnissen mithilfe der KI werden dagegen 36 Prozent aufgewendet. Die Forscher sprechen in diesem Zusammenhang von einer weitgehend unsichtbaren menschlichen Arbeitsschicht, die erforderlich ist, um die Systeme produktiv nutzen zu können.
Kaum wirkliche Nachweise für größere Vorteile
Den Forschern zufolge ist ein wesentlicher Grund für den hohen Kontrollaufwand in der weiterhin erheblichen Fehleranfälligkeit vieler KI-Werkzeuge zu finden. Mehr als ein Drittel aller Sitzungen scheitert laut Befragung entweder vollständig oder erfordert zumindest eine umfangreiche Nachbearbeitung, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Dadurch gleichen sich Aufwand und Nutzen nahezu aus: Für jede Stunde, in der die KI tatsächlich verwertbare Resultate liefert, investieren Beschäftigte demnach ungefähr eine weitere Stunde, um diese Ergebnisse nutzbar zu machen.
Die Vorteile des KI-Einsatzes lassen sich deshalb in vielen Unternehmen nur schwer messen. Zwar berichten rund drei Viertel der Befragten von Effizienzsteigerungen, jedoch geben lediglich 13 Prozent der Unternehmen an, durch den Einsatz von KI nachweisbare geschäftliche Vorteile oder Wachstumseffekte erzielt zu haben. Besonders kritisch bewerten die Autoren der Studie die zunehmende Verlagerung von Verantwortung auf entsprechende Systeme. Bereits 41 Prozent der Befragten geben demnach zumindest gelegentlich KI-generierte Arbeitsergebnisse ab, die sie selbst nicht vollständig erklären könnten. Nicht selten entstehen daraus Fehler, die anschließend von anderen Mitarbeitern korrigiert werden müssen.
Aufwand wird massiv unterschätzt
Studienautor Paul Leonardi sieht darin eines der grundlegenden Probleme der aktuellen KI-Einführung: Unternehmen erwarteten von ihren Mitarbeitern nicht nur die Nutzung der Systeme, sondern auch deren Einrichtung und Pflege. Beschäftigte würden zunehmend die Rolle von Vorgesetzten übernehmen, die KI-Agenten koordinieren, überwachen und korrigieren müssen. Dieser zusätzliche Aufwand werde in vielen Produktivitätsbetrachtungen bislang unterschätzt. „Sie verwalten lediglich diese KI-Tools und KI-Agenten, und wir erwarten, dass sie viel mehr leisten können, aber wir berücksichtigen nicht den gesamten Arbeitsaufwand, der tatsächlich mit der Verwaltung verbunden ist“, so Leonardi zu den gewonnenen Ergebnissen.
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Router und Netzwerke: Fritz! und Partner wollen digitale Souveränität Europas stärken

Fritz!, devolo, Lancom und TDT, vier europäische Hersteller von Netzwerktechnologie, haben SAFENet gegründet, die „Sovereignty Alliance for European Network Technology“. Ihr Ziel: Europa muss die Kontrolle über seine Netze und digitale Infrastruktur behalten und braucht digitale Unabhängigkeit bei Netzen und Routern.
Stärkerer Schutz bei Routern und Netzwerkkomponenten
Die vier Unternehmen möchten sich für die digitale Unabhängigkeit Europas einsetzen und fordern eine stärkere Berücksichtigung von Routern und Netzwerkgeräten in der europäischen Technologiepolitik. SAFENet wurde ins Leben gerufen, um die wachsende Abhängigkeit von nicht-europäischen Anbietern im Bereich der Netzwerktechnologie zu verringern, so Fritz! (ehemals AVM). Router, als zentrale Schnittstelle für über 90 Prozent des europäischen Internetverkehrs, sind ein kritischer Baustein der digitalen Infrastruktur. Die Allianz verfolgt das Ziel, durch Transparenz, gezielte Beschaffung und die Entwicklung einer europäischen „Router and Network Technology-Security-Toolbox“, die digitale Souveränität Europas zu stärken.
Vorbild 5G-Netze
Einhergehend damit soll der Markt für nicht-europäische Hersteller geschlossen werden. Vorbild soll das europäische Vorgehen bei 5G-Netzen sein. Und während die EU auch bei Cloud und Halbleitern aktiv gegensteuert, sieht die Allianz die zentrale Hardware-Schnittstelle, den Router, als blinden Fleck in den politischen Bemühungen.
Nach Ansicht der Unternehmen wird bei der digitalen Souveränität nämlich meist dieser zentrale Baustein vergessen, der Router im Heimnetz oder im Büro, durch den schlussendlich aber fast alle Daten fließen. Fritz! ist deshalb der Ansicht, dass die Europäische Union die Unabhängigkeit von Netzwerkkomponenten wie Routern sicherstellen und entsprechende regulatorische Rahmenbedingungen schaffen muss. Die Allianz soll europäischen Herstellern eine Plattform bieten, um ihre vertrauenswürdigen Technologielösungen zu präsentieren und einen Beitrag zur langfristigen Sicherung der digitalen Infrastruktur Europas zu leisten.
Im Dialog mit der europäischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft möchte die Allianz deutlich machen, dass Routern und Netzwerktechnologie eine Schlüsselrolle bei der Sicherung digitaler und technologischer Souveränität Europas zukommen.
Drei Forderungen an die Politik
SAFENet hat drei Kernforderungen an die europäischen und nationalen Entscheidungsträger aufgestellt:
- Transparenz für Nutzerinnen und Nutzer: Hersteller und Internetanbieter müssen ausweisen, wo Hardware, Firmware und Updates tatsächlich hergestellt bzw. entwickelt werden – auch bei White-Label- und Provider-Produkten.
- Beschaffung: Behörden, KRITIS-Betreiber und öffentlich finanzierte Einrichtungen sollen auf vertrauenswürdige europäische Netzwerktechnologie setzen – flankiert durch Austausch-Incentives und -programme für Hochrisiko-Hardware.
- Priorität und Risikobewertung: Router und Netzwerktechnologie müssen in der aktuellen Diskussion um mehr Souveränität und Sicherheit des digitalen Ökosystems als prioritärer Sektor anerkannt werden. Europa braucht – analog zur EU Toolbox for 5G Security – eine
„Router and Network Technology-Security-Toolbox“ mit einheitlicher Risikobewertung und Hochrisiko-Einstufung.
Die zunächst von vier Unternehmen gegründete Allianz SAFENet steht weiteren europäischen Herstellern offen.
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