Digital Business & Startups
„Alle sehr neidisch“: 14-jähriger Gründer berichtet von Spott auf dem Pausenhof
Vor dem Technikschrank in seinem Kinderzimmer blüht Conner auf. Stolz zeigt er seine Profi-Ausstattung für die Produktion von Videos, Podcasts und Werbefotos: den Controller samt Brille für die Drohne, den mobilen Teleprompter, den Koffer für die Stromversorgung.
So um die 15.000 Euro dürfte das Ganze schon wert sein, schätzt der 14-Jährige. Er sagt das ganz nüchtern, ohne aufzutrumpfen. Für ihn ist es Arbeitsgerät.
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Vor knapp einem Jahr, da war er noch 13, hat Conner Pirck seine eigene Firma gegründet. Der Schüler aus einer Randgemeinde von Hamburg dürfte damit einer der jüngsten Gründer Deutschlands sein. Genau kann man das nicht wissen, weil das Alter nirgends zentral erfasst wird.
Conner filmt Events, er fotografiert Produkte und produziert am Computer Beiträge für Social Media. Ein bekannter Verkaufstrainer, ein Internat, ein Unternehmerverband und auch sein eigener Vater zählen zu seinen Kunden.
Auftrag vom Verkaufstrainer
Conner ist ein höflicher und freundlicher Junge. Er ist wortgewandt, berichtet freimütig auch über die Steine auf seinem Weg. Wer Conner zuhört, erfährt, was in Deutschland mit Motivation, Ausdauer und der richtigen Unterstützung von daheim möglich ist. Er ahnt aber auch, woran es hierzulande hakt mit dem Unternehmertum.
„Du bist dein einziges Limit“, dieser Spruch des Verkaufstrainers Dirk Kreuter hängt über Conners Bett. Darunter ein Foto von ihm mit den Worten: „Wenn du immer das Gleiche tust, wirst du auch immer die gleichen Ergebnisse bekommen.“
Kreuter, der mit seinen Motivationsreden Säle mit Tausenden Zuschauern füllt, ist für Conner ein Star. Und er war einer seiner ersten Kunden. Conner hatte seinen Vater auf eine Konferenz von Kreuter in Dubai begleitet und dort dessen Social-Media-Team kennengelernt.
Danach bekam er den Auftrag, einen Film von einem Vertriebs-Event in Bonn zu machen. „Ich habe nur gedacht: Oh mein Gott, wie cool ist das denn“, schwärmt Conner.
Gründer berichtet von dummen Sprüchen in Schule
Wenn er von seiner Arbeit berichtet, die Kniffe seiner Technik und Computerprogramme erklärt, lächelt er. Spricht er von der Schule, wird er ernst. Nicht, weil dem Achtklässler das Lernen nicht läge.
Er hat seinen Notendurchschnitt binnen eines Jahres um anderthalb Noten auf eine glatte 2 verbessert. Das war der „Deal“ mit den Eltern, damit sie ihn bei der Firmengründung unterstützten.
Doch gefragt nach seinen Mitschülern, entfährt Conner ein tiefer Seufzer. „Die kommen damit einfach nicht klar, dass ich Unternehmer bin“, sagt er. Er berichtet von dummen Sprüchen auf dem Pausenhof, über vermeintliche Millionen auf seinem Konto.
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Mit Photoshop hätten Klassenkameraden ein „blödes Meme“ von ihm gebastelt, auf dem er den Bundeskanzler herzt. Er sah ihn auf einem Unternehmertag. Nur zwei Mädchen hätten mal zu ihm „Respekt“ gesagt. „Die anderen sind alle sehr neidisch“, sagt Conner.
Er ist froh, dass er einen Freund in der Nachbarschaft hat. „Wir fahren gemeinsam mit den Fahrrädern rum oder sitzen im Garten am Feuer und sprechen. Das finde ich viel schöner als Computerspiele.“
Und Conner hat seine Familie: Mit der zwei Jahre älteren Schwester Kaitlyn verstehe er sich „richtig gut“, mit seinen Eltern auch.
„Ein echtes Unternehmer-Mindset-Training“
Conners Vater, Lars-Hendrik Pirck, hat die Reporterin in seinem weißen Porsche Taycan vom Bahnhof abgeholt und zunächst in seine eigenen Firmenräume in Ahrensburg bei Hamburg gebracht. Pirck konzipiert und verkauft Markenwerbeartikel – von Golfbags für BMW bis zu Sweatshirts und Kaffeebecher für Aida-Cruises.
Auf seinen Social-Media-Accounts postet der stolze Vater immer wieder auch Fotos und Videos mit seinem Sohn. „Was wäre aus dir geworden, wenn du mit 14 nicht zur Schule gegangen wärst – sondern zu den Familienunternehmer-Tagen?“, fragt er in einem Beitrag.
Und weiter: „Genau das hat unser Sohn Conner gemacht. Kein ‚Schwänzen‘. Kein Ausflug. Sondern: ein echtes Unternehmer-Mindset-Training.“ Er dankt der Schule noch für die Beurlaubung und die fördernde Haltung gegenüber dem Unternehmertum.
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Lars-Hendrik Pirck hat eine Amerikanerin geheiratet, verbringt privat und beruflich viel Zeit in den USA und sagt: „Ich weiß, wie hart wir hierzulande noch an unserer Einstellung arbeiten müssen.“
Conners Mutter, Kirsten Pirck, sieht das genauso. Die studierte Innenarchitektin, die in Los Angeles aufgewachsen ist, hat damit bei den Jüngsten angefangen. Am heimischen Esstisch berichtet sie in fließendem Deutsch von einem Nachmittagskurs, den sie an einer Grundschule anbietet.
Der Kurs sagt viel darüber aus, wie sie und ihr Mann die Kinder erziehen. Er dreht sich um das Thema „Growth Mindset“, zu Deutsch: Wachstumsdenken. Es soll gelingen, Herausforderungen als Chancen zu betrachten und Fehler als Lerngelegenheiten. „,Ich bin schlecht in Mathe‘ ist ein Satz aus dem fixed Mindset, der Kinder limitiert“, sagt Kirsten Pirck. „,Ich bin NOCH nicht so gut in Mathe‘ – so ein Satz öffnet ganz andere Türen.“
Unternehmerischen Rückenwind vom Elternhaus
Das Elternhaus gibt Conner unternehmerischen Rückenwind – so wie vielen Gründern. Die Bertelsmann Stiftung etwa hat die Herkunft von 1800 Start-up-Teams in Deutschland untersucht und herausgefunden: Familie zählt.
Bei 38 Prozent der Gründer war mindestens ein Elternteil selbstständig. Bei jedem Vierten führten sie sogar ein Unternehmen mit Angestellten. Mütter und Väter seien Mentoren und Vorbilder zugleich, folgern die Wissenschaftler.
Vorbilder sichtbar machen, schon an den Schulen – das haben daher Initiativen wie Start-up Teens oder der Deutsche Gründerpreis für Schüler und Schülerinnen zum Ziel. Sie fordern, Jugendliche schon früh für Unternehmertum zu begeistern, um die deutsche Wirtschaft zu beflügeln.
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Conner jedenfalls hat noch viel vor mit seiner jungen Firma. „Porsche wäre für mich ein Traumkunde“, schwärmt er und hat schon eine Idee: „Ich könnte ja mit Werbefilmen für die Händler anfangen.“ Erst mal wünscht er sich eine neue, noch bessere Kamera und „mehr Sichtbarkeit für weitere Kunden“.
Das mit dem Unternehmer-Sein, das möchte Conner selbst. Zu dem Schluss kam vergangenen Herbst eine Richterin am Familiengericht. Dort musste Conner, nachdem seine Eltern seinen Antrag auf die Firmengründung unterstützt hatten, noch mal allein vorsprechen.
„Sie wollte wissen, ob ich das wirklich will oder nur der Papa“, berichtet Conner. Er wollte. Und bekam einige Wochen später grünes Licht für sein Kleingewerbe. 10.000 Euro im Jahr darf er als Kind jetzt steuerfrei dazu verdienen.
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Nach dem Mittagessen tauscht Conner sein gelbes Poloshirt gegen ein weißes Anzughemd. Er hat gleich noch einen Termin bei Schleswig-Holsteins Digitalminister in Kiel. Ob er nervös sei vor solch einem Treffen? „Nein, da bin ich eigentlich entspannt“, sagt Conner.
Er habe schließlich schon Rhetorikkurse gemacht und auch mit Präsentationen auf Bühnen keine Probleme. Froh ist er, dass er heute nicht mehr in die Schule muss. Wegen seiner Termine als Unternehmer ist er freigestellt.
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Flexible Arbeitsmodelle im Alltag: Ein Balanceakt für Unternehmen
#Gastbeitrag
„New Work“ ist nicht synonym zu Laissez-faire. Es braucht Strukturen und klare Regeln sowie Rahmenbedingungen, ebenso ist aber Flexibilität nicht länger verhandelbar. Unternehmen bleibt damit nur, sich den neuen Spielregeln des Arbeitsmarktes hin anzupassen.

Die Corona-Pandemie liegt zwar schon einige Jahre in der Vergangenheit, geblieben sind aber die zum damaligen Zeitpunkt aus der Notwendigkeit heraus entstandenen flexiblen Arbeitsmodelle. Homeoffice, Hybrid-Work und Vertrauensarbeitszeit sind in Unternehmen heute präsenter als je zuvor, auch weil Arbeitnehmende sie konsequent für sich einfordern und zur Verhandlungsmasse deklarieren. Unternehmen müssen damit einen Balanceakt meistern.
Arbeit muss heute ganzheitlich neu gedacht werden
Speziell die Generationen Y und Z legen viel Wert auf Work-Life-Balance und mehr Flexibilität: Gleichermaßen sind jüngere Generationen ihrem Arbeitgeber längst nicht mehr so verbunden wie frühere Generationen. Wer als Unternehmen qualifizierte Fachkräfte dauerhaft an sich binden und kontinuierlich weiterentwickeln möchte, muss jenen also entgegenkommen. Dabei hat sich zugleich die Gewichtung der Benefits aus Arbeitnehmendensicht verändert: Ein Dienstwagen ist heute längst nicht mehr so ein attraktiver Benefit wie früher, viel mehr Wert wird stattdessen auf flexible Arbeitsorte und -zeiten gelegt.
Speziell im Hinblick auf die internationale Konkurrenz und den in Deutschland omnipräsenten Fachkräftemangel, gepaart mit einer ungünstigen demografischen Entwicklung, die künftig nur noch stärker zur Herausforderung avancieren wird, stehen Unternehmen unter Zugzwang. Sie müssen sich als attraktiver Arbeitgeber präsentieren, um qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und zu binden. Hybride Arbeitsmodelle und Homeoffice-Lösungen sind dabei zwei wichtige Werkzeuge: Schon beim Recruiting sorgen beide dafür, dass Unternehmen ihren Suchradius nach neuen Fachkräften signifikant ausweiten können.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Vertrauensarbeitszeit: Speziell jüngere Generationen möchten nicht nur „Arbeitszeit absitzen“, sondern rücken den Fokus stärker auf die tatsächlichen Ergebnisse. Auch in der Wissenschaft wird schon länger argumentiert, dass mehr Arbeitszeit nicht automatisch in mehr Produktivität oder besseren Ergebnissen resultiert. Vertrauensarbeitszeit und ein strategisches Umdenken kann hier helfen – bei dem die Ergebnisse, statt den geleisteten Stunden unter die Lupe genommen werden.
Flexibilität und unternehmenseigene Strukturen verbinden ist dennoch eine Herausforderung
Es liegt in der Natur der Sache, dass in den meisten Unternehmen einzelne Mitarbeitende nicht in einem Vakuum agieren, sondern eine konsequente Abstimmung gegenüber anderen Mitarbeitenden erforderlich ist. Unternehmen müssen sich daher strukturell anpassen: Innerhalb von Teams und Abteilungen gilt es Transparenz zu schaffen, auch Projekte und Arbeitszeiten gehören koordiniert. Hier helfen beispielsweise digitale Kalender, Statusmeldungen und natürlich Kernarbeitszeiten. Speziell bei der Kommunikation können digitale Tools etabliert werden, so dass auch Remote-Arbeitende leicht an Meetings und Projektgesprächen teilnehmen können. Führungskräfte müssen zugleich ihren Stil anpassen: Denn die Produktivität muss im Homeoffice nicht zurückgehen, aber Mitarbeitende müssen anders geführt und geleitet werden, als es bei einer dauerhaften Präsenzarbeit der Fall wäre.
Digitale Zeitmanagement-Lösungen und HR-Tools als Schnittstelle
Die Digitalisierung kann und soll Effizienz- sowie Produktivitätssteigerungen mit sich bringen. Zugleich liefern digitale Schnittstellen, was flexible Arbeitsmodelle anbelangt, essentielle Rückendeckung. Mit der klassischen „Zettelwirtschaft“ kommen Unternehmen und Organisationen nicht weiter, wenn ein guter Teil der Mitarbeitenden gar nicht dort ist, wo die jeweiligen Zettel und Dokumente sind. Das fängt schon bei Routineaufgaben an, beispielsweise in der Personalabteilung: Mit modernen HR-Lösungen können Urlaubsanträge, Krankmeldungen und die Zeiterfassung vollständig digitalisiert und oftmals auch teilweise oder ganzheitlich automatisiert werden.
Das optimiert die Kommunikation untereinander sowie zwischen Abteilungen, zugleich erleichtert es Führungskräften und Projektmanagern die Planung. Auch flexible Arbeitszeiten und Remote-Arbeit müssen so nicht in mehr Bürokratie ausufern, wenn die daran geknüpften bürokratischen und organisatorischen Vorgänge digital und softwaregestützt optimiert werden. Weiterführende Informationen zu modernen Lösungen rund um Arbeitszeit- und HR-Management finden Leser bei Haufe. Frühzeitig solche Strukturen und digitalen Helfer im Unternehmen zu etablieren ist notwendig: Denn eine Rückkehr in ältere, traditionelle Arbeitsverhältnisse und Arbeitsweisen gilt für die nachkommenden und jüngeren Arbeitnehmendengenerationen als ausgeschlossen.
Sich der Digitalisierung zu verwehren, ist also keine Option: Weder ganzheitlich noch auf einzelne Prozesse bezogen. Unternehmen, vor allem solche im Mittelstand, die um Fachkräfte mit großen internationalen Organisationen und Konzernen konkurrieren müssen, sollten sich daher besser zu früh als zu spät entsprechend positionieren.
Flexibilität ist ein Muss – klare Strukturen aber ebenfalls
„New Work“ ist nicht synonym zu Laissez-faire. Es braucht Strukturen und klare Regeln sowie Rahmenbedingungen, ebenso ist aber Flexibilität nicht länger verhandelbar. Unternehmen bleibt damit nur, sich den neuen Spielregeln des Arbeitsmarktes und auf Arbeitnehmende hin anzupassen. Das gelingt mit stabilen, verlässlichen und transparenten digitalen Strukturen, die nicht nur dauerhaft die Kosten senken können, sondern auch maßgeblich Anteil an einer effizienten Umsetzung von modernen Arbeitsmodellen haben.
Foto (oben): pexels, Faizur Rehman
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