Datenschutz & Sicherheit
Codeausführung möglich: kritische Lücke in Windows Server wird aktiv ausgenutzt
Angreifer nutzen eine kritische Sicherheitslücke im Netlogon-Code von Windows Server aus, um in Netzwerke einzubrechen. Das meldet die belgische Cybersicherheitsbehörde CCB. Zur Attacke genügt offenbar ein manipuliertes Paket an den Domain Controller. Systemverwalter sollten schnellstmöglich prüfen, ob die im Mai durch Microsoft bereitgestellten Patches auf ihren Systemen installiert sind.
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Bei der Sicherheitslücke mit der CVE-Kennung CVE-2026-41089 handelt es sich um einen Pufferüberlauf auf dem Stack, der mit einem präparierten Paket an den Domain-Controller ausgenutzt werden kann. Einem auf GitHub kursierenden angeblichen Proof-of-Concept-Exploit (PoC) zufolge steckt der Überlauf im Benutzernamen-Parameter eines über UDP versandten LDAP-Pakets (CLDAP Locator Ping). Obwohl der PoC lediglich einen Absturz des LSASS-Dienstes verursacht, ist die Einschleusung von Schadcode der Microsoft-Einschätzung zufolge ebenfalls möglich. Das erklärt auch den hohen CVSS-Punktwert von 9.8 (Einstufung kritisch).
Schnell patchen und Eindringlinge suchen
Die Sicherheitslücke betrifft alle aktuell gepflegten Versionen von Windows Server inklusive der neuesten Ausgabe, Windows Server 2025. Microsoft hat bereits am 12. Mai Patches bereitgestellt – wer diese noch nicht eingepflegt hat, sollte das schleunigst nachholen. Und prüfen, ob bereits unerwünschter Besuch auf dem ungepatchten Server unterwegs war. Dem PoC-Autoren zufolge können sie dazu in den Systemprotokollen nach CLDAP-Anfragen mit einem ungewöhnlich langen „User“-Attribut oder nach LSASS-Abstürzen mit Event-ID 1000 (netlogon.dll) suchen.
Sicherheitslücken in Microsoft-Produkten und deren Behandlung durch den Redmonder Softwareriesen sind derzeit Gegenstand hitziger Debatten in der IT-Sicherheitsszene. Die entzünden sich vor allem an Microsofts Umgang mit dem anonymen Sicherheitsforscher, der als „Chaotic Eclipse“ auftritt.
(cku)
Datenschutz & Sicherheit
Digitale Medienkompetenz: Eltern und Mitschüler sollen es richten
Die Bildungsministerkonferenz wird keine wirklichen und zählbaren Maßnahmen ergreifen, um die Medienkompetenz von Kindern in Sachen Social Media in der Schule zu stärken. Das geht aus einem Bericht des Tagesspiegel Background (€) hervor, dem der Entwurf der „Erklärung der Bildungsministerkonferenz“ vorliegt. Demnach ist eine konsequente Ausweitung der Medienbildung an Schulen darin kein Schwerpunkt.
Laut dem Bericht sehen die Kultusminister vor allem die Eltern für die Medienkompetenz ihrer Kinder verantwortlich. „Die verfassungsrechtlich verankerten Erziehungspflichten und ‑rechte der Eltern stehen in diesem Feld im Vordergrund“, zitiert Background aus dem Bericht. Als Argument führen die Minister:innen an, dass die problematische Mediennutzung ja „überwiegend außerhalb der Schule“ stattfinde.
Zwar würden dem Medienbericht zufolge die Minister:innen postulieren, dass Schulen in Sachen Medienkompetenz einen „entschlossenen Beitrag“ leisten müssten. Gleichwohl gibt es in dem Papier nur eine Stelle, an der die Minister:innen festhalten, dass die Medienbildung an Schulen derzeit nicht ausreiche. Fakt ist laut dem Tagesspiegel, dass es nur in fünf der 16 Bundesländer überhaupt ein Fach Medienbildung gibt und auch der flächendeckende Ausbau von Informatik als Pflichtfach demnach noch Jahre dauern wird.
In der Erklärung der Kultusminister heißt es weiter, dass „schulische Bildungs- und Erziehungsangebote“ weiter ausgebaut werden sollen, doch konkrete Maßnahmen oder Stundenzahlen nennt der Text nicht. Statt konkreter Pläne stellt das Papier eher Projekte hervor, bei denen sich Schüler:innen gegenseitig Medienkompetenz beibringen sollen oder bei denen Initiativen von außen, beispielsweise aus dem Journalismus, in die Schule hineinwirken sollen. Tagesspiegel Background spricht hier deswegen von Verantwortungsdiffusion.
Datenschutz & Sicherheit
Anthropic öffnet Mythos: EU-Cyberagentur soll Zugriff erhalten
Anthropic soll der EU-Agentur für Cybersicherheit ENISA Zugang zu seiner Cyber-KI Mythos gewähren und die Behörde in „Project Glasswing“ aufnehmen, berichtet Bloomberg. Darauf hatten zunächst vor allem US-Partner Zugriff, darunter Regierungsstellen, Unternehmen sowie mehrere Banken. Auch das britische AI Security Institute durfte Mythos bereits testen. Ziel ist es, mithilfe von Mythos kritische Software abzusichern, bevor vergleichbare Fähigkeiten breiter verfügbar werden. Laut Bloomberg ist ENISA die erste EU-Behörde mit Zugriff auf Mythos.
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Ein Sprecher der EU-Cybersicherheitsagentur ENISA bestätigte gegenüber der Financial Times zwar Gespräche über einen Zugang zu Mythos, betonte jedoch, dass über die Bedingungen noch verhandelt werde. Dazu gehöre auch, wie weit der Zugriff des US-Unternehmens auf EU-Systeme reicht, wenn europäische Stellen Mythos benutzen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf mit den Gesprächen vertraute Personen.
Auch die EU-Kommission bestätigte Gespräche mit Anthropic. Die Kommission habe mehrere produktive Treffen mit dem Unternehmen geführt und begrüße die jüngsten Entwicklungen zu einem möglichen Zugang, sagte ein Sprecher gegenüber Bloomberg, ohne einen Zeitplan zu nennen. Vertreter der EU-Kommission waren laut den Berichten in der vergangenen Woche nach San Francisco gereist, um mit Anthropic über eine Aufnahme in „Project Glasswing“ zu verhandeln.
Die Cyber-KI-Bedrohung endet nicht bei Mythos
Die EU hat seit der Vorstellung von Mythos im April auf Zugang gedrängt, lange Zeit jedoch erfolglos. Anthropic verwies bei der begrenzten Freigabe immer wieder auf die außergewöhnliche Leistungsfähigkeit des Modells beim Auffinden von Sicherheitslücken und dem damit verbundenen Missbrauchspotenzial.
Anthropic stellte vergangene Woche eine breitere Freigabe in Aussicht, sprach dabei aber von „Modellen der Mythos-Klasse“. Die derzeit im Rahmen von Project Glasswing getestete Version „Claude Mythos Preview“ soll laut Anthropic nicht allgemein verfügbar gemacht werden.
Europäische Banken suchen derweil nach eigenen Wegen, sich auf die Cyber-KI-Bedrohung vorzubereiten. BNP Paribas etwa baute seine Partnerschaft mit dem Pariser KI-Start-up Mistral AI aus und bereitet sich auf eine neue Generation leistungsfähiger Cyber-KI-Modelle vor. Denn selbst wenn die EU Zugang zu Mythos erhält, sind die Gefahren durch KI-gestützte Cyberangriffe damit nicht gebannt.
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(tobe)
Datenschutz & Sicherheit
KI-Klimaschwindel und Greenwashing: Big-Tech erklärt das Problem zur Lösung
Der Ausbau von KI-Rechenzentren führt zu einer steigenden Nachfrage nach fossilen Brennstoffen, denn der Energiehunger von KI-Technologien ist offensichtlich. Die nachweislich negativen Auswirkungen auf das Klima werden von den Technologieunternehmen jedoch heruntergespielt, während sie gleichzeitig in Aussicht stellen, KI könne in der Zukunft helfen, die Probleme des Klimawandels zu bewältigen.
Die Behauptungen von Big-Tech beruhen dabei nicht auf glaubwürdigen und belegbaren Daten, sondern auf der Selbstausstellung eines „Blanko-Schecks“, um „die Umwelt unter Verweis auf leere Heilsversprechen weiter zu verschmutzen“. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Bericht von AlgorithmWatch: „Der KI-Klimaschwindel: Hinter den Kulissen des Big-Tech-Greenwashings“. Während die negativen Auswirkungen nachweisbar seien sowie immer weiter zunehmen würden, basierten die Lösungsversprechen hauptsächlich auf Wunschdenken mit geringer Faktenbasis.
Der Bericht untersucht systematisch die Stichhaltigkeit der Behauptung eines angeblichen „Netto-Klimanutzens“ durch KI. Aus insgesamt acht Quellen wurden dafür 154 KI-Klimaversprechen extrahiert. Das Ergebnis: 150 Versprechen (97 Prozent) bezogen sich entweder auf die „herkömmliche“ KI, also insbesondere auf Vorhersagemodelle und Computer-Vision, oder generative KI mit einem nur sehr eng begrenzten Anwendungsbereich. Nur vier Behauptungen (drei Prozent) bezogen sich tatsächlich auf klar definierbare generative KI-Anwendungen für Verbraucher:innen (wie Chatbots), die mit großen öffentlich zugänglichen Datensätzen trainiert wurden. Die Klimaauswirkungen generativer KI werden durch verallgemeinerte „KI-Nachhaltigkeitsbehauptungen“ also gezielt verschleiert, indem grundsätzlich verschiedene Technologien gleichgesetzt werden.
„ ‚KI’ ist ein sehr neuer Begriff, auch wenn einige der Technologien schon sehr alt sind“, sagt der Hauptautor des Berichts, Energie- und Klimaanalyst Ketan Joshi, gegenüber netzpolitik.org. „Daher nutzen sie diese Unvertrautheit aus. Indem sie diese beiden Dinge miteinander vermischen und den Wandel als unvermeidlich darstellen, entziehen sie sich jeglicher Verantwortung, auf die schlechten, verschwenderischen und schädlichen Dinge zu verzichten.“
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KI ist nicht gleich KI
Der für das Jahr 2030 prognostizierte Energieverbrauch generativer KI-Anwendungen liegt dabei um das Dreizehnfache höher als der Energieverbrauch herkömmlicher KI. Dennoch werde unterschlagen, dass die Klimaschäden durch KI-Nutzung überwiegend durch eben diese generativen KI-Anwendungen entstehen. Die Analyse fand so kein einziges Beispiel einer generativen Consumer-KI, die nachweislich zu einer Emissionsreduktion geführt hätte.
„Wenn es Nachhaltigkeitsvorteile durch künstliche Intelligenz gibt, dann durch Anwendungen traditioneller KI mit wenig Ressourcenverbrauch. Die großen sprach- und bildgenerierenden Modelle wie ChatGPT […] verbrauchen Unmengen an Strom und Wasser, verursachen CO₂-Emissionen in der Höhe ganzer Länder, bringen aber keinerlei positiven Nutzen für die Umwelt“, sagt Senior Policy Manager bei AlgorithmWatch, Julian Bothe, gegenüber netzpolitik.org.
Ferner stützen sich laut der Analyse des Reports nur 26 Prozent der 154 untersuchten KI-Klimaversprechen auf tatsächlich wissenschaftliche Studien. 36 Prozent führten keinerlei Belege an, während der Rest überwiegend auf die Unternehmensberichte und Unternehmenswebseiten verwies. Hinzu kämen Verweise auf Medien, sonstige Institutionen oder unveröffentlichte Studien.
Viel Behauptung, kaum Beleg
Ein besonders prägnantes Beispiel sei Google: Der Konzern wirbt seit Jahren damit, KI könne bis 2030 fünf bis zehn Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen einsparen. Dies entspräche dem gesamten Jahresausstoß der Europäischen Union. Die Quelle dieser Statistik hält allerdings keiner Überprüfung stand: Diese ist nämlich der Blogbeitrag eines Beratungsunternehmens aus dem Jahr 2021, das diese Einschätzung offenbar aus der eigenen „Kundenerfahrung“ entnommen hatte. Dennoch tauchte die Behauptung noch im April 2025 in einer Policy-Roadmap von Google auf, die auf die EU zielte – und zwar unter dem Verweis auf „Studien“.
Einige der Zahlen stammen jedoch nicht unmittelbar aus der Unternehmens-PR und tragen wissenschaftliches Etikett. Eine Analyse des Ökonomen Nicholas Stern, veröffentlicht in einem Nature-Fachjournal, kommt zu dem Schluss, KI werde die weltweiten Emissionen bis 2035 um 36 Prozent senken. Amy Luers, Head of Sustainability Science and Innovation bei Microsoft, beziffert das Einsparpotenzial in einem Kommentar in Nature auf 1,4 Gigatonnen jährlich. Auch der einflussreiche IEA-Bericht „Energy and AI“ vom April 2025, dessen Entwurf unter anderem von Beschäftigten von Amazon, Google, Nvidia, Meta und Microsoft begutachtet wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass KI unter bestimmten Bedingungen Netto-Emissionen einsparen könnte. Der AlgorithmWatch-Bericht hält solche Rechnungen jedoch für fragwürdig, weil sie auf schwach begründeten Beispielen aufbauen. „Es hat mich überrascht, solche Behauptungen in Nature zu sehen“, sagt Joshi. Viele wissenschaftliche Publikationen seien beim KI-Thema enthusiastisch und „womöglich nicht im Einklang mit dem, was wir über die Umweltschäden wissen“.
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Ein weiteres Beispiel für irreführende Behauptungen sei auch die der Internationalen Energieagentur, dass das Kreuzfahrtunternehmen Carnival Cruise Lines dank KI seinen Treibstoffverbrauch erheblich gesenkt habe, so Joshi gegenüber netzpolitik.org. „Es scheint wahrscheinlich, dass der Verweis auf der Website größtenteils mithilfe von KI generiert wurde – oder dass es sich zumindest um eine schwache Quelle handelt, die keinen Bezug zu den tatsächlichen Berichten des Unternehmens aufweist.“ Dies verdeutliche laut Joshi, wie das Potenzial von KI nicht nur überbewertet wird, sondern auch, wie KI selbst das Informationsumfeld zerstöre.
Neue Form des Greenwashings
Rechenzentren verbrauchten 2024 rund 1,5 Prozent des weltweiten Stroms, bis 2030 erwartet die IEA eine Verdopplung. Die großen Tech-Konzerne verfehlen ihre eigenen Klimaziele und an den Standorten von Meta, OpenAI und xAI entstehen neue Gaskraftwerke. Der Bericht sieht so eine neue Greenwashing-Strategie. Emissionsintensive Industrien versuchen seit jeher ihre angerichteten Schäden kosmetisch „auszugleichen“, beispielsweise mit betrugsanfälligen Klimazertifikaten. Neu sei hingegen, dass unterschiedliche Technologien unter dem Überbegriff „KI“ zusammengefasst werden, um der Verantwortung für den Ausbau energiehungriger generativer KI zu entgehen.
Tatsächlich gibt es laut Bericht keinerlei glaubwürdige Grundlage für die Aussage, die klimafreundlichen Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz würden die schädlichen Folgen der Technologie wieder ausgleichen können. Der Bericht behauptet gleichwohl nicht, dass KI keinerlei Klimanutzen haben könne. Unbelegt sei jedoch das Narrativ, KI könne Schäden im Gigatonnen-Bereich ausgleichen. Statt mit vagen Begriffen und schwachen Belegen die Klimaschäden zu verschleiern, läge die Verantwortung, in echte Nachhaltigkeit zu investieren, weiterhin bei den Big-Tech-Konzernen.
„Wenn es Google, Microsoft und Co. ernst wäre mit ihrer Sorge um die Umwelt, würden sie die Auswirkungen ihrer KI-Technologien offenlegen und auch die tatsächlichen Verbräuche der dafür genutzten Rechenzentren transparent veröffentlichen“, findet Bothe. „Tatsächlich passiert das Gegenteil: Die großen Tech-Unternehmen tun alles dafür, um sich sogar der gesetzlich geregelten Veröffentlichungspflichten zu entledigen – und die Regierungen auf EU- und Bundesebene knicken vor den Forderungen der Tech-Giganten ein.“
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