Entwicklung & Code
Kommentar: Mehr Office-Chaos, bitte | heise online
LibreOffice will in den Browser, auf Smartphones – und langfristig sogar eine dezentrale Kollaboration für Nutzer bieten. Die Ankündigung der Document Foundation markiert einen der größten Strategiewechsel in der Geschichte des Projekts. Muss das sein?
Weiterlesen nach der Anzeige

Moritz Förster schreibt seit 2012 für die iX und heise online. Er betreut neben dem iX-Channel den Bereich Arbeitsplatz.
Schließlich bietet Collabora seit Jahren Browser- und Mobilversionen auf Basis von LibreOffice an. OnlyOffice buhlt um dieselben Nutzer. Und mit Euro-Office entsteht gerade ein weiteres europäisches Office-Paket. Ausgerechnet im Kampf gegen das übermächtige Microsoft 365 und Google Workspace gräbt sich die Open-Source-Welt also gegenseitig die ohnehin knappen Ressourcen ab.
Ein eigentlich vernünftiger Vorwurf. Warum bauen mehrere Projekte ähnliche Funktionen parallel? Warum bündelt niemand Entwicklerzeit, Fördergelder und Community-Arbeit? Wäre ein gemeinsames Projekt nicht schlicht effizienter? Vielleicht. Aber Effizienz ist nicht alles.
Wann ist Zersplitterung das Problem?
Die Open-Source-Office-Landschaft wirkt zunehmend zersplittert. LibreOffice, Collabora, OnlyOffice und nun auch Euro-Office scheinen irgendwie alle das Gleiche machen zu wollen. Nutzer müssen sich zwischen verschiedenen Lösungen entscheiden, Entwickler schreiben ähnliche Funktionen mehrfach, und Organisationen fragen sich, auf welche Plattform sie langfristig setzen sollen.
Aus Sicht eines Projektmanagers sieht das nach Verschwendung aus. Dumm nur, dass niemand wirklich weiß, welcher technische Weg sich am Ende als der richtige erweisen wird.
Die neue LibreOffice-Strategie zeigt das exemplarisch. Die Stiftung setzt auf eine Browser-Version mit WebAssembly, bei der die Rechenarbeit überwiegend lokal im Browser läuft. Gleichzeitig denkt sie über Peer-to-Peer-Kollaboration nach: Dokumente sollen sich auch ohne zentrale Cloud-Server abgleichen lassen. Das wäre eine echte Innovation im Vergleich zu den serverzentrierten Modellen, wie sie Microsoft 365 oder Google Docs prägen.
Weiterlesen nach der Anzeige
Ob dieser Ansatz aufgeht, kann heute niemand seriös vorhersagen. Vielleicht erweist sich die lokale Browser-Ausführung als Trumpf für Behörden, Schulen und Selfhosting. Vielleicht bleiben Nutzer den zentralen Cloud-Diensten treu. Aber genau diese Unsicherheit ist der Preis für Innovation. Wer alle Ressourcen frühzeitig in einem einzigen Projekt bündelt, mag Doppelarbeit vermeiden – verhindert damit aber auch jene technischen Experimente, aus denen echte Alternativen entstehen können.
Forks haben Open Source immer wieder vorangebracht
Ein Blick zurück beweist das: Immerhin entstand LibreOffice selbst 2010 als Abspaltung von OpenOffice. Auch damals warnten viele vor einer Spaltung der Community. Rückblickend war die Entscheidung der Neuanfang eines Projekts, das heute als De-facto-Standard für freie Office-Software gilt.
Ähnliche Geschichten finden sich an vielen Stellen der Open-Source-Welt. Nextcloud spaltete sich von ownCloud ab und wurde zu einem der bekanntesten europäischen Open-Source-Unternehmen. MariaDB entstand aus Sorge um die Zukunft von MySQL nach der Oracle-Übernahme. Jenkins ging aus dem Hudson-Projekt hervor und avancierte zum Standardwerkzeug für Continuous Integration. OpenSearch entstand als Reaktion auf Lizenzänderungen bei Elasticsearch und baute innerhalb weniger Jahre ein eigenes Ökosystem auf.
All diesen Beispielen ist eines gemeinsam: Ihr Erfolg war keineswegs absehbar. Und stets gibt es die gleiche Kritik: unnötige Zersplitterung, doppelte und dreifache Arbeit, verschwendete Ressourcen. Gelohnt hat sich das trotzdem immer wieder.
Daraus folgt nicht, dass jede Abspaltung automatisch erfolgreich ist. Natürlich scheitern Projekte, etliche Ideen verlaufen im Sand. Aber Open Source funktioniert eben nicht wie ein zentral geplanter Konzern. Niemand besitzt die Autorität oder das Wissen, um vorab festzulegen, welche technische Richtung die richtige ist.
LibreOffice tut, was LibreOffice groß gemacht hat
Genau hier knüpft LibreOffice jetzt an. Das Projekt existiert überhaupt nur, weil Entwickler vor 16 Jahren entschieden haben, nicht auf Einheit um jeden Preis zu setzen. LibreOffice verdankt seine Existenz einer Abspaltung, die viele damals für unnötig hielten. Und heute geht die Document Foundation erneut einen eigenen, aber technisch interessanten Weg.
Zumal die eigentlichen Gegner nicht Collabora, OnlyOffice oder Euro-Office heißen, sondern Microsoft 365 und Google Workspace. Gegen deren Marktmacht kann Open Source kaum durch Größe oder Ressourcen anstinken. Wenn freie Software trotzdem eine Chance haben will, muss sie ihre eigentliche Stärke ausspielen: die Freiheit, verschiedene Ideen parallel auszuprobieren.
(fo)
Entwicklung & Code
OpenSpec: Software von KI mit Spezifikationen entwickeln
Das Tool OpenSpec für Spec-driven Development führt in Version 1.6 einen Update-Befehl ein und unterstützt Projekte mit dem Coding-Agenten Oh My Pi und dem KI-Editor TRAE.
Weiterlesen nach der Anzeige
Mit dem neuen Befehl /opsx:update können Entwicklerinnen und Entwickler eine vorhandene, mit OpenSpec erzeugte Spezifikation vor der Implementierung ändern, ohne einen komplett neuen Anlauf nehmen zu müssen.
Kommandos und Skills
Außerdem erzeugt OpenSpec nun Kommandos und Skills für den CLI-Agenten Oh My Pi und für die KI-Entwicklungsumgebung TRAE von ByteDance. Für Prompts hat das OpenSpec-Team zudem die Genehmigungsregeln vereinfacht, die Entwickler jetzt pauschal im Vorfeld erteilen können. Auch die Validierung von Anforderungen an ein neues Projekt arbeitet laut Release Notes nun konsistenter.
Das Kommandozeilen-Tool OpenSpec organisiert KI-Projekte mit Spec-driven Development. Das heißt, Entwickler teilen dem Tool ihre Idee mit (/opsx:explore), wobei sich auch explizit bestehender Code einbinden lässt. Das Tool arbeitet also auch brown field.
KI-Agenten führen
Mit /opsx:propose erzeugt OpenSpec dann die Spezifikation in verschiedenen Ordnern und Markdown-Dateien. Die Spezifikation dient als Grundlage für die eigentliche Entwicklung und führt insbesondere KI-Agenten in die richtige Richtung. Eine Ablagemöglichkeit der Specs in einem Repo ist noch beta und soll als zentrale Single Source of Truth für ein Team dienen.
Weiterlesen nach der Anzeige
Sobald die Specs fertig sind und kein /opsx:update erforderlich war, startet man die Umsetzung mit /opsx:apply. Dabei arbeitet OpenSpec mit über 25 Tools zusammen, wie Antigravity, Claude Code, Codex, Cursor, Gemini CLI, GitHub Copilot, Junie, Kiro, Mistral Vibe, Qwen Code und neu eben Oh My Pi sowie TRAE. Als Modelle für OpenSpec selbst empfiehlt der Herausgeber Codex 5.5 oder Opus 4.7.
OpenSpec läuft auf Node ab Version 20.19 und ist Open Source unter MIT-Lizenz. KI-Contributions sind willkommen, solange sie geprüft und mit Modellbezeichnung im Pull Request erfolgen.
(who)
Entwicklung & Code
Wiederverwendbare Rakete: China fängt erstmals Stufe auf
Erstmals holte das Land die erste Stufe einer Trägerrakete kontrolliert zurück. Die Stufe der neuen Rakete „Langer Marsch 10B“ wurde auf einer Plattform auf See aufgefangen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.
Weiterlesen nach der Anzeige
Es war der erste Flug der neuen Rakete. Xinhua sprach von einem „bedeutenden Durchbruch“. Ein von der Agentur veröffentlichtes Video zeigt, wie die Raketenstufe mit laufendem Triebwerk auf die Plattform zufliegt und nahezu senkrecht in ein hohes, rechteckiges Gerüst sinkt.
Nach Angaben der Zeitung „China Daily“ wartete das Rückholschiff „Linghangzhe“ („Pfadfinder“) auf die Raketenstufe. Das Schiff verfolgte sie und passte seine Position laufend an. Spezielle Metallhaken klappten schließlich aus und griffen in die gespannten Seile der Fangvorrichtung. Die Rakete war vom Weltraumbahnhof Hainan gestartet und brachte einen Satelliten in die vorgesehene Umlaufbahn.
SpaceX ist schon deutlich weiter
China sei laut der staatlichen Zeitung damit nach den USA das zweite Land, das über eine zuverlässige Technik für wiederverwendbare Raketen verfüge. Zugleich sei weltweit erstmals die erste Stufe einer mit einer solchen Seil-Fangvorrichtung geborgen worden.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externes YouTube-Video (Google Ireland Limited) geladen.
Vor allem das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX ist bei wiederverwendbaren Raketen deutlich weiter. China treibt die Entwicklung seit Jahren voran. Neben dem staatlichen Raumfahrtprogramm arbeiten auch mehrere private chinesische Unternehmen an der Technik, die es ermöglichen soll, Satelliten und andere Lasten günstiger ins All zu bringen.
Weiterlesen nach der Anzeige
Lesen Sie auch
(afl)
Entwicklung & Code
TypeScript 7.0: Performance-Sprung durch Go-Unterbau
Microsoft hat die finale Version von TypeScript 7.0 veröffentlicht. Im Gegensatz zu früheren TypeScript-Versionen basiert der Compiler nicht mehr auf JavaScript/Node.js, sondern ist nahezu eins zu eins in Go nachimplementiert und parallelisiert viele Arbeitsabläufe, statt sie wie bisher sequenziell abzuarbeiten. Beides führt laut Microsoft dazu, dass die Toolchain je nach Anwendungsfall zehnmal schneller kompiliert als bei TypeScript 6.0.
Weiterlesen nach der Anzeige
Gegenüber der im April veröffentlichten Beta-Version hat sich nichts Grundlegendes mehr geändert. Das finale Release konzentriert sich auf den produktionsreifen Abschluss, wie Microsoft im Blogpost zu TypeScript 7.0 schreibt: Umstellung auf das reguläre typescript-Paket, verbesserter --watch-Modus, vollständigerer Editor-Support, mehr Stabilität und klarere Migrationspfade für das TypeScript-Ökosystem.
Schneller kompiliert und geladen, weniger Speicherhunger
In seinem Blog nennt Microsoft Performance-Beispiele, die sich jeweils auf einen hardwareseitig nicht näher spezifizierten Computer beziehen.
Den Quellcode von VS-Code baut TypeScript 7.0 auf dem Testsystem um den Faktor 11,9 schneller als unter TypeScript 6.0, was die Kompilierungszeit von mehr als zwei Minuten auf knapp 11 Sekunden drückt. Bei Sentry, Bluesky und Playwright ergeben sich Beschleunigungsfaktoren von jeweils knapp unter 9 Sekunden, tldraw-Beispielprojekte kommen auf 7,7-faches Tempo.

VSCode-Beispielprojekte baut TypeScript 7.0 11,9-mal schneller als TypeScript 6.0.
(Bild: Microsoft)
Das Öffnen einer fehlerbehafteten Datei in VS Code auf dem gleichen Testsystem läuft ebenfalls schneller ab. Vergehen bei TypeScript 6.0 noch 17,5 Sekunden vom Öffnen einer fehlerhaften Datei bis zur Anzeige der Fehlermeldung, dauert das Gleiche bei TypeScript 7.0 unter 1,3 Sekunden. Neben dem Geschwindigkeitszuwachs ergibt sich laut Microsoft projektübergreifend auch ein geringerer Speicherbedarf. Während er bei Sentry um sechs Prozent sinkt, reduziert er sich bei VS Code um 18 Prozent und bei Bluesky um etwas mehr als ein Viertel.
Weiterlesen nach der Anzeige
TypeScript 6.0/7.0: Parallelbetrieb möglich
TypeScript 7.0 lässt sich via npm mit npm install -D typescript parallel zu TypeScript 6.0 installieren und ist mit dessen Type-Checking- und Kommandozeilenverhalten kompatibel. Der bekannte Befehl tsc startet dann den neuen TypeScript-7.0-Compiler. Zusätzlich gibt es das Kompatibilitätspaket @typescript/typescript6, das zusätzlich tsc6 sowie die bisherige TypeScript-6.0-API bereitstellt, damit bestehende Tools vorerst unverändert weiterlaufen können. Eine neue API soll erst mit TypeScript 7.1 kommen.
Lesen Sie auch
(mro)
-
Künstliche Intelligenzvor 3 Monaten
xTool P3 im Test: CO₂-Laser mit 80 Watt schneidet und graviert auch Acryl
-
UX/UI & Webdesignvor 1 WocheRegional & mit Gefühl: Identity für Klimafonds Baden-Württemberg › PAGE online
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonatenWeitere Entlassungswelle bei Disney: Bis zu 1000 Mitarbeiter betroffen
-
Apps & Mobile Entwicklungvor 3 MonatenMega-GPUs für Nvidia, AMD & Co: TSMC zeigt CoWoS-Package mit >11.600 mm² & 24 × HBM5E
-
Social Mediavor 2 MonatenMetas neuer Creative Setup Workflow: Was sich wirklich ändert – und warum das nicht nur eine UI-Frage ist!
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonatenApple‑Geräte mit Microsoft Intune verwalten – zweiteiliges Live-Webinar
-
UX/UI & Webdesignvor 2 MonatenHornbach – und die anderen Gewinner der ADC Annual Awards New York! › PAGE online
-
Apps & Mobile Entwicklungvor 3 MonatenMutter Palit dementiert: Gerüchteküche beerdigt fälschlicherweise Galax/KFA²
