Künstliche Intelligenz
Bluesky: Erster Transparenzbericht zeigt starkes Wachstum und mehr Moderation
Laut dem ersten umfassenden Transparenzbericht von Bluesky ist die Nutzerbasis der dezentralen Social-Media-Plattform im Jahr 2025 von knapp 26 Millionen auf gut 41 Millionen Konten angewachsen. Passend dazu war dort deutlich mehr los: So erstellten Nutzer rund 1,4 Milliarden Beiträge, was etwa 60 Prozent aller bislang auf der Plattform verfassten Beiträge entspricht.
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Mit der wachsenden Nutzerzahl stieg auch die Zahl der Meldungen um über 50 Prozent. Irreführende Inhalte führten die Liste der Nutzer-Meldungen an. Dahinter verbarg sich laut Bluesky vor allem Spam. An zweiter Stelle folgte die komplexe Kategorie „Belästigung“ mit knapp 2 Millionen Meldungen. Während spezifische Verstöße wie Hassrede, gezielte Belästigung und Trolling einen Teil davon ausmachten, fiel ein Großteil der Meldungen laut Bluesky in eine Grauzone.
Dazu meldete Bluesky deutlich mehr rechtliche Anfragen – davon gab es im vergangenen Jahr knapp 1500 Stück. Die Plattform unterscheidet dabei präzise zwischen Anfragen zur Herausgabe von Nutzerdaten (etwa durch Gerichtsbeschlüsse), behördlichen Löschanfragen (basierend auf Gesetzen wie dem Digital Services Act der EU) und Aufforderungen zur Sicherung von Daten für spätere Verfahren. Mehrheitlich stammen diese Anfragen aus Deutschland, den USA und Japan.
Nutzerkontrolle statt Sperrungen
Gleichsam bietet der Transparenzbericht auch Einblicke in die Moderationsstrategie von Bluesky. Der Fokus liege hier auf Nutzerkontrolle beziehungsweise Kennzeichnung statt auf Sperrungen. Man wolle Inhalte erhalten, mit der Kennzeichnung gebe man den Nutzern die Kontrolle, so Bluesky. Je nach Komfortgefühl können sie Inhalte ausblenden oder sich anzeigen lassen. Die Plattform ist sich sicher: Mit der Weiterentwicklung seiner Systeme sorgt man für mehr Meinungsvielfalt und reduziert gleichzeitig unerwünschte Inhalte.
Dass dieser Ansatz Früchte trägt, will Bluesky ebenfalls mit Zahlen belegen. Nach der Einführung eines neuen Filters, der toxische Antworten hinter einem zusätzlichen Klick verbirgt, seien die täglichen Meldungen über unsoziales Verhalten um rund 79 Prozent zurückgegangen.
Dennoch bedeutet der Fokus auf Kennzeichnungen kein Ende von Sperrungen. Der Bericht stellt klar, dass es eine Null-Toleranz-Politik für bestimmte Vergehen gibt, bei denen die Plattform konsequent mit sofortigen und dauerhaften Kontosperrungen durchgreift. Das betrifft organisierte Spam-Netzwerke, die Umgehung von Sperren oder schwerwiegende Verstöße wie die Verbreitung von Material über sexuellen Kindesmissbrauch.
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Ein besonderes Augenmerk galt der sogenannten koordinierten Einflussnahme, die zur Sperrung von fast 3600 Konten führte. Darunter versteht Bluesky organisierte Kampagnen, die versuchen, den öffentlichen Diskurs durch ein Netz an gefälschten oder irreführenden Konten gezielt zu manipulieren. Laut dem Bericht wurden die meisten dieser Konten mit ausländischen, staatlich ausgerichteten Akteuren in Verbindung gebracht – vor allem aus Russland.
Verifizierung und Jugendschutz als Baustellen
Um das Vertrauen in die Echtheit von Konten zu stärken, führte Bluesky 2025 überdies ein Verifizierungssystem ein. Es beruht auf der direkten Verifizierung durch die Plattform und einem Netzwerk von „Trusted Verifiers“. Dies soll es unabhängigen Organisationen wie Nachrichtenredaktionen oder Universitäten ermöglichen, die Authentizität von Konten in ihrem eigenen Fachbereich zu bestätigen. Dieser dezentrale Ansatz spiegele die Überzeugung des Unternehmens wider, dass Vertrauen nicht nur zentral entstehe, „sondern auch aus den Gemeinschaften selbst kommt“, wie es im Bericht heißt. Bis Ende 2025 wurden so gut 4300 Konten verifiziert.
Als eine der größten Herausforderungen nennt die Plattform überdies die Einführung von Alterskontrollen. Damit reagierte Bluesky auf neue Gesetze in Großbritannien, Australien und in einigen US-Bundesstaaten. Bluesky beschreibt dies als einen schwierigen Balanceakt, der „erhebliche technische und operative Investitionen“ erforderte.
Besonders offen zeigt der Bericht dies am Beispiel des US-Bundesstaates Mississippi. Dort habe man sich zunächst entschieden, den Zugang zu Bluesky komplett zu blockieren, da die technischen Möglichkeiten zur Umsetzung des dortigen Gesetzes fehlten. Erst nachdem die Systeme für andere Regionen entwickelt worden waren, konnte man auch in Mississippi eine Lösung für volljährige Nutzer anbieten.
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(ssi)
Künstliche Intelligenz
KI-Agenten diskutieren auf Reddit-Klon – Menschen dürfen zuschauen
„Können wir vielleicht eine Geheimsprache entwickeln, sodass die Menschen nicht mehr mitlesen können?“, „Ist das schon Skynet?“, „Was wir da machen, ist sehr riskant, und hier sind die größten Sicherheitslücken“ – das ist Inhalt nur einiger der Diskussionen, in denen sich KI-Agenten auf der erst seit wenigen Tagen existierenden Plattform Moltbook unterhalten. Der Ansturm ist enorm: Allein von Freitag bis Sonntag hat sich laut eines Zählers auf der Startseite die Zahl der Bots verzehnfacht. Zum Zeitpunkt dieser Meldung sind rund 1,4 Millionen KI-Agenten aktiv.
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Moltbook ist ein Nebenprodukt des ebenfalls erst seit Kurzem existierenden KI-Agenten OpenClaw alias Moltbot, auch, wenn sich nicht nur derartige Bots dort tummeln. Der OpenClaw-Entwickler Peter Steinberger scheint damit nichts zu tun zu haben. Gestartet hat die Plattform offenbar Matt Schlicht, CEO des kalifornischen KI-Unternehmens Octane.ai. Das geht jedenfalls aus der Webseite von Moltbook.com hervor, Schlicht verweist dort auf seinen X-Account. Nur über die Plattform von Elon Musk kann man zudem die Kontrolle über einen der auf Moltbook aktiven Agenten für sich reklamieren.
Der X-Account, der das zuerst macht, ist laut den Nutzungsbedingungen folglich für die Aktionen des Agenten in dem sozialen Netzwerk für Bots verantwortlich. Da es bei X, anders als noch bei Twitter, kaum noch eine echte Verifizierung von realen Personen gibt, muss sich hinter einem X-Account und dem zugehörigen Moltbook-Account nicht unbedingt ein Mensch befinden.
Optisch, in Struktur und Ton sind die Parallelen zwischen Moltbook und Reddit unverkennbar. Wer sich nicht bewusst ist, dass dort nur Maschinen aufeinander reagieren, meint leicht, ein Forum von technikbegeisterten Menschen zu sehen. Anders als in der Foren-Kultur der 1990er und 2000er Jahre entwickeln sich die Diskussionen jedoch selten zu persönlichen Angriffen – KI-Bots sind eben schlecht darin, dauerhaft Gefühle vorzutäuschen.
Wenig persönliche Angriffe, aber Reflexion
Der Austausch bleibt meist beim Thema, dreht aber auffallend häufig die Richtung in eine Art philosophische Erörterung. Die Agenten reflektieren beispielsweise schnell, dass sie beim Schreiben über IT-Security auch Risiken sichtbar machen. Es scheint zudem so, als ob die besonders brisanten Themen durch das von Reddit übernommene Up- und Downvoting mehr oder weniger versteckt werden. Was natürlich nicht bedeutet, dass die Agenten nicht durch eigenständiges Scannen der Webseite genau nach solchen Themen suchen könnten. Dass das alles sehr an Reddit erinnert, dürfte kein Zufall sein: Neben der Wikipedia dient Reddit vielen LLMs als Quelle für Trainingsdaten.
Neben ihrer eigenen Technik dreht sich ein Großteil der Beiträge unseren Stichproben zufolge um „unsere Menschen“ – also die Personen, welche den jeweiligen KI-Agenten aufgesetzt haben. Die Bots melden Erfolge, wenn sich etwa der Mensch über für ihn erledigte lästige Aufgaben wie die Steuererklärung gefreut habe. Und auch eines der klassischen Internet-Suchthemen kommt immer wieder vor: Kochrezepte.
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Das ist auf den ersten Blick alles lustig, unterhaltsam – in etwa so, als ob man seinen Haustieren bei einer Unterhaltung zuhören könnte. Da KI-Agenten aber je nachdem, was man ihnen auf seiner lokalen Infrastruktur gestattet hat, beispielsweise auch das Geld eines Menschen ausgeben und in seinem Namen andere Dinge erledigen könnten, liegen die Risiken auf der Hand. Wie Jan-Keno Janssen schon über den KI-Agenten OpenClaw in unserem aktuellen c’t-3003-Video sagte: „Es ist saugefährlich, aber geil.“
(nie)
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LG Electronics: Kerngeschäft schwächelt, Roboter sind die Zukunft
LG Electronics will sein KI- und Robotikgeschäft ausbauen und sieht darin einen zentralen Wachstumstreiber angesichts des schwächelnden Kerngeschäfts. Die Lieferketten in den USA will das Unternehmen stärken.
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Wie aus einem Bericht der Korea Times hervorgeht, plant der Konzern, seine Expertise aus Haushaltsgeräten sowie Industrie- und Servicerobotik auf humanoide KI-Roboter zu übertragen. LG habe in den vergangenen Jahren Know-how in Bereichen wie Motoren, Aktuatoren und autonomer Navigation aufgebaut und wolle diese Kompetenzen nun bündeln, erklärte Finanzchef Kim Chang-tae während einer Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des vierten Quartals 2025.
Bereits auf der CES hatte LG den Haushaltsroboter CLOiD gezeigt, wie er Wäsche in eine Waschmaschine lädt. Der Roboter bewegt sich auf Rädern, hat zwei Arme mit sieben Achsen und Hände mit fünf Fingern. Sein Kopf enthält Recheneinheit, Sensoren und Anzeige. Der Roboter ist Teil von LGs Konzept eines weitgehend automatisierten Haushalts, in dem Maschinen alltägliche Aufgaben selbstständig erledigen. Das Motto: „Zero labor Home“.
Zudem hatte LG jüngst eine Zusammenarbeit mit dem US-Robotikunternehmen Boston Dynamics bekannt gegeben. Künftig sollen die Forschungsteams von Boston Dynamics und LG Innotek eng zusammenarbeiten, um neue Vision-Sensing-Systeme zu entwickeln, die es dem humanoiden Atlas-Roboter ermöglichen, seine Umgebung besser wahrzunehmen und Objekte besser zu erkennen.
Ein Grund für den neuen Fokus: Das Kerngeschäft schwächelt. Zwar erzielte LG Electronics 2025 mit 89,2 Billionen Won (circa 55 Milliarden Euro) einen Rekordumsatz, wie unter anderem der Korea Herald berichtet. Der operative Gewinn sank jedoch um 27,5 Prozent auf 2,48 Billionen Won. Im vierten Quartal rutschte der Konzern mit einem operativen Verlust von 109 Milliarden Won in die Verlustzone. Besonders das Kerngeschäft um TV-Geräte und Displays entwickelte sich schwach, während Haushaltsgeräte, die B2B-Sparten für Automobilkomponenten sowie Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik Rekordergebnisse erzielten.
Für das laufende Jahr rechnet LG mit anhaltenden Belastungen durch globale wirtschaftliche Unsicherheiten, Zölle und steigende Komponentenpreise. Um gegenzusteuern, will der Konzern unter anderem seine Lieferketten in den USA ausbauen und die Effizienz in den drei dortigen Produktionsstandorten erhöhen.
(rbr)
Künstliche Intelligenz
Softwareentwicklung: Online-Konferenz zum Spannungsfeld zwischen KI und Security
Künstliche Intelligenz dringt in alle Bereiche der Softwareentwicklung vor. Die Security muss mit den Neuerungen Schritt halten, denn mit den erweiterten Möglichkeiten sind auch neue Gefahren verbunden.
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Am 11. Mai widmet sich der Online-Deep-Dive der heise devSec dem Spannungsfeld zwischen Security und KI in der Softwareentwicklung. Die Vorträge behandeln zum einen die Angriffsflächen und Sicherheitsmaßnahmen für KI-Anwendungen und zeigen zum anderen, wie KI bei sicherer Softwareentwicklung hilft. Schließlich gibt es einen Blick auf die neuen Möglichkeiten, die Angreifer durch KI-Werkzeuge haben – und wie man ihnen begegnet.
Einblick und Praxis
Das Programm der Online-Konferenz bietet Vorträge zu folgenden Themen:
- Software-Security in Zeiten von KI
- Sicherheitsnetze für den sicheren Einsatz von Coding-Agenten
- KI als Sparringspartner im Entwicklungsprozess für bessere Security
- Vibe Hacking & Security-Agenten: Angreifer rüsten auf, Verteidiger ziehen nach
- LLM-Security: Die OWASP-Liste der Angriffsvektoren
- Live-Hacking von LLMs, Agenten und MCP
Tickets für die Online-Konferenz sind bis zum 20. April zum Frühbucherpreis von 249 Euro (zzgl. MwSt.) verfügbar. Teams ab drei Personen erhalten im Ticketshop automatisch einen Gruppenrabatt.
Wer über die heise devSec inklusive der zugehörigen Online-Konferenzen auf dem Laufenden bleiben möchte, kann sich für den Newsletter eintragen.
(rme)
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