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Das Coachella für Designer und die Ehrfurcht vor dem Zelt › PAGE online


Seit 25 Jahren zieht die OFFF Kreative aus der ganzen Welt an. Felix Damerius ist nicht nur ECD der Peter Schmidt Group und kuratiert Typo-Trends für PAGE, sondern steht in diesem Jahr in Barcelona auf der Festivalbühne. Vorher ist für ihn aber noch Zeit, um erste Eindrücke zu sammeln.

Das Coachella für Designer und die Ehrfurcht vor dem Zelt › PAGE online
Seit vielen Jahren kommt Felix Damerius zur OFFF nach Barcelona – diesmal ist er als Speaker dabei. Bild: PSG

Es ist die Veranstaltung, zu der jeder Designer einmal im Leben hinwill: die OFFF in Barcelona. 2001 begann sie als »Online Flash Film Festival« – daher der Name. Und auch wenn Flash als Technologie längst gestorben ist, bleibt die OFFF ein Magnet für Designer. Ein Ort des Austauschs und der Inspiration mit Vorträgen und Workshops, die die gesamte Bandbreite der Gestaltungsdisziplinen abbilden: Grafik, Branding, Motion, Sound, Kunst, Architektur und mehr. Das Programm ist sorgfältig kuratiert; Slots werden nicht verkauft, sondern Speaker gezielt ausgewählt. Daher fühlt es sich fast schon wie ein Ritterschlag an, hier in diesem Jahr selbst auf der Bühne zu stehen.

Am Samstag ist es soweit. Bin ich aufgeregt? Klar – denn wann spricht man schon mal vor tausend Leuten! Aber fast noch mehr Respekt habe ich vor dem Ort: Die »Beat Stage« ist ein Zelt auf dem Dach und als ich im vergangenen Jahr als Besucher zu Gast war, hatte ich Mitleid mit allen Speakern, die dort in der glühenden Hitze Kataloniens auch noch das Scheinwerferlicht abbekamen. Schon im Publikum fand ich es unfassbar heiß.

Inspirierendes Kontrastprogramm

Aber darum soll es hier nicht gehen, denn bis Samstag habe ich zum Glück noch Zeit, im Besuchermodus über die OFFF zu streifen. Einige Highlights, die ich mir fest vorgenommen habe: Foreal, teamLab, Base Design und Stockholm Design Lab. Natürlich auch JKR oder Wieden & Kennedy, aber beide habe ich schon einmal gesehen. Ansonsten gilt das, was die meisten hier machen: Das Programm auf den Bühnen überlappt sich zeitlich etwas und so spült es einen mal hier hin, mal dort hinein. Und manchmal bleibt man einfach sitzen, weil man einen guten Platz ergattert hat oder die Beine schwer sind. Oft kommt es so zu einem ungeplanten Kontrastprogramm: Am Donnerstag startete ich mit der Keynote von Uncommon ins Festival. Nils Leonard zeigte, wie man aus den Essenresten einer Party eine Bakterienkultur züchten kann, die dann wiederum zum ästhetischen Kampagnenlook der diesjährigen OFFF wurde.

Ein Referent steht auf einer Bühne hinter einem Pult und präsentiert vor einer großen LED-Wand. Die Bildschirme zeigen farbenfrohe, grafische Arbeiten und Typografie, darunter Schlüssel-Illustrationen und Layouts. Im Vordergrund sitzt Publikum, während die moderne Halle mit langen Lichtleisten an der Decke eine klare, technische Atmosphäre schafft.
Nils Leonard von Uncommon präsentiert die Geschichte hinter dem OFFF Branding 2026. Bild: PSG

Sein Vortrag war zugleich aber auch eine Therapiestunde für alle Designer im Raum: Geballte Haltung, in bolden Statements auf Charts platziert. Ein Appell an Mut und Abgerotzheit – das gefiel dem Publikum und so passierte dasselbe, wie in den Jahren zuvor: Die Smartphones gehen nach oben und jedes Statement wird abfotografiert. Manchmal sind also auch wir Designer anfällig für Text.

Ein Referent steht auf einer Bühne hinter einem pinken Rednerpult und präsentiert vor mehreren großen Bildschirmen. Auf den Displays ist eine Stofftasche mit der Aufschrift „Stop wanging on about A.I. and make some good work.“ zu sehen. Die moderne Veranstaltungshalle ist mit langen Lichtleisten an der Decke ausgestattet, im Vordergrund sitzt das Publikum und verfolgt den Vortrag.Bild: PSG

Und danach? Kamen Alex Lampe and Benji Wiedemann auf die Bühne. Ihr Vortrag war fast schon akademisch, eine Folienparade aus Stadtplänen und der Auseinandersetzung mit den Charakteristika von Metropolen. Auch spannend – aber eben total anders. Ist KI in diesem Jahr ein Thema? Selbstverständlich. Aber eher nebenbei. Und eigentlich sind sich bislang alle einig: Wir unterhalten uns über ihre Leistungsstärke als Tool – aber auch darüber, dass sie ohne menschliche Ideen keinen Mehrwert bringt.

Zwei Referenten stehen auf einer Bühne und präsentieren vor einer großen, mehrteiligen LED-Wand mit zahlreichen Bildern, Grafiken und Designbeispielen. Die Screens zeigen Collagen aus Architektur, Typografie und visuellen Elementen in kräftigen Farben. Im Vordergrund sitzt das Publikum und verfolgt den Vortrag, während die moderne Halle mit langen Lichtleisten an der Decke beleuchtet ist.
Benji Wiedemann und Alex Lampe auf der Roots Stage. Bild: PSG

Ein herrlich inklusiver Ort

Zwischendrin geht es nach draußen an Stände voller Kunst und Merch. Und auch der Ort selbst, der Disseny Hub, wird zur Kunst: Ab 21 Uhr wandelt sich die Außenfassade in eine Projektionsfläche, das »The Screen« Mapping, und featuret, immer wechselnd, kuratierte und eingesendete Arbeiten von Motion Designern aus aller Welt. Etablierte Artists aber auch unbekannte Designer bekommen die Chance, ihre Projekte auf der großen Betonleinwand zu zeigen. Die OFFF wird überall auf dem Gelände zum Treffpunkt, an dem man sich zu dem Erlebten austauschen und den Tag Revue passieren zu lassen. Die zwei Bildschirme auf dem Wasser zeigen, was innen passiert. So können Vorträge auch komplett kostenlos, ohne Ticket verfolgt werden. Inklusiver geht es nicht – und löst auch in diesem Jahr ein bekanntes Gefühl aus: Es fühlt sich verdammt richtig an, wieder nach Barcelona gekommen zu sein.

Belebter Außenbereich eines Design-Events mit vielen Menschen auf Treppenstufen und entlang eines Wasserbeckens. Besucher:innen sitzen, stehen oder gehen über mehrere Ebenen eines modernen Gebäudekomplexes. Im Vordergrund gibt es eine kleine Café- und Marktfläche mit Tischen, Stühlen und Ständen, darunter ein Bereich mit der Beschriftung „La Plaza Design Market“. Bäume spenden Schatten, die Szene wirkt sonnig, offen und lebendig.
Die Leinwände draußen bieten auch Besuchern ohne Ticket die Möglichkeit, die Vorträge zu verfolgen. Bild: PSG

 

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Selbstbewusster bluten jetzt auch mit o.b. › PAGE online


»Für alle Tage«: Die erste Kampagne der Ogilvy Group Germany für o.b. ist erschienen. Sie hat Energie und holt die weltweit äußerst erfolgreiche Tamponmarke ins Jetzt – und auf einen Boden, den andere zuvor bereitet haben.

Selbstbewusster bluten jetzt auch mit o.b. › PAGE onlineBild: Tian.sthr

Schicke Menstruationsunterwäsche von Ora, in der sich leicht bekleidete, illustrierte Damen rekeln, coole Menstruationscups, juicy »Lippenbekenntnisse« von BBDO und sogar Pantone hat bereits vor Jahren ein Menstruationsrot herausgebracht, um zu unterstützen, dass ohne Scham über Menstruation gesprochen wird.

Jetzt zieht o.b., eine der größten Marken in Sachen Menstruation weltweit, nach. Unglaubliche zwei Milliarden Tampons werden jährlich in Wuppertal-Heckinghausen hergestellt und in mehr als 40 Länder exportiert.

1950 gegründet, hat sich o.b. (dessen Abkürzung für »ohne Binde« steht) in der Kommunikation bisher ganz auf seine Rolle als Klassiker verlassen. Die Marke hat sich in verschiedenen Blautönen präsentiert, mit einem leicht frischen, aber vor allem klinischen Touch. Abgesehen von Limited Editions sind die Tampons bis heute dezent verpackt.

Doch das Verhältnis zum weiblichen Körper hat sich verändert. Junge Marken sind auf den Markt gestürmt, die sich vehement gegen die Scham stemmen, mit der die Menstruation so lange belegt war, die sich augenzwinkernd, frech oder auch mal freizügig geben.

Und o.b. zieht jetzt nach.

ob, ob, ob …

Nachdem WPP, die Agenturgruppe zu der die Ogilvy Group gehört, den globalen Etat von Kenvue, dem weltweit umsatzstärksten Anbieter im Bereich Consumer Health, gewonnen hat, zu dem o.b. gehört, ist jetzt die erste große Kampagne erschienen.

Und das für Deutschland, Tschechien, Polen, Ungarn und die Slowakei – und mit der neuen Markenplattform »o.b. für
alle Tage«.

Das Team, das sie entwickelt hat, bestand aus Kreativen von Ogilvy, thjnk und loved und wendet sich besonders auch an junge Frauen und die folgenden Generationen.

Das o.b. dabei in ein »ob« zu verwandeln, was sich mannigfach wiederholt, ist eine clevere Idee.

»ob Durchhängen, ob Durchziehen, ob Hitzewellen, ob Druckwellen, ob, ob, ob … o.b.» heißt es in der Kampagne, die verschiedene Gemütszustände, die man während der Menstruation haben kann, anspricht.

Schön platziert in einem der Spots ist das T-Shirt einer jungen Frau mit dem wohlbekannten, feministischen Spruch »Anything you can do, I do bleeding«.

Das Türkisblau, für das o.b. so bekannt ist, wird jetzt mit einem kräftigen Rot kombiniert und rückt so ein wenig von dem klinisch-sauberen Image der Marke ab – und in eine Zeit hinein, in der die Menstruation längst kein Tabu mehr ist.

Ganz im Gegenteil wird Menstruation als Teil der Selbstermächtigung gefeiert.

Und da ist o.b. jetzt auch dabei. Das ist nicht revolutionär, aber es war Zeit.



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Berlin Design Week 2026: Design braucht eine laute Stimme, lauter als bisher › PAGE online


Der Auftakt brachte abwechslungsreiche Themen und gegensätzliche Meinungen an einen Tisch. Mit der Hauptstadt im Fokus ging es um konkrete Wünsche an die Designszene – auch über die Stadtgrenzen hinaus. Die zahlreichen Wortmeldungen aus dem Publikum machten das Panel wunderbar lebendig!

Berlin Design Week 2026: Design braucht eine laute Stimme, lauter als bisher › PAGE online
v. l. n. r.: Ake Rudolph (IDZ), Regina Hanke (BEDA), Julia Krüger (Senior Innovation Manager Kreativ- und Medienwirtschaft, Berlin Partner), Dara Sepehri (Deutscher Designtag), Alexandra Klatt (state of DESIGN GmbH, Berlin Design Week) // Foto: PAGE-Redaktion

 

20 Jahre Berlin UNESCO City of Design, 10 Jahre Berlin Design Week. Wenn das kein Grund zum Feiern, Netzwerken und Debattieren ist! Am Donnerstag startete die Berlin Design Week in Kreuzberg in der »Macherei« unter dem Motto »Design Real«. In Zeiten, in denen sich wahnsinnig viel verändert und alles ständig in Bewegung ist, scheint dieses Motto mehr als passend – wenn nicht gar absolut notwendig. Denn wir müssen reden: über alles, was sich bewegt, was Design heute eigentlich ist und wo Gestaltung verortet sein kann.

Beim Auftakt der Berlin Design Week hatte sich am vergangenen Donnerstag im Anschluss an die Short Bits zum »Design Day Panel« eine Runde unterschiedlicher Stakeholder auf der Bühne zusammengefunden.

Unter der Moderation der Gründerin und Leiterin Alexandra Klatt (state of DESIGN GmbH, Berlin Design Week) diskutierten Julia Krüger (Senior Innovation Manager Kreativ- und Medienwirtschaft, Berlin Partner), Dara Sepehri (Deutscher Designtag), Regina Hanke (BEDA) und Ake Rudolph (IDZ).

Design-Lobby, Design-Disziplinen, Design-Strategien

Und es wurde rege debattiert! Über Politik, Forschung und Design und natürlich über die Schnittstellen dazwischen. Während des Panels ging es stets hin und her, zwischen Themen, zwischen den Sprecher:innen und auch – besonders erfreulich! – zwischen Publikumsmeldungen. Es bestand ein sehr großes Interesse daran, Meinungen auszutauschen und über verschiedene Fragen zu diskutieren: Was kann die so unterschiedlichen Design-Disziplinen, mit denen wir es zu tun haben, trennen, aber was eint sie gleichermaßen? Ist Design eher ein offenes Feld oder bleiben es »abgegrenzte« Disziplinen? Wer ist eigentlich die »Design-Lobby«, wenn die Designwirtschaft in Deutschland so fragmentiert ist? Die eine Person kann es ja gar nicht geben. Manche mochten übrigens den Begriff Lobby weniger gern.

Und weiter: Was kann Design für Strategien entwickeln, um Brücken in den Markt zu bauen? Welche Vision von Design gibt es für die Zukunft? Es wurde dazu beispielsweise kommentiert, dass es die eine Vision nicht geben könne, weil Designer:in X aus einem Großkonzern völlig andere Bedürfnisse hat als Designer:in Y aus dem Freelance-Bereich.

Es gab noch viele weitere Fragen, die in diesem Rahmen nur angeschnitten werden konnten. Eines wurde jedoch klar: Der Bedarf an Austausch ist groß, da viel Umbruch und Unsicherheit herrschen.

Ist Berlin cool als Designstandort?!

Die Stimmen aus dem Publikum zeigten: Für die einen ist Berlin gar kein cooler Designstandort, für die anderen eben doch. Viele Kreative empfinden die fragmentierte Landschaft als anstrengend und unübersichtlich. Gleichzeitig bewegt sich enorm viel: Vor allem die New-Media-Szene sei in Berlin stark aufgestellt, und auch die Pictoplasma wurde als wegweisende, wichtige Veranstaltung hervorgehoben.

Die Hauptstadt musste allerdings auch Kritik einstecken und wurde als hässlich bezeichnet, was gewissermaßen stimmt, aber eben stark davon abhängt, wo genau man sich gerade befindet. Sicher ist, dass Berlin als Designstandort eigensinnig ist und – wie es eine Stimme aus dem Publikum charmant ausdrückte – ein gutes Herz hat. Manche lieben sie, manche weniger. Aber genau das macht die Stadt zu einem pulsierenden Ort, der immer wieder Zündstoff für Diskussionen parat hält.

Wünsche an die Designszene

Letztlich konnten viele gestellte Fragen natürlich nur in Teilen oder nicht richtig final beantwortet werden, was in einem circa einstündigen Panel auch nicht das primäre Ziel ist. Wichtig ist schließlich, die Fragen überhaupt zu stellen. Passend dazu forderte Moderatorin Alexandra Klatt die Runde zum Abschluss auf, ihre konkreten Forderungen an die Kreativbranche zu formulieren. Heraus kamen einige konkrete Wünsche! Darunter:

Alle Designschaffenden sollten ein Teil von Designverbänden, Netzwerken oder Kreativ-Communitys sein und so einen kleinen Beitrag zur Kreativwirtschaft und die gesamte Netzwerkkultur leisten. Gewünscht wird außerdem eine Strategie, um Design und die Szene zu transformieren und weiter voranzutreiben. Denn Design kann und sollte Brücken in die Märkte bauen. Und wir müssen uns weiter die Frage stellen, wo Design in der Zukunft Mehrwert schaffen kann. Es braucht lokal bezogen obendrein eine Art »Berlin-Strategie«.

Das Wichtigste überhaupt: Design braucht zukünftig eine sehr laute Stimme. Lauter als bisher.



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Signal des Aufbruchs? FDP kehrt zur bewährten visuellen Identität zurück – Design Tagebuch


Die FDP hat sich auf ihrem Bundesparteitag in Berlin personell und visuell neu aufgestellt. Vor dem Hintergrund des eingeleiteten Reformprozesses präsentiert sich die FDP mit veränderter visueller Identität. Bereits zu früheren Zeiten verwendete, nun wieder reaktivierte Gestaltungsmittel wie die Farbgebung Blau-Gelb sollen Aufbruchstimmung verbreiten.

Der 77. Ordentliche Bundesparteitag der FDP war geprägt von personellen Weichenstellungen und strukturellen Veränderungen. Mit 59,3 Prozent der Delegiertenstimmen ist der 74-jährige Wolfgang Kubicki zum neuen Vorsitzenden der FDP gewählt worden. Nachdem die Partei bei vergangenen Wahlen herbe Niederlagen verkraften musste, steht sie vor einem Neuanfang. Auch im Visuellen vollzieht die FDP einen Wandel. Die Parteiführung beschreibt den Prozess als Erneuerung „aus der Partei heraus“. FDP-Vize Svenja Hahn spricht von einer „Antwort auf den Wunsch der Basis nach einer modernen, schlagkräftigen und einladenden FDP“.

Das neue visuelle Erscheinungsbild knüpft stark an die Tradition des früheren Corporate Designs der Partei an und vermittelt damit, in einer Phase des politischen Neustarts, eine gewisse Kontinuität. „Neustart Deutschland“ lautet auch der Titel des Leitantrags, mit dem die Partei ihren Anspruch als „Reformmotor in Deutschland“ formuliert.

Neustart mit bewährten Mitteln

Bei ihrem visuellen Wandel setzt die Partei klar auf Rückbesinnung. Im Zentrum steht ein neues Parteilogo. Zuletzt hatte die FDP ihr Corporate Design 2015 umfassend überarbeitet und bei diesem Schritt auch ihr Parteilogo geändert (dt berichtete). Auf eine Slab-Serifenschrift (PMN Caecilia) folgt nun eine kräftige Groteskschrift.

Viele Unternehmen und Marken sind in den letzten Jahren zu ihren früheren Logos/Signets zurückgekehrt und versuchen auf diese Weise die Marke zu emotionalisieren. Volkswagen, Pepsi, Burger King, Bahlsen, Reebok, Pizza Hut und viele andere Marken dokumentieren eine regelrechte Rückbesinnungswelle, von der zuletzt auch der VfL Wolfsburg erfasst wurde. In Zeiten, in denen immer mehr Menschen ihren Alltag als unübersichtlich, unwägbar und unsicher empfinden, sehnen sich viele nach Verlässlichkeit und Stabilität. Marken fungieren als eine Art Vertrauensanker. Auch die FDP folgt dem Prinzip „Back to the Roots“.

FDP Logo – vorher und nachher, Bildquelle: FDP, Bildmontage: dt
FDP Logo – vorher und nachher, Bildquelle: FDP, Bildmontage: dt

In dem von der FDP bis 2015 genutzten Parteilogo (Abb. ganz links) sind die Lettern in der von Kurt Weidemann gezeichneten Corporate S gesetzt. Das in den Jahren 2015 bis 2026 verwendete Logo mit ausgeschriebener Wortmarke „Freie Demokraten“ basiert auf der Slabserife PMN Caecilia. Jetzt wechselt die Partei wieder auf eine Groteskschrift.

Das FDP-Kürzel ist fortan in den fetten, serifenlosen Lettern eines Helvetica-Derivats gesetzt. Im Webauftritt unter fdp.de ist das Logo blau auf weißem Grund dargestellt, während als Profibild ein gelbes FDP-Kürzel auf blauem Grund verwendet wird. Enge Zeichenzwischenräume verstärken die Robustheit. Die Schlichtheit der Zeichen signalisiert einen funktionalen Pragmatismus.

Als ergänzende Hausschrift setzt die FDP künftig auf die Public Sans (entworfen von USWDS, Dan Williams, Pablo Impallari, Rodrigo Fuenzalida). In den von der Partei am Wochenende veröffentlichten Social Posts sind Texte und Überschriften in dieser modernen Groteskschrift gesetzt.

Auch beim Farbspektrum setzt die Partei bewusst auf frühere und vertraute Codes. Blau und Gelb fungieren wieder als Primärfarben, wie schon zur Ära von Guido Westerwelle (2001–2011) oder von Hans-Dietrich Genscher (1974–1985). Magenta und Cyan, unter dem Vorsitz von Christian Lindner eingeführt, haben ausgedient.

Im Zuge der Einführung des Erscheinungsbildes der Lindner-Ära im Jahr 2015 und der Umstellung auf Gelb, Magenta und Cyan als Parteifarben kommentierte Kubicki damals: „Gelegentlich muss man mal die Tapeten wieder neu streichen oder überkleben, um festzustellen, in was für einer tollen Wohnung man lebt“. Das aktuelle Redesign wurde weder im Rahmen des Bundesparteitages eingehend thematisiert, noch wurde dem veränderten Erscheinungsbild seitens der Partei eine Pressemeldung gewidmet. Eine Anfrage an die Pressestelle wurde bislang nicht beantwortet.

FDP Claim: „Wo Freiheit ist, ist alles möglich.“, Quelle: FDP
FDP Claim: „Wo Freiheit ist, ist alles möglich.“, Quelle: FDP

Der Weg des Neuanfangs beginnt für FDP mit der Rückkehr zum Bekannten. Neue Stilelemente gibt es auch, wie den Orange-Gelb-Blau-Farbverlauf, der Sonnenaufgangsstimmung verbreiten und so den personellen und inhaltlichen Neustart auf der visuellen Ebene unterstreichen soll (Abb. oben).

Als neuen Marken-Claim setzt die Partei künftig auf: „Wo Freiheit ist, ist alles möglich“.

Ob der personelle Wechsel verbunden mit dem visuellen Wandel politisch Wirkung entfalten kann und eine Rückkehr in die Parlamente gelingt, wird sich zeigen. In Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern stehen im Herbst Landtagswahlen an. Bis dahin will die Partei ein neues Grundsatzprogramm beschließen.

Wie bewerten dt-Leser das Design? Kann vom neuen visuellen Erscheinungsbild der FDP ein Signal des Aufbruchs ausgehen oder ist die vollzogene Rückkehr zum Bewährten der falsche kommunikative Ansatz? #Diskussion

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