Digital Business & Startups
Wir haben über 2.000 Leute auf LinkedIn kontaktiert
Die Jungfirma Invertix aus München, 2025 von Joseph Perrotta und Kaan Durmaz gegründet, entwickelt „autonome KI-Mitarbeiter, die den Betrieb erneuerbarer Energieanlagen übernehmen“. Vireo Ventures, Italian Founders Fund und Business Angels investierten kürzlich 1,7 Millionen Euro in das Startup.
Im Interview mit deutsche-startups.de stellt Gründer Joseph Perrotta sein Unternehmen einem ganz ausführlich vor.
Wie würdest Du Invertix Deiner Großmutter erklären?
Oma, du kennst doch diese großen Solarparks und Windräder, die man heutzutage überall sieht? Jemand muss sich darum kümmern: prüfen, ob alles läuft, Berichte schreiben, Reparaturen organisieren. Das Problem ist, dass es einfach nicht genug Menschen für diese Arbeit gibt, weil die Branche schneller wächst, als man Leute einstellen kann. Deshalb bauen wir digitale Mitarbeiter, also künstliche Intelligenz, die diese Aufgaben übernimmt. Nicht das Klettern aufs Dach, sondern alles drumherum: Daten auswerten, Berichte schreiben, Alarme sortieren. Stell es dir wie einen neuen Kollegen vor, der nie schläft und nie krank wird. Solarparks und Windräder erzeugen riesige Datenmengen, aber niemand sitzt rund um die Uhr davor und überwacht, ob alles reibungslos läuft. Wir entwickeln eine Art digitalen Mitarbeiter, der die Anlagenbetreiber ständig unterstützt: Er erkennt, wenn ein Wechselrichter weniger Strom produziert als er sollte, erstellt automatisch Berichte für die Bank und sorgt dafür, dass kein Geld verloren geht. Kurz gesagt: ein KI-Kollege, der dafür sorgt, dass grüne Energie auch wirklich Geld verdient.
Wie genau funktioniert Euer Geschäftsmodell?
Wir verkaufen Arbeitsleistung. Jeder AI Worker hat eine Stellenbezeichnung, ein Aufgabenprofil und ein Gehalt: zwischen 2.000 und 4.000 Euro pro Monat. Ein menschlicher Analyst kostet ein Unternehmen vollständig gerechnet 5.000 bis 6.500 Euro. Wir sind also günstiger, arbeiten rund um die Uhr und skalieren sofort. Unser Modell ist „Land-and Expand“: Wir starten mit zwei bis drei digitalen Mitarbeitern in einem Jahresvertrag unter 50.000 Euro, zeigen den Mehrwert und wachsen dann auf 10 bis 20 Mitarbeiter pro Kunde, also 200.000 bis 400.000 Euro wiederkehrender Jahresumsatz. Kunden beginnen meist mit Alarm-Analyse, sehen, dass es funktioniert, und wollen danach auch Berichte, Ticketsysteme und Performance Analysen automatisieren. Wenn man einmal einen AI Worker eingestellt hat, fühlt sich der nächste Schritt ganz selbstverständlich an.
Wie ist die Idee zu Invertix entstanden?
Die ehrliche Antwort? Hartnäckige Neugier. Wir waren vom Energiesektor fasziniert und wollten verstehen, was die Menschen dort wirklich nachts wachhält. Also haben wir über 2.000 Leute auf LinkedIn und WhatsApp kontaktiert: Startups, CEOs, Asset Manager, komplett kalt. Wir wurden dafür sogar auf LinkedIn gesperrt. Aber in all diesen Gesprächen kam immer wieder dasselbe Problem auf. Wir haben uns als Team bei TUM.ai kennengelernt, Europas führender studentischer KI Initiative, und sind durch deren Startup-Inkubator E-Lab gegangen. Und was wir immer wieder gesehen haben, war Folgendes: Die Energiewende scheitert an einem überraschend banalen Engpass, es gibt nicht genug Menschen. Jeder Asset Manager, mit dem wir gesprochen haben, war überfordert mit Alarmen, Berichten und Excel-Tabellen. Die Branche wächst jährlich um 30 %, aber die Teams wachsen nicht mit. Also haben wir uns die naheliegende Frage gestellt: Was wäre, wenn wir statt besserer Dashboards einfach die Mitarbeiter selbst bauen?
Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?
Drei Dinge. Erstens: Datenzugang. Energieunternehmen betreiben kritische Infrastruktur und sind daher zurecht sehr vorsichtig mit ihren Daten. Die gute Nachricht: Sobald wir mit echten Kundendaten arbeiten, ist der Deal praktisch entschieden, unsere Conversion von Live-Demo zu unterschriebenem Vertrag liegt bei fast 100 %. Die schlechte Nachricht: Genau bis zu diesem Punkt zu kommen, ist der schwierigste Teil im Sales-Prozess. Zweitens: ein Budget schaffen, das es noch gar nicht gibt. Die meisten Energieunternehmen haben weder ein „KI-Budget“ noch ein klassisches Softwarebudget. Wir müssen sie überzeugen, ihr Personalbudget umzudenken, also statt einen weiteren Mitarbeiter einzustellen, einen AI Worker einzusetzen. Das ist kein einfacher Kostenpunktwechsel, sondern ein grundlegender Perspektivwechsel. Und der braucht Zeit. Drittens: große Unternehmen, die sagen: „Das bauen wir selbst.“ Klar, können sie. Aber das dauert zwei Jahre und kostet zehnmal so viel. Auf dem Papier haben wir die besseren Argumente, aber sie in einem Raum durchzusetzen, in dem der CTO sein eigenes Team schützen will, ist eine ganz andere Herausforderung.
Ihr konntet bereits Investorengelder einsammeln. Wie seid Ihr mit Euren Geldgebern in Kontakt gekommen?
Sehr organisch. Vireo Ventures, unser Lead-Investor, kam über das TUM-Ökosystem zu uns. Italian Founders Fundkam über persönliche Kontakte in Italien, wo wir ebenfalls stark operativ vertreten sind. Zusätzlich haben wir ein enges Angel-Netzwerk aufgebaut, Leute aus der Energiebranche, die nicht nur investieren, sondern aktiv Türen öffnen. Einige unserer besten Deals kommen heute über diese Kontakte zustande. Das war kein Zufall, sondern bewusst so gewählt: Wir wollten Investoren, die mehr mitbringen als nur Kapital, nämlich operativen Zugang zur Branche.
Wo steht Invertix in einem Jahr?
Wir werden über 20 zahlende Kunden haben, mit einem Jahresumsatz in Richtung 2 Millionen Euro, und in mindestens fünf europäischen Märkten aktiv sein: DACH, Italien, Benelux und Iberien. Unser Produkt wird von heute 6 auf über 10 Worker-Typen gewachsen sein. Der wichtigste Wandel: Unsere ersten Kunden werden von der Pilotphase in die Skalierung übergegangen sein, von zwei bis drei auf 10 bis 20 AI Worker. Das ist der Beweis, dass unser „Land-and Expand“-Modell wirklich funktioniert. Und sobald dieses Schwungrad in Gang kommt, beschleunigt sich alles deutlich.
Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.
Foto (oben): Invertix
Digital Business & Startups
sherpa sammelt 2,2 Millionen ein +++ Skillcourt erhält 1,7 Millionen – Schwabe übernimmt Hydraid
#DealMonitor
+++ #DealMonitor +++ sherpa sammelt 2,2 Millionen ein +++ Skillcourt erhält 1,7 Millionen +++ EPIX Sports investiert in Element Boulders +++ Schwabe Group übernimmt Hydraid +++ Quantum Systems kauft SensusQ +++

Im #DealMonitor für den 10. Juli werfen wir einen Blick auf die wichtigsten, spannendsten und interessantesten Investments und Exits des Tages in der DACH-Region. Alle Deals der Vortage gibt es im großen und übersichtlichen #DealMonitor-Archiv.
STARTUPLAND 2027: SAVE THE DATE

The next unicorn? You’ll meet it at STARTUPLAND
+++ Du hast unsere phänomenale dritte STARTUPLAND verpasst? Dann trage Dir jetzt schon einmal unseren neuen Termin in Deinen Kalender ein: Die nächste STARTUPLAND findet am 10. März 2027 statt. Mehr über Startupland
INVESTMENTS
sherpa
+++ Seedcamp, DN Capital, Activant Capital, Brighteye und mehrere Business Angels investieren 2,2 Millionen US-Dollar in Sherpa. Das Startup aus München, 2026 von Tristan Deschler, Tim Altpeter und Max Lang gegründet, entwickelt eine KI-Plattform für das Management externer Arbeitskräfte. Unternehmen können damit Freelancer, Dienstleister und KI-Agenten über eine gemeinsame Lösung verwalten und koordinieren. Mehr über sherpa
Skillcourt
+++ Nicht genannte Investoren investieren 1,7 Millionen Euro in Skillcourt. Das Startup aus Schweinfurt, 2019 von Christian Hasler gegründet, bietet ein digitales Diagnostik- und Trainingssystem für Therapie und Sport an. Die Lösung des Unternehmen verbindet kognitive und motorische Übungen mit präziser Bewegungserfassung, um individuelle Trainings- und Rehabilitationsprogramme zu ermöglichen. Im Zuge der Investmentrunde wird Skillcourt mit 20 Millionen Euro bewertet. Das frische Kapital soll unter anderen in „den globalen Marktausbau“ fließen. Mehr über Skillcourt
Element Boulders
+++ Der Berliner SportsTech-Investor EPIX Sports, hinter dem die Szene-Größen Oliver Roskopf, Johannes Kreibohm, Lukas Brosseder und Lea-Sophie Cramer stecken, investiert eine ungenannte Summe in Element Boulders. Das Unternehmen aus Chemnitz, 2018 von Tom Petzold gegründet, betreibt deutschlandweit Boulderhallen. „This is a major step for us in taking our business to the next level and continuing to grow our vision“, teilt das Team zum Investment mit. EPIX Sports hält nun 18,5 % am Unternehmen. Mehr über Element Boulders
MERGERS & ACQUISITIONS
Schwabe Group – Hydraid
+++ Die Karlsruher Schwabe Group, ein Unternehmen für Gesundheitslösungen, übernimmt die Mehrheit am Münchner Startup Hydraid. Die Jungfirma, 2021 von den Brüdern Fabian und Dominik Winter angeschoben, hat in Zusammenarbeit mit Ärzten und Profisportlern den „Hydration Helper“ entwickelt. Das Kohlenhydrat-Elektrolyt-Pulver soll die Wasseraufnahme nach dem Sport verbessern und den Körper mit wichtigen Vitaminen und Mineralien versorgen. „Unsere Marken-DNA, unser Gründerteam und unsere komplette 20-köpfige Mannschaft bleiben genau da, wo sie hingehören – mittendrin“, teilt das Team zur Übernahme mit. Erst kürzlich übernahm die Schwabe Group die Mehrheit am Berliner HealthTech Synapticon, zu dem die Brain-Training-App NeuroNation und die digitale Gesundheitsanwendung NeuroNation MED gehören. Mehr über die Schwabe Group
Quantum Systems – SensusQ
+++ Das Münchner DefenseTech-Unicorn Quantum Systems übernimmt das estnische Softwareunternehmen SensusQ und eröffnet gleichzeitig einen Standort in Tallinn. Erst vor wenigen Tagen sammelte das Unternehmen 1,2 Milliarden US-Dollar frisches Kapital ein. Mehr über Quantum-Systems
Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.
Foto (oben): azrael74
Digital Business & Startups
+++ Union Square Ventures +++ alqem +++ Schüttflix +++ Oyster Bay +++ Startups for Tomorrow Festival +++
#StartupTicker
+++ #StartupTicker +++ Auf diese (wenigen) Startups setzt Union Square Ventures in Deutschland +++ Schüttflix trennt sich von rund 18 % seiner Belegschaft +++ Oyster Bay: Philip Stark wird Partner +++ Eventtipp: Startups for Tomorrow Festival +++

Was gibt’s Neues? In unserem #StartupTicker liefern wir eine kompakte Übersicht über die wichtigsten Startup-Nachrichten des Tages (Freitag, 10. Juli).
#STARTUPLAND: NUR DER FRÜHE VOGEL SPART!

STARTUPLAND is where the future begings
+++ Schnell sein lohnt sich! Die Zahl der Super-Early-Bird-Tickets für unsere vierte STARTUPLAND Conference am 10. März 2027 in Köln (RheinEnergieStadion) ist begrenzt. Wer zuerst kommt, profitiert vom günstigsten Preis. Nutze diese Chance!
#STARTUPTICKER
Union Square Ventures
+++ InvestorsToWatch! Investments von Union Square Ventures (USV) in Deutschland sind rar. Mit alqem landet nun – soweit wir zählen konnten – erst das achte deutsche Startup im Portfolio des legendären New Yorker Geldgebers. Das 2026 gegründete DeepTech aus Garching bei München entwickelt eine KI-Plattform, die die Entwicklung und Kommerzialisierung neuer Materialien beschleunigen soll. Zu den bisherigen USV-Investments hierzulande zählen Auxmoney, Clue, Marley Spoon, OneFootball, Ostrom, SimScale und SoundCloud. Weltweit investierte der milliardenschwere Investor USV bereits früh in Unternehmen wie Twitter, Stripe, Coinbase, Cloudflare, Etsy und Duolingo. Ein Platz im Portfolio von USV ist für deutsche Startups damit nach wie vor eine echte Ausnahme. Mehr über Union Square Ventures
Schüttflix
+++ Entlassungen! Das Gütersloher Baulogistik-Startup Schüttflix trennt sich bis zum Jahresende von rund 18 % seiner Belegschaft – wie unter anderem die Neue Westfälische berichtet. Betroffen sind vor allem Verwaltungs- und Managementstellen. Zuletzt arbeiteten wohl rund 360 Mitarbeitende für die „digitale Plattform für die Ver- und Entsorgung der Baustelle“. Das Unternehmen begründet den harten Schritt mit einer „strategischen Restrukturierung“. Künftig möchte sich das Team stärker auf sein operatives Kerngeschäft sowie den Ausbau eigener Wertstoffanlagen konzentrieren. Schüttflix, 2018 gegründet, sammelte in den vergangenen Jahren bereits mehr als 140 Millionen Euro Venture Capital ein. 2024 erwirtschaftete das Grownup einen Umsatz von 138 Millionen Euro (Vorjahr: 126 Millionen), der Jahresfehlbetrag lag bei 18,9 Millionen Euro (Vorjahr: 23,5 Millionen). Die digitale Recycling-Szene ist derzeit stark unter Druck. Das Grazer Recycling-Scaleup Metaloop schlitterte kürzlich sogar in die Insolvenz. Zuvor wurde zudem das Hamburger Recycling-Startup Cirplus liquidiert. (Neue Westfälische, WiWo) Mehr über Schüttflix
Oyster Bay Venture Capital
+++ Aufstieg! Der Berliner FoodTech-Investor Oyster Bay Venture Capital befördert Philip Stark zum Partner. Stark war in den vergangenen Jahren maßgeblich am Aufbau des inzwischen mehr als 100 Millionen Euro schweren Investors beteiligt und begleitete unter anderem den zweiten Fonds sowie den ersten Exit des Investors. Oyster Bay investiert europaweit in FoodTech- und AgTech-Startups. In den vergangenen Jahren investierte der Geldgeber bereits in Firmen wie Air Up, GoodBytz, Stenon, Dropz, Hooked und Nukoko. Mehr über Oyster Bay
Startups for Tomorrow Festival
+++ Der Countdown läuft: Am 15. September 2026 findet wieder das Startups for Tomorrow Festival in München statt. „Die wichtigste Konferenz für Gründerinnen, Investorinnen und Führungskräfte, die sich für ein besseres Morgen einsetzen“, sagt Startups for Tomorrow-Macher Constantin „Tino“ Schmutzler. Die Teilnehmenden dürfen sich auf Deep Dives, Keynotes und Panels zu den Themen Impact, Growth & AI sowie viele Networking-Möglichkeiten freuen. Zu den Speakern gehören unter anderem Micha Fritz (Gründer von Viva con Agua), Kerstin Erbe (CPO bei dm), die ehemalige Nationalspielerin Tabea Kemme und Fynn Kliemann. Zudem gibt es eine Pitch Night und ein Investors Dinner, auf das sich Startups bewerben können. Die Bewerbungsphase läuft noch bis zum 16. August. Mit dem Code DS15 bekommt ihr 15 % Rabatt auf alle Tickets.
Tentris
+++ Das Bielefelder Startup Tentris entwickelt eine neue Generation von Graphdatenbanken für Unternehmen. Im Interview spricht Gründer Tobias Rebert über die Entstehung des Unternehmens, den Sieg beim STARTUPLAND-Pitch-Contest und die nächsten Wachstumsschritte. Mehr über Tentris
Köln
+++ Nach dem Rekordjahr 2025 bleibt Köln auf Startup-Kurs. Die Zahl der Neugründungen steigt im ersten Halbjahr erneut deutlich. Bei den Finanzierungen zeigt sich dagegen ein anderes Bild: Zahl und Volumen der Finanzierungsrunden liegen klar unter dem Vorjahresniveau. Mehr über die Startup-Szene in Köln
#DEALMONITOR
Investments & Exits
+++ Quantum Diamonds erhält 91 Millionen +++ Lissi sammelt 3,5 Millionen ein +++ Finto bekommt 3,4 Millionen +++ Birdsview erhält 2,5 Millionen +++ Carewell streicht 1,5 Millionen ein +++ Propcorn bekommt sechsstellige Summe. Mehr im Deal-Monitor
#JOBS
BRABUS
+++ Unser Job des Tages! BRABUS sucht einen Mitarbeiter Online Marketing (m/w/d). Technische, emotionale Luxusprodukte wie individuelle Supercars, exklusives high-end Tuning oder Boote sind die Spezialität von BRABUS. Von unserer Zentrale in Bottrop (NRW) ausgehend begeistern wir Kunden in über 100 Ländern.
Was ist zuletzt sonst passiert? Das steht immer im #StartupTicker
Digital Business & Startups
Warum Gründer keinen Alkohol mehr trinken – die nüchterne Startup-Szene
Gründer trinken immer weniger Alkohol. Aber woran liegt das? Und ist es eine Frage des Alters? Gründerszene ist der Sache nachgegangen.
Das Gründerszene-Team ist auf einem Abendevent. Rundherum: Gründer, Investoren, VCs. Alle haben Wasser und Cola in der Hand, niemand ein Glas Bier. Und es nicht nur ein Event. Immer wieder beobachten wir: Alkohol (sogar wenn kostenlos) ist nicht mehr die erste Wahl. Was ist denn hier passiert? Hat die Startup-Szene das Feiern verlernt?
Ganz allein sind Gründer mit ihrem Alkoholverzicht allerdings nicht. In Deutschland ist der Alkoholkonsum zwischen 2015 und 2025 um rund zehn Prozent gesunken. Besonders auffällig ist die Entwicklung bei der Generation Z: Nur noch rund 61 Prozent trinken überhaupt Alkohol. Fast vier von zehn verzichten komplett. Und genau aus dieser Generation kommen immer mehr Gründer.
Die Frage ist also: Warum bestellen Startup-Gründer plötzlich Wasser statt Weizen?
Schuld ist mal wieder das Silicon Valley
Wer verstehen will, warum Gründer heute nüchtern auf Networking-Events stehen, landet ziemlich schnell im Silicon Valley. Dort wird inzwischen fast alles optimiert: Schlaf. Ernährung. Blutzucker. Herzfrequenz. Und eben auch der Alkoholkonsum.
Die sogenannte Longevity-Bewegung will das Altern nicht einfach akzeptieren, sondern möglichst ausbremsen. Das Ziel: länger leben, vor allem aber gesünder. Da passt Alkohol halt nicht so gut rein.
Die Longevity-Bewegung hat sich in der Bay Area zu einem zentralen Megathema entwickelt: Tech-Milliardäre wie Jeff Bezos, Peter Thiel, Sam Altman und Mark Zuckerberg investieren seit Jahren Milliarden in die Erforschung der Lebensverlängerung – auch mit dem Ziel, Alterskrankheiten wie Krebs oder Alzheimer zu besiegen.
Das wohl extremste Beispiel: Bryan Johnson. Der Silicon-Valley-Founder hat den Zahlungsdienstleister Braintree gegründet und 2013 für 800 Millionen US-Dollar verkauft. Seitdem widmet er sich intensiv der Erforschung von Langlebigkeit. Was das konkret bedeutet? Er schluckt täglich über 50 Pillen, injiziert Blutplasma seines Sohnes und leistet sich ein 30-köpfiges Experten-Team, um das Altern zu erforschen und zu stoppen.
Aber auch Peter Thiel unterstützte schon fast ein Dutzend Longevity-Startups mit über 700 Millionen US-Dollar. Jeff Bezos soll mit 2,9 Milliarden US-Dollar in der Forschung zur Zellumprogrammierung investiert sein.
Was sagen deutsche Gründer dazu?
Ist das also nur ein Silicon-Valley-Ding? Auf den Startup Awards 2026 haben wir darüber mit deutschen Gründern gesprochen, darunter Florian Seibel, Gründer von Quantum Systems, sowie Kai Lanz, Gründer von Krisenchat. Während Quantum Systems Verteidigungsdrohnen baut, bietet Krisenchat Onlinehilfe für Kinder und Jugendliche mit psychischen Problemen. Zwar könnten die Geschäftsmodelle beider Startups unterschiedlicher nicht sein, die Haltung zu Alkohol der Gründer ist aber sehr ähnlich.
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Florian Seibel meint dazu: „Ich trinke grundsätzlich weniger Alkohol, weil ich dann wacher und fitter bin.“ Zu viele Gründer würden laut ihm auf Events rumhängen und ihre Zeit nicht sinnvoll nutzen, um an ihren Projekten zu arbeiten.
Und auch Lanz von Krisenchat sagt zu Gründerszene: „Ich bin alkoholfrei heute Abend, ich trinke Wasser.“ Er hätte die vergangenen Jahre auch schon das Gefühl gehabt, dass viele Gründerkollegen keinen Alkohol trinken. Woran das liege? „An dem Bewusstsein für Gesundheit und Angst vor Kontrollverlust“, ist seine These.
Willkommen im optimierten Gründerleben
Ähnlich sieht es auch Florian Scherl (22). Scherl ist Gründer von Explaino.ai – einer KI-Plattform, die Texte in animierte Erklärvideos verwandelt.
Gründerszene hat er seine Morgenroutine verraten. Dabei sind schon die frühen Stunden des jungen Gründers stark durchgeplant: „Ich stehe jeden Tag in der Früh um 5.30 Uhr auf“, meint er zu Gründerszene. Direkt nach dem Aufstehen folge eine feste Morgenroutine: „5-10 Minuten Breathwork-Session, dann 10-Minuten-Morning-Activation und anschließend eine kalte Dusche.“ Also erst Atemübungen, dann Dehnen und zuletzt eine aktivierende Dusche. Sein Gedanke dahinter: maximale Produktivität. „Ich will nicht schon mittags erschöpft sein“, meint Scherl. Genau deswegen gehe es abends auch zwischen 21.30 Uhr und 22.00 Uhr ins Bett, um auf 7,5 Stunden Schlaf zu kommen.
Hinzu komme: ein striktes Kalender- und Bewegungsmanagement. Vormittags seien die Tage weitgehend Call-frei, Meetings werden auf den Nachmittag geschoben. Außerdem auf dem Plan: regelmäßige Sporteinheiten – meist eine Lauf-Session oder auch mal ein Bodyworkout. „Mein ganzes Sportzeug ist auch bei uns im Office, inklusive Dusche.“ Für ihn sei das Teil derselben Logik wie die frühe Schlafenszeit: „Ich merke, dass ich dadurch deutlich mehr an meinen Tagen schaffe und weniger müde bin.“
Vor Kurzem war Scherl im Silicon Valley – und beobachtete dort dieselbe Entwicklung. Mit einem Unterschied: „Dort experimentieren manche Gründer stattdessen mit psychedelischen Substanzen, um ihre Kreativität zu steigern.“ Alkohol spiele dagegen in vielen Gründerkreisen kaum noch eine Rolle.
Die Boomer trinken noch Wein
Junge Gründer achten also immer stärker auf ihren Konsum. Aber wie sieht es bei der älteren Gründergeneration aus? Scherl hat dazu eine Beobachtung: „Ich war neulich auf einem Event. Während alle jungen Gründer Mineralwasser getrunken haben, hatten die älteren Herren Wein und Bier in der Hand“. Also alles eine Frage des Alters?
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Nicht unbedingt, meint Philipp Depiereux (48). Der KI-Unternehmer, der in Kalifornien lebt, meint zu Gründerszene: „Ich konsumiere seit 20 Jahren keinen Alkohol mehr, nachdem ich früher viel getrunken und geraucht habe – bis zu zwei Packungen am Tag.“ Trotzdem sei ihm zu seinen Venture-Zeiten damals auch kein außerordentlicher Konsum aufgefallen. „Klar, zu den Sommerparties und Weihnachtsfesten gab es auch mal ordentlich Alkohol. Aber das war schon immer so.“ Einen Wandel erkennt auch er trotzdem. Nicht unbedingt beim Feiern selbst, sondern beim Stellenwert der Gesundheit: „Die Zeit ist heute eine andere.“
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