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Datenschutz & Sicherheit

Die lernende Bedrohung: Predator-Spyware ist raffinierter als gedacht


Erst vor Kurzem sezierte die Google Threat Intelligence Group die mächtige Spyware Predator des Intellexa-Konsortiums noch einmal gründlich. Doch was damals als entscheidender Einblick in die Innereien des Staatstrojaners galt, war offenbar nur die Spitze des Eisbergs. Neue Untersuchungen des Threat Labs Teams des Apple-Spezialisten Jamf zeichnen nun ein Bild von einer Schadsoftware, deren technisches Niveau weit über bisherige Annahmen hinausgeht. Die Entwickler haben demnach Funktionen implementiert, die nicht nur der reinen Spionage dienen. Vielmehr verteidigt sich das Programm aktiv gegen Entdeckung und lernt aus Fehlern.

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Ein entscheidender Aspekt der neuen Erkenntnisse betrifft das Verhalten von Predator in Momenten des Scheiterns oder bei drohender Aufdeckung. Die Jamf-Experten haben einen hochspezialisierten „Kill Switch“ dokumentiert, der weit über einfache Selbstlöschungsroutinen hinausgeht. Diese Funktion dient ihnen zufolge als ultimativer Schutzwall gegen Sicherheitsforscher.

Wenn die Spyware erkennt, dass sie in einer Analyseumgebung ausgeführt wird oder wenn bestimmte Sicherheitsmechanismen des iPhones anschlagen, löst sie laut der Analyse den „Kill Switch“ aus. Dabei werden nicht nur Spuren verwischt. Die Software stellt den Betrieb auch gezielt ein, um ihre wertvollen Exploits und Kommunikationswege vor den Augen der Forensiker zu verbergen.

Diese Abwehrstrategie wird durch ein präzises Diagnosesystem ergänzt. Jamf gelang es, eine vollständige Taxonomie von Fehlercodes zu dokumentieren, die von 301 bis 311 reicht. Diese Codes fungieren als Feedback-Kanal für die Angreifer. Wenn ein Infektionsversuch fehlschlägt oder der Kill Switch aktiviert wird, sendet die Spyware automatisch eine verschlüsselte Statusmeldung an die Kontrollserver zurück.

Die Angreifer erfahren dadurch genau, welche Sicherheitsmaßnahme oder welches Forscher-Tool die Entdeckung ausgelöst hat. Dieses Feedback-System verwandelt jede erfolgreiche Abwehrreaktion eines Betriebssystems in eine Informationsquelle, mit der die Angreifer ihre Werkzeuge für den nächsten Versuch gezielt nachbessern können.

Zusätzlich zu dieser Lernfähigkeit hat Predator weitere Schutzwälle gegen die Analyse durch Sicherheitsforscher hochgezogen. Die Experten entdeckten Funktionen zur aktiven Prozessüberwachung, die nach Spuren von Debug-Konsolen oder verdächtigen Root-CA-Zertifikaten suchen. Letztere werden in der IT-Forensik häufig zum Entschlüsseln von Datenverkehr eingesetzt.

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Sogar die Erkennung von HTTP-Proxys ist integriert, um zu verhindern, dass Forscher die Kommunikation zwischen dem infizierten Gerät und den Command-and-Control-Servern abfangen können. Bemerkenswert ist zudem die Fähigkeit von Predator, den iOS-Entwicklermodus schlicht zu ignorieren oder als Warnsignal zu werten, um die eigene Tarnung aufrechtzuerhalten.

Die Erkenntnisse unterstreichen die Professionalität der Intellexa Alliance und zeigen laut den Forschern, dass die Grenze zwischen staatlichen Akteuren und kommerziellen Spyware-Anbietern technologisch kaum noch existiert. Predator ist kein statisches Werkzeug, sondern ein sich dynamisch anpassendes System. Für Nutzer, die aufgrund ihres Profils ins Visier solcher Software geraten könnten, bedeutet das eine neue Stufe der Bedrohung: Die Sicherheit eines Systems wird hier zum unfreiwilligen Lehrer für den Angreifer.

Im Vergleich zum berüchtigten Staatstrojaner Pegasus der NSO Group, der oft durch Zero-Click-Exploits ohne jegliches Zutun des Opfers Endgeräte infiziert, setzt Predator primär auf One-Click-Angriffe via präparierte Links. Technisch gelten beide Plattformen in ihrer Funktionsfülle beim Ausspähen von Mikrofonen, Kameras und verschlüsselten Chats als ebenbürtig. Pegasus ist aber primär auf maximale Unsichtbarkeit und lautlose Infiltration optimiert. Predator sticht durch seine aggressiven Anti-Analyse-Techniken hervor. Das Programm scheint darauf ausgelegt zu sein, proaktiv gegen die IT-Security-Community zu kämpfen.

Die Betreiber der Plattform zum Ausliefern und Steuern des mächtigen Predator sahen sich 2024 genötigt, mehrere zugehörige Server und andere Komponenten der IT-Infrastruktur erneut offline zu nehmen. Die Strategie von Menschenrechtsorganisationen und IT-Sicherheitsforschern, schwarze Schafe in der Staatstrojaner-Branche zu benennen, schien damit zumindest kurzzeitig aufzugehen. Die US-Regierung verschärfte damals auch die Sanktionen gegen die Gruppe, die sich nun auch gegen den Intellexa-Gründer Tal Dilian und seine rechte Hand, Sara Hamou, persönlich richten. Die Intellexa Alliance gilt als Verbund zwielichtiger europäischer Firmen, der nicht nur Diktatoren mit Cyberwaffen beliefert. In Deutschland zählt die Hackerbehörde Zitis zu ihren Kunden.


(dahe)



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Datenschutz & Sicherheit

Ausschuss stimmt gegen freiwillige Chatkontrolle


Die Ausnahmeregel, die Internet-Diensten eine freiwillige Chatkontrolle erlaubt, hat gestern einen Dämpfer bekommen. Die EU-Abgeordneten im Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres haben eine Verlängerung der Ausnahme-Verordnung gestern überraschend abgelehnt.

Eigentlich verbietet die Datenschutzrichtlinie für elektronische Kommunikation das Überwachen von Nachrichten ohne Einwilligung der betroffenen Nutzer. Seit 2021 erlaubt eine vorübergehende Ausnahme Anbietern eine freiwillige Chatkontrolle. Kommission und Rat wollen diese Ausnahme ein zweites Mal verlängern. Das Parlament verhandelt gerade seine Position.

Gleichzeitig verhandeln die EU-Gesetzgeber über die CSA-Verordnung. Dieses Gesetz ist ungleich wichtiger: Es wird dauerhaft gelten, es könnte Anbieter auch gegen ihren Willen verpflichten, eine Chatkontrolle durchzuführen, und es könnte auch verschlüsselte Kommunikation betreffen.

Den einen zu viel, den anderen zu wenig

Die Verhandlungen zur vorübergehenden freiwilligen Chatkontrolle finden vor diesem Hintergrund statt. Kommission, Rat und Konservative wollen die freiwillige Chatkontrolle wie bisher ohne Änderungen verlängern, bis das dauerhafte Gesetz in Kraft tritt.

Sozialdemokraten wollen die Dauer der freiwilligen Chatkontrolle begrenzen. Liberale, Grüne und Linken wollen die freiwillige Chatkontrolle auf Verdächtige begrenzen.

Die gestrige Abstimmung war dementsprechend kompliziert. Von 25 Änderungsanträgen wurden einige angenommen, andere nicht.

Ein Antrag, die Chatkontrolle auf bekannte Inhalte zu beschränken und Verschlüsselung zu schützen, fiel durch. Ein Antrag, die Dauer der Ausnahmeregel zu verkürzen, wurde ebenso abgelehnt. Ein Antrag, dass die Kommission jährlich Bericht erstatten muss, wurde angenommen. Ein Antrag, den Verhandlungen zur CSA-Verordnung nicht vorzugreifen und Verschlüsselung zu schützen, kam ebenfalls durch.

Mit diesen Änderungen war niemand vollständig glücklich. Den Rechten geht die Chatkontrolle nicht weit genug. Den Linken geht die Chatkontrolle zu weit.

Am Ende stimmten 38 Abgeordnete gegen den Kompromissvorschlag, 28 dafür, drei enthielten sich.

Vom Ausschuss ins Plenum

Dieses Ergebnis hat viele überrascht, auch im Parlament. Wir haben einige Abgeordneten-Büros und das Ausschuss-Sekretariat angefragt. Viele haben so eine Situation noch nicht erlebt. Wie der Prozess weitergeht, ist nicht ganz sicher.

Nach der Abstimmung im Ausschuss geht der Gesetzentwurf nächste Woche ins Plenum des Parlaments. Dort können alle Abgeordneten darüber abstimmen. Da der Entwurf jedoch im Ausschuss durchgefallen ist, wird der Ausschuss dem Plenum empfehlen, ebenfalls dagegen zu stimmen.

Einige zivilgesellschaftliche Akteure wünschen sich eine Ablehnung. Das ist jedoch nicht sehr wahrscheinlich. Immerhin argumentieren Befürworter wie Kommission, Rat und Tech-Unternehmen damit, dass die Chatkontrolle Kindesmissbrauch bekämpft – auch wenn die offiziellen Zahlen das nicht belegen können.

Die vorübergehende Ausnahme gilt bis zum 3. April. Gibt es bis dahin keine Einigung, ist die freiwillige Chatkontrolle wieder verboten. Das entspricht zwar dem Gesetz. Aber das wollen viele Akteure verhindern.

Konservative wollen Chatkontrolle

Viele Abgeordnete und Fraktionen werden ihre Strategie überdenken und anpassen. Vor allem die Konservativen wollen die Chatkontrolle, auch wenn sie im Ausschuss gegen den Kompromiss gestimmt haben.

Die Berichterstatterin für das Gesetz ist die deutsche Sozialdemokratin Birgit Sippel. Ihr Team arbeitet jetzt daran, doch noch eine Einigung für die vorübergehende freiwillige Chatkontrolle zu finden.

Nach dem Beschluss des Parlaments folgt der Trilog mit Kommission und Rat. Parallel dazu verhandeln die Institutionen über die dauerhafte und verpflichtende Chatkontrolle.



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Datenschutz & Sicherheit

HCL BigFix: Angreifer können auf Daten im Dateisystem zugreifen


Angreifer können insgesamt an sieben Sicherheitslücken in HCL BigFix ansetzen und Computer im schlimmsten Fall kompromittieren.

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Wie aus einer Warnmeldung hervorgeht, stecken die Lücken in den Komponenten Axios, jsPDF und React Router, die die Endpoint-Management-Plattform nutzt. Die meisten und gefährlichsten Lücken stecken in jsPDF.

Darüber können Angreifer etwa auf Daten im Dateisystem zugreifen (CVE-2025-68428 „kritisch“) oder Schadcode in PDFs einbetten, der beim Öffnen ausgeführt wird (CVE-2026-24737 „hoch“). Bislang gibt es keine Berichte, dass Angreifer die Sicherheitslücken bereits ausnutzen.

Die Entwickler versichern, HCL BigFix in der Ausgabe 1.0.2 update 2 repariert zu haben.


(des)



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Datenschutz & Sicherheit

Forschende schlagen Alarm: Staaten sollen Social-Media-Verbote stoppen


Nachdem Australien im Dezember ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige eingeführt hat, wollen zahlreiche Staaten das auch. In Deutschland läuft die Debatte ebenso heiß. Jetzt wollen Hunderte Forscher*innen aus den Bereichen Technologie, IT-Sicherheit und Privatsphäre die Notbremse ziehen.

In einem offenen Brief warnen sie eindringlich vor den negativen Folgen eines Social-Media-Verbots und den damit verbundenen flächendeckenden Alterskontrollen im Netz. Es fehle ein klares Verständnis dafür, was diese Kontrollen anrichten können – für „Sicherheit, Privatsphäre, Gleichberechtigung“ und die „Autonomie“ aller Menschen.

Die Einführung von Alterskontrollen ohne weitere Forschung sei „gefährlich und gesellschaftlich nicht hinnehmbar“, schreiben die Forscher*innen auf Englisch. Sie fordern deshalb ein Moratorium für Social-Media-Verbote. Das heißt: Regierungen und Parlamente sollen ihre laufenden Vorhaben stoppen und vorerst keine Verbote erlassen.

Unterschrieben haben das Wissenschaftler*innen aus 29 Ländern, darunter sind viele EU-Staaten, die USA, UK, Kanada, Südkorea und die Türkei. Aus Deutschland haben sich rund 70 Fachleute dem Aufruf angeschlossen. Der offene Brief passt zu einem fachübergreifenden Chor aus Warnungen: Auch Expert*innen aus unter anderem den Bereichen Kinderschutz, Pädagogik und Menschenrechten haben Bedenken gegenüber einem Social-Media-Verbot oder lehnen es ab.

Nachteile von Alterskontrollen gewiss, Vorteile ungewiss

Gleich zu Beginn des Offenen Briefs stellen die Forscher*innen klar: „Wir teilen die Sorgen über die negativen Auswirkungen, die schädliche Online-Inhalte auf Kinder haben.“ Aber sie befürchten, dass Regulierung ohne sorgfältige Abwägung der Risiken „mehr Schaden als Nutzen“ bringen könnte.

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Ihre Gründe führen die Forschenden auf fünfeinhalb Seiten aus. Dabei sind drei Argumente zentral.

  • Erstens: Es ist nicht sicher, ob ein Social-Media-Verbot die erhofften Vorteile bringt. Die Forschenden mahnen, es gebe keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass ein Verbot positive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von Minderjährigen hätte. Umgekehrt brächten soziale Medien positive Effekte: mehr soziale Kontakte, weniger Einsamkeit, sichere Räume für marginalisierte Gruppen. Alterskontrollen seien „keine Garantie dafür, dass Minderjährige keine schädlichen Online-Inhalte abrufen“. Stattdessen würden Betroffene die Kontrollen umgehen oder zu unregulierten Alternativen abwandern.
  • Zweitens: Es ist sicher, dass Alterskontrollen Nachteile bringen. So musste die Team-Software Discord kurz nach Einführung von Alterskontrollen ein Datenleck eingestehen: Demnach hatten Kriminelle wohl Zugriff auf 70.000 Ausweisdaten von Menschen, die Discord ihr Alter nachgewiesen haben. Solche Nachweise mit amtlichen Dokumenten würden außerdem Menschen ausschließen, warnen die Forschenden, etwa undokumentierte Einwandernde, Asylsuchende, Reisende aus dem Ausland – oder Nutzer*innen, die Aufgrund einer Leseschwäche die neuen Hürden nicht überwinden können. Alternative Verfahren, in denen Software das Alter von Nutzer*innen einschätzt, sogenannte KI, seien „bekanntlich fehleranfällig“.
  • Drittens: Alterskontrollen schaffen eine gefährliche, zentralisierte Infrastruktur. „Wer festlegt, welche Altersschranken gelten sollen, und wer sie durchsetzt, erhält einen enormen Einfluss darauf, welche Inhalte im Internet für wen zugänglich sind“, warnen die Forschenden. In den falschen Händen könnte diese Infrastruktur auch für Zensur genutzt werden, etwa für queere Inhalte. Gerade bei technologisch komplexen Lösungen könnten Abhängigkeiten zu wenigen Tech-Konzernen wie Google oder Apple entstehen.

Appell für Regulierung statt Verbote

Mit Blick auf Alterskontrollen kommen die Forscher*innen deshalb zum Fazit: „Der Einsatz ist nur dann gerechtfertigt, wenn nachgewiesen wird, dass der Nutzen die möglichen Schäden deutlich überwiegt.“ Es brauche vertiefende Forschung, bevor Staaten entsprechende Regeln flächendeckend ausrollen.

Fürs Erste regen die Forschenden an, sich lieber den Ursachen zu widmen. Konkret nennen sie algorithmisch optimierte Feeds sozialer Medien. Durch ihre enorme Sogwirkung fällt es vielen Menschen schwer, das Handy lange aus der Hand zu legen. Die Regulierung von Feeds wäre den Forschenden zufolge unmittelbarer wirksam und würde Plattformen für Kinder und Erwachsene gleichermaßen sicherer machen.

Solche suchtfördernden Mechanismen bei TikTok hat etwa die EU-Kommission bereits festgestellt, zumindest vorläufig. Grundlage ist das Gesetz über digitale Dienste (DSA). Das laufende Verfahren kann sich allerdings in die Länge ziehen, und TikTok dürfte sich juristisch wehren. Zugleich hat die EU-Kommission ein Expert*innen-Gremium rund um Alterskontrollen einberufen, das bis Sommer Ergebnisse vorlegen soll.



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