Künstliche Intelligenz
Google stellt Gemini Intelligence für Android vor
Mit Gemini Intelligence verpasst Google Android neue KI-Funktionen, mit denen das mobile Betriebssystem ein „intelligentes System“ werden soll. Die Neuerungen basieren auf den ersten agentischen Fähigkeiten, die Google für die Galaxy-S26- und Pixel-10-Reihen für den US-Markt angekündigt hatte. Diese habe Google verfeinert und um neue Features erweitert.
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Laut Google soll Gemini Intelligence im Laufe des Sommers schrittweise eingeführt werden, „beginnend mit den neuesten Samsung Galaxy- und Google Pixel-Smartphones“. Im Laufe dieses Jahres sollen die neuen Funktionen auf allen Android-Geräten verfügbar sein, auch auf Smartwatches, in Autos, smarten Brillen und Laptops. Google bestätigte gegenüber heise online, dass die KI-Funktionen auch in Deutschland bereitgestellt werden sollen – ein Datum nannte das Unternehmen jedoch nicht.
Überarbeitete Designsprache für Gemini Intelligence
Im Vorfeld wurde nach einem ersten Teaser gemutmaßt, dass Google sich hinsichtlich der Designsprache an Apples Liquid Glass orientieren könnte. Dies schmetterte Android-Ökosystem-Chef Sameer Samat rasch ab. Allerdings zieht mit Gemini Intelligence eine überarbeitete Designsprache ein, die auf Material 3 Expressive aufbaut, die Google mit Android 16 eingeführt hatte.
Erste Screenshots und Animationen legen zwar nahe, dass Google ein wenig mehr Transparenz und gläserne Akzente zu setzen scheint. Google beschreibt das neue visuelle System als ansprechend und funktional, während gezielte Animationen eingesetzt werden, um Ablenkungen zu reduzieren, sodass Nutzer sich ganz auf die jeweilige Aufgabe konzentrieren können.
Automatisierte mehrstufige Aufgaben
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Gemini Intelligence soll Nutzerinnen und Nutzern dabei helfen, „mühsame Aufgaben zu automatisieren, damit Sie sich auf das Wesentliche konzentrieren können“, schreibt Google in seiner Ankündigung. Die Funktionen zur mehrstufigen Automatisierung, die zuerst auf dem Galaxy S26 und dem Pixel 10 für beliebte Essens- und Mitfahr-Apps verfügbar waren, habe Google optimiert, „um sicherzustellen, dass jede Interaktion nahtlos verläuft“.
Diese agentischen Fähigkeiten sollen bald nicht mehr nur für Essensbestellungen und Fahrdienste nutzbar sein, sondern auch für weitere Dinge: Als Beispiele nennt das Unternehmen etwa die Reservierung eines Platzes für Sportkurse (Konkret: ein Platz in der ersten Reihe eines Spinning-Kurses) oder einen Kursplan in Gmail zu finden und die benötigten Bücher in den Warenkorb zu legen.

Die App-Automatisierung werde noch leistungsfähiger, wenn man sie um Bildschirm- oder Bildkontext ergänze. Anstelle „manuell zwischen Apps zu wechseln und Daten zu kopieren, kann Gemini visuellen Kontext in sofortige Aktionen umsetzen“, erklärt Google. So könne man Gemini mit einem langen Druck auf den Power-Button damit beauftragen, eine lange Einkaufsliste in der Notizen-App in den Warenkorb zu legen und für die Lieferung zusammenzustellen. Ebenso soll es möglich sein, ein Foto einer analogen Reisebroschüre zu machen und Gemini damit zu beauftragen, „eine ähnliche Tour auf Expedia für eine Gruppe von sechs Personen“ zu suchen. Die Fortschritte der Suche könne man dann in Echtzeit in den Benachrichtigungen verfolgen. Google stellt ferner klar, dass man die Kontrolle behält: „Gemini handelt nur auf Ihren Befehl hin und stoppt in dem Moment, in dem die Aufgabe erledigt ist. Alles, was für Sie übrig bleibt, ist die abschließende Bestätigung.“
Eigene Widgets per „Vibe Coding“
Was Nothing kann, kann Google offenbar erst recht: Mithilfe von Gemini Intelligence macht das Unternehmen erste Schritte in Richtung generativer Bedienoberflächen. Den Anfang machen dabei nutzergenerierte Widgets. Mit der Funktion „Create My Widget“ können Nutzer mit natürlicher Sprache vorgeben, was das Widget können soll, die KI soll den Rest erledigen.

Gemini Intelligence ermöglicht die Erstellung von Widgets per Sprache.
(Bild: Google)
Laut Google könne man mit der Funktion „vollständig benutzerdefinierte Widgets erstellen, indem Sie einfach in natürlicher Sprache beschreiben, was Sie möchten“. Als Beispiel führt Google etwa ein Widget an, das Nutzern wöchentlich „drei proteinreiche Rezepte für die Essensvorbereitung“ vorschlägt. Radfahrer können sich zudem ein Widget erstellen lassen, das Windgeschwindigkeit und Regenwahrscheinlichkeit anzeigt. Die generierten Widgets lassen sich in der Größe anpassen. Die Widgets lassen sich nicht nur auf Android-Smartphones, sondern auch auf Wear-OS-Uhren mit Support für Gemini Intelligence verwenden.
Bessere Spracherkennung
Gemini Intelligence soll außerdem dabei helfen, gesprochenen Text aufzupolieren. Während Nutzer mit Gboard auf Android Sprache schon verhältnismäßig schnell und präzise in Text umwandeln können, muss man das Eingesprochene bisweilen nachträglich optimieren, um „Ähs“, weitere Füllwörter und Wiederholungen zu entfernen.

Rambler: Die Gemini-Intelligence-Funktion poliert Spracheingaben.
(Bild: Google)
Mit der neuen Funktion „Rambler“ (von englisch „Rambling“ – „abschweifende Sprechweise“) soll das Eingesprochene automatisch feingeschliffen werden: „Rambler erfasst die wichtigen Teile und fügt sie zu einer prägnanten Nachricht zusammen“, erklärt Google. Die Funktion zeigt Nutzern, wenn das Feature aktiviert ist; das Gesprochene werde nur zur Transkription in Echtzeit verwendet und nicht gespeichert.
Rambler erkenne zudem mehrere Sprachen gleichzeitig. Dies wird mithilfe des mehrsprachigen Modells von Gemini realisiert, sodass Rambler nahtlos zwischen Sprachen in einer einzigen Nachricht wechseln könne. „Ganz gleich, ob Sie Englisch mit Hindi oder einer anderen Kombination mischen – Rambler versteht den Kontext und die Nuancen und sorgt dafür, dass Ihre Nachricht genau so klingt wie Sie – nur noch ausgefeilter“, heißt es.
Formulare schneller ausfüllen
Neu oder verbessert ist die Funktion „Autofill with Google“: Mithilfe der vor einigen Monaten in einigen Ländern (nicht EU) eingeführten Gemini-Funktion „Personal Intelligence“ soll Android künftig noch mehr Textfelder in Apps und Chrome automatisch ausfüllen können. Erst im November letzten Jahres hatte Google eine Erweiterung der Autofill-Funktion für Chrome angekündigt.

Gemini Intelligence soll Autofill von Formularen verbessern.
(Bild: Google)
Laut Google sollen sich relevante Informationen aus verbundenen Apps nutzen lassen, um Nutzern das Ausfüllen von Formularen abzunehmen. Die Verbindung von Gemini mit „Autofill with Google“ ist rein freiwillig, das heißt, sie entscheiden, ob und wann sie die Verbindung zu Gemini herstellen möchten – und sie können diese Verbindung jederzeit in Ihren Einstellungen aktivieren oder deaktivieren.

Gemini Intelligence – Chrome wird smarter.
(Bild: Google)
In Chrome für Android ziehen zudem neue Gemini-Funktionen ein: Nutzer können damit etwa Inhalte im Internet recherchieren, zusammenfassen und vergleichen. Eine automatische Browsersuche in Chrome soll außerdem alltägliche Aufgaben übernehmen, „sei es die Terminvereinbarung oder die Reservierung eines Parkplatzes“, so das Unternehmen. Angesichts dessen, dass bisherige Gemini-Funktionen für Chrome hierzulande noch nicht angeboten werden, ist fraglich, ob es diese zeitnah nach Europa schaffen werden.
Sicherheit und Datenschutz
In einem weiteren Beitrag erklärt Google, dass man für Gemini Intelligence ein „Höchstmaß an Datenschutz“ gewährleiste, das auf drei Kernprinzipien basiere. So sollen Nutzer bei der Verwendung stets die volle Entscheidungsgewalt darüber behalten, wie und wann die KI agiert. Unter anderem seien Funktionen wie das automatisierte Ausfüllen von Formularen oder App-Automatisierungen strikt Opt-in. Nutzer können einzelne Komponenten jederzeit in den Einstellungen aktivieren oder deaktivieren. Ferner führt Gemini Aufgaben nur auf Anweisung bei freigegebenen Apps und erfordert eine Bestätigung vor Käufen. Ob Daten geteilt werden, entscheidet der Nutzer aktiv selbst.

Google verspricht für Gemini Intelligence Transparenz und Sicherheit.
(Bild: Google)
Zudem kommen Google zufolge Isolations-Technologien zum Einsatz: Für „proaktive“ Funktionen (wie das in Deutschland nicht verfügbare Magic Cue) kommen Technologien wie der „Private Compute Core, Private AI Compute und geschützte virtuelle Maschinen (KVM) zum Einsatz“, erklärt das Unternehmen. Ferner umfasse die Architektur Hardware-, Prozess- und Server-Isolation, um Datenlecks zu verhindern. Überdies werden Schutzmaßnahmen gegen moderne Angriffe wie Prompt Injection direkt in Android integriert, versichert Google.

Gemini Intelligence: Benachrichtigungen zu laufenden Automationen lassen sich nicht wegwischen.
(Bild: Google)
Weiter sollen Nutzer den Überblick behalten, während Gemini eine App-Schnittstelle automatisiert. Sie sollen mit der Funktion „View progress“ Aktionen live verfolgen können. Ein quittierbarer Benachrichtigungs-Verlauf zeigt an, wenn die KI im Hintergrund aktiv ist. Darüber hinaus zeigt das Android-Privacy-Dashboard künftig an, welche KI-Assistenten in den vergangenen 24 Stunden aktiv waren und welche Apps sie genutzt haben. Außerdem seien wichtige Teile der Sicherheitsarchitektur Open-Source und werden von Dritten auditiert, um die Sicherheitsversprechen unabhängig zu verifizieren.
Gemini Intelligence zieht mit Android 17 ein, das im Laufe des Juni freigegeben werden soll. Wann das große Update konkret erscheint, verrät Google noch nicht.
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(afl)
Künstliche Intelligenz
US-Regierung lässt Zugang zu neuer KI von OpenAI beschränken
Der ChatGPT-Entwickler OpenAI schränkt auf Forderung der US-Regierung den Zugang zu seinem neuesten KI-Modell ein. Zugriff auf die Vorschau-Version von Modellen der GPT-5.6-Reihe bekomme nur eine abgestimmte kleine Gruppe von Partnern, denen man vertraue, teilte OpenAI mit. Die eingeschränkte Veröffentlichung sei von der Regierung verlangt worden.
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Die Freigaben seien zunächst nur in den USA erteilt worden, hieß es von OpenAI. Man arbeite daran, auch Partnern aus anderen Ländern Zugang zu geben, dies könne bereits kommende Woche passieren. OpenAI schränkte zugleich ein, man glaube nicht, dass solche Zugangskontrollen der Behörden langfristig zur Norm werden sollen. Derzeit sehe man das Einverständnis damit als besten Weg, um in den kommenden Wochen den Zugang zu erweitern.
Anderer Weg als bei Anthropic
Diese Feststellung kann man als Hinweis auf Probleme des Rivalen Anthropic verstehen. Die Firma hatte ihr neues leistungsstärkstes Modell zunächst veröffentlicht – und musste es dann wenige Tage später auf Forderung der US-Regierung wieder zurückziehen. Auslöser waren Warnungen, dass Vorkehrungen gegen einen Missbrauch der Software möglicherweise ausgehebelt werden könnten.
Das neue KI-Modell von Anthropic ist besonders gut darin, Schwachstellen in Software zu finden. Das macht Programme sicherer – in den falschen Händen könnte eine solche KI aber als Cyberwaffe eingesetzt werden. Die US-Regierung forderte aber, dass nur amerikanische Firmen und Personen Zugang zu dem KI-Modell haben dürften.
Beim neuen OpenAI-Modell GPT-5.6 kann die leistungsstärkste Variante mit dem Namen „Sol“ der Firma zufolge eigenständig Aufgaben beim Programmieren sowie in Biologie und Cybersicherheit ausführen. Man habe Schutzvorkehrungen gegen einen Missbrauch getroffen, betonte OpenAI. Zugleich könne man bei Bewertungen nicht jede mehrstufige Attacke berücksichtigen, warnte das Unternehmen.
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(nie)
Künstliche Intelligenz
Getty kuschelt mit OpenAI – die Fotonews der Woche 26/2026
Wer hätte das kommen sehen? Getty Images, früher einer der lautesten OpenAI-Kritiker und obendrein mit einer Klage gegen Stability AI am Start, schmiegt sich plötzlich an den KI-Riesen. Was ist da los? Vermutlich hat Getty kalkuliert: Lieber den Gegner umarmen, bevor er einen plattmacht. Weniger dramatisch gesagt – wennschon KI, dann wenigstens gegen Lizenzgebühren.
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(Bild: heise )
Vom Feind zum Freund – Gettys strategischer Schwenk
Die Nachricht traf diese Woche ein wie eine offene Blende bei Mittagssonne: Getty Images und OpenAI haben eine „Display Partnership“ verkündet. Klingt harmlos, ist aber ein ziemlicher Kurswechsel. Jetzt dürfen ChatGPT-Nutzer auf Gettys gewaltiges Archiv zugreifen – ordentlich lizenziert und vergütet, versteht sich.
Die Börse reagierte prompt. Gettys Aktie schoss nach oben, zeitweise um mehr als 145 Prozent. Investoren scheinen darauf zu setzen, dass dieser Deal ein Vorbild sein könnte – eines, bei dem Bildagenturen nicht von der KI verdrängt, sondern eingebunden werden. Konkret heißt das: Wer bei ChatGPT etwas anfragt, bekommt direkt Getty-Bilder serviert, samt Lizenz und Wasserzeichen.
Was bedeutet das für Fotografen?
Für Fotografen, deren Bilder bei Getty liegen, ist das so eine Sache. Einerseits Sichtbarkeit in einem der meistgenutzten KI-Tools weltweit – das ist nicht nichts. Andererseits steht in den Sternen, wie die Vergütung konkret aussieht und ob sie überhaupt fair ausfällt. Getty verspricht eine Beteiligung der Fotografen, bleibt bei den Details aber auffällig wortkarg.
Und dann sind da die größeren Fragen: Beginnt hier eine neue Ära, in der Bildagenturen und KI-Firmen kooperieren, statt sich zu bekriegen? Oder ist das bloß der verzweifelte Versuch, im KI-Zeitalter nicht in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden? Wahrscheinlich von beidem etwas. Getty hat begriffen, dass man den Kampf gegen die KI nicht gewinnt – also wird man eben Teil der Lösung.
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OpenAI kauft sich Legitimität
Für OpenAI ist der Deal ein kluger Schachzug. Das Unternehmen sichert sich so nicht nur Zugriff auf Millionen hochwertiger Bilder, sondern gleich noch ein Stück Legitimität dazu. Der Vorwurf, KI-Modelle würden mit gestohlenem Material gefüttert, wird schließlich immer lauter. Genau darauf antworten Partnerschaften wie diese. „Schaut her, wir zahlen für Inhalte!“, lautet die Botschaft. Ob das die Kritiker beruhigt? Eher fraglich. Aber es ist immerhin ein Anfang.
Spannend ist auch die Frage, wer nachzieht. Shutterstock hat längst ähnliche Vereinbarungen mit KI-Unternehmen geschlossen. Es riecht nach neuer Normalität: KI-Firmen lizenzieren Inhalte, Agenturen verdienen mit – und Fotografen bekommen, nun ja, hoffentlich auch ihren Anteil.
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VSCO One: 500 Dollar für die Profi-Plattform
Während Getty die Nähe zur KI sucht, geht VSCO einen ganz anderen Weg. Die bei vielen Fotografen beliebte App bringt mit „VSCO One“ eine All-in-One-Plattform für Profis – für satte 500 Dollar im Jahr. Das ist kein Abo mehr, das ist eine Ansage. Zum Vergleich: Das reguläre VSCO-Abo schlägt mit rund 30 Dollar jährlich zu Buche.
Und was steckt drin? VSCO One verbindet die bekannte Bildbearbeitungs-App mit „VSCO Workspace“, einer Desktop-Anwendung für den professionellen Workflow. Obendrauf gibt es erweiterte Portfolio-Funktionen, Cloud-Speicher und Werkzeuge zur Kundenverwaltung. VSCO will damit die Komplettlösung für Profis sein – von der Aufnahme über die Bearbeitung bis hin zur Präsentation und Kommunikation mit dem Kunden.
Bleibt die Frage, ob Profis tatsächlich 500 Dollar lockermachen, wenn sie ohnehin schon Adobe-Abos, Speicherlösungen und Portfolio-Websites bezahlen. VSCOs Argument: Erst die Integration all dieser Dienste rechtfertige den Preis. Und ehrlich gesagt – wer Lightroom, Cloud-Speicher, Portfolio-Hosting und Kundenkommunikation einzeln abrechnet, landet schnell in ähnlichen Größenordnungen.
Trotzdem bleibt es ein gewagter Schritt in einem Markt, den Adobe fest im Griff hat. VSCO baut darauf, dass Fotografen die nahtlose Integration und die unverkennbare Ästhetik der Marke zu schätzen wissen. Ob das gegen den Platzhirsch ausreicht? Abwarten. Der Start ist für später in diesem Jahr angekündigt.
Adobe schluckt Topaz Labs
Wenn Adobe einkaufen geht, wird es für die Nutzer meistens teuer. Jetzt also Topaz Labs – der Software-Gigant hat sich den KI-Bildbearbeitungs-Spezialisten einverleibt. In der Foto-Community schlug die Nachricht ein wie eine Bombe. Denn Topaz war für viele genau die Alternative, zu der man griff, wenn man Adobes Abo-Modell nicht ausstehen konnte.
Vom Konkurrenten zum Kollegen
Topaz Labs hat sich in den vergangenen Jahren mit Tools wie Sharpen AI, Denoise AI und Gigapixel AI einen Namen gemacht – allesamt Programme, die Bilder per künstlicher Intelligenz aufwerten, hochskalieren und entrauschen. Der entscheidende Unterschied zu Adobe lag im Geschäftsmodell: Man konnte die Software kaufen statt mieten. Einmal zahlen, fertig. Kein monatliches Abo, das sich anfühlt wie ein Fitnessstudio-Vertrag, den man nie kündigt, aber auch nie wirklich nutzt.
Adobe verspricht jetzt, die Topaz-Technologie in die Creative Cloud zu integrieren. Was das für die bisherigen Topaz-Nutzer heißt? Das bleibt offen. Werden die eigenständigen Apps weiter angeboten? Oder verschwinden sie im schwarzen Loch der Creative Cloud und tauchen nur noch als Abo-Feature wieder auf? Die offizielle Pressemitteilung bleibt an dieser Stelle vage – selten ein gutes Zeichen.
Auf Reddit herrscht schon jetzt Katerstimmung. Viele befürchten, dass ihre geliebten Standalone-Tools bald Geschichte sind. „Erst war Topaz die Alternative zu Adobe, jetzt ist es Adobe“, bringt ein Kommentar die Stimmung auf den Punkt. Andere spekulieren bereits über steigende Preise – eine Sorge, die sich bei Adobe-Übernahmen historisch durchaus belegen lässt.
Für Adobe ergibt der Deal natürlich Sinn. Die KI-Technologie von Topaz ist ausgereift und könnte Lightroom und Photoshop um neue Funktionen erweitern. Obendrein verschwindet ein Konkurrent vom Markt, der gerade bei Fotografen, die keine monatlichen Gebühren zahlen wollten, einen guten Ruf hatte. Win-win für Adobe, lose-lose für die Nutzer? Die nächsten Monate werden zeigen, ob die vielen Befürchtungen berechtigt sind.
Ausblick
Zu den Details der Übernahme, allen voran dem Kaufpreis, schweigt sich Adobe jedoch aus. Abschließen möchte man die Integration im Laufe des Jahres 2026. Bis dahin dürften die Topaz-Apps noch eigenständig erhältlich bleiben – vermutlich die letzte Gelegenheit, sie als Kaufversion zu sichern, ehe sie im Creative-Cloud-Universum aufgehen.
Eines steht fest: Die Foto-Community wird die Entwicklung mit Argusaugen verfolgen. Womöglich ist auch die Zeit reif für einen neuen Underdog, der das Erbe von Topaz als Adobe-Alternative antritt. Bis dahin gilt: Willkommen in der Familie, Topaz Labs. Es war schön, euch als unabhängige Alternative gekannt zu haben.
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(tho)
Künstliche Intelligenz
Lukratives Sommergeschäft: Wie Geschäftemacher an Fake-Klimaanlagen verdienen
Die Sommerhitze hat Europa fest im Griff. Aufgeheizte Innenräume sorgen nicht nur für Schweißperlen auf der Stirn, sie können auch gesundheitsschädlich sein. Da finden Klimaanlagen und andere Kühlgeräte reißenden Absatz. Aggressive Anzeigen auf Youtube und in Online-Magazinen bewerben Geräte wie Epicooler, Cooling Ace und Breezamax als „revolutionär“. Doch was davon kann wahr sein?
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Luftige Versprechungen
Vor allem die Videos versprechen Wundertaten, die mit den Gesetzen der Thermodynamik schwer in Einklang zu bringen sind. „Diese von der NASA entwickelte Klimaanlage kühlt dein Zimmer in 90 Sekunden herunter“, heißt es da und „beim ersten Test sank die Temperatur in unter 2 Minuten von 34 °C auf 17 °C“. Und das bei geradezu lächerlich niedrigem Stromverbrauch: „Die Leistung ist mit einer herkömmlichen Klimaanlage vergleichbar, aber er [sic!] verbraucht bis zu 90[]% weniger Strom“, behauptet eine KI-Stimme, während im Hintergrund vereiste Kupferspulen und diverse Raumfahrttechnologien auftauchen.
Das so beworbene Zaubergerät namens „Epicooler“ kostet knapp 140 Euro und ist laut verschiedener – natürlich frei erfundener – Testberichte in der Lage, ein Schlafzimmer im Spitzboden binnen 20 Minuten von 29 auf 23 Grad herabzukühlen. Ein herkömmliches Klimagerät, etwa eine Monoblock-Klimaanlage aus dem Baumarkt, genehmigt sich für vergleichbare Ergebnisse eine Stromaufnahme von etwa 700 Watt. Epicooler hingegen habe in acht Stunden Betriebszeit lediglich 0,38 kWh verbraucht, also lediglich 47 Watt Leistung geschluckt, behauptet das „Advertorial“.

Kühle KI-Kammer: Das angebliche Testzimmer ist ebenso ernstzunehmen wie die Messungen.
Schwer vorstellbar, denn das entspräche bei vergleichbarer Kälteleistung einer Leistungszahl von über 40 – und das wäre effizienter als eine fest im Gebäude verbaute und entsprechend isolierte Klimalösung. Epicooler hingegen setzt auf eine spezielle „Luftführungs-Geometrie“ und könne so auf Kühlmittel verzichten. Der Energieerhaltungssatz ist für dieses Gerät offenbar optional und kein physikalisches Gesetz.
Was ist dran an den Geräten?
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Auch andere Geräte wie Cooling Ace, Coolzy, BreezaMax Pro und AiraBreeze geizen nicht mit vollmundigen Versprechungen: Allesamt seien sie schneller und effizienter als herkömmliche Klimaanlagen, beliebt bei den Kunden und natürlich einfach in der Montage. Zumindest letzteres stimmt bisweilen, denn der BreezaMax etwa ist nichts weiter als ein Akku-Ventilator.

Das ist drin im BreezaMax: Hauptsächlich Plastik, Akkus und ein winziger Motor.
(Bild: Youtube / JDub Adventures)
Der Epicooler und seine optischen Zwillingsbrüder Coolizi Coolzy sowie BrezyMaxx hingegen sind ganzjährig einsetzbar und können nicht nur kühlen, sondern auch heizen. Die Namen bergen einige Verwechslungsgefahren, was Absicht sein dürfte. Denn auch echte Klimaanlagen wie der 7000-BTU-Monoblock „Breezy Cool 2.0“ von Comfee heißen so ähnlich wie die wenig nützlichen China-Püster.
Bei der Recherche nach den wahren Herstellern der Geräte auf der Großhandelsplattform Alibaba fällt auf, dass es sich bei Epicooler offenbar nicht um ein Klimagerät, sondern um einen Heizlüfter mit 1.800 Watt Leistung handelt. Eines der Produktbilder von Alibaba findet sich in einem „Kundenbericht“ auf der Epicooler-Bestellseite wieder. Im „Kühlbetrieb“ schaltet Epicooler das PTC-Heizelement offenbar ab und wird zu einem Ventilator.

Verdächtig ähnlich: Die Fotos der Alibaba-Produktseite (oben links) und der angeblichen Kundenrezension (unten rechts) sind identisch. Dieselbe Landeseite gibt es auch mit dem Markennamen „Epicooler“.
(Bild: Montage: heise medien)
Der „Luftkühler der nächsten Generation zur Bekämpfung von Hitzewellen“ namens AiraBreeze („kleiner als eine Brotdose“, „98,7 Prozent weniger Stromverbrauch“) verfügt über einen Einfüllstutzen für Wasser, das dann mittels Kapillareffekt von einigen Lamellen aus Pappe oder Baumwolle aufgesogen wird und den Luftstrom des Mini-Ventilators durch Verdunstungskälte abkühlen soll. Das funktioniert in der Theorie, in der Praxis dürfte sich der Kühleffekt jedoch in Grenzen halten.
Das gilt für alle als „revolutionär“ beworbenen Apparate. Keines der beworbenen Geräte lässt vermuten, dass es nennenswerte Kühlleistung erbringen kann. Nur der Luftzug der Ventilatoren (deren Leistung häufig wenige Watt beträgt) erfrischt den Nutzer, Kühlgeheimnisse der NASA sind nicht zu erwarten. Allenfalls in direkter Nähe des Anwenders mag sich ein Kühleffekt einstellen. Die Werbeversprechen in den Videos, gefälschten Testberichten und auf den Produktseiten sind also teilweise schlicht ein Fantasieprodukt.

Auch für Luftkühler aus China gelten die Gesetze der Physik. Werbeversprechen wie diese sind pure Fantasie.
Kosten gerechtfertigt?
Der „Testbericht“ zu AiraBreeze wirft eine interessante These auf: „Tragbare Luftkühler sind oft überteuert“, tönt die Werbeseite, das eigene Produkt sei natürlich eine rühmliche Ausnahme. Doch stimmt das? Wir haben den Verkaufspreis einiger Geräte mit dem Großhandelspreis bei Alibaba verglichen. Die oft unveränderten Produktbilder waren dabei außerordentlich behilflich – die Bequemlichkeit der Verkäufer spielte uns in die Karten.
Hinter AiraBreeze steckt offenbar ein batteriebetriebener Verdunstungskühler mit 3 Watt Leistung und einem Großhandelspreis von etwas mehr als 5 Euro. Auf der Bestellseite von AiraBreeze kostet dasselbe Gerät plötzlich das Vierzehnfache. Auch der Epicooler (Verkaufspreis 137,99 Euro, Großhandelspreis 12 Euro) und BreezaMax (87 Euro vs. 8 Euro) sind en detail etwa zehnmal so teuer wie bei Direktbestellung im chinesischen Großhandel.

Freie Auswahl: Eine Vielzahl chinesischer Hersteller bietet die Luftkühler zu Preisen ab 3 Euro an.
Windige Testbestellung mit Einzugsverfahren
Die Geräte kosten also das Vielfache des Großhandelspreises, doch werden sie wenigstens kostenlos versandt? Eine Testbestellung per Paypal soll es zeigen. Direkt nach dem Login werden wir stutzig: Wieso sollen wir Zahlungen im Einzugsverfahren – also einem über Paypal abgewickelten Abonnement – zustimmen? Und wo ist der Gesamtpreis? Einige Klicks später sind wir schlauer: Statt den ohnehin schon sportlichen 69,95 Euro schlägt „UAB Commerce Core“ aus Litauen noch 6,90 Euro für den Versand und eine Garantieerweiterung für 9,99 Euro auf den Kaufpreis auf. Insgesamt wechseln 86,84 Euro den Besitzer. Und über nachgelagerte „Upsell“-Seiten möchte uns der Verkäufer noch Kühlpads, -tücher und weiteres Sommerzubehör andrehen.

Testbestellung bei AiraBreeze: Nanu, wo kommt denn die erweiterte Garantie her? Und wieso wurden die Versandkosten zuvor nicht erwähnt?
Das Abo ist natürlich Nepp, also flugs gekündigt, einen Fall bei Paypal eröffnet – da erscheint ein Warnhinweis: Man möge vor einem Disput bei Paypal doch bitte das Unternehmen direkt kontaktieren – so käme man schneller wieder an sein Geld. Gleichzeitig flattert eine Bestellbestätigung ins Postfach: Unser AiraBreeze trudele in gfünf bis neun Werktagen ein. Immerhin ist dies eine zügige Erfrischung im Vergleich zu der beliebten, aber ausverkauften Split-Klimaanlage Midea Portasplit. Und mal sehen, ob der Zoll ebenfalls die Hand aufhalten wird. Wir vermuten, dass das Testgerät direkt vom chinesischen Hersteller ausgeliefert wird.
Werbeflut per Affiliate-Programm
Bei der Recherche zu den tatsächlichen Verkäufern der Geräte stoßen wir stets auf dieselben drei Unternehmen: „Commerce Core“ aus dem litauischen Vilnius, die ecom7 Ltd. und die Cola Technology International, beide in Hongkong ansässig. Die drei Unternehmen vertreiben die folgenden Produkte:
- Commerce Core, UAB: Epicooler, AiraBreeze
- Cola Technology: Solyball Cooling Ace, Coolizi Coolzy, BreezyMax Pro
- ecom7 Ltd.: Breezamax
Alle drei Unternehmen setzen hauptsächlich Produkte chinesischer Hersteller ab. Sie wickeln die Bestellungen ab, nehmen die Zahlungen entgegen und kümmern sich laut eigenen Aussagen auch um den Kundendienst.
Commerce Core wirbt auf seiner Webseite mit prominenten Partnern: Die Logos von Outbrain, Taboola, Hotjar, Facebook und Stripe tummeln sich in der Übersicht. Outbrain (mit denen auch heise Medien zusammenarbeitet) und Taboola sind Marketingunternehmen, die für die Platzierung der aggressiven Werbeanzeigen in ihrem weltweiten Netzwerk verantwortlich sind. Auch Facebook dürfte mit der litauischen Agentur hauptsächlich als Werbepartner zusammenarbeiten, Stripe hingegen dürfte für die Abwicklung von Kreditkartenzahlungen verantwortlich zeichnen.
Commerce Core setzte im Jahr 2025 über 120 Millionen Euro um, wie ein Blick in die Geschäftszahlen zeigt. Das ist gegenüber dem Vorjahr ein Plus von über 50 Prozent, die Geschäfte mit Billiglüftern laufen offenbar prächtig. Viel Gewinn macht das Unternehmen allerdings nicht, lediglich knapp 400.000 Euro im Jahr 2025. Das sind nur 0,3 Prozent des Umsatzes.
Wo bleibt das Geld? Wir vermuteten, dass Commerce Core viel Geld für Werbung ausgibt, da diese so häufig auf verschiedenen Kanälen auftaucht. Doch als Werbetreibende sind sowohl bei Youtube als auch bei den Werbeanzeigen in den Google-Suchergebnissen stets andere Namen und Firmen angegeben (bei Outbrain & Co. lässt sich das nicht ganz so einfach ermitteln). Die nervige Werbung schalten vermutlich Mittelsmänner.

Hohe Provisionen für Vermittler: Zwei Drittel des Kaufpreises vom Coolizi Coolzy gehen an den Affiliate-Partner.
Offenbar funktioniert das Geschäftsmodell so, dass Commerce Core mit verschiedenen Partnern ein Affiliate-Programm betreibt und diesen pro Bestellung eines Epicooler eine Fangprämie von bis zu 90 US-Dollar auszahlt. Die tatsächlichen Werbetreibenden arbeiten also auf eigene Rechnung, buchen Video- und andere Werbeplätze und leiten Besucher auf die Bestellseiten von Commerce Core, Cola Technology und ecom7 weiter.
Fazit: Finger weg!
Es zeigt sich: Die billigen China-Kühler taugen zum Lehrstück für Internet-Marketing. Zum Spottpreis beim Hersteller eingekauft und mit aggressiver KI-generierter Online-Werbung durch eine Armee von Vertriebspartnern in den Markt gedrückt, finden die Geräte allein durch den Werbedruck ihre Abnehmer.
Doch sie taugen allenfalls für einen seichten Windhauch, die vollmundigen Werbeversprechen sind extrem übertrieben und teilweise schlicht gelogen. Wer bei der aktuellen Hitze Linderung benötigt, sollte zu einem Ventilator aus dem Baumarkt greifen und sich nicht von Epicooler und Co. übertölpeln lassen.
Hinweis in eigener Sache: Die Werbung für die hier beschriebenen Kühler taucht auch auf heise online häufig auf – womöglich direkt unter diesem Artikel. Wir haben darauf nur bedingt Einfluss, sind uns des Problems aber bewusst.
(cku)
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