Künstliche Intelligenz
Interview: Massiver Anstieg der AU‑Fälle nicht durch die Telefon‑AU erklärbar
Der Krankenstand in Deutschland ist in den vergangenen Jahren zunehmend im Fokus von Politik, Wirtschaft und Gesundheitswesen geraten. Insbesondere der starke Anstieg der ausgestellten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (AU) seit dem Jahr 2022 mit dem gleichzeitigen Start der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung hat eine breite Diskussion über mögliche Ursachen ausgelöst. In diesem Zusammenhang wird auch die telefonische Krankschreibung verstärkt thematisiert, die während der Coronakrise eingeführt und später in die Regelversorgung überführt wurde.
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Dazu gibt es verschiedene Perspektiven. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) verweist beim Krankenstand auf die amtliche Statistik der gesetzlichen Krankenversicherung, die auf elektronisch übermittelten Arbeitsunfähigkeitsmeldungen beruht. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sagte dem Tagesspiegel, der im internationalen Vergleich hohe Krankenstand sei eine „Tatsachenbeschreibung“. Zugleich wies sie darauf hin, dass die niedrigschwellige Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung missbräuchlich genutzt werden könne. Vor diesem Hintergrund kündigte Warken an, die bestehenden Regelungen zur telefonischen Krankschreibung prüfen zu lassen. Ziel sei es, praktikable Lösungen zu finden und Missbrauch auszuschließen. Diese Ankündigung war bereits im Koalitionsvertrag verankert.
In den Debatten wird die Telefon‑AU nicht zum ersten Mal als Faktor für einen hohen Krankenstand genannt. Beispielsweise forderte im September 2024 der damalige Bundesfinanzminister Christian Lindner eine Abschaffung der telefonischen Krankschreibung und kündigte an, die Regelung im Rahmen der Wachstumsinitiative der Bundesregierung zu überprüfen. Zuletzt schaltete sich auch der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, ein. Er sprach sich bereits für ein Ende der telefonischen Krankschreibung sowie für eine Karenzzeit von drei Tagen ohne ärztliche Bescheinigung aus.
Unseriöse Angebot im Internet
In einer Antwort auf eine Anfrage von heise online bekräftigte Gassen: „Im Sinne der Sozialpartnerschaft ist Vertrauen gefragt. Wir empfehlen daher eine von den Arbeitnehmern selbst verantwortete Karenzzeit von 3 Tagen. Eine daraus resultierende zukünftige Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem vierten Tag hätte wieder mehr den Stellenwert eines wirklichen ärztlichen Attestes und nicht eines ‚Formvordrucks‘ ohne Notwendigkeit einer medizinischen Behandlung.“ Bei einer Erkrankungsdauer von mehr als 3 Tagen sei „eher von einer potenziell ernsthaften Erkrankung auszugehen und ein Arztbesuch mit entsprechender Diagnostik indiziert.“ Das würde die Praxen Gassen zufolge deutlich entlasten. „Teilweise unseriösen Geschäftsmodellen wie der Click-AU würde so der Garaus gemacht. Auch die Rolle der Telefon-AU müsste überdacht werden.“ Nach Corona habe sie kaum noch eine Notwendigkeit.
Auch der Chef vom Hausärztinnen‑ und Hausärzteverband, Dr. Markus Beier, fordert gegenüber der Rheinischen Post eine strengere Regulierung von kommerziellen Online‑Angeboten, die Krankschreibungen gegen Bezahlung anbieten, was beispielsweise bei der AU Schein GmbH der Fall ist. Beier stellt die ärztlich verantwortete telefonische Krankschreibung jedoch nicht grundsätzlich infrage. Der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) spricht sich hingegen für den Erhalt der telefonischen Krankschreibung aus, ebenso der Verband der Kinder- und Jugendärzt:innen, wie das Ärzteblatt berichtet.
Auch die Hausärztin Laura Dalhaus möchte nicht auf die telefonische AU verzichten. „Ich möchte keinen Patienten mit Durchfallerkrankung in meinem Wartezimmer sitzen haben. Und der Patient gehört auf sein häusliches Klo, aber offensichtlich hat der Kanzler für die ganz praktischen Fragen im Leben der Menschen kein offenes Ohr“. Sie zeigt sich gegenüber heise online enttäuscht darüber, dass Merz „auf die Sorgen, Nöte und Probleme der Menschen keine Antwort findet“.
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Daniel Wosnitzka ist Leiter Stabsstelle Kommunikation im Zi.
Datenbasierte Einordnungen kommen vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Dessen Analysen (PDF) zeigten in der Vergangenheit bereits, dass der Anstieg der AU‑Zahlen vor allem mit Meldeeffekten durch die Einführung der elektronischen AU sowie mit einem erhöhten Infektionsgeschehen zusammenhängt. Die telefonische Krankschreibung macht den Analysen zufolge nur einen geringen Anteil am gesamten AU‑Geschehen aus. Zur Thematik haben wir Daniel Wosnitzka, den Leiter der Stabsstelle Kommunikation beim Zi, befragt.
Laut Ihrer bisherigen Analysen lässt sich der massive Anstieg der AU-Fälle nicht durch die Telefon-AU erklären. Bleibt das Zi bei der Einschätzung?
Ja. Wir gehen nicht davon aus, dass sich für die Jahre 2024 oder 2025 wesentlich andere Ergebnisse ergeben würden, denn: Der G-BA (Anm. d. Red.: Der G-BA ist der Gemeinsame Bundesausschuss, das höchste Beschlussgremium im Gesundheitswesen) hat die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung in seiner Richtlinie stark beschränkt. Es können nur Patienten telefonisch krankgeschrieben werden, die einer Praxis persönlich bekannt sind, und dies auch nur für einen kurzen Zeitraum von bis zu 5 Tagen. Es ist demnach nicht zu erwarten, dass sich der Anteil an telefonischen Krankschreibungen in den Jahren 2024 und 2025 im Vergleich zu 2023 stark erhöht hat.
Die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung existiert seit dem Jahr 2020. Im Zeitverlauf ist der größte Anstieg bei den AU-Fällen aber nicht beim Übergang vom Jahr 2020 auf 2021, sondern beim Übergang vom Jahr 2021 auf 2022 zu beobachten, nachdem das Meldeverfahren von Papier auf elektronische AU umgestellt wurde. Zwar steigen die AU-Zahlen auch in den Folgejahren bis 2024 noch an, aber nicht in dem Ausmaß, wie dies 2022 der Fall war.
Was in der allgemeinen Diskussion übrigens überhaupt nicht beachtet wird, ist, dass die Anzahl der AU-Meldungen laut Dashboard der Gematik im Jahr 2025 wieder rückläufig war (um -9 Prozent gegenüber dem Vorjahr).
Ihre Analysen deuten darauf hin, dass die Bedeutung der telefonischen Krankschreibung mit einem geringen Anteil (jährlich 0,8 bis 1,2 Prozent) an allen AU-Fällen sehr gering ist. Steht die politische Aufmerksamkeit der Telefon-AU aus Ihrer Sicht in einem angemessenen Verhältnis zu seiner tatsächlichen Bedeutung bei den Krankschreibungen?
Die Diskussion setzt am vergleichsweise hohen Krankenstand in Deutschland an. Der internationale Vergleich legt nahe, dass die Einführung von Karenztagen einen deutlichen Effekt hätte. Würde man eine Einführung von Karenztagen in Erwägung ziehen, wäre eine telefonische AU auch weitgehend funktionslos. Von den rund 124 Millionen eAUs im Jahr 2024 entfallen (gemäß AOK-Fehlzeiten-Report) rund 37 Prozent auf Kurzzeit-AUs (bis 3 Tage). Rechnerisch sind das rund 46 Millionen Kurzzeit-AUs. Auch die Praxen wären entlastet, wenn das Ausstellen von AUs entfiele, die rein der Vorlage für den Arbeitgeber dienen, aber nicht im ärztlichen Sinne behandlungsrelevant sind.
Im Fazit der Analyse von 2025 heißt es, eine Aufhebung der Telefon-AU sei „weder empirisch begründbar noch für die Versorgungspraxis sinnvoll“. Welche konkreten negativen Folgen für die Patientenversorgung und die Belastung der Arztpraxen befürchten Sie, sollte die Forderung von Herrn Merz politisch umgesetzt werden?
Sofern nicht auch Karenztage eingeführt werden und damit die Zahl der formal notwendigen AUs insgesamt nicht reduziert wird, dürften die Entlastungseffekte, die insbesondere in Hausarztpraxen festgestellt worden sind, wieder entfallen.
Update
22.01.2026,
20:19
Uhr
Zitat einer Hausärztin ergänzt.
(mack)
Künstliche Intelligenz
Asus ProArt PA32KCX: Erster 8K-Monitor seit 8 Jahren verfügbar
Asus hat mit dem Verkauf seines ersten 8K-Monitors begonnen. Der ProArt PA32KCX stellt 7680 × 4320 Pixel auf 32 Zoll dar. Damit kommt er auf eine hohe Pixeldichte von 275 Pixeln pro Zoll (ppi). Interessierte müssen allerdings tief in die Tasche greifen: Noch während des Schreibens erhöhte Asus den Preis im eigenen Webstore von rund 8460 auf 10.000 Euro. Die Ankündigung erfolgte schon vor knapp zwei Jahren.
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Neben dem außergewöhnlichen IPS-Panel liegt das auch am Profi-Fokus. Asus kalibriert den ProArt PA32KCX ab Werk und verspricht eine hohe Farbgenauigkeit von Delta E < 1. Nutzer können den Monitor zudem beliebig oft selbst nachkalibrieren.
Das dafür notwendige Colorimeter ist direkt im Monitor eingebaut. Es befindet sich am Bildschirmrand unten links und wird per Monitor ausgefahren. Die Kalibrierung funktioniert mit Asus‘ eigener oder Calmans Software sowie mit Light Illusions ColourSpace.
Hohe Helligkeit
Das Panel selbst kann sich auch abseits der hohen Auflösung sehen lassen. Es integriert Mini-LEDs mit 4032 Belichtungszonen, die der Monitor bei HDR-Inhalten einzeln ansteuern kann. Flächendeckend schafft der ProArt PA32KCX 1000 cd/m², in einzelnen Zonen bis zu 1200 cd/m². Aufgrund der Auflösung stellt er lediglich 60 Bilder pro Sekunde (Hertz) dar.
Jeder Farbkanal ist 10 Bit tief, sodass der Monitor 1,07 Milliarden Farben darstellen kann. Den sRGB-Farbraum soll er komplett abdecken, weitere Farbräume fast vollständig: Bei Adobe RGB nennt Asus 95 bis 99 Prozent, bei DCI-P3 97 Prozent.
Eine verlustfreie Darstellung ist über zweimal HDMI 2.1 und einmal Displayport 2.1 möglich. Ein Displayport-2.1-Signal überträgt der ProArt PA32KCX auch per Thunderbolt 4. Für sogenannte Daisychains hat der Monitor je einen Thunderbolt-Ein- und -Ausgang, über die bis zu 96 Watt elektrische Leistung laufen. Per Daisychain lassen sich mehrere Monitore in Reihe schalten.
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USB-Hub und KVM-Switch
Ein zusätzlicher USB-Hub läuft über einen Upstream-Anschluss mit Typ-C-Buchse und 10 Gbit/s (USB 3.2 Gen 2). An ihm hängen drei Typ-A-Anschlüsse, die einzeln ebenfalls bis zu 10 Gbit/s übertragen können. Ein zweiter USB-C-Port ist für den Anschluss eines zweiten Desktop-PCs oder Notebooks gedacht. Per eingebautem KVM-Switch lassen sich beide Geräte über dieselbe Peripherie bedienen. Der Standfuß ist höhenverstellbar, zudem lässt sich das Display drehen (Pivot).
Die einzige Monitoralternative mit 8K-Auflösung ist Dells Ultrasharp UP3218K aus dem Jahr 2018. Er kommt ohne Mini-LEDs und Thunderbolt. Für die volle Auflösung sind zwei Displayport-1.4-Verbindungen an einer Bildquelle notwendig. Unmittelbar lieferbar ist das Modell allerdings nicht.
(mma)
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Intel macht weniger Minus als erwartet
Umsatz am oberen Ende der selbstgesteckten Erwartungen, aber weniger Nettoverlust als befürchtet: Intel liefert im Rahmen der eigenen Möglichkeiten einen passablen Jahresabschluss ab. Knapp 13,7 Milliarden US-Dollar hat das Unternehmen im vierten Quartal 2025 umgesetzt. Das sind vier Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Unterm Strich stehen 591 Millionen Dollar Nettoverlust und damit etwa 14 Prozent weniger Miese als erwartet.
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Über das komplette Jahr hat Intel knapp 52,9 Milliarden Dollar umgesetzt und damit fast genauso viel wie 2024. Auf dem Papier sinkt der Jahresverlust von 18,8 Milliarden auf 267 Millionen Dollar. Die Differenz ist allerdings nur so groß, weil Intel 2024 hohe Milliardensummen abschreiben musste. Das betriebliche Jahresergebnis schießt von -11,7 Milliarden auf -2,2 Millionen Dollar hoch, weil Intel insgesamt über fünf Milliarden Dollar bei Forschung, Entwicklung, Marketing und Administrativem spart und längst nicht mehr so viele Kosten für die Umstrukturierung anfallen. Sie sinken von knapp sieben Milliarden auf 2,2 Milliarden Dollar. Der betriebliche Jahres-Cashflow hat sich von 8,3 Milliarden auf 9,7 Milliarden Dollar verbessert.
Operativ bleibt zumindest für das vierte Quartal 2025 sogar ein Plus von 580 Millionen Dollar stehen, ein Wachstum von 41 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Vor Steuern bleiben davon 338 Millionen Dollar übrig; die 671 Millionen Dollar Steuern schießen Intel dann ins Minus.
Chipfertigung über 10 Milliarden Dollar im Minus
Das Sorgenkind bleibt die eigene Chipfertigung (Intel Foundry), die über das komplette Jahr 10,3 Milliarden Dollar Verlust gemacht hat. Das sind immerhin drei Milliarden weniger Minus als noch 2024.
Das Defizit ist so hoch, seitdem Intel die Foundry als eigenständigen Chipauftragsfertiger betrachtet, bei dem die Prozessorsparten zu branchenüblichen Preisen CPUs produzieren lassen. Die Umsätze reichen bislang nicht, um die Sparte nachhaltig über Wasser zu halten.
Es gibt allerdings einen allerersten, wenn auch kleinen Lichtblick: Die Intel Foundry hat im vierten Quartal 2025 offenbar 170 Millionen Dollar Umsatz mit externen Kunden gemacht. Das entspricht einem Anteil von 3,8 Prozent der insgesamt 4,5 Milliarden Dollar Umsatz. Ein Jahr zuvor waren es noch 27 Millionen Dollar externer Umsatz von gut 4,3 Milliarden Dollar.
Zu den Kundeneinnahmen der Foundry äußert sich Intel wie branchenüblich nicht. Aufgrund früherer Ankündigung wäre denkbar, dass Amazon (AWS) oder Microsoft KI-Chips mit Intels Fertigungstechnik testen oder in Kleinserie fertigen lassen.
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Prozessoren bleiben stark
Intels unangefochtenes Zugpferd bleibt die sogenannte Client Computing Group rund um Core-Prozessoren für Notebooks und Desktop-PCs. 32,2 Milliarden Dollar hat sie 2025 umgesetzt, gut drei Prozent weniger als 2024. Sie macht 9,3 Milliarden Dollar Operativgewinn.

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Serverprodukte sind mit 16,9 Milliarden Dollar Jahresumsatz weit abgeschlagen. Trotz des KI-Booms und der irrsinnigen Investitionen von Hyperscalern in Rechenzentren wächst Intels Serversparte nur um knapp fünf Prozent.
Intel hat weiterhin keine KI-Beschleuniger, die gut bei Hyperscalern ankommen. CEO Lip-Bu Tan sagt deswegen: „Unsere Überzeugung, dass CPUs in der KI-Ära eine wesentliche Rolle spielen, wächst weiter.“
Alle anderen Geschäftsbereiche haben knapp 3,6 Milliarden Dollar umgesetzt. Dazu zählen maßgeblich die Automotive-Sparte Mobileye und bis zum dritten Quartal der FPGA-Hersteller Altera, den Intel da mehrteilig verkauft hat.
Trüber Ausblick betrübt Börse
Im angelaufenen ersten Quartal 2026 erwartet Intel 11,7 Milliarden bis 12,7 Milliarden Dollar Umsatz und damit im besten Fall Stillstand gegenüber Anfang 2025. Die Bruttomarge soll von aktuell 36,1 auf nur noch 32,3 Prozent fallen. Der Nettoverlust soll Richtung zwei Milliarden Dollar steigen.
Gerade der letzte Punkt dürfte die Börse abgeschreckt haben: Im nachbörslichen Handel fiel Intels Aktie um etwa sechs Prozent. Damit steht das Wertpapier allerdings immer noch besser da als in den zwei Jahren zuvor.
(mma)
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Kernfusion: Kanadisches Start-up General Fusion findet neue Investoren
An kontrollierte Kernfusion zu einem Bruchteil der Kosten anderer Projekte arbeitet General Fusion seit über 20 Jahren. 2009 hieß es, das werde binnen zehn Jahren fertig. Ausgegangen ist sich das nicht. Immerhin erzeugt der Reaktor Lawson Machine 26 (LM26) seit Februar 2025 Plasma, im kommenden Jahrzehnt soll Fusionsenergie kommerziell nutzbar sein. Damit auf dem Weg dorthin das Geld nicht ausgeht, geht General Fusion nun an die New Yorker Börse NASDAQ.
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Das Management hofft auf gut 300 Millionen US-Dollar für die Firmenkasse. Allerdings ist es kein klassischer Börsengang. Vielmehr hat General Fusion das Interesse eines SPAC geweckt.
Ein SPAC namens SVAC III
SPAC steht für Special Purpose Acquisition Company. So eine Firma wird nur dazu gegründet, Geld von Investoren einzusammeln, dann ohne eigentliche Geschäftstätigkeit an der Börse zu notieren, um schließlich binnen zweier Jahre mit einer noch nicht börsennotierten Firma – hier: General Fusion – zu verschmelzen. Das war um das Jahr 2020 en vogue; für den übernommenen Betrieb ist das ein schneller und günstigerer Weg an die Börse. General Fusion wird im Zuge der Fusion mit 600 Millionen US-Dollar bewertet.
Viele solcher SPAC-Konstrukte haben ihren Anlegern wenig Freude bereitet. Der Zwang, binnen zweier Jahre viele Millionen für irgendeine Akquisition ausgeben zu müssen, ist womöglich nicht der ideale Anreiz für die beste Investitionsentscheidung.
Das konkrete SPAC-Vehikel heißt Spring Valley Acquisition Corp. III (SVAC III). Es hat 230 Millionen US-Dollar von Spekulanten eingesammelt, die ihr Geld allerdings vor der Übernahme zurückziehen könnten. Die Organisatoren eines SPAC heißen „Sponsoren”. Das gleiche Team hat unter dem Namen Spring Valley Acquisition Corp. (ohne „III”) 2022 die Firma Nuscale Power mittels SPAC-Fusion an die Börse gebracht. Dieses US-Start-up entwickelt proprietäre kleine modulare Atomreaktoren (SMR). Der Aktienkurs hat in den letzten Monaten eine Achterbahnfahrt gemacht, liegt nach einem herben Kurssturz aber immer noch beim etwa Doppelten des Übernahmekurses.
Zusätzliche Investoren
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Parallel zur Fusion mit SVAC III hat General Fusion noch andere Investoren gefunden, die 105 Millionen Dollar für Vorzugswandelaktien hinlegen. Sie sollen pro Aktie 20 Prozent mehr zahlen, als SVAC III bietet.
Der Plan sieht vor, dass General Fusion insgesamt 335 Millionen Dollar erhält: Die 230 Millionen Dollar, die derzeit in der SVACIII-Kasse liegen, und die 105 Millionen Dollar von den zusätzlichen Investoren. Abzüglich Transaktionskosten winken damit bis zu 311 Millionen Dollar Liquidität.
Die bisherigen Eigentümer General Fusions behalten 58 Prozent der Anteile. Die SVACIII-Aktionäre bekommen 22 Prozent, die zusätzliche Investoren Gruppe gut 13 Prozent. Als Belohnung für die Einfädelung der ganzen Sache gehen knapp sieben Prozent an den SPAC-Sponsor. Dieser Anteil verdreifacht sich ungefähr, sollte sich der Aktienkurs gut entwickeln (sogenanntes earnout im Gegenwert von 135 Millionen Dollar).
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So soll das funktionieren
General Fusion setzt auf das exotische Konzept der Magnetized Target Fusion (MTF), eine Art Mittelding anderer Fusion-Konzepte (Magneteinschluss und Trägheitsfusion). Bei General Fusion dient ein rotierender Zylinder aus flüssigem Metall als Brennkammer, in den heißes Wasserstoff-Plasma eingebracht wird. Mittels Hochleistungssprengstoff wird das Plasma verdichtet und auf etwa 100 Millionen Grad erhitzt. Bei dieser Temperatur können Wasserstoffatome verschmelzen und Energie freisetzen. Das könnte sogar funktionieren.
(ds)
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