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Datenschutz & Sicherheit

Kritik aus der Kirche am Social-Media-Verbot


Wichtige kirchliche Organisationen üben Kritik an einem Social-Media-Verbot für Minderjährige. Jüngst hatte sich die CDU auf ihrem Parteitag auf die Forderung für ein solches Verbot bis 14 Jahre geeinigt.

Ein Verbot ist „die Kapitulation vor dem Problem zulasten junger Menschen“, schreibt Annika Schreiter, Generalsekretärin der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland (aej), auf Anfrage von netzpolitik.org. „Ein sicheres Internet entsteht nicht durch Ausschluss, sondern durch Regulierung, Bildung und Beteiligung.“

Zuvor hatte sich bereits der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) dazu geäußert. „Ein pauschales Social-Media-Verbot als ersten Schritt halten wir nicht für zielführend“, führt Sprecher Christian Toussaint auf Anfrage von netzpolitik.org aus. „Dadurch ginge jungen Menschen ein bedeutsamer Ort verloren, an dem sie ihre Religionsfreiheit praktisch ausüben und eine eigenständige, reflektierte Haltung zu Religion entwickeln können.“

„Pauschale Verbote greifen tief in Religionsausübung ein“

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ergreift auf Anfrage keine klare Position für oder gegen ein Verbot, formuliert jedoch Bedenken: Einerseits gebe es einen „hohen Schutzanspruch“ für junge Menschen, andererseits „greifen pauschale Verbote tief in Fragen der Teilhabe, des Informationszugangs und auch der Religionsausübung ein.“ Für viele junge Menschen seien soziale Medien „wichtiger Teil ihrer Lebenswelt.“

Die deutsche Bischofskonferenz (DBK) erklärt auf Anfrage, dass sie zum Social-Media-Verbot noch keine mit den 27 deutschen Bistümern abgestimmte Auffassung habe. Zurückhaltend äußert sich zumindest das Erzbistum Köln, eines der größten Bistümer Deutschlands. Medienpädagogik gelinge in erster Linie dann, wenn junge Menschen „sukzessive kompetent“ in der Nutzung digitaler Angebote würden.

Das Bistum Köln verweist außerdem auf die persönliche Einschätzung des Seelsorgers und Pfarrers Tobias Schwaderlapp, der dort eine leitende Position für Jugend, Schule und Hochschule innehat. „Ich bin gegen ein Social-Media-Verbot für Jugendliche“, schreibt er. „Ein kategorisches Verbot ist eigentlich ein Breitschwert für ein Problem, das eigentlich ein Skalpell bräuchte.“

CDU lässt Kritik unkommentiert

Wir haben auch Organisationen anderer Glaubensgemeinschaften um eine Einschätzung gebeten. Teils blieb eine Antwort aus; teils teilten Pressesprecher*innen mit, dass es noch keine spruchreife Position gebe.

In Deutschland ist die „ungestörte“ Ausübung der Religion ein Grundrecht. Die Positionen der kirchlichen Organisationen unterstreichen: Junge Menschen üben ihre Religion auch in sozialen Medien aus. Ein Social-Media-Verbot schränkt also auch die Religionsfreiheit ein.

In ihrem Grundsatzprogramm schreibt die CDU: „Aus dem christlichen Menschenbild wird für uns gute Politik, wenn sie von der einzelnen Person ausgeht und individuelle Freiheit mit Verantwortung für andere verbindet.“ Wir wollten von der CDU wissen, welche Rolle sie den Einwänden christlicher Organisationen für ein Social-Media-Verbot beimisst. Die Partei hat unsere Presseanfrage bis Redaktionsschluss nicht beantwortet.

aej: Ausschluss aus „Orientierungsraum“ für Glaubensfragen

Porträt von Annika Schreiter
aej-Generalsekretärin Annika Schreiter will wirksamen Jugendmedienschutz. – Alle Rechte vorbehalten Privat

Die von netzpolitik.org angefragten Organisationen haben ihre Positionen näher begründet. So schreibt Annika Schreiter für die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend (aej), junge Menschen suchen in sozialen Medien „Antworten auf alle Fragen ihrer Identitätsfindung – natürlich auch zu Glauben und Religion“. Ein Ausschluss Jugendlicher aus sozialen Medien bedeute „einen Ausschluss aus einem wichtigen Orientierungsraum für Glaubensfragen und damit eine Beschneidung ihrer Möglichkeiten zur freien Persönlichkeitsentwicklung und Teilhabe“.

Gerade das Alter um die Konfirmation herum, also 13 bis 14 Jahre, sei eine wichtige Phase. Durch ein Social-Media-Verbot wären Jugendliche gerade dann „von für sie zentralen Informations- und Austausch-Plattformen abgeschnitten“, so Schreiter. Dennoch seien soziale Medien kein sicherer Ort, auch nicht für Erwachsene. „Wir fordern als aej daher einen wirksamen Jugendmedienschutz, verantwortungsvolle Geschäftsmodelle und klare Regeln für Plattformen.“

Die EKD mahnt in ihrer Antwort zur Sorgfalt. Der Schutz junger Menschen habe Vorrang. „Welche Instrumente diesem Ziel am besten dienen – ob Altersgrenzen, strengere Plattformregulierung, ’safety by design‘ oder verbindliche Medienbildung – ist verantwortungsvoll zu prüfen“, schreibt ein Sprecher.

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BDJK: „Lebensort“ für religiöse Bildung

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend beschreibt soziale Medien als einen Raum, in dem junge Menschen „selbstbestimmt und autonom ihren Glauben erproben und neue Perspektiven kennenlernen können“, so Sprecher Toussaint. „Ohne diesen Lebensort würde ein wesentlicher Teil religiöser Bildung wegfallen.“

Wer mit einem Verbot ansetze, greife zu kurz. „Die zentralen Probleme liegen in der Ausgestaltung digitaler Plattformen“, schreibt Toussaint, „in Geschäftsmodellen, die auf maximale Aufmerksamkeit zielen, in unzureichenden Schutzmechanismen und in fehlender konsequenter Regulierung.“ Junge Menschen hätten ein Recht auf digitale Teilhabe und auf wirksamen Schutz in digitalen Räume.

Pfarrer Schwaderlapp aus dem Bistum Köln beschreibt soziale Medien als ambivalent: „Die Risiken für junge Menschen sind immens – der Benefit einer unkomplizierten Kommunikation allerdings auch.“ Kinder- und Jugendschutz müsse „unbedingt ausgebaut werden“, gerade auch im digitalen Raum. Wichtiger als die Debatte über Verbote sei aber eine Debatte über Bildung, also über Medienkompetenz von jungen und erwachsenen Menschen. „Wie helfen wir Eltern, ihrer Verantwortung für Kinder und Jugendliche gerecht zu werden?“

Breite Kritik von Fachorganisationen

Die Stimmen der kirchlichen Organisationen fügen sich in ein Mosaik aus Warnungen und Einwänden. Auch viele weltliche Organisationen wie UNICEF und Kinderhilfswerk, Arbeiterwohlfahrt und Lehrerverband lehnen ein Social-Media-Verbot für Minderjährige ab. Mehr als 400 internationale Forschende aus den Bereichen Technologie, IT-Sicherheit und Privatsphäre wiederum fordern ein Moratorium für Alterskontrollen, die Social-Media-Verbote begleiten.

Weitgehend entkoppelt von solchen Einwänden drängen wichtige Politiker*innen und Parteien weiter auf ein Social-Media-Verbot für Minderjährige, darunter CDU-Bundeskanzler Friedrich Merz, SPD-Vizekanzler Lars Klingbeil oder der französische Ministerpräsident Emmanuel Macron. Entsprechende Vorschläge für Gesetze könnten auf EU-Ebene und auf Deutschland-Ebene kommen. Zuvor sollen jedoch auf beiden Ebenen Kommissionen aus Expert*innen das Thema ausloten. Ergebnisse sollen beide Fachkommissionen bis Sommer vorlegen.

Unter dem Radar der kritischen Öffentlichkeit verhandeln derzeit außerdem EU-Kommission, Parlament und Rat im Trilog zur Einführung von Alterskontrollen für Online-Dienste mit Chatfunktion. Anlass ist die Verordnung zur Prävention und Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern, kurz: CSA-VO. Es ist also möglich, dass flächendeckende Alterskontrollen über diesen Umweg bereits vor der Tür stehen.



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Cybercrime: Behörden schalten das Datenleak-Forum LeakBase ab


Behörden aus 14 Ländern, darunter Deutschland, haben das weltweit agierende Datenleak-Forum LeakBase abgeschaltet, die zugehörigen Domains beschlagnahmt und mehrere Personen festgenommen. Das teilte die europäische Polizeibehörde Europol mit, die die Aktion leitete. Mit mehr als 142.000 Mitgliedern gilt die LeakBase-Datenbank als eines der weltweit größten Online-Foren für Cyberkriminelle zum Kauf und Verkauf gestohlener Daten und Tools für Cyberangriffe.

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Das seit 2021 aktive und öffentlich zugängliche englischsprachige Forum verfügte nach Angaben der Ermittler über ein riesiges und ständig aktualisiertes Archiv gestohlener Datenbanken mit Hunderten Millionen Zugangsdaten und ermöglichte es Usern, Informationen aus diesen gestohlenen Datenbanken zu verkaufen. Angeboten wurden Kredit- und Debitkartennummern, Bankverbindungsdaten, Benutzernamen und zugehörige Passwörter, sensible Geschäfts- und personenbezogene Daten, die zum Teil bei aufsehenerregenden Cyberangriffen erbeutet wurden.

„Die Zerschlagung dieses Online-Forums stört eine wichtige internationale Plattform, die Cyberkriminelle nutzen, um sensible persönliche Daten, Bank- und Kontodaten zu erlangen und damit Profit zu machen“, sagte der stellvertretende Generalstaatsanwalt A. Tysen Duva von der Strafabteilung des US-Justizministeriums, das ebenfalls in die Ermittlungen involviert war.

Am 3. März führten die Strafverfolgungsbehörden nach eigenen Angaben in mehreren Ländern rund einhundert koordinierte Maßnahmen durch, darunter gegen 37 der aktivsten Nutzer der Plattform. Sie vollstreckten Durchsuchungsbefehle, nahmen Festnahmen vor und befragten Personen in den Vereinigten Staaten, Australien, Belgien, Polen, Portugal, Rumänien, Spanien und dem Vereinigten Königreich. Beamte aus Kanada, Deutschland, Griechenland, dem Kosovo, Malaysia und den Niederlanden unterstützen die Ermittlungen.

Im Rahmen der Operation beschlagnahmten die Behörden die Domain sowie die Datenbank des Forums. Dies ermöglichte die Entanonymisierung mehrerer Nutzer, die glaubten, anonym zu agieren, erklärte Europol in einer Mitteilung. Die Strafverfolgungsbehörden hätten über dieselben Online-Kanäle, die für kriminelle Aktivitäten genutzt wurden, direkten Kontakt zu mehreren Verdächtigen aufgenommen.

„Diese Operation beweist, dass kein Winkel des Internets vor der internationalen Strafverfolgung sicher ist“, sagte Edvardas Šileris, Leiter des Europäischen Zentrums zur Bekämpfung der Cyberkriminalität bei Europol. „Was als dubioser Marktplatz für gestohlene Daten begann, wurde nun zerschlagen, und diejenigen, die sich hinter Anonymität versteckt wähnten, werden identifiziert und zur Rechenschaft gezogen. Dies ist eine klare Botschaft an Cyberkriminelle weltweit: Wer mit gestohlenen Daten anderer handelt, wird von den Strafverfolgungsbehörden gefunden und vor Gericht gestellt.“

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(akn)



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Europäische Strafverfolgungsbehörden zerschlagen Phishing-Plattform | heise online


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It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Eine von Europol koordinierte internationale Strafverfolgungsaktion hat die Phishing-Plattform Tycoon2FA außer Gefecht gesetzt. Dabei wurden 330 Domains, die die Kerninfrastruktur des kriminellen Dienstes bildeten, darunter Phishing-Seiten und Kontrollpanels, abgeschaltet, heißt es in einer von der europäischen Polizeibehörde veröffentlichten Mitteilung. Die Aktion wurde von Strafverfolgungsbehörden in Lettland, Litauen, Portugal, Polen, Spanien und Großbritannien sowie Akteuren des Privatsektors, darunter Cloudflare, Coinbase oder Trend Micro, in enger Zusammenarbeit unter der Koordination des Europäischen Zentrums zur Bekämpfung der Cyberkriminalität (EC3) von Europol durchgeführt.

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Tycoon 2FA war mindestens seit August 2023 aktiv und zählte laut Europol zu den größten Phishing-Operationen weltweit. Die Plattform wurde demnach von Tausenden Cyberkriminellen genutzt, um die Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) zu umgehen und ihnen unbemerkten Zugriff auf E-Mail- und Cloud-basierte Dienste zu ermöglichen. „Die Plattform generierte monatlich zig Millionen Phishing-E-Mails und ermöglichte den unbefugten Zugriff auf fast 100.000 Organisationen weltweit, darunter Schulen, Krankenhäuser und öffentliche Einrichtungen“, schreibt Europol.

Laut dem Tech-Portal Bleeding Computer wurden Tycoon2FA-Abos über den Telegram-Messenger zehn Tage Zugriff für 120 US-Dollar angeboten. Dies habe die Hürde, ausgeklügelte Angriffe zur Umgehung der MFA in großem Umfang durchzuführen, für weniger erfahrene Kriminelle deutlich gesenkt, so das Portal weiter.

„Die Plattform von Tycoon2FA ermöglichte es Angreifern, sich als vertrauenswürdige Marken auszugeben, indem sie Anmeldeseiten für Dienste wie Microsoft 365, OneDrive, Outlook, SharePoint und Gmail imitierten. Sie erlaubte es Angreifern außerdem, sich dauerhaft einzunisten und auf sensible Informationen zuzugreifen, selbst nachdem Passwörter zurückgesetzt wurden, sofern aktive Sitzungen und Token nicht explizit widerrufen wurden“, erklärte Microsoft am Mittwoch in einem Blogeintrag. „Dies funktionierte, indem während des Authentifizierungsprozesses generierte Sitzungs-Cookies abgefangen und gleichzeitig die Benutzerdaten erfasst wurden. Die 2FA-Codes wurden anschließend über die Proxy-Server von Tycoon2FA an den Authentifizierungsdienst weitergeleitet.“

Die Ermittlungen begannen, nachdem Trend Micro Informationen bereitgestellt hatte. Diese Informationen verbreitete Europol über seine EC3-Beratungsgruppen und operativen Netzwerke. Dies wiederum habe die Entwicklung einer koordinierten Einsatzstrategie ermöglicht, so das Europäische Polizeiamt. Später arbeiteten Microsoft und Trend Micro eng mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen und stellten technisches Fachwissen sowie Infrastrukturanalysen bereit.

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(akn)



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Intime Aufnahmen aus Metas Kamera-Brille landen in Nairobi


Auf den ersten Blick sind die „Smart Glasses“ von Meta nur markante Brillen mit breitem Rand; auf den zweiten Blick wird eine Kamera-Linse sichtbar. Recherchen schwedischer Zeitungen zeigen nun, wie tief die neue Überwachungsbrille von Meta in Privatsphäre und Datenschutz eingreift. Wenn viele Menschen solche Brillen tragen, droht die kommerzielle Totalerfassung von privaten und öffentlichen Räumen; bald könnte Meta die Brille zusätzlich mit Gesichtserkennung aufrüsten.

Vermarktet wird die im September 2025 von Meta-Chef Mark Zuckerberg wie eine Sensation vorgestellte Überwachungsbrille als stylischer Allround-Assistent, der den Alltag erleichtern soll. Dabei greift das Gerät massiv in die Privatsphäre der Nutzenden ein, wie Recherchen der schwedischen Zeitungen Svenska Dagbladet und Göteborgs-Posten zeigen. Sie haben hinter die Kulissen des Gadgets geschaut und dabei Erstaunliches herausgefunden. Demnach fließt ein „versteckter Strom privatsphärenrelevanter Daten“ direkt in die Systeme des Tech-Konzerns und von dort auf Bildschirme von Datenarbeiter:innen.

Menschen in Nairobi berichten von gefilmten Toilettengängen

Über Meta gelangen die Daten demnach zum Dienstleister Sama, der für den US-Konzern arbeitet. Dort schulen Menschen „Künstliche Intelligenz“. Das heißt, sie benennen in mitunter 10-Stunden-Schichten gefilmte Gegenstände, damit die Software besser Objekte erkennen kann, etwa Blumen, Straßenschilder, Laternen, Autos und so weiter. Was Tech-Konzerne oftmals als technische und digitale Revolution verkaufen, basiert also auf der mühevollen Arbeit von Menschen in Niedriglohnländern. Der Clou: Auch Aufnahmen der „Smart Glasses“ landen offenbar bei Sama, wie die schwedischen Zeitungen berichten.

Die Journalist:innen haben mit mehr als 30 solcher Datenarbeiter:innen in Nairobi, Kenia gesprochen. Einige von ihnen sind mit Echtzeit-Daten beschäftigt, die offenbar auch durch die Überwachungsbrillen zu ihnen gelangen. Im Artikel des Svenska Dagbladet heißt es über die Mitarbeitenden von Sama:

Sie erzählen uns von sehr privaten Videoclips, die offenbar direkt aus westlichen Haushalten stammen und Menschen zeigen, die die Brille in ihrem Alltag nutzen. Mehrere beschreiben Videomaterial, das Toilettengänge, Sex und andere intime Momente zeigt.

Zum Beispiel hätten Brillen auf dem Nachtisch gelegen, während sich jemand umzieht. In einem anderen Fall habe jemand die Brille getragen, als eine Person nackt aus dem Badezimmer kam. Wohnzimmer seien ebenso zu sehen gewesen wie Bankkarten – oder Nutzer:innen, die gerade einen Porno schauen. Die Datenarbeiter:innen sollen auch private Chats gesehen haben, berichtet das Svenska Dagbladet.

Im Artikel kommt ein anonymer Mitarbeiter von Sama zu Wort. Auf die Frage, ob es sich anfühle, als würde man direkt in das Leben der Menschen schauen, sagt er:

Wenn man diese Videos sieht, fühlt es sich so an. Aber da es ein Job ist, muss man es tun. Man versteht, dass man das Privatleben von jemandem betrachtet, aber gleichzeitig wird von einem erwartet, dass man einfach seine Arbeit macht. Man soll keine Fragen stellen. Wenn man anfängt, Fragen zu stellen, ist man weg.

Meta-Sonnebrille mit Kamera.
Sehen harmlos aus, können aber direkt Videos auf die Server von Meta ausleiten: Die Überwachungsbrillen. – Alle Rechte vorbehalten Meta / PR

Volle Funktionen nur mit Datenweitergabe

Die Journalist:innen haben die Brillen auch technisch getestet. Beim Kauf hätten sie erfahren, dass sich die Brillen auch lokal per App nutzen ließen. Doch ohne Internetverbindung habe die KI-Funktion der Brille nicht funktioniert. Bei der Analyse des Netzwerkverkehrs stellten die Recherchierenden fest: Das mit der Brille verbundene Telefon habe häufig Kontakt zu Meta-Servern in Schweden und Dänemark.

Dem Artikel zufolge spiegele sich das auch in den Datenschutzbestimmungen wieder, die Nutzer:innen der Brille bestätigen müssen. Damit der KI-Assistent funktioniert, müssten Sprache, Text, Bilder und manchmal auch Videos verarbeitet und möglicherweise weitergegeben werden. „Diese Datenverarbeitung erfolgt automatisch und kann nicht deaktiviert werden“, heißt es in dem Bericht weiter. Auch in die Überprüfung aufgezeichneter Inhalten durch Menschen müssten Nutzer:innen einwilligen, um die Brille verwenden zu können.

„Transparenz und Rechtsgrundlage fehlen“

Kleanthi Sardeli ist Juristin bei der Wiener Datenschutz-Organisation None Of Your Business (NOYB). Sie kommentiert die Datenverarbeitung gegenüber dem Svenska Dagbladet: „Wenn dies in Europa geschieht, fehlen sowohl die Transparenz als auch die Rechtsgrundlage für die Verarbeitung.“ NOYB zufolge ist eine ausdrückliche Zustimmung erforderlich, wenn Daten zum Trainieren künstlicher Intelligenz verwendet werden.

Auch die schwedische Datenschutzbehörde IMY kritisiert gegenüber der Zeitung die Datenverarbeitung. „Der Nutzer hat wirklich keine Ahnung, was hinter den Kulissen vor sich geht“, sagt Petter Flink, ein IT-Spezialist der IMY.

Meta habe auf viele konkrete Fragen des Svenska Dagbladet zur Datenverarbeitung nicht konkret geantwortet, sondern auf die KI- und Datenschutzrichtlinien verwiesen: „Wenn Live-KI verwendet wird, verarbeiten wir diese Medien gemäß den Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien von Meta AI.“ Das Subunternehmen Sama hat auf die Fragen der Journalist:innen nicht geantwortet.



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